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Die Bellovaker: Der mächtigste Belgerstamm

Aufklärung Die Bellovaker: Der mächtigste Belgerstamm Als Caesar die Belger beschrieb, galt ihm ein Stamm als der mächtigste und tapferste von allen: die Bellovaker. Aus ihrem Land wurde das heutige Beauvais.

Die Bellovaker (lateinisch Bellovaci) waren ein keltischer Stamm im Norden Galliens, im Land der Belger, im Raum des heutigen Beauvais (Département Oise). Caesar selbst nennt sie den mächtigsten und tapfersten Stamm unter den Belgern – ein bemerkenswertes Lob aus dem Mund ihres Eroberers. Ihre Geschichte ist die eines stolzen, streitbaren Volkes, das Rom zweimal die Stirn bot.

Ein Volk der Belger

Die Belger waren jene Stämmegruppe im Norden Galliens, die Caesar für die tapferste hielt – „weil sie am weitesten von der Zivilisation und Bildung der Provinz entfernt" seien und am häufigsten mit den kriegerischen Germanen jenseits des Rheins zu tun hätten. Unter diesen Belgern ragten die Bellovaker heraus: Sie konnten, so Caesar, das größte Heer stellen und galten als die Anführer der belgischen Welt. Ihr Land war fruchtbar und dicht besiedelt, ihre Krieger gefürchtet.

Der belgische Aufstand 57 v. Chr.

Als sich 57 v. Chr. die Belger gegen Caesar erhoben, stellten die Bellovaker das größte Kontingent. Caesar berichtet, sie hätten 60.000 bewaffnete Männer versprochen – die stärkste Streitmacht des ganzen Bündnisses. Doch der große belgische Aufstand zerfiel: Nach der Schlacht an der Aisne und dem Zusammenbruch der Koalition mussten sich auch die Bellovaker unterwerfen. Caesar behandelte sie vergleichsweise milde, auf Fürsprache der mit Rom verbündeten Häduer, mit denen die Bellovaker alte Verbindungen hatten.

Bratuspantium – die große Festung

Der Hauptort der Bellovaker war das Oppidum Bratuspantium, dessen genaue Lage bis heute umstritten ist (Kandidaten liegen im Raum Beauvais). Caesar beschreibt, wie sich beim belgischen Aufstand die Bevölkerung in ihre Festungen zurückzog. Die Oppida der Belger waren keine bloßen Fluchtburgen, sondern befestigte Zentren mit Handwerk, Handel und Verwaltung. Später wurde aus dem Hauptort der Bellovaker die gallorömische Stadt Caesaromagus – und aus dem Stammesnamen das heutige Beauvais.

Der zweite Aufstand 51 v. Chr.

Die Bellovaker gaben sich nicht geschlagen. Noch 51 v. Chr., nach dem Fall von Alesia, erhoben sie sich erneut – als einer der letzten Stämme, die Rom offen trotzten. Unter ihrem Anführer Correus führten sie einen zähen, geschickten Guerillakrieg gegen Caesar, mit Hinterhalten und beweglicher Kriegsführung, statt sich in eine offene Schlacht zwingen zu lassen. Erst nach schweren Kämpfen und dem Tod des Correus wurde auch dieser letzte Widerstand gebrochen. Die Bellovaker gehören damit zu den Stämmen, die Roms Eroberung Galliens am längsten bekämpften.

Caesaromagus wird Beauvais

Nach der Eroberung wurde das Land der Bellovaker Teil des römischen Gallien. Ihr Hauptort, nun Caesaromagus genannt, entwickelte sich zu einer gallorömischen Stadt. Wie bei so vielen gallischen Städten setzte sich über die Jahrhunderte der Stammesname gegen den römischen Namen durch: Aus „civitas Bellovacorum" wurde Beauvais. Die Stadt wurde im Mittelalter berühmt für ihre gewaltige Kathedrale mit dem höchsten gotischen Chor der Welt – auf dem Boden eines keltischen Stammes.

Der Name lebt: Beauvais und das Beauvaisis

Der Name der Bellovaker lebt gleich doppelt weiter: in der Stadt Beauvais und in der Landschaft Beauvaisis. Wie bei den Parisii (Paris), den Remern (Reims) und den Atrebaten (Arras) zeigt sich hier das große Muster der gallischen Namensvererbung: Der antike Stammesname überlebte Rom, das Mittelalter und die Neuzeit und prägt die französische Landkarte bis heute.

Was die Bellovaker besonders macht

Die Bellovaker sind der Musterfall des tapferen Belgerstamms: mächtig, stolz und bis zuletzt widerständig. Zweimal boten sie Caesar die Stirn – 57 und noch einmal 51 v. Chr. –, und ihr Guerillakrieg unter Correus zeigt eine kluge, bewegliche Kriegsführung jenseits des Klischees vom „wilden Barbaren". Für ein ehrliches Bild der Kelten gehören sie zu den eindrucksvollsten Gegnern Roms in Gallien – gleich neben Vercingetorix und den Nerviern.

Woher wir das wissen

Die Hauptquelle ist Caesar (De bello Gallico II und VIII, Letzteres von seinem Offizier Hirtius fortgesetzt), der die Bellovaker, den Aufstand und Correus' Guerillakrieg ausführlich schildert – allerdings als Täter und Chronist zugleich, mit eigenem Interesse. Ergänzend berichtet Strabon. Das Bild vervollständigt die Archäologie der belgischen Oppida und von Beauvais. Beleg und Deutung halten wir auseinander: Macht, Aufstände und Namensfortleben sind gut bezeugt; die Zahl von 60.000 Kriegern ist propagandistisch gefärbt, und die Lage von Bratuspantium bleibt unsicher.

Correus und der Guerillakrieg

Der zweite Aufstand der Bellovaker 51 v. Chr. ist ein Lehrstück kluger Kriegsführung. Ihr Anführer Correus vermied die offene Feldschlacht, in der Roms Legionen überlegen waren, und setzte stattdessen auf Hinterhalte, bewegliche Reiterei und die Kontrolle schwieriger Geländeabschnitte. Caesars Offizier Hirtius, der das achte Buch des Kriegsberichts schrieb, schildert ausführlich, wie schwer es den Römern fiel, die Bellovaker zu fassen. Erst als Correus in einem Hinterhalt fiel, brach der Widerstand. Die Bellovaker zeigen damit, dass gallische Anführer Roms Stärken sehr wohl kannten – und ihnen mit Taktik zu begegnen suchten.

Von Caesaromagus zur Kathedralstadt

Aus dem Hauptort der Bellovaker wurde unter Rom Caesaromagus, später Beauvais. Im Mittelalter erlangte die Stadt Weltruhm durch ihre Kathedrale Saint-Pierre, deren gotischer Chor mit über 48 Metern der höchste der Welt ist – ein Bau von so kühnem Ehrgeiz, dass Teile davon einstürzten und das Langhaus nie vollendet wurde. Dass ausgerechnet auf dem Boden des tapfersten Belgerstamms dieses Wagnis mittelalterlicher Baukunst entstand, ist ein schöner Zufall der Geschichte: Der Mut der Bellovaker fand in der Kühnheit ihrer späten Nachfahren einen Widerhall.

Wer waren die Belger?

Die Bellovaker führen mitten hinein in die Frage nach den Belgern. Caesar behandelt sie als eigene der drei großen Gruppen Galliens, neben Kelten und Aquitaniern. Viele Belgerstämme rühmten sich germanischer Abkunft; ihr Raum lag im Grenzland zwischen der keltischen und der germanischen Welt, und die Übergänge waren fließend. Ob die Belger nun „keltisch" oder „germanisch" waren, ist eine moderne Frage, die den Menschen der Antike fremd war. Die Bellovaker mit ihrem stolzen Selbstbewusstsein und ihrer Nähe zu Germanen und Häduern zeigen, wie unscharf diese Grenzen in Wirklichkeit waren.

So verbinden die Bellovaker keltischen Stolz, belgische Tapferkeit und ein langes Nachleben im Namen: von Caesars „mächtigstem Stamm der Belger" über die römische Stadt Caesaromagus bis zum heutigen Beauvais mit seiner kühnen Kathedrale. Sie gehören zu den eindrucksvollsten Gegnern, die Rom in Gallien fand – und zu den vielen keltischen Namen, die bis heute auf der Landkarte Frankreichs stehen.

„Unter den Belgern sind die Bellovaker die mächtigsten an Tapferkeit, Ansehen und Zahl."nach Caesar, De bello Gallico II (gemeinfrei, eigene Übersetzung)
Was belegt ist: Die Bellovaker als mächtigster Stamm der Belger (Caesar); ihr großes Kontingent im Aufstand 57 v. Chr.; der erneute Aufstand 51 v. Chr. unter Correus mit Guerillakrieg; ihr Hauptort (später Caesaromagus) und das Fortleben des Namens in Beauvais und Beauvaisis.
Was Deutung ist: Die Zahl von 60.000 Kriegern stammt aus Caesars Bericht und ist wahrscheinlich überzeichnet (er überhöht regelmäßig Gegnerstärken). Die genaue Lage des Oppidums Bratuspantium ist bis heute umstritten. Caesars Lob der belgischen Tapferkeit dient auch der Steigerung seines eigenen Ruhms.
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