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Björn Eisenseite – vom Seine-Wikinger der Annalen zum Sagakönig von Uppsala

Geschichte & Funde Björn Eisenseite – vom Seine-Wikinger der Annalen zum Sagakönig von Uppsala

Hinter Björn Eisenseite steckt wahrscheinlich ein realer Wikinger – aber ein anderer, als Sagas und Serien erzählen: Fränkische Annalen bezeugen einen Wikingerführer Berno, der 856 bis 858 an der Seine kämpfte und dann Karl dem Kahlen die Treue schwor. Dass er Ragnars Sohn war, 859 mit Hastein ins Mittelmeer segelte, Luni für Rom hielt und als König in Uppsala endete, steht erst in Quellen ab etwa 1070. Wir trennen für dich Annalen, Legende und Grabhügel – Schicht für Schicht.

Ein Name, mehrere Männer

Wer nach Björn Eisenseite sucht, findet einen Hünen mit Kriegsbemalung, einen Sohn Ragnars, einen Entdecker, der bis ins Mittelmeer segelt und als König von Schweden in einem gewaltigen Grabhügel liegt. Diese Figur ist ein Mosaik aus Quellen vom 9. bis zum 14. Jahrhundert – und die Fugen dazwischen sind breiter, als die meisten Darstellungen zugeben.

Genau genommen begegnen uns mindestens drei Björns. Der erste heißt Berno und steht in fränkischen Annalen der 850er Jahre: ein Anführer von Seine-Wikingern, der dem westfränkischen König Karl dem Kahlen die Treue schwört. Der zweite heißt Bier Costae ferreae, „Björn Eisenrippe“, und taucht um 1070 bei einem normannischen Mönch auf, der ihn zum Königssohn und Anführer einer Fahrt nach Rom macht. Der dritte ist Bjǫrn járnsíða der isländischen Sagas, Sohn von Ragnar Lodbrok und Aslaug, Eroberer Schwedens und Ahnherr einer Königslinie. Ob alle drei derselbe Mann sind, weiß niemand sicher. Dazu kommt ein vierter, ein König am Mälaren um 829, der gern mit ihm verwechselt wird.

Wir gehen diese Schichten einzeln durch, von der Annalennotiz bis zum Grabhügel auf Munsö. Die ganze Familie sortieren wir im Artikel über Ragnars Söhne, den angeblichen Vater bei Ragnar Lodbrok.

Berno an der Seine: was die Annalen 855–858 berichten

Der historisch greifbarste Björn ist zugleich der unspektakulärste. Er erscheint in zwei fränkischen Quellen: in den Annales Bertiniani, den Annalen von Saint-Bertin, der wichtigsten westfränkischen Chronik dieser Jahrzehnte, und in den Annalen von Fontenelle, auch Chronicon Fontanellense genannt. Letztere entstanden im Kloster Saint-Wandrille an der unteren Seine, also bei Leuten, die Wikinger vor der eigenen Haustür hatten. Ihre Jahreszahlen sind allerdings unzuverlässig: Die Raubzüge von 856/857 stehen dort teils unter 855.

Das Bild, das sich ergibt: Im Juli 856 fuhr ein Wikingerführer namens Sidroc in die Seine ein. Mitte August stieß eine zweite Flotte zu ihm – die unter Björn. Die Annales Bertiniani notieren, dass sich die Seine-Dänen an einem günstig gelegenen Platz namens Jeufosse festsetzten und dort in aller Ruhe überwinterten. Um die Jahreswende 856/857 überfielen Seine-Wikinger Paris und brannten Kirchen nieder. Sidroc zog später ab, Björn blieb. Er befestigte ein Lager auf einer Flussinsel, die die Quellen Oscellus nennen – vermutlich das heutige Oissel oberhalb von Rouen. Von dort aus streiften seine Leute 857 bis Bayeux und Évreux.

Zeitgenössisch belegt: Ein Wikingerführer Björn (lateinisch Berno) war von 856 bis 858 an der Seine aktiv, hielt ein befestigtes Lager bei Oissel und schwor 858 Karl dem Kahlen die Treue. Das bezeugen die Annales Bertiniani, ergänzt durch das Chronicon Fontanellense. Kein zeitgenössischer Text nennt ihn Ragnars Sohn, keiner gibt ihm den Beinamen „Eisenseite“.

Oissel und der Treueid von Verberie

Dann kommt die Szene, die Björn in der Forschung einen kleinen Ehrenplatz eingebracht hat. Zu 858 berichten die Annales Bertiniani:

„Berno dux partis pyratarum Sequanae insistentium ad Karlum regem in Vermeria palatio venit.“ – Berno, Anführer eines Teils der an der Seine sitzenden Piraten, kam zu König Karl in die Pfalz Verberie.Annales Bertiniani zu 858 (lateinischer Text nach Coupland 1998, eigene Übertragung)

Die Annalen fahren fort, er habe dem König seine Hände gegeben und ihm nach der Sitte seines Volkes Treue geschworen. Das ist die Kommendation: Wer seine Hände in die eines Herrn legt, wird sein Mann. Der Historiker Simon Coupland hat Björn deshalb als den frühesten bekannten Skandinavier bezeichnet, der – außerhalb der dänischen Königsfamilie – in den Dienst eines fränkischen Königs trat. Was Björn dafür bekam, steht nicht da. Sehr wahrscheinlich ging es um Silber: Ein Brief einer Bischofssynode vom November 858, vermutlich von Hinkmar verfasst, klagt über einen „unverdienten Tribut“, der an die Wikinger gezahlt werde.

Trotzdem belagerte Karl im Juli 858 das Lager auf Oissel – offenbar saßen dort noch Seine-Wikinger, die sich nicht unterworfen hatten; wer genau, sagen die Quellen nicht. Die Belagerung scheiterte im September, weil Karls Halbbruder Ludwig der Deutsche ins Westfrankenreich einfiel. Danach verschwindet Berno aus den Annalen: kein Tod, keine Abreise, kein Verrat. Coupland deutet das vorsichtig als Zeichen, dass er seinem Eid treu blieb.

Das ist mager, aber es ist der einzige Moment, in dem wir einen Björn der Wikingerzeit mit Datum, Ort und Handlung sicher fassen. Wie sehr die Franken solche Abmachungen mit Wikingern zur Methode machten, siehst du in unserem Artikel über die Wikinger in Frankreich – rund fünfzig Jahre später wurde aus genau so einem Arrangement die Normandie unter Rollo.

859: eine Flotte zwischen Spanien und Afrika

Ein Jahr nach Verberie bricht eine Unternehmung los, die zu den weitesten der ganzen Wikingerzeit gehört. Die Annales Bertiniani halten sie zu 859 in einem einzigen, fast beiläufigen Satz fest: Dänische Piraten seien nach einer langen Seefahrt, zwischen Spanien und Afrika hindurch, in die Rhône eingefahren, hätten Städte und Klöster verwüstet und sich auf einer Insel namens Camaria – der Camargue – niedergelassen. Von dort, so die Annalen weiter, zogen sie nach Italien, nahmen Pisa und andere Städte ein und plünderten sie.

Wer diese Leute anführte, sagen die Annalen nicht. Die zeitgenössische Quelle kennt eine Flotte, keinen Björn.

Von der anderen Seite des Meeres kommen arabische Berichte. Die Andalusier nannten die Nordleute al-Madjūs – ursprünglich ein Wort für Zoroastrier, übertragen auf die heidnischen Fremden aus dem Norden. Die wichtigsten Texte stammen von Historikern des 10. bis 14. Jahrhunderts wie Ibn al-Qūṭiyya, Ibn Ḥayyān, al-Bakrī und Ibn ʿIdhārī, die teils ältere, verlorene Werke verarbeiteten. Sie sind näher an den Ereignissen als jede Saga, aber nicht zeitgenössisch, und widersprechen sich in Zahlen und Reihenfolgen. Nach dieser Überlieferung erschien 859 eine Flotte – oft genannt werden 62 Schiffe – vor Iberien, wurde in Galicien abgewehrt, traf an der Küste von al-Andalus auf Wachschiffe des Emirats von Córdoba und brannte in Algeciras die Moschee nieder. Al-Bakrī berichtet dann von einem Überfall auf Nakūr, ein kleines Emirat an der marokkanischen Mittelmeerküste, wo die Madjūs eine Woche blieben und Gefangene machten. Weitere Angriffe trafen Orihuela und die Balearen.

Die Historikerin Ann Christys, die die lateinischen und arabischen Texte im Original untersucht hat, mahnt zur Vorsicht: Vieles ist spät, aus zweiter Hand und dramatisiert, und nicht jeder Angriff der Madjūs muss von Skandinaviern stammen. Die Grundzüge – Iberien, Gibraltar, Nordafrika, Rhône, Italien – sind aber durch fränkische und arabische Quellen unabhängig gedeckt. Das Gesamtbild zeigt unser Artikel über die Wikinger im Mittelmeer und in al-Andalus.

Eine dritte Stimme kommt aus Irland. Die Fragmentary Annals of Ireland, nur in späterer Abschrift erhalten, erzählen von einer Fahrt nach Spanien und Afrika und von Gefangenen, die als fir gorma, „blaue Männer“, nach Irland gebracht wurden – offenbar dunkelhäutige Nordafrikaner. Als Anführer nennen sie nicht Björn und Hastein, sondern zwei Söhne eines gewissen Ragnall. Dass Menschen aus Nordafrika so auf nordische Sklavenmärkte gerieten, passt zu dem, was wir über Sklaverei bei den Wikingern wissen.

Rhône, Pisa, Luni – die Fahrt nach Italien

Den Winter 859/860 verbrachte die Flotte in der Camargue, im sumpfigen Rhône-Delta: viel Wasser, wenig Zugang über Land. Im Frühjahr 860 fuhren die Nordleute den Fluss hinauf; die Annales Bertiniani notieren, sie seien verwüstend bis Valence gelangt und dann zu ihrer Insel zurückgekehrt. Spätere Darstellungen nennen auch Arles, Nîmes und Narbonne, teils auf dünner Grundlage. Dann wandte sich die Flotte nach Italien.

Pisa nennen die fränkischen Annalen ausdrücklich. Die Fahrt den Arno hinauf bis Fiesole und die Eroberung von Luni an der ligurisch-toskanischen Grenze stehen erst in späteren Texten. Luni, das antike Luna, war eine Bischofsstadt im Niedergang, schon 849 von sarazenischen Piraten heimgesucht. Eine Weiterfahrt bis Konstantinopel hält Christys für unbelegt – der Rus-Angriff auf die Stadt 860 kam von ganz anderen Leuten aus Osteuropa.

Die Dimension: Eine Flotte aus Westfrankreich umrundet Iberien, passiert Gibraltar, plündert in Marokko, überwintert in Südfrankreich und erreicht die Toskana – Tausende Seemeilen in offenen Schiffen, ohne sicheren Hafen. Wie solche Schiffe gebaut waren und was sie aushielten, zeigt unser Beitrag über die Langschiffe.

Die Luni-Legende: ein Toter, der aufsteht

Nun die Geschichte, wegen der Björn bis heute erzählt wird. Die älteste Fassung steht bei Dudo von Saint-Quentin, einem Kanoniker, der zu Beginn des 11. Jahrhunderts im Auftrag der normannischen Herzöge deren Vorgeschichte aufschrieb. Bei Dudo ist der Held allein Hasting, latinisiert für Hastein. Björn kommt in seiner Fassung nicht vor.

Die Handlung: Die Nordleute wollen Rom erobern, landen vor einer prächtig ummauerten Stadt und halten sie für Rom. Die Mauern sind zu stark. Also lässt Hastein dem Bischof ausrichten, er liege im Sterben und wolle getauft werden. Man tauft ihn. Bald heißt es, er sei tot und wünsche ein christliches Begräbnis. Der Trauerzug zieht durch das Tor, Waffen unter den Gewändern. In der Kirche springt der Tote von der Bahre, erschlägt den Bischof, seine Männer öffnen die Tore – und erst danach erfährt Hastein, dass er nicht Rom, sondern das unbedeutende Luni erobert hat.

Wilhelm von Jumièges, Mönch in der Normandie, übernahm die Geschichte um 1070 in seine Gesta Normannorum Ducum, die „Taten der Herzöge der Normannen“, und baute Björn als Anführer der ganzen Fahrt ein. Erst seit Wilhelm also stehen Björn und Hastein gemeinsam vor Luni – mehr als zweihundert Jahre nach den Ereignissen.

Mythos-Check: Dass Wikinger 859/860 in Italien plünderten, ist zeitgenössisch belegt. Dass sie Luni für Rom hielten und die Stadt mit einer Scheintaufe und einem Scheinbegräbnis einnahmen, steht erst rund 150 Jahre später bei Dudo – und dort ohne Björn. Das Motiv des falschen Begräbnisses ist ein Wanderstoff: Die Heimskringla erzählt fast dieselbe List von Harald Hardrada, der als Söldnerführer auf Sizilien eine Stadt mit einem vorgetäuschten Leichenzug genommen haben soll. Wenn dieselbe Pointe an mehreren Helden klebt, ist sie eher eine gute Geschichte als ein Bericht.

Gehalten hat sich die Legende, weil sie alles bietet, was mittelalterliche Erzähler liebten: den gerissenen Heiden, den naiven Bischof und den Eroberer, der die falsche Stadt erwischt. Wie Harald Hardrada selbst Legende und Leben mischt, liest du in unserem Artikel über Harald Hardrada.

Der teure Heimweg

Für die Rückfahrt sind wir vor allem auf arabische Überlieferung und auf Zahlen angewiesen, die in der Literatur immer wieder auftauchen: rund 40 Schiffe seien in einem Sturm verloren gegangen, weitere bei Kämpfen mit der andalusischen Flotte nahe Gibraltar, und von 62 Schiffen seien am Ende etwa 20 zurückgekehrt. Gesichert ist das nicht. Die Tendenz passt aber zum Emirat von Córdoba, das nach dem schweren Angriff auf Sevilla 844 Werften und eine Flotte aufgebaut hatte. Gibraltar, auf dem Hinweg ein Tor, wurde auf dem Rückweg zur Falle.

Oft zu lesen ist auch, die Nordleute hätten auf dem Heimweg Pamplona überfallen und König García Íñiguez gegen hohes Lösegeld gefangen gehalten. Der Bericht stammt aus arabischer Überlieferung, und ob das dort genannte Banbalūna wirklich ein Wikingerangriff auf Pamplona meint, ist umstritten. Um 861/862 tauchten Reste der Flotte wieder in westfränkischen Gewässern auf.

Die ehrliche Bilanz: kühn, weitreichend, beutereich – und verlustreich. Der Süden hatte Flotten, Festungen und eine Verwaltung, die Angriffe beantwortete.

Wilhelm von Jumièges macht aus Berno einen Königssohn

Bei Wilhelm von Jumièges bekommt Björn zum ersten Mal eine Biografie. Er erklärt, bei den Dänen sei es Brauch gewesen, die jüngeren Söhne außer Landes zu schicken, damit das Reich nicht zersplittere. So habe König Lotbrocus – Ragnar Lodbrok – seinen Sohn Björn ausgesandt, zusammen mit Hasting als dessen Erzieher und Ziehvater. Nach den Raubzügen in Frankreich und der großen Fahrt in den Süden sei Björn auf dem Rückweg an der englischen Küste gescheitert und schließlich in Friesland gestorben.

Die Darstellung hat Haken. Hastein ist zeitgenössisch erst ab den 860er Jahren an der Loire greifbar, später in England, wo ihn die Angelsächsische Chronik 892 bis 896 als Gegner Alfreds des Großen führt. Dass er in den 850ern Ziehvater eines Königssohns war, ist Konstruktion. Wilhelm verknüpft drei Fäden – den Seine-Björn, die anonyme Mittelmeerflotte und die Lodbrok-Tradition – zu einem Lebenslauf. Ob er dabei echte Erinnerung bewahrt oder berühmte Namen zusammenführt, lässt sich nicht entscheiden.

Woher kommt „Eisenseite“?

Auch der Beiname ist kein Fundament. Die fränkischen Annalen kennen ihn nicht. Zum ersten Mal steht er bei Wilhelm von Jumièges: Bier Costae ferreae, „Björn mit den eisernen Rippen“. Danach erscheint er im Norden als Bjǫrn járnsíða, „Eisenseite“, in der Ragnars saga loðbrókar, im Ragnarssona þáttr, der „Erzählung von Ragnars Söhnen“, und in der Hervarar saga – Texten, die im 13. und 14. Jahrhundert aufgeschrieben wurden, mehr als vierhundert Jahre nach Verberie.

Eine Erklärung liefert der dänische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus um 1200 in seinen Gesta Danorum: Björns Flanken seien im Kampf wie Eisen gewesen, daher der Name. Das ist eine Deutung, keine Augenzeugenschaft. Ob „Eisenseite“ ursprünglich auf Rüstung, Narben oder Zähigkeit anspielte, wissen wir nicht; oft wurde die Geschichte zum Beinamen erst nachträglich erfunden. Wie Saxo arbeitet, zeigen wir bei Saxo Grammaticus.

In den Sagas ist Björn ein Sohn Ragnars mit Aslaug, Bruder von Ivar dem Knochenlosen, Hvitserk und Sigurd Schlangenauge. Mit den Brüdern besiegt er König Eysteinn von Schweden. Für die isländischen Erzähler war er vor allem der Bruder, der Schweden bekam.

König in Uppsala: Björns Nachkommen in den Sagas

Der Ragnarssona þáttr sagt es ohne Umschweife. Sinngemäß, in eigener Übertragung: Björn Eisenseite bekam Uppsala und ganz Schweden mit allem, was dazugehörte. Uppsala, das heutige Gamla Uppsala nördlich von Stockholm, galt den Sagaerzählern als alter Königssitz mit großen Hügelgräbern und einem berühmten Heiligtum – mehr dazu in unserem Artikel über Alt-Uppsala.

Die Hervarar saga ok Heiðreks, eine Vorzeitsaga des 13. Jahrhunderts, liefert die ausführlichste Genealogie; einige Fassungen enden mit einer Königsliste bis ins 12. Jahrhundert. Björn ist darin Gründer einer neuen Linie: Seine Söhne seien Eiríkr und Refill gewesen, Eiríkr habe nach dem Vater nur kurz regiert. Es folgen Könige wie Björn „am Hügel“ (at Haugi) und Önund von Uppsala, und weiter unten Herrscher, die wir aus besseren Quellen kennen, etwa Erik der Siegreiche und Olof Schoßkönig. Die Verknüpfungen unterscheiden sich je nach Handschrift, und für das 9. Jahrhundert gilt die Liste nicht als verlässlich. Über Aslaug, die Tochter Sigurds des Drachentöters, reicht der Stammbaum bis in die Heldensage – er soll Ansehen stiften.

Die Forschung nennt dieses Herrscherhaus meist neutral „das alte Königsgeschlecht“. Der verbreitete Name „Munsö-Dynastie“ ist ein modernes Etikett, das an der Vermutung hängt, die Könige hätten ihren Sitz auf die Insel Munsö im Mälaren verlegt – und an genau dem Grabhügel, um den es gleich geht. Schwedische Historiker meiden den Begriff weitgehend.

Der andere Björn: In der Vita Ansgarii, der Lebensbeschreibung des Missionars Ansgar, verfasst von Rimbert um 870, empfängt um 829 ein schwedischer König Björn den Missionar in Birka. Er ist zeitgenössisch gut bezeugt – aber nichts verbindet ihn mit dem Seine-Björn von 858 oder dem Ragnarsohn. Wer die beiden gleichsetzt, verbindet zwei Männer, die nur den Namen teilen. Mehr über diesen Besuch erzählen wir bei Ansgar und Birka.

Björns Hügel auf Munsö

Westlich von Stockholm, auf der Insel Munsö in der Gemeinde Ekerö, liegt ein großer Grabhügel, der seit Jahrhunderten Björn Järnsidas hög heißt – Björn Eisenseites Hügel. Nach Angaben der Gemeinde misst er etwa 20 Meter im Durchmesser und ist rund fünf Meter hoch. Er gehört zu einem Gräberfeld mit zahlreichen weiteren, kleineren Hügeln, und auf seiner Kuppe liegt das Bruchstück eines Runensteins aus dem späten 11. Jahrhundert. Der Stein ist also Jahrhunderte jünger als jeder denkbare Björn und nennt ihn auch nicht.

Der Name stammt, soweit man ihn zurückverfolgen kann, aus der Gelehrtenstube. Um 1700 ordnete der schwedische Altertumsforscher Johan Peringskiöld die Könige der Sagas den großen Grabhügeln des Landes zu. Die Hervarar saga und eine Königsliste des 17. Jahrhunderts brachten Björn mit Munsö in Verbindung, und so bekam der größte Hügel der Insel seinen Toten. Die Gemeinde Ekerö schreibt selbst, Peringskiöld habe mit viel Begeisterung, aber nicht unbedingt wissenschaftlich gearbeitet.

Das Gräberfeld wird nach Angaben der Gemeinde etwa in die Zeit von 550 bis 800 gesetzt. Der Hügel wäre damit älter als der Björn, der 858 an der Seine stand. Eine moderne Ausgrabung, die den Toten datieren oder benennen könnte, ist uns nicht bekannt. Die Größe spricht für eine mächtige Person der jüngeren Eisenzeit. Wer das war, bleibt offen.

Mythos-Check: „Hier liegt Björn Eisenseite“ ist eine Zuschreibung von Altertumsforschern um 1700, keine archäologische Erkenntnis. Die Datierung des Gräberfelds passt nicht gut zu einem Mann, der um 858 lebte, und kein Fund im Hügel nennt einen Namen. Der Hügel ist ein eindrucksvolles Denkmal der schwedischen Eisenzeit. Björns Grab ist er nur in der Sage.

Ein Besuch lohnt trotzdem: Das Gräberfeld ist frei zugänglich, und nicht weit entfernt liegt Adelsö mit den Königshügeln von Hovgården, wo der Björn von 829 residiert haben dürfte.

Björn in der Serie „Vikings“

Für viele ist Björn Eisenseite vor allem ein Gesicht: Alexander Ludwig spielte ihn in der Serie „Vikings“ (2013–2020) als Ragnars ältesten Sohn, Sohn der Schildmaid Lagertha, Mittelmeerfahrer und König von Kattegat. Die Serie hat den Namen bekannter gemacht als alle Quellen zusammen – und dabei Jahrhunderte gemischt und Beziehungen erfunden. Lagertha als Björns Mutter steht in keiner Quelle; Saxo kennt eine Ladgerda als Ragnars Frau, macht Björn aber nicht zu ihrem Sohn. Mehr im Faktencheck zur Serie „Vikings“ und bei Lagertha.

Was von Björn bleibt

Zieh die Schichten ab, und übrig bleibt ein Wikingerführer, der 856 bis 858 an der Seine Krieg führte und sich dann einem fränkischen König unterwarf. Daneben steht eine anonyme Flotte, die 859 bis 861 eine der weitesten Raubfahrten des frühen Mittelalters unternahm. Ein normannischer Mönch fügte beide um 1070 zusammen und setzte Ragnar als Vater dazu. Isländische Erzähler machten daraus den Stammvater schwedischer Könige, Gelehrte des 18. Jahrhunderts gaben ihm ein Grab.

Das ist keine Entzauberung, sondern ein Lehrstück, wie aus einer Klosternotiz ein Held wird, an dem Könige ihre Herkunft festmachen. Wer einen Ragnarsohn auf Schiefer oder Holz verewigt, kann beides tragen: den Mann aus den Annalen und die Legende, die aus ihm wurde. Wenn du weiterlesen magst, wie die Könige der Wikingerzeit zwischen Quelle und Sage stehen, schau in unseren Überblick über die großen Könige der Wikingerzeit und zu Björns Bruder Ivar dem Knochenlosen.

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Häufige Fragen

Hat Björn Eisenseite wirklich gelebt? Ein Wikingerführer namens Björn (Berno) ist zwischen 856 und 858 an der Seine zeitgenössisch belegt. Ob er derselbe Mann ist wie der Ragnarsohn der Sagas, ist nicht beweisbar.

War Björn Eisenseite der Sohn von Ragnar Lodbrok? Das behaupten erst Wilhelm von Jumièges um 1070 und die isländischen Sagas des 13. und 14. Jahrhunderts. Zeitgenössische Quellen nennen keinen Vater.

Ist Björn Eisenseite bis nach Rom gesegelt? Eine Wikingerflotte erreichte um 860 Italien und plünderte Pisa. Die Geschichte, man habe Luni für Rom gehalten, ist eine spätere Legende, Rom selbst haben Wikinger nie angegriffen.

Wo ist Björn Eisenseite begraben? Der Hügel „Björn Järnsidas hög“ auf Munsö im Mälaren wird ihm seit etwa 1700 zugeschrieben. Belegt ist das nicht, und das Gräberfeld ist nach heutiger Einschätzung wohl älter als Björn.

Warum heißt er Eisenseite? Der Beiname taucht erst um 1070 als „Costae ferreae“ auf. Saxo Grammaticus erklärt ihn um 1200 mit Unverwundbarkeit im Kampf – eine nachträgliche Deutung.

Wann ist Björn Eisenseite gestorben? Das weiß niemand. Der Seine-Björn verschwindet nach 858 aus den Annalen; Wilhelm von Jumièges lässt ihn in Friesland sterben, die Sagas als König in Schweden.

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Ragnars Söhne · Ragnar Lodbrok · Ivar der Knochenlose · Lagertha die Schildmaid · Die Langschiffe.

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