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Cernunnos: Der gehörnte Herr der Tiere

Folklore & Glaube Cernunnos: Der gehörnte Herr der Tiere Ein Gott mit Hirschgeweih, im Schneidersitz, umgeben von Tieren und mit einem Widderschlangen-Wesen in der Hand: Cernunnos ist eines der eindrucksvollsten Bilder der keltischen Religion – und eines der rätselhaftesten.

Cernunnos ist der geweihtragende Gott der Kelten, oft als „Herr der Tiere" gedeutet. Sein Name ist tatsächlich belegt – auf dem Pariser Nautenpfeiler (1. Jh. n. Chr.) steht „_ernunnos" über einer gehörnten Gottheit. Ansonsten kennen wir ihn fast nur aus Bildern, kaum aus Texten.

Der Kessel von Gundestrup

Sein berühmtestes Abbild ziert den silbernen Kessel von Gundestrup (um 1. Jh. v. Chr., in einem dänischen Moor gefunden): ein Gott mit Hirschgeweih, im Schneidersitz, in der einen Hand einen Halsring (Torques), in der anderen eine widderköpfige Schlange, umgeben von Tieren. Das Bild strahlt Ruhe und Macht über die Natur aus.

Herr über Tiere, Fruchtbarkeit und Wandel

Weil Texte fehlen, deutet man Cernunnos aus seinen Bildern: als Gott der wilden Tiere, der Fruchtbarkeit, des Waldes und vielleicht der Schwelle zwischen den Welten. Das Geweih – das der Hirsch jährlich abwirft und neu bildet – passt gut zu einem Gott von Wachstum und Erneuerung. Sicher ist das aber nicht.

„Verstand bedarf, wer weit reist; daheim ist alles leicht."Hávamál 5, nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)
Was belegt ist: Der Name Cernunnos auf dem Pariser Nautenpfeiler (1. Jh. n. Chr.). Zahlreiche Bilddarstellungen eines gehörnten, sitzenden Gottes mit Tieren und Torques – am berühmtesten auf dem Kessel von Gundestrup.
Was Deutung/Mythos ist: Fast alles über Cernunnos' „Bedeutung" ist aus Bildern erschlossen, nicht aus Texten – es gibt keine überlieferte Cernunnos-Geschichte. Der Kessel von Gundestrup ist zudem keltisch-thrakische Mischkunst und stammt nicht aus der nordischen Welt (er lag nur im dänischen Moor). Die moderne neuheidnische Deutung als „gehörnter Gott" eines Fruchtbarkeitskults geht über die Quellen weit hinaus.

Cernunnos ist das stille, mächtige Gesicht der keltischen Naturreligion – ein Gott, den wir sehen, aber kaum hören. Mehr im Überblick Keltische Religion.

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