An der Mündung der Schelde, dort wo Händler zur gefährlichen Nordsee-Überfahrt aufbrachen, stand eine Göttin bereit: Nehalennia. Ihr Kult ist einer der bestbelegten der ganzen Region – dank hunderter Weihesteine.
Nehalennia war eine Göttin, die an der Küste der heutigen Niederlande (Domburg und Colijnsplaat, Provinz Zeeland) verehrt wurde – im germanisch-keltischen Grenzraum an der Nordsee. Ihr Name ist nicht sicher zu deuten; die Verehrung fällt in die römische Kaiserzeit (2.–3. Jh. n. Chr.).
Nehalennia war vor allem die Schutzgöttin von Händlern und Seefahrern. Wer über die stürmische Nordsee nach Britannien wollte, brachte ihr ein Opfer und gelobte einen Weihestein, wenn die Überfahrt glückte. Auf ihren Bildern erscheint sie mit typischen Attributen: einem Hund zu ihren Füßen, einem Füllhorn oder Obstkorb (Wohlstand) und oft einem Schiffsbug (sichere Fahrt).
Das Besondere: Nehalennia ist keine Randnotiz, sondern durch über 300 Altäre und Weihesteine belegt – viele davon wurden ab 1970 aus der Oosterschelde geborgen, wo ein versunkener Tempelbezirk lag. Damit gehört sie zu den bestdokumentierten Gottheiten der ganzen Nordseeregion und zeigt, wie eng Religion und Handel verbunden waren.
„Verstand bedarf, wer weit reist; daheim ist alles leicht."Hávamál 5, nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)
Nehalennia erinnert daran, dass Religion an der Nordsee ganz praktisch war: eine Göttin, der man vor der Fahrt vertraute – und der man nach sicherer Rückkehr in Stein dankte. Verwandt ist der rheinische Matronen-Kult.

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