Wikinger Blog / Geschichte & Funde
Aus dem Wissensarchiv

Die Circipanen: Der slawische Stamm um die Peene im Norden Mecklenburg-Vorpommerns

Geschichte & Funde Die Circipanen: Der slawische Stamm um die Peene im Norden Mecklenburg-Vorpommerns

Wer heute durch die Gegend um Teterow, Gnoien oder Demmin fährt, sieht Felder, Alleen, Backsteinkirchen. Dass hier einmal ein eigener Stamm lebte, verrät kaum ein Schild. Die Circipanen haben keine eigene Chronik hinterlassen; wir kennen sie nur durch Fremde, durch Annalisten, Bischofsgeschichten und Kriegsberichte. Dieser Beitrag sammelt, was in diesen Quellen tatsächlich steht, trennt es von dem, was spätere Forscher daraus geschlossen haben, und sagt offen, wo wir nur Sekundärliteratur lesen konnten.

Ein Name, der „um die Peene“ bedeuten soll

In den lateinischen Quellen heißen sie Circipani, Cyrcipani oder, in einer frühen Schreibung, Zcirizspanis; im Deutschen sind Circipanen und Zirzipanen gleichermaßen gebräuchlich. Der Name wird meist als „die um die Peene Wohnenden“ gedeutet, von lateinisch circum („herum“) und dem Flussnamen. Das ist eine Deutung der Forschung, kein Zeugnis der Quellen: Ob die Schreiber den Namen so verstanden oder ob er aus einem slawischen Wort stammt, das sie nur lateinisch einkleideten, lässt sich nicht entscheiden. Die Zuordnung zum Fluss passt immerhin zur Lage.

Die Circipanen gehörten zu den Elbslawen, so nennen Historiker die westslawischen Stämme östlich der Elbe, im Gebiet zwischen Ostsee, Elbe, Saale und Oder. Sie sprachen eine Sprache, die dem Altpolabischen zugerechnet wird, und sie hinterließen keine Schrift. Alles Schriftliche über sie stammt aus der Feder von Franken, Sachsen und Dänen, meist von Geistlichen, die Slawen als Heiden, Tributpflichtige oder Kriegsgegner beschrieben. Man liest diese Texte deshalb mit Vorsicht: Sie sagen viel über die Interessen der Schreiber und nur gelegentlich etwas über das Leben der Beschriebenen.

Zu den Begriffen gleich zu Beginn. Ein Stamm ist hier ein Verband von Siedlungsgemeinschaften mit gemeinsamem Namen und meist einem überschaubaren Siedlungsraum, kein Staat mit festen Grenzen. Eine Burg im frühmittelalterlichen Nordosten ist selten ein Steinbau; gemeint sind Ringwälle aus Holz, Erde und Sand, oft auf Inseln oder in Niederungen gelegen. Ein Burgward bezeichnet in der Reichs- und später der Landesverwaltung den Bezirk, der zu einer solchen Burg gehörte. Die Forschung verwendet das Wort auch für slawische Burgbezirke; ob die Slawen selbst ein entsprechendes Wort hatten, wissen wir nicht.

Wo sie lebten

Die Beschreibungen des Siedlungsraums stammen aus der modernen Literatur und sind daher Rekonstruktionen, keine Aussagen der Quellen. Danach lag Circipanien in der Mitte des heutigen Mecklenburg-Vorpommern: um den Teterower See, südlich von Recknitz und Trebel, westlich von Malchiner und Kummerower See, also im Bereich der früheren Landkreise Güstrow (Ostteil) und Demmin. Als Burgbezirke werden in der Literatur Demmin, Dargun, Krakow am See, Sukow und Altkalen genannt. Eine Darstellung nennt als westliche Grenze eine Linie östlich von Güstrow.

Eine einzige Primärquelle gibt uns eine zeitgenössische Lagebeschreibung, und sie ist knapp. Helmold von Bosau, Pfarrer in Ostholstein und Verfasser einer Slawenchronik, schreibt um 1170 über die Lutizen: Die Peene und die Stadt Demmin trennten die Tholenzi und Redarier von den Kicini und Circipani, die auf der anderen Seite des Flusses lebten. Das ist alles, was die Quelle an Geographie liefert; wir geben den Satz weiter unten im Zitat wieder. Helmold sah die Gegend nicht selbst, er stützt sich auf Berichte und, wie die Forschung vermutet, auf Adam von Bremen. Dass die Peene ein Grenzfluss war, ist also gesichert. Wo genau westlich davon die Recknitz verlief und wie dicht besiedelt der Raum war, sagen die Texte nicht.

Wer die Karte kennt, bemerkt die Nachbarn leicht. Westlich lagen die Kessiner um die Burg Kessin an der unteren Warnow bei Rostock, mit denen die Circipanen oft zusammen genannt werden. Südlich und östlich siedelten die Redarier und Tollenser (an der Tollense), mit denen sie im selben Bund standen und im 11. Jahrhundert Krieg führten. Im Westen herrschten die Obodriten, ein Slawenverband im westlichen Mecklenburg und Ostholstein. Östlich der Peene lebten Pomoranen; sie erscheinen in den Quellen vor allem als Eroberer des 12. Jahrhunderts, nicht als alte Nachbarn der Circipanen. Dazu gehört eine kleine Korrektur: Die Pomoranen waren für die Circipanen im 12. Jahrhundert wichtig, aber sie waren nicht der Nachbarstamm im engeren Sinn.

955: Der erste Eintrag

Die früheste Erwähnung steht nach der Literatur in den Annales Sangallenses maiores, den größeren St. Galler Annalen, zum Jahr 955. Dort erscheint der Name als „Zcirizspanis“. Der Zusammenhang ist die Schlacht an der Raxa, einem Fluss, den die Forschung mit der Recknitz oder, weniger wahrscheinlich, mit einem anderen Gewässer gleichsetzt. König Otto I. schlug dort am 16. Oktober 955 ein slawisches Heer unter dem Fürsten Stoignew. Widukind von Corvey erzählt, wie Otto und sein Markgraf Gero Brücken schlagen ließen, die Slawen überraschten und Stoignew in einem Wald stellten; er sei enthauptet worden, und etwa siebenhundert Gefangene seien hingerichtet worden. Die Circipanen nennt Widukind im Lesetext, den wir lasen, nicht.

Die St. Galler Annalen sind knapper. Nach der deutschsprachigen Zusammenfassung, die wir einsehen konnten, steht dort sinngemäß, Otto und sein Sohn Liudolf hätten die Zcirizspanis besiegt und tributpflichtig gemacht („fecit illos tributarios“). Diesen lateinischen Halbsatz geben wir nur nach der Wikipedia wieder, den Annalentext selbst haben wir nicht geprüft. Was daraus folgt, ist vorsichtig zu formulieren: Um die Mitte des 10. Jahrhunderts war der Name der Circipanen im Frankenreich bekannt, und sie standen im Zusammenhang mit einem ostfränkischen Feldzug, bei dem sie zu Abgaben gezwungen worden sein sollen. Dass sie dauerhaft unterworfen waren, ergibt sich daraus nicht. Gut dreißig Jahre später, 983, kippte die Lage ohnehin; der große Slawenaufstand, der von Rethra ausging, setzte der Reichsherrschaft östlich der Elbe vorläufig ein Ende.

Eine Randbemerkung zur Schlacht: Welche Stämme dort genau mit welcher Rolle kämpften, ist in der Forschung nicht einheitlich. Die englischsprachige Übersicht zur Schlacht nennt als Anführer die Brüder Nako und Stoignew und erwähnt die Circipanen nicht; sie bezieht sich auf Widukind, Thietmar und die Annalen. Wer die Circipanen also als „Gegner der Schlacht an der Raxa“ bezeichnet, stützt sich allein auf den Annalen-Eintrag. Das ist möglich, aber dünn.

Einer der vier Stämme der Wilzen

Zwischen dem Ende des 10. und der Mitte des 12. Jahrhunderts sind die Circipanen in den Quellen Teil einer Gruppe, die Adam und Helmold unter wechselnden Namen führen: Wilzen, Lutizen, Liutizen. Helmold zählt vier Völker auf (Kicini, Circipani, Tholenzi, Redarii) und schreibt, wegen ihrer Tapferkeit nenne man sie Wilzen oder Lutizen. Er nennt als gemeinsamen Mittelpunkt das weithin bekannte Rethra, ein Heiligtum, dessen Lage bis heute nicht sicher bestimmt ist. Der Gedanke einer festen „Lutizenföderation“ mit Verfassung ist Konstruktion der Forschung; die Quellen kennen vor allem lose Bündnisse, die sich in Kriegszeiten verdichteten und danach wieder zerfielen.

… die Peene und die Stadt Demmin trennen sie von den Tholenzi und Redariern. … Die Kicini und die Circipani wohnen diesseits der Peene. … Wegen ihrer Tapferkeit nennt man diese vier Völker Wilzen oder Lutizen. Ihre Stadt ist das weithin berühmte Rethra.Helmold von Bosau, Chronica Slavorum I, 2; sinngemäße eigene Übersetzung nach einer englischen Wiedergabe (jassa.org, Übersetzer dort nicht genannt); der lateinische Wortlaut wurde nicht geprüft, die Auslassungen sind Kürzungen

Auffällig ist dabei die Stellung der Circipanen. Die moderne Literatur beschreibt sie als „Teilstamm der Lutizen“, ordnet sie aber in einigen Darstellungen zugleich als ehemals obodritisch ein. Das passt zu einem Bild, das die Quellen eher andeuten als belegen: Die Circipanen und Kessiner lagen am Rand des Bundes, politisch zwischen den Obodriten im Westen und den Redariern und Tollensern im Osten und Süden. Wer sie stärker an die eine oder andere Seite binden will, argumentiert aus späteren Ereignissen, nicht aus einem Text.

Eine weitere Hypothese: Eine Literaturstelle meint, die Kessiner hätten sich um das Jahr 1000 von den Circipanen abgespalten, möglicherweise nach dem Verlust des Fürsten in der Schlacht an der Raxa. Das beruht auf der Beobachtung, dass die Kessiner in früheren Quellen fehlen und erst bei Adam auftauchen, während die Circipanen in einer Urkunde Ottos I. von 965 erscheinen sollen. Wir konnten die Urkunde nicht einsehen, und ein Fehlen in der Überlieferung beweist keine Neugründung. Die Annahme ist plausibel, aber unbelegt.

1056 und 1057: Krieg im Bund

Das dichteste Bild bieten die Berichte über den sogenannten Lutizischen Bruderkrieg, von dem Adam von Bremen (Buch III, Kapitel 21) und Helmold (Buch I, Kapitel 21) erzählen. Die Aussagen der Modernen darüber stimmen im Kern überein und weichen im Detail ab, und dieser Unterschied ist es wert, benannt zu werden. Übereinstimmend heißt es: Die Redarier und Tollenser beanspruchten wegen ihres alten Heiligtums Rethra den Vorrang im Bund. Kessiner und Circipanen widersetzten sich und weigerten sich, den Zins zu zahlen. In den Kämpfen sollen die Kessiner und Circipanen ihre Gegner mehrfach, nach einer Darstellung dreimal, besiegt haben. Die Unterlegenen riefen den Obodritenfürsten Gottschalk sowie Herzog Bernhard II. von Sachsen und den dänischen König Sven Estridsson zu Hilfe.

Wie es ausging, wird unterschiedlich erzählt. Eine deutschsprachige Darstellung lässt die Circipanen und Kessiner unterliegen und nennt eine Beute von 15 000 Silbermark. Eine andere lässt die Circipanen als Sieger hervorgehen, die sich den Frieden mit 15 000 Pfund Silber erkauften. Wir haben die beiden Primärtexte an dieser Stelle nicht im Wortlaut lesen können und können die Frage deshalb nicht entscheiden. Sicher ist nur die Zahl 15 000 als Summe, die in diesem Zusammenhang fällt; wer sie zahlte und ob es Mark oder Pfund waren, bleibt hier offen. Adam fügt nach einer zitierten Wiedergabe bissig an, die Unseren seien ruhmreich heimgekehrt, vom Christentum sei nicht die Rede gewesen, die Sieger hätten nur auf Beute geachtet. Auch diesen Satz geben wir nur sinngemäß aus zweiter Hand wieder.

Als gesichert gilt, dass Gottschalk, der zeitweise ein Reich der Obodriten von Holstein bis Mecklenburg beherrschte, die Circipanen und Kessiner im Zuge dieses Krieges unterwarf und ihnen Tribute auferlegte. Eine englische Darstellung berichtet, er habe neue Burgen angelegt und die alten Befestigungen der Unterworfenen beseitigen lassen. Als Gottschalk 1066 erschlagen wurde, löste sich diese Herrschaft auf. Ob dabei auch die Circipanen wieder auf sich gestellt waren, wissen wir nicht, die Quellen schweigen.

Reiter für Lothar: 1114 und 1121

Häufig genannt werden Kämpfe in den Jahren 1114 und 1121; bestätigen lässt sich davon nur ein Teil. Für das Jahr 1114 berichtet die Literatur, der sächsische Herzog Lothar von Süpplingenburg, später König und Kaiser, habe mit dem Markgrafen Heinrich von Stade gegen den Kessiner Fürsten Dumar und dessen Sohn gekämpft. Zu diesem Aufgebot sollen dreihundert circipanische Reiter gehört haben. Die Circipanen wären danach in dieser Quelle Verbündete oder Tributpflichtige Lothars und nicht dessen Gegner. Das stützt sich auf einen einzigen Wikipedia-Artikel; die Primärstelle, wahrscheinlich eine sächsische Annalistik, haben wir nicht eingesehen. Ein zweiter Artikel zu den Lutizen erwähnt die Reiter nicht. Wir führen die Angabe daher als zu prüfen.

Das Jahr 1121 betrifft die Kessiner: Lothar zog erneut gegen sie und nahm ihre Hauptburg ein, die der Annalista Saxo „Kizun“ nennt. Von den Circipanen ist hier nicht die Rede. Wer 1121 als „Kampf gegen die Circipanen“ führt, verwechselt die Nachbarn. Nach der Literatur setzte sich in diesen Jahren die Herrschaft sächsischer und obodritischer Fürsten über die Kessiner fest, und die Circipanen gerieten in denselben Sog, ohne dass sich einzelne Schritte benennen ließen.

Demmin, Otto von Bamberg und das Kreuzheer

Der Name Demmin fällt in den Quellen immer wieder, meist als Orientierungspunkt. Helmold nennt die Peene und Demmin als Grenzmarken des Bistums Oldenburg und der Slawenmission. Otto von Bamberg, der Pommernmissionar, besuchte Demmin 1128 nach der Literatur; er nennt es in seiner Lebensbeschreibung eine „civitas Pomeraniae“ und übernachtete in einer alten Burg außerhalb des Ortes. Die erste Urkunde, in der die Burg erscheint, ist eine päpstliche Bestätigung für das pommersche Bistum vom 14. Oktober 1140. Damit ist der Ort im 12. Jahrhundert fest im Gesichtskreis der Pommern; ob er davor eine circipanische Burg war, lässt sich aus den Quellen nur schließen.

Eine landesgeschichtliche Darstellung berichtet, die Circipanen hätten zu Beginn des 10. Jahrhunderts eine Grenzburg errichtet, die später Haus Demmin hieß, und diese habe den Ostteil ihres Gebietes kontrolliert; als Hauptburg wird dort Teterow genannt. Das steht in der Wikipedia ohne Beleg. Auch die Behauptung, das Zentrum liege bei Loitz, haben wir nirgends bestätigt gefunden und lassen sie weg.

Im Sommer 1147 zog das Kreuzheer des Wendenkreuzzugs, ein vom Papst gebilligter Feldzug sächsischer Fürsten und Bischöfe gegen heidnische Slawen, auch nach Demmin. Nach der englischen Darstellung gelang es dem sächsischen Heer nicht, die Burg zu nehmen. Nach der deutschen Darstellung wandten die Belagerten die Eroberung ab, indem sie auf die frühere Taufe durch Otto von Bamberg verwiesen. Beides lässt sich vereinbaren: Die Belagerung scheiterte, vielleicht mit Verhandlung. Die Literatur über die Circipanen selbst setzt den Wendenkreuzzug mit Verwüstungen im Land gleich; Einzelheiten fehlen uns.

Niklot, Dänen, Pommern: Das Ende des Stammesnamens

Um 1150 begegnen die Circipanen noch einmal bei Helmold, im Zusammenhang mit dem Obodritenfürsten Niklot. Der Fürst kam, so Helmold, nach Lüneburg, als Heinrich der Löwe abwesend war. Er beklagte sich, dass die Kicini und Circipani sich nach und nach gegen ihn erhöben und selbst den geringsten Tribut verweigerten. Graf Adolf von Holstein ritt daraufhin mit Holsten und Stormarnern zur Hilfe, und die Aufständischen kauften sich, so der Chronist, mit viel Geld frei und leisteten die ausstehenden Abgaben mehr als vollständig nach (Helmold I, 71; nach einer englischen Wiedergabe, die Datierung „um 1150“ aus der Sekundärliteratur). Gesichert ist daraus: Die Circipanen standen im 12. Jahrhundert unter obodritischer Oberhoheit und zahlten Tribut. Eine Darstellung gibt Niklots Herrschaft über die Circipanen mit den Jahren 1131 bis 1160 an; die Jahreszahlen sind uns nur aus einer einzigen Übersicht bekannt.

In den Jahrzehnten danach wird es für die Circipanen eng. Dänische Heere, die unter Waldemar I. die Ostseeküste heimsuchten, drangen nach 1170 mehrfach ins Land vor. Saxo Grammaticus, der dänische Chronist, erwähnt für 1171 eine Burg, die die Forschung mit der Burg bei Behren-Lübchin verbindet, einer befestigten Inselburg aus dem 10. bis 12. Jahrhundert zwischen Trebel und Recknitz. Dass die Burg 1171 von den Dänen erobert wurde, gilt als wahrscheinlich, ist aber eine Zuordnung, keine gesicherte Gleichsetzung. Funde von dort stehen heute im Freilichtmuseum Groß Raden.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts fiel der Osten des Landes, die Demminer Gegend, an das Herzogtum Pommern; der Westen kam an die Obodriten, aus deren Fürstenhaus später die Herzöge von Mecklenburg hervorgingen. Zu Beginn der 1230er Jahre unterwarf Borwin III. von Rostock nach der Literatur den letzten Teil. Der Vertrag von Kremmen (1236) verschob die pommersche Grenze zugunsten Brandenburgs. Danach verschwindet der Stammesname. Die Gebiete wurden von deutschen Siedlern besiedelt, die die Landesherren riefen; die übrigen Circipanen gingen nach verbreiteter Auffassung in der Bevölkerung auf. In kirchlichen Karten blieb der Name als Provinz des Bistums Cammin länger erhalten. Dass der Stamm „nahezu ausgerottet“ worden sei, wie eine Übersicht schreibt, ist eine Wertung ohne Beleg in den von uns eingesehenen Texten; sicher ist der Verlust an Menschen durch Kriege und Plünderungen, nicht seine Größe.

Wie lebten sie? Was die Funde sagen

Über den Alltag der Circipanen steht in den Chroniken fast nichts. Hier hilft die Archäologie, und was wir darüber sagen können, bleibt allgemein. Slawische Siedlungen des Nordostens bestanden aus Blockbauten in Gehöften und Dörfern, die Burgen aus Holz-Erde-Wällen, oft auf Inseln in Seen und Flussniederungen, wo Wasser zugleich Schutz und Verkehrsweg war. Behren-Lübchin ist ein solcher Fall; die Lage im Dreieck von Trebel, Recknitz und Warbel passt zu diesem Muster. Dazu kommt Keramik, die als „spätslawisch“ geführt wird, sowie Spuren von Ackerbau, Viehhaltung, Fischerei und Handwerk. Über Besonderheiten der circipanischen Kultur im Gegensatz zu den Nachbarn lässt sich mit unseren Quellen nichts Belastbares sagen.

Auch zur Religion gilt: Adam von Bremen und Helmold schildern Götterbilder und Tempel der Redarier in Rethra, nicht der Circipanen. Aus der Zugehörigkeit zum selben Bund folgt, dass ähnliche Vorstellungen möglich waren; belegt ist das für die Circipanen nicht. Namen circipanischer Götter, Opferbräuche oder Kultplätze kennen wir nicht, und wer sie nennt, erfindet.

Was gesichert ist

  • Der Name der Circipanen steht in lateinischen Quellen (Annales Sangallenses maiores zu 955 nach Sekundärliteratur, Adam von Bremen, Helmold von Bosau); sie gehören nach Helmold zu den vier Völkern, die man Wilzen oder Lutizen nannte.
  • Helmold I, 2 verortet die Circipani und Kicini „diesseits“ der Peene; Peene und Demmin trennen sie von Tholenzi und Redariern.
  • Im 11. Jahrhundert gab es Krieg zwischen Redariern und Tollensern einerseits, Kessinern und Circipanen andererseits; Gottschalk griff ein (Adam III, 21; Helmold I, 21).
  • Im 12. Jahrhundert zahlten die Circipanen nach Helmold I, 71 Tribut an den Obodritenfürsten Niklot und widersetzten sich zeitweise.
  • Seit dem Wendenkreuzzug 1147 und den dänischen Feldzügen nach 1170 wurde das Land mehrfach verheert; im 13. Jahrhundert verschwindet der Name.

Mythos-Check

  • „Die Circipanen waren Pomoranen.“ Die Quellen führen sie mit Kessinern, Tollensern und Redariern als Wilzen oder Lutizen; die Pomoranen erscheinen später als Eroberer.
  • „Ihre Hauptstadt war Loitz.“ Dafür fanden wir keinen Beleg; genannt werden Demmin, Teterow, Dargun und andere Burgbezirke.
  • „1121 kämpfte Lothar gegen die Circipanen.“ Das Jahr betrifft die Kessiner; die Circipanen werden 1114 allenfalls als Reiterkontingent genannt, und auch das ist zu prüfen.
  • „Die Circipanen wurden ausgerottet.“ Belegt sind Kriege, Tribute und Zerstörungen; der Name verschwand, die Menschen gingen nach verbreiteter Auffassung in der Siedlerbevölkerung auf.

Gesichert, plausibel, gedeutet: eine Ordnung

Am Ende steht eine kurze Ordnung der Aussagen. Gesichert ist, was mindestens zwei Quellen oder eine Quelle mit klarem Wortlaut tragen: der Name, die Lage an der Peene, die Zugehörigkeit zu den Wilzen oder Lutizen, die Spannung mit Redariern und Tollensern, die Tributlage unter Niklot. Plausibel, aber nicht bewiesen, sind die Abspaltung der Kessiner, die Beteiligung 955 an der Schlacht an der Raxa und die Zuordnung der Burg von Behren-Lübchin zu Saxos Bericht von 1171. Deutung bleibt die Herleitung des Namens aus „um die Peene“, die Rede von einem Bund mit fester Verfassung und der Satz vom Ausrotten. Und was Legende bleibt, ist alles, was man an Göttern, Fürsten und Opferbräuchen der Circipanen erzählen könnte: Die Quellen schweigen, und in diese Lücke gehört keine Behauptung.

Ein Gedanke für den Weg: Wer zur Ostsee nach Rostock oder Greifswald fährt und die B 110 oder B 104 nimmt, kreuzt dieses Land, ohne es zu wissen. Zwischen Gnoien und Teterow liegen die Seen, die einmal Teil der Wege der Circipanen waren, und die Backsteinkirchen der Gegend stehen auf Land, das erst nach dem Ende des Stammesnamens neu besiedelt wurde. Wer die nordischen Küsten liebt, findet hier eine der stillen Seiten der Ostseegeschichte.

In unserer Familienmanufaktur in Alsdorf entstehen lasergravierte Schieferplatten mit nordisch-germanischen Motiven. Für Völker wie die Circipanen gibt es keine eigenen Bildzeichen, die wir belegen könnten, und deshalb erfinden wir keine. Die Geschichte dieses Stammes lebt in Namen und Lagen, nicht in Symbolen, und das ist ein Grund mehr, sie sorgfältig zu erzählen.

Glanz & Gravur
Aus unserer Manufaktur: slawische und nordische Motive auf echtem Naturschiefer, lasergraviert - aus Alsdorf bei Aachen. Im Shop →

Weiterlesen bei uns

Die Zirzipanen · Die Kessiner · Die Tollenser · Die Obodriten · Die Lutizen.

Quellen & Literatur

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus der Geschichte & Funde

Alle Geschichte & Funde-Artikel →

Die Schlacht von Clontarf 1014

Weiterlesen →

Die Cotiner & Oser: Nicht alles in Germanien war germanisch

Weiterlesen →

Die Cugerner: Germanen bei Xanten

Weiterlesen →

Die Daleminzier – Slawen zwischen Elbe und Mulde

Weiterlesen →