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Die Kessiner – das Volk an der unteren Warnow

Geschichte & Funde Die Kessiner – das Volk an der unteren Warnow Wer über die Elbslawen liest, bekommt fast immer dieselbe saubere Ordnung serviert: vier Stämme, ein Bund, ein gemeinsamer Feind. Die Kessiner sind das Volk, an dem diese Ordnung zerbricht. Sie tauchen spät in den Quellen auf, sie kämpfen gegen ihre eigenen Bundesbrüder, und ein Jahrhundert später reiten dreihundert Zirzipanen im sächsischen Heer gegen sie. Ihr Land liegt heute zwischen Rostock, Bützow und Güstrow – deutsche Ostseeküste, keine ferne Fremde.

Ein Volk, das erst spät auftaucht

Die meisten elbslawischen Stämme sind seit dem 9. Jahrhundert schriftlich greifbar. Die Kessiner nicht. Ihr Name erscheint zum ersten Mal in den Ereignissen des Jahres 1057 – bei Adam von Bremen als Chizzini, bei Helmold von Bosau später als Kizini. Das ist bemerkenswert spät, denn ihr Siedlungsgebiet war zu diesem Zeitpunkt längst dicht besiedelt.

Die Forschung nennt sie deshalb einen „Neustamm“. Der schärfste Beleg dafür ist ein Schweigen: In der Schenkungsurkunde Ottos des Großen für das Magdeburger Moritzkloster von 965 werden die tributpflichtigen Slawenvölker aufgezählt – Ucrani, Riezani, Riedere, Tolensane, Zerezepani. Kessiner sind nicht dabei. Und als Otto III. im Jahr 995 von der Mecklenburg aus zu den Tollensern zog, musste er ihr späteres Gebiet durchqueren. Auch dort: kein Wort von Kessinern.

Der Anfang des ersten Buches der Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum in der Wiener Handschrift (ÖNB cod
Der Anfang des ersten Buches der Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum in der Wiener Handschrift (ÖNB cod. 521, 13. Jahrhundert). Nicht die Kessiner-Stelle selbst – aber genau dieser Text ist der Grund, warum wir von ihnen überhaupt wissen. Handschrift gemeinfrei.

Zwischen Warnow und Recknitz

Das Land der Kessiner reichte von der Ostseeküste bei Rostock beidseits der Warnow rund vierzig Kilometer nach Süden bis in den Raum Bützow, folgte der Nebel nach Südosten bis Güstrow und griff im Osten über die Recknitz hinaus bis Tessin und Laage. Fred Ruchhöft konnte 2006 aus den Fundplätzen zwei getrennte Siedlungskammern herausarbeiten: eine nördliche um Rostock, eine dichter besiedelte südliche um Bützow und Güstrow. Dazwischen liegen fundarme Zonen, die man als unbesiedelten Wald deutet.

Im Norden liegen zwei Fundplätze, die es in sich haben. Der Seehandelsplatz Dierkow, heute ein Rostocker Stadtteil, war multiethnisch und lässt sich über Hölzer dendrochronologisch bis in das Jahr 749 datieren. Der Burgwall Fresendorf dürfte nach der Keramik im 9. Jahrhundert entstanden sein. Wer hier lebte, produzierte von Anfang an Überschüsse für den Handel – dieselbe Ostseewelt, in der auch Menzlin an der Peene, Ralswiek auf Rügen und Wolin an der Oder lagen.

Wie ein Stamm entsteht

Vermutlich sind die Kessiner nicht eingewandert, sondern abgesplittert – von den Zirzipanen. Deren Zusammenhalt könnte 955 zerbrochen sein: In der Schlacht an der Raxa vernichtete ein sächsisches Heer unter Otto dem Großen das Aufgebot von Zirzipanen und Tollensern; Widukind von Corvey berichtet, der slawische Anführer Stoignew sei erschlagen worden. Neuere Untersuchungen von Flussfunden legen nahe, dass die Raxa die Recknitz war – also die spätere Ostgrenze der Kessiner.

Parallel dazu verschwinden in der südlichen Siedlungskammer mehrere ältere Burgen, und um das Jahr 1000 entsteht der Burgbezirk Werle. Aus vielen kleinen Herrschaftskernen wird einer. Genau in dieses Fenster – spätes 10. bis frühes 11. Jahrhundert – datiert die Forschung die Stammesbildung. Wichtig bleibt: Das ist ein Modell aus Archäologie und Rückschluss, keine Quellenaussage. Kein Text erzählt uns, wie und warum die Kessiner zu Kessinern wurden.

1057 – der Krieg im eigenen Bund

Dann, mit einem Schlag, stehen sie mitten in der Politik. Adam von Bremen, Domherr in Bremen und der wichtigste Zeuge, schildert einen Krieg der Lutizen untereinander. Vier Völker, sagt er, stritten um Rang und Macht: Kessiner und Zirzipanen diesseits der Peene, Tollenser und Redarier jenseits. Der Streit eskalierte, es kam zum Krieg – dreimal, und dreimal setzten sich die Zirzipanen durch.

Erst danach holten die Unterlegenen Hilfe von außen: den abodritischen Samtherrscher Gottschalk, den sächsischen Herzog Bernhard und den Dänenkönig. Sieben Wochen lang unterhielten sie das Heer der drei Herren aus eigenen Mitteln, während die Zirzipanen sich, wie Adam anerkennend schreibt, tapfer wehrten. Am Ende erkauften sie den Frieden mit 15.000 talenta. Helmold von Bosau, der Adam ausschreibt, rechnet daraus Mark – wer die Zahl weiterreicht, sollte dazusagen, dass schon die Einheit zwischen den beiden Chronisten wechselt.

Hii sunt scilicet Chizzini et Circipani, qui habitant citra Panim fluvium, Tholosantes et Retheri, qui ultra Panim degunt. Cumque his perveniret ad bellum, Tholosantes et Rheteri, quamvis auxilio Chizzinos haberent, nichilominus victi sunt a Circipanis. […] Nostri cum triumpho redierunt, de christianitate nullus sermo, victores tantum praedae intenti.

„Das sind nämlich die Kessiner und die Zirzipanen, die diesseits des Peeneflusses wohnen, und die Tollenser und Redarier, die jenseits der Peene leben. Und als es darüber zum Krieg kam, wurden die Tollenser und Redarier, obwohl sie die Kessiner als Hilfe hatten, gleichwohl von den Zirzipanen besiegt. […] Die Unsrigen kehrten im Triumph heim; vom Christentum war keine Rede, die Sieger waren allein auf Beute aus.“Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum III,21 (Ausgabe Waitz, MGH SS rer. Germ., Hannover 1876; in anderer Zählung III,22); Übersetzung: Glanz & Gravur

Was im Text steht und was die Lehrbücher daraus machen

Die verbreitete Kurzfassung lautet: Kessiner und Zirzipanen gegen Redarier und Tollenser. Adams Wortlaut sagt etwas anderes. Er ordnet die Kessiner geographisch zwar zu den Zirzipanen – beide citra Panim, diesseits der Peene –, aber im Satz über die Schlacht stehen sie als Hilfsvolk der Gegenseite: quamvis auxilio Chizzinos haberent, „obwohl sie die Kessiner als Hilfe hatten“. Die Zirzipanen siegen dreimal, und zwar auch gegen die Kessiner.

Das ist kein Detail, es ist der Kern der Sache. Wenn die Handschriften recht haben, kämpften die Kessiner 1057 nicht an der Seite ihres Nachbarstammes, sondern gegen ihn. Ob sie die Seiten wechselten, ob Adam ungenau war, ob ein Schreiber sich vertat – das lässt sich nicht entscheiden. Was sich entscheiden lässt: Ein Bund, in dem so etwas möglich ist, war nie ein Block. Wer das schöne Vierer-Schema übernimmt, übernimmt eine Ordnungsleistung der Chronisten, nicht die Wirklichkeit.

Und Adam selbst ist Partei. Er ist Geistlicher einer Kirche, die diese Völker missionieren will. Sein bitterster Satz über den Feldzug gilt darum nicht den Slawen, sondern den eigenen Leuten: vom Christentum sei keine Rede gewesen, die Sieger seien nur auf Beute aus gewesen. Wer Adam als reine Ereignisquelle liest, überliest, wie sehr er schreibt, um zu mahnen.

Warum der Streit um einen Tempel ging

Den Anlass nennen die Chronisten deutlich: Die Redarier und Tollenser beanspruchten den Vorrang, weil sie sich für die älteren und angeseheneren hielten und weil das zentrale Heiligtum in ihrem Gebiet lag. Kessiner und Zirzipanen weigerten sich, den Silberzins dafür zu zahlen. Ein Bund ohne Fürsten braucht ein Zentrum – und dieses Zentrum war ein Kultort, kein Thron.

Damit ist zugleich gesagt, was wir über diesen Kultort nicht wissen. Rethra ist bis heute nicht lokalisiert; die berühmten Prillwitzer Idole, die man lange dafür anführte, sind eine Fälschung des 18. Jahrhunderts. Das betrifft allerdings die Redarier, nicht die Kessiner. Für den Glauben der Kessiner selbst gibt es praktisch keine eigene Überlieferung – wer hier etwas Farbiges liest, hat es fast immer aus Berichten über Rethra oder über Arkona auf Rügen geliehen.

1114 – Zirzipanen im Heer gegen Kessiner

Nach der Niederlage von 1057 wurden die Kessiner den Obodriten unterstellt und zahlten Tribut an Gottschalk. Als dieser 1066 im heidnischen Aufstand erschlagen wurde, kehrten sie offenbar nicht in den fürstenlosen Bund zurück: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts haben sie eine eigene Führungsspitze. Der Annalista Saxo nennt zwei Namen, Dumar und Sventipolk.

1114 zog ein sächsisches Aufgebot unter Herzog Lothar von Süpplingenburg und Markgraf Heinrich von Stade gegen Dumar und dessen Sohn. Zu diesem Aufgebot gehörten dreihundert zirzipanische Reiter. Ein Entsatzheer der Ranen, das den Kessinern zu Hilfe eilte, wurde eingekesselt und musste sich ergeben; Dumar stellte seinen Sohn als Geisel. Zwei Generationen nach dem Bruderkrieg standen die Zirzipanen also auf der Gegenseite – im Heer der Sachsen. Ehrlich dazu gehört: Zu welchem Stamm Dumar wirklich gehörte, ist umstritten; neben den Kessinern werden auch Redarier, Tollenser und Pomoranen vorgeschlagen.

1121 – die Burg Kizun

Sieben Jahre später kam Lothar wieder, diesmal gegen Sventipolk. Der Annalista Saxo notiert zum Jahr 1121 unter den eroberten Burgen eine, quarum una Kizun dicebatur famosior et opulentior ceteris – von denen eine Kizun hieß, berühmter und reicher an Schätzen als die übrigen. Das ist die erste sichere Nennung der Burg, die dem Stamm den Namen gab.

Hier lohnt eine Abgrenzung, die oft durcheinandergerät: Die berühmte Belagerung von Dobin am Schweriner See gehört nicht hierher. Sie fällt in den Wendenkreuzzug von 1147 und galt Niklot, nicht den Kessinern. Kizun liegt an der unteren Warnow, Dobin über achtzig Kilometer weiter westlich.

Der Burgwall, den niemand sicher findet

Und damit zum unbequemsten Punkt: Wo die Burg Kessin lag, ist bis heute nicht gesichert. Im heutigen Kessin bei Dummerstorf, das den Namen trägt, lag sie sehr wahrscheinlich nicht. Der aktuelle Forschungsstand setzt sie südwestlich von Fresendorf an, wo sich eine über zweihundert Meter lange Anhöhe mit dem Flurnamen Schloßberg erhebt. Grabungen haben dort eine intensive slawenzeitliche Besiedlung erbracht.

Dass die leichte Nordostausrichtung der Anlage für einen Kultort spreche, wird gelegentlich angeführt – das ist eine Deutung, kein Befund. Sicher ist nur die Lage im System: Die Warnow war Wasserweg zur Ostsee, und wer sie beherrschte, saß auf der Verbindung zwischen Binnenland und See. Genau deshalb entsteht später wenige Kilometer flussabwärts eine Stadt, die diesen Vorteil erbt.

Niklot, der Tribut und das zerstörte Heiligtum

Ab 1148 erhob Niklot als Vasall Heinrichs des Löwen bei den Kessinern Tribute. 1150 begannen sie, die Zahlungen zu verweigern. Niklot wandte sich an die Herzogin Clementia, erhielt ein Aufgebot von zweitausend Mann unter Graf Adolf II. und drang mit ihm in das Land der Kessiner ein. Helmold berichtet, sie hätten ein berühmtes Heiligtum zerstört und die Kessiner gezwungen, die geschuldeten Abgaben und mehr zu entrichten.

Bemerkenswert ist die Konstellation: Ein slawischer Fürst holt ein sächsisches Heer, um einen slawischen Stamm zur Tributzahlung zu zwingen. Wer die Zeit als schlichten Gegensatz von Deutschen und Slawen erzählt, erzählt sie falsch. Es ging um Herrschaft und Geld, und die Fronten liefen quer.

Der Gott, den es nie gab

Über keinen anderen Punkt der Kessiner-Geschichte ist so viel Unsinn geschrieben worden wie über ihren angeblichen obersten Gott Goderac. Man hat aus dem Namen sogar einen „Zeiten- oder Jahresgott der Westslawen“ herausgelesen und sein Hauptheiligtum in Kessin verortet. Nur: Diesen Gott hat es nie gegeben.

Der Ursprung ist ein Lesefehler. Arnold von Lübeck schreibt um 1210 über Bischof Berno von Schwerin, dieser habe die Haine gefällt und angeordnet, statt Gutdraccus künftig den Bischof Godehard zu verehren. Dahinter steckt aber die Bewidmungsurkunde Heinrichs des Löwen für das Bistum Schwerin von 1171, in der es nüchtern heißt: et villam sancti Godehardi, que prius Goderac dicebatur – „und das Dorf des heiligen Godehard, das vorher Goderac genannt wurde“. Goderac ist ein Ortsname, kein Göttername.

Nachgewiesen hat das bereits 1892 der Slawist Aleksander Brückner. Die Slawistik strich Goderac daraufhin aus den Listen slawischer Götter – die Geschichtsschreibung nur halb, weil Karl Koppmann gerade einen Aufsatz über das Dorf Kessin vorbereitete und Brückners Argumente kurzerhand für „durchaus nicht überzeugend“ erklärte. Helge Bei der Wieden hat den Fall 1975 noch einmal aufgerollt und dabei auch gezeigt, wohin der Name gehört: Die Knytlinga saga nennt die Warnow Gudakrsá, Saxo Grammaticus Gudacra. Eine Bestätigungsurkunde Papst Urbans III. von 1186 nennt in terra Kizin duas uillas, villam sancti Godehardi scilicet et aliam sibi adiacentem. Goderac lag also am Fluss und im Land Kessin – ein Dorf, das man in Sankt-Godehards-Dorf umbenannte und das die Leute trotzdem weiter nach der Nachbarburg nannten.

Was belegt ist

Schriftlich gesichert sind: die Erstnennung 1057 bei Adam von Bremen III,21 mit den vier Lutizenvölkern, dem dreifachen Sieg der Zirzipanen und dem Frieden gegen 15.000 talenta; die Nachricht Helmolds von Bosau über denselben Krieg (I,21), über Werle in der Nähe des Landes Kessin (I,88) und über den Zug Niklots und Adolfs II. von 1150 (I,71); der Annalista Saxo mit den Fürsten Dumar (1114) und Sventipolk sowie der Burg Kizun (1121); die Urkunde Heinrichs des Löwen von 1171, in der ein Pribizlauus de Kizin auftritt und ein Dorf des heiligen Godehard genannt wird, das vorher Goderac hieß. Archäologisch gesichert sind der Seehandelsplatz Dierkow mit Hölzern bis 749, der Burgwall Fresendorf ab dem 9. Jahrhundert und eine intensive slawenzeitliche Besiedlung des Schloßbergs südwestlich von Fresendorf.

Mythos-Check

Der Kessinergott Goderac ist eine Erfindung aus einem Lesefehler: Die Urkunde von 1171 nennt ein Dorf, Arnold von Lübeck machte daraus einen Götzen. Brückner 1892, Bei der Wieden 1975. Ebenso unbelegt: die Lage der Burg Kessin, die trotz aller Vorschläge nicht gesichert ist, und ihre Deutung als Kultort. Das saubere Schema „Kessiner und Zirzipanen gegen Redarier und Tollenser“ steht so nicht bei Adam, der die Kessiner ausdrücklich als Hilfe der Gegenseite führt. Auch die „vier Stämme der Lutizen“ sind zu einem guten Teil Ordnungsleistung der Chronisten. Rethra ist nicht lokalisiert, die Prillwitzer Idole sind eine Fälschung des 18. Jahrhunderts – beides betrifft die Redarier, nicht die Kessiner. Und die Stammeszugehörigkeit des Fürsten Dumar ist in der Forschung offen.

Kreuzzug, Niederlage, Umbau

Der Wendenkreuzzug von 1147 zog an den Kessinern nicht vorbei, entschied für sie aber nichts. Entschieden wurde es zwischen 1160 und 1171. Niklot fiel 1160 in einem Hinterhalt vor der Burg Werle, seine Söhne Pribislaw und Wertislaw wurden zeitweise vertrieben, und 1161 zerstörte der mit den Sachsen verbündete Dänenkönig Waldemar I. die Fürstenburg Kessin. Wertislaw geriet 1162 in Werle in sächsische Gefangenschaft.

1164 erhielt Pribislaw Teile des Landes als Lehen zurück; 1171 unterschreibt er als Pribizlauus de Kizin. Damit ist der Umbau vollzogen: aus dem Stammesfürsten wird ein Landesherr im Reichsverband, aus dem Land Kessin werden später die Herrschaften Rostock und Werle. 1211 erhielt der Bischof von Schwerin Teile des Burgbezirks, darunter das Dorf Goderac – jenes Dorf, das dem Mythos seinen Namen lieh. Die Burg selbst verlor an Bedeutung und verfiel, während wenige Kilometer flussabwärts wie andernorts an der Ostsee eine neue, städtische Ordnung entstand.

Warum das deutsche Geschichte ist

Die Kessiner sind keine exotische Randnotiz. Ihr Land ist der Landkreis Rostock. Der Name der Stadt Rostock ist altpolabisch und meint das Auseinanderfließen des Wassers; Bützow, Güstrow, Laage und Tessin tragen slawische Namen, und das Fürstenhaus, aus dem Mecklenburg hervorging, führt sich auf Niklot zurück. Wer an der Warnow steht, steht in einer Landschaft, deren Namen älter sind als jede deutsche Urkunde darüber.

Und die Kessiner selbst? Sie sind der ehrlichste Fall dieser ganzen Welt zwischen Elbe und Oder – die Wagrier im Westen, die Polaben im Hinterland, die Sorben im Süden. Kein geschlossener Bund, kein einheitliches Volk, kein reiner Abwehrkampf, sondern Nachbarn, die Bündnisse wechselten, Tribute verweigerten, sich gegenseitig schlugen und am Ende in eine neue Ordnung hineinwuchsen. Das ist weniger heroisch als die Postkartenversion. Es ist dafür wahr.

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