Unsere Wochentage stammen aus der römischen Planetenwoche, und die Germanen haben deren Götternamen in ihre eigenen übersetzt: Aus dem Tag des Mars wurde der Tag des Tiwaz (Dienstag, Tuesday), aus dem Tag Jupiters der Tag Donars (Donnerstag, Thursday), aus dem Tag der Venus der Tag Frijas (Freitag, Friday). Wodans Tag lebt im englischen Wednesday weiter, im Deutschen hat ihn die Kirche durch den „Mittwoch“ ersetzt. Sonntag und Montag gehören Sonne und Mond. Der Samstag dagegen hat mit keinem germanischen Gott etwas zu tun – er kommt vom jüdischen Sabbat.
Jeden Montag schreibst du es in den Kalender, jeden Freitag freust du dich darauf: Die Woche ist das am häufigsten benutzte Stück Religionsgeschichte, das wir besitzen. Kein Runenstein, kein Moorfund, keine Edda-Handschrift wird so oft „gelesen“ wie die sieben Namen, die über jedem Terminplaner stehen. Und doch weiß kaum jemand, dass vier davon nach Göttern benannt sind, denen vor anderthalb Jahrtausenden noch geopfert wurde.
Bei uns in der Werkstatt in Alsdorf ist die Frage nach den Wochentagen Dauerbrenner. Kunden wollen wissen, ob der Donnerstag wirklich Thor gehört, ob der Freitag nach Freya heißt und warum der Mittwoch so unspektakulär klingt. Die Antworten sind spannender, als man denkt, und sie führen von römischen Sterndeutern über gotische Missionare bis zu einem isländischen Bischof, der im 12. Jahrhundert die Götter aus dem Kalender werfen ließ. Gehen wir die Woche einmal von vorn durch.
Die Germanen haben die Sieben-Tage-Woche nicht erfunden. Sie haben sie übernommen, und zwar aus dem Römischen Reich. Dort war sie selbst noch relativ jung. Zwei Wurzeln liefen zusammen: die jüdische Woche mit dem Sabbat als Ruhetag und die hellenistische Sterndeutung, die jedem Tag einen der sieben damals bekannten „Wandelsterne“ zuordnete. Zu diesen sieben zählten neben den fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten auch Sonne und Mond.
Die Reihenfolge der Tage wirkt auf den ersten Blick willkürlich, folgt aber einer sauberen astrologischen Rechnung. Die antiken Astronomen ordneten die sieben Himmelskörper nach ihrer vermuteten Entfernung: Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur, Mond. Jede Stunde des Tages wurde der Reihe nach einem dieser Körper unterstellt. Der Herr der ersten Stunde gab dem ganzen Tag seinen Namen. Weil ein Tag 24 Stunden hat und 24 geteilt durch 7 einen Rest von 3 lässt, springt der Regent der nächsten ersten Stunde jeweils drei Plätze weiter. Heraus kommt genau unsere Folge: Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus. Der griechische Geschichtsschreiber Cassius Dio hat dieses System im frühen 3. Jahrhundert in seiner Römischen Geschichte (Buch 37) erklärt und schrieb es den Ägyptern zu.
Die lateinischen Namen lauteten dies Saturni, dies Solis, dies Lunae, dies Martis, dies Mercurii, dies Iovis, dies Veneris. In den romanischen Sprachen sind sie bis heute zu hören: französisch mardi, mercredi, jeudi, vendredi, italienisch martedì, mercoledì, giovedì, venerdì. Genau diese Namen kamen an Rhein und Donau bei den germanischen Nachbarn an.
Die Germanen haben die Planetennamen nicht einfach ausgesprochen, wie man ein Fremdwort ausspricht. Sie haben sie übersetzt, und zwar inhaltlich. Für jeden römischen Gott suchten sie den eigenen, der ihm am ähnlichsten schien. Die Forschung nennt das interpretatio germanica, das Gegenstück zur interpretatio Romana, bei der römische Autoren fremde Götter mit römischen Namen belegten.
Ein schönes Beispiel für die römische Richtung liefert Tacitus. In seiner Germania (Kapitel 9, um 98 n. Chr.) schreibt er sinngemäß: Unter den Göttern verehren sie am meisten den Merkur, dem sie an bestimmten Tagen sogar Menschenopfer darbringen; Herkules und Mars besänftigen sie mit Tieropfern. Tacitus nennt keine germanischen Namen. Aber dass mit Merkur Wodan gemeint ist und mit Mars der alte Himmels- und Kriegsgott, legen die Wochentage später selbst nahe. Im 8. Jahrhundert sagt es der langobardische Geschichtsschreiber Paulus Diaconus ganz ausdrücklich: Wodan sei derjenige, den die Römer Merkur nennen.
Pikant ist ein kleines Detail: Bei Tacitus taucht kein Jupiter auf, sondern Herkules, und man hat ihn oft mit dem Donnergott in Verbindung gebracht – der Keulenschwinger als Gegenstück zum Hammerträger. In der Woche dagegen wird Donar mit Jupiter gleichgesetzt. Die Gleichungen waren also nicht in Stein gemeißelt. Je nachdem, ob man auf die Waffe oder auf den Blitz schaute, passte mal der eine, mal der andere römische Gott.
Wann die Germanen die Woche übernommen haben, weiß niemand genau. Sicher ist nur der Rahmen: nach dem 1. Jahrhundert, als die Planetenwoche im Reich überhaupt erst üblich wurde, und vor der Christianisierung, denn christliche Missionare hätten kaum heidnische Götter in den Kalender geschrieben. Weil Englisch, Friesisch, Deutsch und die nordischen Sprachen dieselben Gleichungen zeigen, nimmt man meist an, dass die Übersetzung schon vor der Abwanderung der Angeln und Sachsen nach Britannien im 5. Jahrhundert geschah. Eine häufige Annahme ist das 3. oder 4. Jahrhundert, im engen Kontakt zwischen Germanen und römischem Militär am Rhein. Das ist plausibel, aber eine Annahme, kein Fund mit Datum.
| Lateinisch | Gott/Gestirn | Althochdeutsch | Altenglisch | Altnordisch | Deutsch heute | Englisch heute |
|---|---|---|---|---|---|---|
| dies Solis | Sonne | sunnūntag | sunnandæg | sunnudagr | Sonntag | Sunday |
| dies Lunae | Mond | mānetag | mōnandæg | mánadagr | Montag | Monday |
| dies Martis | Mars → Tiwaz/Ziu | ziostag | tīwesdæg | týsdagr | Dienstag | Tuesday |
| dies Mercurii | Merkur → Wodan | mittawehha | wōdnesdæg | óðinsdagr | Mittwoch | Wednesday |
| dies Iovis | Jupiter → Donar | donarestag | þunresdæg | þórsdagr | Donnerstag | Thursday |
| dies Veneris | Venus → Frija | frīatag | frīgedæg | frjádagr | Freitag | Friday |
| dies Saturni | Saturn / Sabbat | sambaztag, sunnūnāband | sæternesdæg | laugardagr | Samstag, Sonnabend | Saturday |
Die einfachsten Fälle zuerst. Beim Sonntag und beim Montag mussten die Germanen nichts uminterpretieren. Sonne und Mond waren auch bei ihnen Himmelskörper, und beide hatten im germanischen Weltbild eine Gestalt. Im Norden sind das Sól und Máni, die nach Snorris Edda von Wölfen über den Himmel gejagt werden. Im Zweiten Merseburger Zauberspruch (10. Jahrhundert aufgezeichnet) taucht eine Sunna auf, als Schwester einer Sinthgunt.
Ein netter Unterschied zum Lateinischen: Im Germanischen ist die Sonne weiblich und der Mond männlich, umgekehrt als bei Sol und Luna. Ob man die Tagesnamen deshalb als „Tag der Göttin Sunna“ und „Tag des Gottes Máni“ lesen muss oder schlicht als „Sonnentag“ und „Mondtag“, lässt sich nicht entscheiden. Die Wörter sind zunächst einmal Übersetzungen von dies Solis und dies Lunae.
Der römische dies Martis gehörte dem Kriegsgott Mars. Die Germanen setzten dafür den Gott ein, den die Sprachwissenschaft als Tiwaz rekonstruiert. Sein Name ist urverwandt mit dem griechischen Zeus und dem lateinischen deus; ursprünglich war er wohl ein Himmelsgott, der später an Bedeutung verlor. Im Norden heißt er Týr, der einhändige Gott, der seine Hand im Maul des Fenriswolfs ließ. Im Englischen steht er im Tuesday (altenglisch tīwesdæg), im Altnordischen im týsdagr, im Althochdeutschen im ziostag, dem Tag des Ziu.
Dieser alte Name lebt im Süden noch im Dialekt. Wer im Schwäbischen oder in der Schweiz unterwegs ist, hört Zischtig oder Zeischdig, und das ist nichts anderes als der Tag des Ziu. Das Standarddeutsche hat aber ein anderes Wort durchgesetzt: Dienstag. Und hier wird es richtig interessant.
„Dienstag“ hat mit Dienst nichts zu tun. Das Wort hat sich vom Niederrhein aus verbreitet; die mittelniederdeutsche Form lautet dingesdach, niederländisch heißt der Tag bis heute dinsdag. Hinter dinges- vermutet man einen Gott namens Thingsus. Den kennen wir tatsächlich aus einer Inschrift: In Housesteads am Hadrianswall fand man 1883 einen Steinpfeiler, den germanische Soldaten aus dem Stamm der Tuihanti – aus der Gegend des heutigen Twente in den Niederlanden – einem Mars Thincsus und zwei weiblichen Gottheiten namens Beda und Fimmilena geweiht hatten. Die Weihung wird meist ins 3. Jahrhundert datiert.
Liest man Thingsus als „Gott des Things“, also der Volks- und Gerichtsversammlung, dann ergibt sich ein schlüssiges Bild: ein Mars, der nicht nur Krieg führt, sondern auch Recht schützt. Das passt erstaunlich gut zu Týr, der in der nordischen Überlieferung mit Eid und Pfand verbunden ist. Viele Forscher sehen in Thingsus deshalb einen Beinamen des Tiwaz.
Und dann gibt es noch Bayern und Österreich. Dort hieß der Dienstag in der älteren Mundart Ertag oder Erchtag. Das Wort ist weder Tiwaz noch Thingsus, sondern ein Gast aus dem Osten: Es geht nach gängiger Erklärung auf das griechische Áreos hēméra, „Tag des Ares“, zurück und soll über das Gotische zu den Baiern gelangt sein. Die Goten hatten das Christentum im 4. Jahrhundert über Wulfila in arianischer Form angenommen und standen in engem Kontakt zur griechischsprachigen Welt. Dass ausgerechnet ein bairischer Wochentag über Konstantinopel kam, ist eine der schönsten Pointen der deutschen Wortgeschichte. Gesichert ist der Weg über das Gotische allerdings nicht; gotische Wochentagsnamen sind selbst kaum überliefert.
Merkur war der Gott der Händler, Reisenden und Boten, der Seelengeleiter und ein schlauer Kopf. Die Germanen setzten dafür Wodan ein, den Odin des Nordens: Wanderer, Totengott, Gott der Dichtung und der Runen. So entstand der „Wodanstag“. Im Englischen ist er quicklebendig: Wednesday, altenglisch wōdnesdæg. Das stumme „d“ in der Mitte, über das englische Schüler stolpern, ist ein Überbleibsel des Gottesnamens. Niederländisch heißt der Tag woensdag, niederdeutsch hielt sich Wodensdach beziehungsweise Wunsdag, und in ganz Skandinavien sagt man onsdag, aus altnordisch óðinsdagr.
Nur im Hochdeutschen fehlt er. Dort steht seit althochdeutscher Zeit Mittwoch, belegt seit dem 10. Jahrhundert als mittawehha bzw. mittiwehha, unter anderem bei Notker. Das ist eine Lehnübersetzung aus dem Kirchenlatein: media hebdomas, die „Mitte der Woche“. Dahinter steht eine kirchliche Praxis, die die Tage schlicht durchzählte und so den Göttern auswich. Die Missionare im süddeutschen Raum haben den Namen des wichtigsten heidnischen Gottes offenbar ganz bewusst gemieden. Bei Donar und Frija waren sie weniger gründlich – vielleicht, weil Wodan als Hauptgegner galt.
Der römische dies Iovis gehörte Jupiter, dem höchsten Gott und Blitzschleuderer. Die Germanen setzten ihren Donnergott ein: Donar, im Norden Thor. Der Name ist durchsichtig, er bedeutet schlicht „Donner“. Althochdeutsch heißt der Tag donarestag (bei Notker toniristag), altenglisch þunresdæg, altnordisch þórsdagr. Daraus wurden Donnerstag, Thursday, schwedisch und dänisch torsdag.
Auch hier hat Bayern einen eigenen Weg: Der alte bairische Name für den Donnerstag war Pfinztag. Das Wort geht auf griechisch pémptē hēméra, „fünfter Tag“, zurück und ist, wie der Ertag, vermutlich über das Gotische gekommen. Es zählt die Tage durch, so wie es die Kirche im Osten tat. Pfinztag und Ertag gelten deshalb als Spuren eines ostkirchlichen Einflusses im bairischen Raum, dessen genauer Weg in der Forschung diskutiert wird.
Der Tag der Venus, der römischen Göttin der Liebe, ging an die Göttin Frija. Althochdeutsch frīatag, altenglisch frīgedæg, altnordisch frjádagr. Im Norden heißt Frija Frigg, sie ist Odins Gemahlin, die Mutter Balders, eine Göttin des Hauses, der Ehe und des Wissens um das Schicksal.
Und hier kommt der wohl häufigste Irrtum rund um die Wochentage: Der Freitag ist nicht nach Freya benannt. Die Formen der alten Sprachen gehen auf Frija/Frigg zurück. Der Name Freyja (Freya) bedeutet „Herrin“ und ist ein anderer, auch wenn beide Göttinnen manche Züge teilen und die Forschung seit dem 19. Jahrhundert diskutiert, ob sie ursprünglich eine einzige Gestalt waren. Warum ausgerechnet Frija zur Venus wurde, obwohl Freya inhaltlich die bessere Liebesgöttin wäre, ist eine eigene Geschichte. Wir haben sie ausführlich in Freya oder Frigg – wem gehört der Freitag? erzählt.
Jetzt der Tag, um den sich die meisten Legenden ranken. Im Lateinischen war er der dies Saturni, Saturns Tag – und im Englischen ist er das bis heute: Saturday, altenglisch sæternesdæg. Das ist bemerkenswert: Hier wurde nicht übersetzt, sondern der römische Gott einfach übernommen. Offenbar gab es keinen germanischen Gott, der als passend empfunden wurde.
Im Deutschen gibt es zwei Wörter, und beide haben mit Saturn nichts zu tun. Samstag kommt von althochdeutsch sambaztag. Das geht auf eine nasalierte, vulgärgriechische Form sambaton zurück, letztlich auf das hebräische Schabbat, den jüdischen Ruhetag. Es ist derselbe Weg, den wir schon vom Ertag und Pfinztag kennen: aus dem griechischen Osten, wohl über die Donau, in den Süden des deutschen Sprachraums. Ähnlich heißen der Tag französisch samedi und italienisch sabato.
Sonnabend dagegen, althochdeutsch sunnūnāband, ist eine Lehnübersetzung aus dem Altenglischen sunnanæfen, „Vorabend des Sonntags“. Das Wort kam wahrscheinlich mit der angelsächsischen Mission im 8. Jahrhundert, also im Umkreis des Bonifatius, nach Deutschland. Heute hört man Sonnabend vor allem im Norden und Osten, Samstag im Süden und Westen sowie in Österreich und der Schweiz. Beide sind gleichberechtigt; das Bürgerliche Gesetzbuch spricht in § 193 vom Sonnabend.
Und der Norden? Dort heißt der Tag laugardagr, schwedisch lördag, dänisch und norwegisch lørdag. Das bedeutet „Waschtag“ oder „Badetag“ (altnordisch laug, Bad). Daneben ist auch þváttdagr überliefert, ebenfalls „Waschtag“. Kein Gott, kein Planet, sondern Seife und heißes Wasser.
Die vielleicht spannendste Wendung der Geschichte spielt im hohen Norden. Wer heute in Reykjavík einen Kalender aufschlägt, findet keinen einzigen Götternamen: sunnudagur, mánudagur, þriðjudagur, miðvikudagur, fimmtudagur, föstudagur, laugardagur. Das heißt: Sonntag, Montag, „dritter Tag“, „Mittwochstag“, „fünfter Tag“, „Fastentag“, Waschtag.
Dahinter steht nach der isländischen Tradition Jón Ögmundarson (auch Ögmundsson), 1052 geboren und ab 1106 erster Bischof des neu gegründeten Bistums Hólar im Norden Islands, gestorben 1121. Er galt als strenger Reformer, der heidnische Reste aus dem Alltag verbannen wollte. Aus týsdagr wurde der dritte, aus óðinsdagr der Mittwochstag, aus þórsdagr der fünfte Tag und aus frjádagr der Fastentag – denn freitags wurde gefastet. Sonntag, Montag und Waschtag blieben unangetastet: Sonne, Mond und Badewasser waren theologisch harmlos. Auf den Färöern blieben dagegen einige alte Namen erhalten, etwa týsdagur für den Dienstag.
Island ist damit kein Einzelfall. Schon im 6. Jahrhundert hatte Martin von Braga im heutigen Portugal gegen die Gewohnheit gewettert, die Tage nach heidnischen Göttern zu benennen. Bis heute zählt das Portugiesische die Werktage durch: segunda-feira (Montag) bis sexta-feira (Freitag). Die Kirche hätte die Planetenwoche gern überall ersetzt. Durchgesetzt hat sie sich nur an wenigen Orten – der Alltag war stärker als die Theologie.
Die Wochentage sind eine ungewöhnliche Quelle. Sie sind keine Erzählung, kein Bild, keine Inschrift, und doch belegen sie etwas Wichtiges: Um die Zeit der Übernahme müssen Tiwaz, Wodan, Donar und Frija den Menschen vom Niederrhein bis nach England so geläufig gewesen sein, dass jeder sie den römischen Göttern zuordnen konnte. Das ist ein Beleg aus dem Alltag, der unabhängig von der viel späteren isländischen Überlieferung des 13. Jahrhunderts ist. Snorri Sturluson konnte die Wochentage nicht „erfinden“; sie waren älter als jede Edda-Handschrift. Mehr über die drei Hauptgötter findest du in Wodan, Donar & Ziu.
Und sie zeigen das Ringen der Christianisierung. Die Mission hat nicht alles gestrichen, sondern ausgewählt: den Hauptgott Wodan in Süddeutschland, alle Götter in Island, im Süden den Saturntag zugunsten des Sabbats. Den Donnergott dagegen ließ sie fast überall stehen. Ein heidnischer Gott im Kalender war offenbar leichter zu ertragen als ein Kalender, den niemand benutzt. Ganz ähnlich ist es den germanischen Monatsnamen ergangen, nur dass diese den Kampf gegen die lateinischen Monate verloren haben.
Bei uns in der Werkstatt kommt regelmäßig die Frage nach „Wochentagsrunen“. Ehrliche Antwort vorweg: Ein historisches System, das jedem Wochentag eine Rune zuordnet, gibt es nicht. Die Runeninschriften kennen keine Wochentage, und die Planetenwoche kam zu einer Zeit, in der Runen vor allem für Namen, Formelwörter und kurze Weihungen gebraucht wurden.
Ein paar Verbindungen sind aber sauber begründbar. Die Rune ᛏ heißt im älteren Futhark rekonstruiert Tiwaz, im jüngeren Futhark Týr – sie trägt also den Namen des Dienstagsgottes. Die Rune ᛊ (sowilo, „Sonne“) passt zum Sonntag. Danach wird es dünn. Die Rune ᚦ heißt nordisch þurs, „Riese“ – also ausgerechnet der Gegner Thors, nicht Thor selbst. Für Wodan und Frija gibt es keine eigenen Runen; die Rune ᚨ (ansuz, „Gott/Ase“) wird zwar gern mit Odin verbunden, das ist aber eine moderne Deutung.
Wenn du also eine Wochentagstafel, einen Familienplaner auf Schiefer oder ein Geschenk für einen „Donnerstagsmenschen“ gravieren lassen willst, dann sehen wir Runen hier als schöne Dekoration, nicht als historische Botschaft. Was wirklich trägt, sind die alten Namen selbst: týsdagr, óðinsdagr, þórsdagr, frjádagr in Runen- oder Lateinschrift, darunter der heutige Name. Das ist echt, das ist belegt, und es erzählt die ganze Geschichte in einer Zeile. Welche Runen sich grundsätzlich für eine Gravur eignen, erklären wir in Welche Rune soll ich gravieren lassen?.

Welche Wochentage sind nach germanischen Göttern benannt? Dienstag (Tiwaz/Ziu bzw. Thingsus), Donnerstag (Donar/Thor) und Freitag (Frija/Frigg). Im Englischen kommt Wednesday (Wodan/Odin) hinzu; im Deutschen ist der Mittwoch ein christlicher Name.
Woher kommen die Namen der Wochentage? Aus der römischen Planetenwoche, die jedem Tag einen Himmelskörper zuordnete. Die Germanen ersetzten die römischen Götter durch ihre eigenen, vermutlich zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert; oft wird das 3. bis 4. Jahrhundert angenommen.
Ist der Freitag nach Freya benannt? Nein. Der Freitag gehört Frija, im Norden Frigg, Odins Frau. Freya ist eine andere Göttin, auch wenn beide oft verwechselt werden.
Warum heißt der Mittwoch nicht Wodanstag? Weil sich im Hochdeutschen die kirchliche Lehnübersetzung „Mitte der Woche“ (media hebdomas) durchgesetzt hat. Im Englischen (Wednesday), Niederländischen (woensdag) und Skandinavischen (onsdag) steckt Wodan noch drin.
Ist der Samstag nach einem germanischen Gott benannt? Nein. Samstag kommt vom jüdischen Sabbat, Sonnabend bedeutet „Vorabend des Sonntags“, englisch Saturday ist der römische Saturn, und nordisch lördag heißt „Waschtag“.
Warum haben die isländischen Wochentage keine Götternamen? Die Tradition schreibt es Bischof Jón Ögmundarson von Hólar (1106–1121) zu, der die Götternamen durch Zähl- und Kirchennamen ersetzt haben soll, etwa „dritter Tag“ für den Dienstag.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Interpretatio Romana · Tiwaz · Wodan, Donar & Ziu · Donar · Frija – Göttin der Woche.
Während anderswo ein rundlicher Mann mit Rentierschlitten anrückt, kommen in Island dreizehn Trolljungen vom Berg …
Weiterlesen →Ein Feuer in freier Natur, ein Trinkhorn, das reihum wandert, ein paar Worte an Götter und Ahnen, und am Ende ein …
Weiterlesen →Ein Leben hat seine großen Schwellen: die Ankunft eines Kindes, das Zusammenfinden zweier Menschen, der Abschied von …
Weiterlesen →