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Wodan, Donar & Ziu: Die Götter, bevor sie „Odin, Thor und Tyr" hießen

Götter & Göttinnen Wodan, Donar & Ziu: Die Götter, bevor sie „Odin, Thor und Tyr" hießen Die berühmten Namen Odin, Thor und Tyr sind nordisch. Auf dem Festland, bei den Germanen zwischen Rhein und Elbe, hießen dieselben Götter Wodan, Donar und Ziu. Über sie wissen wir weniger – aber genug, um die gemeinsame Wurzel zu erkennen.

Die nordische Mythologie der Edda ist reich überliefert – die Götterwelt der Festlandgermanen dagegen nur in Bruchstücken. Wir kennen sie fast nur aus römischen Berichten, aus Weiheinschriften, aus zwei erhaltenen Zaubersprüchen, aus Ortsnamen und aus den Wochentagen. Und doch zeigt sich klar: Es sind dieselben Götter wie im Norden, nur unter älteren Namen.

Wodan – der Wütende, der Wanderer

Wodan (nordisch Óðinn) ist der Herr über Ekstase, Zauber und Totenheer. Sein Name hängt mit einem Wort für „Wut, Rausch, Besessenheit" zusammen. Die Römer setzten ihn mit Merkur gleich (daher der Wodanstag → englisch Wednesday). Im Zweiten Merseburger Zauberspruch, dem einzigen erhaltenen heidnischen Zauber in althochdeutscher Sprache, heilt „Wodan" das verrenkte Pferdebein – Wort für Wort dieselbe Gestalt wie Odin.

„thu biguol en Uuodan, so he uuola conda" – „da besprach ihn Wodan, so gut er es konnte"Zweiter Merseburger Zauberspruch (gemeinfrei, althochdeutsch mit eigener Übersetzung)

Donar – der Donnerer mit dem Hammer

Donar (nordisch Þórr) ist der Gott des Gewitters, Schützer der Menschen gegen die Riesen. Die Römer sahen in ihm Herkules (den Keulenschwinger). Sein Zeichen war der Hammer – und die ihm geweihte Eiche, die Bonifatius fällte. Sein Name steckt im Donnerstag und in Ortsnamen wie Donnersberg. Im Norden wurde aus dem Donnerhammer der berühmte Mjölnir.

Ziu – der alte Himmels- und Kriegsgott

Ziu, Tiu oder Tiwaz (nordisch Týr) ist der geheimnisvollste der drei. Sein Name ist der älteste – er geht auf dasselbe indogermanische Wort für „Himmel/Gott" zurück wie der griechische Zeus und der lateinische Deus. Einst war er vielleicht der oberste Himmelsgott, bevor Wodan diese Rolle übernahm. Die Römer setzten ihn mit Mars gleich; daher der Ziustag → Dienstag (englisch Tuesday). In Ortsnamen wie Zülpich (Tiu) und in der Rune Tiwaz klingt er nach.

Woher wir das wissen

Die kontinentalen Götter erschließen sich aus vielen kleinen Spuren: der interpretatio Romana (Merkur = Wodan, Herkules = Donar, Mars = Ziu), den Merseburger Zaubersprüchen, den rheinischen Matronen- und Weihesteinen, den germanischen Wochentagsnamen und der Verwandtschaft der Sprachen. Kein einziger zusammenhängender Mythos ist vom Festland überliefert – die großen Erzählungen kennen wir nur aus dem Norden.

Was belegt ist: Die Gleichsetzungen Merkur=Wodan, Herkules=Donar, Mars=Ziu (Tacitus u. a.). Wodan im Zweiten Merseburger Zauberspruch. Die Götternamen in den Wochentagen. Ziu/Tiwaz als ältester, mit Zeus/Deus urverwandter Himmelsgott (Sprachwissenschaft). Donars Hammer und die heilige Eiche.
Was Deutung ist: Vieles über die Festlandgötter füllen wir aus der nordischen Edda auf – das ist plausibel, aber eine Rückprojektion. Ob Wodan schon bei den Germanen der Kaiserzeit die zentrale Rolle spielte wie Odin im Norden, ist unsicher; Ziu könnte ursprünglich wichtiger gewesen sein. Die drei sind verwandt mit ihren nordischen Gegenstücken, aber nicht einfach identisch.

Wodan, Donar und Ziu sind der ältere, festländische Namenszweig derselben Götterwelt, die im Norden zu Odin, Thor und Tyr wurde. Wer heute Dienstag, Donnerstag und (im Englischen) Wednesday sagt, ruft sie – unbewusst – noch immer beim Namen.

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