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Frija: Die Herrin, nach der der Freitag heißt – Zauberspruch, Langobarden-Sage und das Rätsel um Frigg und Freyja

Götter & Göttinnen Frija: Die Herrin, nach der der Freitag heißt – Zauberspruch, Langobarden-Sage und das Rätsel um Frigg und Freyja

Frija war die große Göttin der Festlandgermanen, die nordische Frigg trägt denselben Namen. Nach ihr heißt der Freitag, die germanische Übersetzung des römischen „Venustags“. Belegt ist sie in nur einer Handvoll Quellen: im Zweiten Merseburger Zauberspruch (10. Jahrhundert) als „Friia“ mit ihrer Schwester Volla und in der Herkunftssage der Langobarden als „Frea“, die ihren Gatten Godan überlistet. Wir zeigen dir, was diese Texte wirklich sagen, was ihr Name bedeutet und warum die Forschung bis heute streitet, ob Frija, Frigg und Freyja einmal eine einzige Göttin waren.

Eine Göttin, die du jede Woche aussprichst

Freitagnachmittag, der Laptop klappt zu, das Wochenende winkt. Kaum jemand denkt dabei an eine Göttin. Und doch steckt sie im Wort: Freitag ist der Tag der Frija. Von all den Göttinnen, die die germanischsprachigen Völker einmal verehrt haben, ist sie die einzige, deren Name bis heute in jedem deutschen Kalender steht – und im englischen Friday, im niederländischen vrijdag, im schwedischen fredag gleich mit.

Dabei wissen wir über sie erstaunlich wenig: ein paar Zeilen in einem Zauberspruch, eine Herkunftssage aus Italien, ein Wochentagsname und eine nordische Verwandte, die viel später ausführlich beschrieben wurde. Aus diesen Splittern lässt sich trotzdem viel herauslesen – wenn man sauber trennt zwischen dem, was die Quellen sagen, und dem, was spätere Generationen hineingelesen haben.

Genau das machen wir hier. Wir gehen die Belege einzeln durch, schauen uns den Namen an, prüfen das Verhältnis zur nordischen Frigg und zu Freyja und sagen dir klar, wo das Wissen aufhört und die Deutung beginnt.

Der Name: *Frijjō – „die Geliebte“

Sprachwissenschaftler setzen für Frija eine urgermanische Form *Frijjō an. Das Sternchen bedeutet: Diese Form ist nicht aufgeschrieben, sondern aus den späteren Einzelsprachen erschlossen. Aus *Frijjō wurden althochdeutsch Frīja (im Merseburger Text „Friia“ geschrieben), langobardisch Frea, altenglisch Frīg und altnordisch Frigg. Dass im Nordischen ein hartes gg erscheint, ist kein Zufall, sondern eine regelmäßige Lautentwicklung: Doppeltes -jj- wurde im Nordgermanischen zu -ggj- verschärft (im Gotischen zu -ddj-) (in der Fachsprache „Holtzmanns Gesetz“). Frija und Frigg sind also nicht nur ähnlich klingende Namen, sondern ein und dasselbe Wort in zwei Dialekten.

Die Wurzel kennst du aus dem Alltag. Zur selben Wortfamilie gehören gotisch frijōn „lieben“, unser Freund (eigentlich „der Liebende“), Friede und auch frei. Die indogermanische Grundbedeutung war offenbar „lieb, eigen, zugehörig“; im Altindischen heißt priyā „die Geliebte, die Gattin“. Wie aus „lieb“ dann „frei“ wurde, erklärt die Forschung mit der Sippengesellschaft: Frei war, wer zur Familie gehörte, im Gegensatz zum Unfreien. Für den Götternamen ergibt sich als wahrscheinlichste Bedeutung „die Geliebte“ oder „die (eigene) Gattin“.

Ganz anders steht es mit Freyja. Ihr Name geht auf *frawjōn zurück, die weibliche Form zu *frawjan „Herr“, das im gotischen frauja „Herr“ und im althochdeutschen frō steckt. Freyja heißt schlicht „die Herrin“ – und ist damit eng verwandt mit unserem Wort Frau, das von althochdeutsch frouwa kommt. Das ist der erste harte Befund in der ganzen Debatte: Frija/Frigg und Freyja haben etymologisch verschiedene Namen. Der Gleichklang im Deutschen täuscht.

Mythos-Check: „Freitag kommt von Freyja“ liest man oft. Sprachlich stimmt das nicht. Die alten Formen – althochdeutsch frīatac, altenglisch frīgedæg, altfriesisch frīadei – setzen den Namen *Frijjō voraus, nicht *frawjōn. Wer den Freitag einer Göttin zuschreiben will, muss Frija beziehungsweise Frigg nennen. Mehr dazu in unserem Artikel Freitag: gehört der Tag Frigg oder Freya?

Wie aus dem Venustag der Freitag wurde

Die Sieben-Tage-Woche mit Planetennamen ist keine germanische Erfindung. Sie verbreitete sich in der römischen Kaiserzeit: Jeder Tag gehörte einem der sieben damals bekannten „Wandelsterne“, und der sechste Tag hieß dies Veneris, Tag der Venus. Als germanischsprachige Gruppen im Kontakt mit dem Imperium – an Rhein und Donau, im Heer, im Handel – diese Woche übernahmen, übersetzten sie die Götternamen in ihre eigenen. Aus dem Tag des Mercurius wurde Wodans Tag (englisch Wednesday), aus dem Tag des Iuppiter Donars Tag (Donnerstag), aus dem Tag des Mars der Tag des Ziu (Dienstag, über einen Beinamen; englisch Tuesday). Und Venus wurde zu Frija.

Wann genau das geschah, ist nicht sicher zu sagen. Die meisten Fachleute denken an die ersten Jahrhunderte nach Christus, also lange vor den ersten schriftlichen Zeugnissen in den Volkssprachen. Der Vorgang selbst hat einen Namen: interpretatio germanica, das germanische Gegenstück zur römischen Gewohnheit, fremde Götter mit eigenen gleichzusetzen. Die römische Seite erklären wir bei der Interpretatio Romana, die ganze Woche von Sonntag bis Samstag findest du bei den germanischen Wochentagen.

Spannend ist die Wahl. Venus war keine Ehegöttin, sondern die Göttin der Liebe und des Begehrens. Wer an die spätere nordische Frigg denkt, die würdevolle Gattin Odins, hätte eher Juno erwartet. Dass man stattdessen Venus wählte, passt aber gut zur Bedeutung „die Geliebte“. Möglicherweise hatte die festländische Frija eine stärkere Seite der Liebe und Anziehung, als die späten nordischen Texte erkennen lassen. Gesichert ist das nicht.

Ein Detail am Rand: Im Altnordischen hieß der Freitag frjádagr. Diese Form passt nicht ganz zu Frigg, deren Name im Genitiv Friggjar lautet. Viele Sprachwissenschaftler halten den nordischen Wochentagsnamen deshalb für eine Lehnform aus dem Westgermanischen – die Woche wanderte also offenbar vom Kontinent nach Norden. In Island wurde der Tag später ohnehin kirchlich umbenannt und heißt bis heute föstudagur, „Fastentag“.

Gesicherter Befund: Die Wochentagsnamen althochdeutsch frīatac, altenglisch frīgedæg und altfriesisch frīadei übersetzen lateinisch dies Veneris. Sie belegen eine Göttin *Frijjō bei den westgermanischen Völkern, die man mit der römischen Venus gleichsetzte.

Merseburg: „Friia“ und ihre Schwester Volla

Der wichtigste Text für Frija ist nur wenige Zeilen lang. Im Jahr 1841 entdeckte der Historiker Georg Waitz in einer theologischen Sammelhandschrift der Merseburger Domstiftsbibliothek zwei Sprüche in althochdeutscher Sprache, eingetragen im 10. Jahrhundert auf eine freie Seite. Jacob Grimm veröffentlichte sie 1842. Seitdem heißen sie die Merseburger Zaubersprüche – und sie sind die einzigen Texte in deutscher Sprache, in denen vorchristliche Götter handelnd auftreten.

Der Zweite Spruch ist ein Pferdesegen. Er erzählt eine kleine Szene: Phol und Wodan reiten in den Wald, da verrenkt sich ein Fohlen (oder Pferd) den Fuß. Dann versuchen nacheinander mehrere Gottheiten, die Verletzung zu besprechen:

„thu biguolen Sinthgunt, Sunna era suister; thu biguolen Friia, Volla era suister; thu biguolen Wodan, so he wola conda …“
Da besprach ihn Sinthgunt, Sunna ihre Schwester; da besprach ihn Friia, Volla ihre Schwester; da besprach ihn Wodan, so gut wie er es konnte …Zweiter Merseburger Zauberspruch, Handschrift 10. Jh., eigene Übertragung

Erst Wodan gelingt die Heilung, und der Spruch endet mit der eigentlichen Zauberformel: Knochen zu Knochen, Blut zu Blut, Glied zu Gliedern, als ob sie geleimt wären. Erst das mythische Vorbild, dann die Formel – so funktionieren solche Heilsprüche. Ein angelsächsisches Gegenstück, in dem Thor eine Wunde behandelt, findest du beim Canterbury-Zauberspruch.

Für Frija sind drei Beobachtungen wichtig. Erstens: Sie wird als bekannte Göttin vorausgesetzt. Der Text erklärt nicht, wer Friia ist; die Zuhörer wussten es offenbar. Zweitens: Sie steht in einer Reihe mit anderen Göttinnen, die heilen können, aber erst Wodan ist erfolgreich. Drittens, und das ist der spannendste Punkt: Sie hat eine Begleiterin namens Volla.

Volla bedeutet wörtlich „die Fülle“. Und im Norden taucht genau dieser Name wieder auf: Fulla ist bei Snorri Sturluson (um 1220) die Vertraute der Frigg. Sie trägt Friggs Kästchen aus Eschenholz, kümmert sich um ihre Schuhe und kennt ihre geheimen Pläne. In der Prosaeinleitung des Eddaliedes Grímnismál schickt Frigg ihre Dienerin Fulla los, um einen König zu warnen. Dass im 10. Jahrhundert in Deutschland Friia mit Volla und im 13. Jahrhundert in Island Frigg mit Fulla erscheint, ist eines der stärksten Argumente dafür, dass Frija und Frigg tatsächlich dieselbe Göttin sind – nicht nur über den Namen, sondern über ein gemeinsames mythisches Umfeld.

Eine Unstimmigkeit bleibt: In Merseburg ist Volla die Schwester, im Norden die Dienerin. Ob das ein echter Unterschied in der Überlieferung ist oder ob „Schwester“ hier vor allem eine enge Gefährtin meint, lässt sich nicht entscheiden. Auch die Frage, wer Phol ist und ob „balderes“ den Gott Balder oder einfach „des Herrn“ meint, ist bis heute offen. Die Göttin Sunna aus derselben Zeile stellen wir in unserem Beitrag über Sunna und Sól vor.

Die Langobarden-Sage: Frea überlistet Godan

Der zweite große Beleg kommt aus Italien. Die Langobarden, die 568 nach Italien zogen und dort ein Königreich gründeten, erzählten sich eine Geschichte darüber, woher ihr Name stammt. Aufgeschrieben ist sie in einem kurzen lateinischen Text des 7. Jahrhunderts, der Origo gentis Langobardorum („Ursprung des Volkes der Langobarden“). Seine Königsliste reicht bis in die Zeit König Perctarits (672–688), und er ist in Handschriften überliefert, die vor allem das langobardische Gesetzbuch König Rotharis (643) enthalten.

Die Geschichte geht so: Ein kleines Volk namens Winniler lebt auf einer Insel im Norden, angeführt von den Brüdern Ybor und Agio und ihrer Mutter Gambara. Die Vandalen unter ihren Anführern Ambri und Assi fordern Tribut. Die Winniler weigern sich, es kommt zum Krieg. Die Vandalen wenden sich an Godan und bitten um den Sieg. Godan antwortet, er werde denen den Sieg geben, die er bei Sonnenaufgang als Erste sehe. Gambara dagegen wendet sich an Frea, Godans Frau.

Frea gibt einen listigen Rat: Die Frauen der Winniler sollen ihr Haar vor dem Gesicht wie einen Bart zusammenbinden und mit den Männern früh am Morgen auf dem Feld erscheinen, dort, wo Godan aus seinem Fenster nach Osten blickt. Dann dreht Frea das Bett, in dem ihr Mann schläft, so, dass sein Gesicht nach Osten zeigt, und weckt ihn. Godan sieht die Schar und fragt: Wer sind diese Langbärte? Frea antwortet sinngemäß: Wem du einen Namen gegeben hast, dem gib auch den Sieg. Godan kann nicht anders, die Winniler siegen und heißen fortan Langobarden, „Langbärte“.

Was diese Erzählung so wertvoll macht: Sie zeigt Frea nicht als blasse Nebenfigur, sondern als die eigentliche Strategin. Sie kennt die Regeln, nach denen ihr Mann handelt, und nutzt sie gegen seinen ursprünglichen Willen. Der Göttervater wird mit seinem eigenen Wort gebunden. Mehr über das Volk selbst und Wodans Namen erfährst du in unserem Artikel über die Langobarden.

Und auch hier gibt es eine auffällige nordische Parallele. In der Prosaeinleitung von Grímnismál sitzen Odin und Frigg auf dem Hochsitz Hliðskjálf und streiten über ihre Pflegesöhne Agnarr und Geirröðr. Frigg greift – über Fulla – heimlich ins Geschehen ein, und ihre Intervention entscheidet, wie die Sache ausgeht. In beiden Geschichten ist das Götterpaar uneins über das Schicksal von Menschen, und in beiden setzt sich die Göttin mit List durch. Viele Forscher sehen darin ein altes gemeinsames Erzählmuster. Das ist eine Deutung, aber eine gut begründete.

Paulus Diaconus und die „lächerliche Fabel“

Die bekanntere Fassung der Sage stammt von Paulus Diaconus, einem langobardischen Mönch und Gelehrten, der eine Zeit lang am Hof Karls des Großen lebte und gegen Ende des 8. Jahrhunderts seine Historia Langobardorum schrieb. Im ersten Buch (Kapitel 8) erzählt er die Godan-und-Frea-Geschichte nach, ganz nah an der Origo – aber mit einem deutlichen Kommentar. Er leitet sie als „lächerliche Fabel“ ein, die die alte Überlieferung hier erzähle.

Gleich danach (Kapitel 9) erklärt Paulus, Godan sei derselbe wie Wodan, den die Römer Mercurius nennen und den alle Völker Germaniens als Gott verehrten. Den Namen der Langobarden leitet er lieber nüchtern von ihren langen, nie geschorenen Bärten ab.

Das ist eine wichtige Quellenlage: Ein christlicher Autor überliefert eine heidnische Geschichte, distanziert sich davon – und bewahrt sie gerade dadurch. Für Frea bedeutet das: Ihr Name und ihre Rolle als Gattin Godans sind im langobardischen Italien des 7. und 8. Jahrhunderts noch bekannt, wenn auch als Erzählung über die Vorzeit, nicht als gelebter Kult. Ob die Langobarden Frea je in einem Heiligtum verehrten, sagt keine Quelle.

Gesicherter Befund: Die Origo gentis Langobardorum (7. Jh.) und Paulus Diaconus, Historia Langobardorum I,8 (spätes 8. Jh.), nennen Frea als Gattin Godans/Wodans. Das ist der früheste schriftliche Beleg dafür, dass die Göttin *Frijjō als Frau des Wodan galt – Jahrhunderte vor der Edda.

Frīg in England: nur ein Tag und ein Wort

Die Angelsachsen, deren Vorfahren vom Kontinent nach Britannien kamen, kannten die Göttin ebenfalls – aber die Spuren sind dünn. Ihr Name Frīg steckt im Wochentag frīgedæg, aus dem das englische Friday wurde. Daneben gibt es im Altenglischen ein gewöhnliches Wort frīg „Liebe, Zuneigung“, in Dichtung auch „Umarmungen“ – wieder die Bedeutungsfamilie von „lieb“.

Eine eigene Erzählung über Frīg ist aus England nicht erhalten. Was es gibt, sind christliche Erklärungen der Wochentage um das Jahr 1000. In einer Heiligenlegende des Abtes Ælfric erscheint der Teufel in Gestalt heidnischer Götter, und die lateinischen Namen Mercurius und Venus werden dort mit „Óþon“ und „Fricg“ wiedergegeben. Ein anderer altenglischer Text erklärt, der sechste Tag sei nach der Venus benannt, die „auf Dänisch“ Frycg heiße. Diese späten Formen mit -cg klingen bereits nordisch – kein Wunder in einem England, in dem dänische Siedler und Könige lebten. Die alte angelsächsische Göttin selbst bleibt hinter dem Wochentag verborgen.

Frija und Frigg: dieselbe Göttin in zwei Welten

Fassen wir zusammen, was Frija mit der nordischen Frigg verbindet. Da ist der Name, der lautgesetzlich identisch ist. Da ist die Rolle als Gattin des Wodan/Odin, im Süden bei den Langobarden, im Norden in der Edda und bei Snorri. Da ist die Begleiterin Volla/Fulla. Und da ist das Erzählmuster vom Götterpaar, in dem die Göttin mit Klugheit ihren Willen durchsetzt. Diese vier Punkte zusammen machen die Gleichung Frija = Frigg zu einem der stabilsten Ergebnisse der germanischen Religionsgeschichte. Kaum ein Fachlexikon zweifelt daran.

Was wir über die nordische Frigg wissen, ist allerdings viel mehr und viel später. Bei Snorri ist sie die höchste der Göttinnen, kennt das Schicksal aller Menschen, auch wenn sie es nicht ausspricht, und wohnt in ihrer Halle Fensalir. Sie ist die Mutter Balders, nimmt allen Dingen den Eid ab, ihn nicht zu verletzen, und weint um ihn, als er doch stirbt. Diese Bilder wurden im 13. Jahrhundert in Island aufgeschrieben und lassen sich nicht einfach auf die festländische Frija zurückprojizieren. Ob die Rheinfranken oder Thüringer des 8. Jahrhunderts Frija als Mutter Balders kannten, wissen wir schlicht nicht.

Und Freyja? Gleichsetzung oder Trennung

Jetzt wird es spannend, denn hier beginnt eine Debatte, die seit dem 19. Jahrhundert läuft. Im Norden gibt es zwei große Göttinnen: Frigg, die Gattin Odins aus dem Geschlecht der Asen, und Freyja, die Tochter Njörds aus dem Geschlecht der Vanen (mehr zu den beiden Familien bei Asen und Vanen). Die Quellen trennen sie klar. In der Lokasenna treten beide nacheinander auf und werden von Loki getrennt beschimpft. Snorri zählt sie als zwei verschiedene Göttinnen auf. Und doch sind sie einander verdächtig ähnlich.

Die Argumente für einen gemeinsamen Ursprung lauten etwa so:

Die Gegenargumente sind ebenso ernst. Die Namen sind, wie oben gezeigt, etymologisch verschieden: „die Geliebte“ gegen „die Herrin“. Freyja ist eng mit den Vanen, mit Fruchtbarkeit, mit dem Totenreich Fólkvangr und mit der Zauberkunst Seiðr verbunden; Frigg mit Ehe, Mutterschaft und Vorauswissen. Und dass Freyjas Name auf dem Festland fehlt, beweist wenig, weil von dort überhaupt kaum Götternamen überliefert sind. Wer aus fehlenden Quellen eine Verschmelzung ableitet, baut auf Schweigen.

Der Religionshistoriker Stephan Grundy hat die Argumente beider Seiten in einem Aufsatz („Freyja and Frigg“, 1996) zusammengetragen und das Problem ausdrücklich als schwierig bezeichnet. Britt-Mari Näsström vertrat in ihrem Buch über Freyja die Ansicht, die nordischen Göttinnen könnten als Erscheinungsformen einer großen Göttin verstanden werden – eine Deutung, die andere für zu weitgehend halten. Die ehrliche Bilanz lautet: Frija und Frigg sind dieselbe Göttin. Ob Freyja auf dieselbe Wurzel zurückgeht, ist offen. Wer dir hier eine sichere Antwort verkauft, verkauft Meinung.

Mythos-Check: „Frija, Frigg und Freyja sind dieselbe Göttin“ – so steht es in vielen Internetartikeln. Belegbar ist nur die erste Hälfte: Frija entspricht Frigg. Die Gleichsetzung mit Freyja ist eine Forschungshypothese, die ernsthaft diskutiert, aber nicht bewiesen ist. Im Norden sind beide in allen Quellen zwei verschiedene Gestalten.

Was wir über Frijas Kult nicht wissen

An diesem Punkt lohnt ein nüchterner Blick auf die Lücken. Wir kennen kein Heiligtum, das ausdrücklich Frija geweiht war. Wir kennen kein Fest in ihrem Namen, keine Opferbeschreibung, kein Bild mit ihrem Namen. Das sächsische Taufgelöbnis aus dem 9. Jahrhundert, in dem Täuflinge Donar, Wodan und Saxnot abschwören mussten, nennt sie nicht. Bei Tacitus, der um 98 n. Chr. die germanische Religion beschrieb, kommt eine Göttin dieses Namens nicht vor; er nennt andere, etwa Nerthus.

Seit Jacob Grimms „Deutscher Mythologie“ (1835) haben Forscher versucht, diese Lücke mit Volksüberlieferung zu füllen. Gestalten wie Frau Holle oder Perchta, die über Spinnen, Haushalt und Winterzeit wachen, galten lange als späte Nachfahren einer alten Göttin wie Frija. Heute ist die Forschung hier sehr vorsichtig: Zwischen dem Merseburger Spruch und den Sagen des 19. Jahrhunderts liegt fast ein Jahrtausend, und eine direkte Linie lässt sich nicht nachweisen. Auch die Verbindung von Frigg mit dem Spinnrocken – das berühmte Gemälde der spinnenden Frigg von John Charles Dollman ist ein Bild des 20. Jahrhunderts – beruht eher auf Snorris Hinweis auf ihre Halle und auf modernen Deutungen als auf alten Belegen.

Dasselbe gilt für die Matronen der rheinischen Weihesteine: gleicher Raum, gleiche Epoche, aber keine Inschrift nennt Frija.

Nachleben: von Grimm bis Wagners Fricka

Dass Frija heute überhaupt jemandem etwas sagt, verdankt sie vor allem dem 19. Jahrhundert. Jacob Grimm stellte in seiner „Deutschen Mythologie“ die Belege für Frigg, Frea und Frija zusammen und begründete damit die Vorstellung einer gemeinsamen germanischen Göttin.

Richard Wagner griff diese Gelehrsamkeit auf. In seinem „Ring des Nibelungen“ heißt die Gattin Wotans Fricka – eine Göttin der Ehe, die ihren Mann streng an Verträge und Moral bindet. Die Namensform ist an Grimm angelehnt, das Charakterbild ist Wagners eigene Schöpfung. Auf der Opernbühne steht also eine Mischung aus Edda-Frigg, Gelehrsamkeit und Theater.

Für uns in der Werkstatt in Alsdorf ist Frija besonders reizvoll, weil sie zum Festland gehört. Sie lebt in einem Wort weiter, das jeder kennt. Das ist mehr, als die meisten Götter der festländischen Germanen von sich sagen können.

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Häufige Fragen

Wer war die Göttin Frija? Frija war eine Göttin der westgermanischen Völker, die festländische Entsprechung der nordischen Frigg. Belegt ist sie im Zweiten Merseburger Zauberspruch, in der Herkunftssage der Langobarden (als Frea, Gattin Godans) und im Wochentagsnamen Freitag.

Ist der Freitag nach Frija oder nach Freyja benannt? Nach Frija beziehungsweise Frigg. Die alten Formen wie althochdeutsch frīatac und altenglisch frīgedæg setzen den Namen *Frijjō voraus; Freyjas Name hat eine andere Herkunft.

Was bedeutet der Name Frija? Er geht auf urgermanisch *Frijjō zurück und bedeutet sehr wahrscheinlich „die Geliebte“ oder „die Gattin“. Verwandt sind Freund, Friede und frei.

Sind Frigg und Freyja dieselbe Göttin? In den nordischen Quellen sind sie zwei verschiedene Göttinnen. Ob sie auf eine gemeinsame ältere Göttin zurückgehen, ist eine bis heute ungelöste Forschungsfrage.

Wer ist Volla im Merseburger Zauberspruch? Volla wird dort als Schwester Frijas genannt. Ihr Name bedeutet „Fülle“; im Norden entspricht ihr Fulla, die Vertraute der Frigg.

Was hat Frija mit den Langobarden zu tun? Nach der Origo gentis Langobardorum und Paulus Diaconus riet Frea den Winnilern zu einer List, durch die Godan ihnen den Namen „Langbärte“ und den Sieg gab.

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