Am Niederrhein, nahe unserer Region, verehrten Germanen einen starken Gott, den die Römer Herkules nannten, und der wohl dem Donnergott nahestand.
Hercules Magusanus war ein germanischer Gott, der vor allem im Gebiet der Bataver und am Niederrhein verehrt wurde – ganz in der Nähe unserer Heimat. Zahlreiche Weihesteine nennen ihn.
Wenn ein römischer Stein „Herkules" nennt, muss kein römischer Held gemeint sein. Am Niederrhein verbirgt sich hinter dem Namen ein germanischer Gott: Hercules Magusanus. Die Römer setzten den keulenschwingenden Kraftheros mit dem einheimischen Beschützergott gleich (interpretatio Romana) – so wie sie Donar allgemein als Herkules deuteten. Der Beiname Magusanus aber ist rein germanisch und macht ihn zu etwas Eigenem: nicht der römische Herkules, sondern der starke Gott einer bestimmten Landschaft und ihrer Menschen.
Sein Kernland lag im Rheindelta, bei den Batavern und ihren Nachbarn – dem Volk, das Rom seine besten Reiter und Hilfstruppen stellte. In Empel (bei ’s-Hertogenbosch) lag ein großes Heiligtum, aus dem tausende Weihegaben, Münzen und Waffenteile geborgen wurden. Hier war Magusanus der Gott, bei dem man schwor, bevor man in römischen Dienst zog, und dem man dankte, wenn man heil zurückkehrte. Der Name bedeutet vermutlich „der Mächtige/Starke" – ein Gott der Kraft und des Schutzes, ganz im Bild des Herkules.
Am eindrucksvollsten wird die Verehrung dort, wo sie Reichspolitik wird: Kaiser Postumus, Herrscher des abgespaltenen Gallischen Sonderreichs (260–274 n. Chr.), ließ Münzen mit der Umschrift HERC MAGVSANO prägen – gemünzt unter anderem in der Kölner Prägestätte. Ein rheinischer Kaiser wählte einen rheinischen Gott als Schutzherrn seiner Herrschaft. Damit steht Hercules Magusanus buchstäblich auf dem Geld, das einst durch Köln, Bonn und das Rheinland ging – ein Stück germanischer Götterglaube, direkt vor unserer Haustür.
Neben Empel und der Münze bezeugen zahlreiche Weihesteine den Kult: aus Bonn, Xanten, Kleve und dem gesamten Bataverland, dazu der berühmte Altar des Flavus aus Ruimel. Und wie beim Mars Thingsus reisten batavische Soldaten mit ihrem Gott: Weihungen an Hercules Magusanus finden sich bis nach Rom und an den römischen Grenzen. So wurde aus einem lokalen Beschützer der mitgetragene Gott einer ganzen Militärdiaspora – und für uns eines der reichsten zeitgenössischen Zeugnisse germanischer Religion überhaupt.
War Magusanus „nur" der rheinische Donar? Das ist die verbreitete Deutung – Herkules stand ja allgemein für den germanischen Donnergott. Doch der eigenständige Name, das feste Kernland und das eigene Heiligtum sprechen dafür, dass die Bataver in ihm einen ganz eigenen Gott sahen, der erst durch die interpretatio den Herkules-Mantel bekam. Genau hier zeigt sich, wie regional der germanische Glaube war: kein einheitliches Pantheon, sondern mächtige Götter einzelner Landschaften.
„Dem Herkules Magusanus hat Flavus, Sohn des Vihirmas, Priester, sein Gelübde freudig und nach Gebühr erfüllt."Altar von Ruimel, nach gemeinfreier Übersetzung

Donar · Interpretatio Romana · Die Bataver · Die Matronen · Die germanische Religion.
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