Zwischen Feldarbeit, Fahrt und Fehde blieb Zeit für Wettkampf und Spiel. Die Sagas sind voll von Ringkämpfen, Ballspielen und Kraftproben – manche endeten in Gelächter, manche in Totschlag. Was wir über den Sport der Wikinger wirklich wissen, und wo die gute Geschichte anfängt.
Der Norden war hart, und wer bestehen wollte, musste stark, geschickt und zäh sein. Kein Wunder, dass Kraft und Geschick zählten – im Ernst wie im Spiel. Die Isländersagas erzählen immer wieder von Wettkämpfen, bei denen es um Ehre ging, manchmal aber auch ums nackte Leben.
Das bekannteste ist der Ringkampf, in Island bis heute glíma genannt. In den Sagas heißt das Ringen fang, und die Griffe fangbrögð. Zwei Männer fassten einander, suchten den Wurf und den Sturz – als Kräftemessen unter Freunden, als Beweis der Männlichkeit, gelegentlich als tödlicher Ernst. In der Grettis saga ringt der übermächtige Grettir, in anderen Sagas werden aus einem freundschaftlichen Griff schnell gebrochene Knochen. Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Dass gerungen wurde, ist gut bezeugt – ein festes Regelwerk aber ist aus der Wikingerzeit nicht überliefert. Die heutige isländische Sportart Glíma mit ihrem Hosengurt wurde erst um 1900 als Nationalsport festgelegt.
Am rätselhaftesten ist der Knattleikr, ein Ballspiel, das in mehreren Sagas vorkommt – am ausführlichsten in der Egils saga und der Gísla saga. Gespielt wurde offenbar mit einem harten Ball und einem Schläger, auf Eis oder gefrorenem Boden, oft über Stunden und mit Zuschauern. Mehr verraten die Quellen kaum: Ein zusammenhängendes Regelwerk ist NICHT überliefert, alle heutigen Rekonstruktionen sind Mutmaßung. Sicher ist nur der Ton: Der Knattleikr war rau. In der Egils saga schlägt der junge Egill einem älteren Jungen im Streit ums Spiel die Axt in den Kopf – aus einem Ballspiel wird eine Fehde. Sport und Gewalt lagen im Norden dicht beieinander.
Neben Ringen und Ball zählte vieles, was den Körper stählte. Schwimmen (sund) galt als hohe Kunst; die Sagas erzählen von Männern, die im eiskalten Wasser um die Wette schwammen oder den Gegner unter Wasser drückten. Bis heute stehen an isländischen Höfen die schweren Steintök, Hebesteine, an denen man seine Kraft maß – ein Brauch, dessen Wurzeln weit zurückreichen. Dazu kamen Bogenschießen, Speerwerfen, Reiten und im Winter das Laufen auf Ski und Knochen-Schlittschuhen. Der „ideale“ Mann der Sagas beherrschte viele dieser Künste (íþróttir) – von der Dichtung bis zum Schwimmen.
Nicht jeder Wettstreit brauchte Muskeln. Am langen, dunklen Winterabend saß man am Feuer über dem Brettspiel Hnefatafl, dem „Königszabel“. Gefundene Spielsteine aus Glas, Bein und Bernstein und Bretter wie das von Ballinderry belegen, wie beliebt es war. Ein König in der Mitte, umstellt von der Übermacht, muss den Weg an den Rand finden – ein Spiel über Flucht und Belagerung, das gut zu einer Welt der Fehden passte. Die genauen Regeln sind, wie so oft, nicht vollständig überliefert und wurden erst später rekonstruiert.
Feuer ist das Beste / für der Menschen Kinder
und der Sonne Schein,
Gesundheit auch, / wenn er sie hegen kann,
und ein Leben ohne Laster.Hávamál 68, Übersetzung nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)
So nüchtern die Hávamál klingt: Gesundheit und ein tüchtiger Körper waren im Norden ein hohes Gut. Wettkampf und Spiel hielten fit, entschieden über Ansehen – und machten den langen Winter erträglich.

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