Nach Edington war England für ein Wikingerheer ein schlechter Ort geworden. Alfred hatte Guthrum geschlagen, Guthrum hatte sich taufen lassen, und seine Leute teilten East Anglia unter sich auf. Doch nicht alle wollten Bauern werden. Ein Heer, das an der Themse bei Fulham lagerte, setzte 879 über den Kanal. Dreizehn Jahre lang zog es von Winterlager zu Winterlager durch das Frankenreich, belagerte Paris fast ein Jahr lang, ließ sich bezahlen, wurde geschlagen – und stand 892 wieder in Kent. Eine Geschichte in Annalen, Versen und einer kurzen Zeile der Chronik.

Die Angelsächsische Chronik notiert zum Winter 878/79 zwei Dinge nebeneinander. Guthrums Heer zog von Chippenham nach Cirencester und blieb dort ein Jahr, bevor es nach East Anglia ging und das Land aufteilte. Und im selben Winter sammelte sich eine Schar von Wikingern, die sich bei Fulham an der Themse festsetzte. Im nächsten Eintrag heißt es, dieses Heer sei über das Meer nach Gent im Frankenreich gezogen und habe dort ein Jahr gelegen. Die Chronik führt das unter 880; die fränkischen Quellen zeigen, dass es im Herbst 879 geschah.
Das ist ein wichtiger Punkt, und er wird oft übergangen. Das Heer, das auf dem Kontinent auftaucht, ist nicht einfach die Große Heidnische Armee von 865, die nach dem Frieden mit Alfred ihre Sachen packte. Guthrums Leute blieben in England. Was 879 übersetzte, war ein Verband, in dem Veteranen der englischen Feldzüge gewesen sein dürften, dazu Neuankömmlinge aus Skandinavien. Wie sich das mischte, sagt keine Quelle. Die Chronik selbst behandelt ihn aber als Einheit: Als er 892 zurückkehrt, nennt sie ihn „das große Heer, von dem wir früher gesprochen haben".
Warum gerade jetzt Francia? Das Westfrankenreich hatte im April 879 mit Ludwig dem Stammler seinen König verloren. Seine Söhne Ludwig III. und Karlmann waren jung und ihr Anspruch umstritten. Ein Reich im Thronstreit war für ein solches Heer, was ein Northumbria im Bürgerkrieg 866 gewesen war: eine Gelegenheit.
Die beste Quelle für die folgenden Jahre ist nicht englisch, sondern fränkisch. Die Annalen von Saint-Vaast, die Annales Vedastini, wurden im Kloster Saint-Vaast in Arras geschrieben, mitten in dem Gebiet, das das Heer heimsuchte. Ihr Verfasser kannte die Orte, die er aufzählt, und viele davon hat er brennen sehen.
Das Muster ist dasselbe wie in England: Das Heer bezieht ein befestigtes Lager an einem Fluss, oft in oder bei einem Kloster, und zieht im Umland Beute und Abgaben ein. Die Chronik in Wessex verfolgte die Bewegungen erstaunlich genau. Nach Gent verzeichnet sie Jahr für Jahr: höher hinauf ins Frankenland, wo die Franken mit dem Heer kämpften und es sich danach beritten machte; die Maas hinauf; die Schelde hinauf nach Condé; die Somme hinauf nach Amiens. Jeder Satz ein Winterlager.
Einen Teil dieser Zeit verbrachte das Heer, oder ein Teil davon, an der Maas und am Rhein. Aus dem Lager bei Asselt heraus wurde 881 Aachen geplündert, und im Jahr darauf stand Kaiser Karl III., genannt der Dicke, vor dem Lager und verhandelte, statt zu stürmen. Diese Kapitel erzählen wir ausführlich in 881: Als die Wikinger vor Aachen standen und in Winterlager am Rhein.
Die Franken waren nicht wehrlos. Am 3. August 881 schlug der junge König Ludwig III. ein Wikingerheer bei Saucourt-en-Vimeu, nahe der Somme-Mündung. Die Annalen von Saint-Vaast berichten davon, und die fränkischen Quellen sprechen von vielen tausend Toten auf der Gegenseite. Solche Zahlen muss man nicht glauben. Dass es ein echter Sieg war, darf man.
Bemerkenswert ist, was aus diesem Sieg wurde: ein Lied in der Volkssprache. Das althochdeutsche Ludwigslied, erhalten in einer Handschrift in Valenciennes, feiert den König, noch bevor er im August 882 starb. Es beginnt so:
Einan kuning uueiz ih, heizsit her Hluduig, ther gerno gode thionot.
„Einen König kenne ich, Ludwig heißt er, der Gott gern dient."Ludwigslied, Verse 1–2; Übertragung von uns
Das Lied deutet die Nordleute als Strafe Gottes für die Sünden der Franken und Ludwig als den Mann, der sie abwendet. Für uns ist es eines der wenigen zeitgenössischen Stücke, in denen man hört, wie die Angegriffenen über das Heer sangen, nicht nur schrieben. Aufgehalten hat Saucourt das Heer nicht. Es zog weiter nach Osten.
Im Oktober 882 setzte sich das Heer in Condé an der Schelde fest und verheerte von dort das Reich Karlmanns. 883 ging es zur Somme, stieß mit Reitern und Schiffen nach Lavier vor und schlug sein Winterlager in Amiens auf. Die Annalen von Saint-Vaast beschreiben ein Land, in dem Klöster und Kirchen bis zur Oise hin brannten.
Anfang 884 schickten die westfränkischen Großen, in Compiègne versammelt, einen getauften Dänen namens Sigfrid als Unterhändler zu seinen Landsleuten. Das Ergebnis ist eine der großen Zahlen dieser Jahre: zwölftausend Pfund Silber, gegen Geiseln und einen Waffenstillstand bis zum Herbst. Im Oktober 884 verließ das Heer Amiens. Ein Teil ging nach Löwen an der Dyle, ein anderer, so die Angelsächsische Chronik, zurück nach England, nach Rochester in Kent, wo Alfred ihn vertrieb.
Im Dezember 884 starb König Karlmann bei einem Jagdunfall. Das Westfrankenreich fiel an Karl den Dicken, der nun, zum ersten Mal seit Ludwig dem Frommen, fast das ganze Reich Karls des Großen in seiner Hand hielt. Dem Heer war das gleich. Es hatte gelernt, dass die Franken zahlten.
Im Sommer 885 zog das wiedervereinte Heer die Seine hinauf, nahm Rouen und zwang nach einer Belagerung die Burg bei Pontoise zur Übergabe. Ende November stand es vor Paris. Paris war damals im Kern die Insel in der Seine, die Île de la Cité, mit Mauer, Kathedrale und zwei Brücken. Jede Brücke war am Ufer durch einen Turm gesichert. Unter Karl dem Kahlen waren solche befestigten Brücken zu einem Mittel geworden, Flotten den Weg flussaufwärts zu sperren.
Wer wissen will, wie es in der Stadt aussah, liest Abbo von Saint-Germain. Abbo war Mönch in Saint-Germain-des-Prés, erlebte die Belagerung selbst und schrieb in den 890er-Jahren ein lateinisches Gedicht darüber, die Bella Parisiacae urbis, „Die Kriege der Stadt Paris", fast 1.400 Hexameter in drei Büchern. Abbo nennt siebenhundert große Schiffe und dazu kleinere Boote, und er spricht von rund vierzigtausend Mann. Kein Historiker glaubt diese Zahlen. Sie sind Rhetorik, Abbo wollte ein Epos schreiben, und ein Epos braucht ein riesiges Heer.
Brauchbarer sind seine Einzelheiten: Belagerungsmaschinen auf Rädern, Brander, die man gegen die Brücke treiben ließ, Verteidiger, die siedendes Wachs und Pech vom Turm gossen. Und Namen. An der Spitze der Verteidigung standen Graf Odo von Paris und Bischof Gauzlin, dazu Gauzlins Neffe Ebolus, Abt von Saint-Germain. Auf der Gegenseite nennen die Quellen einen König Sigfrid. Ob er derselbe Sigfrid war, der 884 für die Franken verhandelt hatte, ist nicht zu klären.
Am 6. Februar 886 riss Hochwasser die kleine Brücke am linken Ufer weg. Der Turm dahinter war abgeschnitten. Das Heer griff an, legte Feuer, und die Besatzung wurde getötet. Abbo nennt zwölf Verteidiger mit Namen, die sich im Vertrauen auf Zusagen ergeben hätten und dennoch erschlagen worden seien. Er macht aus ihnen Märtyrer. Ob es genau zwölf waren, ob die Zahl nicht auch biblisch gemeint ist, lässt sich nicht prüfen.
Danach wurde es zäh. Sigfrid zog im Frühjahr gegen eine Zahlung ab, andere blieben. Im April 886 starb Bischof Gauzlin, vermutlich an einer Seuche, die in der eingeschlossenen Stadt umging. Odo schlich sich hinaus, um beim Kaiser Hilfe zu holen, und kämpfte sich zurück in die Stadt. Ein ostfränkisches Entsatzheer unter dem Heerführer Heinrich kam, richtete wenig aus, und im August 886 fiel Heinrich, als er mit seinem Pferd in einen der Gräben stürzte, die das Heer um sein Lager gezogen hatte.
Im Oktober 886 kam Karl der Dicke selbst mit einem großen Heer. Er griff nicht an. Er zahlte. Siebenhundert Pfund Silber wurden versprochen, fällig im Frühjahr, und das Heer durfte die Seine weiter hinaufziehen, nach Burgund. Manche Historiker lesen darin Kalkül: Die burgundischen Großen standen dem Kaiser nicht nahe. Die Pariser weigerten sich, die Schiffe durch ihre Brücken zu lassen; nach späteren Darstellungen schleppte das Heer sie ein Stück über Land und fuhr oberhalb der Stadt weiter – die Annalen von Saint-Vaast sagen dazu nichts. In Burgund belagerte es Sens, ohne die Stadt zu nehmen.
Für Karl war Paris ein politisches Desaster. Die Zeitgenossen sahen einen Kaiser, der mit überlegenem Heer anrückte und dann Silber anbot. Im November 887 setzten ihn die ostfränkischen Großen ab und hoben seinen Neffen Arnulf von Kärnten auf den Schild. Karl starb im Januar 888. Das Reich Karls des Großen zerfiel endgültig in seine Teile, und in den Annalen dieser Jahre ist das Heer an der Seine einer der Gründe.
Im Westen wählten die Großen im Februar 888 den Mann, der Paris gehalten hatte: Odo wurde König, der erste westfränkische König, der kein Karolinger war. Im Juni 888 schlug er ein Wikingerheer – meist heißt die Schlacht nach Montfaucon, die Annalen von Saint-Vaast setzen sie an die Aisne. Das Heer selbst blieb im Land, zog 889 und 890 durch das Seine- und Oisegebiet und bis ins Cotentin, wo es Saint-Lô zerstörte. Der Winter 890/91 sah es bei Noyon an der Oise.
891 wandte sich das Heer nach Osten, in das Reich Arnulfs. Am 26. Juni schlug es an der Geul, nahe Maastricht, ein fränkisches Aufgebot; Erzbischof Sunderolt von Mainz fiel. Die Fuldaer Annalen tadeln seine Hast. Im Herbst lag das Heer in einem befestigten Lager an der Dyle bei Löwen, geschützt von Fluss und Sumpf. Dort griff Arnulf an und siegte. Die Fuldaer Annalen und Regino von Prüm berichten, zwei Könige des Heeres seien gefallen, Sigfrid und Gottfried, und sechzehn Feldzeichen erbeutet worden. Die Angelsächsische Chronik hält den Sieg in einem Satz fest:
Her for se here east, 7 Earnulf cyning gefeaht wið ðæm rædehere ær þa scipu cuomon, mid Eastfrancum, 7 Seaxum, 7 Bægerum, 7 hine gefliemde.
„In diesem Jahr zog das Heer nach Osten, und König Arnulf kämpfte gegen das berittene Heer, bevor die Schiffe kamen, mit Ostfranken, Sachsen und Baiern, und schlug es in die Flucht."Angelsächsische Chronik, Handschrift A, Eintrag 891; Übertragung von uns
Das Wort rædehere, das berittene Heer, ist bezeichnend. Aus der Flotte von 879 war längst eine Truppe geworden, die sich zu Pferd über Land bewegte und die Schiffe nachkommen ließ. Die Schlacht selbst und das Lager von Löwen behandeln wir im Beitrag zu den Winterlagern am Rhein.
Vernichtet war das Heer nicht. Es überwinterte noch einmal bei Löwen. 892 kam eine Hungersnot hinzu, von der die Fuldaer Annalen berichten. Im Herbst zog das Heer nach Boulogne. Dort, sagt die Chronik, bekam es Schiffe und setzte in einer einzigen Überfahrt samt Pferden nach England über: 250 Schiffe landeten in der Mündung des Flusses Lympne im Osten von Kent. Kurz darauf lief ein gewisser Hæsten mit achtzig Schiffen in die Themse ein. Für Alfred begann der zweite große Krieg seiner Regierung.
Zeitgenössisch belegt sind die Stationen des Heeres durch die Annalen von Saint-Vaast, die Fuldaer Annalen und die Angelsächsische Chronik, die sich gegenseitig bestätigen, auch wenn ihre Jahreszählung manchmal um ein Jahr auseinanderliegt. Regino von Prüm schrieb seine Chronik erst um 908, stand den Ereignissen aber noch nahe.
Zeitgenössische Dichtung sind Abbos Paris-Gedicht und das Ludwigslied. Beide sind Augenzeugnisse ihrer Zeit, aber keine Protokolle: Abbos Zahlen sind episch, und das Ludwigslied ist Herrscherlob.
Archäologisch ist das Heer auf dem Kontinent bisher kaum greifbar. Ein Lager wie Torksey in England, mit Tausenden kartierter Funde, gibt es für Gent, Condé oder Amiens nicht.
Spätere Überlieferung ist vor allem das, was Dudo von Saint-Quentin um 1015 erzählte. Er setzt Rollo schon vor Paris 885/86. Keine Quelle des 9. Jahrhunderts nennt ihn dort. Wie Rollo später an der unteren Seine Fuß fasste, steht in Die Wikinger in Frankreich.
Moderne Deutung sind die Größe des Heeres, seine Zusammensetzung und die Frage, wie viel Anteil es am Zerfall des Karolingerreichs hatte. Die Antworten fallen je nach Historiker verschieden aus.
Dreizehn Jahre, ein Dutzend Winterlager, eine Kaiserkrone, die dabei verloren ging, und eine Stadt, die hielt. Paris hat Odo nicht vergessen. Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

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