Eine verschworene Bruderschaft von Kriegern, eine uneinnehmbare Seefestung, ein eiserner Ehrenkodex – und Männer, die dem Henker lachend ins Auge sehen. Kaum eine Wikinger-Erzählung ist so heldenhaft wie die der Jomswikinger. Doch wie viel davon ist wirklich geschehen?
Die Jomswikinger sind der Stoff, aus dem Legenden sind: eine Elitetruppe von Berufskriegern, die nach strengen Regeln lebte und kämpfte. Ihre Geschichte hat Generationen fasziniert – und genau deshalb lohnt der zweite, kritische Blick.
Nach der Jómsvíkinga saga war Jomsborg ein reiner Männerbund. Aufgenommen wurde nur, wer sich im Zweikampf bewährte; wer zwischen 18 und 50 Jahren alt war. Innerhalb der Mauern galten harte Gesetze: keine Frauen, keine Abwesenheit über drei Nächte ohne Erlaubnis, keine Feigheit, keine Blutrache untereinander, aller Raub wurde geteilt. Wer Furcht zeigte oder floh, verlor seinen Platz. Dieses Bild einer gnadenlos disziplinierten Kriegergemeinschaft ist es, das die Jomswikinger bis heute so anziehend macht.
Der Sitz der Bruderschaft, Jomsborg, soll an der südlichen Ostseeküste gelegen haben – eine Seefestung mit einem Hafen, der angeblich mehrere Schiffe hinter einem verschließbaren Tor barg. So plastisch die Sagas das schildern: Archäologisch ist Jomsborg bis heute nicht sicher nachgewiesen. Der beste Kandidat ist die Handelsstadt Wolin an der Odermündung im heutigen Polen, ein bedeutender wikingerzeitlicher Platz. Ob Wolin aber wirklich das sagenhafte Jomsborg war, bleibt offen – der Name „Jomsborg“ taucht erst in späteren Quellen auf.
Als Gründergestalt nennt die Saga Pálnatóki, später führt Sigvaldi die Bruderschaft. Ihr berühmtester Feldzug endete in einer Katastrophe: Bei einem Gelage schworen die Jomswikinger vollmundig, den norwegischen Herrscher Hákon Jarl zu stürzen – ein heitstrenging, ein Prahl-Gelübde, das man nicht zurücknehmen konnte. Also fuhren sie aus. In der Schlacht von Hjörungavágr (um 986) trafen sie auf Hákons Flotte. Ein plötzliches Unwetter mit Hagel, das die Saga der Zauberei zuschreibt, wandte das Blatt; die Jomswikinger wurden geschlagen, viele gefangen.
Die berühmteste Szene ist die Hinrichtung der Gefangenen. Einer nach dem anderen wird zum Beil geführt – und einer nach dem anderen begegnet dem Tod mit trotzigem Gleichmut. Ein junger Krieger bittet nur darum, dass ihm jemand die langen Haare aus dem Nacken halte, damit sie das Blut nicht besudle; als der Henker zufasst, reißt der Jomsviking den Kopf vor, sodass der Hieb die Hände des Henkers trifft. Solche Szenen des „guten Todes“ – Mut und Witz noch im Angesicht des Endes – sind der Kern des Jomswikinger-Stoffs. Ob sie sich so zutrugen, ist Sagenkunst; was sie zeigen, ist ein Ideal: lieber lachend sterben als zitternd leben.
Der feige Mann / wähnt ewig zu leben,
wenn er die Waffen scheut;
doch das Alter gönnt / ihm keinen Frieden,
wenn ihn der Speer auch verschont.Hávamál 16, Übersetzung nach Karl Simrock 1851 (gemeinfrei)
Genau dieses Ideal trägt die Erzählung: Nicht das lange Leben zählt, sondern die Haltung, mit der man dem Unausweichlichen begegnet.

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