Es gibt Völker, die riesige Reiche hinterlassen, und es gibt Völker, die einen einzigen Satz hinterlassen. Die Segusiaver haben beides nicht ganz – aber sie haben etwas Besseres: einen Ort. Denn auf ihrem Land, genau dort, wo Rhône und Saône zusammenfließen, gründeten die Römer im Jahr 43 v. Chr. eine Kolonie, aus der die Hauptstadt der drei gallischen Provinzen wurde und schließlich die Stadt Lyon. Plinius der Ältere hält das in fünf Wörtern fest, und diese fünf Wörter sind der Grund, warum sich der Aufwand lohnt, einem ansonsten stillen Volk zwischen oberer Loire und Rhône ein paar Seiten zu widmen.

Die Segusiaver – lateinisch Segusiavi, bei Strabon griechisch Segosianoi, bei Ptolemaios Segousiantoi – saßen in der Ebene des Forez, also im Herzen des heutigen Départements Loire, dazu in Teilen des Départements Rhône. Ihr Land lag zwischen den Bergen des Forez im Westen und dem Zusammenfluss von Rhône und Saône im Osten.
Das ist eine unspektakuläre Landschaft mit einer spektakulären Lage. Wer von der römischen Provinz im Süden ins Innere Galliens wollte, kam hier durch. Wer Waren von der Rhône zur Loire bringen wollte und damit an den Atlantik, ebenfalls. Die Segusiaver saßen nicht am Rand der Welt, sondern an einer Weiche.
Berühmt geworden sind trotzdem ihre Nachbarn: die Häduer im Norden, die Arverner im Westen, die Allobroger im Südosten. Die Segusiaver stehen in den antiken Texten fast immer in der zweiten Reihe – und genau das macht sie zu einem so guten Beispiel dafür, wie Rom mit mittelgroßen Völkern umging.
Der erste Namensbestandteil ist unstrittig. Die keltische Wurzel sego- bedeutet „Sieg, Kraft, Stärke" und begegnet quer durch die keltische Welt: in Ortsnamen, in Personennamen, in Völkernamen. Xavier Delamarre führt sie in seinem Standardwörterbuch der gallischen Sprache entsprechend.
Der zweite Bestandteil dagegen ist ein Problem. Die Fachliteratur nennt ihn schlicht schwierig. Die im Internet kursierende Übersetzung „die Siegreichen" oder „die des Sieges Würdigen" ist ein Vorschlag, keine gesicherte Analyse – sie klingt nur deshalb so selbstverständlich, weil sie oft genug wiederholt wurde.
Ehrlich bleibt daher: Der Name enthält höchstwahrscheinlich das Wort für Sieg. Was genau dahinter stand – ein Beiname, ein Gottesname, ein Ortsname, aus dem sich der Volksname ableitete –, wissen wir nicht. Das ist unbefriedigend, aber es ist der Stand der Dinge.
Die Segusiaver treten zum ersten Mal auf, als Caesar 58 v. Chr. mit seinem Heer nach Norden zieht. Im ersten Buch des Gallischen Krieges heißt es nüchtern: Inde in Allobrogum fines, ab Allobrogibus in Segusiavos exercitum ducit. Hi sunt extra provinciam trans Rhodanum primi. – „Von dort führt er das Heer in das Gebiet der Allobroger, von den Allobrogern zu den Segusiavern. Diese sind die ersten jenseits der Provinz, auf der anderen Seite der Rhône."
Das ist keine Beschreibung, sondern eine Positionsangabe. Caesar sagt seinen römischen Lesern damit: Hier endet das Bekannte, hier beginnt das freie Gallien. Die Segusiaver sind bei ihm eine Schwelle, kein Thema.
Man sollte daraus nichts Heroisches machen. Dass ein Volk als Erstes genannt wird, sagt etwas über die Marschroute des Erzählers aus, nicht über die Bedeutung des Volkes. Aber es sagt eben doch etwas über die Geographie: Wer von Süden kam, traf zuerst auf sie.
Die Segusiaver waren kein souveränes Volk im modernen Sinn. Caesar führt sie ausdrücklich unter den Klienten der Häduer. Diese Klientel war ein reales politisches System: Ein mächtiges Volk bot Schutz und Schiedsgericht, das kleinere stellte im Kriegsfall Truppen und folgte der außenpolitischen Linie.
Vieles spricht dafür, dass die Segusiaver vorher im arvernischen Lager standen und erst wechselten, als die Macht der Arverner nach 121 v. Chr. brach. Sicher belegt ist dieser Wechsel nicht – er wird aus der Münzverbreitung und der politischen Großwetterlage erschlossen. Als Hypothese ist er gut, als Tatsache wäre er zu viel.
Wichtig ist die Konsequenz: Über die Häduer, die sich selbst gern als Brüder des römischen Volkes bezeichneten, hingen die Segusiaver früh mit Rom zusammen. Das erklärt vieles an ihrem späteren Schicksal.
Im Aufstandsjahr 52 v. Chr. tauchen die Segusiaver zweimal auf. Zuerst befiehlt Vercingetorix, wie Caesar im siebten Buch schreibt, den Häduern und Segusiavern, die an die Provinz grenzen, zehntausend Fußsoldaten aufzustellen – Ziel des Unternehmens sind die Allobroger. Die Segusiaver liefern also Männer für die gallische Sache, weil ihre Schutzmacht es so will.
Dann kommt die berühmte Stelle im Vorfeld von Alesia. Caesar listet die Kontingente des Entsatzheeres auf und nennt dabei die Klientel der Häduer beim Namen: Haeduis atque eorum clientibus, Segusiavis, Ambivaretis, Aulercis Brannovicibus, Blannoviis, triginta quinque milia. Unmittelbar danach folgt in demselben Satz die Klientel der Arverner mit Gabalern und Vellavern.
Die Segusiaver stehen damit exakt an der Stelle im Text, an der Caesar die Landkarte der Abhängigkeiten offenlegt. Ihr Name erscheint nicht als Akteur, sondern als Posten in einer Aufstellung. Das ist die typische Überlieferungslage für ein Volk dieser Größenordnung.
Die wichtigste Nachricht über die Segusiaver stammt nicht von Caesar, sondern von Plinius dem Älteren. In seiner Aufzählung der Völker der Provinz Lugdunensis steht ein Satz von fünf Wörtern, der mehr Geschichte enthält als ganze Kapitel anderer Autoren.
Segusiavi liberi, in quorum agro colonia Lugudunum.
Plinius der Ältere, Naturalis historia IV,107; eigene Übersetzung
Die Segusiaver, ein freies Volk, auf deren Gebiet die Kolonie Lugudunum liegt.
Zwei Aussagen in einem Atemzug: Die Segusiaver haben einen Sonderstatus, und Lyon steht auf ihrem Land. Strabon bestätigt den zweiten Punkt unabhängig, wenn er Lugdunum im Gebiet der Segosianen verortet. Damit stehen hier zwei antike Zeugen nebeneinander, und das ist bei einem Volk dieser Größe eine Seltenheit.
Das lateinische liberi ist ein Rechtsbegriff. Eine civitas libera war von der direkten Beaufsichtigung durch den Statthalter weitgehend ausgenommen, behielt ihre eigene Verfassung und ihre eigenen Gerichte und war in der Regel von bestimmten Abgaben befreit. Das war ein Privileg, das Rom vergab – und jederzeit wieder einziehen konnte.
Es bedeutet ausdrücklich nicht Unabhängigkeit. Ein freies Gemeinwesen lag innerhalb des Reiches, zahlte Rom in der einen oder anderen Form seinen Tribut und hatte keine eigene Außenpolitik. Freiheit hieß hier: Wir mischen uns weniger ein.
Warum die Segusiaver das bekamen, sagt keine Quelle. Die naheliegende Erklärung lautet: Sie hatten sich im Gallischen Krieg nicht als Feinde hervorgetan, sie gehörten über die Häduer zum römerfreundlichen Lager, und sie waren bereit, das wertvollste Stück ihres Gebietes herzugeben.
Lange galt Lyon als römische Neugründung auf leerem Grund. Seit den Grabungen am Clos du Verbe Incarné und spätestens seit 2014 gilt das nicht mehr: Auf dem Plateau von Fourvière wurde ein Abschnitt eines murus gallicus freigelegt, jener typisch keltischen Mauer aus Holzrahmen, Steinen und Erde.
Damit ist gesichert, dass auf dem Hügel vor der römischen Koloniegründung eine befestigte keltische Siedlung lag. Ob sie ein Hauptort war, ob sie den Segusiavern gehörte und ob dort das große Heiligtum stand, das manche Forscher vermuten, bleibt Deutung. Der Wall selbst ist Befund, alles Weitere ist Interpretation.
Bemerkenswert ist das Schweigen der Schriftquellen. Weder Caesar noch ein anderer antiker Autor erwähnt vor 43 v. Chr. irgendetwas an diesem strategisch überragenden Punkt. Die Archäologie hat hier nachgeliefert, was die Literatur ausgelassen hat.
Die Gründung der Kolonie ist gut überliefert. Cassius Dio berichtet, dass römische Siedler von den Allobrogern aus Vienne vertrieben worden waren und am Zusammenfluss von Rhône und Saône lagerten. Der Senat beauftragte Lucius Munatius Plancus, Statthalter des unbezwungenen Galliens, ihnen dort eine Stadt zu gründen.
Das Datum ist das Jahr 43 v. Chr., der Ort liegt nach Plinius und Strabon auf segusiavischem Boden. Die Kolonie trug in ihrer Titulatur den Beinamen Copia und den Familiennamen ihres Gründers; die vollständigen Namensformen schwanken in den Quellen und späteren Ergänzungen, weshalb man sie besser nicht wie eine Urkunde zitiert.
Ob die Segusiaver das Land freiwillig abtraten, ist nicht überliefert. Die heute überwiegende Ansicht in der Forschung lautet, es habe eine ausgehandelte Abtretung mit Gegenleistungen gegeben – und der Freiheitsstatus bei Plinius sieht verdächtig nach genau so einer Gegenleistung aus. Beweisen lässt sich das nicht.
Was aus der Kolonie wurde, sprengt jeden Vergleich mit ihren Nachbarn. Lugdunum erhielt am Hang der Croix-Rousse das Bundesheiligtum der drei gallischen Provinzen, wo die Abgesandten von rund sechzig gallischen Gemeinwesen zusammenkamen. Die Stadt wurde Sitz der Reichsverwaltung für Gallien und eine der größten Münzstätten des Westens.
Für die Segusiaver hatte das eine handfeste Folge: Mindestens ein Angehöriger ihres Volkes ist als Oberpriester an diesem Bundesheiligtum inschriftlich belegt. Wer den Boden hergibt, kann offenbar trotzdem Karriere darauf machen.
Man sollte sich die Beziehung deshalb nicht als Verdrängung vorstellen, sondern als Aufspaltung. Aus einem Gebiet wurden zwei Welten: eine römische Großstadt und daneben eine gallische civitas, die weiterhin ihre eigenen Angelegenheiten regelte.
Ihren neuen Hauptort bekamen die Segusiaver unter Augustus, gut fünfzig Kilometer westlich von Lyon: Forum Segusiavorum, das heutige Feurs. Der Name sagt bereits alles über die Gründungsidee – forum heißt Markt und Platz, nicht Burg.
Die Stadt war großzügig angelegt. Die Forschung rechnet mit einer bebauten Fläche von rund achtzig Hektar und einem rechtwinkligen Straßenraster. Rettungsgrabungen seit den späten 1970er Jahren legten das Forum frei, mit dem in den Westprovinzen üblichen Dreiklang aus Tempel mit Kryptoportikus, Platz mit Ladenportiken und der Gruppe aus Basilika und Kurie. Der Forumsbau wird heute früh angesetzt, etwa in die Jahrzehnte um Christi Geburt.
Dazu kamen Theater, Bäder, Wasserleitungen, reiche Privathäuser und Gräberfelder. Eine Inschrift nennt Tiberius Claudius Capito, einen Augustuspriester, der das Theater von Feurs in Stein neu errichten ließ – ein schöner Beleg dafür, dass hier die einheimische Oberschicht baute, nicht eine römische Verwaltung.
Vor der römischen Planstadt lag die Macht auf den Höhen. Der wichtigste bekannte Platz ist das Oppidum auf dem Sporn von Essalois über dem Ausgang der Loire-Schluchten: rund sechseinhalb Hektar Befestigungsfläche, ein etwa vier Meter breiter Steinwall, mehrere Tore, Handwerk von der Schmiede bis zur Bronzegießerei und massenhaft importierte Weinamphoren.
Weiter nördlich, ebenfalls an der Loire, liegen die Oppida von Joeuvre und Crêt-Châtelard. Joeuvre lieferte bei den Grabungen Joseph Déchelettes im frühen 20. Jahrhundert die bekannten Bronzeanhänger in Eber- und Pferdeform, die heute in Roanne zu sehen sind.
Essalois brannte zweimal und wurde um 25 bis 20 v. Chr. endgültig aufgegeben – ziemlich genau in dem Zeitraum, in dem unten in der Ebene die neue Hauptstadt entstand. Der Wechsel von der Höhe in die Ebene ist archäologisch schön ablesbar.
Der zweite große Ort der Segusiaver ist Rodumna, das heutige Roanne. Anders als Essalois war er von Anfang an offen, ohne Wall, angelegt um 150 v. Chr. an einem Loire-Übergang und an mehreren Handelswegen. Nach der Eroberung wuchs er zu einer Siedlung von mehreren tausend Menschen.
Roanne wurde bekannt für seine Keramik. Die bemalten Schalen vom sogenannten Typ Roanne sind ein regionaler Leitfund, dazu kommen Webereien und die Herstellung von Weinamphoren, was auf lokalen Weinbau spätestens im 1. Jahrhundert v. Chr. hindeutet.
Auch Feurs hing am Handel mit Keramik, allerdings anders: Dort fanden sich gleich zwei größere Posten von Sigillata-Formschüsseln aus Lezoux. Die segusiavische Hauptstadt war offenbar eine Drehscheibe, über die Modeln und Ware weiterliefen – ein Transitplatz, kein Produktionszentrum.
Anders als bei manchem Nachbarvolk gibt es hier keinen Negativbefund. Den Segusiavern wird eine sehr seltene Silbermünze zugeschrieben, ein Quinar mit den Legenden SEGVSIAVS auf der Vorderseite und ARVS auf der Rückseite. Die Vorderseite zeigt einen behelmten Kopf in römischer Manier, die Rückseite eine Herkulesfigur – im gallischen Münzwesen ein Sonderfall.
Die Zuweisung war lange umstritten, gilt aber seit einem Fund in gesichertem Fundzusammenhang in Lyon als gesichert. Ein Exemplar aus einem auf 39 v. Chr. datierten Hortfund legt den Prägebeginn um 43 v. Chr. nahe, also unmittelbar in die Zeit der Koloniegründung.
Dazu kommen Potinmünzen vom Typ „mit dem großen Kopf" in einer Variante, die fast nur im Forez auftritt, und – besonders bemerkenswert – ein 2007 am Loire-Ufer gefundener Münzstempel für eine Goldprägung. Ein Goldstempel ist ein europaweit seltener Fund und spricht dafür, dass hier schon um 200 v. Chr. in nennenswertem Umfang geprägt wurde.
Die Lage, die die Segusiaver reich gemacht hatte, machte Lugdunum zur Drehscheibe. Strabon beschreibt die Stadt als Ausgangspunkt von vier großen Straßen: nach Süden zur Mittelmeerküste, nach Westen zum Atlantik, nach Nordwesten zum Ozean – und nach Norden an den Rhein, über Langres, Trier und Köln.
Damit beginnt eine Verkehrsachse, die bis in unsere Gegend führt, genau an dem Zusammenfluss, der nach Plinius auf segusiavischem Gebiet lag. Wer im römischen Rheinland Wein, Öl oder Sigillata aus dem Süden auf dem Tisch hatte, profitierte von einem Netz, dessen südlicher Knoten auf dem Land dieses kleinen Volkes gebaut worden war.
Auch im Kleinen blieb das Gebiet Durchgangsland: Die Fernstraße von Lyon nach Saintes führte über Feurs, und die große Wasserleitung des Gier, die Lugdunum versorgte, durchquerte segusiavisches Gebiet. Man lieferte den Untergrund für die Infrastruktur anderer.
Der Niedergang begann früh und nicht durch Krieg. Schon gegen Ende des 2. Jahrhunderts verlieren Feurs und das Bäderstädtchen Aquae Segetae an Gewicht, während das ländlich verankerte Roanne seine Werkstätten behält. Die reichen Familien zogen sich auf ihre Güter zurück oder gleich nach Lyon und Rom.
Den entscheidenden Schlag brachte die Verwaltungsreform Diokletians um 297/298. Die civitas der Segusiaver verlor ihre Eigenständigkeit und ging im Gebiet von Lyon auf. Feurs ist damit ein Musterfall dessen, was die Forschung eine „kurzlebige Hauptstadt" nennt: eine Stadt, die im Lauf der Spätantike ihren Rang als Vorort einer civitas verlor.
Der Befund ist hart nachprüfbar. Die Notitia Galliarum, das spätantike Verzeichnis der gallischen Gemeinwesen, führt in der Provinz Lugdunensis Prima nur noch die Gemeinwesen von Lyon, der Häduer und der Lingonen sowie zwei Kastelle auf. Eine civitas Segusiavorum kommt nicht mehr vor. Ein Bistum Feurs hat es nie gegeben; das Gebiet gehörte kirchlich zu Lyon.
Und doch hat dieses Volk überlebt – als Landschaftsname. Aus Forum Segusiavorum wurde im Frühmittelalter der pagus Forensis, das Land der Leute von Feurs, und daraus der Name Forez, den die Ebene, das Gebirge und später die Grafschaft trugen. Der Ortsname selbst erscheint noch im 10. Jahrhundert als Forum und wandelte sich im 13. Jahrhundert zu Fuer.
Wer heute von der Plaine du Forez spricht, benutzt also den lateinischen Marktnamen eines Ortes, den Rom für ein keltisches Volk anlegte – der Volksname selbst ist auf dem Weg dorthin verloren gegangen und nur noch im zweiten Bestandteil des antiken Stadtnamens enthalten.
Das ist ein hübsches Schlussbild: Die Segusiaver haben Lyon den Boden gegeben und ihre eigene Hauptstadt an Lyon verloren. Geblieben ist ihnen ein Landschaftsname, der streng genommen nicht ihr Volksname ist, sondern der ihres römischen Marktplatzes.
Gesichert ist die Existenz und ungefähre Verortung des Volkes durch vier antike Autoren: Caesar, Plinius, Strabon und Ptolemaios. Caesar nennt die Segusiaver als erstes Volk jenseits der Provinz auf der anderen Rhôneseite (BG I,10), als Truppensteller im Aufstand 52 v. Chr. (BG VII,64) und ausdrücklich als Klienten der Häduer (BG VII,75). Gesichert ist ferner, dass Plinius sie als liberi bezeichnet und die Kolonie Lugdunum ausdrücklich auf ihrem Gebiet verortet, und dass Strabon dasselbe unabhängig bestätigt. Archäologisch gesichert sind das Oppidum von Essalois, die offene Siedlung Rodumna, die vorrömische Besiedlung unter dem Forum von Feurs, der augusteische Neubau von Forum Segusiavorum mit Forum, Theater und Bädern sowie der Murus gallicus auf dem Plateau von Fourvière. Die Münzen mit den Legenden SEGVSIAVS und ARVS gelten seit einem Fund in gesichertem Kontext in Lyon als segusiavisch. Gesichert ist schließlich, dass in der spätantiken Notitia Galliarum keine civitas Segusiavorum mehr erscheint.
Erstens: Die Segusiaver haben nichts mit den Segusini von Susa im Piemont zu tun. Beide Namen enthalten die Wurzel sego-, aber die Segusini sind ein eigenes Alpenvolk im Tal der Dora Riparia, bezeugt unter anderem auf dem Augustusbogen von Susa. Namensähnlichkeit ist kein Verwandtschaftsbeweis. Zweitens: Die Übersetzung des Volksnamens als „die Siegreichen" ist ein Vorschlag; das zweite Namenselement gilt in der Fachliteratur als ungeklärt. Drittens: Die ältere Gleichsetzung des Oppidums von Essalois mit Caesars Uxellodunum ist in der Forschung aufgegeben. Viertens: Lugdunum war vor 43 v. Chr. nicht unbesiedelt, aber der Murus gallicus beweist nur eine Befestigung – dass dort der segusiavische Hauptort oder ein großes Bundesheiligtum lag, ist Deutung, nicht Befund. Fünftens: Liberi bei Plinius heißt nicht unabhängig, sondern privilegiert innerhalb des Reiches. Und sechstens: Der Niedergang von Feurs begann Jahrzehnte vor den ersten Germaneneinfällen; Brandschichten allein datieren keinen Täter.

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