Sie tauchen in der Weltgeschichte für ungefähr zwei Buchseiten auf, dann verschwinden sie wieder. Und in diesen zwei Seiten steht eine der erstaunlichsten Stellen der gesamten antiken Ethnografie: sechshundert Männer, die geschworen haben, mit ihrem Anführer zu leben und mit ihm zu sterben. Caesar setzt trocken hinzu, es habe sich noch nie einer gefunden, der den Eid gebrochen hätte. Die Sotiaten sind ein Musterfall dafür, wie viel und wie wenig eine einzige Quelle trägt.
Über die Sotiaten wissen wir im Grunde alles aus drei Kapiteln eines römischen Feldherrnberichts. Caesar nennt sie im dritten Buch seines Bellum Gallicum (III,20–22), Plinius der Ältere führt sie später in einer Völkerliste Aquitaniens (Naturalis historia IV,108), Cassius Dio erzählt die Episode gut zweieinhalb Jahrhunderte später noch einmal nach. Das ist die gesamte antike Überlieferung. Danach hört man von ihnen nichts mehr.
Das ist kein Sonderfall. Die meisten Völker Galliens kennen wir überhaupt nur, weil sie einem römischen Heer im Weg standen. Aber bei den Sotiaten ist die Ausbeute für ihre Winzigkeit ungewöhnlich reich: Wir bekommen eine Reiterschlacht, einen Hinterhalt, eine Belagerung, einen Namen – Adiatuanus – und eine Institution, für die es in der ganzen keltischen Welt keine bessere Beschreibung gibt.

Caesar definiert Aquitanien gleich im ersten Satz seines Werkes: Es reicht von der Garonne bis zu den Pyrenäen und an jenen Teil des Ozeans, der zu Spanien hin liegt (BG I,1). Und er sagt ausdrücklich, dass sich Gallier und Aquitanier in Sprache, Einrichtungen und Gesetzen voneinander unterscheiden. Das ist bemerkenswert präzise für einen Mann, der sonst gern verallgemeinert – und die moderne Sprachwissenschaft gibt ihm im Kern recht: Die aquitanischen Personen- und Götternamen der römischen Inschriften gehören zu einer nicht-keltischen, vorbaskischen Sprachschicht.
Die Sotiaten saßen im nördlichen Randbereich dieses Raums, südlich der Garonne, im heutigen Pays d'Albret. Nördlich von ihnen begann die keltische Welt der Santonen und Bituriger, südlich das eigentliche Aquitanien. Grenzland also – und Grenzland ist selten sortenrein.
Die Zuordnung der Sotiaten ist bis heute offen. Für keltisch spricht einiges: Ihr Anführer trägt einen sauber gallischen Namen. Adiatuanos wird auf die gallische Wurzel adiantu- („Eifer, Verlangen, Streben") zurückgeführt, verwandt mit mittelwalisisch add-iant „Wunsch"; das ergibt so etwas wie „der eifrig nach Herrschaft Strebende". Auch das Wort soldurius gilt Xavier Delamarre und Pierre-Yves Lambert als latinisierte Form eines gallischen *soldurio-. Und Nikolaos von Damaskus, der die Geschichte unabhängig von Caesar erzählt, nennt die Sotiaten schlicht Kelten.
Dagegen steht: Das Suffix -ates in Völkernamen findet sich in Aquitanien genauso wie in Gallien, und ausgerechnet in Sos selbst sind aquitanische Personennamen belegt – die nördlichsten, die man kennt. Joaquín Gorrochategui hält Name und Institution für gallisch, Theo Vennemann hat dagegen versucht, sol-durii aus dem Baskischen zu erklären. Das Ehrlichste, was man sagen kann: Die Sotiaten lebten, kämpften, prägten Münzen und organisierten sich wie ein gallisches Volk – ob sie zugewanderte Gallier am Rand Aquitaniens waren oder keltisierte Aquitanier, ist nicht entschieden.
Der Feldzug gegen die Sotiaten ist kein eigener Krieg, sondern ein Nebenschauplatz. 56 v. Chr. brannte es an der Atlantikküste: Die Veneter hatten römische Offiziere festgehalten, halb Aremorica schloss sich an. Caesar zersplitterte daraufhin sein Heer (BG III,11) – Labienus an den Rhein, Sabinus zu den Venellern, Decimus Brutus an die Flotte. Und Publius Crassus, der Sohn des Triumvirn, bekam zwölf Kohorten und viel Reiterei mit dem Auftrag nach Aquitanien, zu verhindern, dass von dort Hilfstruppen nach Norden gingen.
Aquitanien sei, schreibt Caesar, nach Ausdehnung und Bevölkerung ein Drittel Galliens. Das ist eine Behauptung des Autors, keine Statistik – und sie macht den Erfolg seines jungen Legaten größer, als er war.
Caesar erklärt ungewöhnlich ausführlich, warum Crassus so sorgfältig vorging: In genau dieser Gegend war wenige Jahre zuvor der Legat Lucius Valerius Praeconinus mit seinem Heer geschlagen und getötet worden, und der Prokonsul Lucius Manlius hatte unter Verlust seines Trosses fliehen müssen. Die Forschung setzt Manlius' Niederlage meist in den Sertorius-Krieg. Aquitanien galt in Rom also als Gegend, in der man verlieren konnte.
Also sicherte Crassus die Verpflegung, sammelte Hilfstruppen und Reiterei und ließ aus Tolosa, Carcaso und Narbo – den Städten der römischen Provinz an der aquitanischen Grenze – namentlich ausgewählte, kampferfahrene Männer holen. Dann marschierte er ins Gebiet der Sotiaten.
Die Sotiaten waren vorbereitet. Ihre Stärke war, sagt Caesar ausdrücklich, die Reiterei – equitatuque, quo plurimum valebant. Sie griffen die römische Marschkolonne an und eröffneten ein Reitergefecht. Als ihre Reiter zurückgedrängt wurden und die Römer nachsetzten, zeigten sie plötzlich ihre Fußtruppen, die sie in einem Talgrund im Hinterhalt aufgestellt hatten, und fielen über die auseinandergezogenen Verfolger her.
Das ist keine ungestüme „Barbarenattacke". Das ist ein geplantes Scheingefecht mit vorbereitetem Hinterhalt – dieselbe Klasse von Taktik, die Caesar den keltischen Kriegern sonst gern abspricht. Lange und erbittert sei gekämpft worden, schreibt er; die Sotiaten hätten geglaubt, an ihrer Tapferkeit hänge das Schicksal ganz Aquitaniens. Erst als sie von Wunden aufgerieben waren, wandten sie sich zur Flucht.
Crassus setzte ohne Pause nach und begann sofort, das Oppidum der Sotiaten zu belagern. Weil die Verteidiger sich tapfer wehrten, ließ er vineae (Schutzdächer) und Belagerungstürme heranführen. Die Sotiaten antworteten zweigleisig: mit Ausfällen – und mit Minengängen, cuniculi, die sie unter den römischen Damm und die Schutzdächer trieben.
An dieser Stelle macht Caesar eine seiner besten Bemerkungen. Er erklärt die Minierkunst nämlich sachlich: Darin seien die Aquitanier bei weitem die Geübtesten, „weil es bei ihnen an vielen Orten Erzgruben und Steinbrüche gibt" (aerariae secturaeque). Kein Wort von Wildheit, kein Wort von Göttern – ein Handwerk erklärt eine Kriegstechnik.
Dieselbe Beobachtung macht Caesar Jahre später noch einmal, vor Avaricum: Die Bituriger zogen ihm den Belagerungsdamm unter den Füßen weg, „und zwar umso kundiger, weil es bei ihnen große Eisengruben gibt und jede Art von Minengang bekannt und gebräuchlich ist" (BG VII,22). Zweimal derselbe Mechanismus: Wo Erz abgebaut wird, kann man auch gegen ein römisches Belagerungswerk graben.
Wichtig für die Genauigkeit: Caesar schreibt diese Fähigkeit den Aquitani allgemein zu, nicht speziell den Sotiaten, und er sagt nicht, wo die Gruben lagen. Wer daraus einen Bergbaubezirk um Sos macht, geht über den Text hinaus. Was der Satz sicher belegt, ist die römische Wahrnehmung: Diese Leute konnten graben, und zwar besser als andere.
Die Sotiaten schickten Gesandte und baten um Aufnahme in die Kapitulation. Crassus stimmte zu, sie mussten ihre Waffen ausliefern – und während die Römer mit nichts anderem beschäftigt waren, versuchte an einer anderen Seite der Stadt der Mann, der den Oberbefehl hatte, den Ausbruch. Hier hält Caesar seine eigene Erzählung an und schiebt eine Erklärung ein, die länger ist als die Szene selbst:
cum DC devotis, quos illi soldurios appellant, quorum haec est condicio, ut omnibus in vita commodis una cum iis fruantur quorum se amicitiae dediderint, si quid his per vim accidat, aut eundem casum una ferant aut sibi mortem consciscant; neque adhuc hominum memoria repertus est quisquam qui, eo interfecto cuius se amicitiae devovisset, mortem recusaret.
„… mit sechshundert Ergebenen, die jene soldurii nennen. Deren Bedingung ist diese: dass sie alle Güter des Lebens gemeinsam mit denen genießen, deren Freundschaft sie sich hingegeben haben; widerfährt jenen etwas durch Gewalt, so tragen sie entweder dasselbe Geschick mit ihnen oder geben sich selbst den Tod. Und bis jetzt hat sich, soweit Menschen zurückdenken, niemand gefunden, der den Tod verweigert hätte, nachdem der getötet war, dessen Freundschaft er sich geweiht hatte."Caesar, De bello Gallico III,22; Übersetzung: Glanz & Gravur
Der Ausbruch scheiterte. Geschrei an der Mauer, die Legionäre liefen zu den Waffen, es wurde heftig gekämpft, und Adiatuanus wurde in die Stadt zurückgeworfen. Bemerkenswert ist das Ende: Er erreichte bei Crassus, dass er trotzdem unter dieselben Kapitulationsbedingungen fiel. Sechshundert Männer, die geschworen hatten zu sterben, mussten also weiterleben.
Caesar beschreibt hier keine Leibwache im modernen Sinn, sondern ein Vertragsverhältnis auf Gegenseitigkeit: gemeinsamer Lebensunterhalt, gemeinsamer Status – und gemeinsamer Tod. Das Wort devoti, das er zuerst benutzt, gehört in die Sprache der Weihung. Man gibt sich weg.
Das Erstaunliche ist, dass wir dafür einen zweiten, unabhängigen Zeugen haben. Nikolaos von Damaskus, ein Zeitgenosse des Augustus, erzählte dieselbe Einrichtung; erhalten ist sie in einem Zitat bei Athenaios (Deipnosophistai VI,54), ausgerechnet im Buch über Schmarotzer und Gefolgsleute. Dort heißt der Anführer Adiatomos, König der Sotianer, „eines keltischen Stammes", und die sechshundert Männer heißen Silodurioi – ein Wort, das Nikolaos als „durch Eid gebunden" wiedergibt. Sie teilten seine Kleidung und sein Essen und starben mit ihm, gleichgültig ob er im Krieg oder an einer Krankheit starb.
Die Einrichtung selbst ist damit nicht Caesars Erfindung. Sie passt zudem in ein bekanntes Gefüge: Caesar beschreibt an anderer Stelle, dass der Adel Galliens sich mit ambacti und Klienten umgab, und je vermögender einer war, desto mehr hatte er (BG VI,15). Die soldurii sind die zugespitzte, mit einem Todeseid besiegelte Form davon.
Wer die Stelle liest, denkt sofort an zwei andere. Zum einen an Tacitus, der gut anderthalb Jahrhunderte später über die germanische Gefolgschaft schreibt: Den Anführer zu überleben und aus der Schlacht zurückzukehren, sei lebenslange Schande (Germania 13–14). Für uns hier im Rheinland ist das die nächstgelegene Brücke – die Vorstellung, dass Treue nicht Gefühl, sondern Rechtsverhältnis ist, verbindet die Welt an der Gélise mit der an Maas und Niederrhein, wo Caesar wenige Jahre zuvor gegen die Nervier stand.
Zum anderen an die iberische devotio: Plutarch berichtet in seiner Sertorius-Biografie, dass hispanische Große von Männern begleitet wurden, die geschworen hatten, mit ihnen zu sterben. Und das ist kein zufälliger Vergleich – im selben Feldzugsbericht, nur ein Kapitel weiter (BG III,23), holen die Aquitanier Anführer aus dem diesseitigen Spanien, Veteranen des Sertorius, die ihnen römische Lagertechnik beibringen. Die Welt der Keltiberer lag den Sotiaten näher als Rom.
Trotzdem: Gefolgschaft bei Tacitus, soldurii bei Caesar und iberische devotio bei Plutarch sind drei verschiedene Texte aus drei verschiedenen Jahrhunderten über drei verschiedene Räume. Dass dahinter eine gemeinsame indogermanische Institution steht, ist eine plausible Forschungsdeutung – aus den Quellen selbst folgt sie nicht.
Man muss sich klarmachen, was für ein Text das ist. Caesar war nicht dabei; er war zur selben Zeit an der Atlantikküste. Er berichtet über einen Feldzug seines Legaten, und der Bericht dient in Rom als Rechenschaft und Werbung zugleich. Die Sotiaten müssen tapfer sein, damit der zwanzigjährige Crassus groß wird – Caesar sagt das fast offen, wenn er schreibt, die Römer hätten zeigen wollen, „was sie ohne den Feldherrn und ohne die übrigen Legionen unter einem sehr jungen Anführer ausrichten könnten".
Wie sehr die Perspektive das Bild dreht, zeigt Cassius Dio. Bei ihm (Historia Romana XXXIX,46) verliert Crassus während der Verhandlungen einige Soldaten „durch eine List" der Feinde, und was folgt, ist Rache für Treubruch. Aus Caesars verzweifeltem Ausbruchsversuch eines Anführers wird bei Dio ein Hinterhalt. Derselbe Vorgang, zwei Deutungen, und keiner der beiden Autoren war Augenzeuge.
Caesar nennt es nur oppidum Sotiatium, „die Stadt der Sotiaten", und sagt, sie sei „durch die Beschaffenheit des Ortes wie durch Menschenhand befestigt" gewesen (BG III,23). Traditionell setzt man sie mit Sos im Lot-et-Garonne gleich, und die Argumente sind gut: Der Ortsname geht auf den Völkernamen zurück, und der Platz passt. Das Plateau über dem Zusammenfluss von Gueyze und Gélise umfasst rund 15 Hektar, fällt zu den Tälern steil ab und war an der zugänglichen Seite durch einen Erdwall mit vorgelagertem Graben geschlossen. Nach den Auswertungen von Philippe Gardes sind dort Besiedlungsphasen des 6., des 4. bis 3. und des 2. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. sowie der augusteisch-tiberischen Zeit fassbar. Ein Grab mit einem Schwert vom La-Tène-Typ aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. in der Nähe zeigt, dass keltische Prestigegüter hier ankamen – ein kleiner Nachhall dessen, was man aus den großen keltischen Fürstengräbern weiter östlich kennt.
Und trotzdem: Keine Inschrift und kein Fund nennt in Sos die Sotiaten. Die Gleichsetzung ist wahrscheinlich, aber sie ist nicht bewiesen; abweichende Lokalisierungen sind vorgeschlagen worden. Die Belagerungsspuren, die den Fall entscheiden würden, fehlen bislang.
Erstaunlicherweise ist Adiatuanus nach der Niederlage nicht verschwunden. Es gibt Münzen mit der Legende REX ADIETVANVS und, auf der Rückseite, einem nach links schreitenden Wolf sowie der Nennung der Sotiaten. Diese Prägungen sind nach heutiger Einschätzung erst nach der Eroberung entstanden – der Mann behielt also seinen Königstitel unter römischer Oberhoheit. Pikant dabei: Caesar nennt ihn nie rex, sondern schreibt nur, er habe summam imperii gehalten, den Oberbefehl – dieselbe Formel, die er auch für Kriegsführer wie Viridovix benutzt, und nicht die, die er den Königen der Arverner gibt. Nikolaos dagegen nennt ihn schlicht König. Wer recht hat, ist offen.
Crassus zog weiter zu den Vocates und Tarusates, gewann die Entscheidungsschlacht und nahm die Unterwerfung fast ganz Aquitaniens entgegen (BG III,27). Die Sotiaten selbst erscheinen danach nur noch bei Plinius, zwischen den Elusaten und den Osquidates Campestres. Unter dem Kaiserreich verloren sie ihre Eigenständigkeit: Eine Inschrift aus Sos nennt den ordo Elusatium, den Rat der Elusaten (CIL XIII 548) – der Ort gehörte nun zu deren Gemeinde, und bis ins 9. Jahrhundert blieb er beim Bistum Eauze. Was blieb, ist der Name. Die Kleinstadt Sos heißt bis heute nach einem Volk, von dem wir fast nichts wissen, außer dass sechshundert seiner Männer bereit waren, gemeinsam zu sterben – und es dann nicht mussten.
Weil hier in drei Kapiteln alles zusammenkommt, was Geschichte schwierig und schön macht: ein präziser Beleg, ein zweiter unabhängiger Zeuge, ein Ort, den man wahrscheinlich, aber nicht sicher kennt, ein Handwerk, das eine Kriegstechnik erklärt, und ein Eid, den niemand nachprüfen kann. Wer bei den Cadurkern oder den Lemovices weiterliest, findet dasselbe Muster: viel Caesar, wenig Stein, und dazwischen die ehrliche Lücke.
Gesichert ist die Textüberlieferung: Caesar, BG III,20–22, berichtet den Feldzug des Publius Crassus gegen die Sotiaten im Jahr 56 v. Chr., ihre starke Reiterei, den Hinterhalt der Fußtruppen im Talgrund, die Belagerung des Oppidums mit Schutzdächern und Türmen, die Gegenminen der Verteidiger und die Kapitulation mit Auslieferung der Waffen und Geiseln. Gesichert ist ferner der Wortlaut der soldurii-Stelle in III,22 und die Tatsache, dass Nikolaos von Damaskus dieselbe Einrichtung unabhängig beschrieb (überliefert bei Athenaios VI,54). Plinius, Naturalis historia IV,108, führt die Sottiates in der aquitanischen Völkerliste zwischen Elusaten und Osquidates Campestres. Die Inschrift CIL XIII 548 aus Sos nennt den ordo Elusatium. Münzen mit der Legende REX ADIETVANVS existieren. Auf dem Plateau von Sos sind eisenzeitliche Besiedlungsphasen archäologisch nachgewiesen.
Sos ist wahrscheinlich, nicht bewiesen. Die Gleichsetzung des oppidum Sotiatium mit Sos stützt sich auf den Ortsnamen und auf die passende Topografie und Besiedlungsabfolge. Es gibt dort bislang keinen Fund und keine Inschrift, die den Namen der Sotiaten oder die Belagerung von 56 v. Chr. beweist; abweichende Vorschläge existieren.
Der Name des Anführers schwankt. Die Handschriften und die Forschungsliteratur bieten Adiatunnus, Adiatuanus, Adcantuannus und weitere Formen; die griechische Nebenüberlieferung schreibt Adiatomos, die Münzlegende ADIETVANVS. Wer eine dieser Formen als „die richtige" ausgibt, tut so, als gäbe es eine Urkunde.
„König" ist Deutung. Caesar schreibt nur, er habe den Oberbefehl gehalten. König nennen ihn erst Nikolaos und die – wohl nachrömische – Münzlegende.
Der Vergleich mit Germanien und Iberien ist modern. Dass die soldurii, die Gefolgschaft bei Tacitus und die iberische devotio Ausprägungen einer gemeinsamen Institution seien, ist eine Forschungsmeinung, keine Quellenaussage. Keine antike Quelle stellt diese Verbindung her.
„Keltisch" und „aquitanisch" sind hier keine sauberen Schubladen. Der Name des Anführers ist gallisch, in Sos selbst sind aquitanische Personennamen belegt, das Suffix -ates gibt es in beiden Sprachräumen. Ob die Sotiaten zugewanderte Gallier oder keltisierte Aquitanier waren, ist offen.
Die Bergbau-Notiz gilt nicht speziell den Sotiaten. Caesar schreibt die Minierkunst den Aquitaniern insgesamt zu und nennt keine Fundstelle. Ein „Bergbauzentrum Sos" steht nicht im Text.

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