Kein Ort steht so sehr für den heidnischen Kult des Nordens wie Alt-Uppsala: der goldene Tempel, das große Opfer alle neun Jahre, die mächtigen Königshügel. Doch wie viel davon ist echt – und wie viel das Hörensagen eines feindlich gesinnten Christen?
Gamla Uppsala in Mittelschweden war über Jahrhunderte ein religiöses und königliches Zentrum – Sitz der sagenhaften Ynglinger-Dynastie und Schauplatz großer Opferfeste. Berühmt wurde der Ort vor allem durch eine einzige Quelle: den Bericht Adams von Bremen um 1075.
Adam beschreibt einen ganz mit Gold verkleideten Tempel mit den Standbildern dreier Götter und ein grausiges Fest: Alle neun Jahre habe man je neun männliche Wesen jeder Art geopfert – auch Menschen – und die Leichen im heiligen Hain aufgehängt.
„In diesem Tempel, der ganz mit Gold verkleidet ist, verehrt das Volk die Standbilder dreier Götter: Thor, der mächtigste, thront in der Mitte, zu seinen Seiten Wodan und Fricco (Freyr).“— Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis IV,26 (um 1075, gemeinfrei)
Bis heute erheben sich in Alt-Uppsala drei gewaltige Königshügel (Kungshögar) aus dem 5./6. Jahrhundert – „Götterhügel" genannt, tatsächlich reiche Fürstengräber. Daneben lag der Thingplatz; Uppsala war weltliches und geistliches Machtzentrum in einem.
Ausgrabungen (u. a. 2013) legten neben einer großen Halle spektakuläre Pfostenreihen frei: fast einen Kilometer lange Alleen aus mächtigen Holzpfosten, dazu Tieropfer. Ein „goldener Tempel" im wörtlichen Sinn ließ sich aber nicht bestätigen – vieles spricht eher für einen Kult in und um eine monumentale Königshalle.
Altgermanische Feste · Freyr · Odin · Das Götter-Pantheon.
Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis (um 1075). Olof Sundqvist, Freyr’s offspring & Arbeiten zu Uppsala; Neil Price, The Viking Way. Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie. Gamla Uppsala museum / Riksantikvarieämbetet (Grabungsberichte).