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Erik der Rote: Verbannt, aufgebrochen, zum Gründer geworden

Geschichte & Funde Erik der Rote: Verbannt, aufgebrochen, zum Gründer geworden Manche Entdeckungen beginnen mit einem Urteil. Erik der Rote wurde gleich zweimal verbannt – und segelte deshalb nach Westen, wo er eine große, kalte Insel fand, die er klug „Grünland" nannte.

Erik der Rote (altnordisch Eiríkr rauði, nach seiner Haarfarbe) lebte im 10. Jahrhundert. Schon sein Vater war aus Norwegen nach Island verbannt worden – wegen Totschlags. Erik folgte diesem Muster: Nach mehreren blutigen Streitigkeiten wurde auch er aus Island für drei Jahre verbannt. Statt zu verzweifeln, nutzte er die Zeit zur Erkundung.

Die Fahrt nach Grönland

Erik segelte nach Westen, zu einer Küste, von der man in Island gehört hatte. Drei Jahre erkundete er die Fjorde einer riesigen Insel, fand Weideland an den geschützten Buchten und kehrte dann zurück, um Siedler zu werben. Sein Verkaufsargument steckte im Namen: Er nannte das Land Grönland („Grünland"), weil, so die Saga, die Menschen eher kämen, wenn das Land einen schönen Namen habe.

„Er nannte das Land Grönland, denn er sagte, die Leute würden umso eher hinwollen, wenn das Land einen guten Namen hätte."nach der Grœnlendinga saga / Eiríks saga rauða (gemeinfrei, eigene Übersetzung)

Die Siedlung im Eis

Um 985/986 brach eine Flotte von Siedlern auf; ein Teil erreichte Grönland und gründete die Ost- und Westsiedlung. Eriks Hof Brattahlíð wurde zum Zentrum. Über Jahrhunderte lebten hier nordische Bauern von Viehzucht, Jagd und dem Handel mit Walrosszahn – am äußersten Rand der bekannten Welt. Von hier aus brach später sein Sohn Leif Eriksson nach Westen auf.

Was belegt ist: Die nordische Besiedlung Grönlands ab ca. 985/986 (Archäologie: Höfe, Kirchen, Brattahlíð). Erik der Rote als ihr Gründer (Grœnlendinga saga, Eiríks saga rauða). Der lange Bestand der Siedlungen und der Walrosszahn-Handel.
Was Deutung ist: Die beiden Vinland-Sagas widersprechen sich in Details und wurden erst rund 200–300 Jahre nach den Ereignissen aufgeschrieben. Der „Werbetrick" mit dem Namen ist eine schöne Saga-Erklärung – zu Eriks Zeit war das Klima zudem milder, es gab also durchaus grüne Küsten. Warum die Siedlungen im Spätmittelalter endeten, ist bis heute umstritten (Klima, Handel, Abwanderung).

Erik der Rote steht für die Wikingerzeit als Zeitalter der Entdeckungen: Ein Verbannter wurde zum Gründer einer Gesellschaft am Rand der Welt – und ebnete den Weg nach Amerika.

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