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Die Färinger

Geschichte & Funde Die Färinger

Die Färöer tragen ihre Geschichte im Namen. Færeyjar heißt Schafsinseln, und Schafe waren schon da, als ein irischer Gelehrter um 825 über die Inseln im Norden schrieb. Wer sie hingebracht hat, wusste er offenbar nicht. Die Isländer, die dreihundert Jahre später die Geschichte der Färinger aufschrieben, nannten einen Mann namens Grímr Kamban als ersten Siedler. Seit einigen Jahren sprechen verkohlte Gerstenkörner und Schafs-DNA aus einem See dagegen. Die Nordleute waren nicht die Ersten. Aber sie haben aus den Inseln das gemacht, was sie heute sind.

Die Landzunge Tinganes in Tórshavn mit roten Holzhäusern
Tinganes in Tórshavn, die Landzunge, auf der seit dem Mittelalter eine Versammlung tagte. Die Häuser, die man hier sieht, sind viel jünger als die Wikingerzeit. Foto: Erik Christensen, CC BY-SA 3.0.

Schafe und Seevögel: Dicuil um 825

Der irische Mönch Dicuil lebte am Hof der Karolinger und schrieb um 825 ein Buch über die Vermessung der Welt, Liber de mensura orbis terrae. Das meiste darin hat er aus antiken Autoren abgeschrieben. An einigen Stellen aber spricht er aus eigener Kenntnis, und eine davon betrifft Inseln nördlich von Britannien, die man mit vollen Segeln in zwei Tagen und Nächten erreiche:

… in quibus in centum ferme annis heremitae ex nostra Scotia navigantes habitaverunt, sed, sicut a principio mundi, desertae semper fuerunt, ita nunc causa latronum Normannorum vacuae anachoritis, plenae innumerabilibus ovibus ac diversis generibus multis nimis marinarum avium.

„… auf denen fast hundert Jahre lang Einsiedler gelebt haben, die aus unserem Scotia herübergefahren waren. Aber wie sie seit Anbeginn der Welt immer unbewohnt gewesen waren, so sind sie jetzt wegen der nordmannischen Räuber leer von Anachoreten, voll von unzähligen Schafen und von überaus vielen Arten von Seevögeln."Dicuil, Liber de mensura orbis terrae VII, 3; Übertragung von uns

Mit „Scotia" meint Dicuil Irland; so nannte man die Insel damals. Welche Inseln er beschreibt, sagt er nicht. Die meisten Forscher denken an die Färöer, weil Entfernung, Lage und Schafe passen. Beweisen lässt sich das nicht. Wenn es stimmt, dann haben wir hier eine Schriftquelle aus der Zeit selbst: Einsiedler aus Irland, die vor den Nordleuten wichen, und Schafe, die jemand mitgebracht haben muss.

Vor den Nordleuten: Sandoy und ein See auf Eysturoy

Lange galt Dicuils Bericht als hübsche Anekdote ohne Befund. Das hat sich geändert. Auf der Insel Sandoy, am Fundplatz Á Sondum, untersuchte ein Team um Mike Church und Símun V. Arge windverwehte Sandschichten. Darin lag verbrannte Torfasche mit verkohlten Gerstenkörnern, Abfall aus Herdfeuern. Die Körner wurden radiokarbondatiert. Die Studie von 2013 kam auf zwei Phasen, eine im 4. bis 6. und eine im 6. bis 8. Jahrhundert. Menschen haben also dort Getreide gebraucht und Torf verbrannt, drei- bis fünfhundert Jahre vor den Nordleuten.

2021 kam ein zweiter, unabhängiger Befund hinzu. Ein Team um Lorelei Curtin und Jostein Bakke bohrte in den Grund des Sees Eiðisvatn auf der Insel Eysturoy. In den Sedimenten fanden sie Schafs-DNA und Kotbiomarker, also Moleküle aus dem Verdauungstrakt von Säugetieren. Beides setzt um 500 ein, mit einer Spanne von etwa 370 bis 610. Schafe schwimmen nicht über den Atlantik. Jemand hat sie gebracht.

Wer diese Menschen waren, weiß niemand. Naheliegend sind Leute von den Britischen Inseln, Iren oder Schotten, vielleicht jene Einsiedler, von denen Dicuil spricht, vielleicht Bauern. Gräber, Häuser oder Namen aus dieser Zeit fehlen bisher. Die Ausgräber vermuten, dass die Spuren unter den Höfen der Wikingerzeit liegen oder von ihnen zerstört wurden.

Grímr Kamban, der erste Siedler der Saga

Die Färinger selbst haben keine mittelalterliche Geschichtsschreibung hinterlassen. Ihre Frühzeit kennen wir aus der Færeyinga saga, die ein Isländer um 1200 bis 1220 verfasste. Sie beginnt knapp:

Maðr er nefndr Grímr kamban; hann byggði fyrstr manna Færeyjar.

„Ein Mann heißt Grímr Kamban; er besiedelte als erster Mensch die Färöer."Færeyinga saga, Kap. 1; Übertragung von uns

Danach heißt es, in den Tagen Haralds des Schönhaarigen seien viele vor dessen Gewaltherrschaft geflohen, einige auch auf die Färöer. Grímr gehört nach dieser Reihenfolge also vor Harald. Sein Beiname ist kein nordisches Wort. Man hat ihn aus dem Gälischen erklärt; dann wäre Grímr ein Mann aus dem nordisch-gälischen Milieu der Irischen See gewesen, wie die Gall-Goídil. Das ist eine gut begründete Vermutung, mehr nicht. Die Saga selbst weiß über ihn nichts weiter als den ersten Satz.

Eine zweite Spur führt in dieselbe Richtung. Die Laxdæla saga erzählt, Aud die Tiefsinnige habe auf ihrer Fahrt von Schottland nach Island auf den Färöern Station gemacht und dort ihre Enkelin Ólöf verheiratet. Von ihr stamme das angesehenste Geschlecht der Inseln ab, die Leute aus Gøta. Auch das ist Saga, aber es zeigt, wie man in Island die Verbindungen sah: Die Färöer lagen auf dem Weg zwischen Norwegen, Schottland, Irland und Island.

Die Genetik bestätigt diese Mischung auf ihre Weise. Studien an heutigen Färingern zeigen bei den väterlichen Linien überwiegend skandinavische, bei den mütterlichen überwiegend britisch-irische Herkunft. Der Unterschied ist sogar größer als in Island. Die Männer kamen also vor allem aus dem Norden, viele Frauen aus dem Westen, wie immer das im Einzelnen zuging.

Ein Hof in Leirvík: Toftanes

Wie diese Siedler lebten, zeigt am besten Toftanes bei Leirvík auf Eysturoy. Hier wurde zwischen 1982 und 1987 ein ganzer Hof ausgegraben: ein Langhaus mit dicken, gebogenen Wänden aus Stein und Torf um ein Holzgerüst, Bänke an den Wänden, eine rund fünf Meter lange Herdstelle in der Mitte, dazu mehrere Nebengebäude. Die Radiokarbondaten weisen ins 10. Jahrhundert.

Weil der Boden feucht war, blieb Holz erhalten, und das macht Toftanes besonders. Man fand Schalen, Spielbretter für Hnefatafl und Mühle, Schnüre aus Wacholderzweigen und zwei kleine Holzkreuze. Dazu kamen Hunderte Stücke von Specksteingefäßen. Speckstein gibt es auf den Färöern nicht; die Töpfe und Schalen kamen aus Norwegen. Hier wohnten Bauern, die Schafe hielten, etwas Gerste anbauten, fischten und Vögel fingen, und die ihren Hausrat über das Meer bezogen.

Andere Funde fügen sich ein. In Tjørnuvík im Norden von Streymoy fand man 1956 im Grab einer Frau eine Ringkopfnadel, wie sie um 900 in Dublin hergestellt wurde. In Sandur auf Sandoy kam 1863 der einzige bekannte Silberschatz der Inseln zutage, mit 98 Münzen aus dem 11. Jahrhundert. Die Färöer waren nicht abgelegen. Sie waren eine Station.

Das Thing auf Tinganes

Wie Island regelten die Färinger ihre Angelegenheiten auf einem Thing. Nach der Saga lag es in Þórshöfn auf Straumey, dem heutigen Tórshavn auf Streymoy. Der Versammlungsplatz war eine flache Felszunge im Hafen, die bis heute Tinganes heißt, Thing-Landzunge. Dort sitzt noch immer die färöische Landesregierung.

Man liest oft, das färöische Løgting sei eines der ältesten Parlamente der Welt. Richtig daran ist, dass es auf Tinganes seit dem Mittelalter eine Versammlung gab und dass die Tradition nie ganz abbrach. Ein Gründungsjahr wie Islands 930 gibt es aber nicht, und was das Thing der Wikingerzeit genau war, wissen wir fast nur aus der Saga. Wer mehr über Thing und Recht im Norden wissen will, findet es bei den Isländern ausführlicher.

Die Saga von Sigmundr und Þrándr

Die Færeyinga saga ist nicht als eigenes Buch erhalten. Sie steckt in Abschnitten in größeren Werken über die norwegischen Könige, vor allem in der großen Saga von Olaf Tryggvason und in der Flateyjarbók, einer isländischen Sammelhandschrift aus dem späten 14. Jahrhundert. Erst Carl Christian Rafn hat die Teile 1832 zu einer zusammenhängenden Saga zusammengesetzt. Was man heute liest, ist also eine moderne Rekonstruktion aus Handschriften des 14. Jahrhunderts.

Die Geschichte ist eine Fehde über zwei Generationen. Auf der einen Seite steht Þrándr í Gøtu, ein kluger, geiziger, gefährlicher Mann aus dem Geschlecht in Gøta. Auf der anderen Seite Sigmundr Brestisson aus Skúvoy. Als Kinder verlieren Sigmundr und sein Vetter Þórir ihre Väter in einer Fehde, an der Þrándr seinen Anteil hat, und werden von ihm außer Landes gebracht. Sigmundr wächst in Norwegen auf, dient dem Jarl Hákon, fährt auf Wikingerzüge und kehrt als gemachter Mann zurück. Es ist eine Rachegeschichte, aber eine, in der Þrándr nie ganz verliert. Die Saga mag ihn nicht und bewundert ihn trotzdem.

Taufe mit dem Schwert

Nach der Saga ließ sich Sigmundr bei König Olaf Tryggvason in Norwegen taufen und erhielt den Auftrag, die Färöer zu bekehren. Das Datum 999 stammt aus der modernen Chronologie; die Saga selbst rechnet in Königen, nicht in Jahren. Sigmundr trug die Botschaft auf dem Thing vor und wäre dabei fast erschlagen worden. Also änderte er die Methode. Er fuhr mit Bewaffneten nach Gøta, drang nachts in Þrándrs Haus ein und stellte ihn vor die Wahl: Taufe oder Tod. Þrándr ließ sich taufen. Wie ernst er es meinte, lässt die Saga offen, und sie lässt es mit Absicht offen.

Der Streit ging weiter. Um 1005, so die heutige Zählung, überfielen Þrándrs Leute Sigmundr nachts auf Skúvoy. Er entkam mit zwei Gefährten ins Meer und schwamm zur Nachbarinsel Suðuroy. Die Gefährten ertranken, er erreichte erschöpft das Ufer bei Sandvík. Dort erschlug ihn ein Bauer namens Þorgrímr wegen seines goldenen Armrings. Später, so die Saga, habe Þrándr den Mord aufgedeckt. Das ist große Erzählkunst, geschrieben zweihundert Jahre danach in Island. Ob die Bekehrung so ablief, ob es Sigmundr so gab, ist historisch nicht zu prüfen. Archäologisch sieht man nur, dass christliche Zeichen wie die Holzkreuze von Toftanes schon vor dem Jahr 1000 auf den Inseln waren.

Der Schafsbrief von 1298

Die erste Urkunde, die von den Färöern selbst handelt, ist kein Heldenlied, sondern eine Weideordnung. Am 28. Juni 1298 stellte Herzog Hákon Magnússon, der spätere König Hákon V. von Norwegen, das Seyðabrævið aus, den Schafsbrief. Ausgearbeitet hatten es Bischof Erlendur von den Färöern und Sjúrður, der Gesetzessprecher der Shetlandinseln. Es ergänzt das norwegische Landrecht für die besonderen Verhältnisse der Inseln.

Der Inhalt ist nüchtern und verrät viel: Wem gehört ein Schaf, bevor es geschlachtet wird? Wie markiert man Tiere? Wer haftet, wenn ein Hund Schafe reißt? Wie viel Vieh darf auf eine gemeinsame Weide? Wie teilt man einen gestrandeten Wal? Dazu Regeln für Pächter und Knechte. Es ist das Porträt einer Gesellschaft, deren Reichtum auf vier Beinen über die Hänge lief. Zwei mittelalterliche Handschriften sind erhalten, eine im färöischen Landesarchiv in Tórshavn, eine in der Universitätsbibliothek Lund. Teile der Regeln galten bis ins 19. Jahrhundert.

Dass ein Gesetzessprecher aus Shetland mitschrieb, ist kein Zufall. Die Inseln des Nordatlantiks, von den Orkneys über Shetland bis zu den Färöern, gehörten zu einem norwegischen Rechts- und Kirchenraum, der über das Meer zusammengehalten wurde.

Beleg, Saga, Deutung – sauber getrennt

Archäologisch belegt sind menschliche Aktivität und Schafe schon ab dem 4. bis 6. Jahrhundert, die nordische Besiedlung mit Höfen wie Toftanes spätestens im 10. Jahrhundert, Kontakte nach Norwegen und Dublin und christliche Zeichen vor 1000. Die Genetik zeigt nordische Väter und viele Mütter von den Britischen Inseln.

Zeitgenössisch ist Dicuils Bericht um 825, sofern er die Färöer meint, und für das späte Mittelalter der Schafsbrief von 1298.

Spätere Überlieferung ist die Færeyinga saga, geschrieben um 1200 bis 1220 in Island und erhalten in Handschriften des 14. Jahrhunderts: Grímr Kamban, Þrándr, Sigmundr, die Taufe mit dem Schwert und der Mord am Strand von Sandvík.

Moderne Deutung sind die Identität der ersten Siedler, die gälische Herkunft Grímrs und das Jahr 999.

Was bleibt, sind Inseln, auf denen Schafe älter sind als die Geschichte, und eine Saga, die aus einer Fehde ein Volk gemacht hat. Mehr über die Nachbarn im Westen erzählt unser Beitrag über die Wikinger in Irland, Schottland und auf den Inseln. Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

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