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Die Franken: Ein Bund erobert die Geschichte

Geschichte & Funde Die Franken: Ein Bund erobert die Geschichte

Bildnachweis Titelbild: „Abeilles de Childéric Ier“, Unknown authorUnknown author, gemeinfrei (Wikimedia Commons).

Wer in Alsdorf aus der Werkstatt tritt und nach Westen schaut, blickt auf das Kernland einer Macht, die aus einem losen Haufen Rheinstämme hervorging und am Ende von der Nordsee bis nach Rom reichte. Die Franken sind nicht irgendein germanisches Volk unter vielen. Sie sind das, was nach dem Ende Roms übrig blieb – und das, woraus Europa gebaut wurde.

Und sie sind gründlich missverstanden. Kein Blutsvolk. Kein Stamm. Nicht „die Deutschen" und nicht „die Franzosen". Was die Franken wirklich waren, lässt sich aus den Quellen gut rekonstruieren – man muss nur bereit sein, ein paar liebgewonnene Sätze aufzugeben.

Ein Name, der plötzlich da ist

Im 3. Jahrhundert taucht in römischen Texten ein neuer Sammelname auf: Franci. Vorher steht er nirgends. Das ist bemerkenswert, denn Rom kannte die Stämme am Rhein seit Caesar ziemlich genau und hatte für jeden einen eigenen Namen.

Der Name erscheint also nicht, weil ein neues Volk eingewandert wäre, sondern weil sich am rechten Niederrhein etwas Neues formiert hatte, für das die alten Namen nicht mehr passten. Aus römischer Sicht standen dort auf einmal nicht mehr Sugambrer, Chamaven, Brukterer und Chattuarier, sondern „die Franken".

Mythos-Check – „frank heißt frei": Die Deutung „die Kühnen" oder „die Freien" ist alt, aber nicht gesichert. Ein Teil der Forschung hält die Richtung sogar für umgekehrt: Weil die Franken in Gallien die herrschende, abgabenfreie Schicht stellten, bekam ihr Name die Bedeutung „frei" – und nicht, weil sie sich vorher so genannt hätten. Das deutsche „frank und frei" wäre demnach ein später Nachhall der Machtverhältnisse, keine germanische Selbstbezeichnung. Sicher belegen lässt sich beides nicht.

Kein Volk, sondern ein Bündnis

Das ist der Punkt, an dem die meisten Darstellungen ungenau werden. Die Franken waren ein Verband, kein Stamm: ein Zusammenschluss kleinerer Gruppen am Niederrhein, der über Generationen wuchs und dem sich immer wieder neue anschlossen. Sugambrer, Chamaven, Brukterer, Chattuarier, Ampsivarier, später die Salier – sie alle gehen in diesem Namen auf.

Die Römer unterschieden bald zwei große Blöcke: die Salfranken im Nordwesten, in Toxandrien zwischen Maas und Schelde, und die Rheinfranken oder Ripuarier um Köln, deren Gebiet bis in unsere Region reichte. Wer heute im Rheinland lebt, lebt auf ripuarischem Boden – der Name steckt bis heute im Namen des Dialekts.

Beleg: Der Sammelname Franci begegnet ab der Mitte des 3. Jahrhunderts in römischen Quellen; die Ansiedlung der Salfranken in Toxandrien unter Kaiser Julian im Jahr 358 schildert Ammianus Marcellinus (Res gestae XVII, 8).

Rom: erst Gegner, dann Arbeitgeber, dann Sprungbrett

Die Franken beginnen als Problem. Im 3. Jahrhundert setzen sie über den Rhein, plündern Gallien, stoßen bis nach Spanien vor. Rom antwortet, wie Rom antwortet: mit Feldzügen – und dann mit Verträgen.

Denn das Imperium brauchte Soldaten. Ganze fränkische Gruppen wurden als foederati auf Reichsboden angesiedelt, mit der Auflage, Truppen zu stellen. Kaiser Julian erlaubte den Salfranken 358 den Verbleib in Toxandrien, als Verbündete. Das war kein Zeichen von Schwäche allein, sondern Kalkül: Grenzsicherung durch die, die vorher die Grenze bedrohten.

Und dann kommt der Teil, den man in Schulbüchern selten liest. Fränkische Offiziere stiegen im spätrömischen Heer bis ganz nach oben. Arbogast, ein Franke, wurde magister militum des Westens, setzte 392 einen Kaiser ein und stürzte damit faktisch einen anderen. Bauto, ebenfalls Franke, war 385 Konsul – das höchste zivile Amt des Reiches. Richomeres, sein Verwandter, ebenso.

Mythos-Check – „Germanen gegen Rom": Diese Gegenüberstellung ist für die Spätantike schlicht falsch. Ein erheblicher Teil der römischen Westarmee bestand aus Germanen, und Franken führten sie. Wer in dieser Zeit „Rom" sagt, meint oft genug einen fränkischen General mit römischem Titel. Die Übernahme Galliens durch die Franken war kein Einbruch von außen, sondern der Aufstieg von Leuten, die längst dazugehörten.

Childerichs Grab: Archäologie schlägt Legende

1653 stießen Arbeiter in Tournai auf ein Grab, das alles änderte. Darin lagen Waffen, Goldschmuck, ein Pferdegeschirr, rund dreihundert kleine goldene Zikaden oder Bienen mit Granateinlagen – und ein Siegelring mit dem Bild eines langhaarigen Kriegers und der Umschrift CHILDIRICI REGIS: „des Königs Childerich".

Es war das Grab von Childerich I., dem Vater Chlodwigs, gestorben um 481/482. Damit haben wir für den Beginn der Merowinger nicht nur Erzählungen, sondern einen Fund. Und der zeigt einen Mann, der beides war: germanischer Kriegerkönig und römischer Amtsträger – die Beigaben mischen fränkische und spätrömische Formensprache, als wäre das selbstverständlich. Für ihn war es das offenbar.

Der Großteil des Schatzes wurde 1831 aus der Pariser Nationalbibliothek gestohlen und eingeschmolzen. Erhalten sind Zeichnungen, wenige Originalstücke und Nachbildungen. Die goldenen Bienen hatten da schon eine zweite Karriere gemacht: Napoleon nahm sie als Zeichen in sein Wappen – er wollte sich in eine Linie stellen, die älter war als die der Bourbonen.

Beleg: Childerichs Grab, Tournai, entdeckt 1653; der Siegelring mit der Umschrift CHILDIRICI REGIS ist durch zeitgenössische Abbildungen dokumentiert. Der Diebstahl aus der Bibliothèque nationale erfolgte 1831.

Chlodwig: dreißig Jahre, die Europa verschoben

Sein Sohn Chlodwig – französisch Clovis, und im Grunde derselbe Name wie Ludwig – übernahm um 481 die Herrschaft über einen Teilverband der Salfranken. Als er dreißig Jahre später starb, gab es das Frankenreich.

486: Soissons. Chlodwig schlägt Syagrius, den letzten römischen Machthaber in Nordgallien. Damit endet die römische Herrschaft nördlich der Loire nicht mit einem Untergang, sondern mit einer Schlacht gegen einen Franken.

An diese Zeit knüpft die bekannteste Anekdote der fränkischen Geschichte: die Vase von Soissons. Ein Krieger zerschlägt ein wertvolles Gefäß, statt es dem König zu überlassen – Beute wird schließlich verlost, und der König ist nur der Erste unter Gleichen. Chlodwig sagt nichts. Ein Jahr später, bei der Waffenschau, findet er die Ausrüstung desselben Mannes mangelhaft, wirft sie zu Boden, und als der Krieger sich bückt, spaltet er ihm den Schädel. „So hast du es der Vase in Soissons getan."

Die Geschichte steht bei Gregor von Tours, geschrieben rund achtzig Jahre nach den Ereignissen. Ob sie so passiert ist, weiß niemand. Was sie zeigt, ist trotzdem historisch interessant: den Übergang vom Gefolgschaftskönig, der sich an Regeln halten muss, zum Herrscher, der über ihnen steht.

Der Alemannenkrieg. Traditionell wird Chlodwigs Sieg über die Alemannen mit Zülpich verbunden – Tolbiacum. Nur nennt Gregor von Tours, die Hauptquelle, gar keinen Ortsnamen. Die Verknüpfung stammt aus späterer Überlieferung. Dass gekämpft wurde und die Alemannen unterlagen, ist gesichert; wo genau, ist es nicht.

Die Taufe. Chlodwig ließ sich in Reims von Bischof Remigius taufen – und zwar katholisch, nicht arianisch wie die meisten anderen germanischen Könige seiner Zeit. Das war die folgenreichste Entscheidung seines Lebens: Sie machte ihn für die gallo-römische Bevölkerung und für die Bischöfe zum legitimen Herrn, während Westgoten und Vandalen für ihre Untertanen Ketzer blieben. Das Jahr ist umstritten – 496, 498/499 oder erst 508 werden diskutiert.

507: Vouillé. Chlodwig schlägt die Westgoten unter Alarich II. und nimmt ihnen fast ganz Südgallien ab. Damit ist das Reich beisammen.

Die Lex Salica. Noch unter ihm wird das fränkische Recht aufgeschrieben – ein nüchterner Katalog von Bußgeldern für Totschlag, Diebstahl, Körperverletzung, bis hin zum Preis für ein gestohlenes Schwein. Kein Heldenepos, aber eine der besten Quellen für den Alltag, die wir aus dieser Zeit haben.

Beleg: Chlodwigs Aufstieg schildert Gregor von Tours, Historia Francorum, Buch II; die Vasen-Episode dort II, 27. Die Lex Salica entstand in ihrer ältesten Fassung im frühen 6. Jahrhundert. Das Taufjahr ist in der Forschung strittig.

Geteiltes Reich: warum es nie ruhig wurde

Chlodwig starb 511, und das Reich wurde unter seine vier Söhne aufgeteilt. Das war kein Fehler, sondern fränkisches Erbrecht: Ein Königreich war Besitz, und Besitz teilt man unter den Söhnen. Genau deshalb wiederholt sich das Muster über Jahrhunderte – Teilung, Krieg unter Brüdern, Wiedervereinigung, nächste Teilung.

Aus diesen Teilungen wachsen die Namen, die bleiben werden: Austrasien im Osten, mit dem Schwerpunkt an Maas, Mosel und Rhein – unsere Region –, Neustrien im Westen um Paris, Burgund im Südosten.

Die „Schattenkönige" – ein Rufmord, der funktioniert hat

Über die späten Merowinger hält sich ein Bild: verweichlichte Nichtstuer, die auf Ochsenkarren durchs Land gefahren wurden, während die Hausmeier regierten. Die rois fainéants, die faulen Könige.

Dieses Bild hat einen Autor und einen Zweck. Es steht so bei Einhard, dem Biografen Karls des Großen – geschrieben, nachdem die Karolinger die Merowinger abgesetzt hatten. Wer eine Dynastie stürzt, muss erklären, warum sie es verdient hatte. Der Ochsenkarren ist gute Propaganda.

Die Forschung sieht das differenzierter: Die Merowinger verloren Macht, weil der Adel und die Hausmeier ihre Positionen systematisch ausbauten und weil einige Könige jung starben oder als Kinder auf den Thron kamen – nicht, weil sie ein untaugliches Geschlecht gewesen wären. Man sollte Einhard lesen. Man sollte ihm nur nicht alles glauben.

Mythos-Check: Das Bild der merowingischen „Schattenkönige" stammt überwiegend aus karolingischer Feder und diente der Rechtfertigung des Dynastiewechsels von 751. Es ist Deutung, nicht Befund.

Die Hausmeier greifen nach der Krone

Karl Martell, Hausmeier und faktischer Herrscher, schlug 732 – die Datierung schwankt zwischen 732 und 733 – bei Tours und Poitiers ein arabisch-berberisches Heer. Die Schlacht hat einen Ruf, der größer ist als ihr gesicherter Ertrag: Ob sie „Europa rettete", wie das 19. Jahrhundert gern schrieb, ist in der Forschung umstritten; es handelte sich wohl eher um einen großen Beutezug als um einen Eroberungsfeldzug. Unbestritten ist, dass der Sieg Karls Stellung im Reich festigte.

Sein Sohn Pippin zog 751 die Konsequenz und ließ sich selbst zum König erheben – abgesichert durch den Papst, der die Frage, ob nicht der König heißen solle, wer die Macht tatsächlich ausübt, erwartungsgemäß mit Ja beantwortete. Der letzte Merowinger wurde geschoren und ins Kloster geschickt. Das lange Haar war bei den Merowingern Zeichen der Königswürde; ihm die Haare zu nehmen, war der eigentliche Amtsentzug.

Aachen: als das Zentrum Europas vor unserer Haustür lag

Pippins Sohn ist der bekannteste Franke überhaupt: Karl der Große. Und er wählte sich einen Hauptsitz, der von unserer Werkstatt aus in einer Viertelstunde zu erreichen ist.

Aachen war zunächst eine Pfalz unter mehreren, wurde aber ab den 790er Jahren zum ständigen Aufenthaltsort – wegen der heißen Quellen, wegen der zentralen Lage im austrasischen Kernland, wegen der guten Jagd. Was dort entstand, war der Versuch, Rom noch einmal zu bauen: eine Pfalzanlage mit Königshalle und Kapelle, mit Säulen und Marmor, die man eigens aus Ravenna und Rom heranschaffen ließ.

Die Pfalzkapelle, der achteckige Kern des heutigen Doms, steht bis heute. Wer dort hineingeht, steht in einem karolingischen Bau – nicht in einer Rekonstruktion. Am Weihnachtstag 800 wurde Karl in Rom zum Kaiser gekrönt; regiert wurde von hier.

Und es ging nicht nur um Macht. An Karls Hof wurde in großem Stil abgeschrieben, gesammelt und normiert. Die karolingische Minuskel, die dort entwickelte Schrift, ist der Grund, warum wir heute Klein- und Großbuchstaben so schreiben, wie wir sie schreiben. Ein erheblicher Teil der antiken Literatur ist überhaupt nur erhalten, weil sie in dieser Zeit noch einmal kopiert wurde.

Beleg: Die Pfalzkapelle wurde um 800 fertiggestellt; die Kaiserkrönung erfolgte am 25. Dezember 800 in Rom. Hauptquelle zu Karls Person ist Einhard, Vita Karoli Magni, entstanden nach 814.

Die Sachsenkriege: die Seite, die man nicht weglassen darf

Hier hört die Bewunderung auf, und wir sagen das deutlich, weil es zu unserem Thema gehört.

Von 772 bis 804 führte Karl Krieg gegen die Sachsen – über dreißig Jahre, mit dem erklärten Ziel der Unterwerfung und der Bekehrung. Es begann 772 mit der Zerstörung der Irminsul, jenes Heiligtums, dessen genaue Gestalt wir nicht kennen. Ob es ein Kultpfahl war oder das Wahrzeichen eines zentralen Thingplatzes, ist in der Forschung offen – im zweiten Fall traf der Schlag nicht nur den Glauben, sondern auch die politische Versammlung der Sachsen.

Was folgte, war ein Religionsrecht mit Todesstrafe. Die Capitulatio de partibus Saxoniae stellte unter Todesstrafe, wer einen Priester tötete, wer eine Kirche schändete, wer in der Fastenzeit Fleisch aß – und wer seine Toten nach altem Brauch verbrannte statt sie auf einem christlichen Friedhof zu bestatten. Die alte Bestattungsform, jahrhundertelang selbstverständlich, wurde zum Kapitalverbrechen erklärt.

Und dann ist da Verden, 782. Die fränkischen Reichsannalen berichten, Karl habe an der Aller 4.500 Sachsen an einem Tag enthaupten lassen. Wenn das stimmt, ist es eine der größten Massenhinrichtungen des Frühmittelalters.

Hier müssen wir ehrlich bleiben, auch wenn es die Empörung dämpft: Die Forschung diskutiert diesen Bericht seit Langem. Die Zahl 4.500 gilt vielen als übertrieben, wie es bei mittelalterlichen Zahlenangaben häufig der Fall ist. Archäologische Spuren eines Massakers dieser Größenordnung wurden bei Verden nie gefunden. Und es gibt die Vermutung, in der handschriftlichen Überlieferung könne aus delocabat – „er siedelte um" – ein decollabat – „er enthauptete" – geworden sein. Dagegen steht, dass Umsiedlungen von Sachsen anderswo ausdrücklich als solche berichtet werden und ein Schreibfehler dieser Art schwer zu erklären wäre.

Mythos-Check: Dass die Sachsenkriege mit äußerster Härte geführt wurden und die Christianisierung erzwungen wurde, ist durch die Capitulatio und die Kriegsdauer gut belegt. Ob in Verden 4.500 Menschen hingerichtet wurden, ist es nicht. Beides gehört nebeneinander gesagt – wer die Zahl als Gewissheit ausgibt, macht es sich zu leicht, und wer den Bericht deshalb ganz beiseiteschiebt, ebenso.

Für uns ist das kein Randthema. Ein großer Teil dessen, worüber wir in diesem Blog schreiben – die Götter, die Zeichen, die Bestattungsbräuche –, ist nicht einfach verblasst. Er wurde in weiten Teilen des Kontinents mit Gesetzen und Heeren aus dem Alltag gedrängt. Dass davon trotzdem so viel überlebt hat, in Ortsnamen, in Wochentagen, in Bräuchen, die man christlich umgedeutet hat, ist das eigentlich Erstaunliche. Mehr dazu in unserem Beitrag über die Christianisierung der Germanen.

Wie die Franken kämpften

Die Franken haben in der Bewaffnung etwas hinterlassen, das nach ihnen benannt ist. Die Francisca, die fränkische Wurfaxt, hat einen kurzen Stiel und ein geschwungenes, nach oben gezogenes Blatt. Sie wurde vor dem Zusammenprall geworfen – in dichter Formation, auf kurze Distanz, gegen Schilde. Eine Axt, die im Schild steckenbleibt, macht ihn unbrauchbar, und der Mann dahinter steht offen. Isidor von Sevilla schreibt im 7. Jahrhundert ausdrücklich, diese Axt heiße so, weil die Franken sie benutzten.

Dazu kam der Ango, ein langer Wurfspeer mit Widerhaken und einem weit heruntergezogenen Eisenschaft – nach demselben Prinzip wie das römische Pilum: Er ließ sich nicht schnell aus dem Schild ziehen, und wer ihn nicht loswurde, kämpfte mit einem Schild, an dem ein Speer hing.

Im Nahkampf führten sie den Sax, ein einschneidiges Hiebmesser, das es in allen Größen bis zum Langsax gab, und – wer es sich leisten konnte – die Spatha, das lange zweischneidige Reiterschwert, das aus dem römischen Heer kam und über die gesamte Völkerwanderungszeit in Gebrauch blieb. Aus ihr entwickelt sich später das Schwert der Wikingerzeit.

Und dann das Haar. Die merowingischen Könige trugen es lang und ungeschnitten, als sichtbares Zeichen ihres Anspruchs – die reges criniti, die „langhaarigen Könige". Das ist keine Modefrage gewesen. Wie ernst es gemeint war, zeigt sich daran, was mit dem letzten Merowinger geschah: Man schor ihn. Damit war die Sache erledigt, ohne dass Blut floss.

Mythos-Check: Die Francisca ist gut belegt – als Fund in zahlreichen Gräbern und als Name bei Isidor. Was sich nicht belegen lässt, sind die spektakulären Vorstellungen vom Aufprallverhalten, die man gelegentlich liest: dass sie gezielt vom Boden abgeprallt sei und unter Schilden hindurchgeschlagen habe. Das sind moderne Deutungen, keine Quellenaussagen.
Beleg: Isidor von Sevilla, Etymologiae XVIII, zur Francisca; Ango und Sax sind durch zahlreiche merowingerzeitliche Grabfunde belegt. Zum langen Haar der Merowinger: Gregor von Tours und die Berichte zur Absetzung Childerichs III. 751.

Was von den Franken geblieben ist

Zwei Ländernamen. Aus Francia wurde Frankreich – das Land, das nach einem germanischen Verband heißt, obwohl dort romanisch gesprochen wird. Und die Region Franken in Süddeutschland trägt ihn ebenfalls.

Wörter im Französischen. Das Französische hat aus dem Fränkischen einen ganzen Grundwortschatz übernommen: guerre für Krieg, blanc für weiß, jardin für Garten, choisir für wählen. Wer Französisch lernt, lernt nebenbei germanische Lehnwörter.

Die Sprache hier. Der Dialekt zwischen Aachen, Köln und Bonn heißt in der Sprachwissenschaft Ripuarisch – nach den Rheinfranken. Das Öcher Platt ist kein zufälliger Regionalklang, sondern eine direkte Fortsetzung dessen, was hier seit dem Frühmittelalter gesprochen wird.

Die Landkarte. Ortsnamen auf -heim, -ingen, -weiler und -dorf markieren fränkische Siedlungstätigkeit. Wer bei uns in der Gegend auf ein Ortsschild schaut, liest oft fränkische Geschichte.

Drei hartnäckige Irrtümer

„Die Franken stammen aus Troja." Diese Herkunftssage steht in der Fredegar-Chronik des 7. Jahrhunderts und wurde jahrhundertelang ernst genommen. Sie ist reine Gelehrtenkonstruktion nach römischem Vorbild – wie Rom sich über Aeneas an Troja anhängte, taten es die Franken. Historischer Wert: null. Aufschlussreich ist sie trotzdem, weil sie zeigt, woran man anschließen wollte.

„Die Franken waren ein Volk mit gemeinsamer Abstammung." Nein. Sie waren ein politisches Bündnis, dem man beitreten konnte und dem sehr verschiedene Gruppen beitraten – und in Gallien wuchs die fränkische Oberschicht mit der gallo-römischen Bevölkerung zusammen. „Franke" war eine Zugehörigkeit, keine Blutslinie. Wer daraus eine Abstammungsgemeinschaft macht, hat die Quellen gegen sich.

„Die Franken waren die Deutschen" – oder „die Franzosen". Beides falsch, und beides im 19. Jahrhundert eifrig behauptet, auf beiden Seiten des Rheins. Aus dem Frankenreich gingen nach den Teilungen des 9. Jahrhunderts sowohl das westfränkische Reich hervor, aus dem Frankreich wurde, als auch das ostfränkische, aus dem das spätere deutsche Reichsgebiet entstand. Die Franken sind die gemeinsame Vorgeschichte beider Länder, nicht das Eigentum eines von ihnen.

Vor unserer Werkstatt

Wir schreiben viel über den Norden – über Odin, Runen und die Edda. Die Franken sind das andere Kapitel, das direkt vor der Tür liegt. Zwischen Alsdorf, Aachen und Köln verlief nicht irgendeine Provinzgrenze, sondern das Kernland Austrasiens, aus dem die Karolinger kamen.

Und die beiden Geschichten berühren sich: 881 zogen Wikinger den Rhein hinauf und brannten Aachen nieder – die Pfalzkapelle Karls des Großen soll ihnen als Pferdestall gedient haben. Was der eine Teil unserer Themen aufgebaut hat, hat der andere niedergebrannt. Beides ist hier passiert.

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Aus dem fränkischen Kernland. Wir sitzen mitten in dem Gebiet, aus dem die Karolinger kamen – und gravieren hier Zeichen, Namen und Motive nach alten Vorlagen. Gravuren aus der Region: Gravur Aachen & Alsdorf. Eigene Idee? Wunschgravur.

Die Franken waren kein Stamm, keine Blutslinie und kein Volk mit klarer Grenze. Sie waren ein Bündnis, das funktionierte – lange genug, um aus den Trümmern einer Weltmacht eine neue zu bauen. Und das Erstaunlichste daran ist, wie nah das alles liegt: keine ferne Steppe, kein sagenhafter Norden, sondern der Rhein, die Maas und eine Kapelle, die noch steht.

Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

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Quellen & Literatur

Quellen: Ammianus Marcellinus, Res gestae (Salfranken in Toxandrien, 358); Gregor von Tours, Historia Francorum, 6. Jh.; Lex Salica, frühes 6. Jh.; Fredegar-Chronik, 7. Jh. (Trojasage); Annales regni Francorum (Verden 782); Capitulatio de partibus Saxoniae; Einhard, Vita Karoli Magni, nach 814; Isidor von Sevilla, Etymologiae (Namensdeutung). Archäologie: Grab Childerichs I., Tournai 1653. Forschung: Ulrich Nonn, Die Franken; Matthias Becher, Karl der Große; Patrick J. Geary, Die Merowinger. Die Datierung der Taufe Chlodwigs, die Bewertung von Tours und Poitiers 732/733 und die Zahl der Hingerichteten von Verden sind in der Forschung umstritten.

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