Die irischen Mönche hatten für die Männer aus dem Norden ein einfaches Wort: Gaill, die Fremden. Für sich selbst hatten sie ein anderes: Goídil, die Gälen. Im Jahr 856 schrieben sie zum ersten Mal beides zusammen. Gall-Goídil – fremde Gälen. Das Wort bezeichnet Krieger, die in kein Schema passten: Iren, die wie Nordleute lebten, oder Nordleute, die Irisch sprachen, oder beides. Drei Jahre lang tauchen sie in den Annalen auf, dann verschwinden sie für fast zwei Jahrhunderte. Geblieben ist von ihnen ein Landschaftsname in Schottland.

Irische Annalisten waren genaue Leute, wenn es um Namen ging. Sie unterschieden zwischen Heiden und Christen, zwischen den „hellen" und den „dunklen" Fremden, zwischen den Leuten von Dublin und denen von anderswo. Dass sie für eine Gruppe ein eigenes Wort erfanden, heißt: Diese Gruppe fiel ihnen als etwas Eigenes auf.
Das Wort ist durchsichtig. Gall ist der Fremde, ursprünglich der Gallier, seit dem 9. Jahrhundert vor allem der Skandinavier. Goídel ist der Gäle, der Ire oder gälischsprachige Schotte. Zusammengesetzt ergibt sich ein Paradox: ein Fremder, der Gäle ist, oder ein Gäle, der fremd geworden ist. Die Forschung übersetzt meist mit „fremde Gälen" oder englisch Norse-Gaels. Beides ist Deutung. Was das Wort genau meinte, müssen die wenigen Stellen verraten, an denen es vorkommt.
Die Annalen von Ulster nennen die Gall-Goídil zuerst zum Jahr 856, und zwar gleich zweimal. Einmal herrscht „großer Krieg zwischen den Heiden und Máel Sechnaill", dem mächtigsten König im Norden Irlands – und die Gall-Goídil stehen auf seiner Seite. Ein paar Zeilen weiter bringt Áed mac Néill, König im Nordwesten, den Gall-Goídil bei Glenn Foichle eine schwere Niederlage bei. Schon hier zeigt sich: Diese Leute kämpften nicht für „die Wikinger", sondern für den, der sie brauchte.
Zum Jahr 857 folgt der Eintrag, der einen Anführer nennt:
Roiniudh re n-Imar & re n-Amlaiph for Caittil Find cona Gall-Gaedelaibh h-i tiribh Muman.
„Eine Niederlage durch Ímar und Amlaíb über Caittil den Weißen mit seinen Gall-Goídil in den Ländern von Munster."Annalen von Ulster, Eintrag zu 857; Übertragung von uns
Ímar und Amlaíb sind die beiden großen Wikingerkönige der Zeit, Amlaíb ist Olaf der Weiße von Dublin. Die Gall-Goídil kämpften also auch gegen Nordleute. Das Chronicon Scotorum nennt für 858 noch eine Niederlage der Gall-Goídil gegen Cerball von Osraige und Ímar, mit einer Zahl von 6.400 Mann, die man nicht wörtlich nehmen sollte. Danach verschwindet das Wort aus den Annalen – für rund 175 Jahre.
Deutlicher als die knappen Annalen werden die sogenannten Fragmentarischen Annalen von Irland. Sie sind nur in einer Abschrift des 17. Jahrhunderts erhalten und erzählen breiter, mit Reden und Anekdoten; ihr Text ist deutlich jünger als die Ereignisse. Zweimal erklären sie, wer die Gall-Goídil seien. Beim Kampf gegen Áed heißt es sinngemäß, sie seien Iren und Ziehkinder der Nordleute, und manchmal nenne man sie selbst Nordleute. Und zu 858, als Máel Sechnaill gegen Munster zog, heißt es, es habe sich schon gelohnt, nur um die Gall-Goídil zu erschlagen, die dort fielen: Menschen, die ihre Taufe verlassen hätten, die die Sitten der Nordleute angenommen und bei ihnen aufgewachsen seien – und die, obwohl schon die ursprünglichen Nordleute den Kirchen übel mitgespielt hätten, noch schlimmer gewesen seien.
Das ist ein Urteil aus der Kirche, kein neutraler Befund. Aber es sagt etwas Wichtiges: Die Verfasser sahen in den Gall-Goídil keine Skandinavier, sondern Einheimische, die die Seite gewechselt hatten. Abtrünnige. Die Fosterage, das Aufziehen von Kindern in einer fremden Familie, war in Irland eine alte Sitte, um Bündnisse zu festigen. Dass irische Kinder in nordischen Haushalten aufwuchsen und umgekehrt, ist gut vorstellbar. Belegt ist es für diesen Fall nur durch diesen einen späten Text.
Caittil Find ist der einzige Anführer der frühen Gall-Goídil, den wir mit Namen kennen. Caittil ist die irische Form des nordischen Ketill, find heißt „weiß, hell". Ein Nordmann also, oder jemand mit nordischem Namen.
Seit Langem liegt eine Gleichsetzung nahe, die viele Leser verlockt: mit Ketill Flatnefr, Ketill Flachnase, den die isländischen Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts – das Landnahmebuch und die Laxdæla saga – als Herrn über die Hebriden kennen. Ketill war der Vater Auds der Tiefsinnigen, und Aud war nach denselben Quellen mit Olaf dem Weißen verheiratet. Andrew Jennings und Arne Kruse haben 2009 dafür argumentiert, dass Caittil und Ketill ein und derselbe waren.
Alex Woolf hält dagegen, und seine Einwände sind handfest: Der Beiname passt nicht, „weiß" ist nicht „flachnasig". Die isländischen Quellen wissen nichts von einem Ketill in Irland. Und wenn Caittil Ketill war, hätte Olaf 857 gegen seinen eigenen Schwiegervater gekämpft. Unmöglich ist das nicht – in dieser Welt kämpften Verwandte oft genug gegeneinander. Beweisbar ist es auch nicht. Clare Downham hält die Gleichsetzung ebenfalls für nicht ausreichend belegt. Wir auch.
Die Quellen sagen es nicht. Die Forschung bietet mehrere Antworten, die sich nicht ausschließen.
Die erste folgt den Fragmentarischen Annalen: Die Gall-Goídil seien Iren gewesen, die sich den Nordleuten angeschlossen hatten. Die zweite sucht ihre Heimat im Westen Schottlands. Dort, im alten Königreich Dál Riata, auf Bute, Kintyre und den Hebriden, hatten sich seit dem frühen 9. Jahrhundert Skandinavier niedergelassen; gälische und nordische Bevölkerung lebten dort früher und enger zusammen als in Irland. Jennings und Kruse sehen die Gall-Goídil als Männer aus diesem Raum, Woolf denkt in eine ähnliche Richtung. Thomas Clancy hat gezeigt, dass eine Notiz zu einem irischen Heiligenkalender die Kirche von Kingarth auf Bute „bei den Gall-Goídil" verortet – wie alt diese Notiz ist, lässt sich allerdings nicht sicher sagen.
Clare Downham hat einen grundsätzlicheren Punkt gemacht. Die irischen Bezeichnungen für Fremde – Finngaill, Dubgaill, Gall-Goídil – beschrieben nach ihrer Deutung eher, wie viel Kontakt eine Gruppe mit den Gälen hatte, als woher sie kam. Moderne Einteilungen in „Dänen" und „Norweger" hält sie für eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Wer die Gall-Goídil in ein Volk mit fester Herkunft verwandeln will, macht denselben Fehler: Das Wort war ein Etikett von außen, und Etiketten können über Jahrzehnte ihren Inhalt wechseln.
1034 taucht das Wort wieder auf. Die Annalen von Ulster und von Tigernach melden den Tod eines Suibne mac Cináeda, rí Gall-Gaidhel, König der Gall-Goídil. Wo er herrschte, sagen sie nicht. Clancy und andere vermuten sein Gebiet im Südwesten Schottlands, rund um den Firth of Clyde – noch nicht beschränkt auf das heutige Galloway.
Erst im 12. Jahrhundert zieht sich der Name auf die Landschaft zwischen dem Firth of Clyde und dem Solway zusammen. Aus dem gälischen i nGall-Gaidhealaib, „bei den Gall-Goídil", wird Galloway. Die Orkneyinga saga nennt die Bewohner Gaddgeðlar – dieselbe Bezeichnung, durch nordische Ohren gegangen. In der Schlacht an der Standarte 1138 kämpften Männer aus Galloway im Heer des schottischen Königs David I.; englische Chronisten beschrieben sie als besonders wild. Das sagt mehr über die Chronisten als über die Galwegians.
Auch die Ortsnamen Galloways sind ein Mischbefund. Namen wie Kirkcudbright, „Kirche des Cuthbert", verbinden ein Wort für Kirche, das nordisch oder nordenglisch sein kann, mit gälischer Wortstellung, bei der der Heilige hinten steht. Ob solche Namen auf Gall-Goídil zurückgehen, ist umstritten. Dass sie eine gemischte Sprachlandschaft zeigen, nicht.
Wie gemischt diese Welt war, zeigt ein Fund, der kein Wort Gall-Goídil trägt. Im September 2014 fand ein Sondengänger bei Balmaghie in Kirkcudbrightshire den Galloway-Hort, vergraben um 900: Armringe aus Silber, Barren, ein frühchristliches Kreuz, ein Silbergefäß aus dem westlichen Asien, Seide, Bergkristall. Mehrere Armringe tragen angelsächsische Runen. 2025 wurde eine davon als altenglisch feoh higna gelesen – sinngemäß „der Besitz der Gemeinschaft", möglicherweise einer geistlichen Gemeinschaft.
Wer diesen Schatz vergrub, ist offen: Nordleute, Angelsachsen, Leute dazwischen. Man könnte ihn den Gall-Goídil zuschreiben, und manche Zeitungsartikel haben das getan. Belegen lässt es sich nicht. Der Hort zeigt die Welt, in der Gall-Goídil lebten. Er zeigt nicht die Gall-Goídil selbst.
Die Hebriden und die Insel Man hießen im Irischen Innse Gall, die Inseln der Fremden. Vom späten 11. bis ins 13. Jahrhundert herrschten dort Könige einer nordisch-gälischen Mischkultur: 1079 setzte sich Godred Crovan auf Man durch, im 12. Jahrhundert stieg Somerled auf, dessen Name nordisch und dessen Nachfahren gälische Clanherren waren. Erst 1266, im Vertrag von Perth, trat Norwegen die Inseln an Schottland ab. Mehr dazu im Überblick über die Wikinger in Irland, Schottland und auf den Inseln.
Ist dieses Inselreich die Fortsetzung der Gall-Goídil von 856? Das wird oft so erzählt. Eine gerade Linie von Caittil Find zu Somerled gibt es in den Quellen aber nicht. Es gibt eine Mischkultur, die sich über drei Jahrhunderte hielt, und ein Wort, das über drei Jahrhunderte Verschiedenes bezeichnete. Ähnlich gemischt war die Welt der Ostmänner in den irischen Städten.
Die Belegstärke ist gemischt, und das sagen wir offen.
Zeitgenössisch belegt ist das Wort selbst: in den Annalen von Ulster zu 856 und 857, als Kriegergruppe mit einem Anführer Caittil Find, einmal mit, einmal gegen irische Könige, einmal gegen Ímar und Olaf. Dazu 1034 ein König der Gall-Goídil.
Archäologisch belegt ist eine gemischte nordisch-gälisch-angelsächsische Welt im Südwesten Schottlands und auf den Inseln, etwa durch den Galloway-Hort. Einen Fund, der sich den Gall-Goídil selbst zuordnen ließe, gibt es nicht.
Spätere Überlieferung sind die Erklärungen der Fragmentarischen Annalen – Iren, die ihre Taufe verließen – sowie Ketill Flachnase in den isländischen Quellen.
Moderne Deutung sind die Herkunft aus Dál Riata oder von den Hebriden, die Gleichsetzung von Caittil mit Ketill und die gerade Linie zu den Königen der Inseln. Sicher ist nur der Name, der geblieben ist: Galloway. Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

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