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Die Sunuker - ein Grenzvolk zwischen Maas und Rur

Geschichte & Funde Die Sunuker - ein Grenzvolk zwischen Maas und Rur Wer heute von Alsdorf nach Kornelimünster fährt, durchquert in einer knappen halben Stunde das gesamte Kerngebiet eines Volkes, dessen Namen kaum jemand kennt. Die Sunuker saßen zwischen Maas und Rur, im Dreieck Aachen, Jülich, Eschweiler, und sie sind eines der am schlechtesten bezeugten Völker der römischen Rheinlande. Kein einziger Satz aus ihrem eigenen Mund ist erhalten. Was wir haben, sind zwei knappe Notizen römischer Autoren, eine Handvoll Weihesteine, ein Militärdiplom aus England und ein Tempelbezirk am Rand der Eifel. Genau das macht sie interessant: An den Sunukern lässt sich zeigen, wie viel und wie wenig Geschichte aus solchen Splittern zu gewinnen ist.

Ein Volk, das nie selbst zu Wort kam

Von den Sunukern ist kein Wort überliefert, das sie selbst formuliert hätten. Keine Erzählung, kein Gesetz, kein Lied. Alles, was wir wissen, haben andere aufgeschrieben: römische Autoren, die von außen und meist im Vorbeigehen auf sie blickten, und römische Steinmetzen, die im Auftrag einzelner Menschen Namen in Sandstein schlugen. Das ist keine Fußnote, sondern die Grundbedingung jeder Aussage über dieses Volk.

Der Bestand ist schmal. Eine Aufzählung bei Plinius dem Älteren, eine halbe Zeile bei Tacitus, rund zehn Weihinschriften für eine Göttin, deren Name den Stammesnamen enthält, dazu ein Bronzediplom aus Nordengland und die Reste eines Heiligtums bei Aachen-Kornelimünster. Daraus muss sich alles Weitere ergeben, und wo es sich nicht ergibt, bleibt eine Lücke, die man aushalten sollte, statt sie zu füllen.

Trotzdem lohnt der Blick, gerade von hier aus. Denn das Siedlungsgebiet der Sunuker deckt sich fast punktgenau mit der Landschaft, in der unsere Werkstatt steht. Aachen, Jülich, Eschweiler, Kornelimünster, Alsdorf, Düren: Das ist nicht irgendein antikes Randgebiet, das ist die Haustür.

Freigelegte Mauerzuege des gallo-roemischen Heiligtums Varnenum bei Aachen-Kornelimuenster
Die freigelegten Fundamente des gallo-römischen Heiligtums bei Aachen-Kornelimünster, in der Literatur meist Varnenum genannt. Von hier stammt eine der Weihungen an die Göttin Sunuxsal – der engste Berührungspunkt zwischen den Sunukern und unserer eigenen Werkstattregion. Foto: Sir Gawain, CC BY-SA 2.0 DE, via Wikimedia Commons.

Zwischen Maas und Rur: das Land

Die Forschung verortet die Sunuker im ersten und zweiten Jahrhundert zwischen Maas und Rur, also im westlichen Rheinland und in den angrenzenden Teilen der heutigen Niederlande und Ostbelgiens. Im Süden schließt sich die Nordeifel an, im Norden die Bördelandschaft, im Osten das Gebiet der Ubier um Köln. Es ist ein Übergangsland zwischen Löss und Mittelgebirge, zwischen Fluss und Wald.

Der Löss ist dabei kein nebensächliches Detail. Die fruchtbaren Böden der Jülicher und Zülpicher Börde trugen in römischer Zeit ein dichtes Netz landwirtschaftlicher Güter, der villae rusticae. Wer hier lebte, lebte nicht am Rand der Welt, sondern in einer Kornkammer, die die Rheinarmee mitversorgte.

Zugleich lag das Gebiet nah genug am Rhein, um militärisch zu zählen, und weit genug davon entfernt, um kein Grenzland im engeren Sinn zu sein. Diese Zwischenlage prägt fast alles, was über die Sunuker überliefert ist: Sie tauchen dort auf, wo größere Mächte aufeinandertreffen, und verschwinden wieder, sobald die Front weiterzieht.

Was bei Plinius steht

Der älteste sichere Beleg steht in der Naturgeschichte des Plinius. In seiner Aufzählung der Völker Galliens nennt er unter den Gemeinschaften des Binnenlandes hintereinander Tungri, Sunuci, Frisiavones, Baetasi, dann Leuci, Treveri, Lingones. Mehr nicht. Kein Charakterbild, keine Zahl, keine Geschichte, nur eine Position in einer Liste.

Genau dieser trockene Befund ist aber brauchbar. Die Reihenfolge solcher Listen folgt in der Regel dem Raum, und die Nachbarschaft zu den Tungrern, deren Hauptort Atuatuca Tungrorum, das heutige Tongeren, war, passt exakt zur Lage zwischen Maas und Rur. Plinius bestätigt damit, dass die Sunuker in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts als eigene Gemeinschaft galten.

Ein weiterer antiker Erzähler, der sie zweifelsfrei nennt, fehlt. Versuche, sie in anderen geographischen Werken der Antike wiederzufinden, gelten nicht als gesichert. Wer also mehr über die Sunuker sagen will, muss auf Tacitus und auf die Steine ausweichen.

Der Bataveraufstand 69/70

Der eine erzählende Auftritt der Sunuker fällt in das Chaosjahr nach Neros Tod. Iulius Civilis, Anführer der Bataver, hatte den Aufstand gegen Rom eröffnet und war nach dem Bündnis mit Köln dabei, die Nachbarschaft einzusammeln. Tacitus schildert in wenigen Zeilen, wie es den Sunukern dabei erging.

Civilis societate Agrippinensium auctus proximas civitates adfectare aut adversantibus bellum inferre statuit. occupatisque Sunucis et iuventute eorum per cohortis composita, quo minus ultra pergeret, Claudius Labeo Baetasiorum Tungrorumque et Nerviorum tumultuaria manu restitit, fretus loco, quia pontem Mosae fluminis anteceperat. – Durch das Bündnis mit den Kölnern gestärkt, beschloss Civilis, die benachbarten Gemeinschaften an sich zu ziehen oder denen, die sich weigerten, den Krieg zu bringen. Nachdem er die Sunuker besetzt und deren junge Mannschaft in Kohorten gegliedert hatte, trat ihm Claudius Labeo mit einem zusammengerafften Haufen von Baetasiern, Tungrern und Nerviern entgegen, um ihn am Weitermarsch zu hindern; er vertraute auf die Örtlichkeit, weil er zuvor die Brücke über die Maas besetzt hatte.Tacitus, Historiae IV,66. Lateinischer Text nach der üblichen Überlieferung, Übersetzung von Glanz und Gravur.

Zwei Dinge sind daran bemerkenswert. Erstens: Die Sunuker werden besetzt, nicht gewonnen. Sie sind Objekt, nicht Akteur. Zweitens: Ihre Jungmannschaft wird sofort in Kohorten gegliedert, also nach römischem Muster organisiert. Das setzt voraus, dass man dort wusste, wie so etwas geht, weil man es kannte.

Nach dem Aufstand: Ordnung im Verwaltungsraster

Der Aufstand endete 70 mit der Niederlage des Civilis, und danach wurde die Region gründlich neu geordnet. In der Literatur begegnet für die Sunuker häufig der Begriff civitas Sunucorum, also eine eigene Verwaltungseinheit der Provinz Niedergermanien. Ganz sicher ist das nicht.

Ein Teil der Forschung sieht die Sunuker vielmehr als Untereinheit, als pagus, innerhalb des Territoriums der Kölner Kolonie. Beides ist mit dem dünnen Befund vereinbar, und es gibt keine Inschrift, die die Frage entscheidet. Wer den Begriff civitas benutzt, sollte wissen, dass er damit eine Arbeitshypothese benutzt, keine Urkunde.

Sicher ist nur das Ergebnis: Spätestens im zweiten Jahrhundert waren die Sunuker Teil des römischen Systems. Sie zahlten Abgaben, stellten Soldaten, weihten Steine in lateinischer Sprache und trugen römische Namensformen. Der Weg von der besetzten Gemeinschaft zur eingegliederten Provinzbevölkerung war kurz.

Wo lag der Hauptort?

Ein Volk ohne Hauptort ist im römischen Denken schwer vorstellbar, und entsprechend eifrig wird gesucht. Drei Kandidaten stehen zur Debatte. Iuliacum, das heutige Jülich, lag als Straßenstation und Rurbrücke an der großen Verbindung von Tongeren nach Köln und war im vierten Jahrhundert mit einer mächtigen, vierzehneckigen Mauer befestigt.

Coriovallum, das heutige Heerlen, war ebenfalls Straßenstation, besaß große Thermen und eine bedeutende Töpferei mit über vierzig nachgewiesenen Brennöfen. Aquae Granni, das römische Aachen, wiederum war ein Kur- und Kultort mit heißen Quellen, Thermen, einem großen Heiligtumsbezirk und zwei gallo-römischen Umgangstempeln.

Keiner dieser Orte trägt einen Namen, der die Sunuker nennt, und keine Inschrift weist einen von ihnen als ihren Vorort aus. Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Möglicherweise hatte diese Gemeinschaft gar kein städtisches Zentrum im klassischen Sinn, sondern lebte verstreut in Gehöften und kleinen Siedlungen entlang der Straße.

Sunuker in römischen Uniformen

Am besten greifbar werden die Sunuker dort, wo sie am weitesten von zu Hause weg waren. Aus dem Volk wurde eine Auxiliareinheit ausgehoben, die cohors I Sunucorum, eine Hilfstruppen-Kohorte von nominell fünfhundert Mann. Ihre Geschichte lässt sich über Jahrhunderte und über die halbe Nordsee verfolgen.

Im April 1761 pflügte ein Mann namens Edward Nichols bei Stannington im heutigen Sheffield zwei dünne Bronzeplatten aus dem Boden. Es war ein römisches Militärdiplom, ausgestellt im Jahr 124 unter Kaiser Hadrian, das dem Empfänger nach fünfundzwanzig Dienstjahren Bürgerrecht und gültige Ehe zusicherte. Der Mann war Fußsoldat der cohors I Sunucorum, Sohn eines Albanus, und als Herkunft steht dort schlicht: Sunuker.

Rund achtzig Jahre später taucht die Einheit erneut auf, diesmal in Wales. Eine Bauinschrift aus Segontium, dem Kastell beim heutigen Caernarfon, hält fest, dass die Kaiser Septimius Severus, Caracalla und Geta die altersschwachen Wasserleitungen für die erste Kohorte der Sunuker erneuern ließen. Der Stein ist in die Jahre 198 bis 209 zu datieren. Ein Volk vom Rand der Eifel bewachte zu diesem Zeitpunkt einen Außenposten am Rand Britanniens.

Sunuxal, die Göttin mit dem Stammesnamen

Der stärkste Beleg für die Sunuker ist keine Erzählung, sondern ein Göttername. Auf rund zehn Inschriften aus Niedergermanien erscheint eine Gottheit namens Sunuxsal oder Sunucsal. Die Nähe zum Volksnamen ist offensichtlich, und die Forschung sieht in ihr mit guten Gründen die Stammesgöttin der Sunuker.

Der bekannteste Stein wurde 1856 im nördlichen Propsteier Wald bei Eschweiler gefunden, ist achtundzwanzig mal sechsunddreißig Zentimeter groß und vollständig lesbar: Deae Sunuxsali Ulpius Hunicius votum solvit libens merito, also der Göttin Sunuxsal hat Ulpius Hunicius sein Gelübde gern und verdientermaßen erfüllt. Am Bruch des fehlenden Oberteils sind noch das Gewand einer sitzenden Frau und die Vorderbeine eines liegenden Tieres zu erkennen.

Die übrigen Steine verteilen sich von Varnenum bei Kornelimünster über Inden-Frenz, Nideggen-Embken, Zülpich-Hoven und Nettersheim bis nach Neuss, Köln, Bonn und Remagen. Das Kerngebiet liegt eindeutig zwischen Aachen und der Rur, die Ausreißer nach Osten dürften mitgereiste Sunuker sein. Der Zülpicher Stein einer Probia Iustina trägt die Jahresangabe 239 und gehört damit zu den späten Zeugnissen.

Varnenum: das Heiligtum am Rand der Eifel

Etwa siebenhundert Meter östlich der Stephanskirche in Aachen-Kornelimünster liegt auf einer Hochfläche, die Schildchen heißt, der Tempelbezirk, den man heute Varnenum nennt. Ausgegraben wurde ab 1907, später erneut, und 1989 wurden die Fundamente bis auf etwa einen Meter Höhe wieder aufgemauert. Man kann dort spazieren gehen.

Der Name des Ortes ist eine moderne Bildung. Er stammt von Bronzetäfelchen, die auf dem Gelände gefunden wurden und einen Gott Varneno oder Varnenus nennen, neben der Göttin Sunuxal. Eine der Weihungen stammt von einem Marcus Fucissius Secundus, der ein städtisches Ehrenamt in der Kölner Kolonie bekleidete. Der ländliche Bezirk war also mit der Provinzhauptstadt verbunden.

Magnetometermessungen und Phosphatanalysen des Bodens haben einen Tempelbezirk von mindestens hundertfünfzigtausend Quadratmetern samt zugehöriger Siedlung wahrscheinlich gemacht. Der Bezirk wurde vor 70 durch Brand zerstört und danach größer wieder aufgebaut. Wolfgang Spickermann hat Varnenum als das Heiligtum der Sunuker gedeutet, was gut begründet, aber nicht durch eine Inschrift bewiesen ist.

Straßen, Villen und Galmei

Die Lebensader der Region war die große Straße von Bavay über Tongeren, Heerlen und Jülich nach Köln. Sie folgte einer vorrömischen Route und wurde in gallischen Leugen gemessen, nicht in römischen Meilen. An ihr lagen Herbergen, Bäder, Ziegeleien und die großen Landgüter.

Eines davon ist die Propsteier Villa im Propsteier Wald bei Eschweiler, 1876 zufällig entdeckt und in den Jahren 1880 und 1881 ausgegraben. Dokumentiert sind Keller, ein Wirtschaftshof, ein Mühlenraum mit einem Mahlstein aus Eifellava, eine Küche, eine Badeanlage mit Fussbodenheizung und Abwasserkanäle mit Bleirohr. Das ist kein Bauernhof, das ist ein Betrieb.

Dazu kam der Bergbau. Südöstlich von Aachen, um Breinig, Stolberg und Gressenich, wurde bereits in römischer Zeit Galmei gewonnen, ein Zinkerz, aus dem sich Messing herstellen ließ. Reste von Verhüttungsanlagen und eine gallo-römische Siedlung im Raum Breinig belegen die Betriebsamkeit. Von Varnenum führte nachweislich eine Trasse in Richtung Breinig.

Germanen oder Kelten?

Die Zuordnung der Sunuker ist ein alter Streit. Caesar berichtet, jenseits der Maas hätten mehrere Völker gesessen, die zusammen Germani genannt wurden, darunter die Eburonen, die Condruser, Caeroser und Paemanen. Tacitus wiederum schreibt, die Ersten, die den Rhein überschritten, hießen zu seiner Zeit Tungrer, damals aber Germanen. Diese linksrheinischen Germani cisrhenani sind bis heute ein Forschungsproblem.

Der Name Sunuci selbst wird meist germanisch erklärt. Günter Neumann verband ihn mit einem Wort für Sohn, was auf eine abgespaltene Jungmannschaft deuten könnte; eine zweite Deutung geht von einer indogermanischen Wurzel für Schwein aus. Da das Wort für Sohn im Keltischen fehlt, spricht die erste Erklärung eher für germanische Herkunft.

Damit ist wenig gewonnen. Ein germanischer Volksname beweist keine germanische Sprache im Alltag, und die Personennamen der Region mischen keltische, germanische und lateinische Elemente munter durcheinander. Die Sunuker waren wahrscheinlich genau das, was ihre Lage nahelegt: eine gemischte Bevölkerung in einem Grenzraum, deren Oberschicht sich früh keltisch und dann römisch gab.

Das Verschwinden

Nach dem Diplom von 124 und den späten Weihesteinen des dritten Jahrhunderts verliert sich die Spur. Der Name taucht als Herkunftsangabe von Soldaten nicht mehr auf, und niemand weiht mehr Steine mit dem alten Stammesbezug. Das dritte Jahrhundert brachte Einfälle rechtsrheinischer Gruppen, aufgegebene Gutshöfe und einen dramatischen Bevölkerungsrückgang in beiden germanischen Provinzen.

Untergegangen ist die Bevölkerung deshalb nicht. In Jülich stand im vierten Jahrhundert eine starke Befestigung, die laut Ammianus Marcellinus im Jahr 357 noch in Gebrauch war, als fränkische Reiterei die Gegend plünderte. In Aachen wurde das Bad an der Kaiserquelle zwischen 350 und 360 zerstört, während man in die Thermen unter dem heutigen Münster eine Apsis einbaute und daraus eine Kirche machte.

Was blieb, ging in den Franken auf. Die Menschen zwischen Maas und Rur wurden Teil jener Verbände, aus denen später das Frankenreich hervorging, und aus dem alten Siedlungsraum wurde im Mittelalter der Jülichgau. Wer in Aachen Karls Pfalz sucht, steht über römischen Thermen, die die Sunuker gekannt haben dürften.

Was von ihnen bleibt

Es gibt kein Sunuker-Museum, kein Denkmal, keinen Feiertag. Was es gibt, ist ein kleiner, schwerer Stein aus dem Propsteier Wald mit vier Zeilen Text, eine Handvoll Fundamente auf dem Schildchen bei Kornelimünster, ein Bronzeblech im Britischen Museum und eine Zeile bei Tacitus. Für ein ganzes Volk ist das erschütternd wenig.

Gerade deshalb sind sie ein gutes Beispiel dafür, wie Geschichte in dieser Region wirklich aussieht. Nicht als große Erzählung, sondern als Reihe von Zufällen: ein Pflug, der 1761 in England etwas Falsches trifft, ein Waldstück bei Eschweiler, in dem 1856 ein Stein liegt, ein Grabungsteam, das 1907 auf einer Hochfläche zu graben beginnt.

Wenn wir in Alsdorf Namen und Zeichen in Schiefer und Holz setzen, arbeiten wir in einer Landschaft, in der Menschen vor knapp zweitausend Jahren dasselbe getan haben: Sie haben ihren Namen und den Namen ihrer Göttin in Stein schlagen lassen, damit etwas bleibt. Bei Ulpius Hunicius hat es funktioniert. Sein Gelübde steht noch.

Beleg: Gesichert ist wenig, aber es ist gut gesichert. Plinius nennt die Sunuci in seiner Völkerliste zwischen Tungrern und Frisiavonen (Naturalis historia IV,106). Tacitus berichtet zum Jahr 70, Civilis habe sie besetzt und ihre Jungmannschaft in Kohorten gegliedert (Historiae IV,66). Das Militärdiplom von Stannington, ausgestellt am 16. September 124 unter Hadrian, nennt die cohors I Sunucorum und einen Fußsoldaten, Sohn eines Albanus, mit der Herkunftsangabe Sunuker (RIB 2401.6, CIL XVI 70). Eine Bauinschrift aus Segontium in Wales bezeugt dieselbe Kohorte für die Jahre 198 bis 209 (RIB 430). Der Weihestein aus dem Propsteier Wald bei Eschweiler trägt vollständig lesbar die Formel Deae Sunuxsali Ulpius Hunicius votum solvit libens merito (CIL XIII 7858); insgesamt sind rund zehn Sunuxsal-Inschriften bekannt, darunter Varnenum (AE 1958, 14), Nideggen-Embken (CIL XIII 7912), Zülpich-Hoven mit Jahresangabe 239 (CIL XIII 7917) und Nettersheim (CIL XIII 12004). Der Tempelbezirk bei Aachen-Kornelimünster ist ausgegraben, seine Bronzetäfelchen nennen Varneno und Sunuxal.
Mythos-Check: Vieles, was populär über die Sunuker kursiert, ist Deutung. Dass Aachen ihre Hauptstadt gewesen sei, ist nicht belegt; im Aachener Kultbezirk wurde keine einzige Weihinschrift gefunden, die eine Gottheit nennt, und auch für Jülich oder Heerlen gibt es keinen Beweis als Vorort. Der Name Varnenum ist eine moderne Bildung aus dem Gottesnamen Varneno und stand nie auf einem antiken Wegweiser; ebenso ist Via Belgica eine Erfindung der jüngeren Archäologie, die Römer nannten Straßen nach ihren Erbauern. Ob die Sunuker eine eigene civitas bildeten oder nur einen pagus im Gebiet der Kölner Kolonie, ist offen. Die Gleichsetzung Sunuxals mit den rheinischen Matronen ist nicht haltbar: Sunuxal erscheint als Einzelgöttin, die Matronen treten zu dritt auf, auch wenn beide Kulte im selben Raum lebendig waren. Herleitungen des Volksnamens aus heutigen Ortsnamen, etwa aus Sinnich bei Voeren, bleiben Spekulation, und die Vermutung, die Sunuker seien Nachfahren der von Caesar genannten Segni oder ein Ableger der Ubier, ist eine Hypothese ohne Beweis. Vor allem aber: Nichts von dem, was wir zu wissen glauben, stammt von den Sunukern selbst.
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