Sie stehen in keinem Geschichtsbuch groß da, und doch führt ihre Spur von den Ebenen nördlich der unteren Donau bis in den Poitou: Die Taifalen kämpften mit den Römern, gegen sie und unter ihnen. Eigene Zeugnisse haben sie nicht hinterlassen, auch ihre Sprache ist verloren. Dieser Beitrag sammelt, was Ammianus Marcellinus, Zosimos, die Notitia Dignitatum und Gregor von Tours tatsächlich schreiben, trennt es von späteren Deutungen und sagt offen, wo wir nur Sekundärliteratur lesen konnten.
Die Taifalen (lateinisch Taifali, bei Zosimos Thaifaloi, bei Gregor von Tours Theifali) haben keine Zeile hinterlassen. Weder eine Inschrift noch ein Brief noch eine Sage in ihrer eigenen Sprache ist erhalten, ja nicht einmal die Sprache selbst lässt sich fassen. Was wir wissen, stammt aus römischen und fränkischen Federn: aus einem Soldaten und Geschichtsschreiber des 4. Jahrhunderts, aus einem Heeresverzeichnis, aus einem Bischof des 6. Jahrhunderts. Das ist ein Fenster mit schmutzigen Scheiben, aber es reicht überraschend weit, nämlich von den Ebenen nördlich der unteren Donau bis in die Gegend von Poitiers.
Auch der Name selbst gibt wenig preis. Eine gesicherte Herleitung gibt es nicht; wer ihn deutet, bewegt sich im Bereich der Vermutung. Wichtiger ist, wie die Quellen ihn behandeln: Sie führen die Taifalen durchweg als eigene gens, als eigenes Volk, das neben anderen steht und sich mit ihnen verbündet, ohne in ihnen aufzugehen. Das gilt später noch in Gallien, wo der Name über Jahrhunderte haften bleibt.
Die früheste Nennung, die in der Literatur regelmäßig angeführt wird, stammt aus dem Jahr 291. Ein Lobredner hielt damals vor dem Kaiser Maximian eine Rede; solche Reden sammelte man später als Panegyrici Latini, die „Lateinischen Lobreden“. In ihr sollen die Thervingen, ein Teil der Goten, zusammen mit den Taifalen gegen Vandalen und Gepiden gekämpft haben. Ich konnte diese Stelle nicht im Wortlaut prüfen; sie ist mir nur über die Sekundärliteratur (Wikipedia, die sich auf Herwig Wolfram stützt) bekannt. Sicher ist demnach nur, dass die Forschung hier den ältesten Beleg sieht, nicht, was genau der Redner schrieb.
Gelegentlich liest man auch von einem Einfall bereits um 248 in Niedermösien, an der Seite von Terwingen, Vandalen, Peukinern und Karpen. Diese Angabe steht in der deutschsprachigen Wikipedia; eine Primärquelle dafür habe ich nicht gefunden. Sie bleibt deshalb hier ein Hinweis, keine Tatsache.
Die Thervingen (auch Terwingen) und die Greuthungen sind die beiden großen gotischen Gruppen, die Ammianus Marcellinus am Ende des 4. Jahrhunderts unterscheidet; die einen saßen weiter westlich nahe Dakien, die anderen weiter östlich in den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres. Mehr über die Goten insgesamt steht im Beitrag über die Goten, über die Nachbarn im Westen im Beitrag über die Gepiden und die Vandalen.
Das Briefing zu diesem Artikel nannte „Kämpfe gegen Konstantin d. Gr. und Constantius“. Das lässt sich in dieser Form nicht halten. Belegt ist erstens eine Stelle bei Zosimos, zweitens eine bei Ammianus, und die beiden sagen Verschiedenes.
Zosimos, ein Geschichtsschreiber des späten 5. oder frühen 6. Jahrhunderts, der Konstantin dem Großen nicht wohlgesinnt war, erzählt im zweiten Buch (2,31,3), die Thaifali, von ihm als „skythischer“ Stamm bezeichnet, seien in Konstantins Gebiet eingefallen. Der Kaiser habe nicht gegen sie ins Feld geführt, den größten Teil seiner Truppen verloren, die Feinde bis an seine Verschanzungen plündern sehen und sich selbst durch Flucht gerettet. So lautet es in der anonymen englischen Übersetzung von 1814, die ich über Livius.org gelesen habe, und zwar nur in einer Zusammenfassung des Abrufs, nicht in einer Sicht auf die gedruckte Seite. Ein Jahr nennt Zosimos nicht.
Hier muss man vorsichtig sein. „Skythen“ war für antike Autoren ein altes Sammelwort für Steppenvölker nördlich des Schwarzen Meeres; es sagt über die Herkunft der Taifalen kaum etwas. Zosimos schrieb zudem aus der Sicht eines Heiden und wollte Konstantin als schwachen Herrscher zeigen. Die Wikipedia fasst die Stelle anders zusammen, nämlich als Gefecht mit einer 500 Mann starken taifalischen Reiterabteilung im Jahr 332; in dem Text, den ich abrufen konnte, fand ich weder Reiter noch eine Jahreszahl. Wer das genau wissen will, muss die griechische Vorlage (etwa bei Paschoud, Zosime, Histoire nouvelle) selbst aufschlagen.
Dass Konstantin die Taifalen regelmäßig bekämpft, unterwirft oder in Kleinasien ansiedelt, wie es manche Darstellungen schreiben, ließ sich an keiner Stelle bestätigen, die ich lesen konnte. Es bleibt eine Behauptung der Sekundärliteratur.
Mit Ammianus Marcellinus wird der Boden fester. Der Mann stammte vermutlich aus Antiochia, diente als Offizier und schrieb gegen Ende des 4. Jahrhunderts auf Latein eine Geschichte Roms, die Res gestae. Von ihr sind die Bücher 14 bis 31 erhalten. Die Taifalen kommen darin an drei Stellen vor.
Die erste liegt im 17. Buch (17,13,19–20). Kaiser Constantius II. führt Krieg gegen die Sarmaten, ein iranisch sprechendes Reitervolk nördlich der Donau, und deren aufständische Untertanen, die Limiganten. Als die Römer gegen die Gruppe der Picenses vorgehen, die sich in unwegsamem Gelände hielt, holen sie „Taifalen und freigeborene Sarmaten“ zu Hilfe. Die regulären Truppen besetzen den Raum nahe Moesien, die Taifalen den Abschnitt nahe ihren eigenen Wohnsitzen, die freien Sarmaten den Streifen vor ihrem früheren Standort. Die Forschung setzt diese Ereignisse üblicherweise ins Jahr 358; Ammianus selbst nennt in dem von mir gelesenen Abschnitt keine Jahreszahl.
Dreierlei lässt sich daraus ableiten. Die Taifalen sind zu dieser Zeit weder Feinde Roms noch Untertanen; sie stehen als Verbündete bereit, foederati würde man später sagen, also Bundesgenossen, die gegen Gegenleistung Kriegsdienst tun. Sie haben „Wohnsitze“ unmittelbar an der Donaugrenze. Und sie kämpfen neben Sarmaten, nicht neben Goten, was die Nachbarschaft zu den Sarmaten beleuchtet, aber noch nichts über Verwandtschaft sagt.
Die zweite Stelle (31,3,7) führt ins Jahr 376 und in das Reich der Thervingen. Als die Hunnen nach Westen drängten, ließ der gotische Anführer Athanarich, so Ammianus, eine hohe Mauer errichten, die „von den Höhen des Flusses Gerasus bis zur Donau“ an den Ländern der Taifalen entlang laufen sollte. Welcher Fluss mit dem Gerasus gemeint ist, bleibt umstritten: Die Übersetzung von Yonge setzt den Pruth ein, andere Ausgaben den Siret. Das lässt sich hier nicht entscheiden. Aussagekräftig ist ohnehin etwas anderes. Die Taifalen siedeln zwischen dem gotischen Kernland und der Donau; ihr Land liegt demnach dort, wo moderne Autoren Oltenien und die Walachei verorten, im Süden des heutigen Rumänien. Das ist eine Rekonstruktion aus dem Text, keine Ortsangabe der Quelle.
Ammianus berichtet weiter, Athanarich habe die Mauer nicht fertigstellen können, weil die Hunnen ihn überrumpelten. Der Gotenverband zerbrach unter dem Druck; ein großer Teil zog unter Fritigern an die Donau und bat um Aufnahme ins Reich. Dass auch die Taifalen in diese Bewegung gerieten, geht aus dem dritten Textstück hervor. Ambrosius von Mailand soll die Kette ebenfalls beschrieben haben, Hunnen gegen Alanen, Alanen gegen Goten, Goten gegen Taifalen und Sarmaten. Auch das kenne ich nur aus der Wikipedia, der Wortlaut ist ungeprüft.
Die dritte Stelle (31,9,3–4) ist die ausführlichste, und an ihr zeigt sich ein weiterer Fehler im Briefing. Es fragte nach einem „Tod des Frigeridus“. Der Römer Frigeridus, ein hoher Offizier mit dem Titel dux (Befehlshaber eines Grenzabschnitts), stirbt in dieser Passage nicht. Er tötet vielmehr.
Nach Ammianus hatten ihm die Goten nachgestellt, Frigeridus wich über Gebirge und Wälder nach Illyricum aus und traf unterwegs auf Farnobius, einen Anführer der Goten („Gothorum optimatem“), der mit einer plündernden Schar umherzog. Bei ihm befanden sich Taifalen, die er kürzlich als Verbündete aufgenommen hatte und die den Fluss überschritten hatten, während die römischen Soldaten durch die Furcht vor den Völkern verstreut waren. Frigeridus griff an. Farnobius fiel mit vielen seiner Leute. Die Überlebenden flehten um Gnade, und Frigeridus verschonte sie. Er wies ihnen Land bei den italischen Städten Mutina, Regium und Parma zu, also Modena, Reggio und Parma, wo sie als Bauern arbeiten sollten.
Wie es der Brauch war, nahm Rom besiegte Gruppen auf, wenn sie Land bearbeiten konnten. Man nennt solche Bauern coloni, an die Scholle gebundene Pächter. Der Fall zeigt, was das Reich mit den Taifalen vorhatte: nicht Vernichtung, sondern Arbeit und, wo möglich, Dienst. Eine Jahreszahl nennt Ammianus nicht; die Forschung rechnet mit 377. Ob Ammianus Farnobius zu den Greuthungen zählt, geht aus dem gelesenen Abschnitt nicht hervor; Wikipedia ordnet ihn dort ein, der Text nennt ihn schlicht einen Goten.
Unmittelbar auf den Sieg folgt (31,9,5) eine Beschreibung der Taifalen, die in jeder Darstellung zitiert wird und doch fast immer verkürzt. Sie ist heikel, und sie verdient deshalb nüchterne Wiedergabe. Ammianus schreibt, man habe erfahren („accepimus“), dass dieses Volk dem Laster schändlicher Ausschweifung verfallen sei. Die jungen Männer würden mit Knaben in ein Verhältnis gebracht, das er als sexuell bezeichnet und das beide Seiten körperlich auszehre. Wer aber schon erwachsen sei und ganz allein einen Eber stelle oder einen mächtigen Bären erlege, werde von dieser Befleckung befreit.
Wer aber schon erwachsen ist und allein einen Eber stellt oder einen gewaltigen Bären erlegt, der wird von der Befleckung der Unkeuschheit befreit.Ammianus Marcellinus, Res gestae 31,9,5 (lateinisch: „porro siqui iam adultus aprum exceperit solus vel interemerit ursum immanem, conluvione liberatur incesti“); eigene Übersetzung, Wortlaut geprüft über The Latin Library (nur als Textfragment abgerufen)
Zwei Dinge sind hier festzuhalten. Ammianus beruft sich auf Hörensagen („wie wir erfahren haben“); er war nicht dabei. Und der Bericht fügt sich in ein Muster: Römische Autoren schilderten Randvölker gern mit sexuellen Sitten, die vom römischen Maßstab abweichen sollten. Ob die Beschreibung etwas Wirkliches trifft, etwa eine Form von Altersklassen oder Männerbund-Riten mit Mutprobe, oder ob sie einem literarischen Topos folgt, lässt sich nicht entscheiden. Dass die Mutprobe, Eber oder Bär allein zu jagen, den Übergang in den Kreis der Erwachsenen markierte, ist eine plausible Lesart, mehr nicht. Vergleichbare Belege aus anderen Quellen sind mir für die Taifalen nicht bekannt.
Das dritte große Zeugnis ist ein Behördenverzeichnis. Die Notitia Dignitatum, entstanden um 400 und in einer Fassung bis in die 420er fortgeschrieben, listet Ämter und Truppen des Ost- und Westreichs auf. Die Taifalen erscheinen dort in mehreren Zusammenhängen, und hier gebe ich ausdrücklich Sekundärliteratur wieder, denn den Text der Handschriften habe ich nicht eingesehen.
Am sichersten ist die Stelle zu Gallien: ein „Praefectus Sarmatarum et Taifalorum gentilium Pictavis in Gallia“, ein Präfekt für Sarmaten und Taifalen, die als gentiles ansässig waren, mit Sitz in Poitiers. Gentiles bezeichnet Kontingente fremder Herkunft, die auf römischem Boden angesiedelt waren und dem Heer Rekruten stellen mussten; die Abgrenzung zu den ähnlichen laeti ist in der Forschung strittig. Dazu kommen berittene Einheiten mit Taifalennamen, laut Sekundärliteratur eine in Britannien (Equites Taifali), eine in Gallien (Equites Honoriani Taifali iuniores) und möglicherweise eine in Afrika. Zahl, Zuordnung und Zeitpunkt der Aufstellung variieren zwischen den Darstellungen. Dass Taifalen im Römerheer dienten, ist sicher; wo genau, wann und in welcher Stärke, lässt sich auf meiner Quellenbasis nicht eindeutig sagen.
Mehr als zwei Jahrhunderte später taucht der Name wieder auf, nun im Westen. Gregor von Tours, Bischof, schrieb im späten 6. Jahrhundert die Zehn Bücher Geschichten (Historiae, oft „Frankengeschichte“ genannt) und mehrere Heiligenbücher. An drei Stellen stehen die Theifali.
In Historiae IV,18 erzählt er von Austrapius, einem Herzog, der sich vor dem aufständischen Königssohn Chramn in die Martinsbasilika von Tours geflüchtet hatte und später zum Bischof geweiht wurde. Er rechnete damit, im Bistum Poitiers dem Bischof Pientius nachzufolgen. König Charibert (Regierungszeit 561 bis 567) setzte jedoch einen anderen ein, Pascentius. Austrapius protestierte vergeblich, kehrte in seine Burg zurück, und dort, so der lateinische Wortlaut, brach gegen ihn ein Aufstand der Theifali aus („mota super se Theifalorum seditione“). Er wurde von einer Lanze getroffen und starb. Die Theifali habe er, so die Zusammenfassung eines regionalen Aufsatzes, „oft bedrückt“; den vollen lateinischen Satz las ich nur in Ausschnitten. Die deutsche Wikipedia sagt, die Taifalen hätten ihren Bischof getötet, weil ihnen der Frankenkönig ihn aufgezwungen habe; im Text, den ich las, wird nicht ein Bischof getötet, sondern Austrapius, der selbst Bischof werden wollte. Die Darstellung der Wikipedia ist hier ungenau.
In Historiae V,7 stirbt in Tours der Priester Senoch, den Gregor ausdrücklich als „genere Theifalus“ bezeichnet, von taifalischer Herkunft. Sein Leben füllt ein eigenes Kapitel der Vitae Patrum (XV). Dort liegt nach der Sekundärliteratur seine Heimat in jenem Gau von Poitiers, „den man Theiphalia nennt“. Den lateinischen Satz konnte ich nur über Dritte lesen. Er belegt, dass es im 6. Jahrhundert im Poitou eine Landschaft gab, die nach den Taifalen hieß und in der man sich noch an ihre Herkunft erinnerte.
Der Ort Tiffauges in der heutigen Vendée und der Name eines mittelalterlichen pagus Theofalgicus werden regelmäßig als Nachhall der Taifalen genannt. Das ist plausibel und wird häufig vertreten; zwingend ist es nicht. Ein regionaler Aufsatz hält gerade Tiffauges für zu weit entfernt von den Schauplätzen bei Gregor und verlegt die Taifalen eher in die Gegend um Lusignan. Eine allgemein anerkannte Lösung kenne ich nicht.
Am Rand der Überlieferung finden sich weitere Hinweise, alle nur aus der Sekundärliteratur. Der Ortsname Taivalo in der Emilia, später San Giovanni in Persiceto, soll in langobardischer Zeit noch an die von Frigeridus Angesiedelten erinnern. Mit den Westgoten, so heißt es, gelangten Taifalen 412 nach Aquitanien und lebten später als deren Untertanen. Im Jahr 507 sollen sie bei Vouillé auf der Seite der Franken gestanden haben, als Chlodwig das westgotische Heer schlug; das beruht, soweit ich sehe, auf einer einzigen modernen Lesart (Bachrach), die sich auf keine eindeutige Quellenzeile stützt. Die letzte Erwähnung als eigenes Volk läge nach diesen Angaben 565. Ich habe keine dieser Aussagen an einer Primärquelle prüfen können.
Auch Ortsnamen wie Touffailles, Chauffailles oder Taphaleschat werden als Echo des Namens gedeutet. Sprachlich ist das denkbar; das lässt sich derzeit nicht eindeutig belegen. Ähnliche Lautungen können auch anderswo und aus anderen Wurzeln entstehen.
Die Frage, ob die Taifalen „germanisch“ waren, stellt sich in diesem Fall besonders hartnäckig. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Manche Darstellungen rechnen sie zu den Ostgermanen und sehen sie als eng mit den Goten verbunden. Andere, so lese ich in der Sekundärliteratur, betonen eine Nähe zu den Sarmaten oder gar eine asiatische Herkunft; Otto Maenchen-Helfen etwa fand „keine Belege“, dass sie Germanen waren. Wolfram denkt, laut Wikipedia, an einen möglichen keltischen „Kultnamen“ oder an eine Verbindung zu den vandalischen Lakringen. Das alles sind Deutungen, jede mit ihren eigenen Annahmen.
Was die Quellen selbst hergeben, ist schmal. Ammianus stellt die Taifalen neben Goten und Sarmaten, trennt sie jedoch von beiden. Zosimos nennt sie „Skythen“, was bloß heißt, dass er sie dem Steppenraum zuordnete. Keine antike Stelle bezeichnet sie als Germanen; das Wort Germani taucht in den Passagen, die ich gelesen habe, in diesem Zusammenhang nicht auf. Ihre Sprache ist nicht überliefert. Eine sichere archäologische Zuordnung konnte ich nicht belegen. Denkbar ist ein vielschichtiger Verband. Das legt auch die moderne Beobachtung nahe, die terwingische Führungsschicht habe sich aus vielen Gruppen zusammengesetzt, darunter Taifalen, Sarmaten, Daker und Karper. Ob dieser Befund auf die Taifalen selbst übertragbar ist, bleibt offen.
Wer die Taifalen daher als „germanisch“ etikettiert, trifft eine Entscheidung, die über die Quellen hinausgeht. Wer sie als „gotennah“ beschreibt, gibt wenigstens wieder, was die Quellenlage zeigt: enge politische Verbindung, gemeinsame Kriegszüge, aber ein eigener Name.
Am Ende steht eine kurze Sortierung. Gesichert im Sinne der gelesenen Quellen sind die Auftritte bei Ammianus (358 als Hilfsvolk, 376 als Anrainer der gotischen Mauer, um 377 als Verbündete des Farnobius), die Ansiedlung der Überlebenden in Norditalien und die Gestalt der Theifali im Poitou bei Gregor. Plausibel sind der Zusammenhang zwischen Hunnendruck und dem Untergang des Verbandes, die Verbindung der Poitevin-Taifalen mit der Notitia-Dignitatum-Stelle in Poitiers und die Herleitung mancher Ortsnamen. Gedeutet bleiben ihre ethnische Zugehörigkeit, die Bedeutung des Eber-und-Bär-Rituals und die Vorstellung einer langen, kontinuierlichen Linie von der unteren Donau bis zur Loire.
Ein Volk, von dem keine Worte erhalten sind und dessen Spuren in römischen Verwaltungslisten, einem Kampfbericht und einer fränkischen Bischofschronik stecken, lässt sich nicht ohne Lücken beschreiben. Die Lücken auszuweisen gehört deshalb zur Darstellung selbst: Wer sie füllt, erfindet.

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