Wer in Le Mans an der roten Römermauer entlanggeht, steht auf dem Boden der Cenomanen. Wer in Brescia das Kapitol besucht, ebenfalls. Zwischen beiden Städten liegen gut tausend Kilometer und die Alpen. Derselbe Volksname taucht in der Antike an beiden Orten auf, und schon die Römer haben daraus eine Geschichte gemacht: Die italischen Cenomanen seien einst aus Gallien über die Berge gekommen. Ob das stimmt, ist bis heute eine offene Frage. Genau darum lohnt es sich, beide Gruppen nebeneinanderzustellen und sauber zu trennen, was die Quellen sagen und was wir hineinlesen.

Die antiken Autoren kennen Cenomanen an zwei, streng genommen an drei Stellen. Die einen leben im Westen Galliens zwischen Seine und Loire, im heutigen Département Sarthe; ihr Hauptort ist das spätere Le Mans. Die anderen sitzen in Oberitalien, im Osten der Poebene zwischen Oglio und Etsch, mit Brixia, dem heutigen Brescia, als Mittelpunkt. Dazu kommt eine knappe Notiz des älteren Cato, der Cenomanen in der Nähe von Massalia unter den Volcae ansiedelt.
Die naheliegende Vermutung lautet: ein Volk, das sich geteilt hat, oder Auswanderer, die ihren Namen mitnahmen. Die antike Überlieferung legt das nahe, die Forschung ist vorsichtiger. Dieser Artikel geht beide Gruppen nacheinander durch und fragt am Ende, was sie wirklich verbindet. Wer die anderen keltischen Völker Oberitaliens schon kennt, etwa die Insubrer, die Boier oder die Senonen, wird vieles wiedererkennen. Einen Überblick über die keltische Welt insgesamt gibt unser Artikel über die Kelten.
In Gallien treten die Cenomanen nie allein auf, sondern mit einem Vornamen: Aulerci Cenomani. Die Aulercer waren offenbar ein größerer Verband, dessen Teile jeweils einen eigenen Beinamen trugen. Caesar kennt die Aulerci Eburovices an der unteren Seine, deren Name in Évreux weiterlebt, und die Aulerci Cenomani. Dazu kommen die Diablintes, deren Hauptort Noviodunum beim heutigen Jublains lag, und in einer Liste der Klienten der Häduer die Aulerci Brannovices.
Was diese Gruppen zusammenhielt, sagt keine Quelle. Der französische Keltologe Venceslas Kruta hat vorgeschlagen, es könnten Teilgebiete eines älteren Volkes gewesen sein, die sich im Lauf der Zeit verselbständigten. Plinius der Ältere formuliert es in seiner Liste Galliens so, als handle es sich um Beinamen: Aulercer, die man Eburovices nennt, und solche, die man Cenomanen nennt. Die Cenomanen gelten dabei als der größte und mächtigste Teil des Verbands.
Wer bei Caesar nach den Cenomanen sucht, findet weniger als erwartet. An mehreren Stellen spricht er nur allgemein von den Aulercern. Im Jahr 57 v. Chr. meldet ihm Publius Crassus die Unterwerfung der Völker am Ozean, darunter die Aulerci, ohne Beinamen. Im Aufstandsjahr 52 v. Chr. schließen sich laut Buch VII,4 die Aulercer dem Vercingetorix an, wieder ohne nähere Angabe. Und der alte Camulogenus, der vor Lutetia das gallische Heer führt, heißt in VII,57 bloß Aulercus. Welchem Teilverband diese Stellen gelten, lässt sich nicht entscheiden.
Ausdrücklich genannt werden die Cenomanen genau dort, wo Caesar die Kontingente für das Entsatzheer von Alesia aufzählt. In VII,75 heißt es nach einer Reihe von Völkern mit je fünftausend Mann: Aulercis Cenomanis totidem, den Aulerci Cenomani ebenso viele. Im selben Kapitel stehen etwas weiter die Eburovices mit dreitausend Mann neben den Veliocassen und Lexoviern, über die wir im Artikel zu den Veliocassen geschrieben haben. Fünftausend Mann sind im Vergleich viel: mehr als die Atrebaten, weniger als Senonen oder Carnuten. Wie alle Zahlen dieser Liste sind es Anforderungen des gallischen Kriegsrats, keine gezählten Soldaten.
Ptolemaios nennt im 2. Jahrhundert n. Chr. den Hauptort der Aulerci Cenomani Vindinon, lateinisch Vindinum oder Vindunum. Die Stadt liegt auf einem Sporn über der Sarthe. Ob dort vor der römischen Zeit ein Oppidum stand, ist nicht gesichert; archäologisch greifbar ist bisher unter anderem eine Anlage aus der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr., die als kleiner Quellbezirk gedeutet wird. Die eigentliche Stadt nimmt erst um die Zeitenwende Gestalt an, wächst im 1. und 2. Jahrhundert und erreicht um 200 n. Chr. nach heutigen Synthesen etwa sechzig Hektar.
Wie bei vielen gallischen Hauptorten verdrängt später der Volksname den Ortsnamen. Seit dem 3. Jahrhundert ist von der civitas Cenomannorum die Rede, um 400 steht in der Notitia die Form Ceromannos. Aus Cenomannis wurde über mittelalterliche Zwischenstufen Le Mans, und die Landschaft heißt bis heute Maine. Sogar die Geologie trägt den Namen: Der französische Paläontologe Alcide d'Orbigny benannte im 19. Jahrhundert eine Stufe der Oberkreide nach der Gegend um Le Mans als Cenomanium.
Zum städtischen Umfeld gehört das große Heiligtum von Allonnes wenige Kilometer südwestlich, wo ein Mars mit dem Beinamen Mullo verehrt wurde. Ein Tempel für diesen Gott entstand gegen Ende des 1. Jahrhunderts auch in der Stadt selbst.
Das auffälligste Zeugnis der gallischen Cenomanen ist kein keltisches Bauwerk, sondern ein spätrömisches. Die Stadtmauer von Le Mans umschloss auf rund 1300 Metern Länge ein unregelmäßiges Viereck von etwa 450 mal 200 Metern, also nur noch gut acht Hektar. Rund 500 Meter sind erhalten, dazu mehrere Türme. Berühmt ist die Mauer für ihre Schmuckmuster aus verschiedenfarbigen Steinen und Ziegeln, die ihr den Beinamen der roten Stadt eingetragen haben. Seit 1862 steht sie unter Denkmalschutz.
Lange galt die Mauer als Bau des späten 3. Jahrhunderts. Neuere Untersuchungen setzen sie eher in den Anfang des 4. Jahrhunderts. Für unsere Frage ist wichtiger, was die Mauer zeigt: Die Stadt war geschrumpft, sie zog sich hinter eine kleine, repräsentative Befestigung zurück. Mit den Cenomanen Caesars hat das Bauwerk rund drei Jahrhunderte Abstand. Es ist ein Denkmal der Civitas, die den Namen des Volkes trug, nicht des Volkes selbst.
Für die italischen Cenomanen haben wir eine Herkunftsgeschichte, und sie stammt von Livius. Im fünften Buch erzählt er, wie der Biturigerkönig Ambigatus seine Neffen Bellovesus und Segovesus mit Scharen von Auswanderern aussandte, Segovesus in den herkynischen Wald, Bellovesus nach Italien. Bellovesus gründet Mediolanum, das spätere Mailand. Dann folgt die Stelle, an der die Cenomanen auftreten:
Alia subinde manus Cenomanorum Etitovio duce vestigia priorum secuta eodem saltu favente Belloveso cum transcendisset Alpes, ubi nunc Brixia ac Verona urbes sunt locos tenuere.
„Bald darauf folgte eine weitere Schar, die der Cenomanen, unter der Führung des Etitovius den Spuren der Früheren. Mit Unterstützung des Bellovesus überschritt sie die Alpen über denselben Pass und besetzte die Gegend, in der heute die Städte Brixia und Verona liegen."Livius, Ab urbe condita V,35,1; lateinischer Wortlaut nach den gängigen Ausgaben (der Name des Anführers erscheint auch als Elitovius), deutsche Übertragung von uns selbst angefertigt
Der Satz sagt erstaunlich wenig. Er nennt kein Herkunftsgebiet, er sagt nicht, dass diese Cenomanen von der Sarthe kamen. Er setzt nur voraus, dass sie wie Bellovesus aus dem Gallien jenseits der Alpen stammten. Und er legt die ganze Wanderung in die Zeit des römischen Königs Tarquinius Priscus, also um 600 v. Chr. Die meisten anderen antiken Quellen und die heutige Forschung setzen die keltische Einwanderung nach Oberitalien deutlich später an, im späten 5. und im 4. Jahrhundert.
Der britische Althistoriker J. H. C. Williams hat die Erzählung als bewusst gebaute Gründungsgeschichte gelesen: Sie verknüpft die Ankunft der Gallier mit der Gründung Massalias und macht aus einem Einfall eine geordnete Koloniegründung. Damit bekamen Völker wie Insubrer und Cenomanen, die in Rom noch als Gallier galten, eine weniger barbarische Vergangenheit. Man muss dieser Deutung nicht in allem folgen, um die Grundregel mitzunehmen: Livius schreibt Jahrhunderte nach den Ereignissen, und seine Wanderungssage ist Literatur mit einem Zweck.
Das Gebiet der italischen Cenomanen lag östlich der Insubrer. Nach Westen trennte sie der Oglio von ihren oft verfeindeten Nachbarn, nach Süden reichte es an den Po, nach Norden an das Moränenland um den Gardasee, nach Osten bis an den Tartaro oder die Etsch, wo die Veneter begannen. Polybios, der im 2. Jahrhundert v. Chr. schreibt und die Form Gonomanoi gebraucht, beschreibt sie als das östlichste gallische Volk nördlich des Po.
Ihr Mittelpunkt war Brixia. Livius nennt die Stadt in XXXII,30 ausdrücklich caput gentis, Hauptort des Volkes, so wie Mediolanum für die Insubrer. Das Land darum war nach archäologischem Befund von vielen kleinen, verstreuten Siedlungen geprägt. Man kennt sie vor allem über Gräberfelder, etwa im Moränenamphitheater des Gardasees und in der Ebene zwischen Mella, Chiese und Oglio. Die Toten wurden unverbrannt beigesetzt, Männer mit Schwert, Lanze und Schild, Frauen oft mit Halsring und Armschmuck.
Aus diesem Raum stammen berühmte Stücke: ein verzierter Helm aus Gottolengo aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr., das außergewöhnliche Grab von Castiglione delle Stiviere mit getriebenen Bronzeblechen keltischer Machart und der Schatz von Manerbio mit silbernen Phaleren und rund 1400 Silberdrachmen. Die Drachmen tragen eine Legende in lepontischer Schrift und liefen zwischen Mailand und Verona um. Ob man sie als Münzen gerade der Cenomanen bezeichnen darf, ist umstritten.
Livius nennt Brixia und Verona in einem Atemzug. Das klingt nach einer klaren Zuweisung, ist es aber nicht. Plinius der Ältere zählt Verona in seiner Beschreibung der zehnten Region Italiens zu den Städten der Räter und Euganeer. Im Veroneser Raum sind cenomanische Fundplätze dennoch gut belegt, vor allem zwischen Povegliano und Vigasio, und in der Stadt selbst hat das Gräberfeld beim Seminario Vescovile Bestattungen des 3. bis 1. Jahrhunderts v. Chr. geliefert. Eine 2024 veröffentlichte Studie hat dort unter anderem Gräber untersucht, in denen Menschen zusammen mit Tieren beigesetzt wurden.
Die Widersprüche lösen sich, wenn man eine Unterscheidung ernst nimmt, auf die der Archäologe Ermanno Arslan hingewiesen hat: Die Herrschaft einer führenden Gruppe über ein Gebiet heißt nicht, dass alle Bewohner dieselbe Kultur hatten. Verona kann in einem Gebiet gelegen haben, das die Cenomanen beherrschten, und trotzdem eine ältere, nicht keltische Bevölkerung gehabt haben. Eine Gründung Veronas durch die Cenomanen behauptet übrigens nicht einmal Livius; er sagt nur, sie hätten die Gegend besetzt, wo die Stadt heute liegt.
In der großen Auseinandersetzung zwischen Rom und den Galliern Oberitaliens standen die Cenomanen lange auf der römischen Seite. Polybios berichtet, dass vor dem gallischen Großangriff des Jahres 225 v. Chr. Veneter und Cenomanen Gesandte schickten und Rom sich für sie als Bundesgenossen entschied. Beide Völker stellten zusammen mit den Umbrern Truppen, die das Gebiet der Boier bedrohen und so gallische Kräfte binden sollten.
Ganz vertraut hat Rom den neuen Freunden nicht. Für den Feldzug gegen die Insubrer im Jahr 223 berichtet Polybios, der Konsul Flaminius habe den gallischen Verbündeten misstraut und sie in der entscheidenden Schlacht nicht an der Seite der Legionen kämpfen lassen. Die Schlacht von Clastidium im Jahr 222, in der Marcus Claudius Marcellus den Gaesatenführer im Zweikampf tötete, richtete sich gegen Insubrer und Gaesaten. Eine Beteiligung der Cenomanen wird dort in den Quellen nicht erwähnt.
Den stärksten Satz über die Treue der Cenomanen hat wieder Livius. Als Hannibal 218 v. Chr. in Italien steht und die Römer an der Trebia ihr Heer aufstellen, zählt er neben achtzehntausend Römern und zwanzigtausend Bundesgenossen auxilia praeterea Cenomanorum auf und fügt hinzu: Nur dieses gallische Volk sei in der Treue geblieben. Dass alle anderen Gallier Oberitaliens zu Hannibal neigten, machte die Cenomanen zu einem wertvollen Stützpunkt nördlich des Po. Auf ihrem Land wurde im selben Jahr die Kolonie Cremona gegründet.
Die Treue hielt nicht bis zum Ende. Nach dem Hannibalkrieg, im Jahr 200 v. Chr., griffen laut Livius Insubrer, Cenomanen und Boier unter der Führung eines Karthagers namens Hamilkar die Kolonie Placentia an und zerstörten sie. Drei Jahre später, 197, zog der Konsul Gaius Cornelius Cethegus gegen Insubrer und Cenomanen, die gemeinsam am Mincius lagerten, dem Fluss, der aus dem Gardasee kommt.
Livius erzählt, was dann geschah, auffallend vorsichtig. Cethegus schickte Unterhändler in die Dörfer der Cenomanen und nach Brixia. Dort erfuhr er, die jungen Männer hätten ohne Zustimmung der Älteren zu den Waffen gegriffen; der Abfall sei kein Beschluss des Volkes gewesen. Die Cenomanen hielten sich daraufhin zurück. Für die folgende Schlacht, in der die Insubrer schwer geschlagen wurden, fügt Livius hinzu, manche Autoren behaupteten, die Cenomanen seien den Insubrern mitten im Kampf in den Rücken gefallen. Ein Verrat am Mincius ist also nicht gesicherte Überlieferung, sondern eine Nachricht, die Livius selbst nur als Behauptung einiger Gewährsleute weitergibt.
Nach 197 gab es in der Ebene nördlich des Po keine größeren gallischen Kriege mehr. Eine Episode aus dem Jahr 187 v. Chr. zeigt, wie das Verhältnis nun aussah: Ein römischer Prätor ließ die Cenomanen entwaffnen, obwohl sie Frieden hielten. Sie beschwerten sich beim Senat, und der Senat gab ihnen die Waffen zurück. Die Cenomanen waren jetzt abhängige Bundesgenossen, aber mit einem Anspruch auf Recht.
Cicero erwähnt in seiner Rede für Balbus Verträge mit gallischen Völkern, die ausdrücklich ausschlossen, dass einzelne ihrer Angehörigen das römische Bürgerrecht erhielten. In den heutigen Ausgaben werden dort meist die Insubrer und Cenomanen gelesen; die Namensform an dieser Stelle beruht allerdings auf einer Verbesserung der Herausgeber. Mit dem Gesetz des Pompeius Strabo von 89 v. Chr. erhielten die Gemeinden nördlich des Po das latinische Recht, später das volle Bürgerrecht.
Brixia bekam schon im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. ein Heiligtum nach italischem Vorbild und wurde unter Augustus Kolonie. In der augusteischen Neuordnung Italiens verschwand der Gallierbegriff von der Landkarte: Das Land nördlich des Po hieß nun Transpadana, während Ligurer und Veneter ihren Namen in Regionsbezeichnungen behielten. Auf dem Land allerdings hielten sich Waffenbeigaben und alte Bestattungssitten bis ins 1. Jahrhundert v. Chr., zu einer Zeit, als Brixia längst römische Tempel baute.
Damit sind wir bei der eigentlichen Frage. Für einen Zusammenhang spricht zunächst der Name, der in beiden Ländern vorkommt und selten ist. Dazu kommt die antike Überzeugung, die Gallier Oberitaliens seien aus dem transalpinen Gallien eingewandert, und Livius' Bericht von einer Schar Cenomanen, die über die Alpen kam. Catos Notiz über Cenomanen bei Massalia ließ manche Forscher an eine Zwischenstation auf dem Weg nach Italien denken.
Gegen eine einfache Gleichung spricht einiges. Livius nennt kein Herkunftsgebiet. In Gallien sind die Cenomanen Teil der Aulercer und tragen den Namen als Beinamen, in Italien heißen sie einfach Cenomanen, ohne jeden Aulercer-Bezug. Der französische Keltologe Henri d'Arbois de Jubainville hat außerdem aus der Lautentwicklung argumentiert: Dass die Silbe man in Le Mans erhalten blieb, setze eine betonte, lange Silbe voraus, die italische Form sei anders gebaut; er hielt die beiden Völker deshalb für verschieden. Auch Catos Cenomanen passen zeitlich schlecht: Die Volcae kamen nach Ansicht von Guy Barruol erst im frühen 3. Jahrhundert ins Languedoc, zu spät für eine Station vor der Einwanderung nach Italien.
Die Archäologie hilft nur begrenzt. Im Gebiet der italischen Cenomanen erscheinen Latène-Funde nach Williams deutlich später, als die literarische Überlieferung es erwarten lässt; die meisten veröffentlichten Stücke gehören ins 3. Jahrhundert v. Chr. Und eine archäologische Kultur verrät ohnehin nicht, woher ein Volksname stammt. Ehrlich bleibt nur dieser Befund: Dieselbe Bezeichnung ist in beiden Ländern belegt. Ob dahinter eine gemeinsame Herkunft, eine Abspaltung oder schlicht ein gleich gebildeter Name steht, lässt sich aus den Quellen nicht entscheiden. Ähnliche Doppelungen kennt man von anderen Völkern, etwa den Volcae, den Boiern oder den Galatern in Kleinasien.
Die Bedeutung des Namens ist unsicher. Das erste Element wird meist zu einer keltischen Wurzel ceno- gestellt, die „fern, weit" bedeuten könnte. Für das zweite Element gibt es zwei Vorschläge: ein Wort für „gut" oder eine Wurzel für „gehen". Die Sprachwissenschaftlerin Patrizia de Bernardo Stempel hat den Namen entsprechend als „die weit Gehenden" gedeutet. Pierre-Yves Lambert schlug dagegen eine Verbindung zu einem Wortstamm für „abstammen, entspringen" vor, der Name bedeutete dann etwa „die Gezeugten".
Die erste Deutung ist verführerisch, weil sie zur Wanderungssage passt. Genau deshalb sollte man vorsichtig sein: Eine Etymologie, die eine Geschichte bestätigt, die man ohnehin erzählen möchte, beweist diese Geschichte nicht. Der Name kann eine Wanderung meinen, er kann ein Ehrenname sein, er kann etwas ganz anderes bedeuten. Wie bei den Caleten oder den Eburovices lebt er vor allem als Ortsname weiter, hier in Le Mans und im Maine. In Italien dagegen ist er verschwunden, obwohl dort die Geschichte der Cenomanen viel ausführlicher überliefert ist.

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