Zwischen zwei flachen Haffseen an der hinterpommerschen Küste lebte bis ins 20. Jahrhundert eine westslawische, evangelische Bevölkerung, deren Sprache heute niemand mehr spricht. Die Slowinzen sind kein Sagenstoff und keine ferne Vorzeit: Ihr Verschwinden liegt in der Reichweite von Fotografien, Tonaufnahmen und Familienerinnerungen. Dieser Artikel erzählt, was belegt ist, was umstritten bleibt – und wo die gängigen Erzählungen über sie nicht tragen.
Das Museum in Kluki, das ihre Kultur heute bewahrt, formuliert es in seiner Selbstbeschreibung ohne Beschönigung: die Slowinzen seien ein Volk, das nur noch eine Vergangenheitsform besitze. Es gibt heute keine slowinzischsprachige Gemeinschaft mehr, keine Institution, die sich in ihrem Namen äußert, und keine unstrittige Antwort auf die Frage, ob es die Slowinzen als eigenes Volk überhaupt jemals in dem Sinne gegeben hat, in dem das 19. Jahrhundert von Völkern sprach.
Gerade deshalb ist ihre Geschichte lehrreich. Sie zeigt, wie eine Sprache verschwindet, wie Wissenschaft eine Gruppe erst benennt und dann prägt, und wie die politischen Grenzen von 1945 über Menschen hinweggingen, die in keine der angebotenen Schubladen passten.

Das Kerngebiet lag im östlichen Hinterpommern, im damaligen Landkreis Stolp, zwischen dem Gardersee (Jezioro Gardno) und dem Lebasee (Jezioro Łebsko) – zwei flachen, durch schmale Nehrungen von der Ostsee getrennten Strandseen. Die wichtigsten Orte waren Groß Garde (Gardna Wielka), Schmolsin (Smołdzino), Klein Garde (Gardna Mała), Giesebitz (Izbica), Zezenow (Cecenowo), Glowitz (Główczyce), Rowe (Rowy), Stohentin (Stojcino) und vor allem Klucken (Kluki) am Südufer des Lebasees.
Nach Norden schlossen Dünen und Küste ab, nach Süden und Osten Flussauen, Sümpfe und Moore. Die Nachbarn beschrieben die Lage schlicht mit einer Ortsangabe: hinter dem Morast. Erst befestigte Straßen und, für eine breitere Öffentlichkeit, die Eröffnung der Bahnstrecke Lauenburg–Leba im Jahr 1899 machten die Gegend leichter erreichbar.
Der Name „Slowinzen" ist der erste Punkt, an dem die populäre Erzählung bricht. Er leitet sich vom Wort „Slawen" ab, ähnlich wie Slowaken oder Slowenen. Erwähnt wird er bereits 1783 bei Karl Gottlob von Anton, der sich auf Aufzeichnungen des Stolper Kirchenpropstes Christian Ludwig Haken von 1767 stützte; auch Pavel Josef Šafařík (1826) und Ismail Sreznewski (um 1851) kennen ihn. Im 19. Jahrhundert verwendeten ihn pommersche Geistliche, darunter Propst A. T. Kummer aus Groß Garde (1835) und Propst Gottlieb Leberecht Lorek.
Zur wissenschaftlichen Standardbezeichnung machte ihn erst der russische Slawist Alexander Hilferding. Er hielt die Form für die alte Selbstbezeichnung – und darin folgt ihm die heutige Mehrheitsmeinung nicht. Die verbreitetere, ältere Selbstbezeichnung war „Kaschuben". Franz Tetzner, der die Dörfer 1896 selbst bereiste, notierte ausdrücklich, er habe die Sonderbezeichnungen unter den Leuten nicht vorgefunden; die evangelischen Lebakaschuben hätten sich selbst für die echten Kaschuben gehalten. Ein deutscher Spitzname für die Sprecher lautete „Istker", nach ihrem Wort istka für „ist".
1856 reiste Hilferding von St. Petersburg aus in das kaschubisch-slowinzische Gebiet. Seine Ergebnisse erschienen 1862 in St. Petersburg unter dem Titel Ostatki Slavjan na južnom beregu Baltijskogo Morja – „Die Überreste der Slawen am Südufer des Baltischen Meeres"; parallel veröffentlichte er 1862 bis 1864 eine deutschsprachige Fassung in Bautzen. Einzelne Darstellungen nennen 1857 als Erscheinungsjahr; die gängige Angabe ist 1862. Hilferding sammelte Wortschatz, Sitten und 62 Folkloretexte. Seine Bilanz war eine Prognose, und sie traf ein.
„auf der linken, westlichen Seite aber, in Pommern, ist sie in einem vollständigen Aussterben begriffen und wird ohne Zweifel in fünfzig Jahren spurlos verschwunden sein."Alexander Hilferding über die kaschubisch-slowinzische Sprache, abgedruckt bei Franz Tetzner, Die Slowinzen und Lebakaschuben, Berlin 1899, S. 20
Zugleich ist Hilferding mit Vorsicht zu lesen. Tetzner warf ihm bereits 1899 vor, er sehe alle slawischen Reste durch das Vergrößerungsglas. Umgekehrt schätzen Sprachwissenschaftlerinnen wie Hanna Popowska-Taborska die von ihm gesammelten Bezeichnungen als authentisch ein. Beides kann stimmen: gute Sprachdaten, gefärbte Deutung.
Seit den 1530er Jahren setzte sich in Pommern die lutherische Reformation durch. Damit entstand eine Trennlinie, die für die weitere Geschichte wichtiger wurde als jede Sprachgrenze: Die slawische Bevölkerung Hinterpommerns wurde evangelisch, während die Kaschuben östlich davon, im damaligen Pommerellen und späteren Westpreußen, in der Gegenreformation katholisch blieben. Zwei Gruppen mit fast identischer Sprache lebten fortan in getrennten kirchlichen, schulischen und sozialen Welten. Dieser Riss erklärt, warum die Slowinzen an der kaschubischen Schriftsprachbewegung des 19. Jahrhunderts nicht teilnahmen – und warum 1945 ihre Konfession als Indiz für „Deutschsein" gelesen wurde. Zum größeren Zusammenhang lohnt der Blick auf die Pomoranen und die Kaschuben.
Damit die Gemeinden das Evangelium verstanden, ließen lutherische Pfarrer slawische Kirchenbücher drucken. 1586 erschien in Danzig bei Jakob Rhode das Gesangbuch des Simon Krofey (Szymon Krofej, um 1545–1590), Pfarrer in Dampen (Dąbie) bei Bütow: Duchowne piesnie D. Marcina Luthera y ynszich naboznich mężow. 1643 folgte, ebenfalls in Danzig, der Kleine Katechismus Luthers in der Übersetzung des Michael Brüggemann, genannt Pontanus oder Mostnik (1583–1654), Pfarrer in Schmolsin. Wichtig ist die sprachliche Einordnung, die häufig falsch wiedergegeben wird: Diese Drucke sind nicht in Slowinzisch oder Kaschubisch verfasst, sondern in einer regionalen Variante des Polnischen mit einzelnen kaschubischen Wörtern. Krofeys Buch wurde erst 1896/97 von Tetzner im Kirchenarchiv von Schmolsin wiederentdeckt.
Die evangelische Synode Stolp reagierte 1669 auf die Sprachverhältnisse mit einer Verwaltungsteilung: Kirchspiele mit deutschem Gottesdienst bildeten den circulus teutonicus, Kirchspiele mit slawischem Gottesdienst den circulus vandalicus, den Wendischen oder Kaschubischen Kreis. Ludwig Wilhelm Brüggemann beschrieb 1784, dass die Prediger dort ihre Vorträge in beiden Sprachen halten mussten und der eine Gottesdienst unmittelbar auf den anderen folgte.
Das System hatte eine strukturelle Schwäche. Die Pfarrer waren an deutschsprachigen Universitäten ausgebildet, meist selbst Deutsche, und beherrschten die polnische Kirchensprache und die abweichende Ortsmundart oft nur unzureichend. Ältere Gemeindeglieder berichteten Tetzner, sie hätten viele Predigten schlicht nicht verstanden.
Tetzner stellte 1899 eine Liste zusammen, wann in welchem Ort die kaschubische Kirchensprache endete – die dichteste Chronologie, die wir haben: um 1700 Stolp, um 1778 mehrere Kirchspiele um Lupow und Freist, 1787 Mickrow, 1799 Rowe, 1816 Stohentin, 1832 Schmolsin, um 1845 Garde, um 1850 Leba, um 1856 Bütow, 1865 Osseken, 1871 Charbrow, 1876 Zezenow und zuletzt 1886 Glowitz. Eine unabhängige polnische Darstellung nennt für Schmolsin, Garde, Leba, Charbrow, Zezenow und Glowitz dieselben Jahreszahlen – ein seltener Fall, in dem sich zwei Überlieferungsstränge decken.
Die verbreitete Angabe, in Schmolsin sei „Mitte des 19. Jahrhunderts" zuletzt slawisch gepredigt worden, ist damit zu spät angesetzt: Für Schmolsin gilt 1832. Zugleich meldet die Überlieferung für 1896 noch slawische Gottesdienste – neben den deutschen – in den drei Kluckener Siedlungen und in Żarnowska (Czarnowske). Beides schließt sich nicht aus: Die Liste erfasst die Kirchensprache ganzer Kirchspiele, nicht jede Einzelfeier.
Die slawische Alltagssprache hielt sich dort am längsten, wo der Boden am schlechtesten war. Der nördliche Streifen zwischen Dünen, Seen und Moor war sandig und nass, lag weit von den Städten und war für deutsche Siedler wenig attraktiv. Wer hier blieb, lebte vom Fischfang, von wenig Ackerbau und vom Moor.
Zwei Arbeitsfeste sind gut überliefert. Im Winter wurde auf dem Leba- und Gardersee gemeinsam unter dem Eis gefischt, mit Netzwinden und in festen Zwölfergruppen jüngerer Fischer unter einem gewählten Anführer, unterstützt von Älteren; große Fische gingen in den Handel, kleine wurden aufgeteilt. Im Vorfrühling stach man gemeinsam Torf für den nächsten Winter. Das slowinzische Wort dafür wird gern als „Schwarze Hochzeit" übersetzt – eine irreführende Übertragung, denn der Ausdruck bedeutet wörtlich eher „fröhliche Zeit"; Hochzeitsbräuche gab es dabei nicht. Gewohnt wurde in reetgedeckten Lehmfachwerkhäusern, die manchen als „typisch deutsch" galten – ein Fehlschluss, denn Bauweisen folgen Klima, Baumaterial und Grundwasser, nicht der Volkszugehörigkeit.
Die preußischen Erhebungen taugen als Beleg nur begrenzt. Bei der Volkszählung von 1858 wurden im östlichen Hinterpommern weniger als 450 Personen ermittelt, die sich selbst als Kaschuben bezeichneten – während 4880 Personen die kaschubische Sprache noch beherrschten. Die Lücke zwischen beiden Zahlen ist der eigentliche Befund: Sprachkompetenz und Selbstzuordnung fielen weit auseinander.
Tetzner formulierte es 1899 knapp: Die Lebakaschuben hätten sich samt und sonders als Deutsche zählen lassen. Seine eigene Schätzung für 1896 lag bei rund 200 Personen. Wer aus solchen Zahlen eine Bevölkerungsgeschichte rekonstruiert, misst nicht Menschen, sondern Kategorien, die eine Behörde vorgegeben hat.
Ältere polnische und russische Darstellungen deuten den Rückgang als nationale Unterdrückung, ältere deutsche als selbsttätigen, natürlichen Vorgang. Beide Zuspitzungen greifen zu kurz. Belegbar sind mehrere Ursachen zugleich: die Entvölkerung Pommerns im Dreißigjährigen Krieg und die anschließende Ansiedlung deutschsprachiger Bauern; deutsche Schulsprache, seit die preußische Schulpflicht keine Rücksicht mehr auf Minderheitensprachen nahm; ein zeitweiliges gesetzliches Verbot des Slawischen im Kreis Lauenburg 1811; Wehrdienst und Fahrten auf Handelsschiffen; und ein niedriges soziales Ansehen der Mundart, das Hilferding an einem Gutsherrn festmachte, der sie als Geschnatter abtat.
Entscheidend war ein Strukturmerkmal: Anders als die katholischen Kaschuben unter Florian Ceynowa oder die Sorben in der Lausitz stellten die Slowinzen dem keine normierte Schriftsprache und keine kulturelle oder politische Bewegung entgegen. Viele Jüngere begrüßten den Wechsel ins Deutsche selbst.
Was wir vom Slowinzischen wissen, verdanken wir fast vollständig einem Mann. Der deutsche Slawist Friedrich Lorentz (1870–1937) zeichnete die Mundarten kurz vor ihrem Erlöschen auf: 1903 die Slovinzische Grammatik und die Slovinzischen Texte, 1908 und 1912 das zweibändige Slovinzische Wörterbuch. Da die Sprache nie eine eigene Schrifttradition entwickelt hatte, entwarf er dafür eine eigene Lautschrift, die Vokallängen, Öffnungsgrade und Diphthonge genau festhielt. Bereits im Vorwort von 1908 hielt er fest, dass seine ohnehin schon alten Gewährsleute im gewöhnlichen Verkehr ausnahmslos Deutsch sprachen.
Der Posener Sprachwissenschaftler Mikołaj Rudnicki reiste 1913 nach. Sein Befund für Klucken ist eine Momentaufnahme des Sprachtods: Über 68-Jährige beherrschten die Mundart vollständig und flüssig. Ab etwa 40 verstand man sie noch gut, sprach sie aber kaum und fehlerhaft. Ab etwa 25 blieb passives Verstehen ohne eigene Ausdrucksfähigkeit. Die Jüngeren konnten nichts mehr. In den übrigen Dörfern der Gemeinde Schmolsin, wo Lorentz zehn Jahre zuvor gearbeitet hatte, war sie bereits erloschen. Am längsten hielt sie sich nicht in Kirche, Wirtshaus oder Handel, sondern beim Fischfang.
Ein exaktes Datum gibt es nicht, und die kursierenden Angaben widersprechen sich. Genannt werden der Kluckener Otto Kirk, von dem erzählt wird, er habe 1945 die einrückenden sowjetischen Soldaten auf Slowinzisch angesprochen, und Heinrich Kaitschick aus Kluki (1877–1959). Eine polnische Darstellung datiert den Tod des letzten flüssigen Sprechers in Kluki ebenfalls auf 1959. Bei beiden Personen ist unklar, wie belastbar ihre Sprachkenntnis zuletzt noch war.
Was gesichert ist: Als polnische Sprachwissenschaftler in den 1950er Jahren nach Kluki kamen, fanden sie niemanden mehr, der die Sprache vollständig beherrschte. Zdzisław Sobierajski machte 1951 Aufnahmen und sammelte 90 Ausdrücke; 1959 trugen Warschauer Forscher 140 Wörter zusammen, überwiegend aus der Fischerei, dem Grundwortschatz und der Ortskunde. Erschwerend kommt hinzu, dass das slawische Erbe der Region in der NS-Zeit aus ideologischen Gründen nicht erforscht, sondern verdrängt wurde – ausgerechnet in den Jahrzehnten, in denen die letzten Sprecher noch lebten.
Der Streit ist bis heute nicht entschieden. Für eine Sonderstellung spricht viel: Das Slowinzische besaß einen freien, beweglichen Wortakzent, ein auffällig reiches Vokalsystem mit Diphthongen unter Betonung, archaische Züge, die andere westslawische Sprachen verloren hatten, und ihm fehlte das für das Kaschubische und Polnische kennzeichnende ł vollständig. Zugleich stand es unter starkem ostniederdeutschem und hochdeutschem Einfluss in Wortschatz und Satzbau.
Lorentz sah, anders als oft behauptet, gerade in den Lebasee-Mundarten eine linguistisch begründbare Sonderstellung am Übergang zum westlicheren Pomoranischen, mit Berührungen zum Polabischen. Die heute in Polen verbreitete Einordnung geht in die andere Richtung: als slowinzischer Dialekt innerhalb des Kaschubischen beziehungsweise als östlichster Rest der alten pommerschen Dialekte. Fachlich gilt das gesamte südliche Ostseeslawische als fließendes Dialektkontinuum ohne scharfe Grenzen – dieselbe Landschaft, in der auch Ranen und Lutizen zu verorten sind. In der polnischen Wissenschaft nach 1989 vertrat Jerzy Treder eine ethnische Sonderstellung, Zygmunt Szultka bestritt sie; Mariusz Filip kritisiert an beiden ein zu objektivistisches Verständnis davon, was ein Volk sei.
Mit der Grenzverschiebung von 1945 kam das Gebiet zu Polen. Auf Grundlage des Gesetzes vom 28. April 1946 über die Staatsbürgerschaft von Personen polnischer Nationalität in den sogenannten Wiedergewonnenen Gebieten konnten Menschen, die vor dem 1. Januar 1945 dort gelebt hatten, vor einer Verifikationskommission ihre polnische Zugehörigkeit nachweisen und bleiben. Bis 1950 durchliefen etwa eine Million Angehörige verschiedener autochthoner Gruppen dieses Verfahren.
Die Slowinzen galten als autochthon und waren von der Aussiedlung grundsätzlich ausgenommen. Praktisch stand dieser Status jedoch gegen die Alltagswirklichkeit: Sie sprachen Deutsch, waren evangelisch und wurden von Zugezogenen, die selbst aus den polnischen Ostgebieten vertrieben worden waren, häufig schlicht als Deutsche wahrgenommen. Überliefert sind Zerstörungen von Booten, Rudern und Netzen, Zugriffe auf Höfe, Repressionen durch Sicherheitsorgane und zeitweilige Absperrung von Kluki durch Milizposten. Zugleich versuchten Behörden und Aktivisten eine „Repolonisierung", in deren Logik die einheimische deutsch-slawische Umgangssprache als Germanisierungsfolge galt und in den Schulen der 1950er Jahre unterdrückt wurde.
Das Ergebnis war Abwanderung statt Vertreibung. Für Kluki verzeichnete eine Erhebung von 1960 bei 133 Einwohnern noch 87 Slowinzen neben 8 Kaschuben und 38 Vertriebenen aus dem Osten. In den 1950er und 1960er Jahren nahmen Ausreisen im Rahmen der Familienzusammenführung zu, Anfang der 1970er Jahre verließen die letzten alteingesessenen Familien den Ort. Die Dörfer Kluki Żeleskie und Kluki Ciemińskie hörten ganz auf zu existieren. In Hamburg gründete sich eine slowinzische Vereinigung. Eine polnische Reisebeschreibung von 1983 führte für Kluki noch etwa 30 slowinzische Familien auf – eine Angabe, die sich mit dem Befund des Museums nicht deckt und vermutlich veraltete Daten fortschrieb.
Die Idee eines Museums entstand 1958; ab Juni 1959 führte ein Team von Ethnografinnen und Ethnografen unter Maria Znamierowska-Prüfferowa Feldforschung durch, gestützt auf ältere Erhebungen von Bożena Stelmachowska aus den Jahren 1949 bis 1955. Am 22. September 1963 wurde das Museumsgehöft in Kluki eröffnet, mit 318 Objekten im ersten Inventar. Es lag mitten in einem Dorf, in dem die Menschen, deren Kultur dort ausgestellt wurde, noch wohnten.
Diese Konstellation ist der wunde Punkt der Museumsgeschichte, und sie wird in Polen bis heute offen diskutiert. Als Anfang der 1970er Jahre die letzten Alteingesessenen fortzogen, beschlossen die Behörden, die meisten alten Fachwerkhäuser abzureißen; erst ein Ringen der Slupsker Museumsleute zwischen 1974 und 1976 rettete sechs Gehöfte. Heute umfasst das Freilichtmuseum rund fünf Hektar mitten im Dorf, seit 1995 unter dem Namen Museum des slowinzischen Dorfes, als Abteilung des Mittelpommerschen Museums in Słupsk. Es hält auch Kontakt zu den ehemaligen Bewohnern in Deutschland.
Am 1. Januar 1967 entstand der Slowinzische Nationalpark (Słowiński Park Narodowy) mit zunächst 18 069 Hektar; 1977 nahm die UNESCO ihn in das Weltnetz der Biosphärenreservate auf, 2004 wurde er auf rund 32 744 Hektar erweitert. Berühmt ist er für die Wanderdünen bei Łeba. Die Namenswahl gehört in den Kontext der polnischen Geschichtspolitik der 1960er Jahre: Die Erinnerung an eine westslawische Bevölkerung sollte den Anspruch auf ein Gebiet stützen, das 1945 fast ausschließlich von Deutschen bewohnt war. Das entwertet den Park nicht, aber es ordnet seinen Namen ein. Er ist eine Setzung des 20. Jahrhunderts, keine historische Selbstbezeichnung – und das Museum ist, anders als oft geschrieben, keine Einrichtung des Nationalparks, sondern eine Museumsabteilung.
Geblieben sind Flurnamen, einige slawische Wörter im früheren pommerschen Alltagsdeutsch, Lorentz' Wörterbuch, Rudnickis Beschreibung, ein paar Tonaufnahmen aus den 1950er Jahren, gerettete Gehöfte in Kluki – und Familien in Deutschland, für die das alles Herkunft ist und nicht Forschungsgegenstand. Wer die Slowinzen ernst nehmen will, sollte sie weder zu einem heroisch widerständigen Volk noch zu einer Fußnote der Sprachgeschichte machen. Sie waren, wie die Obodriten oder die Wagrier Jahrhunderte früher, Menschen an einer Nahtstelle, die von zwei Seiten beansprucht und von beiden zuletzt nicht gehalten wurde.
Belegt sind: das Siedlungsgebiet zwischen Garder- und Lebasee mit Klucken als letztem Rückzugsort; die lutherischen Drucke von Simon Krofey (Danzig 1586) und Michael Brüggemann/Pontanus (Danzig 1643), sprachlich eine regionale Variante des Polnischen; die Teilung der Synode Stolp 1669 in einen deutschen und einen wendischen Kreis; Tetzners Chronologie des Erlöschens der kaschubischen Kirchensprache von etwa 1700 (Stolp) bis 1886 (Glowitz), im Kern durch eine unabhängige polnische Aufstellung bestätigt; die Zählung von 1858 mit unter 450 Selbstbezeichnungen gegenüber 4880 Sprechern; Hilferdings Reise 1856 und seine Veröffentlichung 1862; Lorentz' Grammatik und Texte 1903 sowie sein Wörterbuch 1908/1912 in eigener Lautschrift; Rudnickis Altersgruppen-Befund von 1913; die Nachkriegsaufnahmen von 1951 (90 Ausdrücke) und 1959 (140 Wörter); das Verifikationsgesetz vom 28. April 1946; die Eröffnung des Museumsgehöfts in Kluki am 22. September 1963; die Gründung des Nationalparks am 1. Januar 1967 und die UNESCO-Anerkennung als Biosphärenreservat 1977.
Deutung ist erstens der Name: „Slowinzen" ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keine alte Selbstbezeichnung, sondern eine von Geistlichen und Forschern eingeführte Fremdbezeichnung, die Hilferding irrtümlich für ursprünglich hielt; die üblichere Selbstbezeichnung war „Kaschuben". Zweitens der Status der Sprache: Ob Slowinzisch eine eigene Sprache oder ein kaschubischer Dialekt war, ist offen – Lorentz sah eine Sonderstellung, die heutige polnische Sprachwissenschaft spricht meist vom slowinzischen Dialekt. Drittens die Vorstellung eines geschlossenen slowinzischen Volkes mit eigener Nation: Sie ist ein Produkt des Nationsdenkens des 19. Jahrhunderts. Viertens das Sterbedatum der Sprache: Es ist nicht bestimmbar, die Angaben zu Otto Kirk und Heinrich Kaitschick (1877–1959) widersprechen sich. Fünftens der Parkname: Er ist eine geschichtspolitische Setzung der 1960er Jahre, kein historischer Landschaftsname. Sechstens: Ein vom Museum veröffentlichter DNA-Test an genau zwei Personen ist eine Einzelbeobachtung und keine Aussage über eine Bevölkerungsgruppe. Und siebtens gibt es heute keine slowinzischen Sprecher mehr – wer solche in Aussicht stellt, verwechselt sie mit den lebendigen Kaschuben.

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