Die Trebowanen sind ein Name zwischen zwei Kommas. Er steht in der Aufzählung der Völker, die an der Nordgrenze des Prager Bistums saßen, und er steht in keiner anderen zeitgenössischen Quelle. Wo diese Menschen lebten, ob sie überhaupt ein eigener Stamm waren und was ihr Name bedeutet, ist seit hundert Jahren Gegenstand der Forschung. Dieser Beitrag trennt, was im Text steht, was der Spaten gefunden hat, was die Namenskunde erwägt und was Deutung bleibt.
Im Lateinischen heißen sie Trebouane, in der Forschung auch Trebovane oder Trebowanen, auf Polnisch Trzebowianie, auf Tschechisch Trebované oder Třebované. Gemeint ist eine westslawische Gruppe des 10. Jahrhunderts im Raum des heutigen Schlesien. Sie erscheint in einer einzigen Aufzählung, und dort steht sie zwischen den Slensanen und den Bobranen. Das ist alles, was die Schriftquellen hergeben. Kein Fürst ist überliefert, keine Burg, kein Ereignis, nicht einmal eine Zahl wie bei den Stämmen im Bayerischen Geographen.
Wer über die Trebowanen schreibt, steht deshalb vor einem Problem, das sich in vier Schichten zerlegen lässt. Die erste ist die Quelle: ein Satz in einer Urkunde, die uns nur als Einschub in eine Chronik vorliegt. Die zweite ist die Archäologie, die Burgwälle und Siedlungen im mutmaßlichen Gebiet kennt, aber keinen einzigen Fund mit dem Namen „Trebowanen“ verbinden kann. Die dritte ist die Namenskunde, die sich fragt, was Trebouane bedeutet und ob der Name ein Volk, eine Landschaft oder eine Siedlungsgruppe bezeichnet. Die vierte ist die Deutung: die Zusammenschau all dessen zu einem Bild. Sie ist das Unsicherste, und sie wird in diesem Beitrag als solche gekennzeichnet.
Eine Vorbemerkung zur Lage. Gelegentlich wird die Gegend der Trebowanen in Nordböhmen gesucht, mit Anklängen an böhmische Ortsnamen wie Třebovice oder Třebovle. In der Fachliteratur, die wir geprüft haben, findet sich dafür keine Stütze. Die Diskussion dreht sich um Niederschlesien, genauer um den Raum westlich und nördlich der Slensanen. Dazu unten mehr.
Die Trebowanen stehen in einem Text, der nach seinem eigenen Anspruch eine Urkunde Kaiser Heinrichs IV. vom 29. April 1086 wiedergibt. Mit ihr soll die Ausdehnung des Bistums Prag bestätigt werden. In der Edition der Monumenta Germaniae Historica läuft sie unter der Nummer DH IV 390. Überliefert ist sie in der Chronica Boemorum des Cosmas von Prag, die der Domdekan zwischen 1119 und 1125 verfasste; die Chronik ist in rund fünfzehn Handschriften erhalten. Die Angabe, dass die Urkunde im zweiten Buch steht (nach dem Auftrag Kapitel II,37), haben wir an der Edition nicht überprüft.
Das Dokument ist kein gewöhnliches Zeugnis. Eine Darstellung auf der Website des Jassa-Projekts bezeichnet es als Beschreibung einer angeblichen Urkunde und hält ausdrücklich offen, ob es je ein Original gab oder ob Heinrich IV. die Grenzen überhaupt bestätigt hat. Sie erwägt sogar, dass Cosmas die Geschichte aus patriotischem Interesse erfunden haben könnte. Der Text soll nach eigener Angabe die Grenzen des Bistums von dessen Gründung im Jahr 973 wiedergeben. Die Forschung, die wir einsehen konnten, nimmt an, dass ihm eine ältere Prager Quelle zugrunde liegt, in der Völker und Länder aufgezählt wurden, nicht Flüsse und Berge. Krzysztof Fokt hat das 2014 so zusammengefasst, dass die Namen der Liste auf eine Vorlage aus dem Prager Bistum zurückgehen und daher linksseitig der Oder zu suchen seien.
Für die Nordgrenze gibt der Text eine Reihe von Völkern. Der lateinische Wortlaut nach der Wiedergabe auf jassa.org lautet:
Dann sind dies die Grenzen im Norden: die Psovanen, die Kroaten und die anderen Kroaten, die Slensanen, die Trebowanen, die Bobranen, die Dedosesen, bis zum mittleren Wald, wo die Grenzen der Milzener zusammentreffen.Cosmas von Prag, Chronica Boemorum, Buch II (Wiedergabe der Urkunde Heinrichs IV. vom 29. April 1086, DH IV 390); eigene Übersetzung nach dem lateinischen Wortlaut „Deinde ad aquilonalem hii sunt termini: Psouane, Chrouati et altera Chrouati, Zlasane, Trebouane, Boborane, Dedosese usque ad mediam sylvam, qua Milcianorum occurrunt termini“, wie ihn jassa.org wiedergibt; Edition nicht selbst eingesehen
Zwei Dinge fallen an dieser Reihe auf. Erstens läuft sie, soweit sich das erkennen lässt, ungefähr von Südosten nach Nordwesten und endet bei den Milzenern in der Oberlausitz. Die Stämme sind also grob in der Reihenfolge ihrer Lage genannt, und die Trebowanen sitzen zwischen den Slensanen um den Zobten und den Bobranen am Bober. Das ist der wichtigste Anhaltspunkt für ihre Lage, und er ist nicht stark. Zweitens fehlen in dieser Reihe die Opolanen und die Golensizen, die der Bayerische Geograph kennt, während umgekehrt Trebowanen und Bobranen dort fehlen. Die beiden Listen überschneiden sich nur teilweise, und warum, wissen wir nicht.
Weil die Quelle keine Ortsnamen nennt, hat die Forschung die Lage aus der Reihenfolge, aus der Namenskunde und aus archäologischen Siedlungsräumen erschlossen. Drei Vorschläge lassen sich unterscheiden.
Der erste ist der traditionelle. Er setzt die Trebowanen an die Katzbach (polnisch Kaczawa), einen linken Nebenfluss der Oder im Raum um Legnica (Liegnitz), und die Bobranen an den oberen und mittleren Bober. Fokt nennt für diese Ansicht unter anderem Szydłowski, Lodowski und Jaworski. Auch Zygmunt Wojciechowski hatte 1933 in der Historia Śląska die Trebowanen im Westen an der Katzbach gesucht, eher in der Gegend von Liegnitz als bei Trebnitz. Das ist der Vorschlag, den die meisten Darstellungen übernehmen.
Der zweite Vorschlag knüpft an den Ortsnamen Trzebnica (deutsch Trebnitz) nördlich von Breslau an. Lech Tyszkiewicz behandelt die Trebowanen 1999 im Rahmen einer Studie zu Besiedlung und Wirtschaft um Trebnitz und hält sie für einen Siedlungsnamen im Gebiet der Slensanen (dazu unten). Der Vorschlag beruht vor allem auf der Namensähnlichkeit: Die Stadt und der Stammesname gehen auf dieselbe Wurzel zurück (siehe unten). Das allein ist kein Beweis, denn viele Orte tragen Namen von dieser Wurzel. Hinzu kommt, dass Trebnitz erst 1138 in einer Urkunde erscheint, also gut anderthalb Jahrhunderte nach dem Zeitpunkt, den die Prager Grenzbeschreibung meint.
Der dritte Vorschlag stammt von Sławomir Moździoch, der in seinem Aufsatz „Społeczność plemienna Śląska w IX–X wieku“ (2000) die Trebowanen im Becken der Barycz ansiedelte, also rechts der Oder, und die Bobranen im Einzugsgebiet der Obra, was aus ihnen „Obrzanie“ machen würde. Seine Überlegung hängt an der Frage, wie sich die piastischen Burgen des 10. Jahrhunderts zu den Interessen der Přemysliden verhalten. Fokt hat diese Position 2014 im Aufsatz Między Pragą a Miśnią in der Sobótka geprüft. Er verglich sie mit einer weiteren Urkunde, dem Diplom Ottos III. von 995 (DO III 186), das die Ostgrenze des Bistums Meißen beschreibt, und kam zum Schluss, dass alle in der Prager Urkunde genannten schlesischen Stämme links der Oder gesessen haben müssen. Er kehrte damit zur traditionellen Lage zurück: Trebowanen an der Katzbach, Bobranen am Bober. Wir kennen diese Argumentation nur aus dem Abstract und einer Teilansicht des Aufsatzes; den Volltext haben wir nicht gelesen.
Fokt macht dabei einen Punkt, der über die Trebowanen hinaus wichtig ist. Man dürfe von einem Stamm nicht verlangen, groß, beständig und archäologisch greifbar zu sein. Eine Gruppe könne nur kurz bestanden haben, wenige Menschen umfasst und keine bekannten Plätze hinterlassen haben und trotzdem in einer Quelle auftauchen. Die Nachbarn, die Slensanen und die Dziadoszanen, sind dagegen sowohl um 800 als auch zu Beginn des 11. Jahrhunderts bezeugt. Bei Trebowanen und Bobranen kann es sich um kurzlebige Einheiten handeln, deren Spuren verloren sind. Das ist eine Möglichkeit, kein Befund.
Die Namenskunde ist hier vorsichtiger als mancher Überblick. Der Name Trebouane wird allgemein mit dem slawischen Verb für „roden, Wald lichten“ verbunden, polnisch trzebić. Tyszkiewicz schreibt, der Name stamme „von trzebić, das heißt Wald roden, wie der von Trzebnica“, und stützt sich dabei auf eine Stadtgeschichte von Stanisław Solicki aus dem Jahr 1995. Danach wären die Trebowanen „die Leute vom gerodeten Land“. Das ist die gängige Erklärung, und sie ist plausibel. Sie ist aber nur eine Erklärung des Wortes, nicht des Ortes: Wurzeln dieser Art stecken in zahlreichen slawischen Siedlungsnamen. Als Beispiele aus den Quellen, die wir geprüft haben, seien nur zwei genannt: Třebovice im Bezirk Ústí nad Orlicí in Ostböhmen und Třebovle im Bezirk Kolín in Mittelböhmen, das 1297 erstmals erscheint. Beide liegen weit entfernt von Schlesien, und niemand in der geprüften Literatur verbindet sie mit den Trebowanen.
Tyszkiewicz geht noch einen Schritt weiter und stellt die Frage, ob die Trebowanen überhaupt ein eigener Stamm waren. Seine Ansicht, ausdrücklich als seine eigene bezeichnet: Sie seien kein selbständiger Stamm gewesen, sondern nur ein abgesonderter Siedlungsname, ein Teil des Gebiets der Slensanen. Das ist eine Minderheitsposition, die wir als Deutung kennzeichnen. Sie hat aber einen sachlichen Kern: Aus der bloßen Nennung in einer Liste folgt nicht, dass die Genannten sich selbst als Gemeinschaft sahen oder von anderen so gesehen wurden. Der Verfasser der Vorlage kann mit „Trebouane“ Bewohner einer Gegend benannt haben, die für ihn durch Rodungssiedlungen auffiel.
Zur Endung: -ane bildet im Altslawischen Bewohnernamen nach Landschaften oder Orten, so auch bei den Slensanen (zum Zobten), den Bobranen (zum Bober) oder den Opolanen (zum Oppelner Land). Das macht es wahrscheinlich, dass Trebouane von einem Ortsnamen oder einer Landschaftsbezeichnung abgeleitet ist. Diese Ableitung ist eine sprachliche Beobachtung, kein Beleg dafür, welcher Ort gemeint ist.
Kein Fund ist mit dem Namen der Trebowanen beschriftet. Was es gibt, sind Burgwälle des 9. und 10. Jahrhunderts im Vorland der Sudeten, die Archäologen nach Lage und Zeit zusammenfassen. Krzysztof Jaworski hat für das Gebiet an der Katzbach eine „Katzbachgruppe“ von Wällen beschrieben. Ewa Lisowska nennt für sie Chełmiec, Bolkowice, Mierczyce, Myślibórz, Piotrowice und Rokitnica; zwei weitere, Wysoka und ein zweiter Platz bei Mierczyce, sind nicht ausgegraben oder nicht veröffentlicht.
Lisowska hat 2014 und 2015 an einem kleinen Wall bei Nowy Kościół (Neukirch) im Katzbachvorland gegraben und ihre Ergebnisse 2016 in den Śląskie Sprawozdania Archeologiczne veröffentlicht. Der Wall bedeckt etwa sechs Ar auf rund 294 Metern Höhe. Seine Wälle waren bis zu etwa einen Meter hoch und in Holzkästen mit Steinfüllung gebaut. Es gab ein einziges Tor mit steinerner Schwelle und Pflaster, zwei Blockbauten auf eingeebneten Plattformen mit Steinfundamenten und Feuerstellen; die Verfasserin schätzt insgesamt sieben bis acht Plattformen. Unter dem Wall lag eine vollständige eiserne Schale vom schlesischen Typ, die sie als seltenen, möglicherweise rituellen Fund einordnet. Etwa 300 Scherben von rund 20 Gefäßen, Eisenwerkzeuge, Wetzsteine und Feuersteinstücke kamen hinzu. Die Keramik und Radiokarbondaten aus verkohltem Holz des Walls verweisen ins 9. Jahrhundert, möglicherweise noch in den Anfang des 10. Jahrhunderts; die Lumineszenzdaten stimmten nicht überein. Pollen zeigen Wald, Wiesenpflanzen und Spuren nahen Ackerbaus.
Die Deutung der Ausgräberin ist bemerkenswert vorsichtig. Der Platz sei einphasig gewesen, weniger als hundert Jahre besiedelt, vielleicht von rund fünfzig Menschen, womöglich ein Wachposten über dem Katzbachtal nahe Achatvorkommen. Er sei vermutlich freiwillig verlassen und dabei verbrannt worden. Lisowska bestätigt nicht, dass der Wall den Trebowanen gehörte; sie knüpft ihn nur mittelbar an sie, über die Gruppe benachbarter Anlagen. Sie vermerkt, dass die Trebowanen in der Forschung meist nördlich und westlich der Slensanen gesucht werden. Das ist ein Hinweis auf einen Rahmen, kein Stammesnachweis.
Auch am Bober, so Fokt, gibt es zwar nur dünne Besiedlung, aber mindestens fünf Burgwälle des 10. Jahrhunderts. Er hält das für ausreichend für eine kleine, kurzlebige Gruppe. Damit ist ein Grundproblem der Frage benannt: Dieselben Wälle sprechen nur dann für eine Gruppe mit eigenem Namen, wenn man die Namen der Urkunde bereits für richtig lokalisiert hält. Der Schluss läuft im Kreis, solange keine unabhängige Zuweisung vorliegt.
Die Trebowanen gehören zu den „schlesischen Stämmen“, einem Sammelbegriff der modernen Forschung. In der Prager Reihe stehen dort die Slensanen (Zlasane), die man mit dem Zobten (Ślęża) und dem Raum südlich von Breslau verbindet, die Bobranen (Boborane) am Bober und die Dziadoszanen (Dedosese) weiter westlich an Bober und mittlerer Oder. Nach Fokt sind die Slensanen und Dziadoszanen sowohl um 800 als auch zu Beginn des 11. Jahrhunderts bezeugt, die Bobranen und Trebowanen dagegen nur in der Prager Reihe. Ob die Trebowanen mit den Slensanen enger verwandt waren, sich von ihnen abspalteten oder zu ihnen gehörten, wie Tyszkiewicz erwägt, lässt sich aus der Reihenfolge nicht ablesen.
Die Reihe endet bei den Milzenern, deren Land wir in der Oberlausitz suchen. Dass die Aufzählung gerade dort abbricht, ist ein Hinweis darauf, wie weit der Prager Bischofssprengel nach Norden und Nordwesten reichen sollte. Wer die Karten sieht, auf denen das Bistum Prag um 973 bis hinauf nach Krakau gezeichnet wird, sollte sich an Fokts Ausgangspunkt erinnern: Es handelt sich um die Darstellung einer Urkunde, nicht um eine gesicherte politische Karte. Die jassa-Seite weist darauf hin, dass nach der Urkunde, wenn ihre Angaben stimmen, sogar Krakau zum Prager Bistum gehört hätte; auch das spricht dafür, die Beschreibung mit Vorsicht zu lesen.
Das Gebiet, in dem die Trebowanen gesucht werden, lag im 10. Jahrhundert an einer Nahtstelle. Fokt zieht das Meißener Diplom von 995 heran, in dem Otto III. dem Bistum Meißen das Land zwischen oberer Oder und oberer Elbe zuspricht und das Interessen Meißens, Bolesławs des Tapferen und des Slavnikiden Soběslav gegen Prag stellt. Die Frage, wem die Stämme westlich der Oder damals zugerechnet wurden, war also politisch. Die Přemysliden und die Piasten hatten beide Interesse an dem Raum. Wann und wie er endgültig an die Piasten fiel, ist eine eigene, ebenfalls umstrittene Geschichte, die sich in der Reihenfolge der Burgen am Oderübergang spiegelt.
Nach 1086 verschwindet der Name. Schon im 11. Jahrhundert ordnen die Quellen Schlesien nicht mehr nach Stämmen, sondern nach Burgbezirken, und die Namen der Stämme leben nur noch in Landschafts- und Ortsnamen weiter. Das ist am Beispiel der Slensanen gut zu sehen, deren Name im 11. Jahrhundert bei Thietmar als pagus Silensi auftaucht und später zu „Schlesien“ geworden ist. Für die Trebowanen fehlt ein solches Bindeglied. Entweder ihr Name hat sich nicht an einem Ort gehalten, oder er hat es getan und wir erkennen es nicht.
Hier setzt der Ortsname Trebnitz wieder an. Die Stadt wird, wie erwähnt, 1138 erstmals genannt, später wird sie berühmt durch das Zisterzienserinnenkloster, das Herzog Heinrich der Bärtige und seine Frau Hedwig von Andechs um 1202/1203 gründeten. Die englischsprachige Überblicksliteratur sieht in Trebnitz einen frühen religiösen und Handelsort, womöglich bedeutender als Breslau. Dass dieser Ort aus dem Namen der Trebowanen erwachsen ist, ist denkbar und nicht zu beweisen. Der gleiche Wortstamm und der Gedanke, dass „gerodetes Land“ später zu Ackerland und Klosterland wurde, machen die Verbindung verführerisch. Eine Quelle, die sie belegt, kennen wir nicht.
Für das Katzbachland gilt Ähnliches. Es erscheint in späteren Jahrhunderten als dicht besiedeltes Gebiet, in dem die deutsche Ostsiedlung die Dörfer neu ordnete. Ob dort noch Nachkommen der Menschen lebten, die im Prager Text mit einem Wort bedacht werden, sagen weder die Urkunden noch die Grabungen. Eine Kontinuität der Bevölkerung ist wahrscheinlich, aber wir sprechen hier von einer Vermutung.
Am Ende der Prüfung bleiben die Trebowanen ein Wort. Es ist ein gut lesbares Wort: Es verweist auf Rodung, es steht mitten in einer geordneten Reihe, und es lässt sich mit Flussläufen und Wallgruppen in Verbindung bringen. Ein Porträt entsteht daraus nicht. Es bleiben vier offene Fragen. Hat die Prager Vorlage eine Gemeinschaft benannt oder eine Landschaft? Lag diese Gemeinschaft an der Katzbach, bei Trebnitz oder im Baryczbecken? Haben die Wälle des Vorlands etwas mit ihr zu tun? Und hat der Name über das 10. Jahrhundert hinaus überlebt?
Ein nüchternes Bild lässt sich dennoch zeichnen: eine kleine, wohl kurzlebige Einheit im Vorland der Sudeten oder nahe der mittleren Oder, mit mehreren kleinen Befestigungen, im Schatten der größeren Nachbarn und im Streit von Prag, Meißen und den Piasten. Dass die Quellenlage so dünn ist, sagt nichts über die Menschen, nur über das, was von ihnen schriftlich bewahrt wurde. Zur selben Familie von dünn belegten Gruppen gehören die Golensizen weiter südöstlich und, an der Spree, die Lusizer.

Die Slensanen · Die Bobrzanen · Die Dziadoszanen · Die Milzener · Die Opolanen.
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