Wikinger Blog / Geschichte & Funde
Aus dem Wissensarchiv

Die Lusizer – dreißig Burgen, ein Sumpfname und ein Wall bei Raddusch

Geschichte & Funde Die Lusizer – dreißig Burgen, ein Sumpfname und ein Wall bei Raddusch

Die Lausitz verdankt ihren Namen einem Volk, von dem wir kaum mehr besitzen als eine Zahl in einer Völkerliste, zwei Chronikstellen über Feldzüge und eine Reihe von Holzbalken, die sich auf das Jahr genau datieren lassen. Das ist wenig und zugleich erstaunlich viel: Selten lässt sich ein frühmittelalterlicher Burgenbau so präzise in die Geschichte einhängen wie in der Niederlausitz. Dieser Artikel stellt die Lusizer vor, trennt Beleg und Deutung und erklärt, warum die Gleichung „Lusizer gleich Sorben“ eine Zuordnung der modernen Forschung ist und kein Satz einer Quelle.

Die rekonstruierte Slawenburg Raddusch in der Niederlausitz
Die Slawenburg Raddusch bei Vetschau im Spreewald, eine Rekonstruktion über dem ausgegrabenen Burgwall. Das Foto zeigt den modernen Nachbau, keinen Originalbefund. Foto: Radibor, CC0.

Ein Name, drei Spuren

Die Lusizer (lateinisch Lusici oder Lusizi) gelten als slawische Gruppe, die im 9. und 10. Jahrhundert in der Niederlausitz lebte, dem Gebiet um Spreewald, Lübbenau, Vetschau und Cottbus im Süden des heutigen Brandenburgs. Selbstzeugnisse gibt es nicht; keine Inschrift, kein Brief, kein Lusizer, der uns sagt, wie er sich nannte. Was wir wissen, kommt von außen: aus wenigen schriftlichen Erwähnungen, aus Burgwällen, deren Eichenhölzer sich mit Hilfe der Jahrringe datieren lassen, und aus einer Landschaft, deren Ortsnamen bis heute slawisch klingen.

Jede dieser Spuren sagt etwas anderes, und erst im Nebeneinander entsteht ein Bild. Dieses Bild besteht jenseits von Zahlen und Jahresringen aus Deutungen, und wo wir sie als solche kennzeichnen, geschieht es nicht aus Pedanterie, sondern weil die Lusizer ein Lehrstück dafür sind, wie viel ein Name tragen muss. Die Nachbarn im Süden, die Milzener der Oberlausitz, und das größere Thema der Sorben haben eigene Artikel; hier geht es um den Norden dieses Raums.

Lunsizi: dreißig Burgen auf einer Liste

Die älteste Nennung steht im sogenannten Bayerischen Geographen, einer knappen lateinischen Aufzählung von Völkern nördlich der Donau (Descriptio civitatum et regionum ad septentrionalem plagam Danubii). Sie gibt für jedes Volk die Zahl seiner civitates an, gemeint sind befestigte Orte oder Burgbezirke. In der zweiten Liste steht, in der gängigen Lesung, der Eintrag:

Die Lunsizi: dreißig Burgen. Gleich danach folgen die Milzane, ebenfalls dreißig.Bayerischer Geograph, zweite Liste: „Lunsizi, ciuitates XXX“ und „Milzane, ciuitates XXX“; deutsche Wiedergabe von uns, sinngemäß nach der gängigen Lesung der Edition

Das ist die gesamte Aussage. Der Text sagt nicht, wo die Lunsizi wohnten, wer sie regierte, was eine civitas in ihrem Land war, ein Ringwall, eine Siedlung mit Palisade oder nur ein Verwaltungsbezirk, und ob die Zahl auf Zählung, Schätzung oder Hörensagen beruht. Zum Vergleich: Die Prissani werden mit 70 Burgen geführt, die Besunzane mit zwei. Aus solchen Ziffern auf Macht oder Bevölkerung zu schließen, ist riskant; sie zeigen vor allem, wie dicht befestigt dem Verfasser oder seinen Gewährsleuten ein Land erschien.

Auch die Entstehung des Textes ist offen. Die Liste besteht aus zwei Teilen, die zwischen der Mitte des 9. und dem frühen 10. Jahrhundert entstanden sein können; der Teil mit den Lunsizi gilt manchen als der jüngere. Der „Bayerische“ Geograph heißt so nach dem Aufbewahrungsort der Handschrift, der Bayerischen Staatsbibliothek in München, nicht nach einem gesicherten Entstehungsort.

Lunsizi, Lusici, Lusizi: eine Gleichung mit Zwischenschritt

Die Form des Geographen lautet Lunsizi, nicht Lusizi. Dass beide denselben Namen meinen, gilt in der Forschung als selbstverständlich, und die Gleichung ist sehr wahrscheinlich richtig; bewiesen im strengen Sinn ist sie nicht, denn wir besitzen keine Quelle, die sagt: Die Lunsizi der Liste sind die Leute, die Thietmar später Lusizer nennt. Die Gleichung stützt sich auf die Ähnlichkeit der Namen und auf die Lage: Die Liste führt sie unmittelbar neben den Milzane, und die Milzener sind in der Oberlausitz gut verortet.

Spätere Chronisten schreiben den Namen in mehreren Varianten. Nach den Überblicksdarstellungen nennt Widukind von Corvey im 10. Jahrhundert die Lusiki, und Thietmar von Merseburg, Bischof von 1009 bis 1018, schreibt Lusici oder Lusizi, gelegentlich auch Luzici oder Luidizi. Die Schwankung ist normal: Lateinische Schreiber gaben fremde Namen nach Gehör wieder und hatten keine Rechtschreibung dafür. Sie zeigt aber auch, dass wir mit einem Namen arbeiten, den Außenstehende festgeschrieben haben.

Luža: der Sumpfname und seine Grenzen

Der Name der Lausitz wird meist auf das altsorbische Wort *luža zurückgeführt, das „Sumpf“, „Pfütze“ oder feuchte Wiese bedeutet. Daran schließen sich die heutigen Namensformen an: niedersorbisch Łužyca, obersorbisch Łužica, polnisch Łużyce, tschechisch Lužice. In der deutschen Lautung wurde aus dem u ein au, Lateinisch (Lusatia) und die meisten Nachbarsprachen bewahrten den ursprünglichen Vokal. Die Lusizer wären nach dieser Herleitung „die Leute vom Sumpfland“.

Das passt gut zu einer Landschaft, die vom Spreewald mit seinen Fließen geprägt ist, und deshalb wird die Erklärung gern wiederholt. Sie bleibt eine sprachwissenschaftliche Hypothese. Kein Text der Zeit erklärt den Namen; und auch Völkernamen müssen nichts über das Land verraten, in dem sie entstanden: Sie können von Nachbarn vergeben worden sein, auf ein Herrschaftsgebiet oder einen Burgenverband gehen, nicht auf eine Landschaftsform. Wer „Sumpfbewohner“ als gesicherte Selbstbezeichnung hinstellt, liest mehr in die Wurzel hinein, als sie hergibt.

Wer fehlt: Frankenannalen und Fredegar

Wer nach Lusizern in den fränkischen Reichsannalen sucht, wird sie nicht finden. Die Annales regni Francorum berichten zum Jahr 806 von einem Feldzug gegen die Slawen, die Sorben genannt werden und an der Elbe sitzen, und vom Tod ihres Herzogs Miliduch; auch die Fredegar-Chronik aus dem 7. Jahrhundert kennt einen Herzog Dervan, der über ein Volk der Sorben herrsche. Beide Stellen gehören zu den Sorben westlich und an der Saale, im Grenzland des Frankenreichs. Dass sie mit den Lusizern etwas zu tun haben, ist nirgends bezeugt; die Lusizer tauchen in den Quellen erst später und nur als Randfigur auf, und im Vergleich zu den Franken kommen die Nachrichten über sie von den Ottonen.

Das ist ein häufiger Irrtum: Weil „Sorben“ in den Frankenquellen vorkommt und „Sorben“ heute die Lausitzer Slawen bezeichnet, werden Nachrichten über die eine Gruppe auf die andere übertragen. Das Wort hat sich im Lauf der Zeit verschoben. Der Artikel über die Sorben geht dem genauer nach; hier genügt festzuhalten, dass die Frankenquellen für die Lusizer keinen Beleg liefern.

Burgen, die nicht vor 870 stehen

Für die Niederlausitz liegen mehr Archäologie und weniger Text vor, und die Archäologie hat in den letzten Jahrzehnten ein älteres Bild gründlich umgeworfen. Lange galten die kleinen Ringwälle der Region, nach dem Burgwall von Tornow als Typ Tornow bezeichnet, als Anlagen des 7. oder 8. Jahrhunderts, datiert nach der Keramik. Dann kamen die Jahrringe. Sebastian Brather fasst in einem Aufsatz zusammen, dass keine einzige der rund 25 untersuchten Anlagen vor dem letzten Drittel des 9. Jahrhunderts gebaut wurde. Die Bauphasen häufen sich um 890, zwischen 910 und 930, in den 940er Jahren und um 960.

Das ist ein starker Befund, weil Dendrochronologie auf das Jahr genau sein kann: Eichenstämme tragen ein Muster, das sich mit Referenzreihen abgleichen lässt, und wenn die Waldkante erhalten ist, nennt das Ergebnis das Fälljahr. Die Slawen selbst waren in der Niederlausitz schon früher. Das älteste bisher bekannte Dendrodatum dort, eine Plankenwand unter dem Burgwall von Lübbenau, wird in die Zeit um 700 gesetzt (nach einer Überblicksdarstellung; die Einzelpublikation haben wir nicht eingesehen). Zwischen Siedlung und Burg liegen also etwa zwei Jahrhunderte, in denen Menschen hier lebten, ohne dass wir Burgen kennen.

Brather verbindet die Phasen mit den Konflikten, die Widukind und andere schildern, etwa den Feldzügen Heinrichs I. und dem Angriff Geros 963. Diese Verbindung ist eine Deutung: Die Hölzer sagen, wann gebaut wurde, nicht warum. Dass äußerer Druck die Burgen veranlasste, ist plausibel, aber nicht die einzig mögliche Erklärung für den Ausbau.

Zwischen Fluchtburg und Herrensitz

Dieselbe Arbeit stellt eine zweite Frage, die für das Bild der Lusizer wichtig ist. Waren die Tornow-Burgen, mit 20 bis 50 Metern Durchmesser, Wohnsitze einer Oberschicht oder Zufluchtsorte für die Bevölkerung? Brather lehnt die Alternative als zu schlicht ab: Die Bauorganisation dürfte bei einer Führungsschicht gelegen haben, doch waren die Anlagen nach seiner Einschätzung keine Adelssitze im späteren Sinn, sondern in Krisen errichtete Zufluchten, die danach unterschiedlich weitergenutzt wurden. Die hohe Zahl der Anlagen auf engem Raum deutet er als Zeichen zersplitterter Herrschaft, anders als in Regionen mit wenigen großen Fürstenburgen.

Das passt zu dem, was der Geograph mit „dreißig Burgen“ nahelegt: kein zentrales Reich, sondern ein Land vieler kleiner Plätze. Ob die dreißig civitates der Liste tatsächlich solche Ringwälle waren, ist allerdings eine Gleichsetzung, keine Feststellung. Die Liste ist vermutlich älter als der Großteil der datierten Wälle, und was sie zählte, wissen wir nicht.

Raddusch: ein Wall, der wieder steht

Wer sich ein Bild machen will, fährt nach Raddusch bei Vetschau. Die dortige Slawenburg ist die bekannteste Anlage der Region, und an ihr lässt sich die Stärke und die Grenze der Rekonstruktion gut zeigen. Der Burgwall wurde in den Jahren 1984 bis 1990 bei Rettungsgrabungen im Zuge des Braunkohlenabbaus untersucht, durchgeführt von Archäologen der Akademie der Wissenschaften der DDR. Als Gründung gilt nach den Dendrodaten die Zeit um 880. Der Wall war in Rostbauweise errichtet, mit Eichenbalken, die abwechselnd längs und quer gelegt und mit Erde und Steinen gefüllt wurden; er musste nach den Grabungsbefunden alle 40 bis 50 Jahre erneuert werden, weil das Holz verfaulte. Der Innenraum maß zunächst rund 35 Meter im Durchmesser und wurde später enger, der Wall wuchs von etwa zehn auf etwa zwanzig Meter Breite.

Zu den Funden gehört ein hölzernes Idol, der „Götze von Raddusch“, dessen Eiche nach der Dendrodatierung um 926 gefällt wurde. Was der Pfosten bedeutete, wissen wir nicht; Kultbild, Torpfosten oder etwas Drittes sind Deutungen. Die heutige Burg wurde zwischen 1999 und 2003 gebaut, mit einer vorgeblendeten Betonhülle außen, und beherbergt ein Museum. Sie ist also eine Rekonstruktion nach Befund, mit modernen Materialien, und gibt Höhe und Anmutung nur ungefähr wieder: Ob der Wall wirklich so hoch war und wie das Tor aussah, ist teils erschlossen.

932: Heinrich I. und die Burg Liubusua

Die Schriftquellen setzen mit den Ottonen ein. Widukind von Corvey erzählt in seiner Sachsengeschichte (um 968 bis 973 entstanden) von den Slawenzügen König Heinrichs I. Nach der Forschung folgte auf die Feldzüge von 928/929 gegen Heveller und Daleminzier im Jahr 932 ein Zug gegen die Lusizer, bei dem Heinrich ihre Hauptburg einnahm, die in den Quellen unter einer Form wie Liubusua erscheint. Mit den Hevellern und den Daleminziern gehörten die Lusizer damit zu den Nachbarn, die in wenigen Jahren nacheinander an die Reihe kamen.

Wie sicher sind die Einzelheiten? Das Jahr 932 stammt aus der Rekonstruktion der Forschung, nicht aus Widukind selbst, der keine Jahreszahlen setzt. Wo Liubusua lag, ist umstritten; der Name klingt an Lebus an der Oder an, doch das ist ein bloßer Anklang, und mit den Lebusern hat die Burg nach heutigem Wissen nichts zu tun. Dass die Burg genommen wurde, steht bei Widukind; ob sie danach dauerhaft unter sächsischer Herrschaft blieb, ist eine andere Frage, denn die Tributpflicht der Slawen war in dieser Zeit stets brüchig.

963: Gero und die Kette der Zwangstribute

Markgraf Gero, der von Otto I. mit der Ostgrenze betraut war, unterwarf in den 950er und 960er Jahren Slawen zwischen Elbe und Oder. Thietmar fasst das in Buch II zusammen: Gero habe Lausitz und Selpuli unterworfen und selbst Herzog Mieszko von Polen samt seinen Leuten zum Tribut an den Kaiser verpflichtet. Das ist die Sicht eines Bischofs, der gut ein halbes Jahrhundert später schrieb. In der Forschung wird der Zug Geros von 963 mit Bauphasen der Burgwälle um 960 in Verbindung gebracht.

Man muss dazusagen, wie dünn die Verbindung ist. Beide Befunde, der schriftliche und der dendrochronologische, sprechen für eine Zeit der Unruhe; ob ein bestimmter Wall zu einem bestimmten Feldzug gehört, lässt sich daraus nicht ablesen. Was die Quellen ebenfalls nicht tragen, ist die Vorstellung, Gero habe „die Lusizer vernichtet“. Dass die Führungsschicht im Lauf des 10. Jahrhunderts verdrängt oder ersetzt wurde, wie manche Darstellungen schreiben, ist eine zusammenfassende Deutung. Ein Namensträger, der in einer Chronik als erschlagen gilt, fehlt uns.

Thietmar, Bolesław und der Wechsel der Herren

Thietmar von Merseburg, der von 975 bis 1018 lebte, erlebte die Jahre zwischen 1002 und 1018 als Zeitgenosse. Nach den gängigen Darstellungen eroberte der polnische Herzog Bolesław Chrobry im Jahr 1002 die Marken Lausitz und Meißen; der Krieg endete 1018 mit dem Frieden von Bautzen, und in den folgenden Jahrzehnten wechselte die Zugehörigkeit des Landes zwischen Polen und dem Reich, bis die Niederlausitz im Reich verankert blieb, um 1031. Die Polen und ihre Piasten stellt der Artikel über die Polanen vor.

Wichtig ist, was in diesen Jahren mit dem Namen geschieht. Die Lusizer als Gruppe verschwinden aus den Texten, das Land bleibt: Aus dem Volksnamen wird ein Landesname, die Lausitz, die später als Mark Lausitz amtlich wird. Auch in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, als die deutsche Ostsiedlung neue Dörfer gründete, lebten Slawen im Land; das Niedersorbische wird in der Region bis heute gesprochen. Dass die Bevölkerung des 12. Jahrhunderts die Nachfahren der Burgleute von 890 waren, ist wahrscheinlich, ohne dass Namenlisten es belegten.

Lusizer gleich Sorben? Eine Zuordnung

In Büchern steht oft ohne Einschränkung: Die Lusizer waren ein Stamm der Sorben. Das ist eine Konvention der Forschung. Die Quellen kennen die Lunsizi und die Milzane als eigene Einträge auf einer Liste; die Frankenquellen kennen Sorben im Gebiet an Saale und Elbe. Moderne Forscher fassen die Gruppen zwischen Elbe, Saale und Lausitzer Neiße unter dem Namen „Sorben“ zusammen, weil sie sprachlich und kulturell eng verwandt waren und weil ihre Nachfahren so heißen. Diese Zuordnung ist vernünftig, begründet und nützlich. Sie bleibt eine Zuordnung der Gegenwart, die wir an die Quellen herantragen: Ob sich ein Lusizer des Jahres 900 selbst als Sorbe verstand, wissen wir nicht.

Dahinter steht die Frage, ob die Stämme des Frühmittelalters überhaupt handlungsfähige Gemeinschaften mit festem Namen waren oder Etiketten, die Außenstehende vergaben. Für die Lusizer wäre schon die Rede von einem „Stamm“ ein Zwischenschritt: Die Quellen zeigen einen Namen, einen Raum und eine Zahl von Burgen. Alles Weitere, die Grenzen, die Herrscher, die Religion, die Selbstbezeichnung, ist erschlossen oder noch nicht gefunden.

Was gesichert ist

  • Der Bayerische Geograph (Mitte 9. bis frühes 10. Jahrhundert) führt in seiner zweiten Liste Lunsizi, ciuitates XXX und gleich danach Milzane, ciuitates XXX.
  • Spätere Quellen schreiben den Namen als Lusiki (Widukind) und Lusici, Lusizi (Thietmar); der Name Lausitz geht auf diese Form zurück.
  • Nach der Dendrochronologie wurde keine der rund 25 untersuchten Ringwallanlagen der Niederlausitz vor dem letzten Drittel des 9. Jahrhunderts erbaut; Bauphasen liegen um 890, zwischen 910 und 930, in den 940er Jahren und um 960 (Brather).
  • Der Burgwall von Raddusch wurde nach Dendrodatierung um 880 gegründet und war in Rostbauweise aus Eichenbalken errichtet; die heutige Slawenburg entstand 1999 bis 2003.
  • Thietmar berichtet, dass Gero Lausitz unterwarf; Widukind erzählt von Heinrichs Slawenzügen gegen Nachbarn der Lusizer, deren Hauptburg als Liubusua erscheint.

Mythos-Check

  • „Die Lusizer waren Sorben“: eine Zuordnung der heutigen Forschung; die Quellen führen die Lunsizi als eigenen Namen.
  • „Lausitz heißt Sumpfland“: die gängige Herleitung aus altsorbisch luža ist eine Hypothese, sprachlich plausibel, aber ohne zeitgenössische Erklärung.
  • „Die Slawen kamen im 6. Jahrhundert in die Lausitz“: ältere Darstellungen sagen das; die ältesten genauen Dendrodaten liegen um 700, die Burgen im späten 9. Jahrhundert.
  • „Die Burg Raddusch ist ein Original“: Das Original ist ein archäologisches Befund von etwa 880; die heutige Burg ist eine Rekonstruktion mit Betonhülle.
  • „Liubusua war Lebus“: der Anklang reicht nicht für eine Gleichsetzung; die Lage der Burg ist umstritten.
  • „Gero hat die Lusizer ausgelöscht“: Die Quellen berichten von Unterwerfung und Tribut, nicht von Vernichtung.

Was die Lusizer für die Forschung bleiben

Die Lusizer sind ein Name, der ein Land bis heute prägt, mit einem Text, der kaum eine Zeile umfasst. Das Bild, das daraus entsteht, ist dennoch nicht beliebig: Ein dicht befestigtes, politisch zersplittertes Land im späten 9. und im 10. Jahrhundert, das im Vorfeld des ottonischen Reiches unter Druck geriet und danach Teil von Marken wurde. Wer es genauer wissen will, muss den Datierungen der Hölzer mehr trauen als den Schlagworten der Handbücher und darf sich im Gelände nicht täuschen lassen: Ein rekonstruierter Wall ist ein gutes Anschauungsmittel, aber keine Quelle. Neue Grabungen und neue Dendrodaten können einzelne Linien verschieben, bei Raddusch wie anderswo.

Glanz & Gravur
Aus unserer Manufaktur: slawische und nordische Motive auf echtem Naturschiefer, lasergraviert - aus Alsdorf bei Aachen. Im Shop →

Weiterlesen bei uns

Die Sorben · Die Milzener · Die Daleminzier · Die Heveller · Die Lutizen · Die Polaben · Die Sprewanen · Die Lebuser.

Quellen & Literatur

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus der Geschichte & Funde

Alle Geschichte & Funde-Artikel →

Die Lutizen: Ein Bund ohne König

Weiterlesen →

Die Madjus – Wikinger in al-Andalus

Im Herbst 844 fuhren fremde Schiffe den Guadalquivir hinauf, und eine Woche lang gehörte Sevilla ihnen. Die Leute im …

Weiterlesen →

Die Mährer und das Mährische Reich

Weiterlesen →

Die Mandubier: das kleine Volk, dem Alesia gehörte

Weiterlesen →