Die Warnower sind ein Fall für Leser mit Geduld. Sie stehen mit einem einzigen Satz bei Adam von Bremen, ein Jahrhundert später schreibt Helmold von Bosau diesen Satz ab, und danach wird es still. Trotzdem hängt an ihnen eine Landschaft mit einer der am besten untersuchten slawischen Siedlungen Norddeutschlands, mit einer Burg, in der 1160 ein Fürst starb, und mit einem Fluss, dessen Name vermutlich älter ist als die Slawen selbst. Dieser Beitrag trennt, was die Quellen sagen, was die Archäologie ergänzt und was bloß Deutung ist.
Wer „Warnower“ in eine Suchmaschine eingibt, landet schnell bei den Warnen, lateinisch Varini, die Tacitus im ersten Jahrhundert unter den Verehrern der Nerthus nennt. Beide Namen klingen verwandt, und gelegentlich wird eine Verbindung vermutet. Gesichert ist sie nicht. Die Warnen sind ein germanisches Volk der Spätantike und der Völkerwanderungszeit; sie haben im Beitrag über die Warnen ihren eigenen Platz. Die Warnower dagegen sind Slawen. Sie erscheinen erst im 11. Jahrhundert in den Quellen, rund tausend Jahre nach Tacitus, und gehören in den Verband der Obodriten. Dazwischen liegen die Völkerwanderung, der Abzug vieler germanischer Gruppen nach Westen und Süden und die Einwanderung slawischer Siedler in das Land zwischen Elbe und Oder. Ob die Namen etwas miteinander zu tun haben, ist eine offene Frage der Namensforschung. Ein Volk wurde aus dem anderen jedenfalls nicht.
Wie die Warnower sich selbst nannten, wissen wir nicht. Wir kennen nur die Form, in der Fremde sie aufschrieben: Warnabi bei Adam von Bremen, Warnavi oder Warnawi bei Helmold, in den Handschriften außerdem Schreibvarianten. Die Endung -abi oder -avi entspricht einer Bildungsweise, die bei Elbslawen mehrfach vorkommt; die Warnower wären danach „die an der Warnow“. Das ist die gängige, naheliegende Lesart, aber eine Lesart.
Die Warnow ist rund 155 Kilometer lang. Sie entspringt bei Grebbin nördlich von Parchim am westlichen Rand der Mecklenburgischen Seenplatte, fließt nach Norden an Sternberg, Bützow und Schwaan vorbei und mündet bei Warnemünde, einem Stadtteil von Rostock, in die Ostsee. Ihr Einzugsgebiet umfasst gut 3300 Quadratkilometer. Für die Frühgeschichte ist wichtig, dass dieser Fluss nicht eine einzige Stammesgrenze zog, sondern an mindestens drei Landschaften Anteil hatte. Im Süden und Westen liegt das Land, das Adam von Bremen den Warnabi zuschreibt. Weiter flussabwärts, von der Küste bei Rostock bis in den Raum Bützow und Güstrow, siedelten die Kessiner, die ihren Namen von der Burg Kessin nahe der Warnowmündung tragen. Im Westen schloss sich das Kerngebiet der Obodriten um die Mecklenburg an der Wismarbucht an.
Das ist eine Korrektur an einer verbreiteten Vorstellung. Rostock, Bützow und der untere Lauf der Warnow werden gern pauschal „den Warnowern“ zugeschlagen, weil der Fluss so heißt. Die Quellenlage spricht dagegen: Dieses Gebiet gilt nach der Forschung als Kessiner Land. Die Warnower sind, wenn man ihnen überhaupt ein Gebiet geben will, eher im mittleren und oberen Warnowraum zu suchen, um Sternberg und die Seen weiter südlich. Das ist eine plausible Annahme aus den Fundorten, keine Angabe der Quellen. Dass Stammesgebiete sich nicht genau mit Flussläufen deckten, versteht sich bei einer Zeit ohne Karten von selbst; die Forschung hat sich gerade an der Warnow darüber gestritten. Friedrich Wigger sah 1860 in dem Fluss eine Grenze zwischen Obodriten und den Kessinern, die er den Wilzen zurechnete. Wolfgang Brüske deutete die Warnow 1983 dagegen als verbindendes Element und die Kessiner als lutizischen Kernstamm (beide nach dem Wikipedia-Artikel zu den Kessinern; die Originale nicht eingesehen).
Adam, Domherr in Bremen, schrieb in den 1070er Jahren seine Geschichte der Hamburger Kirche, die Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. Er beschreibt darin auch das Land jenseits der Elbe, in dem seine Kirche Mission und Einfluss suchte. Im zweiten Buch führt er die Slawenvölker in einer Reihe auf. In dieser Aufzählung stehen die Warnower. Die Stelle lautet in der Wiedergabe, die wir aus einer dänischen Darstellung zu den Obodriten übernehmen:
Ebenso, zu uns hin, die Polaben, deren Burg Ratzeburg ist. Jenseits von ihnen sind die Linonen und die Warnaben.Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum II, 21 (Zählung nach einer dänischen Darstellung; ältere Zählungen weichen ab); Latein: „Item versus nos Polabingi, quorum civitas Razispurg. Ultra illos sunt Lingones et Warnabi.“ Eigene Übersetzung; der lateinische Wortlaut stammt aus einem Zitat in der Sekundärliteratur und wurde nicht an einer Edition geprüft, die Wiedergabe ist deshalb sinngemäß.
Mehr steht nicht da. Kein Burgname, kein Fürst, kein Gott, keine Schlacht, keine Zahl. Adam liefert keine Landkarte, sondern eine Aufzählung, die von Station zu Station weitergeht. „Jenseits“ bedeutet bei ihm eine Richtung in einer Reihe, keinen Abstand in Kilometern. Wer aus diesem Satz ein Stammesgebiet mit Grenzen zeichnet, liest mehr hinein, als Adam hineingeschrieben hat. Dass die Warnower neben den Linonen stehen, den Nachbarn an der unteren Elbe im Raum Lenzen, deutet allenfalls auf eine Lage im Süden oder Südosten der Polaben; viel mehr trägt der Satz nicht.
Eine russischsprachige Darstellung zu den Ostseeslawen verweist darauf, dass die Handschriften Adams Schreibvarianten wie Warnalii, Warnahi oder Varnahi bieten, und dass auch der Sächsische Annalist aus der Mitte des 12. Jahrhunderts die Warnabi zu den Jahren 952 und 983 aufführt. Das ist nach derselben Darstellung eine wörtliche Übernahme aus Adam und keine eigenständige Quelle; wir haben das nicht am Annalisten selbst nachgeprüft. Bemerkenswert ist, dass Adams Vorgänger zwar Obodriten kennen, aber keine Warnower. Widukind von Corvey im 10. Jahrhundert und Thietmar von Merseburg zu Beginn des 11. Jahrhunderts sprechen nach derselben Darstellung von Obodriten und, daneben, einer zweiten Gruppe namens „Varen“. Ob diese Varen etwas mit den späteren Warnabi zu tun haben, wird in der Literatur erwogen, ist aber eine Deutung.
Helmold von Bosau, Pfarrer in Bosau am Plöner See, verfasste in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Chronica Slavorum, die Slawenchronik. Er kannte das Land aus eigener Anschauung und korrigiert Adam nach der russischsprachigen Darstellung an mehreren Stellen. Bei den Warnowern tut er das nicht. Im zweiten Kapitel des ersten Buches heißt es in der Fassung einer alten französischen Übersetzung, die wir einsehen konnten: „Jenseits von diesen sind die Lingones und die Warnawi.“ Das ist, soweit wir es beurteilen können, Adams Satz in Helmolds Worten. In Helmolds späteren Aufzählungen und bei den Ereignissen des 12. Jahrhunderts begegnen die Warnower nach der russischsprachigen Darstellung nicht mehr als Handelnde. Wir haben das nicht an einer vollständigen Helmold-Ausgabe durchgesehen; ein sicherer Befund ist es deshalb nicht.
Wo Helmold die Warnow braucht, braucht er sie als Ortsangabe. Als Herzog Heinrich der Löwe 1160 gegen die Obodriten zog, hatte Niklot nach Helmold nur noch eine einzige Burg für sich behalten. Die Stelle steht im 87. Kapitel des ersten Buches, in der Wiedergabe der dänischen Darstellung: „Unum solum castrum sibi retinuit Wurle, situm iuxta flumen Warnou, prope terram Kicine.“ Sinngemäß: Eine einzige Burg behielt er für sich, Werle, gelegen am Fluss Warnow, nahe dem Land der Kessiner. Auch hier steht der Fluss für die Lage. Von einem Volk, das nach ihm hieße, ist nicht die Rede. Die Warnow als Landschaft taucht dann in Urkunden des späten 12. Jahrhunderts als Warnowe auf, so 1171 und 1186 (nach der deutschen Wikipedia; Urkundentexte nicht eingesehen).
Die deutsche Wikipedia ordnet den Gau Warnabi dem Bereich des Flusses Warnow zu und nennt als Mittelpunkte Groß Raden bei Sternberg und den Burgwall bei Friedrichsruhe im Landkreis Ludwigslust-Parchim; für den Burgwall von Friedrichsruhe als Stammeszentrum heißt es ausdrücklich, er sei schriftlich nicht belegt und werde nur angenommen. Das ist ehrlich formuliert und gibt die Lage der Forschung gut wieder. Eine Stammesburg, die eine Quelle „Hauptburg der Warnower“ nennt, gibt es nicht. Wer in Büchern oder auf Tafeln liest, Groß Raden sei der Hauptort der Warnower gewesen, liest eine Zuordnung, die auf der Lage im vermuteten Gebiet beruht und nicht auf einem Text.
Zwei Begriffe helfen hier. Ein Gau ist ein Landstrich, eine Verwaltungs- und Siedlungseinheit, die ein Chronist oder eine Urkunde so bezeichnet; ein Stamm ist ein Personenverband, der sich selbst als solcher versteht. Beides fällt nicht zusammen. Von den Warnowern ist nur die erste Ebene einigermaßen sicher: Es gab eine Landschaft, die so hieß. Dass sie von einem einheitlichen Stamm mit eigenen Fürsten, eigenem Kult und eigenem Selbstbewusstsein bewohnt war, behauptet keine Quelle. Die deutsche Wikipedia hält dazu fest, dass die Warnower innerhalb der Obodriten keine führende Rolle spielten und anders als die Wagrier oder Polaben kein eigenes Teilfürstentum entwickelten. Das ist eine Einordnung der modernen Forschung; die Quellen schweigen darüber.
Fast alles Anschauliche über die Warnower-Landschaft kommt aus der Archäologie, vor allem aus Groß Raden, wenige Kilometer nördlich von Sternberg. Ewald Schuldt grub dort von 1973 bis 1980 etwa 7000 Quadratmeter aus, fast die Hälfte der besiedelten Fläche (nach der deutschen Wikipedia). Der Boden war feucht, Holz blieb erhalten, und die Fläche war über Jahrhunderte Weideland geblieben. Daher ließen sich Hausgrundrisse, Wege und Befestigungen besser lesen als an fast jedem anderen Platz der Region.
Die Siedlung lag auf einer Halbinsel in einem See; der See verlandete später, sodass die Halbinsel heute nicht mehr so aussieht wie vor tausend Jahren. Ein etwa viereinhalb Meter breiter Graben und eine Palisade mit Wehrgang sicherten sie, der einzige Zugang führte durch ein Tunneltor über eine Brücke. Schuldt unterschied zwei Bauphasen. Eine ältere befestigte Siedlung entstand demnach in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts mit rund vierzig dicht stehenden Flechtwandhäusern von etwa vier mal fünf Metern. Um 900 brannte sie ab, wurde aber rasch wieder aufgebaut, nun in Blockbauweise. Am Ende des 10. Jahrhunderts wurde der Platz aufgegeben, möglicherweise nach einer weiteren Zerstörung; die deutsche Wikipedia nennt den Feldzug Ottos III. von 995 nur als denkbare Erklärung. Die Ursachen der Zerstörungen gelten als nicht geklärt.
Das Bekannteste an Groß Raden ist ein Gebäude aus breiten Eichenbohlen von etwa sieben mal elf Metern am Südostrand der Halbinsel. Opferspuren, die Lage abseits der Häuser und Pfosten mit gesichtsartig geschnitzten Köpfen führen dazu, dass man es als Kultbau liest, als sogenannten Umgangstempel, also ein Gebäude, um das man herumgehen konnte. Die Wikipedia drückt das mit „dürfte“ aus, und das ist die richtige Vorsicht: Ob das Gebäude überdacht oder oben offen war, ist unklar. Ein Reiseführer, der von einem „Tempel der Warnower“ spricht, verbindet drei Deutungen zu einer Aussage. Einen Götternamen nennt der Fund nicht. Die später errichtete Kultstätte auf einer Insel in einem kreisförmigen Wall von rund zehn Metern Höhe und 25 Metern Innendurchmesser ist ebenfalls ein Befund mit Deutung. Eine Rekonstruktion des Tunneltores wurde 2009 gebaut. Heute zeigt das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden Teile der Anlage.
Was „Warnow“ bedeutet, ist unsicher. Die englische Wikipedia nennt den Vorschlag einer vorindogermanischen Wurzel mit der Bedeutung „Quelle, Strom“, möglicherweise aus dem Hattischen; die slawische Form wäre danach durch ein vorangestelltes v- daraus entstanden. Dieselbe Seite erwähnt eine ältere antike Namensspur: Ptolemäus (um 150 n. Chr.) beschreibt einen Fluss, der vermutlich der Warnow entspricht. Das ist eine Identifikation auf schwacher Grundlage. Andere Deutungen gehen von einem westslawischen Wort für den Raben aus (varna), das der Sprachwissenschaftler Reinhold Trautmann 1949 vertreten haben soll (so die russischsprachige Darstellung; das Original nicht eingesehen). Eine dritte Linie führt zu einem Personennamen oder zu einer Wurzel var- und denkt an die „Varen“ Widukinds und Thietmars als älteste Eigenbezeichnung der Obodriten insgesamt, aus der Warnabi in Analogie zu Weletabi hervorgegangen sein könnte. Keine dieser Erklärungen ist bewiesen, einige schließen sich aus. Die englische Wikipedia erwägt außerdem einen Einfluss der germanischen Warnen, was Teil der eingangs erwähnten ungeklärten Namensfrage bleibt.
Wichtig ist für den Blick auf die Quellen die Richtung. Entweder trägt der Fluss den Namen des Stammes oder der Stamm den des Flusses. Wahrscheinlicher ist Letzteres, denn -abi-Namen sind Landschafts- und Anwohnernamen. Dass der Fluss bereits vor den Slawen einen Namen hatte, den sie übernahmen und abwandelten, ist plausibel und passt zu vielen Flussnamen in Norddeutschland. Wie weit das für die Warnow gilt, entscheidet die Sprachwissenschaft, nicht der Historiker.
Der Ausgangshinweis, die Warnower stünden in einem besonderen Bezug zu den Kämpfen der Jahre 1147 bis 1160, lässt sich nach unserer Recherche nicht halten. Die Ereignisse sind gut bekannt, aber in ihnen werden die Obodriten insgesamt und ihr Fürst Niklot genannt, nicht die Warnower. 1147 beim sogenannten Wendenkreuzzug, der Teil des Zweiten Kreuzzugs gegen die heidnischen Slawen war, kam es zu Niklots vorbeugendem Angriff auf Lübeck und Wagrien und zur Belagerung der Burg Dobin am Schweriner See, die ohne Ergebnis abgebrochen wurde. 1150 verweigerten die Kessiner und Zirzipanen den Tribut, den Niklot erhob; Helmold berichtet davon im 71. Kapitel des ersten Buches (nach der englischen Wiedergabe auf jassa.org). Niklot fiel 1160 bei Werle. Heinrich der Löwe setzte danach Dienstleute in die eroberten Burgen und vergab das Land nicht als Lehen, was dem Obodritenland ein Ende als eigenständigem Fürstentum bereitete, bis Niklots Sohn Pribislaw es 1167 als sächsischer Vasall zurückerhielt (nach der Wikipedia zu Niklot; Einzelheiten der Quellenlage sind hier nicht geprüft).
Die Verbindung der Warnower mit diesen Jahren ist also eine räumliche: Werle liegt, soweit die Wikipedia es angibt, im Ortsteil Werle der Gemeinde Kassow nordwestlich von Güstrow, nahe der Warnow, und Helmold setzt es ausdrücklich an die Grenze zum Land der Kessiner. Ob der Ort zum Gebiet der Warnower, der Kessiner oder der Obodriten im weiteren Sinn zu rechnen ist, wird nicht aus den Quellen entschieden, sondern aus dem Zuschnitt, den man den Stämmen gibt. Die Wikipedia zu Werle verzeichnet für die Burg Namensformen wie Wurle und Orle und erwähnt eine Angabe, nach der die Burg um 600 von Slawen gebaut worden sein soll; die Zeitangabe ist dort mit „soll“ markiert, wir haben sie nicht nachgeprüft und tragen sie nicht weiter.
Aus alledem ergibt sich ein nüchternes Bild. Die Warnower sind in den schriftlichen Quellen mit zwei Belegen greifbar, die einer sind, nämlich Adam und Helmold, der Adam folgt. Dazu kommt ein Landschaftsname Warnowe im 12. Jahrhundert. Alles andere ist Schlussfolgerung: Wo wohnten sie, wer führte sie, wen verehrten sie? Eine russischsprachige Darstellung kommt zu dem Ergebnis, die Warnabi seien wahrscheinlich nicht eigenständig gewesen, sondern entweder eine örtliche Bezeichnung der Obodriten oder eine Namensform, die in Adams Zusammenstellung entstand. Das ist die vorsichtigste mögliche Lesart, und sie ist nicht abwegig. Man kann ihr widersprechen, aber dann braucht man mehr als einen Satz Adams.
Auch das Wort „Stamm“ ist modern. Die frühmittelalterlichen Verbände an der südlichen Ostseeküste waren wandelbar. Gruppen spalteten sich, schlossen sich zusammen und wurden von fremden Schreibern nach der nächstliegenden Burg, dem nächsten Fluss oder der nächsten Tributpflicht benannt. Die Kessiner gelten nach der Forschung sogar als „Neustamm“, entstanden erst um die Jahrtausendwende, wahrscheinlich als Abspaltung von den Zirzipanen, und auch das ist Vermutung. Wer an den Warnowern etwas über die Obodriten lernen will, über ihren Aufbau aus Teilstämmen wie den Wagriern und Polaben, sollte genau diese Unschärfe mitnehmen.
Wer der Warnow von der Seenlandschaft um Sternberg, in der Groß Raden liegt, durch die Täler bei Bützow und Schwaan bis zur Hansestadt Rostock und ihrer Mündung in die Ostsee folgt, kommt nacheinander durch alles, was in diesem Beitrag besprochen wurde. Slawische Burgwälle und Siedlungsplätze liegen darin verteilt, manche mit Tafel, viele ohne. Dass ein einziger Fluss diese Orte verbindet, mag die Schreiber verleitet haben, aus einer Gegend, einem Wasser und einem Namen ein Volk zu machen; das ist eine Möglichkeit, kein Befund. Ob es das Volk gab, dessen Namen sie aufschrieben, kann dieser Beitrag nicht entscheiden. Wir können nur zeigen, wie dünn der Boden ist, auf dem die Antwort stehen müsste.
Für die Burgenwelt der Region ist der Beitrag Burgenkunde hilfreich; für den größeren Zusammenhang mit den Wilzen und Lutizen, den Nachbarn im Osten und Süden, lohnen Wilzen und Lutizen.
Wer waren die Warnower? Eine slawische Gruppe, die Adam von Bremen im 11. Jahrhundert als Warnabi in einer Aufzählung nennt. Sie werden dem Verband der Obodriten zugerechnet und an der oberen und mittleren Warnow in Mecklenburg vermutet.
Sind die Warnower dasselbe wie die Warnen? Nein. Die Warnen sind ein germanisches Volk der Antike, über das ein eigener Beitrag berichtet. Eine Namensverwandtschaft wird in der Forschung erwogen, belegt ist sie nicht.
Wo lagen die Warnower? Vermutlich im Gebiet um Sternberg und Groß Raden an der Warnow; Rostock und die untere Warnow gehörten zum Land der Kessiner. Eine genaue Grenze ist nicht überliefert.
Warum ist so wenig über sie bekannt? Es gibt im Kern nur eine Nennung bei Adam von Bremen und eine abhängige bei Helmold, dazu einen Landschaftsnamen und die Ausgrabungen von Groß Raden. Eigene Quellen der Slawen, die ihre Sicht zeigen könnten, fehlen.
Kann man Groß Raden besuchen? Ja, das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden bei Sternberg zeigt die rekonstruierte Anlage mit Teilen der Befestigung, Häusern und dem Kultbau. Öffnungszeiten bitte vorab beim Museum erfragen.

Die Obodriten · Die Kessiner · Die Warnen · Die Zirzipanen · Die Polaben.
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