Der Name „Durotriger“ steht auf einer Landkarte des Ptolemäus und auf Bausteinen an Hadrians Wall, aber in keiner antiken Erzählung über einen Krieg. Das Bild vom Stamm, der in Maiden Castle niedergemetzelt wurde, stammt aus einer Grabung der 1930er-Jahre, nicht aus einem Text. Dieser Beitrag trennt, was Schriftquellen, Funde und spätere Deutung hergeben, und nennt offen, wo die Lage unklar bleibt.
Die Durotriger (lateinisch Durotriges) lebten in der späten Eisenzeit und der frühen Römerzeit im Gebiet des heutigen Dorset und in angrenzenden Teilen von Somerset und Wiltshire, mit Zugang zur Kanalküste. Das ist eine Rekonstruktion, keine Grenzbeschreibung: Stammesgrenzen sind aus Funden und aus späteren römischen Verwaltungsbezirken erschlossen, nicht überliefert. Ein antiker Autor, der das Land der Durotriger bereist und beschrieben hätte, ist nicht bekannt. Wir kennen den Stamm aus drei Arten von Spuren: aus wenigen Zeilen griechischer und lateinischer Geographie und Inschriften, aus Münzen und aus dem, was Archäologen im Boden Dorsets gefunden haben.
Das hat Folgen für alles, was sich über sie sagen lässt. Die Durotriger sind ein Volk, dessen Namen wir von außen erhalten haben. Wie sie sich selbst nannten, ob sie sich als eine politische Einheit verstanden oder ob der Name erst von Mittelmeerautoren zu einem Etikett für mehrere Gruppen verdichtet wurde, lässt sich nicht belegen. Wer Sätze über „die Durotriger“ liest, die ihnen Gesinnung, Königsfamilien oder ein Bündnissystem zuschreiben, liest in der Regel Deutung. Auf dieser Seite steht deshalb vor jedem größeren Abschnitt, auf welcher Grundlage er ruht.
Die Nachbarn: Im Westen schließt sich das Land der Dumnonier an, im Norden das der Dobunni, im Osten und Nordosten liegen die Gebiete der Belger und Atrebaten. Der Überblick über die Briten insgesamt steht auf der Seite Die Briten, die größere Einordnung der keltischen Welt unter Die Kelten.
Die älteste greifbare Nennung steht bei Ptolemäus, dem griechischsprachigen Geographen des 2. Jahrhunderts n. Chr. In seiner Beschreibung der Insel Albion führt er die Δουρότριγες an, im Süden gelegen, und gibt ihnen eine Stadt namens Dunium (Δούνιον) mit Koordinaten. Das Gebiet der Dobunni nennt er in unmittelbarer Nähe, ebenso die Belger und die Dumnonier. In der Zählung der gängigen Ausgaben steht der Abschnitt im zweiten Buch der Geographie, im Kapitel über Albion; die englische Übersetzung von Stevenson, die auf Bill Thayers Seite bei der University of Chicago liegt, zählt es als II.2, und Thayer selbst vermerkt dort, die Übersetzung tauge nicht für ernsthafte Zwecke. Die Koordinatenangaben sind ohnehin nur grobe Näherungen.
Wo Dunium lag, ist nicht entschieden. Vorgeschlagen wurden unter anderem der Hafen von Hengistbury Head, aber auch andere Orte in Dorset; die Forschung ist sich nicht einig, und der Eintrag ist nicht als Angabe der „Hauptstadt“ zu lesen. Ptolemäus nennt nur eine Stadt, und es ist nicht gesagt, dass sie die bedeutendste war.
Die zweite Gruppe von Zeugnissen sind Inschriften, und sie stammen aus einer ganz anderen Zeit. Zwei Bausteine, die als RIB 1672 und RIB 1673 im Katalog der römischen Inschriften Britanniens geführt werden, nennen eine civitas Durotrigum Lendiniensis, den „Stammesbezirk der Durotriger von Lendinis“. Der Fundort von RIB 1672 liegt bei Cawfields an Hadrians Wall; der Katalog datiert die Inschrift aufgrund des Zusammenhangs auf das Jahr 369 n. Chr. Die Steine zeigen, dass ein Bezirk dieses Namens im 4. Jahrhundert Bauarbeiten am Wall leistete, mehr nicht. Die Wortform – Durotrigum – belegt außerdem, dass der Name nicht einheitlich geschrieben wurde: Ptolemäus bietet „-triges“, die Inschrift „-trig-“ in der Genitivform.
Was der Name bedeutet, ist Deutung. Gängig ist die Herleitung aus einem keltischen duro- („Festung“ oder, nach anderer Lesart, ein Wort für „Wasser“) und einem zweiten Bestandteil, der „Bewohner“ bedeuten könnte; „Festungsbewohner“ wäre dann die Lesart. Eine zweite Richtung sieht im zweiten Element das Wort für „Könige“. Beide Vorschläge sind in der Fachliteratur umstritten und nicht zu sichern. Auch ob der Name schon vor der Besiedlung Dorsets in Gebrauch war, bleibt offen.
Das archäologisch sichtbarste Erbe des Gebiets sind die Höhenbefestigungen, im Englischen hillforts. Gemeint sind Anlagen auf Hügelkuppen, die mit Wall und Graben umgeben wurden; manche sind Dörfer, manche Zufluchtsorte, manche Versammlungsplätze, und die Forschung streitet darüber, welche Funktion überwog. Aus dem Raum der Durotriger sind unter anderem Maiden Castle, Hod Hill, Hambledon Hill, Badbury Rings, Eggardon Hill, Poundbury, Ham Hill und Cadbury Castle bekannt. Die meisten wurden bereits lange vor den Römern errichtet. Für Hod Hill nennt der aktuelle Forschungsstand eine Radiokarbondatierung des Hauptwalls um 500 v. Chr. Maiden Castle ist schrittweise gewachsen: Die erste Anlage um 600 v. Chr. umfasste rund 6,4 Hektar, um 450 v. Chr. erweiterte man sie auf etwa 19 Hektar und schuf damit das größte Hillfort Britanniens. Darunter liegt außerdem eine Anlage der Jungsteinzeit, die um 4000 v. Chr. entstand und um 3400 v. Chr. aufgegeben wurde.
Eine verbreitete Annahme besagt, die Durotriger hätten in Hillforts gelebt und von dort Krieg geführt. Die Grabungen zeichnen ein anderes Bild: Ein Großteil der Anlagen wird im Lauf des letzten vorchristlichen Jahrhunderts aufgegeben oder nur noch teilweise genutzt; eine Übersicht nennt „um 100 v. Chr.“ als Zeitpunkt, an dem die meisten außer Gebrauch kamen. Dazu kommt das Umland: Grabungen in Cranborne Chase und bei Winterborne Kingston haben Gehöfte und eine große Siedlung der späten Eisenzeit freigelegt, die der Bournemouth University seit 2009 den Spitznamen „Duropolis“ verdankt. Das Leben fand also nicht allein hinter hohen Wällen statt. Lesbarer als die Frage, wer wann in einer Festung wohnte, ist deshalb das Gesamtbild einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft mit mehreren Siedlungstypen. Mehr zur Bauweise und Nutzung der Anlagen steht auf der Seite Burgenkunde.
An der Küste, an der Mündung der Flüsse Avon und Stour in den Ärmelkanal, liegt Hengistbury Head. Dort wurde nach dem Befund ein Handelsplatz betrieben, der in der späten Eisenzeit sehr aktiv war. Der Ausgräber Barry Cunliffe hat ihn in seiner Monografie von 1978 beschrieben. Funde belegen Kontakte nach Armorica, das ist die Bretagne, darunter armorikanische Münzen und Keramik; dazu kommt eine große Menge Weinamphoren aus Norditalien – nach der Zusammenfassung der Funde mehr als an allen anderen südenglischen Fundplätzen zusammen –, während solche Amphoren in der Bretagne selbst bislang fehlen. Daraus liest man, dass der Wein nicht über die Bretagne, sondern auf einem direkteren Weg aus Italien kam. Die meisten Amphoren stammen aus der Zeit vor 50 v. Chr.; spätere Formen fehlen. Der Handel geht dort also um die Zeit zurück, in der Caesar in Gallien Krieg führt.
Zum Handel mit Britannien äußern sich zwei antike Autoren, und beide beschreiben die Insel als Ganzes, nicht Dorset. Strabon schreibt im vierten Buch seiner Geographie (4,5,2), die Insel bringe Getreide, Vieh, Gold, Silber und Eisen hervor, und diese Güter würden ausgeführt, dazu nennt er Felle, Sklaven und Jagdhunde. Auf Hengistbury lässt sich das nicht festlegen; die Liste gilt für Britannien insgesamt. Caesar erwähnt im dritten Buch des Gallischen Krieges (3,8) die Veneter, einen Stamm an der Atlantikküste der Bretagne, die zahlreiche Schiffe besäßen, mit denen sie nach Britannien zu fahren pflegten und die Seefahrt besser beherrschten als alle anderen. Als sie 56 v. Chr. gegen Caesar kämpfen, holen sie nach seinem Bericht Hilfstruppen aus Britannien (3,9). Dass diese Hilfe aus Dorset kam, steht nirgends. Wer Hengistbury als „Veneter-Hafen“ bezeichnet, übersetzt einen Fundkomplex in eine Stammesverbindung, die die Texte nicht ausdrücklich herstellen. Mehr zu den Venetern steht auf der Seite Die Veneter.
Die Durotriger sind einer der Stämme, die vor der Eroberung eigene Münzen ausgaben. Die Münzen tragen keine Inschrift und keinen lesbaren Herrschernamen. Aus der Prägung lässt sich deshalb kein König ableiten, und wo in der Literatur von „durotrigischen Königen“ die Rede ist, handelt es sich nicht um belegte Personen. Die Entwicklung der Münzbilder ist dagegen gut sichtbar. Ausgangspunkt waren Goldmünzen nach makedonischem Vorbild: Ein Kopf mit Lorbeer auf der einen Seite, ein Pferd auf der anderen, wie bei den Philipp-Stateren, die in Gallien und Britannien über Generationen kopiert wurden. In der Kopierkette lösen sich die Bilder ab: Lorbeerblätter werden zu Punkten, das Pferd zu einer Zickzacklinie, einem Kasten mit Kreis und schließlich zu Kügelchen. Man spricht von Abstraktion, und die sogenannten Cranborne-Chase- und Starfish-Typen sind Beispiele dafür.
Zum Material gibt es Zahlen, die allerdings aus einer ungleichen Quellenlage stammen. Nach einer Übersicht folgte auf Gold zunächst Silber und Billon (eine Legierung mit hohem Anteil unedlen Metalls); Silberstatere sind ab etwa 58 v. Chr. verbreitet, die Silberprägung endet etwa 30 v. Chr., danach wird Bronze geprägt und später gegossen. Das passt zu einer Beobachtung, die in der Forschung diskutiert wird: Die Münzen verschlechtern sich fortlaufend, was auf wirtschaftliche Einschränkung und kulturelle Abgrenzung gedeutet wurde. Cunliffe ordnete den Stamm einer „Peripherie“ rund um eine Kerngruppe im Südosten zu. Auf dem Hengistbury-Head-Gelände sind Tausende Münzen gefunden worden, mehrheitlich durotrigisch; Schmelzreste und Herdstellen sprechen für eine Prägung vor Ort. Das ist ein Hinweis, kein Beweis: Die Prägestätte ist nicht gesichert, und die Datierung der Typen im Einzelnen hängt an wenigen datierten Stücken. Hinzu kommt, dass viele Stücke aus Detektorfunden ohne gesicherten Fundzusammenhang stammen; auch das schränkt die Datierung ein.
Vergleichbare Münzgeschichten – andere Stämme, andere Bilder – finden sich bei den Catuvellaunen und den Icenern. Der Unterschied: Dort stehen Namen auf den Münzen, hier nicht.
Die Bestattungen der Durotriger folgen in der späten Eisenzeit einem erkennbaren Muster. Die Toten wurden, soweit bekannt, meist in Hockerlage in flachen, ovalen Gruben beigesetzt, nicht verbrannt, mit Beigaben wie Gefäßen und Schmuck. Ein einzelnes Frauengrab bei Langton Herring in Dorset, das mit einem verzierten Bronzespiegel gefunden wurde, ist radiokarbondatiert auf 25 bis 53 n. Chr. Die auffälligsten Beigaben liegen nach dem Forschungsstand häufiger in Frauengräbern als in Männergräbern.
Im Januar 2025 erschien in der Zeitschrift Nature eine Studie unter Leitung von Lara Cassidy (Trinity College Dublin) mit Ausgräbern der Bournemouth University, die über 50 Genome aus Gräberfeldern in Dorset auswertet, darunter solche aus der Siedlung bei Winterborne Kingston. Der Befund: Die meisten Personen eines Friedhofs gehen mütterlicherseits auf eine einzelne Frau zurück, die Jahrhunderte zuvor gelebt hat; väterliche Verwandtschaft ist dagegen kaum nachweisbar. Die Autoren schließen daraus auf eine matrilokale Gesellschaft, das heißt, dass Männer in die Gemeinschaft ihrer Frauen einheirateten. Land wurde möglicherweise über die weibliche Linie weitergegeben. Die Autoren selbst formulieren vorsichtig („potentially“, „possibly“): Es handelt sich um eine einzelne Gemeinschaft, die Vergleichsstudien beruhen auf kleineren Stichproben, und dass Frauen auch politisch das Sagen hatten, ist eine Schlussfolgerung aus dem Verwandtschaftsmuster, keine Beobachtung. Miles Russell weist darauf hin, dass griechische und römische Autoren die Freiheiten britischer Frauen womöglich übertrieben haben.
Die Eroberung Britanniens begann im Jahr 43 n. Chr. unter Kaiser Claudius mit dem Feldherrn Aulus Plautius. Cassius Dio beschreibt im 60. Buch seiner Römischen Geschichte den Verlauf: Plautius siegt über Caratacus und Togodumnus, die Söhne des Cynobellinus (60,20,1), gewinnt einen Teil der „Bodunni“ durch Kapitulation (60,20,2) und schickt anschließend Flavius Vespasian und dessen Bruder Sabinus über einen Fluss (60,20,3). Dio nennt die Durotriger nicht. Der Name „Bodunni“ wird meist als Hinweis auf die Dobunni gelesen (siehe Die Dobunni), und der Kampf um die Themse, der Tod des Togodumnus und die Ankunft des Claudius füllen den Rest des Berichts.
Die Stelle, die in Dorset-Erzählungen dauernd auftaucht, steht bei Sueton, in der Lebensbeschreibung Vespasians (4,1):
„Unter Kaiser Claudius wurde er auf Betreiben des Narcissus als Legionskommandeur nach Germanien geschickt und von dort nach Britannien versetzt; dort lieferte er dem Feind dreißig Schlachten. Zwei sehr mächtige Stämme, mehr als zwanzig Städte und die Insel Vectis, die Britannien am nächsten liegt, brachte er unter Roms Herrschaft, teils unter der Führung des Statthalters Aulus Plautius, teils unter der des Claudius selbst.“Sueton, Divus Vespasianus 4,1 (gemeinfrei; eigene Übersetzung aus dem Lateinischen)
Das ist der gesamte antike Text. Er nennt keinen Stamm. Er nennt keine Stadt. Er nennt auch keine Legion; von „Germanien“ ist die Rede, von einer Legion ohne Zahl. Das lateinische oppida bedeutet hier schlicht „Städte“ (Thayers Übersetzung: „towns“) und nicht „Hillforts“ oder „befestigte Zentren“. Die „zweite Legion“ steht bei Sueton nicht. Dass Vespasian die Legio II Augusta führte, geht auf Tacitus zurück (Historien 3,44), wo es heißt, er sei in Britannien von Claudius an die Spitze der zweiten Legion gestellt worden und im Krieg berühmt geworden. Vectis ist die Isle of Wight. Die „zwei mächtigen Stämme“ werden in der Forschung gern als Durotriger und eine zweite Gruppe (genannt werden Belger oder Dumnonier) identifiziert, aber das ist eine Rückübertragung aus der Kartenlage, kein Text: Sueton nennt die Namen nicht.
Die Archäologie stützt den Eindruck eines Vormarschs nach Südwesten durch Fundorte von Militäranlagen, und sie datiert die Besetzung des Raums um 43 bis etwa 50 n. Chr. Eine solche Kampagne endet nicht mit einer einzelnen Schlacht, sondern mit Stützpunkten: Alchester als erste Basis der Legion, dann vermutlich Lake Farm und Bradford Abbas, kleine Kastelle in Hod Hill (bis um 50) und Waddon Hill (bis um 60). Ab etwa 55 n. Chr. steht die Legion in Exeter, später in Caerleon (Wales) – dort liegt die Verbindung zu den Silurern.
Ein Regionalbezug nach Deutschland ist hier belegbar, wenn auch nur aus der Überblicksliteratur: Die Legio II Augusta war nach der Katastrophe im Teutoburger Wald in Germanien eingesetzt und lag nach der Garnisonsliste von etwa 17 bis 43 n. Chr. in Argentoratum, dem heutigen Straßburg am Rhein. Der Feldzug in Dorset wurde also von Soldaten geführt, die zuvor am Oberrhein stationiert waren. Das ist ein Satz über einen Truppenkörper, nicht über einzelne Männer; für die Stationierung im Einzelnen liegt keine Primärquelle vor, die für diesen Beitrag gelesen wurde.
Hod Hill im Tal des Stour ist ein Ort, an dem sich römisches Militär unmittelbar in einem eisenzeitlichen Fort niedergelassen hat. Die Römer bauten ihr Lager von etwa 200 Metern Seitenlänge in die nordwestliche Ecke der älteren Anlage. Das Lager wurde in den 1950er-Jahren von Ian Richmond im Auftrag des British Museum ausgegraben; sein Abschlussbericht erschien 1969. Richmond las die Besatzung als Abteilung einer Legion von etwa 600 Mann und einer Reitereinheit von 250. Die Benutzung wird gewöhnlich auf etwa 44 bis 51 n. Chr. datiert; um 50 wurde die Truppe für Feldzüge gegen Caratacus abgezogen, nach Waddon Hill.
Berühmt wurde Hod Hill durch eiserne Geschossspitzen. Es handelt sich um Bolzen einer Torsionswaffe, die im Englischen als ballista bezeichnet wird: eine Art Geschütz, das Pfeile oder Bolzen verschoss. Sie fanden sich gehäuft im Bereich der sogenannten Häuptlingshütte, also einem großen Rundhaus im Inneren der älteren Anlage. Daraus wurde lange gelesen: Die Römer beschossen das Haus des durotrigischen Anführers und nahmen die Festung ein. Der gegenwärtige Forschungsstand sieht das zurückhaltender. Die Bolzen können auch beim Schießtraining aus dem späteren Römerlager stammen; die Eroberung Hod Hills im Jahr 43 durch Vespasian mit der Zweiten Legion gilt als unwahrscheinlich. Wie viele Bolzen es genau waren, geben die für diesen Beitrag gelesenen Quellen nicht an, und ich nenne deshalb keine Zahl. Auf dem Hang einer Hügelkuppe ist es schwer, eine Belagerung von einer Übung zu unterscheiden, wenn die Funde nicht datiert sind.
Maiden Castle, nahe Dorchester gelegen, wurde zwischen 1934 und 1937 von Mortimer und Tessa Wheeler ausgegraben, die erste große Innengrabung eines Hillforts in Britannien. Die Arbeiten wurden zu einem großen Teil durch öffentliche Spenden bezahlt und von der Presse begleitet, und die Wheelers machten den Platz einem breiten Publikum bekannt. Das Wort „Maiden Castle“ taucht 1607 als „Mayden Castell“ erstmals auf. Die verbreitete Deutung als „unbezwingbare Festung“ ist eine Volksetymologie; möglich ist auch ein keltisches mai-dun („große Höhe“), doch Richard Coates hält den Namen für mittelalterlich und für viele ähnliche Orte vergeben.
Am Osttor entdeckte Wheeler einen Friedhof: 52 Bestattungen, darunter etwa 14 Menschen, die durch Gewalt gestorben waren. Er verband einen Körper, in dessen Wirbel ein Geschossteil steckte, mit einer römischen Katapultspitze, schloss auf einen Sturmangriff der Zweiten Legion und nannte das Areal einen „Kriegsfriedhof“. Die Wunden seien „die Zeichen der Schlacht“. Dieses Bild – der letzte Kampf der Briten gegen Rom, die Sieger mit Geschützen, die Besiegten in aller Eile bestattet – prägte die Darstellung der Eroberung Britanniens für Jahrzehnte und fand Eingang in Schulbücher.
Wheelers Funde sind real. Skelette mit Schwert- und Speerverletzungen lagen im Boden, und niemand bezweifelt die Verletzungen. Strittig ist, wer sie zufügte und wann. Dass sich das Bild in den Jahrzehnten danach verschob, liegt an mehreren Arbeitsschritten: an Niall Sharples’ Grabungen und Instandsetzungen von 1985/86, die Radiokarbondatierung einbezogen, an der geophysikalischen Untersuchung durch Dave Stewart 2015, die kein römisches Militärlager am Ort nachwies, und an der erneuten Untersuchung der Skelette.
Im Mai 2025 veröffentlichten Martin Smith, Miles Russell und Paul Cheetham im Oxford Journal of Archaeology eine Neuuntersuchung mit dem Titel „Fraught with High Tragedy“. Sie verwendet neue Radiokarbondaten und kommt zu einem Ergebnis, das Wheelers Szenario widerspricht: Die Toten starben nicht bei einem einzigen Ereignis, sondern über Jahrzehnte und mehrere Generationen, vom späten ersten Jahrhundert v. Chr. bis in das frühe erste Jahrhundert n. Chr. Die Autoren sprechen von wiederholter Gewalt, möglicherweise durch örtliche Unruhen, Hinrichtungen oder dynastische Streitigkeiten vor der römischen Eroberung, und Russell fasst es mit der Formulierung „Briten töten Briten“ zusammen. Ein römisches Massaker sei nicht belegt; andere Gräueltaten der römischen Armee blieben davon unberührt, betonen die Autoren.
Das Geschossteil, das Wheeler als Ballista-Bolzen deutete, steckte im Rückgrat einer Person. Die Neuuntersuchung ordnet es als Speerspitze örtlicher Machart ein. Das ist ein Einzelbefund, aber er traf den Kern der alten Darstellung: Das Geschoss, das die römische Artillerie beweisen sollte, gehört nach heutiger Lesart nicht dazu. Wie viele Skelette Wunden tragen, wird in den für diesen Beitrag gelesenen Berichten als „Dutzende“ angegeben, ohne genaue Zahl; Wheelers eigene Zahlen (52 Bestattungen, 14 mit Gewalteinwirkung) stammen aus Überblicksdarstellungen, nicht aus seinem Grabungsbericht, den ich nicht eingesehen habe.
Offen bleibt einiges. Wheeler hat nur einen Teil des Geländes ausgegraben, so dass weitere Bestattungen im Boden liegen können. Martin Smith vermerkt, dass Wheelers Sicht möglicherweise von der Bedrohung durch eine Invasion in seiner eigenen Zeit geprägt war – das ist eine Einschätzung der heutigen Autoren, kein Beleg für Wheelers Motive. Paul Cheetham weist darauf hin, dass die Mischung der Bestattungsweisen auf unterschiedliche Kulturen oder auf komplexe soziale Regeln hindeuten könnte. Die Neubewertung bestreitet ein einzelnes römisches Massaker; sie bestreitet nicht, dass es Gewalt gab, und auch nicht, dass Rom anderswo brutal vorging.
Nach der Eroberung verlagerte sich der Schwerpunkt der Siedlung vom Hillfort in die Talsohle. Durnovaria, das heutige Dorchester, erscheint im Itinerarium Antonini, dem römischen Straßenverzeichnis, und war ein Straßenknoten und Marktort. Der Name ist britisch; durn bedeutet „Faust“ und wird als „Ort mit faustgroßen Kieseln“ gedeutet, wobei ein Anklang an den Stammesnamen möglich ist. Als wahrscheinlicher ursprünglicher Hauptort der civitas (dem römischen Verwaltungsbezirk des Stammes) gilt Durnovaria; ein zweiter Bezirk lag in Lindinis (Ilchester), wie die Inschrift von 369 n. Chr. bestätigt. Aus römischer Zeit sind in Dorchester Stadtmauern, ein Aquädukt, ein zum Amphitheater umgebauter Erdring (Maumbury Rings) und das einzige sichtbare römische Stadthaus Britanniens bekannt; es stammt aus dem frühen 4. Jahrhundert. Der Aquädukt führte über etwa neun Kilometer in gewundenem Lauf zur Stadt und wurde um 160 n. Chr. aufgegeben, nachdem der Damm bei Frampton gebrochen war.
Vindocladia, ein weiterer Ort aus dem Itinerar, wird in der Regel mit Badbury Rings in Dorset gleichgesetzt, wo eine römische Siedlung neben dem eisenzeitlichen Hillfort liegt. Das Denkmalverzeichnis von Dorset schreibt vorsichtig, der Platz werde „allgemein“ für das Vindocladia des Itinerars gehalten. Das ist eine verbreitete, aber keine bewiesene Gleichsetzung. Und das Gelände nördlich der Stadt, Poundbury, trägt ein Hillfort mit einem V-förmigen Graben aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und eine große römerzeitliche Nekropole, deren Bestattungen überwiegend ins 4. Jahrhundert n. Chr. gehören und möglicherweise christlich waren. Wann genau die Bewohner des Gebiets „römisch“ wurden, lässt sich nicht an einem Datum festmachen; um 70 n. Chr. galt der Stamm als in die Provinz eingegliedert, und die Römer förderten örtliche Steinbrüche und eine Töpferindustrie.
Hinter den Funden stehen Fragen, die nicht abschließend beantwortet sind. Warum wich die Münzprägung so früh von der des Südostens ab, und warum wurde sie schlechter? War die Eroberung Dorsets mit Gewalt verbunden oder verhandelt, und wie viel davon spiegelt sich in einem Gräberfeld? Welche Rolle spielte Hengistbury Head nach 50 v. Chr., als der Weinhandel offenbar zurückging? Wie weit trägt ein DNA-Befund aus einer Gemeinschaft für einen ganzen Stamm? Wer die Durotriger beschreibt, muss einräumen, dass die Zahl der Schriftzeugnisse klein ist und dass die Archäologie, die an ihre Stelle tritt, ihrerseits Deutungen unterliegt. Die Neubewertung von Maiden Castle zeigt, dass auch eine Erzählung, die ein Jahrhundert lang als gesichert galt, aus Funden und einer Hypothese zusammengesetzt war.
Die Nachbarn und die Eroberungsgeschichte aus anderer Richtung stehen in den Beiträgen zu den Dumnoniern, Atrebaten, Dobunni, Catuvellaunen, Briganten, Icenern und Silurern. Wie Kämpfer der Eisenzeit ausgerüstet waren, zeigt Keltische Krieger.

Die Dumnonier · Die Atrebaten · Die Catuvellaunen · Die Icener · Die Briten.
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