Die meisten Runensteine erzählen vom Tod. Einer in Uppland erzählt von einer Karriere. Ulf von Borresta, heißt es dort, habe in England dreimal Geld genommen, und dann werden die Zahler aufgezählt, einer nach dem anderen, bis hinauf zu König Knut. Ulf ist kein Einzelfall. Rund dreißig Steine in Skandinavien erinnern an Männer, die nach England fuhren. Zusammen mit der Angelsächsischen Chronik ergeben sie ein seltenes Bild: dieselben Jahre, einmal von der Seite der Zahlenden, einmal von der Seite der Empfänger.

Der Runenstein U 344 stand ursprünglich in Yttergärde in Uppland und steht heute bei der Kirche von Orkesta. Er gehört zu einer Gruppe von Steinen, die Ulf und seine Familie setzen ließen. Der entscheidende Teil lautet:
En Ulfʀ hafiʀ a Ænglandi þry giald takit. Þet vas fyrsta þet's Tosti ga[l]t. Þa [galt] Þorkætill. Þa galt Knutr.
„Und Ulf hat in England dreimal Geld genommen. Das erste war das, was Tosti zahlte. Dann zahlte Thorketil. Dann zahlte Knut."Runenstein U 344, Yttergärde, heute Orkesta; normalisierte Lesung nach der Samnordisk runtextdatabas, deutsche Übertragung von uns
Das altnordische Wort ist gjald, Zahlung, Abgabe. Gemeint ist Geld, das England zahlte, damit ein Heer abzog oder in seinem Dienst blieb – und von dem Ulf seinen Anteil nach Hause brachte.
Zwei der drei Namen lassen sich zuordnen. Thorketil ist mit großer Wahrscheinlichkeit Thorkell der Hohe, der 1009 bis 1012 mit einem großen Heer in England stand. Knut ist Knut der Große, der 1016 König von England wurde. Wer Tosti war, ist offen. Man hat an einen schwedischen Anführer gedacht, der aus späteren Sagas bekannt ist; sicher ist das nicht.
Die Forschung kennt etwa dreißig Runensteine, die England erwähnen. Die große Mehrheit, rund siebenundzwanzig, steht im heutigen Schweden, und siebzehn davon allein in den Landschaften um den Mälaren. Dazu kommen einzelne Steine in Dänemark und Norwegen.
Dass gerade Schweden so viele hat, liegt nicht daran, dass Schweden häufiger nach England fuhren als Dänen. Es liegt an der Sitte: Im Uppland des 11. Jahrhunderts setzte man Runensteine in einer Menge wie nirgends sonst. Die England-Steine sind ein Ausschnitt aus dieser Welle.
Auf der anderen Seite stehen die Zahlen der Angelsächsischen Chronik. Nach der Niederlage bei Maldon 991 zahlte England zehntausend Pfund Silber. 994 waren es sechzehntausend, 1002 vierundzwanzigtausend, 1007 sechsunddreißigtausend – in einer Handschrift dreißigtausend –, 1012 achtundvierzigtausend. 1018, nach Knuts Thronbesteigung, erhob Knut zweiundsiebzigtausend Pfund, dazu zehntausendfünfhundert allein aus London, um sein Heer auszuzahlen.
Die Chronisten nennen das gafol, Tribut. Seit 1012 kam eine regelmäßige Steuer hinzu, das heregeld, mit dem Söldnerflotten im Dienst des Königs bezahlt wurden. Das Wort „Danegeld", unter dem man die Sache heute kennt, taucht erst nach der normannischen Eroberung auf, als Name einer Grundsteuer.
Wie viel davon wirklich in Skandinavien ankam, weiß niemand. Aber die Horte sprechen eine deutliche Sprache: In skandinavischen Schatzfunden liegen zehntausende angelsächsische Silbermünzen, die meisten aus der Zeit Æthelreds und Knuts.
Ulf ist der Rechenmeister unter den Englandfahrern, aber nicht der Einzige, der von Geld spricht.
Auf U 241 in Lingsberg heißt es von Ulfrik, er habe in England zweimal Geld genommen. Auf U 194 in Väsby steht von Alli, er habe Knuts Geld in England genommen. Und Sö 166 aus Grinda in Södermanland verbindet zwei Richtungen:
„Gudvér war im Westen, teilte in England Geld, griff mannhaft Städte in Sachsen an."Runenstein Sö 166, Grinda; deutsche Übertragung von uns
Geld teilen – das ist Beuteverteilung unter Gefährten, nicht Plünderung auf eigene Rechnung. Der Stein zeigt einen Mann, der beides kannte: die bezahlte Fahrt nach England und den Raubzug an der Nordseeküste des Reiches.
Nicht jeder Englandfahrer war Angreifer. Auf U 668 in Kålsta ließen zwei Brüder einen Stein für ihren Vater Geiri setzen, der „im Westen im Thingalið saß". Das þingalið war die Kerntruppe der dänischen Könige Englands zwischen 1016 und 1066, eine bezahlte Elite, die zu einem großen Teil aus Skandinavien stammte.
Geiri war also kein Räuber, sondern Berufssoldat im Dienst eines Königs in London. Das ist dieselbe Welt wie die der Warägergarde in Byzanz, nur auf der anderen Seite Europas.
Belegt ist, dass Männer aus Uppland und Södermanland im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert nach England fuhren, dort an Tributzahlungen beteiligt waren und im Heer Knuts dienten, und dass ihre Familien stolz darauf waren. Belegt ist auch der Umfang der Zahlungen – aus englischer Sicht.
Nicht belegt ist, was der Einzelne bekam, in welchen Schlachten er stand, wie er zurückkam. Die Steine sind Ehrenmale, keine Berichte.
Und sie sind einseitig. Wie sich dieselben Jahre von der anderen Seite anfühlten, hat Erzbischof Wulfstan 1014 in seiner Predigt an die Engländer festgehalten, dem Sermo Lupi ad Anglos: ein Land, das sich selbst als von Gott gestraft sah, weil es sich nicht mehr zu wehren wusste. Wer die Englandfahrer verstehen will, sollte beide lesen.
Die Englandfahrer sind die späten Erben der Großen Heidnischen Armee, und sie sind die Zeitgenossen der Ingvar-Fahrer, die aus denselben Dörfern nach Osten zogen. Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

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