Olaf Haraldsson besiegte 1016 bei Nesjar die Jarle von Lade, regierte Norwegen gut ein Jahrzehnt, floh 1028 vor Knut dem Großen, kehrte zurück und fiel 1030 bei Stiklestad. Ein Jahr später war er ein Heiliger. Dieser Beitrag trennt den König vom Kult, geht die Quellen von Sigvatr bis Snorri durch, behandelt das umstrittene Datum der Schlacht und nennt ehrlich, wo es keinen belegten Bezug zum Rheinland gibt und wo es einen nach Norddeutschland gibt.
Olaf Haraldsson, altnordisch Óláfr Haraldsson, herrschte als König von Norwegen von 1016 bis 1028, also kaum zwölf Jahre. Er wurde aus dem Land gejagt, kehrte zurück und fiel im Sommer 1030 gegen ein Aufgebot norwegischer Großer. Als Toter machte er die größere Karriere: Schon 1031 erklärte ihn Bischof Grimkell zum Heiligen, und über Jahrhunderte galt er als der eigentliche, ewige Herr des Landes. Die Sagas nennen ihn inn digri, gewöhnlich mit „der Dicke“ oder „der Stämmige“ wiedergegeben, später inn helgi, „der Heilige“.
Das Problem jeder Darstellung: Beide Lebensläufe laufen ineinander. Fast alles, was wir über den König wissen, haben Menschen aufgeschrieben oder gedichtet, die ihn schon als Heiligen sahen oder von seinem Kult lebten. Dieser Beitrag geht deshalb nach Quellenschichten vor. Die Schlacht selbst behandelt ausführlich der Beitrag zu Stiklestad; hier geht es um den ganzen Mann.
Geboren wurde Olaf nach den Sagas um 995, manche Forscher halten ihn für älter. Seine Mutter war Åsta Gudbrandsdatter, sein Vater Harald Grenske, ein Kleinkönig im Südosten Norwegens, der noch vor Olafs Geburt in Schweden erschlagen worden sein soll. Aufgewachsen ist Olaf bei seinem Stiefvater Sigurd Syr in Ringerike; aus dieser zweiten Ehe der Mutter stammt sein Halbbruder Harald Sigurdsson, später Harald Hardrada. Die Abstammung von Harald Schönhaar, die die Sagas für Olafs Vater behaupten, gehört zu den Stammbäumen, die gebaut wurden, um Königsrechte zu begründen; belegen lässt sie sich nicht.
Am nächsten an den Ereignissen stehen die Skalden. Ein Skalde ist ein nordischer Hofdichter, der Strophen in streng gebundener Form (dróttkvætt) vor seinem Herrn vortrug. Weil Silbenzahl, Stabreim und Binnenreim den Wortlaut festlegen, überstanden solche Strophen mündliche Weitergabe oft besser als Prosa. Aufgeschrieben wurden sie allerdings erst in Sagas des 12. und 13. Jahrhunderts, und ein Lobdichter schmeichelt von Berufs wegen.
Sigvatr Þórðarson, ein Isländer (etwa 995 bis 1045), war Olafs Hofdichter und nach der Überlieferung sein Marschall (stallari). Von ihm sind rund 160 Strophen erhalten, mehr als von jedem anderen Dichter der Zeit. Die Víkingarvísur (um 1014/15) zählen Olafs frühe Kriegszüge auf, die Nesjavísur besingen die Seeschlacht von 1016, nach Olafs Tod folgten die Erfidrápa und eine freimütige Mahnung an Olafs Sohn Magnus. Sein Neffe Óttarr svarti („der Schwarze“) diente nacheinander Olof Skötkonung, Olaf, dessen Sohn Anund Jakob und schließlich Knut dem Großen; seine Hǫfuðlausn, das „Haupteslösegedicht“, baut auf Sigvats Strophen zu Olafs Wikingerzügen auf. Þórarinn loftunga dichtete in den frühen 1030er-Jahren die Glælognskviða, das älteste erhaltene Zeugnis für Olafs Heiligkeit.
Dieses Gedicht verdient einen zweiten Blick. Nach Russell Poole, den ich gelesen habe, richtete es sich an Sven Knutsson, den Sohn Knuts des Großen, der damals für den Vater Norwegen regierte, und sollte ihn bewegen, den Kult des Erschlagenen zu fördern; Poole beruft sich auf Matthew Townend. Die Verehrung beginnt also nicht nur bei Olafs Anhängern, sondern am Hof seiner Gegner. In den Strophen stehen die ersten „Zeichen“: Der Leib liege unversehrt, Haar und Nägel wüchsen, Glocken läuteten von selbst, Kerzen brennten am Altar. Das sind Motive, die man vom ostanglischen Heiligen Edmund kannte.
Die Angelsächsische Chronik meldet nach der englischen Übersetzung, die ich in Auszügen las, zu 1028, Knut sei mit fünfzig Schiffen nach Norwegen gefahren und habe Olaf aus dem Land getrieben, und zu 1030, Olaf sei zurückgekehrt, das Volk habe sich gegen ihn gesammelt, und er sei dort „von seinem eigenen Volk“ erschlagen und danach heilig gesprochen worden. Eine Handschrift (C) sagt nach Poole kürzer, er sei „danach heilig“ gewesen. Wann dieser Zusatz in die Handschriften kam, lässt sich aus der Übersetzung nicht ablesen.
Die Sagas und Chroniken stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert: die Historia Norwegiae (zweite Hälfte 12. Jahrhundert), das Ágrip (um 1190), die lateinische Geschichte des Mönchs Theodoricus (um 1177 bis 1188), die Älteste Olafssaga (um 1200, größtenteils verloren), die Legendarische Saga (frühes 13. Jahrhundert) sowie Fagrskinna, Morkinskinna und die Heimskringla von Snorri Sturluson (um 1225 bis 1230). Snorri widmet Olaf etwa ein Drittel seiner Königssagas und flicht Skaldenstrophen als Belege ein. Dazu kommt die Passio et miracula beati Olavi, Leidensgeschichte und Wundersammlung, um 1150 bis 1160 oder wenig später zusammengestellt, möglicherweise von Erzbischof Eysteinn Erlendsson; der Titel Acta sancti Olavi bezeichnet eine Edition des 19. Jahrhunderts, keinen eigenen Text. Zur Gattung siehe die Isländersagas.
Adam von Bremen schrieb um 1075 aus der Sicht des Erzbistums Hamburg-Bremen. Nach den Zusammenfassungen, die ich las, nennt er Nidaros eine Metropole und kennt die Wallfahrt zum Schrein; den lateinischen Text habe ich nicht gelesen. Zu seiner Arbeitsweise siehe Adam von Bremen.
Zwei Zeugnisse sind stumm und gerade deshalb wertvoll. Von Olaf sind drei Münztypen bekannt, alle nach angelsächsischen Vorbildern; die Umschrift lautet ONLAF REX NORMANORUM, „Olaf, König der Nordmänner“, zwei gut erhaltene Stücke des frühesten Typs sind auf quadratischen Schrötlingen geprägt. Wo geprägt wurde, sagt die norwegische Münzbeschreibung, die ich las, nicht; ich lasse es offen. Der Kuli-Stein von Kuløy in Nordmøre trägt auf der Schmalseite eine Runeninschrift, nach gängiger Lesung: Das Christentum sei „zwölf Winter in Norwegen“ gewesen. Lesung, Datierung (um 1034, wenn man den Fund mit einem dendrochronologisch datierten Bohlenweg verbindet) und Bezug sind umstritten; man hat an Olafs Kirchengesetz von 1022 oder 1024 gedacht, andere an die Zeit Olaf Tryggvasons um 995.
Die Archäologie schweigt zum Kampf. Vom Schlachtfeld Stiklestad gibt es keine Waffenfunde; eine Georadar-Untersuchung 2008 zeigte Spuren großer Gebäude, kaum aber Hinweise auf Kampfhandlungen. Ein Fund der Trondheimer Archäologen (NIKU, November 2016) betrifft den Kult: Fundamente einer Kirche mit einer kleinen Steinplattform am Ostende, möglicherweise einer Altarbasis, und eine kleine Quelle. Die Ausgräber halten sie für die erste Clemenskirche, in die Olafs Leichnam überführt worden sein soll, und formulieren selbst vorsichtig.
Die Jahre vor 1015 sind die am schlechtesten bezeugten, und die Sagas malen sie am buntesten aus. Nach Snorri zog Olaf mit zwölf Jahren erstmals aus, eine Zahl, die an Heldenbiographien erinnert. Das Store norske leksikon (SNL) rekonstruiert ungefähr diesen Ablauf: 1007 Raubzüge an der schwedischen Ostseeküste, möglicherweise gegen Sigtuna, dazu Tribut auf Gotland; 1008 Fahrten nach Saaremaa und Finnland; dann der Anschluss an den Jomswikinger Thorkell den Hohen in Dänemark (siehe Jomswikinger). Mit dessen Heer kam Olaf im Herbst 1009 nach England, und die Forschung hält es für wahrscheinlich, dass er an den Kämpfen von 1010 und an der Einnahme Canterburys beteiligt war, bei der Erzbischof Ælfheah gefangen wurde.
Wie sicher ist das? Sigvats Víkingarvísur nennen Kämpfe und Orte, ohne ein Itinerar zu geben, und nicht alle Namen lassen sich bestimmen. Englische Quellen führen Olaf in diesen Jahren nach meinem Kenntnisstand nicht namentlich auf. Das gilt auch für die berühmte Geschichte, Olaf habe 1014 die Brücke von London niedergerissen: Eine Strophe aus Óttarrs Haupteslösung wird als Grundlage genannt, die Verbindung zum Kinderreim vom einstürzenden London Bridge gilt in neuerer Literatur als nicht tragfähig, eine englische Bestätigung fehlt. Ob Olaf dem englischen König Æthelred 1014 bei der Rückkehr half, wie die Sagas wollen, bleibt eine Behauptung der Sagas. Zum Hintergrund siehe Wikinger in England.
1012 stand Olaf nach den Zusammenfassungen im Dienst Herzog Richards II. der Normandie und kämpfte bei Dol; dass die Sagas ihn bis Gibraltar bringen, ordne ich als Sagaerweiterung ein. Im Herbst 1013 oder Anfang 1014 ließ er sich in Rouen von Erzbischof Robert taufen, einem Bruder des Herzogs. Die Saga-Version, er sei schon als Kind und mit Olaf Tryggvason als Paten getauft worden, stuft das SNL als unsicher ein; sie stellt Olaf erkennbar in die Linie des ersten Missionskönigs. Wie ernst es ihm mit dem neuen Glauben war, lässt sich aus der Taufe nicht ablesen.
Im Jahr 1015 setzte Olaf mit zwei Schiffen nach Norwegen über. Der Zeitpunkt war günstig: Die Jarle von Lade, die das Land zuvor beherrscht hatten, waren geschwächt, und Jarl Eirik war nach England gegangen, um Knut den Großen zu unterstützen. Olaf nahm Eiriks Sohn Håkon gefangen und ließ ihn unter der Bedingung frei, das Land zu verlassen. Fünf Kleinkönige des Oberlands sollen ihn gestützt haben. Das beruht auf den Sagas und Zusammenfassungen.
Besser belegt ist der Sieg bei Nesjar. Sigvats Nesjavísur schildern ihn, und der Dichter sagt, er sei dabei gewesen. In Stanze 14 heißt es nach Pooles Übersetzung sinngemäß, Olafs Gefolge habe an Palmsonntag einen harten Kampf gewonnen, und so habe er auf Ostern warten müssen. Palmsonntag 1016 fiel auf den 25. März. Gegner war Sven Hákonarson, Jarl von Lade und Bruder des Jarls Eirik; nach dem SNL standen auch Einar Tambarskjelve und Erling Skjalgsson auf der Seite der Jarlspartei. Wo Nesjar lag, ist umstritten; genannt wird die Gegend von Brunlanes und Mølen in Vestfold. Noch im selben Jahr wurde Olaf, so die Überlieferung, auf dem Øreting in Trøndelag zum König ausgerufen. Zur Technik solcher Kämpfe siehe die Schiffstypen; Zahlen für Nesjar nennen die Quellen, die ich las, nicht.
Etwa ein Jahrzehnt regierte Olaf, nach dem SNL relativ ruhig. Er setzte auf persönliche Bindungen: Lehnsmänner (lendmenn, vereinfacht Großgrundbesitzer, die dem König Gefolgschaft schuldeten und dafür Macht in ihrer Region behielten) wurden in die Landesteile gesetzt und von königlichen Verwaltern, den ármenn, kontrolliert. Güter von Gegnern zog er ein und mehrte so den Königsbesitz. Nach dem SNL beanspruchte er auch Oberhoheit über Orkney und Shetland, vermutlich über Bündnisse mit den dortigen Jarlen (siehe Orkney-Jarle). Das System war fragil, weil es von Treue abhing und nicht von Behörden.
Mit Schweden schloss er nach den Sagas Frieden durch Vermittlung des Gesetzessprechers Þorgnýr. Die geplante Ehe mit Olof Skötkonungs Tochter Ingegerd kam nicht zustande; 1019 heiratete Olaf deren Schwester Astrid. Ingegerd wurde die Frau Jaroslaws von Kiew, was noch wichtig wird. Olafs Sohn Magnus stammte von einer Frau niederen Standes am Hof, nach dem SNL möglicherweise einer Engländerin, die Tochter Wulfhild von Astrid.
Der SNL nennt Olaf den ersten norwegischen König, der in nennenswertem Umfang Münzen schlug, und hält den wirtschaftlichen Ertrag für gering, den symbolischen für groß. Wer Münzen mit eigenem Namen schlägt, zeigt Herrschaft, auch wenn sie kaum jemand im Alltag benutzt (zum Silberumlauf siehe Wikingerhandel).
Am stärksten wirkte die Kirchenpolitik. Im Jahr 1024 erhielt Norwegen nach dem SNL „wahrscheinlich“ auf dem Thing von Moster in Sunnhordland eine landesweite Kirchenordnung: Kirchen und Priester, ein christliches Recht mit Taufe, Fastengeboten und Bestattung in geweihter Erde, erste Regeln zur Kirchenfinanzierung, das Verbot anderer Kulte, dazu das Verbot der Kindsaussetzung und der Ehe bis zum sechsten Verwandtschaftsgrad. Beteiligt war sein englischer Hofbischof Grimkell (englisch Grimketel). Das Datum schwankt in Darstellungen zwischen etwa 1020 und 1024, und es ist unsicher, ob das Christenrecht schon zu Olafs Zeit schriftlich vorlag: Die erhaltenen Handschriften stammen aus dem 12. Jahrhundert oder später. Die Bischöfe, die er holte, kamen vor allem aus England, nach Wikipedia auch aus der Normandie und Deutschland. Dauerhafte Bischofssitze entstanden erst um 1100.
Snorri macht aus Olaf einen Missionar mit Gewalt: Er lasse heidnische Kultstätten zerschlagen und Widerspenstige verstümmeln, blenden oder vertreiben. Ein Teil dürfte Sagaton sein, ein Teil Erinnerung an echten Druck eines Königs, der Besitz einziehen und Ämter vergeben konnte. Eine Zusammenfassung bei Wikipedia hält fest, moderne Gelehrte sähen Olafs Anteil an der Christianisierung geringer, als die spätere Überlieferung ihn darstellt; das SNL betont, die meisten Menschen auf beiden Seiten bei Stiklestad seien wohl schon Christen gewesen. Zum Gesamtbild siehe die Christianisierung der Germanen.
Seit Knut der Große in England regierte und Dänemark gewann, rückte Norwegen in sein Blickfeld (siehe Knut der Große und Sven Gabelbart). Olaf verbündete sich mit dem Schwedenkönig Anund Jakob. Der Zusammenstoß an der Helgeå in Schonen, meist auf 1026 gesetzt, ging für Olaf schlecht aus. Die Angelsächsische Chronik hat zu 1025 einen Eintrag über Knuts Fahrt zum „Heiligen Fluss“, wo ihm Ulf und Eglaf mit sehr großem Heer entgegenkamen. Die Gleichsetzung ist üblich; sicher bin ich nicht, denn die Stelle, die ich las, nennt Olaf nicht, und die Jahreszahlen stimmen nicht überein.
Knuts wirksamste Waffe war englisches Silber. Nach Snorri und den Skaldenstrophen ließen sich zahlreiche norwegische Große von Knuts Gesandten beschenken. Bjarne Fidjestøl liest nach Poole spätere Strophen Sigvats als christliche Deutung: Knut erscheint als Mammon, die abtrünnigen Großen als Luzifer oder Judas. Das ist Dichtung mit Absicht, kein Gerichtsprotokoll. Zugleich machte Olaf es den Gegnern leicht, denn er hatte die Küstenaristokratie mit Einziehungen und Verwaltern gegen sich aufgebracht. Um die Jahreswende 1027/28 (das SNL nennt Dezember 1027) ließ er Erling Skjalgsson töten, den mächtigsten Mann Westnorwegens; Sigvatr verfasste dazu ein Gedicht. Danach brach die Unterstützung weitgehend zusammen.
Im Sommer 1028 erschien Knut mit rund fünfzig Schiffen und ließ sich auf dem Øreting huldigen. Olaf floh ohne größere Schlacht über die Berge nach Schweden. Knuts Statthalter Håkon Eiriksson ertrank im Pentland Firth; die Chronik meldet seinen Tod noch zu 1030, das SNL setzt ihn 1029, die Datierungen gehen auseinander.
Von Schweden führte Olafs Weg nach Garðaríki, ins Reich der Rus. Dort herrschte Großfürst Jaroslaw der Weise, dessen Frau Ingegerd eine Schwester von Olafs Frau Astrid war (siehe Kiewer Rus und Waräger-Wege). Wie lange Olaf blieb, was er dort tat und ob in Nowgorod oder Kiew, lässt sich nicht eindeutig belegen; das SNL spricht nur vom Aufenthalt bei Jaroslaw.
Im späten Winter 1030 brach Olaf auf, ließ nach Snorri den kleinen Magnus bei Jaroslaw zurück und zog über Schweden nach Westen, mit Schweden, Jämtländern, Isländern und Norwegern; Anund Jakob soll etwa 400 Mann gegeben haben, eine schwankende Zahl. Auch sein Halbbruder Harald Sigurdsson, nach den Quellen fünfzehn, war dabei.
Gekämpft wurde bei Stiklestad im Verdal, nordöstlich von Trondheim, gegen ein Aufgebot unter Þórir hundr, Kálfr Árnason und Hárek von Tjøtta, darunter frühere Gefolgsleute des Königs. Verlauf, Gegner und Zahlen schildert der Beitrag zu Stiklestad. Die Angelsächsische Chronik sagt knapp, er sei „von seinem eigenen Volk“ erschlagen worden. Wer den Todesstoß führte, ist nicht gesichert; spätere Fassungen verteilen die Wunden auf mehrere Männer. Die Heeresgrößen (Snorri: 3.600 auf Olafs Seite, bei den Gegnern je nach Zählung 7.000 bis 14.400) sind Sagazahlen.
Der Tag ist ein eigenes Kapitel. Die Kirche feiert Olaf am 29. Juli. Eine Sonnenfinsternis, die Snorri in die Schlacht legt, gab es am 31. August 1030 gegen 14 Uhr, sichtbar in Trøndelag. Wer beides ernst nimmt, muss entweder annehmen, die Schlacht sei erst am 31. August gewesen, wie der Astronom Christopher Hansteen im 19. Jahrhundert rechnete, oder die Finsternis sei später mit dem Tod verbunden worden. Für den 29. Juli spricht ein Kirchenargument: Snorri datiert, wie ich es in Zusammenfassungen fand, die Erhebung der Gebeine auf ein Jahr und fünf Tage nach dem Tod, was vom 29. Juli zum 3. August 1031 führt, dem später gefeierten Translationstag. Dagegen lässt sich einwenden, dass ein solcher Kalender auch rückwärts konstruiert sein kann. Das Jahr 1030 deckt die Chronik, der Tag bleibt Überlieferung, die Finsternis ein Erzählmotiv, das auch zu biblischen Vorbildern passt; entscheiden lässt sich die Frage heute nicht.
Olaf wurde, so Snorri, heimlich im Sand am Ufer der Nidelva begraben, wo später der Nidarosdom entstand. Dass der Tote versteckt wurde, ist eine Szene, wie man sie von Märtyrern erwartet; überprüfbar ist sie nicht.
Nach Stiklestad regierten Knuts Sohn Sven und dessen Mutter Ælfgifu von Northampton das Land. Höhere Abgaben machten sie unbeliebt; man erinnerte die Jahre später als „Álfífas Zeit“. Die Großen, die gegen Olaf gestanden hatten, waren unter dem neuen Regiment nicht freier als unter dem alten. In dieser Lage ließ Bischof Grimkell, so die Überlieferung, das Grab öffnen. In der englischen Fassung der Heimskringla, die ich las, bemerkten die Zeugen, dass Haar und Nägel gewachsen waren; eine Versammlung beschloss, Olaf gelte als wahrhaft heilig, und der Leib kam in die Clemenskirche nahe dem Hochaltar.
„Die Männer, die König Olaf bei seinem Fall gesehen hatten, bemerkten auch, dass sein Haar und seine Nägel so gewachsen waren, als hätte er die ganze Zeit seit seinem Fall auf Erden gelebt. … Es wurde beschlossen, dass König Olaf als ein wahrhaft heiliger Mann gelten solle.“Heimskringla, Saga von Olaf Haraldsson, Abschnitt 258 der Zählung auf wisdomlib.org; englischer Wortlaut dort gelesen (Übersetzer nicht genannt, vermutlich Laing 1844, gemeinfrei); die beiden Sätze stehen im Original nicht unmittelbar nebeneinander; deutsche Fassung eigene Übersetzung
Die Stelle sagt nicht, dass ein Papst Olaf heiligsprach. Im 11. Jahrhundert gab es kein geregeltes päpstliches Verfahren; ein Heiliger wurde regional „gemacht“: durch den Bischof, einen Beschluss der Versammlung und die Verehrung des Volkes. Die Überführung der Gebeine in einen Schrein (translatio) machte das sichtbar und wird am 3. August gefeiert. Grimkell kehrte später nach England zurück, wurde Bischof von Selsey und starb 1047. Zur schnellen Verehrung trugen Wunderberichte bei, die Enttäuschung über Knuts Statthalter und das Interesse der Kirche an einem Märtyrerkönig; Olafs Sohn Magnus kam 1034/35 aus der Rus zurück und wurde mit Unterstützung von Kálfr Árnason und Einar Tambarskjelve König. Russell Poole sieht zudem englischen Einfluss: Olafs Darstellung als Heiliger gleiche der englischen Hagiographie.
Der Titel Rex perpetuus Norvegiae, „ewiger König Norwegens“, ist jünger. Nach der Zusammenfassung, die ich fand, steht perpetuus rex Norvegiae zuerst in der Historia Norwegiae aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Magnus Erlingsson, 1163 gekrönt, versprach laut SNL, Olafs Ritter und Verteidiger zu sein; damit wurde der Gedanke Staatsidee, der Herrscher sei nur Olafs Statthalter. Das Erzbistum Nidaros entstand 1152/53 unter einem päpstlichen Legaten, dem späteren Hadrian IV. Eine Bestätigung der Verehrung durch Alexander III. 1164 wird oft genannt; ich konnte sie nicht prüfen.
Der Nidarosdom entstand über dem Grab, unter Olaf Kyrre begonnen, später gotisch erweitert. Der Olsok am 29. Juli zog Menschen „aus allen Nationen der nördlichen Meere“ an; der SNL schildert ein Fest bis zum 5. August mit Schrein-Prozession und eigenem Messgesang, der Olavssekvensen. In der Reformationszeit wurde der Schrein nach Kopenhagen gebracht und eingeschmolzen; die Gebeine wurden im Dom bestattet, die Stelle geriet in Vergessenheit. In Nowgorod stand eine Warägerkirche, die später als Olafskirche galt; die Chronik nennt sie erstmals 1152. Dass sie auf Olafs Exil zurückgeht, ist nicht belegt.
Für Rhein, Eifel oder das Aachener Land kenne ich keinen belegten Bezug zu Olaf und konstruiere keinen. Für Norddeutschland gibt es zwei Stellen. Die erste ist die Kirche: Das Erzbistum Hamburg-Bremen beanspruchte den Norden als Missionsgebiet. Dass Olaf auch Bischöfe aus Deutschland holte, steht in einer Zusammenfassung bei Wikipedia, Namen konnte ich nicht prüfen. Adam von Bremen nannte, nach dem SNL, Nidaros in den 1070er-Jahren eine Metropole; der Kult war in Bremen also bekannt.
Die zweite ist eine Ehe: Olafs Tochter Wulfhild heiratete 1042 Ordulf, Herzog von Sachsen aus dem Haus der Billunger. Nach der Zusammenfassung zu Ordulf stärkte das sein Bündnis mit Dänemark gegen die Wenden; als Quelle gilt Adam von Bremen, den ich dafür nicht selbst las. Ihr Sohn Magnus folgte Ordulf als Herzog. Das Umfeld erklären Sachsen, Obodriten und Nordalbingien. Für die Küsten der Nord- und Ostsee gilt: Olafs frühe Fahrten führten nach Saaremaa, Finnland und Gotland (Ostsee); Orte an der deutschen Küste sind nach meinem Wissen nicht sicher bezeugt.
Olaf wurde Schutzheiliger Norwegens. Die Axt in der Hand des Wappenlöwen gilt als seine Axt und als Zeichen seines Martyriums; das früheste bekannte Beispiel ist ein Siegel Erichs II. von 1285. In Stiklestad wird seit 1954 jeden Sommer das Olavsspiel aufgeführt. Der Olsok ist bis heute Fest- und Wallfahrtstag, auf den Färöern als Ólavsøka Nationalfeiertag. Der St.-Olavs-Orden wurde 1847 von Oscar I. gestiftet. In der Volksüberlieferung wird Olaf zum Bezwinger von Trollen, Folklore ohne historischen Kern. Die Reihe der Könige zeigt Nordische Könige; Harald Hardrada, der als Fünfzehnjähriger bei Stiklestad kämpfte, prägte Norwegen später selbst (Miklagard und die Waräger).
Offen sind das Geburtsjahr, der Verlauf der Wikingerjahre, der Todestag (29. Juli oder 31. August), die Heeresgrößen, der genaue Schlachtort und der Umfang der Kirchengesetzgebung. Auch die Motive der Großen bleiben strittig: Silber aus England, verletzter Stolz, Abwehr eines Königs, der Land einzog, oder Treue zu den alten Jarlen. Die Sagas bieten Antworten an, doch ihre Autoren kannten den Ausgang. Der Heilige ist ein Produkt von Kult und Politik, der König ein Produkt der Quellen; Sigvatr, Óttarr und Þórarinn führen den Ereignissen am nächsten, sangen aber für verschiedene Herren.
Wann und wo starb Olaf der Heilige? 1030 bei Stiklestad im Verdal, im Kampf gegen ein Aufgebot norwegischer Großer. Als Tag gilt der 29. Juli; eine Sonnenfinsternis vom 31. August hat Zweifel geweckt, die sich nicht auflösen lassen.
Warum wurde Olaf Haraldsson heilig? Seine Verehrung setzte unmittelbar nach dem Tod ein, getragen von Wunderberichten, der Erhebung der Gebeine durch Bischof Grimkell 1031, der Politik nach dem Sturz von Knuts Statthaltern und dem Interesse der Kirche. Ein päpstliches Verfahren gab es 1031 nicht.
Hat Olaf Norwegen christianisiert? Er förderte Kirche und Christenrecht, wahrscheinlich 1024 in Moster. Wie weit das reichte, ist unsicher; die Forschung sieht seinen Anteil teils geringer als die Überlieferung.
Wo liegt Olafs Grab? Das weiß niemand. Er wurde am Ufer der Nidelva begraben, später in der Clemenskirche und im Nidarosdom beigesetzt; seit der Reformationszeit ist die Stelle vergessen.
Was bedeutet „Rex perpetuus Norvegiae“? „Ewiger König Norwegens“. Der Titel stammt aus dem 12. Jahrhundert und macht Olaf zum eigentlichen Herrscher, dessen Nachfolger ihm als Statthalter dienten.
Familie, Gegner und Umfeld: Stiklestad, Knut der Große, Olaf Tryggvason, Harald Hardrada, Nordische Könige, Die Jarle von Lade, Harald Schönhaar, Sven Gabelbart, Adam von Bremen und Snorri Sturluson.

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