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Die Dobunni: Ein Name, eine Lesung und viele Münzen

Geschichte & Funde Die Dobunni: Ein Name, eine Lesung und viele Münzen

Von den Dobunni gibt es kaum Text und sehr viel Boden: eine einzige erzählende Stelle bei Cassius Dio, einen Eintrag bei Ptolemaios, gut ein halbes Dutzend Namen auf Goldmünzen und große Erdwerke in den Cotswolds. Selbst der Stammesname steht bei Dio anders da, als wir ihn schreiben. Dieser Beitrag geht durch, was sich über die Kelten im Raum Gloucestershire belegen lässt, was Deutung bleibt und welche bekannten Behauptungen, etwa die vom „Dobunni-Pferd“ bei Uffington, nicht tragen.

Ein Stamm, der fast nur aus Münzen und Erde besteht

Die Dobunni (lateinisch Dobunni, deutsch auch Dobunner) waren ein keltischer Stamm im Südwesten Britanniens. Ein Stamm meint hier eine Gemeinschaft mit eigenem Namen und Siedlungsraum, keinen Staat mit festen Grenzen. Ihr Kerngebiet lag in den Cotswolds, dem Kalksteinhügelland im heutigen Gloucestershire, und im unteren Severntal. Nach der gängigen Darstellung reichte der Raum ungefähr von Bristol über Gloucestershire bis ins nördliche Somerset und griff zeitweise nach Herefordshire, Oxfordshire, Wiltshire, Worcestershire und Warwickshire aus. Das ist eine grobe Karte, keine Grenzziehung; wo genau ein Stamm aufhörte, sagen uns weder Texte noch Funde sicher. Als Nachbarn werden im Norden die Cornovii und die Corieltauvi genannt, im Osten die Catuvellaunen, im Süden die Atrebaten und die Belgae, im Westen die Silurer und die Ordovicer. Auch diese Nachbarschaften sind zum Teil erschlossen.

Die Überlieferung ist dünn. Eine kurze Erzählung bei Cassius Dio über das Jahr 43 n. Chr., eine Zeile bei Ptolemaios um die Mitte des 2. Jahrhunderts, einige Inschriften aus römischer Zeit: Das ist alles, was Autoren und Steinmetze über den Stamm sagen. Tacitus, der sonst die Eroberung Britanniens ausführlich schildert, nennt die Dobunni nach allem, was wir einsehen konnten, nirgends; eine vollständige Durchsicht seiner Werke haben wir allerdings nicht vorgenommen. Der größere Teil dessen, was wir wissen, stammt deshalb aus dem Boden: Münzen mit Namen darauf, riesige Erdwälle bei Bagendon, ein befestigtes Lager bei Bourton-on-the-Water, später die Ruinen der römischen Stadt Cirencester. Wer über die Dobunni schreibt, schreibt daher zu einem guten Teil über Archäologie und Numismatik, also über die Münzkunde, und muss immer wieder sagen, wo ein Satz auf einem Text ruht und wo auf einer Deutung.

Einen Überblick über die Menschen der Insel vor der römischen Zeit geben unsere Beiträge zu den Briten und zu den Kelten insgesamt. Hier geht es um einen einzelnen Stamm und um die Frage, wie belastbar jede Aussage über ihn ist.

Der Name: Dobunni, Bodunni und eine umstrittene Lesung

Der Name hat zwei Gesichter. In den Karten und Handbüchern lautet er Dobunni. So steht er bei Ptolemaios, dessen Geographie um 150 n. Chr. entstand; in der englischen Fassung bei Thayer erscheint er als „Dobuni“. Cassius Dio dagegen, der gut ein Jahrhundert später schrieb, nennt in der Beschreibung des Claudius-Feldzugs (60, 20) die „Bodunni“. In der englischen Übersetzung von Earnest Cary (Loeb Classical Library) lautet die Stelle, Plautius habe „einen Teil der Bodunni, die von einem Stamm der Catuellani beherrscht wurden“, durch Kapitulation gewonnen. Die gängigen Darstellungen lesen „Bodunni“ als Verschreibung oder Variante von „Dobunni“, und das ist die vernünftige Annahme: Der Zusammenhang der Stelle (ein Stamm im Hinterland der Catuvellaunen, auf dem Weg zur Themse) passt zum Gebiet. Den griechischen Wortlaut und die Frage, was die Handschriften an dieser Stelle bieten, konnten wir nicht prüfen. Ob Dio oder erst ein Abschreiber das Wort verändert hat, bleibt deshalb offen.

Hinter der Lesung steckt mehr als Rechtschreibung. Miles Russell hat vorgeschlagen, die ursprüngliche Form sei „Bodunni“ gewesen und gehe auf ein keltisches Wort mit der Bedeutung „siegreich“ zurück; wir kennen den Vorschlag nur aus einer Zusammenfassung. Stephen Yeates sah im zweiten Namensteil dagegen ein Wort für „Becher, Gefäß“ und verband den Stamm mit den späteren Hwicce; diese Deutung ist von mehreren Archäologen scharf kritisiert worden. Beides sind Etymologien, also Wortherleitungen aus Ähnlichkeiten, und keine sichert die Bedeutung. Dazu kommt ein Zufall, der leicht überinterpretiert wird: Auf einer Goldmünze steht der Name Bodvoc (dazu gleich mehr). Dass „Bodunni“ und „Bodvoc“ beide mit Bod- beginnen, ist auffällig, ein Beleg für einen Zusammenhang ist es nicht. Der Name Bodvoc, so vermerkt der Katalog von Van Arsdell, ist ein ziemlich häufiger keltischer Name, er findet sich etwa auf dem Stempel eines Töpfers in Zentralgallien.

Ehrlich gesagt lässt sich die Frage mit den vorhandenen Quellen nicht entscheiden: Wir wissen, dass die Römer einen Stamm „Dobunni“ nannten, und wir wissen nicht, wie er sich selbst nannte. Im Folgenden bleibt es bei der Form Dobunni, weil sie sich in Wissenschaft und Museen durchgesetzt hat.

Auf der Karte des Ptolemaios

Ptolemaios führt in seiner Beschreibung Britanniens die Dobunni zwischen den Silurern und den Atrebaten auf. Nach der Fassung bei Thayer heißt es sinngemäß, nach den Silurern kämen die Dobuni, „und ihre Stadt Corinium“, anschließend die Atrebaten mit der Stadt Caleva, das ist das spätere Silchester. Unterhalb der Dobuni nennt er die Belgae mit den Städten Iscalis, Aquae Calidae (Bath) und Venta. Der Eintrag ist wichtig, weil er den Stamm zum ersten Mal mit einem Ort verbindet, der Corinium heißt; die überlieferten Koordinaten sind in solchen Listen allerdings nur Anhaltspunkte, und die ältesten erhaltenen Handschriften der Geographie stammen aus dem Mittelalter. Dass Bath bei Ptolemaios nicht bei den Dobunni steht, sondern bei den Belgae, ist nebenbei ein Hinweis darauf, wie unscharf die Südgrenze war. Wer heute behauptet, Bath sei eine Dobunni-Stadt gewesen, geht über Ptolemaios hinaus.

Der Name Corinium ist der des heutigen Cirencester. Die volle Form „Corinium Dobunnorum“ („Corinium der Dobunni“) ist die in der Forschung übliche Bezeichnung; die genaue Namensform der römischen Quellen haben wir nicht lückenlos nachgeprüft. Die Bedeutung des Ortsnamens selbst ist unbekannt.

Die Münzen: Corio, Bodvoc, Anted, Eisv

Die Dobunni gehören zu den Stämmen Südbritanniens, die vor der römischen Eroberung eigene Münzen prägten. Das Material ist ungewöhnlich ergiebig, und deshalb kennen wir von den Dobunni mehr Namen als von mancher größeren Gruppe. Die Goldmünzen, Statere genannt (ein Stater ist die keltische Goldmünze, die an griechische Vorbilder anknüpft), tragen Buchstaben im lateinischen Alphabet. Die in der Literatur genannte Reihe lautet: Corio, Bodvoc, Comux, Catti, Inam, Anted und Eisv; die Katalogbeschreibung eines Händlers schreibt den letzten Namen „Eisu“, der Name Inam erscheint in einer anderen Beschreibung in verderbter Form. Wir folgen hier der Lesart auf den Münzen, soweit sie in den eingesehenen Katalogen belegt ist.

Für zwei dieser Namen haben wir Beschreibungen der Münzen selbst. Beim Stater des Corio steht CORIO oberhalb eines Pferdes auf der Rückseite, die Vorderseite zeigt ein baumartiges Zeichen mit drei Ästen und einem Punkt am Fuß; das Stück ist nach dem Katalog von Van Arsdell das schwerste der dynastischen Reihe. Bei Bodvoc dagegen füllt der Name BODVOC das Feld der Vorderseite, auf der Rückseite sieht man ein Pferd, ein Rad mit acht Speichen und eine Mondsichel. Anted trägt auf der Rückseite ANTED über einem dreischwänzigen Pferd mit Rad darunter; dahinter folgt häufig ein Zusatz wie RIC, RIGV oder RICOV, den der Händlerkatalog als Kürzung eines keltischen Wortes für „König“ liest. Der Katalog führt die Gruppe unter dem Namen „Antedrig“. Ob das Wort wirklich einen Königstitel meint, ist eine Lesung, keine Gewissheit; auf den anderen Münzen steht kein solcher Zusatz. Das Pferd auf der Rückseite ist übrigens auf britischen Münzen weit verbreitet. Zum Pferd in der keltischen Vorstellungswelt siehe unseren Beitrag über heilige Pferde; dass die Dobunni-Pferde etwas Besonderes meinten, geben die Quellen nicht her.

Schwieriger ist die Reihenfolge. Der Katalog von Van Arsdell setzt Corio etwa in die Jahre 30 bis 15 v. Chr. und Bodvoc in 15 bis 10 v. Chr. Ein Auktionshaus, das 2024 einen 2023 bei Standlake in Oxfordshire gefundenen Hort von sechs Bodvoc-Statern anbot, ordnet dagegen Corio etwa 20 v. Chr. bis 5 n. Chr. ein und Bodvoc etwa 5 v. Chr. bis 10 n. Chr., jeweils mit Fragezeichen, und Anted etwa 20 bis 35 n. Chr. und Eisv etwa 30 bis 43 n. Chr. Die Daten unterscheiden sich um Jahrzehnte. Sie sind Schätzungen aus Stilvergleichen und Fundlagen; wer ein Regierungsjahr nennt, übersteigt den Stand.

Aus den Münzen ergibt sich immerhin einiges. Von Bodvoc sind nach der Hortbeschreibung 77 Goldstatere aus 37 Rückseitenstempeln bekannt, die auf der englischen Seite des Severn liegen und im Osten etwa bis Wallingford reichen, am dichtesten in Oxfordshire und Gloucestershire. Die Autoren des Hortberichts erwägen sogar, Bodvoc sei kein einheimischer Herrscher gewesen, weil seine Münzen sich stark von den übrigen dobunnischen unterscheiden. Insgesamt deutet die Prägung darauf hin, dass die Herrscher ihr Gebiet in einen nördlichen und einen südlichen Teil gliederten, zeitweise unter einem gemeinsamen Herrn. Das ist ein Ergebnis der Verbreitungskarten und kein Wort der Römer. Und: Dass jemand seinen Namen auf eine Münze setzen ließ, macht ihn noch nicht zum König im römischen oder keltischen Sinn; Eine Übersicht zu den Herrscherlisten der Dobunni weist ausdrücklich darauf hin, dass nicht sicher ist, ob alle (oder irgendeiner) der Münzherren über den ganzen Stamm geherrscht haben.

Bagendon: Wälle für ein Machtzentrum

Etwa sechs Kilometer nördlich von Cirencester liegt das Dorf Bagendon, und rings um das Dorf ziehen sich Wälle und Gräben, die sogenannten Bagendon Dykes. Elsie Clifford grub dort in den Jahren 1954 bis 1956 und veröffentlichte 1961 ihre Ergebnisse unter dem Titel Bagendon: A Belgic Oppidum. Ein Oppidum ist eine große, meist befestigte keltische Siedlung der letzten beiden Jahrhunderte vor Christus, die Handels-, Handwerks- und Machtzentrum zugleich war. Die Bezeichnung „belgisch“ im Buchtitel stammt aus der Forschungssprache jener Zeit und geht auf ältere Annahmen über Einwanderer aus Gallien zurück; wir haben sie nicht weiter geprüft und übernehmen sie nicht.

Die neuere Bearbeitung stammt von Tom Moore und Kollegen, die zwischen 1979 und 2017 am Platz arbeiteten; das Ergebnis erschien 2020 als A Biography of Power. Nach den Besprechungen und einer Zusammenfassung des Textes ergibt sich folgendes Bild. Die Anfänge liegen in der Mittleren Eisenzeit: Kleine, „banjoförmige“ Gehöfte, wie man sie auch aus Gussage Cow Down in Dorset kennt, bildeten den Kern, und die ersten Wälle gehören in diese frühe Phase. Der Schwerpunkt liegt in der späten Eisenzeit, mit einem Höhepunkt um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.; die meiste Tätigkeit fällt in die Jahre etwa 40 bis 60, begonnen haben mag sie um 20. Die Erdwerke umfassen rund 200 Hektar, von denen bisher etwa 150 Hektar geophysikalisch untersucht sind. Das dicht genutzte Kerngelände im Tal misst etwa 16 Hektar. Moore beschreibt Bagendon als „polyfokal“, das heißt: Hochstehende Gehöfte und Handwerksbereiche lagen getrennt voneinander statt in einer einzigen Stadt. Die Grabung von 1954 bis 1956 fand Hinweise auf Münzherstellung und andere Gewerbe.

Aussagekräftig sind einzelne Fundstücke: Ein Mühlstein aus Konglomeratgestein („Puddingstein“), der aus Hertfordshire stammt, und Münzen des Tasciovanus, eines Herrschers der Catuvellaunen. Moore sieht darin enge Verbindungen nach Verulamium, dem Zentrum der Catuvellaunen bei St Albans. Das passt zu Dios Satz, einen Teil der Dobunni hätten die Catuvellaunen beherrscht; ein Beweis ist es nicht, denn Tauschbeziehungen sind auch ohne Herrschaft möglich. Dass die Eroberung dem Platz kaum geschadet hat, scheint festzustehen: Nach Moores Darstellung blühte er unmittelbar danach auf. Das römische Fort am Rand des späteren Cirencester, in der Literatur „Leaholme“ genannt und von Moore wohl in die 50er Jahre gesetzt, deutet er als mögliches Zeichen römischer Rückendeckung für die einheimische Elite, vielleicht in Form eines Klientelkönigtums. Um 60 n. Chr. wurden Teile von Bagendon und die benachbarten Duntisbourne-Gehöfte aufgegeben, als sich die Entwicklung nach Cirencester verlagerte. Später errichtete man Villen im Bereich des alten Komplexes. Ob Corinium an die Stelle von Bagendon trat, weil man dies politisch wollte oder weil der Platz schlicht besser lag, lässt Moore ausdrücklich offen.

Aus dieser Darstellung folgt: Bagendon ist ein Zentrum der Dobunni, das ist Moores Deutung, aber die Aussage „die Hauptstadt der Dobunni“ ist moderne Wortwahl. Andere Plätze, etwa Salmonsbury, sind ebenso groß und teilweise früher bekannt geworden.

Salmonsbury und das Pferd von Uffington

Salmonsbury Camp liegt östlich von Bourton-on-the-Water, auf einer Kiesterrasse zwischen den Flüssen Dikler und Windrush. Die Anlage ist rechteckig, rund 23 Hektar groß und von zwei Wällen mit Außengräben umgeben; an den Nord-, Ost- und Südseiten sind die Erdwerke bis zu zwei Meter hoch erhalten. Eine Zeichnung von 1840 und Beobachtungen aus dem Jahr 1881 zeigen, dass der ganze Umriss damals noch zu erkennen war. G. C. Dunning grub hier von 1931 bis 1934. Er fand zwei Siedlungsphasen der Eisenzeit: eine ältere vor den Befestigungen, die er ins spätere 1. Jahrhundert v. Chr. setzte, und eine jüngere, die zum Bau der Wälle passt, in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. In beiden Phasen standen Rundhäuser, es gab Abfallgruben, Keramik und Metallfunde, darunter ein Hort von 147 sogenannten Währungsbarren, die man 1860 entdeckt hatte. Währungsbarren sind genormte Eisenbarren, die offenbar als Tausch- und Zahlungsmittel dienten. Die Besiedlung dauerte nach der Beschreibung von Historic England bis ins 4. Jahrhundert n. Chr., und das Lager diente in römischer Zeit möglicherweise als Marktplatz neben der kleinen römischen Stadt bei Bourton Bridge. Eine Urkunde des Königs Offa von Mercien von 779 nennt den Ort „Sulmonnes Burg“. Die amtliche Beschreibung erwähnt die Dobunni nicht; die Zuordnung ergibt sich aus der Lage, nicht aus einem Fund, der „Dobunni“ sagt.

Im selben Zusammenhang taucht oft das Weiße Pferd von Uffington auf, eine Hügelfigur auf den Kreideabhängen von Whitehorse Hill im heutigen Oxfordshire (früher Berkshire). Es gilt als Stammeszeichen, und weil das Pferd auf Münzen der Dobunni und der Atrebaten ähnliche Formen zeigt, zog man schon im 17. Jahrhundert die Verbindung. Das hält einer Prüfung nicht stand. Eine Datierung durch optisch stimulierte Lumineszenz, ausgeführt durch die Oxford Archaeological Unit nach einer Grabung von 1990, setzte die Schluffablagerungen unter der Figur in die Zeit zwischen 1380 und 550 v. Chr. Das wäre Spätbronzezeit bis frühe Eisenzeit, also deutlich vor den Münzen und lange vor den Dobunni, wie sie Dio und Ptolemaios kennen. Stuart Piggotts Datierung auf etwa 100 v. Chr. von 1931 wurde durch die Messung überholt. Als Dobunni-Zeichen lässt sich die Figur damit nicht verbuchen; welche Gemeinschaft sie anlegte, wissen wir nicht. Zum Westbury-Pferd in Wiltshire haben wir keinen Beleg für eine Zuordnung zu den Dobunni gefunden.

43 n. Chr.: Cassius Dio und der Feldzug des Plautius

Im Jahr 43 n. Chr. landete Aulus Plautius im Auftrag des Kaisers Claudius mit einem Heer in Britannien. Dio, der mehr als 150 Jahre später schrieb, erzählt den Verlauf in Buch 60 seiner Römischen Geschichte und stützt sich dabei auf ältere Literatur, die uns nicht erhalten ist. Auf die Landung und die ersten Kämpfe folgt die Stelle, die den Stamm erwähnt. Wir geben sie sinngemäß in eigener Übertragung der englischen Cary-Übersetzung wieder, den griechischen Text konnten wir nicht prüfen:

Plautius besiegte zuerst Caratacus und dann Togodumnus, die Söhne des verstorbenen Cynobellinus. Die Briten waren in Gruppen unter verschiedenen Königen aufgeteilt. Nachdem diese geflohen waren, gewann er durch Kapitulation einen Teil der Bodunni, die von einem Stamm der Catuellani beherrscht wurden, ließ dort eine Besatzung zurück und rückte zu einem Fluss vor.Cassius Dio, Römische Geschichte 60, 20, 1–2; sinngemäß nach der Übersetzung von E. Cary (Loeb, 1914), eigene deutsche Übertragung, griechischer Text nicht geprüft

Der Satz enthält vier Aussagen. Erstens waren die Bodunni, also wohl die Dobunni, keine Gegner im offenen Feld: Nur ein Teil von ihnen ergab sich, „durch Kapitulation“. Zweitens heißt es, ein Stamm namens Catuvellauni habe sie beherrscht, und Dio gibt das als Zustand zur Zeit des Feldzugs an. Drittens ließ Plautius eine Besatzung zurück; wo, sagt Dio nicht. Viertens sagt Dio nichts über Bodvoc, Eisv oder irgendeinen anderen Namen der Münzen. Die Ansicht, einer von ihnen habe 43 mit Plautius verhandelt, ist eine Vermutung, und die Münzdatierungen sprechen eher dafür, dass Bodvoc früher regierte.

Dazu gehört ein Seitenhieb, der den Rhein angeht. Im Fortgang der Erzählung (60, 20) schreibt Dio, in der Cary-Übersetzung „Germans“, also Germanen, hätten einen Fluss durchschwommen und die Wagenpferde der Briten verwundet. Ob damit bataverische Hilfstruppen gemeint sind, wie die Forschung häufig annimmt, schreibt Dio nicht; es ist eine Deutung. Die Bataver an der Rheinmündung stellten Reiter für das römische Heer; die Verbindung zu dieser Stelle haben wir in keiner Primärquelle nachgeprüft. Dio erzählt die Szene am Fluss, nach der Kapitulation der Bodunni, und es bleibt unsicher, ob zwischen beiden Ereignissen ein räumlicher Zusammenhang bestand.

Tacitus, Ostorius und die Frage, was der Autor nicht sagt

Wer über die Eroberung Britanniens liest, erwartet Tacitus, und tatsächlich gibt es im zwölften Buch seiner Annalen eine Passage, die den Raum der Dobunni berührt. Sie ist trotzdem kein Zeugnis über sie. Publius Ostorius Scapula übernahm 47 n. Chr. das Kommando, und bei Tacitus (Annalen 12, 31) beginnt der Bericht mit dem Satz: „At in Britannia P. Ostorium pro praetore turbidae res excepere“, etwa: In Britannien empfingen den Statthalter Ostorius unruhige Verhältnisse. Der Gegner war in das Land der Verbündeten eingefallen. Ostorius ließ rasch Kohorten vorrücken, entwaffnete verdächtige Gruppen und bereitete eine Linie zwischen zwei Flüssen vor, von denen einer die Sabrina ist, der Severn. Der Name des anderen ist in der Überlieferung verderbt; manche Herausgeber lesen ihn als Trent, und manche Forscher verbinden die Linie mit dem Fosse Way, der Straße, die Trent und Severn verbindet. Das ist eine Textverbesserung und eine Folgerung, keine Gewissheit. Der Stamm der Icener wehrte sich gegen die Entwaffnung, Ostorius stürmte ihre Wallanlage, danach ging es gegen die Silurer, und 51 schlug er den Caratacus, der zu den Briganten floh und ausgeliefert wurde. Von den Dobunni steht in alledem nichts. Dass der Fosse Way durch Cirencester führt, rückt ihr Gebiet in die Nähe der Frontlinie, macht sie aber nicht zu Akteuren in Tacitus’ Text.

Für unsere Fragestellung folgt daraus eine nüchterne Schlussfolgerung: Das Schweigen der Quellen heißt nicht, dass die Dobunni nichts taten, es heißt nur, dass wir ihr Handeln nicht aus Texten kennen. Alles, was wir zu ihrer Rolle in den Jahren nach 43 sagen, stammt aus Funden und aus Dio.

Reiter vom Niederrhein auf Grabsteinen in Cirencester

Aus der Frühzeit der römischen Besetzung haben sich in Cirencester zwei Grabsteine erhalten, die für unsere Gegend ungewöhnlich viel hergeben. Beide wurden im 19. Jahrhundert im Stadtteil Watermoor gefunden, nahe beieinander, und stehen heute im Corinium Museum. Beide zeigen einen berittenen Soldaten über einem gestürzten Gegner.

Der eine Stein (Roman Inscriptions of Britain, RIB 109) nennt Sextus Valerius Genialis, einen Reiter der Ala der Thraker, „civis Frisiavus“, einen Bürger der Frisiavonen. Er starb mit 40 Jahren nach 20 Dienstjahren; sein Erbe ließ das Denkmal setzen. Die Frisiavonen sind nach der Erläuterung im Inschriftenwerk ein Stamm in Gallia Belgica und nicht mit den Friesen zu verwechseln. Zu ihnen haben wir einen eigenen Beitrag über die Frisiavonen. Das Corinium Museum nimmt an, dass Genialis in Niedergermanien angeworben wurde, wo die Einheit bis 43 vermutet wird, und dass er um 60 starb; das Inschriftenwerk setzt den Stein stilistisch in die Zeit um 45 bis 75. Die Thraker waren nach dem Museum die erste Besatzung des Forts von Cirencester.

Der andere Stein (RIB 108) gehört Dannicus, einem Reiter der Ala Indiana, aus der Schwadron des Albanus, 16 Dienstjahre, „cives Raur(icus)“, also ein Bürger der Rauriker, deren Hauptort Augusta Raurica bei Augst in der Schweiz lag. Die Erben Fulvius Natalis und Flavius Bitucus ließen den Stein nach seinem Testament errichten. Auch diese Datierung liegt stilistisch zwischen 45 und 75. Die Ala Indiana war nach dem Museum die zweite Besatzung. Der Name der Einheit wird in der Forschung auf Julius Indus zurückgeführt, einen Treverer, der 21 n. Chr. beim Aufstand des Florus und Sacrovir auf römischer Seite kämpfte. Tacitus erzählt davon in den Annalen (3, 42) und nennt Indus „aus demselben Stamm“ wie Florus, also Treverer; dass die Reitertruppe nach ihm heißt, steht dort jedoch nicht, es ist eine Schlussfolgerung. Zu den Treverern an der Mosel haben wir den Beitrag über die Treverer, zum großen Rahmen den Text Germanen im Rheinland.

Für das Aachener Land und für Alsdorf nennt keine uns bekannte Quelle etwas zu den Dobunni, und einen Bezug erfinden wir nicht. Was die Steine zeigen, ist etwas Allgemeineres: Das römische Heer, das die Dobunni erlebten, bestand zu einem Teil aus Männern vom Niederrhein bis zum Hochrhein bei Basel, und einige von ihnen blieben bis ans Lebensende dort, wo sie ihre Lager bauten.

Corinium Dobunnorum: von der Garnison zur Stadt

Das Fort von Cirencester bewachte nach den Angaben des Museums den Übergang über den Fluss Churn und eine Wegkreuzung. Seinen Bau datiert das Museum „wahrscheinlich 43 oder 44“; Moore setzt das Fort von Leaholme in die 50er Jahre, und eine andere Darstellung nennt etwa 60. Drei Zahlen für ein und denselben Platz zeigen, wie unsicher der Zeitpunkt ist. Die Truppen wurden nach dem Museum um 70 abgezogen. Danach wurde Corinium Hauptort der civitas, also der römisch organisierten Verwaltungseinheit eines Stammes. Nach einer Darstellung geschah das um die Mitte der 70er Jahre, nach einer anderen wurde die Stammesstadt erst 96 bis 98 unter Nerva eingerichtet. Für Corinium nennt die Literatur: Forum und Basilika, größer als jede andere in Britannien außer der von London, Mauern des 2. Jahrhunderts, die das zweitgrößte Stadtgebiet der Provinz umschlossen, ein Amphitheater, das „Bull Ring“ genannt wird, und vermutlich eigene Mosaikwerkstätten, deren Orpheus-Bilder bekannt sind. Fosse Way, Akeman Street und Ermin Way trafen sich hier. Die Zahlenangaben zur Größe beruhen auf den gängigen Darstellungen, wir haben sie nicht gegen Grabungsberichte geprüft.

Zugleich entstand in Gloucester, römisch Glevum, ein weiterer Mittelpunkt. Nach den Darstellungen, die wir einsehen konnten, erhielt der Ort unter Kaiser Nerva im Jahr 97 den Rang einer Kolonie, einer Siedlung für Veteranen mit römischem Bürgerrecht, mit dem Namen Colonia Nervia Glevensium. Zur Vorgeschichte des Platzes als Militärstandort gibt es voneinander abweichende Darstellungen zu Zeitpunkt und Legion; wir nennen sie deshalb nicht. Die organisierte Stammesstadt Corinium und die Kolonie Glevum bestehen nebeneinander im Land, das einst die Dobunni besiedelten. Dass Wohlstand und Macht in diese Städte wanderten, passt zu Moores Befund, dass Bagendon im Lauf des 1. Jahrhunderts an Bedeutung verlor.

Britannia Prima und das Ende des Stammesnamens

Um 296 teilte Diokletian Britannien in vier Provinzen. Cirencester gehörte wahrscheinlich zur Britannia Prima und war vielleicht deren Hauptstadt; sicher ist das nicht. Den besten Beleg liefert eine Säulenbasis, die 1891 in Cirencester gefunden wurde (RIB 103). Auf ihr steht, ein Lucius Septimius, Statthalter der Britannia Prima und „civis Remus“, also Bürger der Remer, habe ein Standbild und eine Jupitersäule erneuert, die unter der „alten Religion“ errichtet worden waren. Die Herausgeber datieren die Inschrift nach dem Nachtrag von 1995 auf 296 oder 312 und lehnen die frühere Datierung unter Julian ab. Hier tritt wieder jemand aus Gallien auf: Die Remer saßen um Reims.

Ob der Stammesname Dobunni in dieser Zeit noch lebendig war, sagen die Quellen nicht. Eine Darstellung nennt etwa 409 als Ende der Stammesgemeinde, ohne Beleg; wir übernehmen die Zahl nicht. Nach dem Abzug Roms soll das Gebiet seine Eigenständigkeit bis zur Schlacht von Dyrham im Jahr 577 behalten haben, die manche allerdings für zweifelhaft halten; danach seien die Sachsen bis an den Severn vorgerückt. Später gehörte der Raum zum Teilkönigreich der Hwicce unter mercischem Einfluss. Eine Kontinuität vom römischen Stammesgebiet zu diesem Königreich wird behauptet, ist aber umstritten, und die Herleitung des Namens über das Wort „Becher“, die beide Namen verbinden soll, ist von mehreren Archäologen scharf kritisiert worden. Mehr als dies lässt sich auf der Basis unserer Quellen nicht sagen.

Was gesichert ist

  • Cassius Dio (60, 20) berichtet, dass Plautius 43 n. Chr. einen Teil der „Bodunni“ durch Kapitulation gewann und eine Besatzung zurückließ; der Stamm unterstand nach Dio den Catuvellaunen.
  • Ptolemaios nennt die Dobuni mit der Stadt Corinium zwischen Silurern und Atrebaten; Bath steht bei ihm bei den Belgae.
  • Goldmünzen mit den Legenden CORIO, BODVOC, ANTED (oft mit RIG-Zusatz) und EISV sind belegt; die Datierungen schwanken je nach Katalog um Jahrzehnte.
  • Bagendon besitzt Erdwerke von rund 200 Hektar mit Schwerpunkt in der Zeit um 40 bis 60 n. Chr.; Salmonsbury ist eine rund 23 Hektar große Anlage mit Wällen.
  • In Cirencester stehen die Grabsteine von Dannicus (Ala Indiana, aus dem Stamm der Rauriker) und Genialis (Ala der Thraker, Frisiavone), beide etwa 45 bis 75 n. Chr.
  • Eine Inschrift (RIB 103) nennt einen Statthalter der Britannia Prima in Cirencester, einen Remer, um 296 oder 312.

Mythos-Check

  • „Das Weiße Pferd von Uffington ist ein Dobunni-Zeichen.“ Die Lumineszenzdatierung weist die Figur in die Spätbronze- bis frühe Eisenzeit (1380 bis 550 v. Chr.); eine Zuordnung zu einem Stamm gibt es nicht. Zum Westbury-Pferd haben wir keine Zuordnung gefunden.
  • „Die Dobunni wurden kampflos unterworfen.“ Dio sagt nur, dass sich ein Teil durch Kapitulation ergab. Über den Rest und über Kämpfe nach 43 schweigt er.
  • „Tacitus beschreibt die Dobunni.“ Er nennt sie in den eingesehenen Stellen nicht. Annalen 12, 31 beschreibt den Rahmen, nicht den Stamm.
  • „Bodvoc führte die Dobunni 43 n. Chr.“ Die Münzdatierungen setzen ihn eher früher an; ein Treffen mit Plautius ist nicht belegt.
  • „Bagendon war die Hauptstadt der Dobunni.“ Moore deutet es als Zentrum, andere große Plätze wie Salmonsbury kennen wir auch; das Wort „Hauptstadt“ ist modern.
  • „Cassius Dio schreibt Dobunni.“ Er schreibt in der Übersetzung „Bodunni“; die gängige Gleichsetzung ist eine Lesung.

Gesichert, plausibel, gedeutet, Legende

Gesichert sind die Dio-Stelle in ihrer Übersetzung, Ptolemaios’ Eintrag, die Münzlegenden, die Erdwerke von Bagendon und Salmonsbury, die beiden Grabsteine und die Inschrift des Statthalters. Plausibel ist, dass Dios „Bodunni“ die Dobunni sind, dass ein Teil des Stammes zuvor mit den Catuvellaunen verbunden war und dass die Römer in Cirencester früh eine Garnison hielten. Deutung bleiben die Herkunft des Namens, die Lage der Herrschaftsgebiete der Münzherren, Bagendons Rolle als politisches Zentrum, der Bau- und Abzugszeitpunkt der Forts, die Rolle von Klientelkönigen und der Zusammenhang mit den Hwicce. Legende ist die Zuschreibung des Uffington-Pferdes. Die Dobunni sind damit ein Stamm, den wir hauptsächlich über Dinge kennen, die man in die Hand nehmen kann: Münzen, Erdwälle, Grabsteine. Ihre Sprache haben sie nur in Namen hinterlassen, und ihre Götter und Bräuche sind für die Zeit vor Rom kaum greifbar.

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