Es gibt Völker, von denen ganze Bibliotheken erzählen. Und es gibt die Frisiavonen. Ein einziger antiker Autor nennt sie überhaupt, und zwar in Aufzählungen; alles Weitere steht auf Bausteinen, Bronzetäfelchen und einem Altar in Nordafrika. Genau das macht sie interessant: An ihnen lässt sich zeigen, wie viel Geschichte man aus fast nichts gewinnen kann – und ab wo man sich das Übrige zusammenreimt. Wir versuchen beides sauber zu trennen.
Wer sich mit germanischen Völkern beschäftigt, gewöhnt sich schnell an eine bestimmte Sorte Ernüchterung: Die meisten von ihnen kennen wir nicht durch das, was sie getan haben, sondern durch das, was ein römischer Beamter über sie notieren musste. Bei den Frisiavonen ist diese Ernüchterung besonders vollständig. Sie haben keine Schlacht geliefert, die überliefert wäre. Sie haben keinen Anführer, dessen Name die Zeit überstanden hat. Sie haben keine Stadt, die man auf einer Karte einzeichnen könnte. Was sie haben, ist ein Name – und der taucht in römischen Listen auf, wieder und wieder, über gut dreihundert Jahre hinweg.
Und weil das so ist, ist dieser Artikel kein Heldenepos, sondern ein Werkstattbericht. Es geht darum, was man aus fünf Zeilen Plinius, ein paar Dutzend Inschriften und einer Handvoll Militärdiplome herausholen kann, ohne zu schwindeln. Ein Hinweis vorweg, weil wir in einer nordisch geprägten Werkstatt sitzen: Die Frisiavonen sind römische Kaiserzeit, erstes bis viertes Jahrhundert. Bis zum ersten Langschiff vor Lindisfarne vergehen nach ihrer letzten Erwähnung noch Jahrhunderte. Wer hier Wikinger sucht, ist rund siebenhundert Jahre zu früh dran.

In der gesamten erhaltenen antiken Literatur nennt genau ein Autor die Frisiavonen: Plinius der Ältere, in seiner um 77 n. Chr. veröffentlichten Naturalis historia. Kein Caesar, kein Tacitus, kein Cassius Dio, kein Ptolemaios. Ein Autor, zwei Stellen. Das ist die gesamte literarische Überlieferung eines Volkes, das gleichzeitig eine eigene Truppe im römischen Heer stellte.
Die eine Stelle steht in der Aufzählung der Binnenvölker der Gallia Belgica. Sie liest sich so unromantisch, wie sie ist – und genau deshalb steht sie hier im Wortlaut:
introrsus Catoslugi, Atrebates, Nervi liberi, Veromandui, Suaeuconi, Suessiones liberi, Ulmanectes liberi, Tungri, Sunuci, Frisiavones, Baetasi, Leuci liberi …
„Im Binnenland: die Catoslugi, die Atrebaten, die freien Nervier, die Veromanduer, die Suaeuconen, die freien Suessionen, die freien Ulmanecten, die Tungrer, die Sunuker, die Frisiavonen, die Baetasier, die freien Leuker …“Plinius, Naturalis historia IV,106; Übersetzung: Glanz & Gravur
Das ist alles. Kein Verb, keine Charakterisierung, keine Sitte, kein Ort. Die Frisiavonen sind hier ein Komma zwischen zwei anderen Namen. Wer eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie römische Verwaltung Völker wahrnahm, wenn sie nicht gerade Ärger machten, findet hier den Musterfall.
Der eigentliche Knoten liegt darin, dass Plinius denselben Namen ein zweites Mal verwendet – und zwar an einem ganz anderen Ort. In seiner Beschreibung der Inseln im Rheindelta schreibt er von der Insel der Bataver und der Cananefaten „und anderen der Friesen, Chauken, Frisiavonen, Sturier und Marsacer, die sich zwischen Helinium und Flevum hinziehen“. Diese eine Zeile ist aus zwei Gründen wertvoll. Erstens verortet sie Frisiavonen im Deltaraum, also weit nördlich der Belgica-Liste. Zweitens – und das wiegt schwerer – stehen dort Frisii und Frisiavones unmittelbar nebeneinander, als zwei verschiedene Gruppen.
Die Forschung hat sich an diesem Widerspruch abgearbeitet. Theodor Mommsen erklärte die zweite Nennung schlicht für einen Irrtum des Plinius. Ludwig Schmidt hielt die Inselstelle für eine spätere Einfügung. Andere nahmen zwei getrennte Siedlungsgebiete an, ein größeres im Binnenland und eine Gruppe an der Küste. Entscheiden lässt sich das bis heute nicht. Nur eines sollte man nicht tun: sich eine der beiden Stellen aussuchen, weil sie zur eigenen Lieblingskarte passt.
Sprachlich ist der Fall klarer als historisch. Günter Neumann hat auf das anlautende f- hingewiesen, das für eine germanische Bildung spricht, und den Namen als Frisi- plus Suffix -avo- gedeutet, also ungefähr „die zu den Friesen Gehörigen“ oder „die von den Friesen Abstammenden“. Das klingt nach einer glatten Lösung, und viele populäre Darstellungen behandeln es auch so.
Nur beweist eine Etymologie keine Verwandtschaft. Ein Name sagt zunächst, wie andere über eine Gruppe sprachen – nicht, woher diese Gruppe kam und schon gar nicht, wofür sie sich selbst hielt. Es gibt keine Selbstbezeichnung der Frisiavonen, keinen Text aus ihrer Feder, keine Grabinschrift, in der jemand erklärt, wer seine Vorfahren waren. Dieter Timpe hat genau das festgehalten: außer der Ähnlichkeit der Namen ist zwischen Friesen und Frisiavonen weder geografisch noch historisch eine Verbindung nachzuweisen.
Trotzdem hält sich die Gleichung. Sie hat eine bequeme Zusatzvariante: Tacitus unterscheidet in der Germania größere und kleinere Friesen, Frisii maiores und minores, und lange lag es nahe, die „kleinen Friesen“ mit den Frisiavonen gleichzusetzen. Diese Identifikation gilt in der Fachliteratur inzwischen als abgelehnt – schon deshalb, weil römische Autoren des zweiten Jahrhunderts beide Gruppen erkennbar auseinanderhielten.
Marjan Galestin, die 2008 sämtliche literarischen und epigrafischen Belege noch einmal durchgearbeitet hat, kommt zu einem nüchternen Ergebnis: Für die Römer waren Friesen und Frisiavonen zwei getrennte Gruppen. Beide dienten im Heer, aber nicht in derselben Einheit. Eine kulturelle Beziehung ist nicht nachweisbar. Ihre einzige Verbindung sei die Ähnlichkeit der Namen. Dazu passt ein archäologischer Befund, der oft übersehen wird: Die sogenannte friesische Keramik kommt in genau den Gebieten, die man den Frisiavonen zuschreibt, nicht vor. Die Materialkultur widerspricht der schönen Ableitung.
Weil im Internet regelmäßig behauptet wird, die Frisiavonen hätten im Bataveraufstand von 69/70 mitgemischt, lohnt der Blick in die betreffenden Kapitel. Tacitus erzählt in den Historien, wie Claudius Labeo mit einer eilig zusammengerafften Truppe aus Baetasiern, Tungrern und Nerviern versuchte, Iulius Civilis am Maasübergang aufzuhalten – und wie die Tungrer sich unter ihren Vornehmen Campanus und Iuvenalis ergaben. Frisiavonen kommen darin nicht vor. Auch dort, wo Labeo zuvor in die Verbannung geschickt wird, steht nicht „zu den Frisiavonen“, sondern zu den Friesen.
Man kann daraus etwas Vorsichtiges ableiten: Wenn die Nachbarn namentlich genannt werden und die Frisiavonen fehlen, waren sie im Blick des Historikers offenbar keine eigenständige politische Größe – oder sie standen unter fremdem Namen im Feld. Nico Roymans hat vorgeschlagen, sie und die Cananefaten als Klientelverbände der Bataver zu verstehen, deren Kontingente in batavischen Einheiten aufgingen. Erst nach dem Aufstand hätten sie Gelegenheit bekommen, eine eigene Identität auszubilden. Das ist eine plausible These. Ein Beleg ist es nicht.
Die Lokalisierung ist der Punkt, an dem jede Darstellung ehrlich werden muss, denn hier gibt es keinen einzigen harten Anker. Es existiert kein Fundplatz, keine Inschrift im Boden ihres Gebietes, keine Grenzmarkierung. Was es gibt, sind Vorschläge, und die weichen erheblich voneinander ab: A. W. Byvanck zeichnete sie beiderseits der Waal ein, auf seiner Karte etwa zwischen Nimwegen und Cuijk. Julianus Bogaers verschob sie nach Westen, in den Süden von Südholland, nach Seeland und in den nördlichen Teil von Nordbrabant südlich der Maas. Willem van Es dachte an das westliche Nordbrabant und brachte das Vakuum ins Spiel, das die Vernichtung der Eburonen hinterlassen hatte. Roymans wiederum verortete sie im südlichen Südholland und im Nordwesten Nordbrabants.
Georges Raepsaet und Marie-Thérèse Raepsaet-Charlier haben die Frage 2013 noch einmal ganz von der seeländischen Seite her aufgerollt. Das Ergebnis all dieser Arbeit ist ein weiträumiges Vielleicht zwischen Maas, Schelde und Rhein. Wer eine scharf gezogene Grenze auf einer Karte sieht, sieht die Meinung des Zeichners, nicht den Befund.
Ausgerechnet die aussagekräftigste Quelle zu den Frisiavonen wurde 1958 in Tunesien gefunden, gut zweitausend Kilometer von jedem denkbaren Frisiavonen-Acker entfernt. Der Stadtrat von Bulla Regia in der Provinz Africa proconsularis ließ dem kaiserlichen Prokurator Quintus Domitius Marsianus eine Reiterstatue setzen und zählte auf dem Sockel dessen Laufbahn auf. Darin steht, er sei Prokurator gewesen für die Steuerschätzung „der Provinzen der Belgica in den Bezirken der Tungrer und der Frisiavonen sowie Niedergermaniens und der Bataver“. Die Inschrift stammt aus der Zeit Marc Aurels.
Das ist trocken und sensationell zugleich. Denn hier erscheinen die Frisiavonen nicht als Sagengestalt, sondern als Verwaltungseinheit: eine regio mit eigener Bezeichnung, in der Menschen erfasst und zur Steuer veranlagt wurden. Sie waren im zweiten Jahrhundert Teil des Reiches, kein Grenzvolk. Die Inschrift hat zugleich eine ganze Debatte ausgelöst, wo genau die Grenze zwischen Gallia Belgica und Germania inferior verlief – denn die Aufzählung springt zwischen beiden Provinzen hin und her.
Wo die Literatur schweigt, redet das Militär. Die cohors I Frisiavonum war eine reine Fußtruppe, eine cohors peditata quingenaria mit einer Sollstärke von rund 480 Mann in sechs Zenturien. Sie wurde vermutlich im ersten Jahrhundert aufgestellt, möglicherweise nach dem Bataveraufstand, spätestens aber um 80 n. Chr. – gerechnet vom ersten sicheren Zeugnis rückwärts.
Dieses Zeugnis ist ein Militärdiplom des Jahres 105, gefunden in Sydenham. Danach reißt die Kette nicht mehr ab: ein Diplom aus Delwijnen in Gelderland aus trajanischer Zeit, das große britannische Diplom vom 17. Juli 122, ein weiteres von 124 aus Stannington bei Sheffield, ein Stück von 127, drei Fragmente von 158 aus Ravenglass und schließlich ein Diplom von 178. Sieben Urkunden über dreiundsiebzig Jahre, alle für Britannien ausgestellt. Ein Volk, von dem wir keine Stadt kennen, hat also über mehr als zwei Generationen hinweg junge Männer auf eine Insel am Rand der Welt geschickt.
Noch näher kommt man ihnen über die Bausteine. In Mamucium, dem römischen Manchester, sind drei Steine erhalten, auf denen Zenturien der Kohorte ihr Bauwerk abrechnen: die Zenturie des Masavo dreiundzwanzig Fuß, die des Quintianus vierundzwanzig, dazu ein Stein der Zenturie des Cudrenus. In Ardotalia, heute Melandra Castle in Derbyshire, nennt ein vierter Stein die Zenturie des Valerius Vitalis.
Das sind unspektakuläre Texte, und gerade darin liegt ihr Reiz. Es ist Bauabrechnung in Stein: so viele Fuß Mauer, von dieser Einheit, unter diesem Offizier. Wer heute etwas graviert und dabei überlegt, wie viel Text auf eine Fläche passt, versteht diese Steine sofort. Man beachte auch die Namen. Masavo und Cudrenus klingen nicht lateinisch; hier haben Männer aus dem Niederrhein- und Maasraum ihre Herkunft in einer fremden Provinz in den Stein gebracht, ohne es zu beabsichtigen.
Das persönlichste Zeugnis stammt aus Brocolitia, dem Kastell Carrawburgh am Hadrianswall. Dort wurde 1876 in der Quelle der Göttin Coventina ein kleiner Sandsteinaltar geborgen, kaum 38 Zentimeter hoch. Der Text ist kurz: Der Göttin Coventina hat Mausaeus, optio der ersten Kohorte der Frixiavonen, sein Gelübde eingelöst. Ein Unteroffizier, ein Versprechen, ein Altar in eine Quelle geworfen. Die Schreibung mit x statt s gilt als Variante desselben Namens.
Auch das späte Ende der Einheit ist dokumentiert. Zwei Altäre aus Vindobala, dem heutigen Rudchester, nennen im dritten Jahrhundert Präfekten, die man der Kohorte zuordnet: Publius Aelius Titullus weihte dem unbesiegten Mithras, Tiberius Claudius Decimus Cornelius Antonius stellte einen Tempel des Sonnengottes wieder her. Und in der spätrömischen Notitia dignitatum steht für ebendieses Vindobala ein Tribun der cohors I Frixagorum – vermutlich dieselbe Truppe, deren Name über die Jahrhunderte in den Kanzleien weichgeklopft wurde.
In Rom, auf dem Friedhof der kaiserlichen Reitergarde, liegen acht Grabinschriften von Männern, deren Herkunftsangabe irgendwo zwischen Friesen und Frisiavonen schwankt: Frisaoni, Frisiavo, Frisaevone, in einem Fall natione Friseo. Michael Speidel wollte sie fast alle den Frisiavonen zurechnen; Galestin ist vorsichtiger und rechnet mindestens einen der Männer den Friesen zu. Auffällig ist etwas anderes: Drei der Bestatteten heißen Titus Flavius. Das Bürgerrecht kam in ihre Familien also unter den Flaviern – gut möglich als Lohn nach dem Bataveraufstand.
Und dann sind da noch die Mütter. In der Umgebung von Xanten fand sich ein Weihestein matribus Frisavis Paternis, „den väterlichen frisavischen Müttern“. Das gehört in die große rheinische Matronenverehrung, wie sie auch bei den Cugernern und ihren Nachbarn belegt ist. Ob dieses Frisavae aber die Frisiavonen meint oder die Friesen, lässt der Text offen. Ein Volk, das sogar bei seinen Göttinnen nicht eindeutig zu greifen ist – konsequenter geht es kaum.
Hier liegt der häufigste Fehler in populären Darstellungen, und er hat System. Am Hadrianswall und im Hinterland gab es im dritten Jahrhundert mehrere cunei Frisiorum, Friesen-Verbände, benannt nach ihren Standorten: Aballava (Burgh-by-Sands), Vinovia (Binchester) und Vercovicium (Housesteads). Belegt sind sie durch fünf Weihinschriften, darunter zwei Altäre von 241 und 242, die aus Papcastle stammen dürften, ein Stein aus Binchester, dessen Stifter der einzige namentlich bekannte Soldat all dieser Einheiten ist, und die berühmten Housesteads-Altäre, auf denen sich Germani cives Tuihanti zu Mars und den Alaisiagae bekennen.
Diese Steine gehören den Friesen. Sie werden trotzdem regelmäßig unter „Frisiavonen“ geführt, auch auf gut besuchten englischsprachigen Fachwebsites. Wer die Belege sammelt, muss deshalb konsequent trennen: cohors I Frisiavonum ist eine reguläre Auxiliarkohorte des zweiten Jahrhunderts, die cunei Frisiorum sind irreguläre Verbände des dritten. Zwei Namen, zwei Truppengattungen, zwei Jahrhunderte, zwei Völker.
Für uns in Alsdorf hat diese Geschichte einen sehr konkreten Anschluss. Plinius' Reihe lautet: Tungrer, Sunuker, Frisiavonen, Baetasier, Leuker. Über die Tungrer haben wir geschrieben, über die Sunuker, die zwischen Maas und Rur im Raum Aachen, Eschweiler und Jülich saßen, ebenso, und über die Baetasier auch. Mit den Frisiavonen ist die Nachbarschaftskette dieser einen Plinius-Zeile für uns nun fast vollständig – und das ist mehr als Sammelleidenschaft. Es zeigt, dass die römische Verwaltung diesen ganzen Raum als eine Reihe kleiner Einheiten wahrnahm, keine davon groß, keine davon berühmt, alle steuerpflichtig. Es ist die Verwaltungslandschaft, in der unsere Region entstanden ist – lange bevor hier ein nordisches Heer die Pfalz Karls des Großen erreichte.
Die Frisiavonen stehen in dieser Reihe wie ihre Nachbarn, die Menapier, die Toxandrer oder die Chamaven: als Gruppe, die real genug war, um besteuert zu werden und Soldaten zu stellen, und zu unbedeutend, um erzählt zu werden. Was von ihnen bleibt, sind Bauabrechnungen aus Manchester, ein Gelübde in einer englischen Quelle, ein Steuerbezirk auf einem afrikanischen Statuensockel und ein Komma bei Plinius. Kein Epos. Aber ein ehrlicher Bestand – und ehrlicher Bestand ist uns lieber als eine gut erfundene Geschichte.
Literarisch nennt nur Plinius die Frisiavonen, an zwei Stellen (Naturalis historia IV,101 im Rheindelta neben Friesen, Chauken, Sturiern und Marsacern; IV,106 in der Binnenvölkerliste zwischen Sunukern und Baetasiern). Epigrafisch sind sie deutlich besser belegt: Der Statuensockel des Q. Domitius Marsianus aus Bulla Regia (AE 1960, 167 = AE 1962, 183, Zeit Marc Aurels) nennt eine Steuerschätzung „per regiones Tungrorum et Frisiavonum“. Die cohors I Frisiavonum erscheint in sieben Militärdiplomen von 105 bis 178 (u. a. CIL XVI 51 für 105, CIL XVI 69 für 122, RIB II.1 2401.6 für 124, AE 1997, 1001 für 158) und auf Bausteinen: RIB 577, 578 und 579 aus Manchester sowie RIB 279 aus Melandra Castle. Der Altar RIB 1523 aus dem Coventina-Brunnen in Carrawburgh nennt Mausaeus als optio der cohors prima Frixiavonum; RIB 1395 und 1396 aus Rudchester nennen zwei Präfekten des dritten Jahrhunderts. Die Notitia dignitatum führt für Vindobala eine cohors I Frixagorum. In Rom stehen acht Grabinschriften der equites singulares mit Herkunftsangaben wie Frisaoni, Frisiavo und Frisaevone; drei der Männer tragen den Namen Titus Flavius. Bei Xanten fand sich der Weihestein matribus Frisavis Paternis (CIL XIII 8633).
„Frisiavonen sind abgespaltene Friesen“ ist eine Namensdeutung, kein Nachweis. Sprachlich lässt sich der Name als Ableitung von Frisii erklären, historisch und geografisch ist keine Verbindung belegt, und die sogenannte friesische Keramik fehlt genau in den Gebieten, die man den Frisiavonen zuschreibt. Auch die Gleichsetzung mit den Frisii minores des Tacitus gilt heute als abgelehnt. Tacitus erwähnt die Frisiavonen überhaupt nicht: In der Szene am Maasübergang im Bataveraufstand stehen Baetasier, Tungrer und Nervier, und Claudius Labeo wird zu den Friesen verbannt, nicht zu den Frisiavonen. Ein Hauptort ist unbekannt; Cuijk ist ein Vorschlag von Bogaers, keine Fundtatsache, und auch die Existenz einer eigenständigen civitas ist eher erschlossen als bewiesen. Eine cohors II Frisiavonum ist nirgends belegt – wer sie nennt, verwechselt sie mit einer anderen Einheit. Und die Altäre aus Papcastle, Binchester und Housesteads gehören den cunei Frisiorum, also den Friesen des dritten Jahrhunderts; sie werden trotzdem regelmäßig den Frisiavonen zugeschlagen. „Germanisch“ ist schließlich ein Urteil über den Namen, nicht über das Selbstverständnis dieser Menschen: Kein Text von ihnen selbst ist erhalten.

Die Sunuker · Die Baetasier · Die Tungrer · Die Cananefaten · Die Bataver.
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Zwei Hörner aus schwerem Gold, über und über mit rätselhaften Figuren bedeckt, und auf dem einen eine Runenzeile, in …
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