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Guthrum: der Gegner, den Alfred taufen ließ

Geschichte & Funde Guthrum: der Gegner, den Alfred taufen ließ

Guthrum überfiel im Januar 878 den Hof des westsächsischen Königs, verlor im Mai die Schlacht bei Edington, ließ sich taufen und regierte danach als „König Æthelstan“ in Ostanglien. Kaum ein Wikinger des 9. Jahrhunderts ist so gut belegt – und kaum einer bleibt vor dem Jahr 874 so dunkel. Dieser Beitrag geht die Quellen der Reihe nach durch, trennt Überliefertes von Deutung und nennt die Stellen, an denen die Forschung uneins ist.

Ein Name, der plötzlich auftaucht

Die Angelsächsische Chronik, eine in mehreren Handschriften überlieferte Jahrbuchreihe, die zur Zeit König Alfreds zusammengestellt wurde, führt Guthrum erstmals im Zusammenhang mit dem Winterlager des Heeres in Cambridge. Zuvor kennen wir von ihm nichts: keine Herkunft, keinen Vater, keine Heimat, die eine Quelle des 9. Jahrhunderts nennt. Das ist keine Kleinigkeit, denn die Zeitgenossen schrieben sehr wohl über Herkunft, wenn sie sie kannten. Hier schweigen sie.

Auch die Schreibung schwankt. Die Chronik hat in den Einträgen zum Jahr 890 die Form Godrum; moderne Texte schreiben Guthrum, Guthorm oder Godrum. Gemeint ist derselbe Mann. Sein Taufname Æthelstan (Altenglisch Æðelstán, „edler Stein“) ist ein alter westsächsischer Königsname, den er sich nicht selbst gab – dazu später mehr. Wer ihn mit dem späteren König Æthelstan verwechselt, der in den 920er und 930er Jahren regierte, liegt falsch: Der Guthrum-Æthelstan starb 890, mehr als dreißig Jahre vorher.

Ein Wort zu den Zahlen. Die Jahresangaben der Chronik sind in den Handschriften nicht immer deckungsgleich, und ich folge hier den Jahren, wie sie in den üblichen Übersetzungen stehen. Wo Historiker um ein Jahr abweichen, geht es meist um eine Verschiebung der Zählung, nicht um ein anderes Ereignis.

Wer war Guthrum vorher? Was man nicht weiß

Im Netz und in manchen Büchern liest man, Guthrum sei um 835 in Dänemark geboren, ein Neffe des Königs Horik II. und ein erfolgloser Bewerber um einen Anteil am dänischen Thron. Ich habe diese Angaben in einer Zusammenfassung gefunden, aber keine Quelle, die sie trägt. Die Chronik sagt nichts davon, Asser sagt nichts davon, und ich behandle sie deshalb als unbelegt. Dasselbe gilt für die alte Vermutung, Guthrum sei mit einer Sagenfigur namens Gormr identisch; sie findet sich in älteren Nachschlagewerken als „möglich“ vermerkt und ist, soweit ich sehe, nie bewiesen worden.

Etwas Greifbares gibt es nur zu seinem Beinamen. Die Chronik nennt ihn zum Jahr 890 se norþerna cyning, „der nördliche König“. Was das bedeutet, ist unklar. Es kann „der Däne“ meinen, es kann einfach „der aus dem Norden“ heißen, es kann auch ein Hinweis auf seine Stellung gegenüber den südlichen Engländern sein. Die ältere Literatur übersetzt es teils als „norwegisch“; ein sicheres Urteil über seine Herkunft folgt daraus nicht. In Beiträgen über die Wikinger in England wird er gewöhnlich „Däne“ genannt, weil Asser und die Chronik die Heere insgesamt als „Dänen“ bezeichnen. Das ist ein Sammelname der angelsächsischen Schreiber, keine Herkunftsbestimmung des Einzelnen.

Auch die Vorstellung, er sei einer der Söhne Ragnars gewesen, taucht gelegentlich auf. In den Quellen, die ich gelesen habe, wird er nirgends so geführt. Die Sagen verbinden mit den Söhnen Ragnars Namen wie Ivar und Halfdan; zu den Gestalten der Sagenwelt um Ivar den Knochenlosen gehört Guthrum nicht. Halfdan dagegen kommt in der Chronik tatsächlich vor, und zwar an der Stelle, an der Guthrum erstmals auftritt.

Die Quellen: vier Zeugen und ihre Eigenheiten

Für Guthrum stehen im Kern drei zeitnahe oder halbzeitnahe Texte und ein späterer zur Verfügung. Die Angelsächsische Chronik ist die dichteste Quelle für die Daten. Sie entstand als Hofgeschichtsschreibung des westsächsischen Königshauses, und das färbt ihren Blick: Alfreds Niederlagen werden knapp berichtet, seine Siege breit. Asser, ein walisischer Geistlicher, der an Alfreds Hof lebte, schrieb um 893 eine Lebensbeschreibung des Königs. Er erzählt die Ereignisse von 878 ausführlicher als die Chronik und ist die einzige Quelle für manche Einzelheit der Taufe. Die einzige alte Handschrift seines Werks, die sogenannte Cotton-Handschrift aus der Zeit um 1000, verbrannte 1731 beim Brand von Ashburnham House; wir kennen den Text über Abschriften. Der Historiker Alfred Smyth hat das Werk für eine spätere Fälschung gehalten, was die große Mehrheit der Forschung zurückweist. Wer Asser zitiert, sollte diesen Streit kennen, ohne ihn zu überschätzen.

Dazu kommt Æthelweard, ein Ealdorman (hoher königlicher Amtsträger) mit Verbindung zum westsächsischen Königshaus, der im späten 10. Jahrhundert eine lateinische Chronik schrieb. Er hängt stark von einer Fassung der Angelsächsischen Chronik ab; ich habe ihn für diesen Beitrag nicht selbst gelesen und beziehe mich nicht auf einzelne Stellen. Die Annals of St Neots schließlich sind eine mittelalterliche Kompilation, die sich weitgehend aus Chronik, Asser und anderem Material zusammensetzt; sie liefern den einzigen Hinweis auf Guthrums Grabort und sind deshalb für ihn wichtig, obwohl sie jung sind. Eine Quelle von Guthrums eigener Seite gibt es nicht: keine Inschrift, keinen Brief, nur Münzen.

Beim Lesen heißt das: Alles, was wir über Guthrums Absichten wissen, stammt aus der Feder seiner Gegner. Wenn Asser schreibt, Guthrum habe versprochen, das Christentum anzunehmen, ist das die Sicht des Siegers. Ob Guthrum selbst das als Unterwerfung, als Bündnis oder als politischen Handel verstand, wissen wir nicht.

Von Cambridge nach Exeter: die Jahre 874 bis 877

Die Vorgeschichte ist die des Großen Heeres, jener Wikingerverbände, die ab 865 England heimsuchten. Nach dem Winter von 873/74 in Repton, wo der Mercierkönig Burgred vertrieben wurde, teilte sich das Heer. Halfdan zog mit einem Teil nach Norden; die Chronik nennt als zweite Gruppe drei Könige, darunter Guthrum, die nach Cambridge gingen. Das ist der Moment, in dem sein Name in den Quellen erscheint. Zusammen mit zwei anderen Anführern, Oscytel und Anwend, überwinterte er dort. Warum sich das Heer teilte, sagt keine Quelle ausdrücklich; die gängige Deutung ist, dass die Nordgruppe sich in Northumbrien festsetzen wollte – dort entstand das Reich, das später in Jórvík seinen Mittelpunkt hatte –, während Guthrum den Süden ins Visier nahm. Das ist eine Deutung des Ablaufs, keine ausdrückliche Aussage der Chronik.

Im Jahr 876 besetzte Guthrums Gruppe nach den Zusammenfassungen, die ich gelesen habe, Wareham in Dorset. Alfred konnte die Befestigung nicht erstürmen. Man einigte sich auf Geiseln und Eide, und die Dänen schworen, so berichtet es die Überlieferung, auf einen heiligen Ring. Sie brachen den Eid, töteten – nach dieser Überlieferung – die Geiseln und setzten sich nachts nach Exeter ab. Dort wurde das Heer blockiert; eine Entsatzflotte geriet in einen Sturm, und die Dänen mussten sich ergeben und zogen nach Mercien ab. Ich habe diese Abfolge nur über Zusammenfassungen gelesen und gebe sie deshalb zurückhaltend wieder. Sicher ist: Schon vor 878 hatte Alfred mit derselben Gruppe verhandelt, und die Vereinbarung hielt nicht. Das erklärt, warum er 878 nach dem Sieg Geiseln und Eide nicht mehr genügten und die Taufe hinzukam.

Januar 878: der Überfall auf Chippenham

Die Chronik hat für das Jahr 878 einen berühmten Satz: Mitten im Winter, nach der zwölften Nacht, also nach dem 6. Januar, „stahl sich das Heer“ nach Chippenham und überrannte das Land der Westsachsen. Viele Menschen wurden über das Meer vertrieben, die meisten der übrigen unterwarfen sich. Chippenham in Wiltshire war eine königliche Villa, ein Landgut mit Hof, wo Alfred nach den Darstellungen, die ich las, die Weihnachtszeit verbracht hatte. Dass der König dort nicht von einer Armee erwartet wurde, ist der Kern der Überraschung. Die Datumsangabe ist hier eng: Gemeint ist die Nacht um Dreikönig, der Überfall also in den ersten Januartagen.

Wie das gelang, ist eine der offenen Fragen. Ein Teil der Forschung sieht in dem Überfall einen echten Handstreich. Andere, etwa Barbara Yorke in ihrer Darstellung zu Wessex, denken an Verrat oder Absprachen. Ein Anhaltspunkt ist der Ealdorman von Wiltshire, Wulfhere. Eine Urkunde aus dem Jahr 901, unter König Edward dem Älteren, sagt, ihm und seiner Frau seien Ländereien an der Wylye abgenommen worden, weil sie „trotz ihres Eides“ den König und das Land im Stich gelassen hätten. Daraus folgt, dass Wulfhere Alfred verlassen hat. Ob er mit Guthrum verhandelte, ist Deutung; Yorke erwägt, er könnte einen Neffen als abhängigen König Wessex’ vorgesehen haben. Das lässt sich aus der Urkunde nicht ableiten, es ist ein Gedankenspiel.

Alfred floh mit einer kleinen Schar in die Sümpfe von Somerset, ins Moorland um Athelney. Die Chronik sagt, er sei mit wenigen „in die Wälder und Moore“ gezogen. Mit dieser Lage verbindet sich die Legende von den verbrannten Kuchen, die erst rund hundert Jahre nach Alfreds Tod aufgezeichnet wurde und mit der Geschichte Guthrums nichts zu tun hat. Mehr über den König und seine Politik steht im Beitrag über Alfred den Großen.

Athelney, Egbert’s Stone und der Marsch nach Osten

Zu Ostern errichtete Alfred nach der Chronik eine Befestigung in Athelney und führte von dort aus Überfälle gegen das Heer. Sieben Wochen nach Ostern, also ungefähr im Mai, rief er die Männer von Somerset, Wiltshire und einem Teil von Hampshire an einem Ort namens Ecgbryhtesstan, „Egberts Stein“, östlich des Selwood-Waldes zusammen. Asser nennt die Zwischenstation Iley Oak. Wo genau diese Orte lagen, ist umstritten; „Egberts Stein“ ist keine sicher lokalisierte Stätte. Für die Rechnung genügt: Die drei Grafschaftsaufgebote folgten dem König, und das heißt, dass seine Ealdormen und Amtsträger bis auf einzelne Ausnahmen loyal geblieben waren. Das ist ein wichtiger Gedanke, weil Chippenham so wie ein Zusammenbruch aussieht, der Marsch aber zeigt, dass die Verwaltung funktionierte.

Wie viele Männer auf beiden Seiten standen, wissen wir nicht. Die Quellen nennen keine Zahlen für das Heer von Edington, und Schätzungen für das Wikingerheer im Allgemeinen gehen weit auseinander: Eine Annahme rechnet mit nicht mehr als etwa tausend Mann, eine andere mit mehr als fünftausend Kämpfern in der Anfangszeit. Für Guthrums Truppe 878 habe ich keine belastbare Zahl gefunden.

Ethandun: die Schlacht und die Frage nach dem Ort

Die Chronik nennt den Schlachtort Eðandun, Asser schreibt Ethandun. Asser beschreibt, wie Alfred „in dichter Schildreihe“ gegen das gesamte heidnische Heer kämpfte und es nach einem harten Kampf mit großem Blutvergießen schlug. In der Übersetzung, die ich gelesen habe, heißt es dazu, er habe „mit göttlicher Hilfe“ gesiegt. Die Überlebenden zogen sich in eine Befestigung zurück, wo Alfred sie vierzehn Nächte belagerte; dann baten sie um Frieden und stellten Geiseln. Das Detail der „vierzehn Nächte“ steht in der Chronik, wie ich sie gelesen habe.

Die Gleichsetzung von Ethandun mit Edington bei Westbury in Wiltshire ist die herrschende Lehrmeinung. Sie stützt sich auf die Namensform und auf ein Zeugnis aus Alfreds Umfeld: Nach den von mir gelesenen Zusammenfassungen vermacht Alfred in seinem Testament ein Gut namens Eðandun seiner Frau, und eine Urkunde verzeichnet eine Ratsversammlung dort. Das macht Edington zu einem Ort, den die Königsfamilie kannte. William Henry Stevenson, der 1904 die kritische Ausgabe Assers besorgte, hat die Gleichung geprüft und, so die Zusammenfassung, wenig Anlass gefunden, sie zu bezweifeln. Ganz ohne Gegenstimmen blieb die Frage nicht: Der Tudor-Geschichtsschreiber Polydore Vergil verlegte die Schlacht, wohl durch Fehllesung, nach Abingdon, und Altertumsforscher des 19. Jahrhunderts schlugen andere Orte vor, meist anhand von Ortsnamen. Welche Orte das im Einzelnen waren, kann ich aus den Quellen, die ich las, nicht nennen.

Wichtig für die Einordnung: Dass Edington die beste Lösung ist, heißt nicht, dass das Schlachtfeld archäologisch gesichert wäre. Mir ist kein Fund bekannt, der den Kampf an einem bestimmten Punkt belegt. Die Lokalisierung ruht auf Namen, Wegen und Wahrscheinlichkeit. Wer in Wiltshire eine Tafel „Ort der Schlacht“ sieht, liest eine begründete Annahme.

Aller und Wedmore: die Taufe

Nach der Belagerung kam Guthrum zu Alfred. Asser schreibt, er sei mit dreißig ausgewählten Männern seines Heeres nach Aller bei Athelney gekommen; die Chronik sagt ähnlich, er sei mit dreißig der Vornehmsten des Heeres gekommen. Die Taufe fand dort statt. Etwa acht Tage später folgte in Wedmore, einer königlichen Villa, die chrism-loosing (altenglisch etwa „Lösung des Salbungsbandes“): Der Täufling trug nach altem Brauch ein weißes Tuch um den Kopf, das nach einigen Tagen abgenommen wurde. Zwölf Nächte blieb Guthrum anschließend beim König und erhielt reiche Geschenke. Die genauen Zahlen sind belegt, in Asser und Chronik leicht verschieden formuliert, aber sie stimmen im Kern überein.

Alfred war Taufpate. Dass das mehr war als eine Zeremonie, erklärt sich aus der Rechtslage: Wer jemanden aus der Taufe hob, ging eine geistliche Verwandtschaft ein. Das schuf Verpflichtungen, die ein gewöhnlicher Vertrag nicht hatte. Asser formuliert es so:

„… Alfred nahm ihn als Sohn an und hob ihn aus dem heiligen Taufbecken.“Asser, Leben König Alfreds, Bericht zu 878 (nach der englischen Übersetzung im Internet Medieval Sourcebook gelesen; gemeinfrei; eigene Übersetzung)

Was dagegen fehlt: Der Name Æthelstan steht in dem Assertext, den ich gelesen habe, nicht. Er erscheint in der Chronik erst zum Jahr 890, bei Guthrums Tod, wo es heißt, sein Taufname sei Æðelstán gewesen und er sei Alfreds Patensohn. Dass er den Namen schon 878 erhielt, ist die naheliegende Annahme, aber ausdrücklich bezeugt ist es erst Jahre später. Der Name war in England kein Fremdkörper: Schon im 9. Jahrhundert hatte ein ostanglischer König Æthelstan (825 bis 840) Münzen geschlagen. Ob die Wahl Absicht war oder Zufall, lässt sich nicht sagen.

Die Taufe selbst als Unterwerfungsakt zu lesen, wie es die Siegerquellen nahelegen, ist zulässig, aber nicht zwingend. Politisch gesehen bekam Guthrum etwas: Er blieb König, behielt sein Gefolge und erhielt eine Verwandtschaft mit dem mächtigsten Herrscher des Südens. Wie weit er an den christlichen Glauben band, kann niemand sagen. Mit der Frage der Bekehrung der Nordgermanen insgesamt beschäftigt sich der Beitrag über die Christianisierung der Germanen.

Der Vertrag zwischen Alfred und Guthrum

Von einem „Vertrag von Wedmore“ ist oft die Rede. Das ist eine moderne Bezeichnung für das, was 878 vereinbart wurde: Geiseln, Eide, Abzug und Taufe. Eine schriftliche Urkunde aus diesem Jahr ist nicht erhalten. Der Text, den wir haben, der Vertrag zwischen Alfred und Guthrum, ist später. Er ist in einer altenglischen Fassung in der Handschrift Corpus Christi College Cambridge, MS 383, überliefert und in einer lateinischen Fassung in der Sammlung Quadripartitus. Die moderne Einordnung als „Vertrag von Wedmore“ verwischt diese zwei Dinge, und man liest beide häufig durcheinander.

Zum Inhalt, in der englischen Übersetzung gelesen, die ich einsehen konnte: Der Vertrag beginnt mit den Namen König Alfreds und König Guthrums, des Witan (Rates) des englischen Volkes und des ganzen Volkes in Ostanglien; er gilt für die Nachkommen, „die geborenen und die ungeborenen“. Die Grenze, im ersten Artikel, verläuft die Themse hinauf, dann die Lea hinauf bis zu ihrer Quelle, von dort geradewegs nach Bedford, dann die Ouse hinauf bis zur Watling Street, der alten römischen Fernstraße. Östlich dieser Linie liegt Guthrums Gebiet, westlich Alfreds. Der zweite Artikel setzt das Wergeld, das Mannesgeld, für Engländer und Dänen gleich: acht halbe Mark reinen Goldes für einen erschlagenen Mann; ausgenommen sind der Ceorl auf Pachtland und die Freigelassenen der Dänen, für die zweihundert Schillinge gelten. Der dritte Artikel regelt Eidhelfer in Totschlagsanklagen, der vierte verlangt, dass jeder, der Sklaven, Pferde oder Ochsen erwirbt, seinen Gewährsmann kennt, und der fünfte verbietet, dass Freie oder Unfreie ohne Erlaubnis zum Heer der anderen Seite übergehen; Handel ist erlaubt, wenn Geiseln als Friedenspfand gestellt werden.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Nach den Zusammenfassungen, die ich las, spricht der Vertrag London Alfred zu, und die Themse-Lea-Linie passt dazu. Den Passus habe ich nicht selbst im Wortlaut gesehen. Zweitens ist das Dokument keine Teilung Englands „nach Volkszugehörigkeit“, sondern ein Grenz- und Rechtsabkommen zwischen zwei Königen, das den Alltag regelt: Wer darf wo handeln, wer haftet für gestohlenes Vieh, wie hoch ist ein Menschenleben bemessen. Lesley Abrams, eine Forscherin zum Thema, hat nach dem, was ich davon sah, argumentiert, es sei in erster Linie ein Mittel zur Grenzverwaltung gewesen.

Wann entstand der Vertrag? Ein offenes Datierungsproblem

Das Datum des Vertrags ist nicht überliefert. Sicher ist der späteste Zeitpunkt: Guthrum starb 890. Der früheste ist umstritten. Für 879 hat sich Giles Morgan ausgesprochen, für 886 David Horspool – so die Zusammenfassungen, die ich las. In der Literatur stehen sich zwei Gedankengänge gegenüber. Der erste verknüpft den Vertrag mit Alfreds Besetzung Londons im Jahr 886, die die Chronik zu diesem Jahr verzeichnet: Wenn London nach dem Vertrag Alfred zufällt, müsste er nach der Rückgewinnung der Stadt geschlossen worden sein. Der zweite verweist auf den Eintrag zum Jahr 885, wonach das Heer in Ostanglien „den Frieden mit König Alfred brach“. Das könnte darauf hindeuten, dass ein Friedensvertrag bereits vorlag, als dies geschah, und der Vertrag also älter ist. Beide Argumente haben Lücken: Der Text selbst nennt kein Jahr, und die Zuordnung zu London ist eine Lesart, kein Wortlaut.

Eine Besonderheit, die der Leser kennen sollte: Es gibt einen zweiten Text, das Friedensabkommen zwischen Edward und Guthrum. Er klingt wie eine Fortsetzung, ist aber nach Dorothy Whitelock (1941) eine Fälschung des Erzbischofs Wulfstan von York, entstanden zwischen 1002 und 1023. Zehn Urkunden des 10. Jahrhunderts nennen einen Guthrum als dux oder König; man nahm früher an, das sei ein zweiter Guthrum, weil der von Ostanglien 890 starb. Die Frage, wer dieser spätere Guthrum war, ist hier nicht zu klären. Für unser Thema genügt: Vom echten Alfred-Guthrum-Vertrag führt ein gerader Weg zu einer späteren Fälschung, die sich auf ihn stützt.

Die Vorstellung, mit diesem Vertrag sei das Danelag geschaffen worden, ist verbreitet und missverständlich. Das Wort selbst ist jünger und steht in den Klauseln, die ich las, nicht. Die Linie trennt zwei Herrschaftsbereiche; ob man darin die Geburtsstunde einer Rechtsregion sehen darf, ist eine Deutung der Neuzeit.

Ostanglien 880 bis 890: ein König mit zwei Gesichtern

Was geschah nach dem Vertrag? Die Chronik berichtet für 879 den Zug des Heeres von Chippenham nach Cirencester, wo es ein Jahr blieb, und für 880 den Weitermarsch nach Ostanglien, „wo es das Land besetzte und aufteilte“. Das ist der Moment, in dem Guthrum, so das Standardbild, König in Ostanglien wurde. Die Chronik zum Jahr 890 sagt es nach den Zusammenfassungen, die ich las, im Rückblick: Er habe das Land als Erster besiedelt. Ostanglien war zuvor von den Heeren erobert worden, die ab 865 im Land waren; die Verhältnisse davor sind nicht Gegenstand dieses Beitrags.

Über seine Regierung wissen wir wenig, und das Wenige ist indirekt. Das Gesicht, das später überliefert wird, ist das eines Königs, der für seine nordischen Gefolgsleute ein Heerführer blieb und gegenüber den sächsischen Untertanen als christlicher Herrscher auftrat. Das ist eine zusammenfassende Beschreibung moderner Darstellungen; ob die Zeitgenossen es so sahen, ist nicht gesichert. Die Chronik für 885 vermerkt, dass Alfred eine Flotte von Kent nach Ostanglien schickte und dass das Heer in Ostanglien danach den Frieden mit ihm brach. Wer es anführte, nennt sie nicht, und ob Guthrum beteiligt war oder machtlos zusah, kann man den Quellen nicht entnehmen. Sicher ist, dass der Vertrag, soweit wir ihn verstehen, den Frieden zwischen den beiden Königen regelte und dass es 890 noch einen König in Ostanglien gab.

Münzen: der König, der Æthelstan hieß

Das einzige Zeugnis von Guthrums eigener Regierung sind Münzen. Silberpfennige, die in Ostanglien geprägt wurden und den Namen Æthelstan tragen, werden ihm zugeschrieben. Das Britische Museum führt unter „Æthelstan II.“ (mit der Nebenform Guthrum) neunzehn Münzen auf, die meisten aus dem Hortfund von Cuerdale, geprägt in Ostanglien; als Münzmeister erscheinen Namen wie Elda, Guntere und Iudelberd. Eine Münze, die früher Alfred dem Großen zugeschrieben wurde, gilt heute als Prägung dieses Æthelstan. Das Ashmolean Museum in Oxford datiert die Prägung auf 880 bis 890. Die Inschriften habe ich nicht gelesen und kann daher nichts zu Wortlaut und Bildern sagen.

Die Zuweisung ist plausibel und üblich, aber sie ist eine Zuweisung. Es gab schon im 9. Jahrhundert einen ostanglischen König Æthelstan I. (825 bis 840), und Name und Ortsangabe allein würden nicht genügen; die Datierung beruht auf Stil, Fundzusammenhang und der historischen Lage. Bemerkenswert ist, dass ein dänischer König mit seinem christlichen Namen prägen ließ. Das passt zur Taufe, aber der Schluss, damit habe er sich zum christlichen Herrscher gewandelt, wäre zu groß: Der Name auf der Münze ist die Aussage, die Absicht dahinter bleibt unbekannt.

890: Tod und Grab

Die Chronik verzeichnet seinen Tod unter dem Jahr 890. Ich habe die altenglische Wendung über das Wörterbuch Bosworth–Toller gelesen:

Der Eintrag lautet im Kern: Hér Godrum se norþerna cyning forþferde, ðæs fulluhtnama wæs Æðelstán – sinngemäß „In diesem Jahr starb Godrum, der nördliche König, dessen Taufname Æthelstan war“. Die Fortsetzung, die ihn als Alfreds Patensohn bezeichnet und sagt, er habe Ostanglien als Erster besiedelt, kenne ich nur aus Zusammenfassungen. Als Grabort überliefern die Annals of St Neots Hadleigh in Suffolk, geschrieben Headleage. Die Annalen stammen aus dem Hochmittelalter (nach Wikipedia aus dem 12. Jahrhundert), und die Angabe ist die einzige; eine Bestätigung aus zeitnaher Quelle gibt es nicht.

Was nach 890 geschah, ist ein anderes Kapitel. Wer ihm in Ostanglien nachfolgte, habe ich in den Quellen, die ich las, nicht klar belegt gefunden und lasse es offen. Den größeren Rahmen, in dem die dänisch beherrschten Gebiete später stehen, erklärt der Beitrag zum Danelag.

Verbindung zum Großen Heer – und was ein anderes Heer ist

Ob Guthrum seit 865 zum Großen Heer gehörte, ist aus den Quellen nicht abzuleiten. Er erscheint nach dem Winter in Repton als einer von drei Königen der südlichen Gruppe. Manche Darstellungen lassen ihn schon 871 mit dem „Sommerheer“ eintreffen; das ist, wie ich sehe, nicht einheitlich: Andere Darstellungen nennen als Anführer dieses Heeres Bagsecg und nicht Guthrum. Ich kann das nicht entscheiden und behandle seine frühere Zugehörigkeit als offen. Dass seine Gruppe aus dem Verband hervorging, den wir als Großes Heer zusammenfassen, ist plausibel, aber auch das ist eine Zuordnung durch spätere Leser.

Wichtig ist die Trennung zu einem anderen Verband: Zum Jahr 879 verzeichnet die Chronik ein weiteres Heer, das sich bei Fulham an der Themse sammelte und im Jahr darauf nach Gent übersetzte. Es ist nicht Guthrums Heer. Dessen Spur führt über Cirencester nach Ostanglien, während der Fulham-Verband auf den Kontinent zog. Was dieser auf dem Festland tat, behandelt der Beitrag über das Große Heer auf dem Kontinent.

Stand der Forschung und offene Fragen

Mehrere Fragen sind nicht beantwortet. Erstens die Herkunft: Es gibt keine Quelle. Zweitens die Datierung des Vertrags, die irgendwo zwischen 879 und 890 liegt. Drittens die Lage von Ethandun, die als Edington gilt, aber nicht durch Funde gestützt ist. Viertens die Rolle Wulfheres und der Charakter des Überfalls auf Chippenham, der als Überraschungsangriff beschrieben wird, aber auch als Folge innerer Spannungen gedeutet wurde. Fünftens die Beurteilung Assers, dessen Echtheit eine Minderheit bestreitet.

Richard Abels hat nach den Zusammenfassungen, die ich sah, bemerkt, Guthrums Niederlage könne auch auf den schwindenden Zusammenhalt des Dänenheeres zurückgehen. Das ist eine Deutung, die sich gut mit dem Befund verträgt, dass dieses Heer sich schon in den Jahren davor mehrfach geteilt und neu zusammengesetzt hatte. Beweisen lässt sie sich nicht.

Eine allgemeine Lehre aus dem Fall Guthrum: Die Gestalt, die wir „Guthrum“ nennen, ist ein Produkt der Quellenlage. Hätte Alfred 878 verloren, würde die Chronik von ihm schweigen oder anders erzählen. Dass wir einen Namen, eine Taufe, einen Vertrag und Münzen haben, verdanken wir dem Sieg eines Königs, dessen Hof die Geschichte schrieb. Das macht die Zeugnisse nicht falsch, aber es bestimmt, wonach man sie befragen darf.

Was gesichert ist

  • Die Angelsächsische Chronik zu 878: Das Heer „stahl sich“ nach der zwölften Nacht nach Chippenham und überrannte das Land der Westsachsen; Alfred zog sich in die Moore zurück.
  • Alfred sammelte sieben Wochen nach Ostern bei Egberts Stein die Aufgebote von Somerset, Wiltshire und Hampshire, siegte bei Ethandun/Edington und belagerte das Heer vierzehn Nächte.
  • Guthrum kam mit dreißig Männern nach Aller, wurde getauft; Alfred war Taufpate; die Salbungsbinde wurde in Wedmore gelöst; er blieb zwölf Nächte beim König (Chronik und Asser).
  • Der Vertrag Alfred–Guthrum ist im Wortlaut erhalten (Cambridge, Corpus Christi College, MS 383; lateinisch im Quadripartitus): Grenze Themse–Lea–Bedford–Ouse–Watling Street, gleiches Wergeld, Regeln zu Eid, Gewährsmann und Handel.
  • Die Chronik verzeichnet 890 den Tod „Godrums“, dessen Taufname Æðelstán war.
  • Münzen mit dem Namen Æthelstan, in Ostanglien geprägt und dem Guthrum zugewiesen, sind überliefert.

Mythos-Check

  • „Der Vertrag von Wedmore teilte England in Wessex und Danelag.“ Von 878 ist keine Urkunde erhalten. Der überlieferte Vertrag ist später und regelt eine Grenze, das Wort „Danelag“ steht in den Klauseln, die ich las, nicht.
  • „Der Vertrag ist von 886.“ Möglich, aber nicht sicher; vorgeschlagen sind Jahre zwischen 879 und 886, der späteste Zeitpunkt ist 890.
  • „Guthrum wurde bei Edington getauft.“ Die Taufe war in Aller, die Lösung des Bandes in Wedmore.
  • „Guthrum war ein Neffe Horiks II. und kam 865 mit dem Großen Heer.“ Beides ist in den Quellen, die ich gelesen habe, nicht belegt.
  • „Der Taufname Æthelstan steht schon bei Asser.“ In dem gelesenen Assertext nicht; die Chronik nennt ihn zu 890.
  • „Das Edington von heute ist durch Funde als Schlachtfeld gesichert.“ Die Gleichsetzung beruht auf Namen und Zeugnissen, nicht auf Grabungen.
  • „Der Edward-Guthrum-Vertrag ist ein Zweitvertrag.“ Er gilt seit Whitelock als Fälschung Wulfstans von York (1002–1023).

Häufige Fragen

Wer war Guthrum? Ein Wikingerkönig und Heerführer, der ab 874/75 in den englischen Quellen auftaucht, 878 gegen Alfred den Großen kämpfte, sich taufen ließ und bis 890 in Ostanglien herrschte. Über die Zeit davor ist nichts Verlässliches bekannt.

Warum hieß er später Æthelstan? Es war sein Taufname. Die Angelsächsische Chronik nennt ihn zum Jahr 890; dass er ihn schon 878 bekam, ist wahrscheinlich, aber nicht ausdrücklich bezeugt.

Wo lag Ethandun? Nach herrschender Meinung in Edington bei Westbury in Wiltshire. Die Gleichung ist gut begründet, aber nicht durch archäologische Funde gesichert.

Wann wurde der Vertrag zwischen Alfred und Guthrum geschlossen? Das weiß man nicht. Der späteste Zeitpunkt ist Guthrums Tod 890; vorgeschlagen werden Jahre zwischen 879 und 886, wobei 886 an Alfreds Rückgewinnung Londons anknüpft.

Gehörte Guthrum zum Großen Heer? Wahrscheinlich ging seine Gruppe aus dem Verband hervor, der in der Forschung so heißt, aber seine Stellung vor 874 ist nicht belegt.

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