Wikinger Blog / Geschichte & Funde
Aus dem Wissensarchiv

Die Hasdingen: Das Königshaus der Vandalen

Geschichte & Funde Die Hasdingen: Das Königshaus der Vandalen

Die Hasdingen sind der Teil der Vandalen, aus dem die Könige Godigisel, Gunderich und Geiserich hervorgehen sollen, und ein Name, der in den Quellen erstaunlich selten steht. Cassius Dio kennt „Astingen“ in Dakien, Jordanes ein Geschlecht der „Asdingi“, Hydatius schreibt in Spanien nur von Vandalen. Dieser Beitrag legt die Zeugnisse nebeneinander, trennt Text, Archäologie und Deutung und sagt dort, wo eine Verbindung nur auf Namensähnlichkeit beruht, dass sie es tut.

Ein Name mit drei Schreibungen

Die Hasdingen sind der Teil der Vandalen, aus dem die Könige hervorgingen, die das Volk durch Gallien und Spanien nach Nordafrika führten. So steht es in vielen Büchern, und so einfach ist es nicht. Schon der Name erscheint in mehreren Gestalten: Astingoi (griechisch) bei Cassius Dio, Asdingi bei Jordanes, Hasdingi in späteren lateinischen Texten, im Deutschen Hasdingen, Asdingen oder Astingen. Jordanes kennt außerdem an anderer Stelle Astringi, ob dasselbe Volk gemeint ist, ist umstritten. Wer „Hasdingen“ schreibt, wählt eine Konvention, keine Quellenform.

Zur Herkunft des Namens gibt es einen Vorschlag, mehr nicht. Er gilt als germanisch und wird mit einer rekonstruierten Wurzel in Verbindung gebracht, die dem altnordischen haddr („Frauenhaar, langes Haar“) entspräche; die Hasdingen wären dann die „Langhaarigen“ oder „Haarträger“. Die Endung -ing bezeichnet in germanischen Namen Zugehörigkeit, oft Abstammung („die zu … Gehörigen“). Ob der Name ein Volk, ein Königsgeschlecht oder beides bezeichnete, ist selbst in der Fachliteratur nicht geklärt: Reichert und Castritius halten, soweit ich ihre Position über eine Zusammenfassung kenne, das Verhältnis von Hasdingen und Vandalen in den antiken Quellen für „nicht ganz klar“. Wer „Langhaar“ als Tatsache liest, liest eine Hypothese.

Auch die Frage, was die Hasdingen im Verhältnis zu den Vandalen insgesamt waren, hat keine gesicherte Antwort. Plinius der Ältere ordnet im ersten Jahrhundert unter dem Sammelnamen Vandili mehrere Völker ein, darunter Burgunder, Varinner, Charinen und Gutonen. Tacitus kennt die Vandilii als alten Namen. Die Hasdingen kommen in beiden Aufzählungen nicht vor. Sie treten erst rund hundert Jahre später auf, und zwar in einem Satz bei Cassius Dio.

Wer erzählt: Zeugen in Jahrhunderten Abstand

Die Überlieferung zu den Hasdingen ist ein Flickenteppich aus Autoren, die weit auseinanderliegen und sich kaum gegenseitig bestätigen. Deshalb vorab, wer was liefert.

Cassius Dio, ein römischer Senator griechischer Sprache aus Nikaia, schrieb seine Römische Geschichte im frühen dritten Jahrhundert. Die Bücher über Marcus Aurelius sind nur in Auszügen erhalten, vor allem in der Zusammenfassung des Mönchs Johannes Xiphilinos aus dem elften Jahrhundert. Was wir als „Dio“ lesen, ist also doppelt gefiltert. Jordanes, der sich selbst als Abkömmling von Goten darstellt, schrieb um die Mitte des sechsten Jahrhunderts, vermutlich in Konstantinopel, die Getica, eine Zusammenfassung des verlorenen Werks von Cassiodor, und stützt sich für Vandalisches dazwischen auf den griechischen Historiker Dexippus aus dem dritten Jahrhundert. Gregor von Tours schrieb im späten sechsten Jahrhundert und zitiert für die Ereignisse am Rhein einen verlorenen Historiker des fünften Jahrhunderts, Renatus Profuturus Frigeridus. Hydatius, Bischof im galicischen Chaves, schreibt in der Mitte des fünften Jahrhunderts eine Chronik, die als Hauptquelle für Spanien gilt, aber vom Nordwesten der Halbinsel aus blickt. Prokop, Sekretär des Belisar, behandelt die Vandalen im sechsten Jahrhundert im Rahmen seiner Kriegsgeschichte und schreibt zu den frühen Zeiten aus zweiter Hand, mit einigen Fehlern. Dazu kommen kurze Stellen bei Hieronymus, Orosius und Prosper.

Zur Methode: Ich habe diese Texte in englischen Online-Übersetzungen gelesen, zum Teil nur in den hier genannten Auszügen (Cassius Dio in der Loeb-Übersetzung von Earnest Cary, Prokop in der von H. B. Dewing, Hieronymus bei New Advent, Jordanes in der Fassung von Mierow, Hydatius lateinisch auf der Seite der Latin Library). Griechisch und Latein habe ich nicht systematisch durchgearbeitet; die Edition von R. W. Burgess für Hydatius und die kritischen Ausgaben der anderen habe ich nicht vor mir gehabt. Im Quellenverzeichnis steht, was ich selbst gesehen habe und was nur über Zusammenfassungen bekannt ist.

Auffällig ist, wie selten der Name Hasdingen in den Texten des fünften Jahrhunderts überhaupt steht. In der lateinischen Hydatius-Fassung, die ich geprüft habe, kommt weder Asdingi noch Hasdingi vor; Hydatius schreibt durchgehend Wandali und unterscheidet nur die Silingen durch ihren Beinamen. Dass die Vandalen in Gallaecia „die Hasdingen“ waren, ist eine Schlussfolgerung der Forschung: Wer in Gallaecia saß und nicht Silingi hieß, muss der andere Teilverband gewesen sein. Das ist plausibel, aber es ist ein Schluss.

Dio 72,12: ein Satz über Dakien

Die älteste Stelle steht in Dios Bericht über die Markomannenkriege des Marcus Aurelius. Die Zählung schwankt: Die ältere Ausgabe führt das Buch als 71, die Loeb-Ausgabe als 72; die Stelle liegt dort in Kapitel 12. In der Übersetzung, die ich gelesen habe, kommen die Astingen unter zwei Anführern nach Dakien, der römischen Provinz nördlich der unteren Donau, und sie führen ihren ganzen Haushalt mit.

„Die Astingen kamen unter ihren Anführern Raüs und Raptus mit ihrem gesamten Hausstand nach Dakien …“Cassius Dio, Römische Geschichte 72(71),12, nach der englischen Übersetzung von E. Cary (Loeb, gemeinfrei), bei LacusCurtius/Penelope gelesen; eigene deutsche Übersetzung, griechischen Wortlaut nicht eingesehen; Satz hier am Ende gekürzt

Weiter heißt es im selben Kapitel, nach dem, was ich im Text sah: Sie ließen Frauen und Kinder unter dem Schutz eines Mannes namens Clemens zurück und griffen die Kostoboken an. Die Lakringen fürchteten, Clemens könne die Neuankömmlinge in ihr Land führen, überfielen die Astingen unvorbereitet und siegten. Danach, so Dio, hätten die Astingen den Krieg gegen Rom aufgegeben, Geld erhalten und das Recht, Land zu erbitten, wenn sie den Feinden Roms schadeten. Dass Clemens der Statthalter Sextus Cornelius Clemens ist, ist eine moderne Gleichsetzung. Auch die Jahre 171/172 sind eine Einordnung, Dio nennt kein Datum.

Mehr sagt Dio nicht, und das ist wenig. Der Satz nennt zwei Namen von Anführern, aber keinen König. Er nennt weder Stärke noch Sprache, noch Herkunft. Er nennt auch nicht die Vandalen: Dass die Astingen mit den späteren Hasdingen gleichzusetzen sind, ist eine Gleichung über den Namen und die ungefähre Gegend, die Jordanes plausibel macht (dazu gleich). In 73,2 erwähnt Dio die Vandili, aber als eigene Gruppe: Kaiser Commodus verbietet den Markomannen nach dem Friedensschluss von 180, Krieg gegen Jazygen, Burer oder Vandilier zu führen. Dio führt also Astingen und Vandilier an zwei Stellen und verbindet sie nirgends.

Jordanes: Visimar, Geberich und der Fluss Marisia

Das Bindeglied zwischen Dios Astingen und den Königen des fünften Jahrhunderts liefert Jordanes (Getica 22, Abschnitte 113 bis 115). Der Gotenkönig Geberich, Sohn des Hilderith, will das enge Gebiet der Goten auf Kosten der Vandalen erweitern, die unter ihrem König Visimar leben. Visimar, heißt es, stamme „aus dem Geschlecht der Asdingi“, das unter den Vandalen hervorrage und, so Jordanes mit Berufung auf Dexippus, als besonders kriegerisch gelte. Die Vandalen saßen nach seiner Beschreibung dort, wo später die Gepiden wohnten, an Flüssen, die er Marisia, Miliare, Gilpil und Grisia nennt. Der erste ist üblicherweise der Mureș (ungarisch Maros), die übrigen sind in der Forschung diskutiert. Am Ufer der Marisia beginnt Geberich den Krieg. Visimar wird mitsamt einem großen Teil seines Volkes besiegt, die Überlebenden verlassen das Land und bitten Kaiser Konstantin um Pannonien. Dort, so Jordanes, hätten sie rund sechzig Jahre als Untertanen der Kaiser gelebt.

Man sollte sehen, was hier steht und was nicht. Jordanes schreibt gut 200 Jahre nach Konstantin und gibt keine Jahreszahlen. Die gängige Datierung, die Niederlage am Mureș falle in die 330er Jahre, ist eine Rückrechnung aus „Konstantin“ und den sechzig Jahren; Geberichs Regierungszeit lässt sich aus Jordanes allein nicht bestimmen. Die Stelle nennt außerdem weder die Goten- noch die Vandalenzahl, und dass Konstantin das Land „gab“, steht nach dem, was ich las, nicht im Satz; es heißt, sie hätten darum gebeten und dort gelebt. Ob die Asdingen unter Visimar dasselbe Volk waren wie Dios Astingen 160 Jahre früher, hat Jordanes nicht zu sagen. Der Name verbindet beide; ein Beleg für ununterbrochene Kontinuität ist das nicht. Eine zweite Spur, die Gleichsetzung der Vandalen, die Kaiser Aurelian 271 nach Dexippus besiegte und die 2.000 Reiter stellen sollten, mit den Hasdingen, kenne ich nur über eine Zusammenfassung der Forschung und gebe sie nicht als Befund weiter.

Was der Boden dazu sagt: Przeworsk, Wielbark und die Theiß

Archäologisch wird der Raum, aus dem die Vandalen stammen sollen, der Przeworsk-Kultur zugerechnet, benannt nach einem Fundort in Südostpolen. Sie besteht vom dritten Jahrhundert v. Chr. bis ins fünfte Jahrhundert n. Chr., hat ihr Kerngebiet an der oberen Oder und der Weichsel und zeigt überwiegend Brandbestattungen mit absichtlich verbogenen oder zerbrochenen Waffen. Viele Forscher verbinden sie mit Vandalen und Lugiern; manche halten die Vandalen nur für ein Element unter mehreren. Die Wielbark-Kultur, die man mit den Goten verbindet, grenzt im Norden an. Das Projekt „Migration Period between Odra and Vistula“ der Universität Warschau liest ihre Ausdehnung als Folge gotischen Drucks auf die Vandalen und stützt sich dabei auf die Jordanes-Stelle. Das ist eine Lesart unter mehreren.

Für die Hasdingen im engeren Sinn gibt es einen einzigen archäologisch greifbaren Anhaltspunkt, und der ist selbst Deutung. Das genannte Warschauer Projekt schreibt, die Forschung sehe den Kampf der Hasdingen gegen Daker in den Markomannenkriegen im archäologischen Befund als Ausbreitung der Przeworsk-Besiedlung in die Region der oberen Theiß widergespiegelt. Ich habe dazu eine weitere Arbeit eingesehen, Bartosz Kontnys Aufsatz von 2019 zu den Kriegszügen von Przeworsk-Leuten; in seiner Zusammenfassung werden die Asdingen nicht mit der Theiß in der Zeit der Markomannenkriege verbunden. Hier steht also Aussage gegen Auslassung, und ich kann die beiden nicht gegeneinander abwägen. Wer „Hasdingen an der Theiß“ liest, liest eine verbreitete, aber nicht unumstrittene Verknüpfung.

Die Černjachov-Kultur gehört, soweit ich es belegen kann, nicht in diese Geschichte. Sie wird in der Forschung meist mit den Goten verbunden und liegt weiter östlich und nördlich. Die Mureș-Gegend, in der Jordanes die Vandalen zeigt, fällt allerdings in das Gebiet der Sântana-de-Mureș-Černjachov-Kultur (nach einem Ort am Mureș benannt). Ob die Vandalen dort Spuren hinterlassen haben, die man als solche erkennen könnte, weiß ich nicht, und mir ist keine Zuweisung eines bestimmten Fundplatzes an die Hasdingen bekannt. Für Pannonien gilt dasselbe: Jordanes behauptet sechzig Jahre Aufenthalt, ein Befund, der ihn trägt, ist mir nicht begegnet. Ein Volk lässt sich archäologisch nicht „an den Fundort nageln“, wenn kein Text sagt, wer dort lebte.

Die Lücke bis 406: Hunger, Hunnen, Stilicho?

Zwischen dem Ende der Pannonien-Jahre und dem Rhein liegt eine Lücke, in der die Quellen erstaunlich wenig über die Hasdingen sagen. Prokop schreibt im sechsten Jahrhundert, die Vandalen hätten „um den Maiotischen See“, also das Asowsche Meer, gewohnt und seien, vom Hunger gedrängt, ins Land der Germanen gezogen und hätten dabei die Alanen, ein gotisches Volk, wie er sie nennt, mit sich verbunden. Das widerspricht Jordanes, der sie in Dakien und Pannonien sieht, und es gilt als Fehler oder Verwechslung; Prokop kannte die frühe Geschichte offenbar nur vom Hörensagen. Die verbreitete Erklärung, die Hunnen hätten die Vandalen nach Westen getrieben, steht in den Texten, die ich las, nicht; sie ist eine Deutung aus dem allgemeinen Zusammenhang. Auch die Rolle des römischen Heermeisters Stilicho, den eine Zusammenfassung als Anwerber der Hasdingen für Gallien nennt, habe ich nicht prüfen können.

406: Die Franken am Rhein und der Tod Godigisels

Dann folgt, was die Hasdingen berühmt macht. Um den Jahreswechsel 406/407 überschreiten Vandalen, Alanen und Sueben den Rhein. Den Rahmen liefert die späte Chronistik, besonders Prosper von Aquitanien, der den Übergang auf den letzten Tag des Jahres 406 legt. Der Althistoriker Michael Kulikowski hat dagegen vorgeschlagen, das Jahr 405 anzusetzen, was Anthony Birley bestreitet; beide Positionen kenne ich nur aus einer Darstellung. Ich gebe deshalb das traditionelle Datum als solches an und markiere es als umstritten. Ein zugefrorener Rhein, der in vielen Büchern den Übergang erklärt, ist in keiner zeitgenössischen Quelle belegt; Gibbon hat ihn als Vermutung formuliert, spätere Autoren machten Tatsache daraus.

Die Hasdingen selbst treten in einer Passage bei Gregor von Tours auf (Historien 2,9), der den verlorenen Frigeridus ausschreibt. Dort, soweit ich es über eine englische Wiedergabe kenne, kämpften die Vandalen zuerst ohne die Alanen gegen die Franken und verloren ihren König Godegisel und etwa 20.000 Mann; sie wären vernichtet worden, wenn nicht das Heer der Alanen, bei Frigeridus irrtümlich „Alamannen“ genannt, unter König Respendial rechtzeitig gekommen wäre. Frigeridus nenne weder einen Ort noch das Datum, und Respendial habe das Heer seines Volkes vom Rhein weggeführt, was darauf hindeute, dass die Schlacht abseits des Stromes stattfand. Zahlen wie 20.000 gelten als übertrieben. Gregor selbst schreibt in einem knappen eigenen Satz, die Vandalen hätten ihr Land verlassen und seien „unter König Gunderich“ nach Gallien eingebrochen, ohne die Franken zu erwähnen. Hier ist Vorsicht nötig: Die Passage ist mir nur über eine Zusammenfassung zugänglich, weil die Brehaut-Ausgabe auf Gutenberg an dieser Stelle gekürzt ist; ich gebe sie deshalb nicht als Zitat, sondern als Bericht wieder.

Wer ist der Franke? Frigeridus nennt keinen König. Die moderne Forschung denkt an mehrere Könige und an römische Föderaten, also Franken in Dienst und Sold Roms, die am Mittelrhein und in den belgischen Provinzen saßen (so eine Zusammenfassung; ich habe sie nicht in den Originalwerken geprüft). Zu den Franken selbst siehe den Beitrag über die Franken; zum Rheinland in römischer Zeit den Beitrag zu den Germanen im Rheinland.

Mainz, Reims, Tournai: was der Rhein 406 in den Texten hinterlässt

Den Ort des Übergangs nennt keine Quelle. Was bleibt, ist die Spur der Verwüstung. Hieronymus, der in Bethlehem lebte und die Nachrichten aus Gallien aus zweiter Hand hatte, listet in einem Brief von 409 (Brief 123, Abschnitt 16) die Völker auf, die Gallien überrannt hätten (nach der englischen Übersetzung von Fremantle, Lewis und Martley, eigene Übertragung): „Quaden, Vandalen, Sarmaten, Alanen, Gepiden, Heruler, Sachsen, Burgunder, Alemannen“, und, so wörtlich weiter, sogar Pannonier. Er fährt fort, die einst edle Stadt Mainz sei erobert und zerstört worden, in ihrer Kirche seien viele Tausende erschlagen worden; Vangio (Worms) sei nach langer Belagerung ausgelöscht, Reims, die Ambianer, die Atrebaten, Tournai, Speyer und Straßburg seien „an Germanien gefallen“. Von den Hasdingen steht dort nichts, ebenso wenig von Franken oder von Köln, Aachen oder dem Niederrhein.

Damit lässt sich der Regionalbezug klar fassen, und er ist schmaler, als man erwartet. Der Rhein, an dem diese Dinge geschehen sein sollen, fließt etwa sechzig bis siebzig Kilometer (grob, Luftlinie) östlich von Alsdorf; die römische Hauptstadt der Gegend war Köln. Dass Hasdingen den Niederrhein oder das Aachener Land selbst durchzogen hätten, belegt keine Quelle. Der vorausgesetzte Übergang bei Mainz ist ein Rückschluss aus der von Hieronymus gemeldeten Zerstörung der Stadt; die Forschung erwägt die römische Rheinbrücke dort oder Boote. Das Datum 31. Dezember 406 beruht, wie gesagt, auf Prosper und ist im Jahr umstritten. Wer die Gegend sucht, in der die Vandalen am ehesten mit Menschen aus unserer Region zusammenstießen, landet bei den Franken, die als römische Föderaten in den belgischen Provinzen und am Rhein lebten. Mehr sagen die Texte nicht.

Noch etwas Verwirrendes: Gregor spricht für den Rheinübergang von „Gunderich“, die Zusammenfassungen von „Godigisel“. Beides sind nach der Forschung Hasdingenkönige, und nach Prokop waren sie Vater und Sohn. Prokop (Vandalenkrieg 1,3,23) nennt Godigisclus als Vater der beiden Brüder Gontharis (Gunderich) und Gizeric, wobei der Ältere ehelich, Gizeric unehelich geboren sei. Prokop schreibt außerdem, nach meiner Lesart der Stelle, Godigisclus sei in Spanien gestorben, was Frigeridus' Bericht vom Tod am Rhein widerspräche. Ich habe die Wendung „dort“ in der englischen Zusammenfassung nur kurz gesehen und halte sie für zu prüfen.

Spanien 409 bis 429: Gallaecia, die Suebenbelagerung, die Baetica

Hydatius notiert zum Jahr 409 den Satz, auf dem viel ruht: Alani, et Wandali, et Suevi Hispanias ingressi, „Alanen, Vandalen und Sueben betraten Spanien“. Zwei Jahre später teilen sie nach demselben Autor die Provinzen durch das Los. Die Vandalen, die er nicht näher bezeichnet, nehmen Gallaecia im äußersten Nordwesten, zusammen mit den Sueben; die Alanen Lusitanien und die Carthaginiensis; die Vandalen mit dem Beinamen Silingen die Baetica. Der Beitrag über die Silingen geht ausführlich auf das Los und auf ihren Untergang 418 ein. Für die Hasdingen folgt daraus nur: Ihr Sitz ist der Nordwesten, und die Quelle dafür ist ein Einzelzeuge.

Nach 418 ändert sich das Bild. Hydatius schreibt, die Alanen, die zuvor mit den Vandalen und Sueben Macht hatten, seien von den Goten so geschlagen worden, dass sie nach dem Tod ihres Königs Addax unter dem Schutz „Gunderichs, des Königs der Vandalen, der in Gallaecia saß“, Zuflucht suchten. Hier steht bei Hydatius der Königsname Gunderich für die Vandalen in Gallaecia. Danach folgt der Krieg mit den Sueben: Zum Jahr 419 steht bei Hydatius, dass die Sueben „in den Nervasischen Bergen von den Vandalen belagert“ wurden, dass die Vandalen die Belagerung abbrachen, als der römische Heerführer Asterius eingriff. Dass sie danach in die Baetica wechselten, entnehme ich einer Zusammenfassung; die Passage selbst habe ich nur in Auszügen gesehen.

Dann reiht Hydatius Ereignisse auf, die Gunderich und seine Leute in den Süden führen: 422 besiegt ein römisches Heer unter Castinus, verstärkt durch gotische Hilfstruppen, in der Baetica; 425 plündern die Vandalen die Balearen, Cartagena und Sevilla werden verwüstet. Im Jahr 428 stirbt Gunderich in Hispalis; Hydatius schreibt, nachdem er die Stadt genommen und die dortige Kirche betreten habe, sei er nach Gottes Willen von einem Dämon ergriffen worden und gestorben (so die englische Wiedergabe, die ich in einer Zusammenfassung sah; den lateinischen Wortlaut dieses Satzes und Burgess' Übersetzung habe ich nicht eingesehen). Ob es sich um eine Krankheit, einen Unfall oder eine fromme Erfindung handelt, ist offen. Sein Nachfolger sei nach Hydatius der Bruder Geiserich. Das widerspricht Prokop nicht, der Geiserich zum Halbbruder des Gunderich macht und ihm das Geschick nachsagt, als „klügsten aller Menschen“ zu schildern.

Im Mai 429 setzt Geiserich laut Hydatius mit allen Vandalen und ihren Familien nach Mauretanien über, von der Küste der Baetica aus. Die Zahl der Auswanderer ist eine eigene Geschichte. Prokop schreibt, Geiserich habe die Vandalen und Alanen in Abteilungen unter, wie es heißt, mindestens achtzig Anführern, den Chiliarchen, gegliedert, so dass das Heer wie achtzigtausend Mann gewirkt habe; früher seien Vandalen und Alanen zusammen nur etwa fünfzigtausend gewesen (so meine Lesart der Zusammenfassung; der Wortlaut ist zu prüfen). Wo die geläufige Zahl „80.000 Vandalen“ als Zählung auftaucht, geht sie auf diese Stelle zurück oder auf Victor von Vita, dessen Text ich nicht geprüft habe.

Wann verschwindet der Name?

Nach 429 spricht keine Quelle, die ich sah, mehr von Hasdingen als Volk. Prokop schreibt, die Namen der Alanen und aller anderen Barbaren außer den Mauren seien im Namen der Vandalen aufgegangen (Vandalenkrieg 1,5,21). Der Name Hasdingen lebt dagegen als Name der Dynastie weiter, soweit ich es einer Zusammenfassung entnehme: Cassiodor spricht in seinen Variae (9,1) vom „Geschlecht der Hasdingen“, der Königsfamilie des Vandalenreiches in Afrika. Die Textstelle habe ich nicht gesehen. Dass sich die Könige in Afrika als „Könige der Vandalen und Alanen“ bezeichneten, steht in der englischen Wikipedia; die Herkunft des Titels, vermutlich die Münzen und Urkunden, habe ich nicht geprüft.

Nachleben: Vandalenreich und Vandalismus

Das Reich, das Geiserich ab 429 in Nordafrika gründete, nahm 439 Karthago und 455 Rom; Prosper berichtet, Papst Leo habe Geiserich dazu gebracht, Brand und Blutbad zu vermeiden. Es endete 533/534 mit Belisar. Die Hasdingen als solche kommen in diesem Teil der Geschichte nur noch als Königsgeschlecht vor. Für das Bild der Vandalen in der Neuzeit war eine Wortprägung folgenreicher: „Vandalisme“ führte der Bischof Henri Grégoire 1794 ein, rund 1.300 Jahre nach den Ereignissen.

Warum die Hasdingen so schwer zu fassen sind

Die Hasdingen sind ein Name, der an drei Stellen auftaucht: bei Dio, wo er ein Volk meint, bei Jordanes, wo er ein Geschlecht meint, und bei Cassiodor, wo er einen Königsstamm meint. Zwischen diesen Stellen liegen Jahrhunderte, Texte in drei Sprachen und Quellen, die einander nicht kennen. Was dazwischen geschah, füllt die Forschung mit Namensgleichungen, und jede ist plausibel. Das Bild eines durchgehenden Teilverbandes mit eigenem Königtum von 171 bis 429 ist daher eine Konstruktion, die ich für vernünftig halte und trotzdem als Konstruktion kennzeichne.

Fest steht ein Kern. Ein Volk namens Astingen tritt um 171/172 in Dakien auf. Ein Geschlecht der Asdingi stellt nach Jordanes einen Vandalenkönig. Ein vandalischer König, Godigisel, fällt nach Gregor und Frigeridus im Kampf gegen Franken; Gunderich und Geiserich führen das Volk in Spanien und 429 nach Afrika. Alles andere ist Kombination.

Was gesichert ist

  • Cassius Dio (72[71],12) nennt die Astingen unter Raüs und Raptus in Dakien; die Lakringen schlagen sie überraschend. Dio nennt sie dort nicht Vandalen; in 73,2 nennt er Vandilier als eigene Gruppe.
  • Jordanes (Getica 22,113–115) lässt den Vandalenkönig Visimar „aus dem Geschlecht der Asdingi“ von Geberich an der Marisia besiegen; die Überlebenden suchen Land in Pannonien.
  • Gregor von Tours (nach Frigeridus) berichtet von Kämpfen der Vandalen gegen Franken, vom Tod König Godegisels und von Hilfe der Alanen unter Respendial; ein Ort wird nicht genannt (über Zusammenfassung gelesen).
  • Hieronymus (Brief 123,16) zählt um 409 Vandalen unter den Zerstörern Galliens auf und nennt die Eroberung von Mainz.
  • Hydatius nennt 409 den Eintritt von Alanen, Vandalen und Sueben in Spanien, 411 die Losverteilung (Vandalen in Gallaecia), Gunderich als König der Vandalen in Gallaecia, 428 Gunderichs Tod in Hispalis und 429 den Übertritt Geiserichs.
  • Prokop (Vandalenkrieg 1,3 und 1,5) nennt Godigisclus als Vater von Gontharis und Gizeric und beschreibt die Gliederung in Chiliarchien sowie das Aufgehen der Alanen im Vandalennamen.

Mythos-Check

  • „Die Hasdingen sind die Vandalen.“ Die Quellen führen Vandilier, Hasdingen und Silingen nebeneinander; Hydatius unterscheidet nur die Silingen, und das Verhältnis der Begriffe ist in der Forschung „nicht ganz klar“.
  • „Hydatius berichtet über die Hasdingen.“ In der lateinischen Fassung, die ich prüfte, steht der Name nirgends; er schreibt „Wandali“. Die Gleichung ist eine Schlussfolgerung.
  • „Die Vandalen überquerten den zugefrorenen Rhein am 31. Dezember 406 bei Mainz.“ Das Datum steht bei Prosper, ist aber mit dem Jahr 405 konkurrierend vorgeschlagen worden; ein gefrorener Rhein ist in keiner zeitgenössischen Quelle belegt; der Ort wird nicht genannt, Mainz ist ein Rückschluss.
  • „Die Hunnen trieben die Vandalen nach Westen.“ Das steht in den gelesenen Texten nicht; Prokop nennt Hunger, die Forschung erwägt weitere Gründe.
  • „80.000 Vandalen setzten 429 über.“ Prokop schreibt, die Zahl sei der Eindruck gewesen, den Geiserichs Gliederung in Abteilungen erzeugte; als frühere Gesamtstärke nennt er etwa fünfzigtausend; Victor von Vita habe ich nicht geprüft.
  • „Hasdingen heißt Langhaar.“ Ein Deutungsvorschlag über altnordisch haddr, kein Beleg.
  • „Die Przeworsk-Kultur ist die Kultur der Hasdingen.“ Die Verbindung der Kultur mit Vandalen ist verbreitet, aber nicht gesichert; kein Fundort trägt einen Namen aus der Antike.

Weiterlesen auf dieser Seite

Den größeren Rahmen und Nachbarn finden Sie hier: Die Vandalen, Silingen, Lakringen, Lugier, Goten, Franken, Gepiden, Markomannen und Germanen im Rheinland.

Glanz & Gravur
Aus unserer Manufaktur: slawische und nordische Motive auf echtem Naturschiefer, lasergraviert - aus Alsdorf bei Aachen. Im Shop →

Weiterlesen bei uns

Die Vandalen · Die Silingen · Die Lakringen · Die Goten · Die Gepiden.

Quellen & Literatur

Zum Shop Mehr Beiträge

Mehr aus der Geschichte & Funde

Alle Geschichte & Funde-Artikel →

Die Schlacht bei Hastings, 14. Oktober 1066

Innerhalb von neunzehn Tagen musste ein englischer König zwei Invasionen abwehren, an zwei Enden seines Reiches. Die …

Weiterlesen →

Die Helisier – ein Name in einer Auswahlliste

Fünf Namen stehen in einem einzigen Satz der Germania: Harier, Helvekonen, Manimer, Helisier, Nahanarvaler. Vier davon …

Weiterlesen →

Die Helveconen – ein Volk, das nur in einer Liste existiert

Fünf Namen stehen in einem einzigen Satz bei Tacitus, und einer davon gehört den Helveconen. Danach schweigt die …

Weiterlesen →

Die Helvetier: Ein ganzes Volk bricht auf

Weiterlesen →