Wer heute am Danziger Hafen steht, sieht Backsteingiebel, Kräne und die Mottlau. Dass an dieser Stelle schon um das Jahr 1000 ein befestigter Ort lag, dessen Name zum ersten Mal in der Lebensbeschreibung eines Märtyrerbischofs auftaucht, sagt kein Schild. „Pomerelier“ ist kein Wort der Quellen, sondern ein moderner Sammelname für die Menschen Pommerellens. Dieser Beitrag sammelt, was die Texte tatsächlich über das Land sagen, trennt es von späteren Deutungen und benennt offen, wo wir nur Sekundärliteratur lesen konnten.
Kein mittelalterlicher Text, den wir kennen, lässt Menschen sich selbst „Pomerelier“ nennen. Das Wort ist modern. Es fasst die Bewohner des Landes zusammen, das deutsch Pommerellen heißt, polnisch Pomorze Gdańskie („Danziger Pommern“) oder Pomorze Wschodnie („Ostpommern“). Pommerellen bedeutet „Klein-Pommern“. Als Landesname ist es nach der Wikipedia erst spät greifbar; genannt wird die Pomerellische Handveste von 1441, ausgestellt vom Hochmeister des Deutschen Ordens Konrad von Erlichshausen. Die Wurzel dahinter ist älter: Das slawische po more („am Meer“) gilt als plausible Herleitung des Namens Pommern, bewiesen ist sie nicht.
Die frühen Chronisten sagen schlicht „Pomorani“, Pomoranen, und trennen nach dem, was die Literatur dazu berichtet, nicht sauber zwischen dem westlichen Pommern an der Oder und dem östlichen Land an der Weichsel. Wer eine Karte des 12. Jahrhunderts erwartet, auf der „Pommerellen“ steht, wird enttäuscht. Die Unterscheidung ist eine Ordnung der Späteren, vor allem der Historiker, die zwei Herrschaftsräume mit unterschiedlichem Schicksal auseinanderhalten wollten: hier die Greifen-Herzöge im Westen, dort die Herzöge von Danzig.
Ein paar Begriffe vorweg. Ein Herzog (lateinisch dux) ist in den Urkunden der Herrscher eines Landes, ohne dass der Titel immer dasselbe bedeutet; er kann einen weitgehend selbständigen Fürsten meinen oder einen Statthalter. Die Samboriden sind die Dynastie, die Pommerellen im 12. und 13. Jahrhundert von Danzig aus regierte; der Name ist ein moderner Gelehrtenbegriff, abgeleitet vom Herzog Sambor, manche Darstellungen sprechen auch von Sobiesławice nach dem Ahnherrn Subislaw. Eine Burg bezeichnet im frühen Mittelalter des Ostens selten einen Steinbau, meist einen befestigten Ort aus Holz und Erde, an dem Herrschaft, Handwerk und Handel zusammenliefen. Ein Stamm schließlich ist in diesem Beitrag kein Staat, sondern eine Siedlungsgemeinschaft mit gemeinsamem Namen.
Die folgenden Angaben zur Lage sind Rekonstruktionen der modernen Forschung, keine Aussagen der Quellen. Pommerellen lag an der Ostsee zwischen der unteren Weichsel im Osten und dem Gebiet um Schlawe und Stolp im Westen; im Süden grenzte es an die Notec (Netze) und damit an das Land der Piasten in Großpolen. Das Herz des Landes bildeten die Danziger Bucht, die Weichselmündung, das hügelige Hinterland mit seinen Seen und die Stadt, deren Burg am Fluss Mottlau (poln. Motława) lag.
Die Grenzen waren nie festgeschrieben. Als der Herzog Swantopolk II. im Jahr 1238 das Land um Schlawe an sich brachte, verband er nach der englischen Wikipedia Danzig mit Nakło und Bydgoszcz, und seine Herrschaft reichte weit nach Westen; später gingen Schlawe und Stolp an das Herzogtum Pommern. Im Südosten, um Mewe (Gniew), trat der Deutsche Orden 1282 als Nachbar auf, als ihm Mestwin II. dieses Gebiet überlassen musste. Wer eine scharfe Linie zeichnet, zeichnet also einen bestimmten Moment, meist das 13. Jahrhundert, und nicht „das“ Pommerellen.
Was die Quellen deutlich machen, ist die Bedeutung des Wassers. Die Weichsel war eine Handelsstraße; Zölle auf dem Fluss sind im 13. Jahrhundert ein Streitpunkt zwischen den Herzögen und dem Orden (davon unten mehr). Das Meer machte Danzig zum Hafen. Dass die Siedlungskammern im Binnenland kleinräumig waren, bleibt eine Annahme; belegt sind einzelne Burgen und Klöster, kaum Dörfer.
Die Archäologie kennt in der Region ältere Kulturen, deren Namen leicht in die Irre führen. Die Pommersche Kultur (auch Gesichtsurnenkultur genannt) gehört in die frühe Eisenzeit und hat ihren Namen von der Landschaft, nicht von den Pomoranen, die Jahrhunderte später erscheinen. Auf sie folgten unter anderem die Oksywie-Kultur und die Wielbark-Kultur. Die Wielbark-Kultur wird in der Forschung häufig mit den Goten verbunden, die Tacitus an der Weichselmündung erwähnt; zu den Goten und den Gutonen haben wir eigene Beiträge (Goten, Gutonen). Ob jede Bestattung dieser Kulturen „gotisch“ ist, lässt sich nicht aus der Keramik ablesen; Kulturen sind Funde, keine Völker.
Wie genau aus den Bewohnern der Spätantike die slawischsprachige Bevölkerung des 10. Jahrhunderts wurde, ob durch Zuwanderung, Vermischung oder beides, lässt sich derzeit nicht eindeutig belegen. Die Wikipedia fasst den Befund so: Im 10. Jahrhundert war das Land überwiegend slawisch besiedelt, mit einer fließenden Grenze zu den baltischen Prußen im Osten. Einen Namen, den die Menschen selbst trugen, überliefern die Quellen für diese Zeit nicht.
Der älteste schriftliche Beleg für Danzig steht in der Lebensbeschreibung des heiligen Adalbert von Prag. Adalbert war Bischof von Prag, verließ Böhmen zur Mission und starb 997 im Land der Prußen. Auf dem Weg dorthin, im Frühjahr 997, kam er nach Danzig. Die Lebensbeschreibung, die man Vita prior nennt, entstand um 999 und wird traditionell dem Mönch Johannes Canaparius zugeschrieben; wie sicher diese Zuschreibung ist, lassen wir offen. Eine spätere Lebensbeschreibung stammt von Bruno von Querfurt; sie nennt ein Detail über Adalberts Mörder, hilft für Danzig aber nicht weiter, soweit wir sehen konnten.
Er selbst aber ging zuerst in die Stadt Gyddanyzc, die das überaus weite Reich des Herzogs abgrenzt und an die Grenzen des Meeres rührt. Dort wurden, da die göttliche Barmherzigkeit seine Ankunft begünstigte, viele Scharen von Menschen getauft.Vita prior des heiligen Adalbert (um 999), Karwasińska-Edition 1962, hier zitiert nach Roman Sukač, „The Case of Gdańsk“ (Linguistica Brunensia 2021); eigene Übersetzung. Lateinisch: „Ipse uero adiit primo urbem Gyddanyzc, quam ducis latissima regna dirimentem maris confinia tagunt …“. Die gedruckte Form „tagunt“ lesen wir als „tangunt“ (so in späteren Fassungen); die Edition selbst haben wir nicht eingesehen.
Zwei Dinge fallen auf. Erstens steht im zitierten Satz kein Name des Herzogs; gemeint ist nach der üblichen Lesart der polnische Herrscher, aber das ist eine Auslegung des Kontexts. Zweitens sagt der Text nur, dass Danzig eine Stadt (urbs) am Rand des Reiches war und dass dort getauft wurde. Er sagt nicht, wer die Menschen waren, welche Sprache sie sprachen, und er sagt nicht, dass die Stadt 997 gegründet wurde. Es ist der erste erhaltene Eintrag, mehr nicht. Thietmar von Merseburg, der etwa zur selben Zeit schreibt, nennt Danzig nach Sukač nirgends.
Der Name selbst ist eine Frage für Sprachwissenschaftler. Sukač nennt als spätere Formen Kdanzc (1148), Gdanzc (1188), Gdantz (1198), Danzk (1209), Gedanensis (1235) und Danzig (1292). Zur Herleitung gibt es viele Vorschläge: vom Fluss „Gdania“, von einem germanischen „Gutiskandja“, von den Dänen, von einem slawischen Wortstamm gъd- („feucht“). Sukač hält die Form für slawisch (*Gъd-an-ьskъ) und lehnt die germanischen und baltischen Deutungen ab. Das ist eine begründete Position in einer offenen Debatte; die Wikipedia hält fest, die Herleitung lasse sich nicht sicher bestimmen.
Wann Danzig unter die Herrschaft der Piasten kam, ist unsicher. Die englische Wikipedia nennt Mieszko I., der den Ort um 975 annektiert und in den 980er Jahren befestigt habe; aus Holzfunden gibt es Baumringdaten, die auf Fällungen um 930 zurückgehen. Das wäre älter als jede Piastenherrschaft. Eine Siedlung dort gab es also früh; ob sie unter einem lokalen Herrn oder bereits unter polnischem Einfluss stand, lässt sich derzeit nicht eindeutig sagen.
Besser greifbar ist das 12. Jahrhundert. Der Chronist, den man Gallus Anonymus nennt, schrieb zwischen etwa 1112 und 1118 die Gesta principum Polonorum, die Taten der polnischen Fürsten. Ein Mönch ohne gesicherten Namen und Herkunft, der aus dem Ausland nach Polen gekommen war. In Buch III schildert er die Kriege Bolesławs III. Schiefmund gegen die Pomoranen. Wir konnten einen Abschnitt in einer polnischen Übersetzung des 19. Jahrhunderts lesen (Komarnicki, 1873, auf Wikisource): Bolesław vertraut die Burg Nakło an der Notec einem pomoranischen Verwandten namens Świętopełk an, der die Bedingungen bricht; es folgt eine Belagerung von Michaeli bis Weihnachten, im Jahr darauf fällt zuerst Wyszogród nach acht Tagen, dann Nakło nach langer Belagerung. Wichtig: Dieser Świętopełk ist nicht der spätere Herzog Swantopolk II. von Danzig, sondern ein Mann einer älteren Generation. Ob und wie Gallus Danzig selbst beschreibt, haben wir nicht geprüft.
Nach der englischen Wikipedia unterwarf Bolesław III. das danzigerische Pommern in den Jahren 1115 bis 1119; die Herrscher von Danzig und Stolp seien durch polnische Adlige ersetzt worden. Andere Darstellungen nennen 1116. Die Spanne zeigt, wie dünn die Datierung ist. Kirchlich wurde das Land dem Bistum Włocławek (dt. Leslau) zugeordnet, einem Suffragan von Gniezno, und eine päpstliche Urkunde von 1148 nennt Danzig in diesem Zusammenhang, wie die Wikipedia berichtet. Den Wortlaut haben wir nicht gesehen. Bischof Otto von Bamberg dagegen, dessen Missionen 1124/25 und 1128 die Pomoranen betrafen, wirkte im Westen, im Land um Stettin und Wolin; wer ihn zum Apostel der Danziger macht, überträgt etwas (Pomoranen, Wolin).
Nach dem Tod Bolesławs III. 1138 zerfiel das Reich der Piasten in Teilfürstentümer, und die Statthalter in Pommerellen gewannen an Eigenständigkeit. Aus ihnen geht die Dynastie hervor, die die Forschung Samboriden nennt. Der erste Name, den wir sicher in der Literatur finden, ist Subislaw (polnisch Sobiesław I.), nach der englischen Wikipedia in den 1150er Jahren bis 1177/79 als Fürst in Danzig bezeugt. Seine Herkunft ist nicht geklärt: Ob er zu den Piasten, zu den Greifen oder zu einer eigenen Familie gehörte, bleibt offen; wahrscheinlich waren seine Vorfahren Verwalter, die Bolesław III. nach der Eroberung eingesetzt hatte. Auch die Quellenlage zu seinem Leben nennt die Wikipedia schlecht.
Gesichert genug ist die Gründung des Zisterzienserklosters Oliva (Oliwa) bei Danzig. Als Gründungsakt gilt der 18. März 1188 in Danzig, die Mönche kamen nach der Wikipedia 1186 aus Kołbacz unter ihrem ersten Abt, dem Dänen Bernhard Dithard; als Stifter wird Sambor I. genannt, andere Darstellungen schreiben die Gründung dem Vater Subislaw zu. Auch hier widersprechen sich die Darstellungen, und die Stifterfrage lässt sich ohne die Urkunden selbst nicht entscheiden. Das Kloster blieb das geistliche Zentrum des Landes.
Ebenso verwirrend ist die Folge der Herzöge. Mestwin I. (poln. Mściwoj) wird in der deutschen Wikipedia als Sohn Subislaws und Bruder Sambors I. geführt, mit einer Regierungszeit bis 1219 oder 1220; andere Listen setzen Sambor I. bis 1205. Wichtige Belege sind die Stiftung für das Kloster Zuckau (wahrscheinlich 1209), die Aufzeichnung der Versammlung von Mąkolin 1212 und die sogenannten Olivaer Tafeln, die ihn „pacificus“ nennen, den Friedfertigen. 1210 zwang der dänische König Waldemar II. ihn nach einem Zug in die Prußen zum Lehnseid in Danzig; schon 1211 löste sich Mestwin nach der deutschen Wikipedia wieder. Mit dem Ende der dänischen Macht nach der Schlacht bei Bornhöved 1227 verschwand der dänische Einfluss an der südlichen Ostsee. Mit Wikingern hat das nichts mehr zu tun, es zeigt aber, wie eng die Küste im 13. Jahrhundert mit Dänemark, den Sachsen und Lübeck verflochten war.
Die Gestalt, die die meisten Darstellungen in den Mittelpunkt rücken, ist Swantopolk II. (polnisch Świętopełk, Sohn Mestwins I.). Beim Beginn seiner Herrschaft schwanken die Angaben: 1215, 1216/17, 1217 oder 1220 je nach Darstellung. Sicher ist, dass er sich ab 1227 dux nannte und dass er Danzig lübisches Recht verlieh, also ein Stadtrecht nach dem Vorbild Lübecks. Der Zeitpunkt wird je nach Quelle um 1224 bis 1227 angesetzt, die englische Wikipedia sagt „spätestens 1263“. Nach dieser Darstellung holte er auch Dominikaner nach Danzig.
Eine der härtesten Anschuldigungen gegen ihn betrifft den 23. November 1227, den Landtag von Gąsawa, auf dem der polnische Hochherzog Leszek der Weiße ermordet wurde. Die englische Wikipedia schreibt den Hinterhalt Swantopolk zu, „vielleicht auch Władysław“, ohne Quellenangabe; die deutsche Wikipedia sagt vorsichtig, er soll den Anschlag verübt haben. Das ist eine Deutung der späteren Überlieferung, den Wortlaut der zeitnahen Chroniken haben wir nicht geprüft, und der Anteil Swantopolks ist in der Forschung eine Frage der Gewichtung.
Als Politiker war er beweglich. 1233/34 zog er nach der Wikipedia mit anderen Fürsten gegen die Pomesanier, ein Kreuzzugsunternehmen, bei dem Kwidzyn (Marienwerder) für den Orden neu befestigt wurde. Der Orden war ab etwa 1230 sein Nachbar. Zugleich führte er einen Bruderkrieg: Seine Brüder Sambor und Ratibor suchten Hilfe zuerst in Großpolen, dann beim Orden. Spätestens 1242 stand er im Aufstand der Prußen auf deren Seite, obwohl er als Kirchenmann galt; die Ordensritter zerstörten dafür das Kloster Oliva 1246 und plünderten es 1247 und 1252. Ein Friedensschluss unter Vermittlung eines päpstlichen Legaten, nach der englischen Wikipedia am 24. November 1248, verpflichtete ihn, Ordensleute durch sein Land ziehen zu lassen und keine Zölle mehr auf der Weichsel zu erheben; die englische Wikipedia zu Pommerellen nennt für die Vermittlung durch den späteren Papst Urban IV. den Vertrag von Christburg 1249 und für die Befreiung des Ordens von den Weichselzöllen das Jahr 1253. Hier gehen die Daten auseinander; die Primärurkunden haben wir nicht eingesehen. Swantopolk starb am 11. Januar 1266.
Die Frage, warum der Mann, der den Orden anfangs unterstützte, ihn später bekämpfte, beantwortet die Forschung mit Zöllen, Machtinteressen und dem Bruderstreit. Ob dahinter ein Plan oder bloß Gelegenheit stand, lässt sich nicht entscheiden. Wer ihn zum „heidnischen Rebellen“ macht, vergisst, dass die Quellen ihn als Christen kennen, der ein Kloster förderte und mit Heiden paktierte.
Nach dem Tod Swantopolks 1266 teilten sich seine Söhne Wartislaw und Mestwin II. das Erbe. Mestwin schloss 1269 im Vertrag von Arnswalde ein Bündnis mit den Markgrafen von Brandenburg und konnte mit deren Hilfe seinen Bruder 1270/71 aus Danzig vertreiben. Als die Brandenburger 1273 nicht abzogen, rief er den polnischen Herzog Bolesław den Frommen zu Hilfe; der Vertrag von der Drage-Brücke gab Danzig an Mestwin zurück, der den Markgrafen für Schlawe und Stolp den Lehnseid leistete.
Am 15. Februar 1282 schloss Mestwin mit Przemysł II. von Großpolen den Vertrag von Kępno (dt. Kempen). Die Ausfertigung ist als Schenkung unter Lebenden (donatio inter vivos) bekannt: Przemysł sollte das Land erben. Mestwin behielt de facto die Herrschaft, bis er am 25. Dezember 1294 starb. Die englische Wikipedia nennt neben dieser Lesart eine zweite, wonach der Überlebende das Land des anderen erben sollte, und Brandenburg erkannte den Vertrag nicht an. Am 18. Mai 1282 musste Mestwin außerdem das Gebiet um Mewe an den Orden abtreten. Den Urkundentext haben wir nicht gelesen.
Mit Mestwins Tod endete die Linie der Samboriden. Przemysł II. übernahm das Land, wurde 1295 zum König gekrönt und starb schon 1296. Danach kamen Wenzel II. von Böhmen und, 1306 zurück, der polnische Fürst Władysław der Ellenlange; diese Folge gibt die englische Wikipedia. Die Fürsten wechselten schneller als die Verwaltung.
Im Sommer 1308 besetzten Truppen des Markgrafen Waldemar von Brandenburg die Stadt Danzig, der polnische Statthalter Bogusza zog sich in die Burg zurück. Er rief nach der Wikipedia auf Rat eines Dominikanerpriors den Deutschen Orden in Preußen zu Hilfe. Landmeister Heinrich von Plötzke schickte Truppen; im Spätsommer trafen Ritter ein. Zwischen dem Orden und den polnischen Rittern in der Burg kam es zum Bruch, die Polen verließen die Burg, und in der Nacht vom 12. auf den 13. November 1308 drangen die Ordensleute in die Stadt ein. Dass es dabei zu einem Blutbad kam, ist unbestritten; wie viele Menschen starben, nicht.
Der Orden räumte nach der Wikipedia die Tötung von 15 bis 16 pommerellischen Rittern ein. Die Bulle Papst Clemens’ V. vom 19. Juni 1310 spricht von „mehr als zehntausend“ Getöteten, ein Wort, das auf Vorwürfe aus Riga zurückgehen soll. Ältere deutsche Darstellungen setzten 60 bis 100 an und hielten zehntausend für unmöglich in einer Stadt dieser Größe, die man auf 2000 bis 3000 Einwohner schätzt. Jasiński spricht von mindestens 60 und höchstens einigen Hundert, Śliwiński (2008) von 50 bis 60 Rittern und über tausend Bürgern, andere von 60 bis 150. In Polen wurde gegen den Orden 1320/21 und 1339 prozessiert, der Orden gewann beide Verfahren in der Berufung. Die Spannweite zeigt, dass die Zahl eine Frage der Quellenkritik ist.
Im September 1309 verkaufte Markgraf Waldemar im Vertrag von Soldin seine Ansprüche auf Pommerellen für 10 000 Mark an den Orden; Brandenburg behielt Stolp, Schlawe, Rügenwalde und Bütow noch bis 1317. Der Orden machte Pommerellen zum Teil seines Staates und verlegte später seinen Sitz auf die Marienburg. Im Vertrag von Kalisch 1343 verzichtete Polen auf das Land, behielt aber den Titel, im Zweiten Thorner Frieden 1466 kam es zurück. Für die Menschen, die dort lebten, bedeutete das nach den Darstellungen eine Siedlungsgeschichte mit Zuzug deutschsprachiger Städter; um 1400 stellten Polen und Kaschuben nach der englischen Wikipedia noch den größeren Teil der Bevölkerung. Wie die Stadt Danzig sprachlich zusammengesetzt war, wird in der Forschung unterschiedlich beurteilt; als Herkunftsorte von Kaufleuten, die sich im 13. Jahrhundert in Danzig niederließen, nennt die englische Wikipedia Lübeck und Bremen.
Die Namenslage ist das eigentliche Rätsel. Pomoranen (von Pomorani) heißen die slawischen Stämme zwischen Oder und Weichsel; die Pomerelier sind ihr östlicher Teil, und die Kaschuben und Slowinzen sind Bevölkerungsgruppen, die aus ihm hervorgegangen sein sollen. Das ist die Kurzfassung der Literatur, sie verdeckt Widersprüche.
Der Name Cassubia bezeichnete zunächst nicht Pommerellen. Die deutsche Wikipedia schreibt, er habe anfangs das Land um Belgard an der Persante gemeint; erst im 16. Jahrhundert sei er auf Pommerellen und das dort lebende Volk übergegangen, und zwar nach Noffke (1988). Der früheste eindeutige Beleg ist umstritten: Die englische Wikipedia nennt einen Brief Papst Gregors IX. vom 19. März 1238 an Bogislaw I. als „dux Cassubie“, die deutsche die Chronica Poloniae Maioris (13. Jahrhundert; Bogufał) mit der Form Caszubitae. Beides sind Angaben aus zweiter Hand. Mehr zur Geschichte der Kaschuben, zu den Slowinzen und zur Sprache steht in Kaschuben und Slowinzen.
Wer „Pomerelier = Kaschuben“ setzt, überträgt einen späteren Namen auf eine frühere Zeit. Die Menschen, die im 12. Jahrhundert in Danzig lebten, haben sich unseres Wissens weder so noch als Pomerelier bezeichnet; ob sie sich überhaupt über einen Gruppennamen definierten, lässt sich derzeit nicht eindeutig belegen. Die Nachbarn im Süden und Osten, die Kujawier, Masowier, Polanen, Wislanen oder Prußen, treten in anderen Beiträgen auf (Kujawier, Masowier, Polanen, Wislanen).
Über Glauben, Götter und Alltag der Pomerelier vor der Christianisierung wissen wir fast nichts Sicheres. Gallus Anonymus nennt die Pomoranen nach der Wikipedia ein heidnisches Volk, das sich erst im frühen 12. Jahrhundert bekehrt habe; Namen von Göttern, Kultstätten oder Riten liefert er nicht. Das wenige, was als pommerellische Religion erzählt wird, stammt aus dem Westen (Stettin, Wolin, Rügen) und passt nicht automatisch auf die Weichselmündung. Wer hier Namen nennt, erfindet sie.
Wir wissen auch nicht, wie die Menschen ihre Sprache nannten; dass es sich um westslawische Dialekte handelte, aus denen später Kaschubisch und Slowinzisch hervorgingen, ist die Mehrheitsmeinung, aber eine Rekonstruktion aus späteren Zeugen. Und wir wissen nicht, wie viele Menschen in Danzig im 10. Jahrhundert lebten; Schätzungen gibt es erst für das 13. Jahrhundert (etwa 2000 für die Zeit der Stadtrechtsverleihung nach der englischen Wikipedia).
Gesichert, soweit unsere Quellen reichen, sind die Erwähnung von Gyddanyzc um 999, die Folge der Dynastie von Subislaw bis Mestwin II., der Vertrag von Kępno, der Fall Danzigs 1308 und der Vertrag von Soldin 1309. Plausibel, aber ohne Urkunde im Wortlaut, sind die Annahmen, dass die Piasten den Ort im 10. Jahrhundert unter Kontrolle brachten, dass die Eroberung unter Bolesław III. zwischen 1115 und 1119 erfolgte und dass die Mehrheit der Bewohner slawisch sprach. Gedeutet sind die Herkunft der Samboriden, der Anteil Swantopolks am Mord von Gąsawa, die Namensherleitung von „Gdańsk“ und alles, was aus Kaschuben und Pomerelier ein einziges durchgehendes Volk macht. Wo ein Satz über Pommerellen steht, lohnt die Frage, zu welcher der drei Ebenen er gehört.

Die Pomoranen · Die Kaschuben · Die Slowinzen · Die Kujawier · Die Polanen.
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