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Die Smeldinger: Ein westslawischer Stamm zwischen Elbe und Elde, den die Quellen nur streifen

Geschichte & Funde Die Smeldinger: Ein westslawischer Stamm zwischen Elbe und Elde, den die Quellen nur streifen

Die Smeldinger sind ein Stamm, der fast nur in einem einzigen Moment der Geschichte sichtbar wird: 808, als sie gemeinsam mit den Linonen vom obodritischen Herrscher abfallen und zum Dänenkönig Gottfried übergehen, und 809, als ihre größte Burg fällt. Danach schweigen die Quellen. Dieser Beitrag legt die wenigen Belege nebeneinander, zeigt, wo die Archäologie hilft und wo sie nur Deutungen zulässt, und sagt offen, dass hier mehr Fragen als Antworten stehen.

Ein Name, fünf Stellen

Bei kaum einem elbslawischen Stamm ist die Überlieferung so dünn wie bei den Smeldingern. Ihr Name steht nach dem Stand der Forschung, den wir einsehen konnten, an genau fünf Stellen: in den Reichsannalen (Annales regni Francorum) zu den Jahren 808 und 809, in den Chroniken von Moissac und Aniane zu 809 und in einem einzigen Eintrag des sogenannten Bayerischen Geographen. Ein Satz, in dem die Smeldinger selbst sprechen, ein Fürstenname, ein Kult, ein Brauch: nichts davon ist überliefert. Wer über sie schreibt, muss das als Erstes sagen, sonst entsteht aus Schweigen eine Geschichte, die es so nicht gibt.

Einige Begriffe vorweg. Die Reichsannalen sind eine am fränkischen Hof geführte Jahreschronik, die Jahr für Jahr die Politik und die Feldzüge des Reiches festhält; sie schreiben aus der Sicht der Sieger und kennen die Gegner nur, soweit sie das Reich berühren. Eine civitas (Mehrzahl civitates) ist im frühmittelalterlichen Latein ein befestigter Platz oder ein Burgbezirk; wie groß er war, sagt das Wort nicht. Ein Burgwall ist die archäologische Hinterlassenschaft einer slawischen Befestigung, meist ein Ringwall aus Holz, Erde und Sand. Tribut schließlich ist eine Zahlung unter Druck, die nicht dasselbe ist wie dauerhafte Herrschaft.

Die Smeldinger gehören in den größeren Zusammenhang der Elbslawen, genauer in das Grenzland zwischen den Obodriten im Norden, den Wilzen im Osten und dem sächsischen Gebiet jenseits der Elbe. Ihre direkten Nachbarn waren, soweit die Quellen es erkennen lassen, die Linonen. Mehr dazu weiter unten.

808: Der Abfall zu Gottfried

Die erste Nennung steht im Jahr 808 und gehört zu einer größeren Geschichte, in der die Smeldinger nur eine Nebenrolle spielen. Der Dänenkönig Gottfried (auch Göttrik) war mit einem Heer in das Gebiet der Obodriten eingefallen. Nach den Reichsannalen nahm er mehrere slawische Burgen, machte nach früheren Erfolgen zwei Drittel der Obodriten tributpflichtig und zerstörte schließlich den Handelsplatz Reric an der Küste, dessen Kaufleute er mit sich nahm. Die Wilzen schlossen sich dem dänischen Zug aus alter Feindschaft gegen die Obodriten an. Karl der Jüngere, der Sohn Karls des Großen, stand mit einem Heer an der Elbe bereit, um Sachsen zu schützen. In diesem Zusammenhang steht der Satz, um den es hier geht.

Karl aber ließ eine Brücke über die Elbe schlagen und führte das Heer, das er befehligte, hinüber gegen die Linonen und Smeldingen, die ebenfalls zu König Gottfried abgefallen waren. Er verwüstete ihre Felder und kehrte unversehrt nach Sachsen zurück.Annales regni Francorum zum Jahr 808, sinngemäße eigene Übersetzung nach der englischen Wiedergabe auf der Seite De Re Militari (deremilitari.org) und der Inhaltsangabe bei augustana.net. Das lateinische Verbfragment „ad Godofridum regem defecerant“ („waren zu König Gottfried abgefallen“) ist dort belegt; den vollständigen lateinischen Satz der Ausgabe von Kurze (1895, S. 125) haben wir nicht selbst gelesen.

Drei Dinge lassen sich dieser Stelle entnehmen. Erstens: Die Smeldinger wurden als eigene Größe wahrgenommen, die man neben den Linonen nennen konnte. Zweitens: Sie waren vorher in irgendeiner Weise an die Franken oder deren Verbündete gebunden, sonst gäbe es keinen „Abfall“ (defecerant). Drittens: Karl rächte sich nicht an den Dänen, sondern an den kleineren Verbänden, die sich ihnen angeschlossen hatten. Die englische Fachliteratur, hier der Historiker Melleno (2017), deutet das so, dass die Franken die schwächeren Glieder trafen, statt den Dänen direkt entgegenzutreten.

Ob das Unternehmen ein Erfolg war, ist nicht eindeutig. Die Reichsannalen melden, Karl sei unversehrt zurückgekehrt. Nach der englischen Wikipedia, die sich auf Minois (2014) beruft, deuten die Annalen von Lorsch auf einen Rückschlag mit schweren Verlusten hin. Melleno liest die Aktion dagegen als gelungene Machtdemonstration, denn die Dänen baten anschließend um Frieden. Wir haben die Lorscher Annalen nicht selbst eingesehen. Man darf daraus lernen, dass schon der Ausgang der einzigen großen Unternehmung gegen die Smeldinger in den Quellen unterschiedlich erscheint.

809: Die größte Burg der Smeldinger

Im folgenden Jahr schlug der Obodrit zurück. Der obodritische Herrscher, in den Quellen Thrasco oder Drasco genannt, verwüstete mit sächsischer Unterstützung zuerst Land der Wilzen und nahm danach, so die Reichsannalen sinngemäß, die größte civitas der Smeldinger. Das ist die einzige Stelle, an der überhaupt ein Ort der Smeldinger erwähnt wird, und sie nennt keinen Namen, sondern nur den Rang: die größte. Mit Thrasco ging es nicht gut aus. Noch 809 wurde er nach den Annalen von Männern Gottfrieds am Handelsplatz Reric hinterhältig getötet.

Die Chronik von Moissac, ein Geschichtswerk aus dem Süden Frankreichs, berichtet denselben Vorgang in eigener Fassung. Nach der englischen Wiedergabe auf der Seite des Jassa-Projekts zerstörten Sachsen jenseits der Elbe gemeinsam mit „unseren Wenden“ die Stadt, „die bei den Semeldinc Connoburg heißt“. Mit „Wenden“ sind hier nach Aussage der Bearbeiter vor allem die Obodriten gemeint. Die Form „Semeldinc“ ist offenbar eine lateinische Wiedergabe des Namens, nicht dessen slawische Gestalt. Von hier stammt der Name Connoburg, und an ihm hängt eine lange Forschungsdiskussion.

Wer sich an das Wort „zerstört“ klammert, sollte bedenken: Die Reichsannalen sagen „genommen“ (expugnat), Moissac sagt „zerstört“. Ob die Burg zerstört, nur besetzt oder nach dem Fall wieder aufgebaut wurde, ist aus den Texten nicht zu entscheiden. Auch das spätere Schicksal der Besiegten ist offen. Nach den Reichsannalen zwang Thrasco in diesem Zusammenhang Abgefallene wieder in sein Bündnis zurück; mehr über die Folgen für die Smeldinger selbst stehen nicht da.

Connoburg: Wo stand die Burg?

Der Name Connoburg hat die Landeskunde Mecklenburgs seit dem 19. Jahrhundert beschäftigt. Georg Christian Friedrich Lisch suchte die Burg 1861 bei Conow und Menkendorf, weil der Ortsname anklingt. Das ist eine Namensähnlichkeit, mehr nicht. Die archäologische Datierung hat diesen Vorschlag später aus dem Rennen genommen: Nach der deutschen Wikipedia, die sich auf Fred Ruchhöft (2008) stützt, entstand die Anlage von Menkendorf nicht vor 900 und kann daher nicht die Burg von 809 sein. Der Historiker Max Bathe hat 1940 sogar vermutet, „Connoburg“ sei gar kein Burgname, sondern eine Fehlübertragung aus „Smeldingorum“, also dem lateinischen Wort für „der Smeldinger“. Das ist eine Vermutung, die sich weder beweisen noch widerlegen lässt.

Heute wird die Burg meist mit dem Burg-Siedlungskomplex von Friedrichsruhe nordwestlich von Parchim gleichgesetzt, so die deutsche Wikipedia mit Verweis auf Ruchhöft (2008) und Sebastian Messal (2013). Die Grabungen dort sind in der Tat beeindruckend. Nach Messals Vorbericht (2010) lag der Platz auf einer sandigen Erhebung in der Klinker-Raduhner-Niederung. Die Besiedlung beginnt im mittleren bis späten 8. Jahrhundert, wiederverwendete Hölzer sind auf etwa 739 bis 757 datiert. Um das Jahr 802, durch Baumringdaten bestimmt, entstand eine Großburg; ein Ringwall mit rund 100 mal 90 Metern Fußbreite folgte in den 830er Jahren, Erweiterungen in den 850er Jahren, Ausbesserungen um 888/889. Die Funde reichen von Hacksilber mit arabischen und römischen Münzen über mindestens 120 Perlen aus Glas, Bernstein und Halbedelsteinen bis zu einem vergoldeten Riemenende, das nach Mähren verweist, und einem Bernsteinanhänger in Form eines Thorshammers. Das sind Spuren einer Elite mit weitreichenden Handelsbeziehungen.

Hier muss man genau hinsehen. Messal beschreibt in diesem Vorbericht die Lage des Platzes am nördlichen Rand des Linonen-Gebietes und erwähnt die Smeldinger nicht. Die Gleichsetzung mit der Connoburg stammt also aus der Literatur zu den Smeldingern, nicht aus dem Grabungsbericht selbst. Und es gibt eine Spannung, die man aussprechen sollte: Wenn die Burg 809 genommen oder zerstört wurde, müsste das irgendwo Spuren hinterlassen haben, doch die Bauphasen von Friedrichsruhe laufen mit einem Ringwall in den 830ern und Ausbesserungen bis 889 offenbar weiter. Ob es eine Brandschicht oder einen Bruch um 809 gibt, ging aus den von uns gelesenen Zusammenfassungen nicht hervor. Wir behaupten deshalb nicht, dass Friedrichsruhe die Connoburg ist; wir sagen, dass es der meistgenannte Kandidat ist.

Der Bayerische Geograph: Zahlen mit Fragezeichen

Die zweite Quellenart ist völlig anders. Der Bayerische Geograph (lateinisch Descriptio civitatum et regionum ad septentrionalem plagam Danubii) ist ein kurzes Verzeichnis von Völkern nördlich der Donau mit der Zahl ihrer civitates. Es nennt keine Ereignisse, sondern Namen und Zahlen. Die Datierung ist unsicher: Bernhard Bischoff dachte an einen Mönch im Kloster Reichenau in den 830er bis 850er Jahren, Aleksandr Nazarenko hält die 870er für wahrscheinlicher, und Henryk Łowmiański zeigte, dass die Liste aus zwei Teilen bestehen kann, die zu unterschiedlichen Zeiten und von verschiedenen Verfassern stammen.

Dort stehen die Linonen („Linaa“) mit sieben civitates. Daneben stehen die Bethenzer („Bethenici“), die Smeldinger („Smeldingon“) und die Morizani, für die zusammen elf Burgen genannt werden; die Obodriten kommen mit 53 Burgen vor, die Heveller mit acht, die Wilzen mit 95. Die Zahlen für manche Stämme sind nach Einschätzung der Forschung übertrieben. Wie viele der elf Burgen den Smeldingern zufallen, steht dort nicht.

Und selbst die Lesart ist umstritten. Die herkömmliche Auffassung, so die deutsche Wikipedia mit Ruchhöft (2008), bezieht die elf civitates auf alle drei Gruppen zusammen. Christian Hanewinkel (2004) und Sébastien Rossignol (2011) lesen die Morizani dagegen als eigenen Eintrag, dann hätten sie die elf Burgen allein und die Smeldinger wären dem Eintrag zufolge ohne eigene Zahl geblieben. Welche Lesart stimmt, können wir nicht entscheiden. Wer in einem Text „die Smeldinger hatten elf Burgen“ liest, sieht eine Behauptung, die die Quelle so nicht trägt.

Wo lebten die Smeldinger?

Die Lage lässt sich nur aus zwei Hinweisen erschließen: den Nachbarn im Bayerischen Geographen und der archäologischen Siedlungskarte. Der Geograph nennt die Smeldinger im Verbund mit Linonen und Bethenzern, also im Raum rechts der Elbe. Die deutsche Wikipedia verortet sie daraufhin um Parchim im südwestlichen Mecklenburg. Diese Zuordnung beruht, wie der Artikel ausdrücklich sagt, auf Kartierungen archäologischer Funde (Ruchhöft 2008; Messal 2013), die beiderseits der Elde eine geschlossene frühmittelalterliche Siedlungskammer zeigen. Das ist die Deutung eines Siedlungsraums, kein Beleg, dass dort die Smeldinger gelebt haben. Die Quellen geben nur: rechts der Elbe, bei den Linonen. Eine Karte, die die Smeldinger-Grenze zieht, ist immer eine Rekonstruktion.

Gelegentlich liest man vom Plauer See als Heimat der Smeldinger. Das ist nicht aus dem Nichts gegriffen, denn die Elde fließt durch den Plauer See und weiter nach Parchim, und die beiden Räume gehören zum selben Flusssystem. In dem Wikipedia-Artikel zu den Smeldingern, den wir einsehen konnten, steht allerdings Parchim, nicht der Plauer See, und wir haben keine Primärquelle gefunden, die einen See nennt. Wir sprechen deshalb vom Raum der mittleren Elde.

Die englische Wikipedia stellt außerdem die These vor, die Smeldinger seien eine Untergruppe der Heveller gewesen und hätten wahrscheinlich zwischen Elbe und Havel gesiedelt (Melleno 2017; Stone 2016). Das widerspricht der Zuordnung an die Elde, die weiter westlich liegt. Wir können diesen Widerspruch nicht auflösen; er zeigt, wie weit auseinander die Meinungen liegen, wenn der Befund so schmal ist. Mehr zu den Hevellern steht in unserem Heveller-Beitrag.

Was der Name verrät

Der Name ist in mehreren Formen überliefert: Smeldingos (808), Smeldingorum (809), Semeldinc in Moissac und Smeldingon beim Bayerischen Geographen. Ob es ein Eigenname oder eine Fremdbezeichnung ist, wissen wir nicht. Für die Herleitung gibt es zwei Vorschläge, die einander nicht ausschließen.

Der erste führt den Namen auf das urslawische *smola zurück, „Harz, Pech“, und stellt ihn neben die südslawischen Smoljanen und die Stadt Smolensk (Jacobsson 1964; Komatina 2019, nach der englischen Wikipedia). Über die Smoljanen gibt es einen eigenen Beitrag (Smoljanen), in dem wir ausdrücklich davor warnen, aus der Namensähnlichkeit eine Wanderung abzuleiten. Der zweite, ältere Vorschlag bringt den Namen mit dem Fluss Elde in Verbindung (Wigger 1860, nach der deutschen Wikipedia). Beides sind sprachliche Deutungen. Eine Nachricht, dass die Smeldinger sich nach Harz oder nach einem Fluss nannten, gibt es nicht. Die Bearbeiter der Chronik von Moissac weisen auch auf die Ähnlichkeit mit dem Namen „Semela“ hin, einem früheren Fürsten der Daleminzier; das ist ein Hinweis auf Klangverwandtschaft und mehr nicht.

Vorher und nachher: Zwischen Wilzen und Obodriten

Die Vorgeschichte der Smeldinger ist Rekonstruktion. Nach der deutschen Wikipedia mit Hanewinkel (2004) standen sie zunächst unter wilzischer Herrschaft und gerieten nach Karls Wilzenfeldzug von 789 unter obodritische Oberhoheit. Nach der englischen Wikipedia mit Melleno (2017) erkannten Smeldinger und Linonen vor 808 die fränkische Oberhoheit an. Die beiden Fassungen schließen sich nicht aus, sie beschreiben unterschiedliche Ebenen, nämlich die lokale und die Reichsebene. In den Reichsannalen selbst haben wir für 789 keine Nennung der Smeldinger gefunden. Die Verbindung ist also eine Schlussfolgerung aus dem späteren „Abfall“. Mehr zu den Kämpfen von 789 bis 812 steht im Beitrag über die Wilzen.

Danach reißt der Faden ab. Die Smeldinger werden in den fränkischen Quellen nach 809 nicht mehr erwähnt. Was aus ihnen wurde, wissen wir nicht. Fred Ruchhöft (2008, nach der deutschen Wikipedia) führt ihren Untergang auf eine fehlende Fähigkeit zur Fürstenbildung zurück. Das ist eine Deutung, die aus dem Vergleich mit anderen Stämmen gewonnen ist, die starke Herrscher hatten, nicht aus einer Nachricht über die Smeldinger. Sie könnten in den benachbarten Verbänden aufgegangen sein: bei den Linonen, den Warnowern, den Redariern oder direkt bei den Obodriten. So die Literatur (Ruchhöft 2008; Fritze 1981; Hanewinkel 2004), ausdrücklich als Vermutungen. Ein Stamm kann in den Quellen verschwinden, ohne dass seine Menschen verschwunden sind; was aufhört, ist der Name auf dem Pergament.

Warum die Quellenlage so dünn ist

Dass wir so wenig wissen, hat Gründe, die man benennen kann. Die Reichsannalen interessieren sich für die Grenze des Reiches und für seine Gegner, nicht für die Menschen dahinter. Kleinere Verbände tauchen auf, wenn sie das Reich berühren, und verschwinden, wenn sie es nicht mehr tun. Die Smeldinger berührten es genau zweimal. Die Chroniken aus Moissac und Aniane liegen weit entfernt und wissen nur, was ihnen aus Franken erzählt wurde. Der Bayerische Geograph zählt nur. Und die Schriftquellen des 10. bis 12. Jahrhunderts, die für die weiter nördlich lebenden Slawen so ergiebig sind (Obodriten, Lutizen), nennen die Smeldinger, soweit wir es gesehen haben, nicht mehr. Bei Adam von Bremen und Helmold von Bosau haben wir keine Nennung gefunden, auch bei Einhard keine, und wir haben das nicht systematisch geprüft; wer das braucht, sollte es an den Texten nachprüfen.

Die Archäologie bleibt in Friedrichsruhe und anderen Grabungen ergiebig, aber sie kann keine Namen liefern. Ein Burgwall sagt, dass jemand dort Holz verbaut, Silber gewogen und Perlen getragen hat. Dass diese Menschen sich Smeldinger nannten, folgt aus keiner Scherbe. Ruchhöft und Messal vergleichen Kartenbild und Schriftquelle, und genau dieser Vergleich bleibt ein Schluss.

Eine Fundgruppe wie die in manchen Darstellungen genannte „Fresendorfer Gruppe“, die frühslawische Keramik einer Region benennt, haben wir für die Smeldinger nicht belegt gefunden; wir führen sie deshalb nicht an. Keramikgruppen bezeichnen archäologische Formen, nicht Stämme, und die Zuordnung von Gefäßtypen zu Namen aus Schriftquellen ist ein eigenes Problem der Forschung.

Was wir nicht wissen

Wir wissen nicht, wie viele Smeldinger es gab. Wir kennen weder einen Herrscher noch einen Kultplatz noch den Namen ihrer größten Burg. Wir wissen nicht, ob sie sich selbst „Smeldinger“ nannten, ob sie sich als eigener Stamm verstanden oder nur Teil einer größeren Gemeinschaft waren, und wir wissen nicht, was nach 809 aus ihnen wurde. Wir wissen auch nicht sicher, wo sie lebten; Parchim und die Elde sind die am besten begründete, aber eine rekonstruierte Lage.

Aussagen über ihre Religion, ihre Tracht oder ihre Bräuche sind Übertragungen von anderen Slawengruppen, am ehesten von den Obodriten oder Wilzen, bei denen es Nachrichten gibt. Für die Smeldinger selbst existiert keine. Das ist die Grenze, an der wir hier aufhören.

Was gesichert ist

  • Die Reichsannalen nennen zu 808 die Smeldinger gemeinsam mit den Linonen als Gruppen, die zu König Gottfried von Dänemark abgefallen waren; Karl der Jüngere ließ eine Brücke über die Elbe schlagen und verwüstete ihr Land.
  • Zu 809 nehmen die Obodriten unter Thrasco (Drasco) mit sächsischer Hilfe die größte civitas der Smeldinger; die Chronik von Moissac nennt eine Stadt „Semeldinc Connoburg“.
  • Der Bayerische Geograph führt Smeldinger („Smeldingon“) neben Linonen und Bethenzern auf; die genaue Burgenzahl der Smeldinger ist je nach Lesart nicht zu bestimmen.
  • Der Burg-Siedlungskomplex von Friedrichsruhe (Lkr. Ludwigslust-Parchim) hat eine Großburg um 802 (Baumringdatierung) und Ausbauphasen bis ins späte 9. Jahrhundert; die Gleichsetzung mit der Connoburg ist ein Vorschlag der Forschung.
  • Nach 809 verschwindet der Name aus den fränkischen Quellen.

Mythos-Check

  • „Die Smeldinger lebten am Plauer See.“ Die Quellen nennen keinen See; die Forschung verortet sie nach Fundkarten um Parchim an der Elde, die auch durch den Plauer See fließt. Die Lage ist eine Rekonstruktion.
  • „Die Smeldinger hatten elf Burgen.“ Elf civitates nennt der Bayerische Geograph für die Bethenzer, Smeldinger und Morizani zusammen oder, nach neuerer Lesart, nur für die Morizani.
  • „Friedrichsruhe ist die Connoburg.“ Das ist der meistgenannte Kandidat, aber kein Beleg; der Grabungsbericht selbst nennt die Smeldinger nicht.
  • „Die Smoljanen und die Smeldinger sind ein Volk.“ Die Namensähnlichkeit ist eine sprachliche Beobachtung, keine Wanderungsnachricht.
  • „Karl der Jüngere besiegte die Smeldinger.“ Er verwüstete 808 ihre Felder; die Burg fiel 809 den Obodriten mit sächsischer Hilfe, nicht den Franken.

Gesichert, gedeutet, vermutet: eine Ordnung

Gesichert ist, dass es 808 und 809 Smeldinger gab, dass sie nahe den Linonen rechts der Elbe lebten, dass sie 808 zu Gottfried abfielen und dass ihre größte Burg 809 genommen wurde. Gedeutet sind ihre Lage um Parchim, die Gleichsetzung der Connoburg mit Friedrichsruhe, die Herleitung des Namens von „Harz“ oder von der Elde, die Zahl ihrer Burgen und die Zuordnung zu den Hevellern. Vermutet ist, dass sie in anderen Verbänden aufgingen und dass ihnen die Fürsten fehlten. Wer einen Satz über die Smeldinger liest, kann prüfen, auf welcher dieser Stufen er steht. Für alles darüber hinaus gilt, was für jede Rekonstruktion eines Namens ohne Geschichte gilt: Ein Name ist ein Anfang.

Häufige Fragen

Wer waren die Smeldinger? Ein westslawischer Stamm, der in den fränkischen Quellen zu 808 und 809 vorkommt und im Bayerischen Geographen aufgeführt wird. Er lebte nach der Forschung im Raum der mittleren Elde bei Parchim im südwestlichen Mecklenburg, rechts der Elbe und neben den Linonen. Mehr als diese Umrisse geben die Quellen nicht her.

Wo lebten die Smeldinger? Die Quellen sagen nur: rechts der Elbe, neben Linonen und Bethenzern. Die Fundkarten sprechen für den Raum um Parchim und die Elde. Der Plauer See liegt an derselben Elde, wird aber in dem von uns eingesehenen Artikel nicht genannt.

Was geschah 808? Der Dänenkönig Gottfried fiel in obodritisches Gebiet ein und zerstörte Reric. Linonen und Smeldinger gingen zu ihm über. Karl der Jüngere schlug eine Brücke über die Elbe, verwüstete ihre Felder und kehrte nach den Reichsannalen unversehrt zurück.

Was geschah 809? Der Obodrit Thrasco nahm mit sächsischer Hilfe die größte Burg der Smeldinger. Die Chronik von Moissac nennt sie Connoburg. Thrasco selbst wurde im selben Jahr in Reric getötet.

Wo stand die Connoburg? Das ist unbekannt. Der älteste Vorschlag (Conow, Menkendorf) ist durch die Datierung widerlegt, heute wird meist Friedrichsruhe genannt. Max Bathe hielt schon 1940 den Namen für einen Übertragungsfehler.

Was wurde aus den Smeldingern? Das wissen wir nicht. Nach 809 verschwindet der Name. Die Literatur erwägt ein Aufgehen bei Linonen, Warnowern, Redariern oder Obodriten, ausdrücklich als Vermutung.

Gibt es Zeugnisse der Smeldinger in Adam von Bremen, Helmold oder Einhard? Wir haben dort keine gefunden. Das ist ein Ergebnis unserer Recherche, keine Garantie.

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