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Wikingertage Schleswig 2027 (6.–8. August): Programm, Anreise und die Geschichte von Haithabu

Wissen & Ratgeber Wikingertage Schleswig 2027 (6.–8. August): Programm, Anreise und die Geschichte von Haithabu

Die Wikingertage Schleswig finden 2027 vom 6. bis 8. August im Stadtpark Königswiesen direkt an der Schlei statt. Ein Wochenende lang entsteht dort ein Wikingerdorf mit Handwerkern, Kampf-Arena, Thingplatz, Bogenturnier, Kinderdorf und Schiffen auf dem Wasser. Das Besondere ist der Blick übers Wasser: Am anderen Ufer lag Haithabu, einer der größten Handelsplätze der Wikingerzeit. Wir zeigen dir, was dich auf dem Fest erwartet, wie du hinkommst und welche Geschichte in diesem Stück Landschaft steckt.

Uferwiese der Königswiesen in Schleswig mit Blick über die Schlei
Die Königswiesen in Schleswig an der Schlei, Schauplatz der Wikingertage. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.

Die Wikingertage 2027 auf einen Blick

Termin: Freitag, 6. August, bis Sonntag, 8. August 2027. So steht es auf der offiziellen Seite der Wikingertage, Stand Oktober 2026. Ort: der Stadtpark Königswiesen am Ufer der Schlei in Schleswig, mit knapp zwölf Hektar der größte Park der Stadt. Veranstalter: die Wiking GmbH, deren Grußwort von Kaj Uwe Dammann unterzeichnet ist.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise für 2027 waren bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht. Zur Orientierung nennen wir dir die Angaben für 2026. Damals öffnete das Gelände am Freitag ab 12 Uhr und am Samstag und Sonntag ab 10 Uhr, am Freitag und Samstag ging es bis etwa 22 Uhr, am Sonntag bis 19 Uhr. Erwachsene zahlten 15 Euro, Kinder von 4 bis 14 Jahren 8 Euro, das Familienticket für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder kostete 35 Euro. Ein wichtiger Hinweis aus dem Kleingedruckten: Gezahlt wurde nur bar. Betreuer von Menschen mit Behinderung hatten freien Eintritt, Hunde durften angeleint mit.

Ob es 2027 genauso bleibt, erfährst du auf wikingertage.de. Alle weiteren Termine der Saison findest du in unserem Überblick über die Wikinger-Festivals 2027 und im Veranstaltungskalender.

Was dich im Wikingerdorf erwartet

Der Veranstalter gliedert das Fest in sieben Bereiche: das große Wikingerdorf, den Thingplatz, die Kampf-Arena, Bogenschießen mit Turnier, das Kinder-Wikingerdorf, die Wikingerschiffe sowie Bühne und Tavernen. Was dort im Einzelnen passiert, lässt sich am Programm von 2026 gut ablesen. Für 2027 kann sich manches ändern.

Das Wikingerdorf. Hier schlagen nach Angaben des Veranstalters Hunderte Handwerker, Krieger und Händler ihre Zelte auf. In den vergangenen Jahren arbeiteten hier unter anderem Schmiede, Kettenhemdmacher, Holzschnitzer, Bogenbauer und ein Bäcker mit Lehmofen. Frag den Schmied, wie er sein Eisen härtet. Mehr zum Hintergrund findest du in unseren Beiträgen über die Schmiedekunst der Wikinger und über die Brynja.

Der Thingplatz. Das Thing war die Versammlung freier Männer, auf der Recht gesprochen und Streit geschlichtet wurde. Auf dem Festgelände ist der Thingplatz vor allem eine Vorführbühne: 2026 standen dort Szenen aus dem Leben der Wikinger, Gaukelei, das Stück „Thor sucht Loki“ und Skaldengeschichten auf dem Programm. Wie ein echtes Thing ablief, erzählen wir im Beitrag über das Thing.

Die Kampf-Arena. Mehrmals am Tag wird gekämpft: Waffenkunde, Kämpfe in Linie und Formation und 2026 eine Inszenierung mit dem Titel „Verrat an Knut Lavard“. Das ist ein schöner Griff in die Landesgeschichte. Knud Lavard war im frühen 12. Jahrhundert Herzog von Schleswig und wurde 1131 von seinem Vetter Magnus ermordet. Den Abschluss bildete 2026 ein Einzelkampfturnier am Samstagabend.

Bogenschießen und Turnier. Am Samstag wird ein Bogenturnier ausgetragen, für das man sich vorher anmelden muss. Wer verstehen will, warum der Bogen in der Wikingerzeit mehr war als ein Jagdgerät, liest vorher unseren Beitrag über Bogen und Pfeil.

Das Kinder-Wikingerdorf. Ein eigener Bereich mit Spieleparcours, Gauklershow und einem großen Wikinger-Wettkampf. 2023 bestand der Parcours aus sechs historischen Spielen. Passend dazu: unsere Beiträge über Kindheit bei den Wikingern und über das Brettspiel Hnefatafl.

Die Wikingerschiffe. An der Schlei liegen Nachbauten, die du besichtigen kannst. Wenn der Wind mitspielt, gibt es Segeltörns. 2026 war der Schiffsbereich täglich von 12 bis 18 Uhr offen. Wie die Originale gebaut wurden, steht im Beitrag über die Drachenschiffe.

Bühne und Tavernen. Musik, Gaukler, 2026 ein Tampentrekken, also Tauziehen auf Norddeutsch, und an zwei Abenden ein Fackelumzug um 21 Uhr.

Ein Fest mit eigener Geschichte

Wie alt sind die Wikingertage selbst? Hier wird es überraschend unscharf. Ein regionales Online-Magazin schreibt, es gebe sie seit 1986, ein Festivalportal nennt 2009. Eine Angabe des Veranstalters dazu haben wir nicht gefunden. Gesichert ist: 2012 berichtete die taz von einem Wikingerdorf auf der Königswiese mit rund 20.000 Besuchern an einem Wochenende, 2014 lagen die Wikingertage vom 8. bis 10. August, und in den Jahren 2022, 2023, 2025 und 2026 fanden sie jeweils im August statt. Lange galt das Fest als Veranstaltung im Zweijahresrhythmus, inzwischen findet es jährlich statt.

Kaum ein Reenactment-Fest in Europa liegt so dicht an einem echten Schauplatz. Von den Königswiesen aus blickst du über die Schlei nach Süden. Am anderen Ufer, hinter dem Haddebyer Noor, lag Haithabu, einer der größten Handelsplätze der Wikingerzeit. Und damit sind wir bei der eigentlichen Geschichte.

Warum gerade hier? Die Schlei und die schmale Stelle

Schau auf eine Landkarte von Schleswig-Holstein. Die Schlei ist ein langer, schmaler Meeresarm der Ostsee, der rund 40 Kilometer tief ins Land reicht. An ihrem inneren Ende liegt Schleswig. Von dort sind es nur etwa 15 Kilometer bis zu den Flüssen Treene und Eider, die zur Nordsee fließen. Wer Waren von der Ostsee zur Nordsee bringen wollte, ohne um die gefährliche Nordspitze Jütlands zu segeln, nahm diese Abkürzung.

Gleichzeitig kreuzte hier der alte Landweg von Nord nach Süd, der später als Heerweg oder Ochsenweg bekannt wurde. Wasserweg und Landweg trafen sich auf engstem Raum. Wer diese Stelle kontrollierte, kontrollierte den Verkehr zwischen Skandinavien und dem Kontinent. Genau das ist der Grund, warum es hier gleichzeitig einen großen Handelsplatz und den gewaltigsten Grenzwall des Nordens gibt.

Haithabu: Aufstieg eines Handelsplatzes

Haithabu, altnordisch etwa „Heidehof“, entstand im 8. Jahrhundert am Haddebyer Noor, einer Bucht der Schlei. Oft wird für die Gründung „um 770“ angegeben. Archäologisch lässt sich sagen, dass es im 8. Jahrhundert erste Siedlungsspuren gibt. Die großen, jahrgenau datierten Hölzer stammen aus dem 9. Jahrhundert: Das Wikinger Museum datiert das Haus des Tuchhändlers, dessen Nachbau du heute betreten kannst, auf das Jahr 833. Es brannte schon nach einem Jahr ab. Die große Landebrücke im Hafen wurde im Winter 885/886 gebaut und rund 130 Jahre genutzt. Möglich machen das die Jahresringe der im feuchten Boden erhaltenen Eichenhölzer, die Dendrochronologie.

In den Schriftquellen taucht der Ort zuerst über die fränkischen Reichsannalen auf, die Jahr für Jahr die Ereignisse am Hof Karls des Großen festhielten. Für 804 berichten sie, der dänische König Godfred sei mit seiner Flotte und seinem Heer nach „Sliesthorp“ gekommen, an die Grenze seines Reiches. Ob damit Haithabu gemeint ist oder eine Siedlung am Nordufer der Schlei, ist in der Forschung umstritten. Ein heißer Kandidat ist der Königshof bei Füsing, über den wir im Beitrag über Sliasthorp und Füsing berichtet haben.

Für 808 folgt der berühmte Eintrag: Godfred zerstörte den abodritischen Handelsplatz Reric an der Ostseeküste, weil dessen Zölle ihm Einnahmen brachten, und siedelte die Kaufleute nach Sliesthorp um. Damit holte er den Handel direkt unter seine Kontrolle. Die ganze Geschichte steht im Beitrag über Reric. 811 schlossen Dänen und Franken Frieden, und die Eider wurde als Grenze festgeschrieben. Haithabu lag damit am Rand des dänischen Reiches, direkt gegenüber dem Frankenreich.

Was danach folgte, war ein Aufstieg ohnegleichen. Im 10. Jahrhundert umschloss ein halbkreisförmiger Wall eine Fläche von rund 26 Hektar. Wie viele Menschen darin lebten, lässt sich nur schätzen. Die Angaben liegen meist bei über 1.000 ständigen Bewohnern, vielleicht 1.500. Für das frühe Mittelalter im Norden war das eine Großstadt. Die Funde reichen von rheinischem Glas bis zu arabischen Silbermünzen. Bezahlt wurde oft nicht nach Münzwert, sondern nach Gewicht, mit kleinen Klappwaagen und zerhacktem Silber. Darüber haben wir im Beitrag über Hacksilber geschrieben. Den größeren Rahmen erzählt unser Beitrag über den Handel der Wikinger.

Gesicherter Befund: Bis 1980 waren nur rund fünf Prozent der Siedlungsfläche und ein Prozent des Hafens intensiv untersucht. Der allergrößte Teil von Haithabu liegt bis heute unberührt im Boden. Alles, was wir über den Ort wissen, ist ein Ausschnitt.

Godfred und das Danewerk

Für das Jahr 808 berichten die Reichsannalen noch etwas anderes: Godfred habe beschlossen, die Grenze seines Reiches durch einen Wall zu sichern, der von der Ostsee bis zur Nordsee reichen und nur ein einziges Tor haben sollte. Lange galt das als Gründungsurkunde des Danewerks. Die Archäologie hat dieses Bild gründlich verschoben.

Das Danewerk ist kein einzelner Wall, sondern ein System aus mehreren Bauwerken, die über Jahrhunderte entstanden. Die ältesten jahrgenau datierten Hölzer stammen aus einem Kastenbauwerk an der sogenannten Thyraburg und wurden auf das Jahr 737 datiert, also gut siebzig Jahre vor Godfred. Ob Godfred einen bestehenden Wall nur ausbauen ließ oder ein eigenes Teilstück errichtete, ist nicht sicher geklärt. Um 968, unter Harald Blauzahn, entstand der Verbindungswall, der Haithabus Halbkreiswall an das Danewerk anschloss. Ein hölzernes Fundament ist dendrochronologisch auf dieses Jahr datiert. Wahrscheinlich kurz nach 983 folgte der schnurgerade Kograben. Der letzte große Ausbau war im 12. Jahrhundert die Waldemarsmauer, eine Ziegelmauer, die König Waldemar I. um 1170 errichten ließ. Die Verbindung zu Harald lohnt einen Blick in unseren Beitrag über Harald Blauzahn.

Seit dem 30. Juni 2018 sind Haithabu und das Danewerk gemeinsam als „Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“ UNESCO-Welterbe.

Ansgar, Ibrāhīm und die Stimmen aus der Fremde

Haithabu ist einer der wenigen Orte der Wikingerzeit, über den Besucher von außen geschrieben haben. Der erste ist ein Missionar. Um 850 erlaubte der dänische König Horik dem Erzbischof Ansgar, in „Sliaswich“ eine Kirche zu bauen. Das berichtet Ansgars Schüler und Nachfolger Rimbert in seiner Lebensbeschreibung Ansgars, der Vita Anskarii. Die Kirche selbst ist archäologisch bisher nicht gefunden. Gefunden wurde aber im Hafen eine Kirchenglocke. Für 948 ist ein Bischof von Schleswig belegt.

Der zweite Besucher kam von weit her. Um 965 reiste Ibrāhīm ibn Yaʿqūb, ein jüdischer Kaufmann aus Tortosa im muslimischen Spanien, durch Mitteleuropa. Seine Beschreibung von „Šlešwīq“ ist nur durch einen Gelehrten des 13. Jahrhunderts überliefert, al-Qazwīnī. Er erzählt von einer sehr großen Stadt am Ende des Weltmeers mit Süßwasserquellen, von wenigen Christen mit einer Kirche, von Opfertieren, die vor den Häusern aufgehängt werden, von Frauen, die sich selbst scheiden lassen können, von Augenschminke und von einem Gesang, der wie Hundegebell klinge. Was davon trägt und was nicht, haben wir im Beitrag über Ibrāhīm ibn Yaʿqūb Satz für Satz geprüft.

Dazu kommt ein Bericht aus dem Süden. Der sächsische Geschichtsschreiber Widukind von Corvey erzählt, König Heinrich I. habe 934 die Dänen besiegt und ihren König Chnuba zu Tribut und Taufe gezwungen. Dieser Chnuba ist sehr wahrscheinlich derselbe Gnupa, der auf zwei Runensteinen bei Haithabu genannt wird. Damit sind wir bei den Steinen.

Runensteine von Haithabu: Könige, Mütter, Belagerte

Aus der Umgebung von Haithabu und Schleswig stammen vier Runensteine, die in der dänischen Zählung als DR 1 bis DR 4 geführt werden. Sie sind in den jüngeren Runen geschrieben, dem Alphabet mit nur sechzehn Zeichen. Zusammen erzählen sie ein kleines Drama über zwei Königshäuser.

Die beiden Sigtrygg-Steine (DR 2 und DR 4). Eine Frau namens Ásfríðr ließ sie für ihren Sohn Sigtrygg errichten. Auf dem kleineren Stein nennt sie sich Tochter des Óðinkárr und bezeichnet Sigtrygg als König, Sohn des Gnupa. Ein Gorm hat, so steht es auf dem Stein, die Runen gehauen. Der große Stein wurde 1797 bei Haddeby gefunden, der kleine 1887 in den Wällen von Schloss Gottorf, wo er als Baumaterial gedient hatte. Datiert werden beide nach 934, weil Gnupa in diesem Jahr bei Widukind auftaucht. Die Steine zeigen: Im frühen 10. Jahrhundert herrschte bei Haithabu ein Königsgeschlecht, das nicht das spätere Haus von Gorm dem Alten war.

Der Erik-Stein (DR 1). 1796 gefunden. Thorulf, ein Gefolgsmann Svens, setzte ihn für seinen Gefährten Erik, der starb, „als Krieger Haithabu belagerten“. Erik war Steuermann, ein sehr guter Drengr. Gemeint ist meist Sven Gabelbart. Welche Belagerung gemeint ist, wird diskutiert. Häufig verbindet man sie mit einem Angriff aus Schweden während Svens Abwesenheit, um 995. Sicher ist das nicht.

Der Skarthi-Stein (DR 3). 1857 gefunden, roter Granit. König Sven ließ ihn für seinen Gefolgsmann Skarthi errichten, der nach Westen gefahren war und nun bei Haithabu den Tod fand. „Westen“ deutet man meist als England. Das Original steht heute im Wikinger Museum Haithabu, eine Kopie am Fundort in Busdorf bei einem Grabhügel. Mehr über den König hinter den Steinen erzählt unser Beitrag über Sven Gabelbart.

Gesicherter Befund: Die Runensteine nennen echte Personen: Gnupa, Sigtrygg, Ásfríðr, Sven, Erik, Skarthi. Für Gnupa gibt es mit Widukind eine unabhängige Schriftquelle. Damit gehören die Steine zu den wenigen Zeugnissen, in denen sich Archäologie und Geschichtsschreibung im Norden direkt berühren.

Haithabu 1: Das Schiff im Hafen

Das eindrucksvollste Stück im Museum ist ein Schiff, oder vielmehr das, was davon übrig ist. Taucher fanden 1953 im Hafen Reste eines Wracks. 1979 wurde es geborgen, nachdem man um die Fundstelle einen Spundwandkasten gebaut und das Wasser abgepumpt hatte. Das Museum spricht von einem königlichen Kriegsschiff mit über 60 Mann Besatzung, das zu den schnellsten auf der Ostsee gehörte. Gesunken ist es nach Angaben des Museums um 990 bis 1010 am Kopf der Landebrücke.

Das Schiff war lang und schmal, gebaut für Geschwindigkeit, nicht für Fracht. Brandspuren haben Forscher zu der Deutung geführt, dass es brennend in den Hafen getrieben worden sein könnte, vielleicht als Brander bei einem Angriff auf die Stadt. Das ist eine Deutung, kein Beweis. Was das Schiff über die Bautechnik der Zeit verrät, ordnen wir im Beitrag über den Wikinger-Schiffbau ein. Ebenfalls im Museum: das Bootkammergrab von Haithabu, eines der prächtigsten Gräber der Wikingerzeit, und Goldschmuck aus dem Grab einer reichen Frau, der 2017 geborgen wurde.

Das Ende: 1050, 1066 und der Umzug nach Schleswig

Haithabu bestand rund 300 Jahre. Sein Ende kam in zwei Schlägen. Um 1050 überfiel der norwegische König Harald Hardrada die Stadt im Krieg gegen den dänischen König Sven Estridsen. Wir kennen das aus der Skaldendichtung und aus Snorris Heimskringla, die um 1230 entstand. In einem Gedicht, das Snorri zitiert, heißt es sinngemäß, ganz Haithabu sei im Zorn von einem Ende zum anderen verbrannt worden. Das ist Dichtung mit Siegerstolz, passt aber zum archäologischen Bild.

Den zweiten Schlag beschreibt Adam von Bremen: Ende 1066 überfielen westslawische Krieger die Gegend und brannten den Ort nieder. Im selben Jahr starb Harald Hardrada bei Stamford Bridge. Viele Historiker lassen die Wikingerzeit mit diesem Jahr enden, und Haithabu ging mit ihr unter.

Die Menschen zogen weiter, nicht weit. Am Nordufer der Schlei, rund zwei Kilometer entfernt, wuchs die Stadt Schleswig. Ihre ältesten städtischen Schichten beginnen um 1070. Schleswig übernahm Handel, Bischofssitz und Namen, und es blieb für Jahrhunderte eines der wichtigsten Zentren des Nordens. Auf den Königswiesen stehst du also bei der Nachfolgerin und schaust hinüber zur Vorgängerin.

Mythos-Check

Mythos-Check: „Haithabu lag in Schleswig.“ Nicht ganz. Haithabu lag am Südufer der Schlei, auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Busdorf. Die mittelalterliche Stadt Schleswig entstand erst nach dem Ende Haithabus am Nordufer. Die Verwirrung ist alt: Schon die Quellen nennen den Ort mal „Sliaswich“, mal „Haithabu“, und Ibrāhīms „Šlešwīq“ meint sehr wahrscheinlich Haithabu.
Mythos-Check: „König Godfred hat das Danewerk gebaut.“ Er hat höchstens daran gebaut. Die ältesten datierten Teile stammen von 737, also aus der Zeit vor ihm, und spätere Herrscher wie Harald Blauzahn und Waldemar I. haben die Anlage stark erweitert.
Mythos-Check: „Auf dem Fest siehst du, wie Wikinger wirklich aussahen.“ Teilweise. Viele Darsteller arbeiten sehr genau nach Funden, andere eher nach Gefühl. Hörnerhelme etwa haben mit der Wikingerzeit nichts zu tun, die Hintergründe stehen in unserem Beitrag Trugen Wikinger wirklich Hörnerhelme?.

Ausflugstipps: Haithabu, Danewerk, Dom und Holm

Wikinger Museum Haithabu. Das Muss, wenn du schon an der Schlei bist. Es liegt an der B 76 in Busdorf, am Ort des ehemaligen Handelsplatzes. Zum Museum gehören eine Ausstellungshalle mit Schiff, Runensteinen und Stadtmodell sowie ein Freigelände mit sieben rekonstruierten Häusern und einer Landebrücke, die von 2005 bis 2008 nach Grabungsbefunden errichtet wurden. Vom Ausstellungshaus zum Freigelände sind es etwa 20 Minuten zu Fuß. Plane mindestens einen halben Tag ein. Der Weg führt am Haddebyer Noor entlang, und wer will, steigt auf den Halbkreiswall, der den Ort einst umschloss. In der Saison war das Museum 2026 täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, Erwachsene zahlten 14 Euro. Prüfe die Zeiten für 2027 vorher auf haithabu.de. In früheren Jahren gab es während der Wikingertage einen Schiffspendel zwischen Fest und Museum. Ob er 2027 wieder fährt, steht noch nicht fest.

Danewerk und Danevirke Museum. Nur wenige Kilometer westlich, in Dannewerk, liegt das Danevirke Museum, das seit 1990 besteht und von der dänischen Minderheit getragen wird. Dazu gehört ein archäologischer Park direkt am Wall. Hier stehst du auf der Waldemarsmauer und verstehst, wie viel Erde und Holz in dieser Grenze steckt. Ein Neubau ist in Vorbereitung, prüfe deshalb vorher, was gerade geöffnet ist.

Schleswiger Dom St. Petri. Der Dom in der Altstadt ist Nachfolger jener Bischofskirche, die schon im 10. Jahrhundert genannt wird. Berühmt ist der geschnitzte Bordesholmer Altar von Hans Brüggemann aus dem Jahr 1521, ein spätgotisches Riesenwerk aus Eichenholz.

Der Holm. Die alte Fischersiedlung am Wasser, mit kleinen Häusern um einen Friedhof mit Kapelle in der Mitte. Ein ruhiger Abendspaziergang nach einem lauten Festtag, und von dort ist es nicht weit zurück zu den Königswiesen.

Schloss Gottorf. Sitz der Landesmuseen, zu denen auch das Wikinger Museum Haithabu gehört. Hier steht das Nydamboot aus dem 4. Jahrhundert, deutlich älter als die Wikingerzeit. Wer noch mehr Ziele sucht, findet sie in unserem Überblick Wikinger erleben und im Beitrag über Wikinger-Spuren in Deutschland.

Anreise und Unterkunft

Mit der Bahn. Schleswig liegt an der Bahnstrecke von Hamburg über Neumünster nach Flensburg und wird von Regionalzügen angefahren. Der Bahnhof liegt südlich der Altstadt. Bis zu den Königswiesen an der Schlei ist es ein ordentlicher Spaziergang, alternativ fahren Stadtbusse. Für Haithabu verweist das Museum auf die Verbindungen von nah.sh, am Museum gibt es eine Bushaltestelle.

Mit dem Auto. Über die A 7 Hamburg–Flensburg, Abfahrten im Raum Schleswig sind ausgeschildert. Zu den Wikingertagen gibt es mehrere Parkplätze in der Stadt, der Veranstalter empfiehlt, dem Parkleitsystem zu folgen. Ein Behindertenparkplatz war 2026 an der Königstraße eingerichtet. 2023 wurden zusätzlich Park-and-Ride-Shuttles angeboten.

Unterkunft. Schleswig und die Orte an der Schlei haben Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze. Anfang August ist Hauptsaison an der Ostsee, und das Fest zieht zusätzlich viele Gäste an. Buche früh.

Unsere Tipps fürs Festwochenende

Bargeld mitnehmen. 2026 galt am Eingang nur Barzahlung. An den Ständen im Dorf ist das oft nicht anders.

Freitag oder Sonntag für die Handwerker. Am Samstag ist es am vollsten. Wer in Ruhe mit Schmied, Weberin oder Bogenbauer reden möchte, kommt am Freitagnachmittag oder Sonntagvormittag.

Gewandung ist willkommen. Der Veranstalter begrüßt ausdrücklich Besucher in historischer Kleidung. Wenn du dich für echte Farben und Stoffe interessierst, hilft dir unser Beitrag über die Farben der Wikingerzeit.

Haithabu davor, nicht danach. Wer zuerst im Museum war, sieht das Fest mit anderen Augen. Plötzlich erkennst du im Kamm am Stand das Vorbild aus der Vitrine.

Etwas mitnehmen, das bleibt. Wenn du eine Erinnerung an dein Wikingerwochenende in Schiefer oder Holz verewigen willst, sprich uns an.

Häufige Fragen

Wann sind die Wikingertage Schleswig 2027? Vom 6. bis 8. August 2027, laut offizieller Seite wikingertage.de. Uhrzeiten und Programm für 2027 waren im Oktober 2026 noch nicht veröffentlicht.

Wo finden die Wikingertage in Schleswig statt? Im Stadtpark Königswiesen direkt an der Schlei, gegenüber dem Gelände des alten Haithabu.

Was kostet der Eintritt zu den Wikingertagen? Die Preise für 2027 stehen noch aus. 2026 zahlten Erwachsene 15 Euro, Kinder von 4 bis 14 Jahren 8 Euro, das Familienticket kostete 35 Euro, nur Barzahlung.

Finden die Wikingertage jedes Jahr statt? Inzwischen ja. Lange galt das Fest als zweijährliche Veranstaltung, seit einigen Jahren findet es jährlich im August statt.

Kann man Wikingertage und Wikinger Museum Haithabu an einem Tag besuchen? Möglich, aber sportlich. Besser ist es, einen eigenen halben Tag für das Museum einzuplanen, idealerweise vor dem Festbesuch.

Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

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