Im September 2014 schlug ein Metalldetektor auf einem Feld in Galloway an, und unter der Grasnarbe lag ein silberner Armring. Was danach zum Vorschein kam, gilt heute als der vielfältigste Fund der Wikingerzeit in Großbritannien und Irland: Silberbarren und gefaltete Armringe, ein angelsächsisches Brustkreuz, Gold, Bergkristall, Seide und ein Deckelgefäß, dessen Silber aus dem heutigen Iran stammt. Ob der Galloway-Hort auch der „reichste“ Fund ist, hängt davon ab, wie man Reichtum misst. Dieser Beitrag geht durch Fund, Inhalt und Datierung, stellt die Deutungen nebeneinander, erzählt vom Streit um den Verbleib und sagt dort, wo die Forschung noch sucht, ausdrücklich: Das ist offen.
Derek McLennan aus Ayrshire war kein Neuling: 2013 hatte der Sondengänger bei Twynholm einen großen Hort mittelalterlicher Silbermünzen gefunden. Im September 2014 suchte er zusammen mit zwei Bekannten, dem Pfarrer David Bartholomew und dem Pastor Mike Smith, ein Stück Land in der Gemeinde Balmaghie in der historischen Grafschaft Kirkcudbrightshire ab. Das Land gehört der Church of Scotland, und die drei hatten eine Erlaubnis. Nach einer Stunde fand McLennan einen silbernen Armring mit einem Muster, das an ein Andreaskreuz erinnerte, und rief, so wird es überliefert, „Viking!“.
Den genauen Fundort haben die Behörden nie öffentlich gemacht. Bekannt ist nur die Gemeinde. Historic Scotland stellte das ganze Feld noch im selben Monat als Bodendenkmal von nationaler Bedeutung unter Schutz, damit dort niemand auf eigene Faust weitergräbt.
McLennan meldete den Fund an die schottische Treasure Trove Unit, die Stelle, die in Schottland Bodenfunde aufnimmt. Der Kreisarchäologe Andrew Nicholson übernahm die Grabung. Weil Fachleute die Stücke in ihrer Lage freilegten, wissen wir heute, wie der Hort gepackt war.
In etwa 60 Zentimetern Tiefe stießen die Ausgräber auf eine erste Lage. Darunter, durch eine dünne Erdschicht getrennt, lag eine zweite. Die Forschung von National Museums Scotland beschreibt den Hort inzwischen als vier Bündel:
Die obere Lage enthielt also eher „Kleingeld“ der Wikingerzeit, die untere die selteneren und fremdartigeren Dinge. Warum, lässt sich nicht sicher sagen. Eine Deutung sieht in der oberen Lage einen Köder: Wer zufällig darauf stieß, sollte glauben, alles gefunden zu haben. Eine andere hält es für möglich, dass der Hort in zwei Schritten vergraben wurde. Beides ist Hypothese.
Eine geophysikalische Messung der Universität Glasgow zeigte später Spuren eines rechteckigen Holzbaus mit doppelten Pfostenreihen; der Hort lag unter einer Ecke. Ob Gebäude und Hort zusammengehören, ist nach heutigem Stand nicht geklärt.
Insgesamt enthält der Hort mehr als 5 Kilogramm Edelmetall und andere Materialien. Den größten Teil macht Silber aus: gegossene Barren, Hacksilber und breite Armringe, von denen viele flachgedrückt oder zusammengefaltet sind. Hacksilber nennt man zerschnittenes Silber, das nach Gewicht als Zahlungsmittel diente. Wie diese Wirtschaft funktionierte, beschreibt der Beitrag über Hacksilber.
Eine Messung ist besonders aufschlussreich. Das Silber der unteren Lage wiegt 2.713,6 Gramm. Das liegt nach Angaben der Forscher um weniger als ein halbes Gramm neben 8½ Pfund nach einem Gewichtsstandard, der aus Dublin bekannt ist. Viele Armringe und Barren entsprechen Vielfachen einer Einheit von etwa 26,6 Gramm, einer Unze dieses Systems. Das spricht dafür, dass jemand das Silber gezielt abgewogen hat, bevor es in die Erde kam.
Auffällig sind auch die Faltungen. Die meisten Armringe sind nach einem von vier Mustern zusammengelegt. Die Forscher schließen daraus vorsichtig auf vier Personen oder Gruppen, die ihren Anteil beigesteuert haben, und zwar nicht zu gleichen Teilen. Gewiss ist das nicht.
Hier wird der Fund ungewöhnlich. Vier Armringe der unteren Lage tragen eingeritzte Runen; einige frühe Berichte sprechen von fünf. Erwartet hätte man skandinavische Runen. Diese sind aber angelsächsisch, also die englische Runenreihe, die Futhorc heißt, und sie halten altenglische Namen oder Namensteile fest. Der Runologe David Parsons las einen davon als Ecgbeorht, geschrieben EGGBRECT. Mehr zu den Unterschieden der Runenreihen findest du im Beitrag über Runen.
Im Februar 2025 stellte das Forschungsteam von National Museums Scotland eine neue Lesung des vierten Armrings vor. Die Inschrift steht innen auf der gebogenen Hälfte des Rings. In Umschrift beginnt sie mit DIS IS, dann folgt eine Zeichengruppe, die auf …IGNA endet, und am Schluss eine F-Rune. Lange ergab die Folge „…IGNAF“ in keiner Sprache, die im frühmittelalterlichen Britannien oder Irland gesprochen wurde, einen Sinn. Der Schlüssel lag im letzten Zeichen: Die F-Rune steht zwischen Punkten. Das deutet darauf hin, dass sie als Begriffsrune gemeint ist, also für ihren Namen feoh steht, „Vieh, Besitz, Reichtum“. Den Rest liest das Team als altenglisch higna, „der Gemeinschaft“, mit einer ungewöhnlichen Schreibung des ersten Buchstabens. Daraus ergibt sich der Vorschlag: „Dies ist der Besitz der Gemeinschaft.“
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist es ein Vorschlag. Parsons selbst nannte die Inschrift „schwierig und ungewöhnlich“ und die Lesung „herausfordernd“. Zweitens bezeichnet higna in angelsächsischen Urkunden oft eine geistliche Gemeinschaft, etwa ein Kloster. Zwingend ist diese Bedeutung nicht, denn das Wort kann allgemein einen Haushalt oder eine Gruppe meinen. Wenn die Lesung stimmt, gehörte zumindest dieser Ring einer Gemeinschaft und nicht einem Einzelnen.
Der Galloway-Hort enthält die größte und vielfältigste Sammlung von Goldobjekten der Wikingerzeit, die bisher aus Großbritannien und Irland bekannt ist. Jedes Stück ist anders. In dem Holzkästchen zwischen den Armringen lagen ein Goldring, ein Goldbarren und eine Nadel in Vogelform. Dazu kommen drei Goldfassungen mit Filigran, die an einer Seidenschnur hingen und vielleicht zu einem Gürtel gehörten. Früher dachte man auch an Lesezeiger für Handschriften. Ein Anhänger aus Goldfiligran fasst einen dunklen Schieferstein, an dem Spuren von Edelmetall haften. Es ist ein Probierstein, mit dem man den Feingehalt von Gold und Silber prüfte.
Das vielleicht erstaunlichste Stück ist ein kleines Gefäß aus Bergkristall, etwa fünf Zentimeter hoch, in Gold gefasst, ähnlich einem kostbaren Parfümfläschchen. Martin Goldberg, leitender Kurator für mittelalterliche Archäologie bei National Museums Scotland, hält den geschnitzten Kristall für das umgearbeitete Kapitell einer kleinen Säule in korinthischem Stil, möglicherweise römischer Zeit. Er vermutet, dass der Kristall rund 500 Jahre alt war, als ihn jemand im späten 8. oder frühen 9. Jahrhundert zu einem Goldgefäß umbauen ließ. Über die Bedeutung des Materials schreibt der Beitrag über Bergkristall.
Röntgenaufnahmen in 3D, gemeinsam mit dem British Museum erstellt, zeigten noch vor dem Auswickeln eine Inschrift auf dem Boden. In Goldbuchstaben steht dort auf Latein sinngemäß: „Bischof Hyguald ließ mich machen.“ Wer Hyguald war, ist nicht geklärt; die Mitteilungen des Museums ordnen ihn keinem Bischofssitz zu, und eine sichere Zuordnung ist mir nicht bekannt. Naheliegend ist der Gedanke an Whithorn, das Bistum der Northumbrier im heutigen Galloway, das im 8. Jahrhundert belegt ist. Ein Beleg für diese Verbindung fehlt bisher.
Das Gefäß ist etwa 15 Zentimeter hoch, mit einem Randdurchmesser von gut 9 Zentimetern, und es ist das einzige seiner Art aus einem Hort der Wikingerzeit, das noch mit seinem Deckel gefunden wurde. Es lag zuunterst, mit der Öffnung nach unten, in mehrere Lagen Stoff gewickelt. Vor dem Öffnen wurde es im November 2014 geröntgt.
Anfangs galt es als karolingisch, also als Arbeit aus dem Frankenreich, wie die Silbergefäße aus dem Hort von Cuerdale oder dem Vale-of-York-Hort. Diese Zuschreibung ist überholt. Nach Laserreinigung und 3D-Scans wurde der Dekor sichtbar: ein Feueraltar in vier Medaillons, wie er für die zoroastrische Religion typisch ist, dazu dreizackige Kronen, Leoparden, Tiger und weitere Motive aus der Kunst Westasiens. Der Zoroastrismus war die Staatsreligion des Sasanidenreichs, das bis ins 7. Jahrhundert Persien beherrschte.
Die Materialanalyse stützt diese Herkunft. Röntgenfluoreszenz zeigte eine Legierung aus Silber und recht reinem Kupfer, wie sie für sasanidisches Silber typisch ist und im zeitgleichen Europa nicht vorkommt. Bleiisotope, vor allem aus dem Niello, der schwarzen Einlage aus Silbersulfid, weisen auf die Grube Nakhlak im Zentraliran. Bei der Niederlegung war es wohl schon über hundert Jahre alt. Welchen Weg es nahm, ob über Byzanz, über die Flüsse Osteuropas oder über das Frankenreich, ist nicht bekannt. Wie weit die Netze reichten, zeigt der Beitrag über den Handel der Wikinger. Von September 2024 bis Februar 2025 war das Gefäß in der Ausstellung „Silk Roads“ im British Museum zu sehen.
Im Inneren lagen nach Angaben des Museums 27 Objekte, ein „Hort im Hort“: Glas- und andere Perlen, Anhänger, Kuriositäten und Erbstücke, sieben späte angelsächsische Fibeln, die erste solche Gruppe aus Schottland, ein Gürtelbeschlag, der Bergkristall und zwei Erdklumpen. Diese Klumpen könnten Erde von heiligen Orten sein, wie sie Pilger mitbrachten, doch das ist eine Vermutung. Zwei vierpassförmige Fibeln zeigen Darstellungen, die als Sinnbilder für Sehen und Hören gedeutet werden. Ein Anhänger trägt eine durchbohrte Münze des Coenwulf, der bis 821 König von Mercien war. Sie ist kein Datierungsmittel für die Niederlegung, sondern ein weiteres Erbstück.
Das silberne Brustkreuz aus der oberen Lage ist mit Gold hervorgehoben und mit Niello eingelegt. Auf den vier Armen sitzen Symbole, die man als die vier Evangelisten deutet. Der Stein oder Buckel in der Mitte fehlt. Der Stil, nach einer Fundstelle in Cornwall Trewhiddle-Stil genannt, spricht für eine spätangelsächsische Arbeit. Um das Kreuz lag eine feine Kette aus Silberdraht von weniger als einem Millimeter Stärke, um eine Darmsaite gewunden. Das legt nahe, dass jemand das Kreuz kurz vor dem Vergraben noch getragen hat. Goldberg vermutet als Träger einen hohen Geistlichen oder einen König; auch eine Herkunft aus Dublin wurde erwogen.
Fast so wertvoll wie das Metall sind für die Forschung die organischen Reste. Leder, Leinen, Wolle, Seide und Darm haben sich erhalten, vor allem weil das kupferreiche Milieu im geschlossenen Gefäß Mikroben fernhielt. Zwei Bündel aus Seide und anderen Stoffen umhüllen Goldobjekte. Sie könnten die ältesten erhaltenen Seidenreste Schottlands sein. Die Seide stammt nach bisherigen Angaben aus dem Byzantinischen Reich. Die Wolle, in die das Gefäß gewickelt war, ergab bei einer ersten Radiokarbondatierung die Spanne 680 bis 780 n. Chr. Sie ist damit mindestens ein Jahrhundert älter als das Silber.
Im Galloway-Hort fehlt das wichtigste Werkzeug, das Archäologen sonst für Horte nutzen: eine Reihe von Münzen, deren jüngste die Niederlegung eingrenzt. Die einzige Münze, die von Coenwulf, ist viel älter und durchbohrt. Die Datierung „um 900“ beruht deshalb auf Vergleichen. Breite Armringe derselben Art kommen auch in Horten mit Münzen vor, allen voran im Hort von Cuerdale in Lancashire. Über diese Vergleichsfunde ergibt sich für die Ringform eine Spanne von etwa 880 bis 930. Auch der Stil von Kreuz und Fibeln passt in das späte 9. Jahrhundert. Wäre die Datierung richtig, wäre der Galloway-Hort der älteste bekannte Hort der Wikingerzeit in Schottland.
Weitere Radiokarbonmessungen, etwa an der Seide, sollen die Chronologie verfeinern. Angaben wie „frühes 10. Jahrhundert“ oder „Ende des 9. Jahrhunderts“ meinen dieselbe Spanne. Viele Gegenstände waren beim Vergraben schon alt, manche Jahrhunderte alt. Der Hort ist also kein Schnappschuss einer Generation, sondern eine Sammlung, die über lange Zeit gewachsen ist.
Um 900 war Galloway ein Grenzraum. Im 8. Jahrhundert gehörte die Gegend zum angelsächsischen Königreich Northumbrien, mit einem Bistum in Whithorn. In irischen Quellen heißt die Küste die „Küste der Sachsen“. Gleichzeitig lag Galloway an der Irischen See, über die skandinavische Gruppen zwischen Dublin, der Isle of Man, den Hebriden und Nordwestengland verkehrten. Aus dem Gemisch von Nordleuten und Gälen gingen die Gall-Goídil hervor, nach denen Galloway später benannt wurde. Ein Fund, der sich ihnen selbst zuordnen ließe, existiert nicht; der Hort zeigt aber, was in dieser Gegend und Zeit zusammenkam. Mehr dazu im Beitrag über die Gall-Goídil.
Ein Ereignis, das in diesen Jahren die ganze Region erschütterte, halten die Annalen von Ulster fest: die Vertreibung der Skandinavier aus Dublin im Jahr 902.
„Vertreibung der Heiden aus Irland, das heißt aus dem Schiffslager von Áth Cliath, durch Mael Finnia, Sohn des Flannacán, mit den Männern von Brega, und durch Cerball, Sohn des Muiricán, mit den Leuten von Leinster, sodass sie einen großen Teil ihrer Schiffe zurückließen und halbtot entkamen, nachdem sie verwundet und geschlagen worden waren.“
Annalen von Ulster, Jahr 902, Eintrag 2 (altirischer Text nach CELT, G100001A); eigene Übersetzung
Áth Cliath ist der irische Name von Dublin. Häufig werden die Vertriebenen mit der Niederlegung des Cuerdale-Horts und mit nordischen Siedlungen in Nordwestengland in Verbindung gebracht. Für den Galloway-Hort ist eine solche Verbindung denkbar, mehr nicht. Der Gewichtsstandard aus Dublin zeigt nur, dass die Besitzer in dasselbe Wirtschaftssystem eingebunden waren.
Eine gesicherte Antwort gibt es nicht, wohl aber mehrere Deutungen.
Skandinavische Besitzer. Die Silberwirtschaft nach Gewicht, die gefalteten Armringe und der Dublin-Standard gehören zur Welt der Wikinger. Stuart Campbell von der Treasure Trove Unit sah im Fund ein Zeichen, dass Galloway nicht nur Ziel von Überfällen war, sondern ein Gebiet, in dem Menschen nordisch sprachen und lebten. Die Art Fund hält Wikinger auf dem Rückzug für denkbar, ebenso andere, die einen Überfall fürchteten.
Angelsächsische Besitzer. Die Runen sind angelsächsisch, die Namen altenglisch, Kreuz und Fibeln northumbrisch oder allgemein angelsächsisch. Parsons erwog früh, dass die Namen auf den Armringen die Eigentümer nennen, die den Hort auch vergraben haben könnten.
Eine geistliche Gemeinschaft. Seit der Lesung von 2025 hat diese Deutung Auftrieb: ein Armring als „Besitz der Gemeinschaft“, ein Brustkreuz, ein Kristallgefäß eines Bischofs, Erdklumpen, die Reliquien sein könnten. National Museums Scotland weist selbst auf diese Verbindung hin. Wer hier „Kloster“ sagt, sagt aber mehr, als die Quellen hergeben.
Mehrere Beteiligte. Die vier Faltmuster und die unterschiedlich wertvollen Ringe sprechen für mehrere Personen oder Gruppen, die ihren Besitz gemeinsam versteckten. Goldberg und seine Kollegen vermuten eine Art Gemeinschaftsschatz, vielleicht auch einen Familienschatz mit Erbstücken.
Diese Deutungen schließen sich nicht aus, denn Menschen nordischer und angelsächsischer Herkunft lebten in dieser Gegend nebeneinander. Je mehr über den Hort bekannt wird, desto weniger passt das Bild von Wikingern, die eine Kirche plündern. Ein von einem Überfall erbeutetes Kreuz bleibt dennoch möglich. Den Hort hat niemand mehr abgeholt. Campbell verglich ihn mit einem Schließfach, das nie geleert wurde.
National Museums Scotland und Art Fund nennen den Galloway-Hort „die reichste Sammlung seltener und einzigartiger Objekte der Wikingerzeit, die je in Großbritannien oder Irland gefunden wurde“. Das Wort „reich“ bezieht sich dabei auf Vielfalt, Seltenheit und Erhaltung, nicht auf das Gewicht.
Nach Gewicht liegt ein anderer Fund weit vorn: Der Hort von Cuerdale, 1840 am Ufer des Ribble bei Preston gefunden, enthielt etwa 40 Kilogramm Silber und rund 7.000 Münzen. Der Galloway-Hort bringt gut 5 Kilogramm auf die Waage. Was Galloway heraushebt, sind die Goldobjekte, das westasiatische Gefäß mit Deckel, der Bergkristall mit Inschrift, die Seide und die Packordnung in Bündeln. Einen Überblick über die großen Horte bieten die Beiträge über Silberhorte der Wikingerzeit und den Spillings-Schatz auf Gotland, der mit mehr als 65 Kilogramm Silber auch Cuerdale übertrifft.
In Schottland gilt eine Sonderregel: Herrenlose Fundgegenstände gehören nach dem Gewohnheitsrecht des Treasure Trove der Krone, ganz gleich, ob sie aus Gold, Silber oder einfachem Material bestehen. Zuständig ist der Queen’s (heute King’s) and Lord Treasurer’s Remembrancer; ein Gremium schätzt den Wert und schlägt ein Museum vor. Der Finder bekommt in der Regel eine Belohnung bis zur Höhe des Schätzwerts, das Museum muss diesen Betrag aufbringen.
Beim Galloway-Hort kam ein zweiter Streit hinzu. Die Church of Scotland als Eigentümerin des Landes reichte Klage gegen McLennan ein und verlangte einen angemessenen Anteil an der Belohnung. Später einigten sich der Finder und die General Trustees der Kirche darauf, die Summe zu teilen. Das Bewertungsgremium bezifferte den Hort 2017 auf 1,98 Millionen Pfund.
Wo der Hort hingehört, war lange umkämpft. Dumfries and Galloway Council wollte ihn für die neuen Kirkcudbright Galleries, für deren Umbau der Rat 1,2 Millionen Pfund vom Heritage Lottery Fund erhalten hatte. Eine Bürgerinitiative, die Galloway Viking Hoard Campaign, forderte, der Fund solle in der Region bleiben. Ihre Vorsitzende Cathy Agnew sagte: „Er wurde hier vergraben und hier gefunden, also sollte er hier bleiben.“ National Museums Scotland bewarb sich ebenfalls.
Im Mai 2017 sprach der Remembrancer den Hort National Museums Scotland zu. Der Rat legte Widerspruch ein und unterlag. Das Museum hatte sechs Monate Zeit, das Geld aufzubringen. Wäre das gescheitert, hätte der Fund neu bewertet werden müssen. Der National Heritage Memorial Fund gab 1 Million Pfund, die schottische Regierung 150.000 Pfund, dazu kamen ein großer Beitrag der Art Fund und Spenden von mehr als 1.500 Menschen. Die Kampagne war nach Goldbergs Angaben zwei Wochen vor Fristende abgeschlossen.
Im September 2018 schlossen Museum und Rat eine Partnerschaft über 25 Jahre. Sie sieht vor, dass ein „bedeutender und repräsentativer Teil“ des Horts langfristig in Kirkcudbright gezeigt wird und der Rest in Edinburgh bleibt. Feste Termine für diese Dauerpräsentationen nannte das Museum in den Mitteilungen, die ich gelesen habe, nicht.
Erstmals öffentlich zu sehen war der Hort in der Ausstellung „Galloway Hoard: Viking-age Treasure“ vom 29. Mai bis 12. September 2021 im National Museum of Scotland in Edinburgh. Danach ging sie nach Kirkcudbright, vom 9. Oktober 2021 bis 10. Juli 2022, und dann nach Aberdeen, vom 30. Juli bis 23. Oktober 2022. In Kirkcudbright kamen über 30.000 Menschen; das war die bis dahin erfolgreichste Ausstellung seit Eröffnung der Galerie 2018. Ursprünglich war die Tour für 2020 bis 2022 geplant und verschob sich. Ab 2025 reiste der Hort erstmals ins Ausland: nach Adelaide, Melbourne und schließlich bis Oktober 2026 nach Sydney. Weitere Häuser stellt der Beitrag über Wikinger-Museen vor.
Parallel lief das Forschungsprojekt „Unwrapping the Galloway Hoard“ von 2021 bis 2024, mit 1 Million Pfund vom Arts and Humanities Research Council gefördert, geleitet von Martin Goldberg für National Museums Scotland zusammen mit der Universität Glasgow. Beteiligt waren unter anderen die Textilforscherin Susanna Harris, Alexandra Makin, Mary Davis für die anorganischen Funde und Adrián Maldonado für das Silber. Partner wie das British Museum, das Radiokarbonlabor SUERC und ein Brüsseler Institut für Farbstoffanalyse lieferten naturwissenschaftliche Daten. Viele Ergebnisse sind noch nicht abschließend veröffentlicht. Als Einführung liegt das Buch von Goldberg und Davis von 2021 vor.
Ein dezenter Hinweis in eigener Sache: Die Tierköpfe auf dem großen Doppelring erinnern daran, wie viel Formsprache dieser Zeit in Metall steckt. Davon leben auch die Motive, die wir in unserer Manufaktur gravieren.
Wo genau wurde der Galloway-Hort gefunden? In der Gemeinde Balmaghie in Kirkcudbrightshire, Dumfries and Galloway, auf Land der Church of Scotland. Die genaue Stelle wird zum Schutz des Bodendenkmals nicht genannt.
Wie viele Objekte enthält der Hort? Das Museum spricht von „mehr als 100 Objekten“. Eine exakte Zahl ist schwer anzugeben, weil Bündel, Fragmente und Perlenketten unterschiedlich gezählt werden können. Allein im Deckelgefäß lagen 27 Objekte.
Was bedeutet die Runeninschrift? Ein Armring trägt nach der Lesung von 2025 altenglisch „Dies ist der Besitz der Gemeinschaft“. Andere Ringe tragen Namen oder Namensteile wie Ecgbeorht. Die Runen sind angelsächsisch, nicht skandinavisch.
Wem gehört der Hort heute? National Museums Scotland. Laut einer Vereinbarung von 2018 soll ein repräsentativer Teil langfristig in den Kirkcudbright Galleries gezeigt werden.
Warum ist der Fund so wichtig? Er ist gut erhalten und fachgerecht ausgegraben, und seine Mischung aus nordischen, angelsächsischen, byzantinischen und westasiatischen Stücken zeigt, wie verflochten die Welt um die Irische See um 900 war.

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