Anfang Oktober 1263 kämpften an einem Kiesstrand im Firth of Clyde einige hundert Norweger gegen ein schottisches Aufgebot, während draußen ein Sturm die Flotte König Håkons IV. auseinandertrieb. Gewonnen hat dieses Gefecht niemand eindeutig. Trotzdem gilt Largs in Schottland seit dem Spätmittelalter als großer Sieg und in populären Darstellungen als „Ende der Wikingerzeit“. Folgenreich war es tatsächlich: Håkon starb zwei Monate später in Kirkwall, und drei Jahre danach verkaufte sein Sohn die Hebriden und die Isle of Man an Schottland. Dieser Beitrag folgt der Hauptquelle, der Hákonar saga, prüft die Zahlen, liest den Vertrag von Perth genau und trennt Ereignis, Chronik und Legende.
Wer „Largs 1263“ hört, denkt meist an eine Entscheidungsschlacht: Wikinger landen, Schotten werfen sie ins Meer, eine Epoche ist vorbei. Die Quellen zeichnen ein anderes Bild. Im Sommer 1263 segelte der norwegische König Håkon IV. Håkonsson mit einer großen Flotte nach Westen, um seine Oberhoheit über die Hebriden und die Insel Man gegen die Ansprüche des schottischen Königs Alexander III. zu sichern. Die Schotten wichen einer offenen Feldschlacht aus und verhandelten, bis der Herbst kam. Ein Sturm in der Nacht zum 2. Oktober trieb mehrere norwegische Schiffe bei Largs an Land, und am Strand entwickelte sich ein Gefecht um die gestrandeten Schiffe. Am Abend zogen sich beide Seiten zurück.
Militärisch war das wenig, politisch der Anfang vom Ende der norwegischen Herrschaft im Westen Schottlands. Der König starb im Dezember auf Orkney, sein Nachfolger Magnus VI. schloss 1266 den Vertrag von Perth. Feldzug, Gefecht und Vertrag muss man auseinanderhalten, um zu verstehen, warum 1263 zugleich überschätzt und unterschätzt wird.
Skandinavier siedelten seit dem 9. Jahrhundert auf den Hebriden, auf Man und an der Westküste. Aus nordischen und gälischen Familien entstand eine Kriegerelite, die irische Annalen Gall-Goídil nannten, „fremde Gälen“ (dazu der Beitrag über die Gall-Goídil). Ein förmlicher Rechtsanspruch Norwegens auf die Inseln geht auf das Jahr 1098 zurück. Damals überließ der schottische König Edgar dem norwegischen König Magnus Barfuß die Inseln vor der Westküste.
Im 12. und 13. Jahrhundert regierten auf Man und den nördlichen Hebriden die Könige der Crovan-Dynastie, auf den südlichen Inseln und in Argyll die Nachkommen Somerleds, eines Herrschers gemischter Herkunft, der 1164 fiel. Beide erkannten den norwegischen König als Oberherrn an, oft nur nominell. Kirchlich gehörte das Bistum der Inseln, „Sodor und Man“, seit der Mitte des 12. Jahrhunderts zur Kirchenprovinz Nidaros, also zum Erzbistum Trondheim. Kirche, Tribute und Lehnseide banden die Inseln an Norwegen. Wie diese Inselwelt aussah, von Orkney bis Man, beschreibt der Überblick über die Wikinger-Inseln.
Håkon IV., um 1204 geboren und 1217 zum König erhoben, hatte Norwegen nach Jahrzehnten der Bürgerkriege befriedet. In seine Spätzeit fällt die größte Ausdehnung des norwegischen Reiches: Die Nordleute in Grönland unterstellten sich ihm 1261, Island folgte 1262 bis 1264.
Auf schottischer Seite hatte schon Alexander II. versucht, die Inseln zu kaufen, und war abgewiesen worden. Er starb 1249 auf der Insel Kerrera bei Oban, mitten in einem Feldzug gegen die Herren von Argyll. Sein Sohn Alexander III. war damals ein Kind; erst Anfang der 1260er Jahre regierte er selbst. 1263 war er etwa 22 Jahre alt. Er bot Geld und drohte zugleich. 1262 überfielen schottische Große, voran der Earl of Ross, die Insel Skye. Die Saga berichtet, dass Briefe der Inselkönige mit Klagen über diese Gewalttaten nach Norwegen gelangten, dazu Gerüchte, Alexander wolle die Inseln ganz erobern. Håkon entschied sich für eine große Machtdemonstration.
Fast alles, was wir über den Ablauf wissen, stammt aus einer einzigen ausführlichen Quelle, der Hákonar saga Hákonarsonar. Geschrieben hat sie der Isländer Sturla Þórðarson, ein Neffe Snorri Sturlusons, im Auftrag von Håkons Sohn Magnus in den Jahren unmittelbar nach dem Tod des Königs. Sturla war nicht selbst in Schottland, die Gefechtsschilderung wirkt aber wie aus Augenzeugenberichten gearbeitet. Gleichzeitig ist die Saga eine Auftragsarbeit für den Sohn des Helden. Sie erklärt das Scheitern mit Wetter, List und Gottes Ratschluss, kaum mit Fehlern Håkons.
Die Saga ist in mehreren Handschriften überliefert, darunter die Flateyjarbók und die Handschrift, die man nach ihrem früheren Besitzer Codex Frisianus nennt. Schon 1782 veröffentlichte der Geistliche James Johnstone eine englische Übersetzung des Abschnitts über den Feldzug; die vollständige englische Übersetzung von George Webbe Dasent erschien 1894 in der Reihe der Rolls Series. Beide Fassungen sind gemeinfrei. Auf schottischer Seite gibt es nur knappe zeitnahe Notizen, vor allem in der Chronik von Melrose, und die viel späteren Darstellungen John of Forduns (14. Jahrhundert), Andrew of Wyntouns (um 1420) und Walter Bowers (1440er Jahre).
Im Juli 1263 lief die Flotte aus der Gegend von Bergen aus. Die Saga betont, eine so große Flotte sei nie zuvor aus Norwegen gesegelt. Konkrete Zahlen nennt sie an späterer Stelle: Bei Kerrera, vor der Küste von Argyll, habe Håkon mehr als 120 Schiffe gehabt, die meisten groß. Die oft zu lesenden 200 Schiffe stehen nicht in der Saga. Wie viele Männer an Bord waren, lässt sich nicht verlässlich angeben; Hochrechnungen auf 10.000 oder 20.000 Mann beruhen auf Annahmen über die Besatzungsstärke.
Der Weg führte über Shetland nach Orkney. Während die Flotte bei Orkney lag, verzeichnet die Saga eine Verdunkelung der Sonne. Dasent bestimmt sie in seiner Einleitung als ringförmige Sonnenfinsternis vom 5. August 1263. Dann ging es durch den Minch nach Süden, über Skye nach Kerrera. Dort zeigte sich, wie brüchig die Loyalität der Inselherren war. Dubhghall mac Ruaidhrí, in der Saga König Dugal, stand fest an Håkons Seite, ebenso Magnus Óláfsson, der König von Man. Eóghan Mac Dubhghaill dagegen, Herr von Argyll, der Ländereien vom schottischen wie vom norwegischen König hielt, kam zu Håkon und erklärte, er werde sich an den Eid halten, den er Alexander geleistet habe. Håkon ließ ihn ziehen.
Die Flotte teilte sich. Ein Verband plünderte in Kintyre, ein anderer nahm die Insel Bute. Ein dritter, nach der Saga 60 Schiffe unter Magnus von Man und Dubhghall, fuhr in den Loch Long, ließ Boote über die schmale Landbrücke bei Tarbet in den Loch Lomond schleppen und verwüstete die Gegend von Lennox. Der Hauptteil ankerte vor den Cumbrae-Inseln im Firth of Clyde, gegenüber von Largs.
Alexander III. vermied die offene Feldschlacht. Er schickte Barfüßermönche, also Franziskaner, und Unterhändler, die sich auf Gespräche einließen, ohne sie abzuschließen. Nach der Saga bot der schottische König zeitweise an, auf einen Teil der Inseln zu verzichten, nannte aber Bute, Arran und die beiden Cumbraes als Inseln, die er nicht aufgeben wolle. Håkon dagegen beanspruchte alle Inseln westlich von Schottland, die schon Magnus Barfuß gehalten hatte. Die Saga sagt ohne Umschweife, die Schotten hätten absichtlich jede Einigung hinausgezögert, weil der Sommer zu Ende ging und das Wetter schlechter wurde.
Die Strategie war klug: Eine Flotte konnte nicht monatelang in fremden Gewässern liegen, ohne dass Vorräte schwanden und Herbststürme kamen. Alexander musste nicht siegen, nur warten, und ließ unterdessen an der Küste von Ayrshire Truppen sammeln.
Anfang Oktober kam das Wetter, auf das die Schotten gesetzt hatten. Die Saga datiert es genau über den Festkalender: Michaelis, der 29. September, fiel 1263 auf einen Samstag, und in der Nacht auf den folgenden Dienstag brach ein schwerer Sturm los. Ein Lastschiff und weitere Schiffe trieben an den Strand; selbst das Königsschiff hielt sich nur mit vielen Ankern.
„König Hákon lag bei den Cumbraes – Michaelis fiel damals auf einen Samstag. Doch in der Montagnacht danach kam ein heftiger Sturm mit Hagel und Unwetter.“Hákonar saga Hákonarsonar (Sturla Þórðarson), Abschnitt über den Schottlandzug 1263; ins Deutsche übertragen nach der englischen Übersetzung von G. W. Dasent, The Saga of Hacon, Rolls Series 88, Bd. 4, London 1894 (gemeinfrei). Gemeint ist die Nacht von Montag, dem 1., auf Dienstag, den 2. Oktober.
Am Morgen des 2. Oktober versuchten Norweger, die gestrandeten Schiffe zu bergen. Bald erschien ein schottisches Aufgebot. Die Saga beschreibt Reiter, teils gepanzert, und viel Fußvolk mit Bögen und Spießen. Die Norweger schätzten die Reiter auf etwa 500, eine Handschrift spricht sogar von 1.500; die Saga selbst räumt ein, die Schätzungen gingen auseinander. Auf norwegischer Seite standen nach der Saga etwa 800 bis 900 Mann an Land, davon rund 200 auf einer Anhöhe unter dem Lehnsmann Ögmundr krækidans, in englischen Darstellungen Ogmund Crouchdance. Håkon selbst wurde von seinen Leuten gedrängt, auf die Schiffe zurückzukehren.
Als die Männer auf der Anhöhe sich zum Strand zurückziehen wollten, hielten die übrigen das für eine Flucht. Einige drängten zu den Booten, manche kenterten. Am Strand kämpfte eine kleine Schar gegen eine Übermacht weiter. Dabei fiel auf schottischer Seite ein junger Ritter, den die Saga Perus nennt; spätere Autoren identifizieren ihn mit Piers de Curry, ohne dass sich das sichern ließe. Am späten Tag landeten Verstärkungen von den Schiffen, die trotz des Sturms durchkamen. Die Norweger stürmten die Anhöhe zurück, und, so die Saga, „die Schotten flohen von der Anhöhe, so schnell jeder konnte, in die Berge“. Danach ruderten die Norweger zu ihren Schiffen. Am nächsten Morgen kehrten sie an den Strand zurück und holten ihre Toten.
Wo genau gekämpft wurde, ist unbekannt. Nach dem Battlefields Trust beschreiben die Quellen den Ort zu ungenau; die Tradition verlegt das Gefecht südlich des Gogo Water. Archäologische Belege fehlen.
Liest man nur die Saga, behielten die Norweger das Feld: Die Schotten zogen ab, die Norweger blieben bis zum nächsten Tag und bargen ihre Toten. Liest man die schottischen Chroniken, endete der Tag mit einem Sieg der Schotten und einer Katastrophe für die Eindringlinge. Beide Lesarten sind parteiisch: Die Saga will Håkons Ehre retten, die schottischen Autoren schrieben Generationen später.
Die Chronik von Melrose, die den Ereignissen zeitlich am nächsten steht, schreibt das Scheitern der Norweger vor allem Gottes Macht zu, nicht schottischen Waffen; das Fußvolk nennt sie verächtlich eine Truppe aus dem Umland. John of Fordun im späten 14. Jahrhundert sah im Sturm ein Eingreifen Gottes. Andrew of Wyntoun um 1420 machte daraus eine hart umkämpfte und verdiente schottische Schlacht. Walter Bower schließlich, in seinem Scotichronicon aus den 1440er Jahren, nennt Alexander Stewart von Dundonald, den Steward von Schottland, als Befehlshaber und erzählt, die heilige Margareta, Königin von Schottland im 11. Jahrhundert, sei erschienen und habe den Schotten geholfen. Bower lässt auch einen Neffen Håkons fallen.
Spätere Zahlen schießen völlig über das Ziel hinaus. Ein Zeitschriftentext von 1787, der sich auf eine „isländische Chronik“ berief, ließ 16.000 Norweger fallen, andere sprachen von 25.000. Der Battlefields Trust nennt solche Zahlen unhaltbar. Moderne Historiker rechnen eher mit einigen hundert Beteiligten auf jeder Seite; verlässliche Verlustzahlen gibt es nicht. Die meisten heutigen Fachleute sehen in Largs ein unentschiedenes Gefecht, das Teil eines gescheiterten Feldzugs war, nicht dessen Entscheidung. Entschieden hatten Wetter, Zeit und die Weigerung Alexanders, sich zum Kampf stellen zu lassen.
Nach dem Sturm sammelte Håkon die Flotte, belohnte treue Inselherren mit Land und segelte nach Norden. Auf Orkney fuhr ein Teil der Schiffe heim; der König blieb, weil er im Frühjahr weiterkämpfen wollte, und bezog mit seinem Gefolge Quartier im Bischofspalast von Kirkwall neben der Magnuskathedrale.
Dort erkrankte er. Die Saga beschreibt seine letzten Wochen mit großer Genauigkeit: Zunächst ließ er sich die Bibel und lateinische Bücher vorlesen. Dann wollte er Bücher in der Volkssprache hören: Heiligenleben, die Geschichte der norwegischen Könige von Halfdan dem Schwarzen an und zuletzt die Saga seines Großvaters Sverrir. Am Donnerstag, dem Tag der heiligen Lucia, dem 13. Dezember, verschlechterte sich sein Zustand. Am Samstag darauf verlor er die Sprache, und um Mitternacht, so die Saga, rief Gott König Håkon aus diesem Leben. Damit ist die Nacht vom 15. auf den 16. Dezember 1263 gemeint.
Der Leichnam wurde im Chor der Magnuskathedrale beigesetzt und im Frühjahr 1264 nach Bergen überführt, wo man ihn in der Christuskirche bestattete. Die Kirche wurde 1531 abgerissen, das Grab ging verloren. Der Bischofspalast in Kirkwall ist heute eine besichtigbare Ruine. Wer den Weg nach Orkney geht, findet die Geschichte der dortigen Herrscher im Beitrag über die Jarle von Orkney.
Alexander III. nutzte die Lage sofort. 1264 bestraften seine Heere Håkons Verbündete auf den Inseln. Magnus Óláfsson, der König von Man, reiste im selben Jahr nach Dumfries, unterwarf sich, leistete Alexander den Lehnseid und stellte Geiseln. Als er am 24. November 1265 auf Castle Rushen starb, endete mit ihm die Reihe der Könige von Man aus der Crovan-Dynastie. Die Chronik von Man vermerkt knapp, nun hätten auf Man die Könige aufgehört zu herrschen. Mehr zur Insel und ihrer nordischen Vergangenheit steht im Beitrag über die Isle of Man.
In Norwegen regierte nun Håkons Sohn Magnus VI., der später den Beinamen Lagabøte erhielt, „Gesetzesverbesserer“, weil er das Landrecht neu ordnete. Er suchte keinen neuen Krieg. Nach Gesandtschaften in beide Richtungen kam am 2. Juli 1266 in Perth der Vertrag zustande. Die lateinische Urkunde, ein Chirograph (eine Doppelurkunde, deren Hälften man zum Fälschungsschutz zerschnitt), wurde in der Kirche der Dominikaner in Perth beschlossen. Für Norwegen handelten der Kanzler Askatin und der Lehnsmann Andreas Nikolasson.
Der Inhalt ist gut überliefert. Norwegen verzichtete auf Man, die Sudreyjar, also die „Südinseln“ oder Hebriden, und alle anderen Inseln im Westen und Süden. Ausdrücklich ausgenommen waren Orkney und Shetland, die der norwegische König als eigenen Besitz behielt. Die abgetretenen Inseln sollten nach schottischem Recht regiert werden. Wer auf den Inseln zu Håkon gehalten hatte, durfte dafür nicht bestraft werden und behielt sein Erbe. Die Bewohner durften bleiben und schottische Untertanen werden oder mit ihrer Habe fortziehen; niemand sollte zum einen oder anderen gezwungen werden.
Die Kirche blieb vorerst bei Nidaros: Der schottische König erhielt das Patronat über das Bistum Man, aber die Rechte des Erzbischofs von Trondheim über Bischof und Kirche von Man blieben gewahrt. Dafür zahlte Schottland. Die Summen lauteten auf 4.000 Mark Sterling, zahlbar in den vier folgenden Jahren, und dazu jährlich 100 Mark für alle Zeit. Bezahlt werden sollte in der Magnuskirche auf Orkney, in der Woche nach dem Johannistag Ende Juni, an den Bischof von Orkney oder einen Beauftragten des Königs. Wer vom Vertrag zurücktrat, sollte 10.000 Mark Strafe zahlen, und beide Könige unterwarfen sich dafür der Gerichtsbarkeit des Papstes.
Norwegen gewann Geld, eine dauernde Einnahme und eine anerkannte Grenze im Norden. Auf Man stieß die neue Herrschaft auf Widerstand: 1275 erhob sich die Insel unter Godred, einem Sohn des letzten Königs, und wurde bei Ronaldsway von einem schottischen Heer niedergeworfen. Die jährlichen 100 Mark flossen nicht regelmäßig. 1312 bestätigten Robert I. von Schottland und Håkon V. von Norwegen im Vertrag von Inverness die Abmachungen von Perth. Die „Annual of Norway“ genannte Zahlung geriet trotzdem immer wieder in Verzug.
Dass der Vertrag Orkney und Shetland ausnahm, wird oft übersehen. Die Nordinseln blieben nach 1266 noch über 200 Jahre Teil des norwegischen und ab 1397 des dänisch-norwegischen Reiches. Erst 1468 verpfändete König Christian I. Orkney, um die Mitgift seiner Tochter Margarete bei ihrer Heirat mit Jakob III. von Schottland abzusichern. Die Mitgift war mit 60.000 rheinischen Gulden angesetzt; Orkney stand für 50.000 Gulden. Im Mai 1469 folgte Shetland als Pfand für weitere 8.000 Gulden, weil Christian von der Barzahlung nur 2.000 aufbrachte. Zugleich entfiel die jährliche Zahlung aus dem Vertrag von Perth. Am 20. Februar 1472 erklärte das schottische Parlament die Inseln zu Krongut. Eingelöst wurde das Pfand nie.
Auf Shetland erinnern das Norn, eine nordische Sprache, die sich bis ins 18. Jahrhundert hielt, und viele Ortsnamen an diese lange Zugehörigkeit. Wie tief die nordische Besiedlung dort reicht, zeigt die Fundstätte Jarlshof auf Shetland. Die heutigen Feuerfeste auf den Inseln, etwa Up Helly Aa in Lerwick, sind dagegen Schöpfungen des 19. Jahrhunderts und keine ungebrochene Tradition aus norwegischer Zeit.
Largs wird in Reiseführern und Festivalprogrammen gern als letzte Wikingerschlacht oder als Ende der Wikingerzeit bezeichnet. Das Etikett führt in die Irre. Als Wikingerzeit gilt in der Forschung die Zeit von etwa 800 bis etwa 1050 oder 1100. Häufig dient das Jahr 1066 als Schlusspunkt, als Harald Hardrada in der Schlacht von Stamford Bridge fiel. Im Westen markiert der Zug Magnus Barfuß' von 1098 und sein Tod in Irland 1103 einen ähnlichen Einschnitt.
Håkon IV. war kein Wikingerhäuptling, sondern ein gekrönter, christlicher König des Hochmittelalters. Er hatte eine Kanzlei und ließ höfische Literatur aus dem Französischen übersetzen. Seine Flotte war ein Aufgebot nach dem Leidang, der in Gesetzen geregelten Pflicht der Küstenbezirke, Schiffe und Mannschaften zu stellen. Die Schiffe standen noch in nordischer Bautradition, aber Raubzüge waren nicht das Ziel. Es ging um Lehnseide, Abgaben und die Grenze zwischen zwei Königreichen.
Auch Funde wie die Schachfiguren von Lewis, wohl im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert in Norwegen geschnitzt, gehören in diese hochmittelalterliche Welt, nicht in die Wikingerzeit. Richtig ist am Etikett nur dies: Mit 1266 endete die politische Bindung der Hebriden und Mans an Skandinavien, die mit der Wikingerzeit begonnen hatte. Wer also sagt, Largs beende die skandinavische Herrschaft im Westen Schottlands, liegt näher an der Wahrheit, sofern er Orkney und Shetland ausnimmt.
Im 14. und 15. Jahrhundert wurde Largs zur Geschichte eines schottischen Königs, der Eindringlinge abwehrt. Altertumsforscher des 19. Jahrhunderts stellten es in eine Reihe mit Wallace und Bruce. Das sichtbarste Ergebnis steht südlich der Stadt: ein schlanker, kegelförmiger Rundturm aus Basaltgestein, rund 21 Meter hoch, nach Plänen von James Sandyford Kay errichtet und am 12. Juli 1912 eingeweiht. Die Einheimischen nennen ihn „The Pencil“, den Bleistift. Er steht seit 1971 unter Denkmalschutz, markiert aber nach Ansicht der Forschung nicht den wahrscheinlichen Kampfplatz.
Seit 1981 feiert Largs ein Viking Festival mit Lagern, Feuerwerk und einem nachgestellten Gefecht. Es liegt heute meist Ende August oder Anfang September. Einen Überblick über solche Veranstaltungen gibt der Beitrag zu den Wikinger-Festivals 2027.
Wer Motive aus dieser Welt sucht, findet bei Glanz & Gravur Schiffe, Knoten und Tiere im nordischen Stil, gravierte Erinnerungen an Geschichten wie diese.
Wann genau war die Schlacht von Largs? Am Dienstag, dem 2. Oktober 1263. Die Saga datiert über Michaelis, den 29. September, der damals ein Samstag war; der Sturm kam in der Montagnacht danach, das Gefecht am folgenden Tag.
Wer hat die Schlacht gewonnen? Keine Seite eindeutig. Die Norweger hielten nach der Saga am Ende das Feld, die Schotten erreichten aber ihr Ziel, denn der Feldzug scheiterte. Den großen schottischen Sieg schufen erst spätere Chronisten.
Wie viele Schiffe hatte Håkon? Die Hákonar saga nennt bei Kerrera mehr als 120 Schiffe. Angaben von 160 oder 200 Schiffen sind spätere Schätzungen ohne bessere Grundlage.
Was bekam Norwegen im Vertrag von Perth? 4.000 Mark Sterling in vier Jahresraten und eine jährliche Zahlung von 100 Mark, dazu die Anerkennung seiner Herrschaft über Orkney und Shetland. Die jährliche Zahlung entfiel 1469 mit dem Heiratsvertrag zwischen Jakob III. und Margarete von Dänemark.
Kann man den Ort heute besuchen? In Largs steht das Denkmal „The Pencil“ an der Küste südlich der Stadt, in Kirkwall die Ruine des Bischofspalasts, in dem Håkon starb, direkt neben der Magnuskathedrale.

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