Met ist vergorener Honigwein: Honig, Wasser und Hefe – mehr braucht es nicht für eines der ältesten Rauschgetränke Europas. Bei den Wikingern war er allerdings kein Alltagsgetränk, sondern ein kostbarer Trunk für Feste, Fürsten und Götter; im Becher des Bauern schwappte meist Bier. Wir zeigen dir, was die Archäologie wirklich über Met weiß, warum die Skalden die Dichtkunst selbst „Met“ nannten, was Odin mit dem Raub des Dichtermets zu tun hat – und wie du heute einen einfachen, historisch begründeten Met ansetzt.
Stell dir eine Halle im Winter vor. Rauch hängt unter dem Dachfirst, an den Wänden glänzen Schilde, und der Hausherr erhebt sich mit einem Horn in der Hand. Was darin ist, entscheidet über den Abend: Gewöhnliches Bier hätte jeder Hof selbst gebraut. Met aber bedeutet, dass hier jemand Honig übrig hatte – und Honig war im Norden ein kleiner Schatz. Genau deshalb steht der Met in den Liedern der Edda für mehr als Alkohol: für Großzügigkeit, für Ehre, für Weisheit und am Ende sogar für die Dichtkunst selbst.
Wir trennen hier sauber: Grabfund, zeitgenössischer Bericht, isländische Dichtung des 13. Jahrhunderts – und das, was moderne Wikingerromantik dazugedichtet hat.
Met (altnordisch mjǫðr, altenglisch medu, althochdeutsch metu) ist ein Getränk, dessen vergärbarer Zucker hauptsächlich aus Honig stammt. Verdünnt man Honig mit Wasser, können Hefen den Zucker in Alkohol und Kohlendioxid umwandeln. Je nach Verhältnis von Honig zu Wasser entsteht ein leichter, fast spritziger Trunk oder ein schwerer, süßer Dessertwein. Heute liegt Met meist bei etwa 8 bis 14 Prozent Alkohol.
Die Abgrenzung ist einfacher, als viele Marktstände vermuten lassen. Bier gewinnt seinen Zucker aus Getreide: Gerste oder Weizen werden gemälzt, also zum Keimen gebracht, damit Enzyme die Stärke in vergärbaren Zucker spalten. Wein im engen Sinn kommt aus Trauben, deren Saft von Natur aus süß genug ist. Met braucht weder Mälzen noch Weinberg – nur Honig. Deshalb gilt er oft als eines der ältesten alkoholischen Getränke überhaupt, auch wenn sich ein „erster Met“ archäologisch natürlich nicht festnageln lässt.
Das Wort selbst ist uralt. Es geht auf ein indogermanisches *médʰu zurück, das sowohl „Honig“ als auch „süßes Rauschgetränk“ bedeuten konnte. Verwandte finden sich im altindischen mádhu (Honig, Süßes), im griechischen méthy (Wein, Rauschtrank) und im litauischen medùs (Honig).
Getränke verdunsten, Holzbecher verrotten, Hörner zerfallen. Was bleibt, sind manchmal eingetrocknete Krusten am Boden eines Gefäßes. Pollen- und Rückstandsanalysen lesen daraus erstaunlich viel: Lindenpollen deuten auf Honig, Getreide auf Bier, Weinsäure auf Trauben. Drei Fundplätze sind für die Geschichte des Mets besonders wichtig – und keiner davon stammt aus der Wikingerzeit.
Das Getränk von Egtved ist also weder reiner Met noch reines Bier, sondern eine Mischung aus Getreide, Honig und Beeren. Datiert ist das Grab über die Jahresringe des Sargholzes in die Nordische Bronzezeit – rund zweitausend Jahre vor den ersten Wikingerzügen. „Wikinger-Met aus Egtved“ ist also eine schöne Geschichte mit falschem Etikett.
Ein größeres Bild lieferte 2013 eine Studie des Biomolekular-Archäologen Patrick McGovern und seines Teams im Danish Journal of Archaeology. Sie untersuchten Rückstände aus vier Fundorten in Dänemark und auf Gotland, von etwa 1500 v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. Das Ergebnis nannten sie „Nordic Grog“: ein Mischgetränk aus Honig, Moosbeere, Preiselbeere, Gagel, Schafgarbe, Wacholder, Birkenharz und Getreide wie Weizen, Gerste oder Roggen. In einigen Gefäßen, die zu importierten römischen Weinservices gehörten, fanden sich zusätzlich Hinweise auf Traubenwein. Die Oberschicht im Norden trank also schon lange vor den Wikingern exotisch – und mischte gern.
Hochdorf ist keltisch, nicht germanisch, und liegt gut tausend Jahre vor der Wikingerzeit. Aber der Fund zeigt ein Muster, das uns später im Norden wiederbegegnet: Ein Herr der Halle versorgt seine Gefolgschaft mit Rauschtrank, und das Trinkhorn ist Zeichen seiner Gastfreundschaft. Neun Hörner für einen Toten – das ist kein Durst, das ist Inszenierung.
Und die Wikingerzeit selbst, also etwa 793 bis 1066? Hier wird es dünn. Trinkhörner, Hornbeschläge, Glasbecher aus dem Rheinland und Holzgefäße sind zahlreich gefunden worden, etwa in den Gräbern von Birka. Ein sicher per Rückstandsanalyse nachgewiesener wikingerzeitlicher Met ist uns dagegen nicht bekannt. Das bedeutet nicht, dass niemand Met trank – es bedeutet, dass wir für diese Epoche vor allem auf Texte angewiesen sind.
Warum war Met im Norden etwas Besonderes? Die Antwort steckt im Rohstoff. Honig war bis zur Ausbreitung des Rübenzuckers im 19. Jahrhundert das wichtigste Süßungsmittel Europas – und im kühlen Skandinavien mit seinen kurzen Sommern war er nicht im Überfluss vorhanden. Wilde Bienenvölker in hohlen Bäumen, später Zeidlerei (das gezielte Nutzen von Waldbienen in Baumhöhlen) und Korbimkerei lieferten begrenzte Mengen. Ein Kessel Met verschlang Honig, der sonst Speisen gesüßt oder Wunden versorgt hätte.
Noch deutlicher ist es auf Island. Dort gab es im Mittelalter keine Honigbienenhaltung; Honig musste eingeführt werden. Die Mediävistin Megan Arnott hat darauf hingewiesen, dass in den Isländersagas Isländer zu Hause fast immer Bier (ǫl) trinken, während Met vor allem in Mythen, Gedichten und an Königshöfen im Ausland auftaucht. Die Egils saga erwähnt mehrfach „Weizen und Honig“ (hveiti ok hunang) als Importwaren für Getränke. Ausgerechnet die Insel, auf der die Edda aufgeschrieben wurde, kannte Met also vor allem als Luxus und als Bild.
Ganz anders sah es weiter südöstlich aus. Um 890 schilderte der Seefahrer Wulfstan, dessen Bericht in die altenglische Übersetzung des Orosius unter König Alfred aufgenommen wurde, das Land der Esten – gemeint sind baltische Völker an der Weichselmündung, nicht die heutigen Esten im engen Sinn. Dort tränken der König und die Reichsten Stutenmilch, „die Armen und die Unfreien trinken Met“. Bier werde bei ihnen gar nicht gebraut, „sondern dort gibt es Met genug“. In den honigreichen Wäldern des Baltikums war Met also das Getränk der kleinen Leute. Ob Met Luxus war, hing also davon ab, wie viel Honig die Landschaft hergab.
Im Alltag der Wikingerzeit war Bier das Hauptgetränk – ǫl im Altnordischen, verwandt mit dem englischen ale. Gebraut wurde auf dem Hof, oft von den Frauen des Hauses, aus Gerste und gewürzt mit Kräutern wie Gagel. Hopfen setzte sich erst im Mittelalter durch. Daneben tranken die Menschen Wasser, Molke und Milchprodukte; die Saga-Welt kennt die gesäuerte Molke sýra als Durstlöscher. Mehr über den Alltag am Tisch findest du in unserem Beitrag über Speisen und Getränke der Wikinger, das Brauen selbst erklären wir in Bier und Brauen bei den Wikingern.
Spannend wird es bei einem dritten Wort: bjórr. Es sieht aus wie unser „Bier“, meinte aber womöglich etwas anderes. Die englische Philologin Christine Fell untersuchte 1975 das altenglische Gegenstück bēor und kam zu dem Schluss, dass es nicht einfach ein Synonym für ealu (Ale) war. Bēor übersetzt in Glossen lateinische Wörter für Honigwein und gewürzten Wein, Ælfric nennt es getrennt von Wein und Ale. Fell vermutete ein starkes, süßes Getränk, möglicherweise aus Früchten oder Honig. Das irische Lehnwort beóir Lochlannach, „Bier der Nordleute“, zeigt zudem, dass die Iren das Wort von den Wikingern übernahmen.
Ob bjórr im Norden also Fruchtwein, Honigtrunk oder einfach ein besonders starkes Bier war, ist bis heute umstritten. Schön zeigt die Unschärfe das eddische Lied Alvíssmál: Dort erklärt der Zwerg Alvíss, das Getränk heiße bei den Menschen ǫl, bei den Göttern bjórr, bei den Bewohnern Hels mjǫðr. Das ist Dichtersprache mit vielen Synonymen, kein Getränkelexikon. Sicher ist nur: Met stand bei den Dichtern ganz oben.
Jetzt zum berühmtesten Met der Welt, der nie in einem Gefäß gefunden wurde. Die ausführlichste Fassung steht in der Skáldskaparmál, dem Lehrbuch der Dichtersprache in der Edda des Snorri Sturluson (um 1220). Snorri lässt den Gott Bragi die Geschichte beim Gastmahl des Meeresriesen Ægir erzählen.
Am Anfang steht ein Friedensschluss. Nach dem Krieg zwischen Asen und Wanen spucken beide Göttergeschlechter in ein Gefäß, und aus diesem Friedenspfand formen die Götter einen Mann: Kvasir, so weise, dass ihm niemand eine Frage stellen kann, auf die er keine Antwort weiß. Kvasir zieht durch die Welt und lehrt. Zwei Zwerge, Fjalarr und Galarr, laden ihn ein, töten ihn und lassen sein Blut in drei Gefäße laufen: den Kessel Óðrerir und die Bottiche Són und Boðn. Sie mischen das Blut mit Honig – und daraus wird ein Met, der jeden, der davon trinkt, zum Skalden oder Gelehrten macht. Mehr zu dieser Figur findest du in Kvasir und der Dichtermet.
Die Zwerge morden weiter: Sie ertränken den Riesen Gillingr und erschlagen seine trauernde Frau mit einem Mühlstein. Gillingrs Sohn Suttungr setzt die beiden daraufhin auf eine Schäre, die bei Flut überspült wird. Um ihr Leben zu retten, geben sie ihm den Met als Buße. Suttungr versteckt ihn im Berg Hnitbjǫrg und setzt seine Tochter Gunnlǫð als Wächterin ein.
Nun tritt Odin auf. Er trifft neun Knechte beim Mähen, schärft ihre Sensen mit einem Wetzstein und wirft den Stein in die Luft – die Knechte schlagen sich im Gerangel darum gegenseitig die Kehlen durch. Dann verdingt sich Odin unter dem Namen Bǫlverkr („Übeltäter“) bei Suttungrs Bruder Baugi und übernimmt die Arbeit der neun Toten. Als Lohn verlangt er einen Schluck Met. Suttungr verweigert jeden Tropfen, also bohrt Baugi mit dem Bohrer Rati ein Loch in den Berg. Odin schlüpft als Schlange hindurch, liegt drei Nächte bei Gunnlǫð und erhält dafür drei Züge – und leert mit jedem Zug ein ganzes Gefäß.
Als Adler fliegt er davon, Suttungr ebenfalls als Adler hinterher. Die Asen stellen Gefäße im Hof von Asgard bereit, Odin speit den Met hinein. Doch in der Bedrängnis geht ihm etwas nach hinten ab, und dieser Anteil fällt in die Welt hinaus: Snorri nennt ihn den „Anteil der Dichterlinge“ (skáldfífla hlutr), das ist das Zeug, an dem sich schlechte Reimschmiede bedienen. Den guten Met aber gibt Odin den Asen und den Menschen, die dichten können. Die ganze Gunnlǫð-Episode erzählen wir ausführlich in Gunnlöd und der Raub des Dichtermets.
Der Mythos ist mehr als eine Räuberpistole. Er erklärt, warum die Skalden ihre eigene Kunst in kenningar beschrieben – kunstvollen Umschreibungen –, die alle auf den Met verweisen. Snorri zählt sie gleich nach der Erzählung auf: Dichtung heißt „Kvasirs Blut“, „Trank der Zwerge“, „Suttungrs Met“, „Odins Fang“ oder „Odins Gabe“, „Trank der Asen“. Ein Skalde, der ein Gedicht vortrug, schenkte also im Bild Odins Met aus.
Diese Bildsprache ist nicht erst bei Snorri belegt. Schon Skalden des 10. Jahrhunderts verwenden sie. Der Isländer Egill Skallagrímsson beginnt sein Trauergedicht Sonatorrek mit der Klage, es falle ihm schwer, die Zunge zu bewegen und „Odins Diebesgut“ aus dem Gedanken zu heben. Für Egill war Dichten buchstäblich das Wiedergeben eines göttlichen Trankes. Das heißt: Die Kernidee des Dichtermets ist älter als Snorris Prosafassung, auch wenn die Details – Spucke, Zwerge, Bohrer – in dieser Form erst bei ihm stehen.
Eine zweite, ältere Spur findet sich in der Liederedda selbst, in den Hávamál, den „Sprüchen des Hohen“. Mitten in den Ratschlägen zum Trinken spricht Odin plötzlich über sich selbst – und gibt zu, einmal gründlich über die Stränge geschlagen zu haben:
„Der Reiher des Vergessens kreist über Gelagen, er stiehlt den Männern den Verstand; in den Federn dieses Vogels lag ich gefesselt im Hof der Gunnlǫð.“Hávamál 13, eigene Übertragung
„Trunken war ich, übertrunken, beim weisen Fjalarr; das beste Gelage ist das, von dem jeder seinen Verstand wieder heimbringt.“Hávamál 14, eigene Übertragung
Hier ist der Gott kein Held, sondern ein abschreckendes Beispiel. Der „Fjalarr“ hier ist übrigens vermutlich nicht Snorris Zwerg, sondern ein anderer Name für Suttungr oder einen Riesen; die Forschung ist sich da nicht einig. Wichtiger ist die Lehre: Met bringt Weisheit, aber zu viel davon nimmt sie wieder. Die Hávamál sagen es an anderer Stelle ganz nüchtern:
„Halt nicht am Becher fest, trink aber Met mit Maß; sprich, was nötig ist, oder schweig.“Hávamál 19, eigene Übertragung
Später, in den Strophen 104 bis 110, erzählt Odin den Raub noch einmal aus eigener Sicht: wie er sich mit dem Bohrer Rati durch den Fels fraß, wie Gunnlǫð ihm auf goldenem Stuhl einen Trunk des kostbaren Mets reichte und wie er ihr das schlecht vergolten habe. Selten wirkt der Göttervater so menschlich. Wer die Strophen im Original nebeneinander lesen möchte, findet sie in unserer zweisprachigen Hávamál.
Der Met hat in der Götterwelt noch einen zweiten Auftritt – und der ist deutlich friedlicher. Auf dem Dach von Walhall steht die Ziege Heiðrún und frisst von den Zweigen des Baumes Læraðr. Aus ihrem Euter fließt Met, so viel, dass jeden Tag ein großes Gefäß damit gefüllt wird. So beschreibt es das eddische Lied Grímnismál (Strophe 25), und Snorri ergänzt in der Gylfaginning, der Met reiche aus, damit alle Einherjar, die gefallenen Krieger, sich daran satt trinken können.
Im Diesseits war Met knapp und teuer. Im Jenseits der Krieger dagegen fließt er unerschöpflich – aus einer Ziege, die nie gemolken werden muss. Es ist das Gegenbild zur Wirklichkeit: Walhall ist der Ort, an dem der Hausherr nie geizig sein muss. Mehr zu Heiðrún und ihrem Nachbarn auf dem Dach liest du in Heidrun und Eikthyrnir. Und auch das Gelage der Götter bei Ægir, wo Thor den riesigen Braukessel herbeischaffen muss, kreist um die Frage, wer genug zu trinken auftischen kann – davon erzählt Ægirs Gelage.
Getrunken wurde aus Hörnern, Holzbechern, Daubenschalen und – bei den Reichsten – aus importiertem Glas. Ein Trinkhorn kann man nicht abstellen – wer es bekam, trank aus oder reichte weiter. Auf gotländischen Bildsteinen des 8. und 9. Jahrhunderts sieht man Frauen, die einem Reiter ein Horn entgegenhalten, und aus Birka und anderen Fundorten kennen wir kleine Silberanhänger von Frauenfiguren mit Trinkhorn. Ob damit Walküren beim Empfang in Walhall gemeint sind oder die Hausherrin beim Willkommenstrunk, ist Deutung – beides ist denkbar.
Die festlichste Form des Trinkens beschreiben die Königssagas. In der Hákonar saga góða der Heimskringla (Kap. 14 nach isländischer Zählung, in Laings englischer Übersetzung Kap. 16) schildert Snorri ein Opferfest in Hlaðir bei Trondheim: Zuerst wurde Odins Becher (Óðins full) für Sieg und Macht des Königs geleert, dann die Becher für Njörðr und Freyr „für ein gutes Jahr und Frieden“. Danach tranken viele den bragafull, den Becher, über dem man Gelübde ablegte. Schließlich tranken die Gäste das minni – den Erinnerungstrunk auf die verstorbenen Verwandten.
Der Bragafull taucht auch bei Erbmählern auf: Der Erbe trat das Erbe erst an, wenn er sich beim Bragafull erhob, ein Gelübde sprach und den Becher leerte – so erzählt es Snorri in der Ynglinga saga vom Schwedenkönig Ingjaldr. Ob braga- auf den Gott Bragi oder auf das Wort bragr („der Beste“, „Dichtkunst“) zurückgeht, ist umstritten. Wichtig ist der Kern: Ein Trunk in Gemeinschaft machte ein Wort verbindlich. Das moderne Ritual, das sich daran anlehnt, heißt sumbel; wie es heute gefeiert wird, beschreiben wir in Wie feiern Heiden heute? Blót und Sumbel erklärt.
Eine Einschränkung gehört dazu. Snorri schrieb im 13. Jahrhundert als Christ über ein heidnisches Fest, das zweihundertfünfzig Jahre zurücklag. Seine Becherfolge ist Rekonstruktion, kein Protokoll. Dass bei solchen Festen getrunken, gelobt und der Toten gedacht wurde, gilt als gut begründet. Ob es immer Met war, sagt Snorri übrigens gar nicht – er spricht schlicht vom Bier, das beim Opfer getrunken wurde.
Wenn du nach all dem Lust bekommen hast, selbst einen Met anzusetzen: Das ist erfreulich unkompliziert. Wichtig vorab – das folgende Rezept ist modern. Ein überliefertes Originalrezept aus der Wikingerzeit gibt es nicht. Begründet ist nur das Prinzip: Honig, Wasser, Hefe und gegebenenfalls Kräuter oder Beeren, wie sie die Funde von Egtved und die „Nordic Grog“-Analysen nahelegen.
Für etwa 4 Liter: 1,2 bis 1,5 Kilogramm Honig (ein milder Blüten- oder Lindenhonig), Wasser bis knapp 4 Liter Gesamtmenge, ein Päckchen Weinhefe und etwas Hefenährsalz aus dem Fachhandel. Den Honig in lauwarmem Wasser (nicht kochen, sonst verfliegen die Aromen) auflösen, in eine gründlich gereinigte Glasballonflasche füllen, Hefe zugeben und mit einem Gärspund verschließen. Bei 18 bis 22 Grad gärt der Met einige Wochen. Wenn kaum noch Bläschen aufsteigen, ziehst du ihn vorsichtig von der abgesetzten Hefe ab und lässt ihn mehrere Monate nachreifen. Junger Met schmeckt oft scharf und hefig; nach einem halben Jahr wird er rund.
Historischer wird es mit einer Handvoll getrockneter Preiselbeeren oder ein paar Gagelblättern – Gagel war lange das Würzkraut des Nordens, ist aber in größeren Mengen nicht unbedenklich, also sparsam dosieren.
Zum Rechtlichen nur so viel: In Deutschland ist es erlaubt, Honigwein für den Eigenbedarf herzustellen; nicht schäumende Fruchtweine und Met unterliegen keiner eigenen Verbrauchsteuer, anders als selbstgebrautes Bier, das ab einer gewissen Menge beim Zoll angemeldet werden muss. Verkaufen ist ein anderes Thema, und Destillieren ohne Erlaubnis ist verboten. In anderen Ländern gelten andere Regeln – informiere dich, bevor du dein erstes Fass anstichst.
Und dann füllst du ein Horn, hebst es im Kreis deiner Leute und erinnerst dich an die, die nicht mehr da sind. Dafür gravieren wir in unserer Werkstatt in Alsdorf Trinkhörner, Gläser und Tafeln mit Runen und Motiven aus der Edda. Ein Hávamál-Spruch wirkt auch bei Apfelschorle.
Was ist Met genau? Met ist vergorener Honigwein: Honig wird mit Wasser verdünnt und von Hefe zu Alkohol vergoren. Anders als Bier braucht er kein Getreide, anders als Wein keine Trauben.
Haben die Wikinger wirklich Met getrunken? Ja, aber selten. Met war wegen des knappen Honigs ein Festgetränk der Wohlhabenden; im Alltag tranken die Menschen vor allem Bier, Milch, Molke und Wasser.
Was ist der Dichtermet? Ein mythischer Met aus dem Blut des weisen Kvasir und Honig, der jeden Trinkenden zum Dichter macht. Odin raubte ihn unter dem Namen Bǫlverkr dem Riesen Suttungr; Snorri erzählt das in der Skáldskaparmál.
Wie alt ist Met? Archäologisch lassen sich honighaltige Getränke im Norden bis in die Bronzezeit zurückverfolgen, etwa im Grab von Egtved um 1370 v. Chr. Dort war es allerdings ein Mischgetränk aus Getreide, Honig und Beeren.
Wie viel Alkohol hat Met? Moderner Met liegt meist zwischen etwa 8 und 14 Prozent. Wie stark historische Getränke waren, lässt sich nicht genau sagen.
Darf man Met selbst herstellen? In Deutschland ist die Herstellung für den Eigenbedarf erlaubt. Für Verkauf und Destillation gelten strenge Regeln; in anderen Ländern solltest du die örtlichen Gesetze prüfen.
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