Echte Wikinger-Motive für Gravur und Tattoo sind vor allem der Thorshammer, das heute Valknut genannte Dreiecksgeflecht, die Triquetra, Schiffe von Bildsteinen, Raben, Wölfe, Schlangen, das Große Tier von Jelling, die sechs Tierstile von Oseberg bis Urnes und Runen des Jüngeren Futhark. Vegvísir und die Ægishjálmur-Zeichen stammen dagegen aus isländischen Zauberbüchern der Neuzeit. Hier findest du Fundorte und Datierungen, eine Übersichtstabelle und den Praxisteil: Namen richtig in Runen schreiben, Material, Größe und Lesbarkeit.

Ein Motiv auf der Haut bleibt ein Leben lang, eines auf Schiefer oft Jahrzehnte. Deshalb vorher die Frage: Hat das irgendwer in der Wikingerzeit tatsächlich so gemacht, gesehen, getragen? Oder hat es sich jemand im 19. Jahrhundert, in den 1990ern oder letzte Woche für einen Onlineshop ausgedacht?
Beides darf schön sein. Ärgerlich wird es nur, wenn du ein „uraltes Wikingerzeichen" bezahlst und ein isländisches Zauberzeichen aus dem 19. Jahrhundert bekommst – oder wenn dein Name in Runen dasteht, die ein Wikinger nicht hätte lesen können. Dieser Artikel sortiert deshalb streng (den allgemeinen Überblick gibt es unter Wikinger-Symbole und ihre Bedeutung): Was ist durch Funde aus der Wikingerzeit (grob 790 bis 1066) belegt, was stammt aus späteren Handschriften, was ist reine Neuschöpfung? Dazu gibt es den Praxisteil, den wir in der Werkstatt jede Woche brauchen: Runen richtig schreiben, Material, Größe, Lesbarkeit.
Wenn ein Zeichen ohne Wenn und Aber in die Wikingerzeit gehört, dann der Hammer Thors. Kleine Hammeranhänger aus Silber, Bronze, Eisen und vereinzelt Bernstein sind vor allem aus dem 10. und frühen 11. Jahrhundert bekannt, mit Schwerpunkt in Dänemark, Südschweden und Südnorwegen. Ältere Übersichten zählten nur einige Dutzend sorgfältig gearbeiteter Anhänger; dazu kommen die schlichten eisernen „Hammerringe" aus Mittelschweden und von den Åland-Inseln, an denen mehrere Miniaturhämmer hängen, und eine stetig wachsende Zahl von Detektorfunden.
Einige Stücke sind so berühmt, dass sie heute als Vorlagen kursieren: der silberne Anhänger von Erikstorp in Östergötland mit seinem stilisierten Kopf mit großen Augen; der Goldschmuck von Hiddensee, bei dem sich bis heute streiten lässt, ob die Anhänger Hammer oder Kreuz meinen; und die Gussform von Trendgården in Nordjütland, in der ein Handwerker nebeneinander Kreuze und Hämmer gießen konnte. Ein besonders schöner Beleg kam 2014 auf Lolland ans Licht: Der Bronzeanhänger von Købelev trägt eine Runeninschrift, die als hmar is gelesen wird, „Hammer ist das".
Für die Gravur heißt das: Wer einen Thorshammer möchte, kann sich an einem konkreten Fund orientieren und hat damit ein Motiv mit Fundort und Datierung. Mehr zur Entwicklung erzählt unser Artikel Der Thorshammer Mjölnir – von der Axt zum Hammer.
Drei ineinander verschlungene Dreiecke – das Zeichen, das heute „Valknut" heißt, ist tatsächlich alt. Es erscheint auf zwei gotländischen Bildsteinen aus Lärbro: auf Stora Hammars I, in einer Szene, die oft als Opfer an einem Galgen gedeutet wird, und auf Tängelgårda I, wo es über Reitern und Kriegern schwebt. Beide Steine werden meist ins 8. Jahrhundert gesetzt. Dazu kommt eine ähnliche Figur auf einem Bettpfosten aus dem Oseberg-Grab in Norwegen (Bestattung 834) und, außerhalb Skandinaviens, der angelsächsische goldene Ring aus dem Fluss Nene.
Das Motiv ist also belegt. Was nicht belegt ist: der Name und die feste Bedeutung. Das Wort valknut ist eine moderne skandinavische Bildung, etwa „Knoten der Gefallenen". Die Nähe zu Odin, Tod und Schlachtfeld ist eine plausible Deutung, weil das Zeichen auf den Steinen in solchen Szenen steht – aber eben eine Deutung.
Wer es genauer wissen will, findet die Fundgeschichte in Valknut, Vegvísir & Ægishjálmur – echt oder erfunden? und die Steine selbst in Die Bildsteine von Gotland.
Die Triquetra, ein Knoten aus drei spitzen Bögen, ist kein Fantasy-Zeichen. Sie kommt auf skandinavischen Steinen und Metallarbeiten vor, und sie erscheint im 10. Jahrhundert auf Münzen der nordischen Könige von York, etwa unter Anlaf (Óláfr) Sihtricsson. Gleichzeitig ist sie ein Motiv der irischen und angelsächsischen Buchmalerei und später ein christliches Symbol der Dreifaltigkeit. Das macht sie zum klassischen Grenzgänger: echt, alt, aber nicht exklusiv „wikingisch".
Verwandt, aber nicht dasselbe, ist das Zeichen auf dem dänischen Snoldelev-Stein (9. Jahrhundert): drei ineinander greifende Trinkhörner. Hintergründe zur Triquetra stehen in Die Triquetra: Der Dreiheitsknoten und seine Bedeutung.
Während im Netz Kompass-Zeichen und Runenkreise rotieren, haben die Handwerker der Wikingerzeit eine ganze Bildsprache hinterlassen: ineinander verschlungene Tiere, Bänder, Ranken, Greiftiere. Die Forschung unterscheidet sechs Hauptstile, benannt nach Fundorten. Die Datierungen überlappen und schwanken je nach Autor um einige Jahrzehnte:
Warum ist das für Gravur und Tattoo so interessant? Weil jedes Stück einen echten Bezugspunkt hat. Du kannst sagen: „Das ist nach dem Mammen-Axtmuster" oder „Das folgt dem Urnes-Portal". Eine gute Einführung gibt Die Kunststile der Wikingerzeit: Oseberg bis Urnes, und das Paradestück des letzten Stils zeigt Das Urnes-Portal.
Eine Einschränkung, ehrlich gesagt: Freie Neukompositionen „im Stil von" sind moderne Arbeiten. Das ist völlig legitim, nur sollte man sie nicht als Kopie eines Fundes verkaufen.
Der größere der beiden Jelling-Steine, den Harald Blauzahn in den 960er- bis 980er-Jahren für seine Eltern Gorm und Thyra setzen ließ, hat drei Seiten. Eine trägt die Runeninschrift, eine den gekreuzigten Christus in Ranken, und eine das sogenannte Große Tier: ein vierbeiniges Wesen mit Mähne, das von einer Schlange umschlungen wird. Oft heißt es „Jelling-Löwe", obwohl niemand weiß, ob ein Löwe gemeint war. Es ist ein Leitstück des Mammen-Stils.
Als Motiv ist das Große Tier ein Glücksfall: königlich, eindeutig datiert, ausdrucksstark in der Silhouette. Es trägt sich gut auf größeren Flächen – Oberarm, Schulterblatt, Wade, oder eine Schieferplatte ab etwa A4.
Die gotländischen Bildsteine sind eine Bilderbibliothek. Vom 8. bis ins 10. Jahrhundert zeigen viele von ihnen große Segelschiffe mit gewölbtem Rumpf, rautenförmig verstärktem Segel und einer Besatzung, die als Reihe kleiner Köpfe angedeutet ist. Darüber Reiter, Kämpfer, Frauen mit Trinkhorn, gelegentlich ein achtbeiniges Pferd. Auch außerhalb Gotlands gibt es Schiffsbilder, etwa auf dem schwedischen Sparlösa-Stein oder dem schonischen Tullstorp-Stein.
Ein Schiff nach einem Bildstein ist ein ausgezeichnetes Motiv: echt, erzählerisch und in der Linienführung so schlicht, dass es auch klein noch funktioniert.
Odins Raben Huginn („Gedanke") und Muninn („Erinnerung") kennen wir namentlich aus der Lieder-Edda, im Grímnismál, aufgeschrieben im 13. Jahrhundert. Bildlich gibt es ältere Spuren. Auf den gepressten Blechen der Helme von Vendel und Valsgärde (6./7. Jahrhundert, also vor der Wikingerzeit) reiten Krieger, über deren Kopf zwei Vögel fliegen. Die kleine Silberfigur von Lejre in Dänemark, in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts datiert, zeigt eine Gestalt auf einem Thron, an dessen Rückenlehne zwei Vogelköpfe sitzen. Dazu kommen zahlreiche vogelförmige Fibeln und im 10. Jahrhundert ein Rabe auf Münzen des nordischen Königs Anlaf Guthfrithsson in York.
Wölfe sind ebenso präsent, etwa auf den Torslunda-Blechen von Öland mit dem Wolfskrieger und auf dem Kreuz des Thorwald auf der Isle of Man. Die zwei Raben im Kreis mit Runenumschrift, wie man sie tausendfach sieht, sind dagegen modern zusammengesetzt. Mehr dazu in Hugin und Munin: Odins Raben zwischen Gedanke und Gedächtnis.
Schlangen sind in der späten Wikingerzeit allgegenwärtig, vor allem als Runenband: Auf Hunderten schwedischer Runensteine des 11. Jahrhunderts läuft die Inschrift im Körper einer Schlange. Auf dem Altuna-Stein in Uppland (11. Jahrhundert) sitzt Thor im Boot, angelt mit einem Ochsenkopf und hat den Hammer erhoben, sein Fuß stößt durch den Bootsboden; ähnlich der dänische Hørdum-Stein. Und in Gosforth in Cumbria steht ein Steinkreuz aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, an dem Szenen aus Ragnarök auf einem christlichen Monument erscheinen; in der Kirche liegt dazu ein Stein mit Thors Fischfang.
Für eine Gravur sind die Schlangenbänder der Runensteine fast ideal: Sie geben eine natürliche Rahmenform vor, in die sich eine Inschrift legen lässt, wie bei den Steinmetzen damals.
Der Weltenbaum ist in der Edda zentral, aber ein eindeutiges Bild von Yggdrasil aus der Wikingerzeit gibt es nicht. Manche deuten einen Baum auf den Wandbehängen von Överhogdal in Nordschweden als Weltenbaum, doch das bleibt eine Interpretation. Die runden Baum-Designs mit symmetrischer Krone, verknoteten Wurzeln und Runenkreis, die man überall kaufen kann, sind modern.
Das heißt nicht, dass du keinen Baum tragen solltest. Er sollte nur nicht mit der Behauptung kommen, „so hätten ihn die Wikinger gezeichnet". Elegant: einen Baum in einer echten Stilsprache gestalten lassen, etwa mit Urnes-Schleifen als Wurzeln.
Runen sind das heikelste Motiv, weil sie Text sind: Einen falsch geschriebenen Namen liest jeder, der Runen kann.
Zuerst die Reihe. Das Ältere Futhark mit 24 Zeichen war etwa vom 2. bis ins 8. Jahrhundert in Gebrauch. In der Wikingerzeit schrieb man im Norden das Jüngere Futhark mit nur 16 Zeichen, in den Varianten Langzweig- und Kurzzweigrunen. Der Rök-Stein um 800 und die Jelling-Steine sind in jüngeren Runen geschrieben. Wer also ausdrücklich ein „Wikinger"-Motiv mit Runen möchte, landet beim Jüngeren Futhark. Die Unterschiede erklärt Älteres und Jüngeres Futhark – der Vergleich, die Grundlagen Die Runen – eine ehrliche Einführung.
Runen sind keine Geheimschrift für das lateinische Alphabet, sondern eine Lautschrift. Man schreibt, was man hört, nicht wie es geschrieben wird. Das nennt man Transliteration, und sie unterscheidet sich je nach Reihe.
Ein Beispiel: Thomas. Das „Th" ist ein Laut, kein T plus H. Im Älteren Futhark wird daraus ᚦᛟᛗᚨᛋ (þ-o-m-a-s). Im Jüngeren Futhark gibt es kein eigenes O, man nimmt die U-Rune: ᚦᚢᛘᛅᛋ (þ-u-m-a-s). Zweites Beispiel: Sven. Im Jüngeren Futhark fehlen V und E; das V wird mit der U-Rune geschrieben, das E mit der I-Rune: ᛋᚢᛁᚾ. So stand es auch tatsächlich auf Runensteinen, der Name Sveinn erscheint dort als suin. Im Älteren Futhark dagegen: ᛋᚹᛖᚾ.
Soll es kein Name, sondern eine einzelne Rune sein, hilft Welche Rune soll ich gravieren lassen?. Doppelkonsonanten wurden in jüngeren Runen meist nur einmal geschrieben; Anna wird zu ᛅᚾᛅ. Und für Laute wie das deutsche „sch", das „ch" oder das „ü" gibt es keine eigene Rune; hier muss man eine lautliche Lösung finden und sie bewusst entscheiden. Unser Runen-Namensgeber und der Runen-Übersetzer helfen beim ersten Entwurf, und vor jeder Gravur prüfen wir den Namen zusätzlich von Hand.
Was uns an Vorlagen auf den Tisch kommt, zeigt immer wieder dieselben Stolperfallen:
Der Vegvísir, der achtarmige „Wegweiser", ist zuerst im sogenannten Huld-Manuskript belegt, das Geir Vigfússon 1860 in Akureyri auf Island zusammenstellte. Das Wort „Wikinger-Kompass" ist eine Erfindung des Marketings.
Der Ægishjálmur, der „Schreckenshelm", ist eine Spur älter – aber nur als Wort. In der Edda, im Fáfnismál, rühmt sich der Drache Fafnir, er habe den Schreckenshelm gegen alle Menschen getragen. Ein Zeichen ist dort nicht beschrieben. Die bekannten Strahlenfiguren mit Dreizackenden stammen aus isländischen Zauberbüchern der frühen Neuzeit, etwa des 17. bis 19. Jahrhunderts.
Ebenfalls modern sind die „Runen-Kreise", bei denen das Futhark ringförmig um ein Symbol läuft, das Web of Wyrd mit seinem Raster aus allen 24 Runen, eine Schöpfung des späten 20. Jahrhunderts, und die meisten „keltischen" Knoten, die heute mit dem Norden verbunden werden. Viele davon gehen auf Konstruktionsmethoden zurück, die der Schotte George Bain 1951 in seinem Buch über keltische Ornamentik veröffentlichte; auf dieser Grundlage entstanden unzählige Neuschöpfungen. Die ganze Geschichte erzählt Vegvísir & Ægishjálmr – die berühmten „Wikinger-Symbole", die gar keine sind.
| Motiv | belegt seit | Fundbeispiel | Eignung für Gravur/Tattoo |
|---|---|---|---|
| Thorshammer | Wikingerzeit, v. a. 10. Jh. | Erikstorp, Købelev (mit Runen), Gussform Trendgården | sehr gut; klare Silhouette, auch klein |
| Valknut (Name modern) | 8. Jh. | Bildsteine Stora Hammars I und Tängelgårda I, Gotland | sehr gut; geometrisch, gut skalierbar |
| Triquetra | vor- und wikingerzeitlich, nicht nur nordisch | Münzen der nordischen Könige von York, 10. Jh. | gut; einfache Linie |
| Tierstile | ca. 770–1130 | Oseberg, Borre, Jelling-Becher, Mammen-Axt, Urnes-Portal | hervorragend; braucht Fläche |
| Großes Tier | 960er–980er | Großer Jelling-Stein | sehr gut ab mittlerer Größe |
| Schiff | 8.–10. Jh. (Bildsteine) | gotländische Bildsteine, Sparlösa | sehr gut; schlichte Linien |
| Raben/Wölfe | Vendelzeit bis Wikingerzeit | Helmbleche Vendel/Valsgärde, Lejre-Figur, Torslunda | gut; nach Vorbild umzeichnen |
| Midgardschlange | 10.–11. Jh. | Altuna-Stein, Hørdum, Gosforth | gut als Rahmen oder Band |
| Jüngere Runen | ab 8. Jh. | Rök-Stein, Jelling-Steine | sehr gut, wenn korrekt transliteriert |
| Yggdrasil-Bild | kein eindeutiger Beleg | Överhogdal (Deutung umstritten) | als moderne Gestaltung möglich |
| Vegvísir | 1860 | Huld-Manuskript, Island | schön, aber nicht wikingerzeitlich |
| Ægishjálmur (Zeichen) | frühe Neuzeit | isländische Zauberbücher | schön, aber nicht wikingerzeitlich |
| Web of Wyrd | spätes 20. Jh. | moderne Esoterikliteratur | modern |
Ein Motiv ist nur so gut wie seine Umsetzung. Und die hängt am Untergrund. Naturschiefer ist geschichtet. Der Laser trägt die dunkle Oberfläche ab und legt hellere Schichten frei; das gibt den typischen samtigen Kontrast. Sehr feine Haarlinien können dabei an den Kanten leicht ausbrechen oder im Spiel der Schieferstruktur verschwinden. Kräftige Linien und gefüllte Flächen wirken dagegen hervorragend. Beispiele zeigt unsere Schiefergravur.
Kristallglas verzeiht feine Details am besten: Die Gravur erscheint als mattes Weiß im klaren Glas und bleibt scharf. Holz dunkelt beim Lasern, aber Maserung und Jahresringe nehmen unterschiedlich viel Energie auf, sodass feine Linien im Spätholz anders aussehen als im Frühholz.
Haut ist ein lebendes Material. Tätowierte Linien verlaufen über die Jahre etwas, Abstände schließen sich. Was heute als filigranes Urnes-Band begeistert, kann in zwanzig Jahren zu einem grauen Fleck werden, wenn es zu klein angelegt wurde. Runen auf der Haut sollten groß genug sein, dass die Zweige nicht zulaufen; das betrifft besonders Zeichen mit eng stehenden Ästen wie ᛗ oder ᛞ im Älteren Futhark.
Ob Wikinger selbst tätowiert waren, ist übrigens eine eigene, spannende Frage. Ibn Faḍlān beschrieb um 922 Rus an der Wolga, die vom Fingernagel bis zum Hals mit Bäumen und Figuren bedeckt gewesen seien; ob das Tätowierungen oder Bemalung waren, ist umstritten. Die ganze Spurensuche findest du in Waren die Wikinger tätowiert?.
Drei Faustregeln haben sich bei uns bewährt. Erstens: Je detailreicher der Stil, desto mehr Fläche braucht er. Ein Oseberg-Greiftier lebt von seinen vielen kleinen Pfoten, ein Thorshammer von seiner Silhouette. Zweitens: Runen müssen gelesen werden können. Unter etwa einem halben Zentimeter Zeichenhöhe wird es auf Schiefer eng, auf Glas geht etwas weniger, auf Holz hängt es von der Maserung ab. Drittens: Ein Motiv pro Fläche. Thorshammer plus Valknut plus Vegvísir plus Runenkreis plus Rabe ist kein Wikingermotiv, sondern ein Musterkatalog.
Wenn du unsicher bist, schick uns deine Idee über die Wunschgravur. Wir sagen dir offen, ob ein Motiv in der gewünschten Größe funktioniert, aus welchem Fund es stammt, und ob die Runen stimmen – auch wenn du am Ende nicht bei uns bestellst.
Viele Kunden fragen zuerst: „Was bedeutet das?" Bei den echten Motiven der Wikingerzeit ist die ehrliche Antwort oft: Wir wissen es nur teilweise. Ein Hammeranhänger hatte sicher eine schützende, religiöse Funktion. Was ein Mammen-Tier „bedeutete", ob überhaupt etwas Bestimmtes, ist offen. Die präzisen Bedeutungslisten im Netz („die Triquetra steht für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft") sind fast immer modern.
Für viele Menschen ist der Thorshammer heute kein Deko-Element, sondern ein religiöses Zeichen. Die isländische Ásatrúarfélagið wurde 1972 gegründet und ist seit 1973 staatlich anerkannt; in Skandinavien, Deutschland und anderswo gibt es Gemeinschaften, die die alten Götter verehren und dabei oft ausgesprochen quellenkritisch vorgehen.
Das heißt nicht, dass nur Gläubige ihn tragen dürfen. Es heißt nur, dass es sich lohnt, ein solches Zeichen nicht lächerlich zu machen – kein Hammer als Partygag, keine Runen als Fantasie-Kauderwelsch. Wer mehr über die heutige Praxis wissen möchte, liest Asatru heute – organisiert, quellenkritisch, lebendig.
Welche Wikinger-Symbole sind wirklich echt? Gut belegt sind Thorshammer, das heute Valknut genannte Dreiecksgeflecht, Triquetra, die sechs Tierstile, das Große Tier von Jelling, Schiffe, Raben, Wölfe, Schlangen und das Jüngere Futhark. Vegvísir, Ægishjálmur-Zeichen und Web of Wyrd sind deutlich jünger.
Ist der Vegvísir ein Wikinger-Symbol? Nein. Er ist zuerst in einer isländischen Handschrift von 1860 belegt, dem Huld-Manuskript. Als Motiv ist er trotzdem beliebt und darf getragen werden – nur eben als isländisches Zauberzeichen der Neuzeit.
Welche Runen haben die Wikinger benutzt? Das Jüngere Futhark mit 16 Zeichen. Das Ältere Futhark mit 24 Zeichen war zur Wikingerzeit schon außer Gebrauch.
Wie schreibe ich meinen Namen richtig in Runen? Nach dem Klang, nicht nach der Schreibung, und in einer einzigen Runenreihe. Lass das Ergebnis vor dem Tattoo oder der Gravur von jemandem prüfen, der Runen lesen kann.
Welches Wikinger-Motiv eignet sich für ein kleines Tattoo? Klare Silhouetten wie Thorshammer, Valknut oder ein Schiff nach einem Bildstein. Tierstile brauchen Fläche, damit die Linien auf Dauer lesbar bleiben.
Kann ich ein Wikinger-Motiv auf Schiefer gravieren lassen? Ja, Schiefer passt besonders gut zu Runen, Hämmern und Bildstein-Motiven. Bei sehr feinen Tierornamenten planen wir die Größe so, dass die Linien sauber stehen; Vorlagen und Ideen nehmen wir über die Wunschgravur an.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

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