Wikinger-Symbole wie Thorshammer, Valknut, Rabe, Drachenschiff und die Tierornamente sind durch Funde aus der Wikingerzeit belegt, viele andere „nordische Symbole“ dagegen nicht: Vegvísir und Ægishjálmur stammen aus isländischen Zauberbüchern der Neuzeit, Trollkreuz und Web of Wyrd aus den 1990er-Jahren. In diesem Überblick erklären wir jedes Zeichen einzeln – was es bedeutet, wie alt es wirklich ist und wie gut die Belege sind. Zu jedem Symbol führt ein Link zu unserem ausführlichen Artikel, und am Ende gibt es Tipps für die Gravur.
Auf einem Wikingermarkt in Norddeutschland, an einem Stand mit Anhängern, hängen sie friedlich nebeneinander: ein Thorshammer, ein Vegvísir, ein Valknut, ein Trollkreuz. Alles „Wikinger“, verspricht das Schild. Nur liegen zwischen dem ältesten und dem jüngsten dieser vier Zeichen rund tausend Jahre. Der Hammer wurde im 10. Jahrhundert in Gräber gelegt. Das Trollkreuz hat eine Schmiedin in Schweden in den späten 1990er-Jahren entworfen. Der Vegvísir steht zum ersten Mal in einer isländischen Handschrift von 1860.
Das macht keines davon wertlos. Aber wer sich ein Symbol um den Hals hängt, in Schiefer gravieren lässt oder unter die Haut sticht, will in der Regel wissen, woher es kommt. Genau dafür ist dieser Überblick da: Wir gehen die bekanntesten Wikinger-Symbole einzeln durch, sagen dir, was sie bedeuten, wie gut sie belegt sind – und verlinken dich jeweils auf unseren ausführlichen Artikel, wenn du tiefer graben willst.
Zuerst die Kurzfassung als Tabelle. „Zeit“ meint die frühesten sicheren Belege, „Status“ unsere ehrliche Einordnung.
| Symbol | Zeit | Beleg | Status |
|---|---|---|---|
| Thorshammer (Mjölnir) | vor allem 10. Jh. | rund 1.000 Anhänger, Runensteine, Edda | echt wikingerzeitlich |
| Valknut | 8.–10. Jh. | Bildsteine Gotland, Oseberg-Fund | Zeichen echt, Name modern |
| Yggdrasil | Texte 13. Jh. | Edda, Skaldik; kein sicheres Bild | echter Mythos, Bildmotiv modern |
| Runen | ab 2. Jh. | Tausende Inschriften | echt (älteres Futhark vorwikingisch) |
| Rabe / Hugin & Munin | 6.–11. Jh. | Helmbleche, Münzen, Lejre-Figur, Edda | echt wikingerzeitlich |
| Speer / Gungnir | 6.–13. Jh. | Bilddarstellungen, Edda, Sagas | echt, Name aus Texten |
| Drachenkopf / Schiff | 9.–11. Jh. | Oseberg, Bildsteine, Skaldik | echt wikingerzeitlich |
| Tierstile | 9.–12. Jh. | Hunderte Objekte, Urnes-Portal | echt wikingerzeitlich |
| Triquetra | 7.–11. Jh. | insulare Kunst, Runensteine, Münzen | echt, aber nicht nur nordisch |
| Vegvísir | 1860 | Huld-Handschrift, Island | isländische Neuzeit |
| Ægishjálmur | Wort: Edda; Zeichen: Neuzeit | isländische Zauberbücher | Zeichen nachwikingisch |
| Svefnþorn | Wort: 13. Jh. | Sagas; Zeichenform spät | Wort alt, Zeichen jung |
| Trollkreuz | späte 1990er | Schmuckentwurf, Schweden | modern |
| Web of Wyrd | 1990er | Buchcover, 1993 | modern |
Bevor es losgeht, kurz zu unserem Werkzeugkasten. Für die Wikingerzeit (etwa 793 bis 1066) gibt es drei Arten von Quellen, und sie sind nicht gleich viel wert.
Funde sind das Härteste, was wir haben: ein Anhänger aus einem Grab, ein Bildstein, eine geschnitzte Planke. Sie zeigen, dass ein Zeichen damals tatsächlich gemacht und benutzt wurde. Was es bedeutete, sagen sie nicht – Gegenstände sprechen nicht.
Texte erzählen die Bedeutung, kommen aber spät. Die Edda und die Sagas wurden im 13. Jahrhundert auf Island aufgeschrieben, von Christen, mehr als 200 Jahre nach dem Ende der heidnischen Religion. Ältere Gedichte stecken darin, aber nie ungefiltert. Ausnahmen sind Runeninschriften und Skaldenverse, die teils direkt aus der Wikingerzeit stammen.
Moderne Deutungen schließlich – aus Esoterik, Neuheidentum, Fantasy, Schmuckhandel – sind nicht verboten, aber sie sind etwas anderes. Ein Symbol kann eine echte, gelebte Bedeutung haben, auch wenn es erst 30 Jahre alt ist. Es sollte nur niemand behaupten, die Wikinger hätten es getragen.
Wer die Debatte grundsätzlicher lesen will, findet sie in unserem Artikel Welche nordischen Symbole sind echt – und welche erfunden?. Hier geht es um das einzelne Zeichen.

Wenn es ein Zeichen gibt, das du ohne jedes Bauchgrummeln „Wikinger-Symbol“ nennen darfst, dann ist es der Thorshammer. Rund 1.000 Hammeranhänger sind bekannt, aus Eisen, Bronze, Blei, Silber, vereinzelt aus Gold oder Bernstein. Sie stammen aus Gräbern, Schatzfunden und Zufallsfunden, mit einem Schwerpunkt im heutigen Dänemark und Südschweden, aber auch aus Norwegen, England, dem Baltikum und Russland. Bemerkenswert: Nach Angaben aus dem Umfeld des Dänischen Nationalmuseums kommen die meisten aus Frauengräbern. Der Hammer war kein Kriegerabzeichen.
Die große Mode der Anhänger fällt ins 10. Jahrhundert, also genau in die Zeit, in der das Christentum in Skandinavien Fuß fasste. Das berühmteste Stück dazu ist eine Gussform aus Speckstein von Trendgården in Nordjütland: Sie hat Platz für einen Hammer und zwei Kreuze. Der Schmied bediente beide Kundschaften mit demselben Stein. Viele Forscher lesen den Hammer deshalb auch als heidnisches Gegenzeichen zum Kreuzanhänger – eine Deutung, die gut passt, aber eben Deutung bleibt.
Was der Hammer bedeutete, lässt sich aus Texten und Inschriften recht gut erschließen. In der eddischen Þrymskviða wird Mjölnir der vermeintlichen Braut in den Schoß gelegt, um sie zu weihen. Runensteine wie der dänische Stein von Glavendrup tragen die Formel „Thor weihe diese Runen“, und auf einigen Steinen, etwa in Södermanland, ist ein Hammer eingemeißelt. Schutz, Segen, Weihe: Das ist das Bedeutungsfeld, das die Quellen tragen. Mehr zum Gott selbst findest du bei Thor.
Drei ineinander verschlungene Dreiecke – der Valknut gehört zu den Zeichen, die wirklich auf wikingerzeitlichen und älteren Bildwerken auftauchen. Auf dem Bildstein Stora Hammars I und dem Stein von Tängelgårda auf Gotland steht er in Szenen, die mit Tod, Opfer und Odin verbunden werden: Krieger, ein Gehängter, Vögel, ein Reiter. Im Oseberg-Schiffsgrab (Norwegen, 834 bestattet) ist er auf einem Bettpfosten geschnitzt, und auch auf den Textilfragmenten aus diesem Grab wird er erkannt. Aus England kennt man ihn auf einem goldenen Fingerring vom Fluss Nene. Die gotländischen Steine stellen wir ausführlich bei den Bildsteinen von Gotland vor.
Das Problem ist der Name. „Valknut“ – grob „Knoten der Gefallenen“ – ist eine moderne norwegische Prägung. Wie die Menschen der Wikingerzeit das Zeichen nannten, ist unbekannt. Gern zitiert wird Snorris Beschreibung des Riesen Hrungnir, dessen Herz aus Stein und „dreieckig“ gewesen sei, wie ein Zeichen namens hrungnishjarta. Ob das unser Valknut ist, ist eine reizvolle, aber unbewiesene Vermutung.
Der Religionswissenschaftler Rudolf Simek hält wegen der Fundzusammenhänge eine Verbindung zum Totenkult für möglich; Hilda Ellis Davidson dachte an Odins Macht zu binden und zu lösen. Beides ist plausibel, nichts ist bewiesen. Wenn du den Valknut trägst, trägst du also ein echt altes Zeichen mit offener Bedeutung – und einem Namen aus der Neuzeit.
Yggdrasil ist streng genommen kein Symbol, sondern der Weltenbaum der nordischen Mythologie. Die Völuspá nennt ihn eine Esche, die feucht von weißem Tau steht; die Grímnismál erzählen von drei Wurzeln, einem Adler im Wipfel, Hirschen, die an den Zweigen nagen, und dem Drachen Níðhöggr, der unten an den Wurzeln frisst. Snorri hat das im 13. Jahrhundert zu einem geordneten Kosmos ausgebaut.
Ein zeitgenössischer Bericht ist ebenfalls interessant: Adam von Bremen erwähnt in den 1070er-Jahren beim Heiligtum von Uppsala einen riesigen, immergrünen Baum. Ob das ein irdisches Abbild des Weltenbaums war, wird diskutiert. Ein wikingerzeitliches Bild, das sicher Yggdrasil zeigt, gibt es dagegen nicht. Das heute verbreitete Motiv – ein runder Baum mit spiegelbildlichen Wurzeln, oft im Knotenmuster – ist eine moderne Gestaltung, angelehnt an keltische Lebensbaum-Designs.
Für eine Gravur ist Yggdrasil ein wunderbares Motiv, gerade für Familien, Hochzeiten, Hauseingänge. Du solltest nur wissen: Der Mythos ist alt, das Bild ist neu. Die verbreitete Zahl der „neun Welten“ ordnen wir in unserem Yggdrasil-Artikel ein.
Runen sind die älteste Schrift des Nordens – und das Thema, bei dem am meisten durcheinandergeht. Das ältere Futhark mit 24 Zeichen ist ab dem 2. Jahrhundert belegt, also lange vor den Wikingern. Die Wikinger selbst schrieben mit dem jüngeren Futhark aus nur 16 Zeichen, das sich im 8. Jahrhundert herausbildete. Wenn auf einem „Wikinger-Anhänger“ Algiz oder Othala aus dem älteren Futhark stehen, ist das, streng genommen, ein paar Jahrhunderte zu früh.
Belegt ist auch, dass Runen nicht nur Alltagsschrift waren. Formelwörter wie alu stehen auf Amuletten und Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit, und die Weiheformel „Thor weihe diese Runen“ zeigt, dass man der Schrift selbst Kraft zuschrieb. Die heutigen Bedeutungslisten („Algiz = Schutz“) gehen aber auf die mittelalterlichen Runengedichte und auf moderne Rekonstruktionen zurück. Selbst die Namen der älteren Runen sind erschlossen, nicht überliefert.
Welche Runen sich für Schutz, Kraft und Mut anbieten und wie sicher diese Zuordnungen sind, haben wir im Artikel Runen für Schutz, Stärke und Mut sauber aufgedröselt. Wer die Grundlagen will, beginnt bei Die Runen – eine ehrliche Einführung.
Kaum ein Tier ist so eng mit Odin verbunden wie der Rabe. In den Grímnismál fliegen Hugin und Munin – „Gedanke“ und „Erinnerung“ – jeden Tag über die Welt, und Odin sorgt sich, dass einer von ihnen nicht zurückkehrt. Das ist Edda, also 13. Jahrhundert. Aber der Rabe ist auch archäologisch gut belegt, und das macht ihn zu einem der stärksten Motive überhaupt.
Schon auf Helmblechen der Vendelzeit (6.–8. Jahrhundert) sieht man Reiter mit Speer, begleitet von zwei Vögeln. Die kleine Silberfigur aus Lejre in Dänemark (um 900, 2009 gefunden) zeigt eine Gestalt auf einem Thron mit zwei Vögeln auf den Armlehnen. Der Ausgräber deutete sie als Odin auf Hliðskjálf; weil die Figur Frauenkleidung trägt, denken andere an Freyja oder Frigg. Eine ehrliche offene Frage. Unstrittig sind dagegen die Silberpfennige des Wikingerkönigs Anlaf Guthfrithsson von York (939–941), die einen Raben mit ausgebreiteten Flügeln zeigen.
Dazu kommt das Rabenbanner. Die Angelsächsische Chronik berichtet für das Jahr 878 von der Erbeutung eines Banners, das „Rabe“ genannt wurde. Spätere englische Überlieferung schmückt das aus – ein von Ragnars Töchtern gewebtes Banner, auf dem der Rabe vor dem Sieg die Flügel spreizt. Diese Ausschmückung ist Legende, das Banner selbst ist eine zeitnahe Notiz.
Odins Speer Gungnir kennen wir dem Namen nach aus der Edda und von Snorri, der erzählt, Zwerge – die Söhne Ívaldis – hätten ihn geschmiedet. In der Völuspá schleudert Odin seinen Speer über das feindliche Heer, und dieser Wurf beginnt den ersten Krieg der Welt. Die Saga-Literatur kennt das Motiv als Ritual: Ein Speerwurf über die Gegner weiht sie Odin. Und in den Hávamál hängt Odin, „vom Speer verwundet“, neun Nächte am Baum, um die Runen zu gewinnen.
Archäologisch ist der Speer als Odins Attribut nicht so eindeutig wie der Hammer bei Thor, aber die Bildwelt passt: Speerträger auf vendelzeitlichen Helmblechen, Reiter mit Speer auf gotländischen Bildsteinen. Wichtig für dich: Ein Speer ist auf einem Wikingerstück kein „Gungnir-Symbol“ mit fester Bedeutung, sondern zuerst eine Waffe. Als Gravurmotiv ist er dennoch stimmig – als Zeichen für Zielstrebigkeit, für Odins Entschlossenheit, für einen Eid, der „auf die Spitze“ geht.
Das Schiff ist vielleicht das Wikinger-Symbol schlechthin, und zu Recht. Die großen Funde – Oseberg, Gokstad – zeigen, was Schiffbau damals konnte. Der Steven des Oseberg-Schiffs läuft in einen spiraligen Schlangenkopf aus, und im selben Grab lagen geschnitzte Tierkopfpfosten, die zu den prächtigsten Holzarbeiten der Epoche gehören. Mehr dazu in unserem Artikel über die Drachenschiffe.
Ein vollständig erhaltener Drachenkopf von einem Wikingerkriegsschiff ist allerdings nicht bekannt. Der berühmte geschnitzte Tierkopf aus der Schelde in Belgien, heute im British Museum, ist per Radiokarbonmethode in die Zeit um das 4. bis 6. Jahrhundert datiert – also deutlich vor den Wikingern. Dass Wikingerschiffe Tierköpfe trugen, wissen wir trotzdem: aus Skaldenversen, aus dem Wort dreki (Drache) für große Kriegsschiffe, aus Schiffsbildern auf Bildsteinen und dem Teppich von Bayeux. Das isländische Landnámabók überliefert sogar eine alte Regel, nach der man die Köpfe vor der Landung abnehmen solle, um die Landgeister nicht zu erschrecken.
Wenn du wirklich wissen willst, wie die Wikinger Dinge verziert haben, schau nicht auf Einzelzeichen, sondern auf ihre Ornamentik. Die nordischen Tierstile sind das am besten belegte „Symbol“ der Epoche – Hunderte Fibeln, Beschläge, Holzschnitzereien und Runensteine tragen sie. Die Forschung unterscheidet sechs Stile, benannt nach Fundorten, mit fließenden Übergängen:
Die genauen Jahreszahlen schwanken je nach Autor um Jahrzehnte, die Reihenfolge nicht. Einen Überblick mit Beispielen bietet unser Artikel zu den Kunststilen der Wikingerzeit, und das späteste Meisterwerk stellen wir beim Urnes-Portal vor. Für uns in der Werkstatt sind die Tierstile das ehrlichste, was man gravieren kann: Wer ein Urnes-Tier auf Schiefer bringt, bringt ein Stück echte Wikingerkunst mit.
Die Triquetra, der Dreiheitsknoten aus drei verschlungenen Bögen, steht in vielen Listen ganz oben unter „Wikinger-Symbole“. Echt ist sie – aber ihre Heimat ist größer. In der insularen Kunst der Britischen Inseln ist das Flechtmotiv ab dem 7. Jahrhundert verbreitet, in Buchmalerei wie dem Book of Kells und auf angelsächsischen Münzen des 8. Jahrhunderts. In Skandinavien erscheint die Triquetra auf Runensteinen, etwa in Funbo in Uppland, und auf einem norwegischen Pfennig Harald Hardrådes (1047–1066). Auch unter den Münzen der skandinavischen Könige von York gibt es einen Triquetra-Typ.
Und die Bedeutung? Die heute geläufige christliche Lesart als Zeichen der Dreifaltigkeit ist vor allem ein Produkt des 19. Jahrhunderts und der keltischen Wiederbelebung; schon um 1900 haben Fachleute daran gezweifelt. Was Menschen im 8. oder 10. Jahrhundert damit verbanden, ist unbekannt.
Jetzt wird es heikel, weil diese beiden Zeichen so oft als „uralte Wikingerrunen“ verkauft werden. Der Vegvísir, der „Wegweiser“, ist zum ersten Mal in der Huld-Handschrift belegt, die Geir Vigfússon 1860 in Akureyri zusammenstellte. Die Beischrift verspricht, wer das Zeichen trage, verirre sich nicht in Sturm und schlechtem Wetter, auch wenn er den Weg nicht kenne. Eine frühere Quelle ist nicht bekannt. Zwischen der Wikingerzeit und diesem Beleg liegen rund 800 Jahre.
Beim Ægishjálmur, dem „Schreckenshelm“, ist es komplizierter – und interessanter. Das Wort ist alt: In den eddischen Fáfnismál prahlt der Drache Fáfnir, er habe den Schreckenshelm getragen, um alle in Furcht zu versetzen, und in der Völsunga saga nimmt Sigurd ihn aus dem Hort. Ein gezeichnetes Symbol kommt dort aber nicht vor; der Helm ist ein Gegenstand oder eine Zauberwirkung. Die strahlenförmigen Zeichen dieses Namens kennen wir erst aus isländischen Zauberbüchern der frühen Neuzeit.
Diese Zauberzeichen – isländisch galdrastafir – sind ein faszinierendes eigenes Kapitel: christlich-gelehrte Magie mit Engeln, Salomon und Runenresten. Sie verdienen Respekt als Teil der isländischen Kulturgeschichte. Nur Wikinger-Symbole sind sie nicht.
Ein ähnlicher Fall wie der Ægishjálmur ist der Svefnþorn, der „Schlafdorn“. In der Völsunga saga sticht Odin die Walküre Brynhild mit einem Schlafdorn in tiefen Schlaf, und auch andere Sagas kennen das Motiv. Das ist echte mittelalterliche Überlieferung des 13. und 14. Jahrhunderts – allerdings als Ding, nicht als Zeichen. Die Glyphen, die heute als „Svefnþorn-Symbol“ kursieren, stammen aus deutlich späteren Quellen. Ein wikingerzeitlicher Fund dieser Zeichenform ist uns nicht bekannt.
Auch Sonnenmotive werden oft unter „nordische Symbole“ einsortiert. Belegt sind sie – aber vor allem aus der Bronzezeit, rund zwei Jahrtausende vor den Wikingern, wie der berühmte Sonnenwagen von Trundholm zeigt. Ein eigenes, typisches Sonnenzeichen der Wikingerzeit gibt es in den Funden nicht. Deshalb nehmen wir Sonnenmotive in diesen Überblick nicht als Wikinger-Symbol auf.
Das Trollkreuz, ein unten gekreuzter Eisenring, wird als „alter skandinavischer Schutz gegen Trolle“ verkauft. Tatsächlich hat es die Schmiedin Kari Erlands aus dem westlichen Dalarna in Schweden in den späten 1990er-Jahren als Schmuckstück gefertigt. Sie gab an, es nach einem Zeichen auf dem Hof ihrer Großeltern gestaltet zu haben; nachgeprüft ist das nicht, und manches spricht dafür, dass es sich ursprünglich um eine Hausmarke handelte. Der Glaube an Trolle und an Eisen als Schutz ist in der skandinavischen Volksüberlieferung dagegen echt alt.
Das Web of Wyrd, ein Gitter aus neun Strichen, in dem sich alle Runen des älteren Futhark „verstecken“ sollen, ist noch jünger. Der Ausdruck geht auf Brian Bates’ Roman The Way of Wyrd (1983) zurück; das Zeichen selbst taucht nach heutigem Wissen zuerst 1993 auf dem Umschlag eines Runenmagie-Buchs von Jan Fries auf. Die Idee dahinter ist dagegen alt: Nornen, die das Schicksal spinnen und weben, und Walküren am Webstuhl im Darraðarljóð.
Bei uns in Alsdorf landen täglich Wünsche nach nordischen Motiven auf dem Tisch, auf Schiefer, Holz und Glas. Unsere Erfahrung: Die schönsten Stücke entstehen, wenn Symbol und Geschichte zusammenpassen. Ein paar Faustregeln aus der Werkstatt:
Willst du historisch belegte Wikingerkunst, nimm Thorshammer, Rabe, Schiff, Valknut oder ein Tierstil-Ornament. Bei Hämmern lohnt sich eine Vorlage nach einem echten Fund statt der Fantasy-Variante mit Kreuzgriff und Keltenknoten.
Willst du eine Botschaft, sind Runen ideal – aber dann bitte im richtigen Futhark und richtig geschrieben. Für Wikingerzeit-Treue ist das jüngere Futhark die Wahl, für bekannte Bedeutungen wie Algiz das ältere.
Willst du ein Zeichen mit Seefahrer- oder Schutzgefühl, ist der Vegvísir ein starkes Motiv, solange du weißt, dass es ein isländisches Zauberzeichen ist. Viele Kunden lassen das genau so dazuschreiben – das macht das Stück eher reicher.
Eine ausführliche Motivliste mit Vorlagen-Tipps findest du in Echte Wikinger-Motive für Gravur und Tattoo. Und wenn du ein eigenes Motiv im Kopf hast, schau bei unserer Wunschgravur vorbei.

Welche Wikinger-Symbole sind wirklich echt? Durch Funde aus der Wikingerzeit gut belegt sind der Thorshammer, der Valknut, der Rabe, Schiff und Drachenkopf, Runen des jüngeren Futhark, die Tierstile und die Triquetra. Vegvísir, Ægishjálmur als Zeichen, Trollkreuz und Web of Wyrd sind deutlich jünger.
Was bedeutet der Valknut? Sicher weiß das niemand. Wegen seiner Fundzusammenhänge auf Bildsteinen und im Oseberg-Grab verbindet die Forschung ihn mit Odin, Tod und Opfer; der Name „Valknut“ ist modern.
Ist der Vegvísir ein Wikingersymbol? Nein. Er ist zuerst in einer isländischen Handschrift von 1860 belegt und gehört zur neuzeitlichen isländischen Zaubertradition.
Was ist das stärkste nordische Schutzsymbol? Historisch am besten belegt ist der Thorshammer, der als Amulett getragen und auf Runensteinen mit Weiheformeln verbunden wurde. Moderne Schutzzeichen wie Trollkreuz oder Ægishjálmur haben eine andere, jüngere Geschichte.
Welche Runen benutzten die Wikinger? Das jüngere Futhark mit 16 Zeichen. Das bekanntere ältere Futhark mit 24 Zeichen war zur Wikingerzeit längst außer Gebrauch.
Ist die Triquetra keltisch oder nordisch? Beides – und mehr. Sie kommt in insularer, angelsächsischer und skandinavischer Kunst vor; eine eindeutige Herkunft oder feste Bedeutung lässt sich nicht festmachen.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
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