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Emma von der Normandie: zwei Ehen, zwei Königssöhne und ein Buch, das sie selbst bestellte

Geschichte & Funde Emma von der Normandie: zwei Ehen, zwei Königssöhne und ein Buch, das sie selbst bestellte

Sie kam 1002 als junge Braut aus Rouen nach England, heiratete einen König, der vor den Dänen floh, und fünfzehn Jahre später den Dänen, der ihn besiegt hatte. Zwei ihrer Söhne trugen die englische Krone, einer starb geblendet, und am Ende ließ sie sich von einem flämischen Mönch ein Buch schreiben, das ihre Version der Ereignisse festhalten sollte. Emma von der Normandie, in England Ælfgifu genannt, ist eine der wenigen Frauen des 11. Jahrhunderts, deren Handeln sich über Jahrzehnte verfolgen lässt. Dieser Beitrag ordnet die Quellen, trennt Chronik, Lobschrift und spätere Legende und zeigt, warum ihre Verwandtschaft 1066 noch eine Rolle spielte.

Einordnung: eine Normannin auf zwei englischen Thronen

Emma von der Normandie lebte etwa von 984/985 bis 1052. Sie war Königin von England an der Seite zweier Männer, die einander bekämpft hatten: Æthelred II., den die Nachwelt „den Unberatenen“ nennt, und Knut den Großen, der England 1016 eroberte und später auch über Dänemark und Norwegen herrschte. Ihre Söhne Hardeknut (englisch Harthacnut) und Eduard der Bekenner wurden ebenfalls Könige. Wer die Wikinger in England zwischen dem Dänengeld der 990er-Jahre und 1066 verfolgt, begegnet ihr an fast jeder Wegkreuzung.

Dass wir so viel über sie wissen, hat drei Gründe. Erstens erwähnt sie die Angelsächsische Chronik mehrfach; das ist eine Sammlung jahrweise geführter Aufzeichnungen in altenglischer Sprache, die in mehreren Handschriften mit leicht abweichendem Text überliefert ist. Zweitens bezeugen Urkunden ihre Anwesenheit am Hof, weil sie als Zeugin unterschrieb. Drittens gibt es das Encomium Emmae Reginae, eine lateinische „Lobschrift auf Königin Emma“, die sie selbst in Auftrag gab. Sie erzählt die Geschichte so, wie Emma sie erzählt haben wollte.

Herkunft: Tochter Richards I. und Gunnors

Emma war eine Tochter Richards I. von der Normandie, den spätere Geschichtsschreiber „den Furchtlosen“ nannten, und Gunnors, einer Frau aus einer Familie skandinavischer Herkunft im Westen der Normandie. Richard war der Enkel Rollos, jenes Wikingerführers, der um 911 an der unteren Seine Land vom westfränkischen König erhielt. Emma war also Rollos Urenkelin. Ihr Bruder Richard II. regierte das Herzogtum ab 996.

Ihr Geburtsjahr nennt keine zeitgenössische Quelle. Die übliche Angabe „um 984“ oder „um 985“ ist aus ihrer Heirat 1002 zurückgerechnet. Das lässt sich nicht eindeutig belegen.

Gunnor und Richard lebten zunächst in einer Verbindung, die die Kirche nicht als Ehe anerkannte; später heirateten sie kirchlich. Um 1000 sprach der Hof in Rouen längst Französisch; die skandinavischen Wurzeln lebten in Familien und Seeverbindungen fort, wie der Beitrag Wikinger in Frankreich zeigt.

1002: Heirat mit Æthelred und der Name Ælfgifu

Die Angelsächsische Chronik meldet zum Jahr 1002 knapp, in derselben Fastenzeit sei „die Herrin Ælfgifu Emma, Richards Tochter,“ in dieses Land gekommen. Æthelred war damals schon über dreißig, Witwer oder zumindest von seiner ersten Frau getrennt, und hatte mehrere Söhne, darunter Æthelstan und Edmund, den späteren Edmund Eisenseite. Emma heiratete also in eine Familie, in der die Thronfolge eigentlich schon vergeben schien.

Warum diese Ehe? Die Normandie lag gegenüber der englischen Südküste, und dänische Flotten nutzten normannische Häfen, um ihre Beute zu verkaufen oder zu überwintern. Ein Bündnis mit Rouen sollte diese Rückzugsorte schließen. Das ist die gängige Deutung moderner Historiker; ein Vertragstext dazu ist nicht erhalten. Im November desselben Jahres befahl Æthelred, die Dänen in England zu töten, das sogenannte St.-Brice-Massaker. Ein direkter Zusammenhang zwischen Hochzeit und Massaker wird gelegentlich vermutet, ist aber nicht belegt.

In England nahm Emma den Namen Ælfgifu an. Das war ein alter, angesehener Name im westsächsischen Königshaus, und er hatte eine pikante Note: Auch Æthelreds erste Frau hieß Ælfgifu. Der neue Name erklärt, warum Urkunden und die Chronik oft von „Ælfgifu“ sprechen, wo moderne Bücher „Emma“ schreiben. Es gibt in diesen Jahrzehnten mindestens drei wichtige Frauen dieses Namens, und eine davon wird später Emmas Rivalin.

Als Morgengabe, also als Brautgeschenk des Ehemanns nach der Hochzeitsnacht, erhielt Emma Besitz, darunter nach späterer Überlieferung Winchester und Exeter sowie Ländereien in mehreren Grafschaften. Die Historikerin Pauline Stafford hat Emma vor 1043 als die reichste Frau Englands bezeichnet. Das ist eine Schätzung aus Besitzlisten und Urkunden, keine überlieferte Steuerakte.

Aus der Ehe mit Æthelred gingen drei Kinder hervor: Eduard, geboren wohl um 1003–1005, Alfred und eine Tochter namens Godgifu (Goda). Genaue Geburtsjahre fehlen auch hier.

Krieg, Exeter und die Flucht 1013

Die Ehe beendete die Angriffe nicht. Schon 1003 fiel Exeter an ein dänisches Heer, und die Chronik macht dafür einen Franzosen namens Hugo verantwortlich, den „die Herrin“ als Vogt eingesetzt habe. Ob Hugo wirklich Verrat beging, lässt sich nicht klären. Die Stelle zeigt aber, dass Emma Männer aus ihrer Heimat mitgebracht und in Ämter gesetzt hatte.

In den folgenden Jahren zahlte England riesige Summen an dänische Heere, das Danegeld. 1013 kam Sven Gabelbart, König von Dänemark, mit dem Ziel, das ganze Land zu nehmen, und diesmal gelang es. Die Chronik berichtet zum Jahr 1013, die Herrin sei danach über das Meer zu ihrem Bruder Richard gegangen, begleitet von Ælfsige, dem Abt von Peterborough. Æthelred schickte die Söhne Eduard und Alfred mit dem Bischof von London hinterher und folgte nach Weihnachten selbst.

Die Normandie wurde zum Exil des englischen Königshauses. Eduard verbrachte dort einen großen Teil seiner Jugend, mit Folgen bis 1066.

Sven starb schon im Februar 1014, Æthelred kehrte zurück, und der Krieg ging mit Svens Sohn Knut weiter. Æthelred starb am 23. April 1016 in London. Sein Sohn Edmund Eisenseite verlor im Oktober 1016 bei Assandun und starb Ende November; damit war Knut König von ganz England.

1016/17: Witwe, London und die zweite Ehe

Was Emma in diesen Monaten tat, berichten die Quellen unterschiedlich. Thietmar von Merseburg, ein sächsischer Bischof, der zeitgleich schrieb, aber weit entfernt lebte, stellt eine Königin dar, die im belagerten London mit den Dänen verhandelte. Die Angelsächsische Chronik sagt dazu nichts. Ob Thietmar Emma meinte und wie zuverlässig seine Nachricht ist, wird in der Forschung unterschiedlich beurteilt.

Sicher ist der nächste Schritt. Zum Jahr 1017 schreibt die Chronik, Knut habe England in vier Teile aufgeteilt, und „vor den Kalenden des August“ – also vor dem 1. August – habe er befohlen, ihm die Witwe des anderen Königs Æthelred, die Tochter Richards, zur Frau zu holen. Die Hochzeit fand demnach im Juli 1017 statt.

Für beide Seiten ergab die Verbindung Sinn. Knut gewann eine gekrönte Königin, die den englischen Hof kannte, und neutralisierte die Normandie, wo Emmas Söhne aus erster Ehe lebten. Emma blieb Königin, behielt ihre Güter und sicherte sich, so jedenfalls das Encomium, eine Zusage: Nur ein Sohn aus ihrer Ehe mit Knut sollte König werden, nicht die Söhne, die Knut bereits von einer anderen Frau hatte. Ob Knut ein solches Versprechen tatsächlich gab, ist nur durch diese parteiische Schrift überliefert.

Manche Historiker deuten die zweite Ehe auch als Schutz für Eduard und Alfred in der Normandie – eine plausible Überlegung, keine Aussage einer Quelle. Mehr zu Knuts Herrschaft steht im Beitrag Knut der Große.

Königin an Knuts Seite: das Bild im Liber Vitae

Aus der Ehe mit Knut stammten zwei Kinder: Hardeknut, wohl um 1018 geboren, und eine Tochter namens Gunnhild, die 1036 den späteren Kaiser Heinrich III. heiratete und schon 1038 starb. Hardeknut wurde früh nach Dänemark geschickt, um dort im Namen seines Vaters zu regieren.

Wie Emma in diesen Jahren gesehen werden wollte, zeigt ein Bild. Das Liber Vitae („Buch des Lebens“) des New Minster in Winchester, heute in der British Library (Stowe MS 944), entstand 1031. Ein solches Buch verzeichnete Wohltäter, für die die Mönche beteten. Auf der Eingangsseite stellen ein König und eine Königin gemeinsam ein großes goldenes Kreuz auf den Altar. Die Beischriften nennen sie „Cnut rex“ und „Ælfgyfu regina“ – Ælfgifu ist hier Emma, nicht Knuts erste Frau. Engel halten über ihnen eine Krone und einen Schleier, darüber thront Christus.

Das Bild ist politisch. Emma erscheint gleichrangig neben dem König, als Stifterin und Herrscherin. Pauline Stafford hat darauf hingewiesen, dass man es auch als Bild einer Frau lesen kann, deren Stellung ganz von ihrem Mann abhängt.

Belegt sind außerdem Schenkungen an Kirchen, etwa an das Old Minster in Winchester, und Emmas häufige Nennung als Zeugin in Königsurkunden. Wie viel sie politisch tatsächlich entschied, lässt sich aus Zeugenlisten nicht ablesen.

Zwei Ælfgifus: die Rivalin aus Northampton

Knut war nicht unverheiratet, als er Emma nahm. Schon um 1013 hatte er Ælfgifu von Northampton geheiratet, eine Tochter des mittelenglischen Ealdorman Ælfhelm, der 1006 wohl auf Æthelreds Befehl getötet worden war. Ein Ealdorman war der höchste königliche Amtsträger einer Region. Die Ehe band die Familie im Norden und in den Midlands an die Dänen. Aus ihr stammten zwei Söhne, Sven und Harald, den man später „Hasenfuß“ nannte, vermutlich wegen seiner Schnelligkeit.

Die Kirche hätte eine zweite Ehe neben der ersten nicht anerkannt. Ob Knut Ælfgifu förmlich verstieß, ist nicht überliefert, und manche Historiker sprechen von einer Ehe „nach dänischer Art“, also einer weltlichen Verbindung ohne kirchliche Segnung. Fest steht: Ælfgifu verschwand nicht. Von etwa 1030 bis 1035 regierte sie mit ihrem Sohn Sven Norwegen für Knut. Die norwegische Überlieferung erinnert sich an diese Jahre als „Álfífas Zeit“, verbunden mit harten Abgaben, und die Herrschaft brach zusammen, als die Norweger Magnus, den Sohn Olafs des Heiligen, zurückholten.

Damit standen zwei Frauen gleichen Namens mit je eigenen Söhnen nebeneinander, und eine feste Thronfolgeregel gab es nicht. Was nach Knuts Tod geschah, war im Kern ein Kampf dieser beiden Lager.

1035–1037: Thronstreit und Alfreds Blendung

Knut starb am 12. November 1035 in Shaftesbury und wurde in Winchester begraben. Hardeknut war in Dänemark und blieb dort, nach gängiger Deutung, weil Magnus von Norwegen das Land bedrohte. Eine Versammlung in Oxford beschloss nach der Chronik, Harald solle das Reich für sich und seinen Bruder verwalten. Earl Godwin, der mächtigste Mann in Wessex, und die Westsachsen widersetzten sich, konnten den Beschluss aber nicht verhindern. Emma sollte mit den Hausleuten ihres Sohnes in Winchester bleiben. Eine Handschrift der Chronik fügt hinzu, Harald habe ihr die besten Schätze abnehmen lassen.

Die Chronik notiert außerdem Zweifel an Haralds Abkunft: Manche sagten, er sei gar nicht Knuts Sohn. Das Encomium geht weiter und behauptet, Ælfgifu habe ein fremdes Kind untergeschoben. Solche Gerüchte waren in Thronfolgekämpfen ein übliches Mittel, und sie stammen hier ausgerechnet aus Emmas Umfeld.

1036 folgte die schlimmste Episode in Emmas Leben. Alfred, ihr jüngerer Sohn aus erster Ehe, kam aus der Normandie nach England, nach der Chronik, um seine Mutter zu besuchen. Er wurde abgefangen, seine Begleiter wurden getötet, verkauft oder verstümmelt, und Alfred selbst wurde geblendet. Er starb an den Folgen im Kloster Ely. Eduard soll zur gleichen Zeit an der Südküste gelandet und wieder abgezogen sein.

Wer trug die Schuld? Die Chronik lässt Godwin Alfred aufhalten, nennt aber Harald als Hintergrund. Das Encomium macht Harald zum Täter und entlastet Godwin weitgehend, was zu dessen Stellung 1041/42 passt, als er Hardeknut diente. Normannische Autoren nach 1066 belasten Godwin schwer. Das Encomium behauptet außerdem, Harald habe einen Brief in Emmas Namen gefälscht, um die Söhne nach England zu locken. Andere Forscher halten es für wahrscheinlicher, dass Emma die Söhne tatsächlich gerufen hatte und das Encomium diese Verantwortung von ihr nehmen wollte. Hierzu gibt es unterschiedliche Angaben, und eine sichere Entscheidung ist nicht möglich.

Exil in Brügge und Rückkehr 1040

1037 war Haralds Sieg vollständig. Die Chronik beschreibt die Folgen für Emma mit ungewöhnlicher Anteilnahme, und die Stelle verdient ein wörtliches Zitat.

„In diesem Jahr wählte man Harald zum König über alle und ließ Hardeknut fallen, weil er zu lange in Dänemark weilte; und dann vertrieb man seine Mutter Ælfgifu, die Witwe König Knuts, ohne alles Erbarmen, gegen den tobenden Winter! Sie, die Mutter Eduards wie auch König Hardeknuts, suchte darauf den Schutz Balduins am südlichen Meer. Dann kam sie nach Brügge, jenseits des Meeres; und Graf Balduin nahm sie dort gut auf; und er gab ihr eine Wohnung in Brügge, schützte sie und bewirtete sie dort, solange sie es nötig hatte.“Angelsächsische Chronik, Eintrag zu 1037; deutsch vom Verfasser nach der englischen Übersetzung von James Ingram (1823), Text nach dem Avalon Project

Bemerkenswert ist, wohin Emma ging: nicht in die Normandie, wo ihr Neffe Robert, der Vater Wilhelms des Eroberers, inzwischen gestorben war und ein Kind herrschte, sondern nach Flandern zu Graf Balduin V.

Im Exil plante sie die Rückkehr. Nach dem Encomium wandte sie sich zuerst an Eduard, der ablehnte, dann an Hardeknut. Dieser kam 1039 mit Schiffen nach Flandern und verbrachte den Winter bei seiner Mutter. Die Entscheidung nahm ihnen der Tod ab: Harald starb am 17. März 1040 in Oxford. Hardeknut landete im Juni 1040 mit sechzig Schiffen in Sandwich, und Emma kam mit ihm zurück.

Hardeknuts Regierung war kurz und unbeliebt. Er ließ den Leichnam seines Halbbruders ausgraben und schändete ihn, und er erhob hohe Steuern für seine Flotte. 1041 holte er Eduard aus der Normandie an den Hof, und nach der Chronik wurde Eduard „als König“ vereidigt, offenbar als Mitregent und Nachfolger. Ob Emma das betrieb, ist nicht belegt.

Was gesichert ist

  • Emma war eine Tochter Richards I. von der Normandie und Gunnors und kam 1002 nach England; die Angelsächsische Chronik nennt sie zu diesem Jahr „Ælfgifu Emma, Richards Tochter“.
  • Sie floh 1013 zu ihrem Bruder Richard II. in die Normandie und heiratete im Juli 1017 Knut den Großen.
  • Sie war die Mutter Eduards des Bekenners, Alfreds und Godgifus aus erster sowie Hardeknuts und Gunnhilds aus zweiter Ehe.
  • Das Liber Vitae des New Minster von 1031 zeigt sie als „Ælfgyfu regina“ neben Knut beim Stiften eines Kreuzes.
  • 1037 wurde sie aus England vertrieben und lebte in Brügge unter dem Schutz Graf Balduins; 1040 kehrte sie mit Hardeknut zurück.
  • 1043 nahm ihr Eduard in Winchester ihre Schätze; sie starb am 6. März 1052 und wurde im Old Minster in Winchester neben Knut begraben.

Das Encomium Emmae Reginae: ein Buch für eine Königin

In diesen Jahren, wohl 1041 oder 1042, entstand das Encomium Emmae Reginae. Der Verfasser nennt seinen Namen nicht; er war ein Mönch, sehr wahrscheinlich aus dem Kloster Saint-Bertin in Saint-Omer, das damals zu Flandern gehörte. Emma hatte ihn kennengelernt, vermutlich während ihres Exils. Die wichtigste Handschrift liegt in der British Library (Add. MS 33241). Ihr Eingangsbild zeigt Emma auf einem Thron, vor ihr kniet der Autor und überreicht das Buch, am Bildrand stehen zwei junge Männer, die meist als Hardeknut und Eduard gedeutet werden.

Das Werk hat drei Bücher. Das erste erzählt Sven Gabelbarts Eroberung Englands, das zweite Knuts Sieg, seine Werbung um Emma und seine Herrschaft, das dritte die Jahre nach Knuts Tod mit Haralds Usurpation, Alfreds Tod, Emmas Exil und Hardeknuts Rückkehr.

Seine Tendenz ist unübersehbar. Das Encomium verschweigt Emmas Ehe mit Æthelred fast vollständig, so als sei sie Knut als unverheiratete Fürstentochter zugeführt worden. Es stellt Knut als frommen, gerechten König dar, bestreitet Haralds Abstammung, nennt Ælfgifu von Northampton nicht als Ehefrau und schiebt die Schuld an Alfreds Tod Harald zu. Emma selbst erscheint als kluge Ratgeberin, die die Treue ihrer Söhne verdient. Für den Hof von 1041/42, an dem Hardeknut und Eduard nebeneinander lebten, lautete die Botschaft: Beide sind Emmas Söhne, und zwischen ihnen soll Eintracht herrschen.

Wie man das Werk bewertet, hat sich gewandelt. Alistair Campbell, der die Standardausgabe 1949 vorlegte, und Simon Keynes in seiner Einleitung zur Neuausgabe von 1998 betonen die Verzerrungen. Elizabeth Tyler und andere lesen es eher als bewussten politischen Eingriff zugunsten Emmas, also als Text, der gerade in seinen Lücken etwas über die Machtverhältnisse verrät. Beides schließt sich nicht aus. Für Ereignisse ist das Encomium nur dort brauchbar, wo andere Quellen es stützen; für Emmas Selbstverständnis ist es unersetzlich.

2008 tauchte eine spätmittelalterliche Abschrift auf, das sogenannte Courtenay Compendium, das inzwischen die Königliche Bibliothek in Kopenhagen besitzt. Es überliefert eine überarbeitete Fassung, die vermutlich nach Hardeknuts Tod entstand und Eduard deutlich mehr Raum gibt. Emmas Buch wurde also offenbar an die neue Lage angepasst.

Eduard, die Schätze und die letzten Jahre (1042–1052)

Hardeknut starb am 8. Juni 1042 in Lambeth, nach der Chronik plötzlich bei einem Trinkgelage. Eduard wurde in London zum König gewählt und am Ostertag 1043 in Winchester gekrönt. Damit hatte Emma zum zweiten Mal einen Sohn auf dem Thron, diesmal den aus ihrer ersten Ehe.

Das Verhältnis war kühl. Im November 1043 ritt Eduard mit den Earls Leofric, Godwin und Siward unangemeldet nach Winchester und ließ seiner Mutter Gold, Silber und andere Schätze abnehmen. Die Chronik nennt als Grund, sie sei vorher sehr hart zu ihm gewesen und habe zu wenig für ihn getan, vor und nach seiner Königswahl. Zugleich wurde Stigand, der Bischof von Elmham, abgesetzt, weil er Emmas engster Berater gewesen sei. Stigand kehrte bald zurück und wurde später Erzbischof von Canterbury, Emma blieb in Winchester.

Was genau hinter Eduards Schritt stand, verraten die Quellen nicht; vermutet wird Groll über die Jahre, in denen die Mutter den Sohn aus der Knut-Ehe bevorzugte. Spätere Erzählungen, Emma habe den Norweger Magnus zu einer Invasion ermuntert, sind nicht zeitgenössisch belegt. Spätestens 1044 erscheint sie wieder als Zeugin in Urkunden, was auf eine Aussöhnung deutet; ihre frühere Macht hatte sie nicht mehr.

Emma starb nach der Chronik am 6. März 1052 in Winchester und wurde im Old Minster neben Knut und Hardeknut begraben. Nach dem Neubau der Kathedrale unter den Normannen kamen die Gebeine in Truhen, die im 17. Jahrhundert bei der Plünderung durch Parlamentstruppen durcheinandergerieten. 2019 stellte ein Forschungsprojekt vor, dass Knochen einer älteren Frau aus angelsächsischer Zeit Emma gehören könnten – eine vorsichtige Zuordnung, keine sichere Identifizierung.

Legenden: das Feuerordal und andere spätere Geschichten

Die berühmteste Geschichte über Emma ist eine Legende. Danach wurde sie beschuldigt, ein Verhältnis mit Bischof Ælfwine von Winchester zu haben, und bewies ihre Unschuld durch ein Gottesurteil: Sie ging barfuß über neun glühende Pflugscharen in der Kathedrale, ohne sich zu verbrennen, und dankte dem heiligen Swithun mit Schenkungen. Ein Ordal war ein Gottesurteil, bei dem eine Probe mit Feuer oder Wasser über Schuld entscheiden sollte.

Die Erzählung findet sich in den Winchester-Annalen und ist nach heutigem Stand erst im 13. Jahrhundert greifbar, also rund 200 Jahre nach Emmas Tod. Keine zeitgenössische Quelle erwähnt einen solchen Vorwurf. Das Dictionary of National Biography wies die Geschichte schon im 19. Jahrhundert als unbegründet zurück, ebenso die verwandte Legende, Emma sei an Alfreds Tod beteiligt gewesen oder habe Eduard vergiften wollen. Noch der Dichter und Maler William Blake hat die Szene gezeichnet.

Mythos-Check

  • „Emma ging über glühende Pflugscharen, um ihre Unschuld zu beweisen.“ Diese Geschichte ist erst in Winchester-Annalen des 13. Jahrhunderts überliefert. Zeitgenössische Quellen kennen weder den Vorwurf noch das Ordal. Sie gilt als Legende.
  • „Emma hat ihren Sohn Alfred verraten.“ Dafür gibt es keinen zeitgenössischen Beleg. Unklar ist nur, ob sie ihre Söhne 1036 nach England rief; das Encomium bestreitet es mit der Geschichte eines gefälschten Briefes.
  • „Das Encomium ist eine zuverlässige Biografie.“ Es ist eine Auftragsschrift, die Emmas erste Ehe verschweigt und ihre Gegner herabsetzt. Für ihr Selbstbild ist es wertvoll, für Ereignisse nur mit Gegenprüfung.

Von Emma zu Wilhelm: Verwandtschaft und das Jahr 1066

Emmas Bruder Richard II. war der Großvater Wilhelms des Eroberers. Wilhelm war also Emmas Großneffe, und Eduard der Bekenner war ein Vetter von Wilhelms Vater Robert. Als Eduard im Januar 1066 kinderlos starb, berief sich Wilhelm auf diese Verwandtschaft und auf ein Versprechen, Eduard habe ihn zum Erben bestimmt. Englische Quellen bestätigen ein solches Versprechen nicht; sie berichten, Eduard habe auf dem Sterbebett Harald Godwinson als Nachfolger empfohlen.

Ohne Emma gäbe es diese Verbindung nach Rouen nicht, und ohne Eduards Jugend in der Normandie wäre der normannische Einfluss an seinem Hof kaum denkbar. Der Satz, Emma habe 1066 vorbereitet, verkürzt aber: Entschieden wurde die Frage militärisch, erst bei Stamford Bridge gegen Harald Hardrada, dann bei Hastings. Bemerkenswert ist, dass Hardradas Anspruch nach nordischer Überlieferung auf eine Abmachung zwischen Magnus von Norwegen und Hardeknut zurückging, also ebenfalls auf einen Sohn Emmas.

Emmas Leben verbindet damit drei Welten: die skandinavisch geprägte Normandie Rollos, das angelsächsische Königtum der Westsachsen und das nordische Reich Knuts. Im Beitrag Wikinger, Normannen, Waräger geht es um die Frage, wann aus Wikingern Normannen wurden. Emma ist ein gutes Beispiel dafür, dass diese Übergänge in Familien stattfanden, nicht nur auf Schlachtfeldern.

Häufige Fragen

War Emma von der Normandie eine Wikingerin? Nein, nicht im Sinn einer Seefahrerin oder Kriegerin. Sie stammte aber von Rollo ab, dem skandinavischen Begründer der Normandie, und ihre Mutter Gunnor kam aus einer Familie skandinavischer Herkunft. Um 1000 war der normannische Hof französischsprachig und christlich.

Warum heißt Emma in den Quellen oft Ælfgifu? Sie nahm diesen englischen Namen bei ihrer Heirat 1002 an. Da auch Æthelreds erste Frau und Knuts erste Frau Ælfgifu hießen, ist bei Quellenstellen immer zu prüfen, welche Frau gemeint ist.

Was ist das Encomium Emmae Reginae? Eine lateinische Lobschrift, um 1041/42 von einem flämischen Mönch im Auftrag Emmas verfasst. Sie ist eine wichtige, aber sehr parteiische Quelle für Sven Gabelbart, Knut und die Thronkämpfe nach 1035.

Wo ist Emma begraben? Im Old Minster in Winchester neben Knut. Ihre Gebeine liegen heute in den Gebeintruhen der Kathedrale von Winchester; eine sichere Zuordnung einzelner Knochen zu Emma gibt es nicht.

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