Trolle sind in der nordischen Mythologie ursprünglich kein bestimmtes Fabelwesen, sondern ein Sammelbegriff: Das altnordische troll meinte Riesen, Zauberkundige, Unholde und alles Unheimliche, das außerhalb der menschlichen Ordnung stand. Erst die neuzeitliche Volksüberlieferung Norwegens und Schwedens formte daraus den Bergtroll mit Knollennase, der im Sonnenlicht versteinert und vor Kirchenglocken flieht. Wir folgen der Spur von Bragis nächtlicher Trollfrau über Grettirs Kampf am Wasserfall bis zu Kittelsen, Ibsen und Tolkien.
Ein Wald im Abendlicht. Ein Dichter fährt allein hindurch, und aus dem Dunkel fragt eine Frauenstimme, wer da kommt. Dann zählt sie auf, was sie selbst ist: die, die den Himmelsglanz verschlingt, die Gefährtin der Seherin, die Wächterin am Leichenfjord. Und sie schließt mit der Frage, die über diesem ganzen Artikel stehen könnte: Was ist ein Troll, wenn nicht das?
Diese Szene zeigt, was die Souvenirläden in Bergen verschweigen: Der Troll des Mittelalters hatte keine Knollennase. Er war eine Kategorie, kein Kostüm. Wer seine Herkunft verstehen will, gräbt in drei Schichten: Sprache, mittelalterliche Literatur Islands und die Volksüberlieferung Skandinaviens, die erst im 19. Jahrhundert aufgeschrieben und gezeichnet wurde.
Das altnordische Substantiv troll (auch tröll geschrieben) ist ein Neutrum, und schon das verrät einiges. Es bezeichnet weniger ein Lebewesen mit fester Gestalt als eine Eigenschaft: das Fremde, Bedrohliche, Übernatürliche. In den Quellen kann troll einen Riesen meinen, eine Riesin, ein Gespenst, einen Menschen mit unheimlichen Kräften oder einfach einen Feind, den man beschimpfen will. Die Herkunft des Wortes ist nicht geklärt. Etymologische Wörterbücher führen es auf ein germanisches *trulla- zurück, dessen Grundbedeutung unsicher ist; das Mittelhochdeutsche kennt trolle im Sinn von Unhold oder Tölpel. Das Store norske leksikon formuliert es ehrlich: Die Forschung ist sich über die ursprüngliche Bedeutung unsicher.
Aufschlussreich sind die Ableitungen. Das Verb trylla heißt verzaubern, auch: in einen Troll verwandeln. Trolldómr und trollskapr bezeichnen Zauberei, und zwar meist die schädliche, verbotene Sorte. Wer in einer Saga trollaukinn genannt wird, ist von Trollkraft gemehrt, also mit unheimlichen Fähigkeiten ausgestattet. Hier liegt eine Brücke zum Seiðr, der nordischen Zauberkunst, die in den Sagas oft im Zwielicht steht: Zauberkundige Menschen konnten selbst als troll gelten.
Auch das Recht kannte den Troll. Nach dem Store norske leksikon verboten norwegische Gesetze des 11. und 12. Jahrhunderts, „draußen zu sitzen, um Trolle zu wecken“ – gemeint ist die útiseta, das nächtliche Draußensitzen zur Befragung der Toten oder Geister. Das Verbot setzte sich im Landrecht König Magnus Lagabøtes von 1274 fort. Der Troll war damit im christlichen Norwegen nicht bloß Märchenfigur, sondern Gegenstand der Gesetzgebung.
Und die Riesen? Die Edda kennt für sie mehrere Wörter: jötunn, þurs, risi und eben troll. Ob das verschiedene Wesensklassen waren, ist umstritten. Die Philologin Lotte Motz hat eine solche Einteilung vorgeschlagen; der isländische Forscher Ármann Jakobsson hält sie für nicht belegbar und sieht in den Wörtern eher überlappende Etiketten für das Andere. Ein Troll war, wer jenseits der Grenze stand – in Jötunheim und den Bergen oder jenseits von Recht und Gemeinschaft.
Die Szene vom Anfang steht in den Skáldskaparmál, dem Lehrbuch der Dichtersprache in der Prosa-Edda des Snorri Sturluson (um 1220). Snorri erzählt, der Skalde Bragi Boddason sei spät abends durch einen Wald gefahren, als ihn eine Trollfrau in Versen anredete. Bragi gilt als einer der ältesten namentlich bekannten Skalden, er wird ins 9. Jahrhundert datiert. Ob die Strophen wirklich von ihm stammen oder ihm später zugeschrieben wurden, lässt sich nicht beweisen; Snorri jedenfalls überliefert sie unter seinem Namen.
Die Trollfrau stellt sich nicht mit einem Namen vor, sondern mit Kenningar – jenen verschlüsselten Umschreibungen, für die die Skaldik berühmt ist. Im Altnordischen beginnt ihre Strophe mit Troll kalla mik, „Troll nennen mich“, und endet mit hvat er troll nema þat?, „was ist ein Troll, wenn nicht das?“. Dazwischen nennt sie sich, sinngemäß übertragen, Mond eines Riesen, Reichtumsaugerin des Riesen, Unheil der Sturmsonne, Gefährtin der Seherin, Wächterin am Leichenfjord und Verschlingerin des Himmelsrads.
Bemerkenswert ist, was in dieser Liste steckt. Die Trollfrau ist mit den Riesen verbunden, aber auch mit der völva, der Seherin, also mit Zauberei. Sie bedroht die Sonne wie die Wölfe der Edda, und der „Leichenfjord“ deutet auf Tod und Unterwelt. Bragi antwortet in derselben Form: Skalde nennen ihn die Leute, und er umschreibt sich als Handwerker Odins und Träger der Dichtergabe. Ein Wortduell zwischen dem Menschen der Sprache und dem Wesen der Nacht.
Das Motiv, das heute jedes Kind kennt, hat seinen ältesten deutlichen Beleg in einem Heldenlied der Lieder-Edda: der Helgakviða Hjörvarðssonar. Dort liegt die Flotte des Helden Helgi in einer Bucht, und nachts erscheint eine Riesin namens Hrímgerðr, Tochter des Riesen Hati, den Helgi erschlagen hat. Sie will Rache. Helgis Gefolgsmann Atli hält Wache und lässt sich mit ihr auf eine senna ein, einen Schmähdialog, in dem beide Seiten sich mit Beleidigungen überbieten.
Das Wortgefecht ist eine Falle. Atli hält Hrímgerðr so lange im Gespräch, bis der Tag anbricht. In Strophe 30 heißt es auf Altnordisch Dagr er nú, Hrímgerðr – „Tag ist es nun, Hrímgerðr“. Atli habe sie bis zu ihrem Ende aufgehalten, und nun werde sie als lächerliches hafnarmark, als Hafenmarke, dort stehen, wo sie in Steingestalt verharrt. Die Riesin ist im Morgenlicht zu Fels geworden.
Wenn ein Saga-Held für den Kampf gegen Trolle steht, dann Grettir Ásmundarson, der Geächtete. Die Grettis saga gehört zu den Isländersagas und wurde vermutlich im frühen 14. Jahrhundert niedergeschrieben, rund dreihundert Jahre nach den Ereignissen, die sie schildert. In den Kapiteln 64 bis 66 kommt Grettir unter falschem Namen – er nennt sich Gestr, „Gast“ – auf den Hof Sandhaugar im Bárðardalur in Nordisland.
Auf diesem Hof verschwinden seit zwei Jahren zur Julzeit Menschen. Im ersten Winter war es der Bauer selbst, im zweiten ein Knecht. Grettir bleibt am Julabend allein im Haus, während die Hausfrau zur Messe über den Fluss geht. Um Mitternacht kommt eine riesige Trollfrau herein, mit einem Trog in der einen und einem großen Messer in der anderen Hand. Es folgt ein Ringkampf, der die halbe Halle zerlegt. Die Trollfrau schleppt Grettir hinaus bis an die Schlucht des Flusses. Dort bekommt er die rechte Hand frei, zieht sein Kurzschwert und schlägt ihr den Arm ab. Sie stürzt in die Schlucht und wird den Wasserfall hinabgerissen.
Die Saga fügt gleich zwei Deutungen an, und das ist typisch für ihre Erzählweise. Grettir selbst sagt, sie habe sich in die Schlucht gestürzt. Die Leute im Bárðardalur dagegen erzählten, der Tag habe sie während des Ringens eingeholt, sie sei geborsten, als er ihr den Arm abschlug, und stehe noch heute als Frauengestalt aus Fels an der Klippe. Das ist das Sonnenlicht-Motiv mitten in einer Saga.
Doch die Geschichte ist nicht zu Ende. Nach Jul steigt Grettir mit einem Seil die Schlucht hinab, taucht unter dem Wasserfall durch und findet dahinter eine Höhle. Dort sitzt ein Riese – die Saga nennt ihn jötunn – am Feuer. Der Riese greift mit einer Stangenwaffe an, die die Saga heptisax nennt, ein Messer mit langem Holzschaft. Grettir schlägt den Schaft durch und tötet den Riesen. Der Priester Steinn, der oben das Seil halten sollte, sieht Blut und Eingeweide den Fluss hinabtreiben, hält Grettir für tot und geht nach Hause. Grettir findet in der Höhle die Gebeine zweier Männer, klettert allein am Seil zurück und legt die Knochen in der Nacht vor die Kirchentür, zusammen mit einem Runenstab, in den er Verse über den Kampf geritzt hat.
„Sie stürzte in die Schlucht und wurde den Wasserfall hinabgetragen.“Grettis saga, Kap. 65, eigene Übertragung nach der englischen Fassung von William Morris und Eiríkr Magnússon (1869)
Wer das altenglische Epos Beowulf kennt, reibt sich an dieser Stelle die Augen. Auch dort kämpft ein Held erst in der Halle gegen ein nächtliches Ungeheuer, Grendel, und reißt ihm den Arm ab. Dann folgt er der Spur zu einem unheimlichen Gewässer, taucht hinab und tötet in einer Unterwasserhalle Grendels Mutter. Und wie in der Saga wartet oben eine Gruppe von Männern, die das Blut im Wasser sieht und den Helden für tot hält.
Die Ähnlichkeit wird seit dem 19. Jahrhundert diskutiert und gehört zu den meistbehandelten Fragen der Altgermanistik. Ein Detail fällt Philologen besonders auf: Die seltene Waffenbezeichnung heptisax in der Saga hat im Altenglischen eine genaue Entsprechung, hæftmece, und diese steht im gesamten altenglischen Wortschatz nur im Beowulf. Eine direkte Abhängigkeit der Saga vom Epos gilt dennoch als unwahrscheinlich; zwischen den Texten liegen Jahrhunderte und das Meer. Diskutiert werden eine gemeinsame ältere Erzähltradition oder ein verbreitetes Märchenmuster, etwa der Typ vom „Bärensohn“, den Friedrich Panzer 1910 ins Spiel brachte. Der isländische Forscher Magnús Fjalldal hat 1998 dagegen argumentiert, viele der behaupteten Übereinstimmungen seien schwächer, als sie scheinen.
Für uns zählt: Grendels Mutter und die Trollfrau von Sandhaugar gehören zum selben Typus – weibliche Ungeheuer, die am Wasser hausen und Menschen aus der Halle holen. Der Norden nannte diesen Typus troll. Mehr zu Beowulfs Volk erzählen wir im Beitrag über die Gauten.
In derselben Saga steckt allerdings eine Gestalt, die oft fälschlich unter die Trolle sortiert wird: Glámr. Er ist ein unheimlicher Schafhirte aus Schweden, der am Julabend von einem unbekannten bösen Wesen getötet wird – und danach wiederkehrt. Grettir ringt ihn in einer berühmten Mondnacht nieder und enthauptet ihn. Doch vorher verflucht Glámr ihn: Grettir werde fortan die Dunkelheit fürchten.
Glámr ist kein Troll, sondern ein Draugr, ein Wiedergänger – ein Toter, der leiblich zurückkehrt. Der Unterschied ist wichtig. Der Draugr war einmal Mensch und kehrt aus dem Grab zurück; der Troll ist von Anfang an das Andere. Die Grenzen sind in den Sagas allerdings durchlässig: Weil troll so weit gefasst ist, können auch Untote oder bösartige Zauberer als „trollisch“ beschimpft werden. Ármann Jakobsson hat in seinem Buch The Troll Inside You (2017) genau diese fließenden Kategorien des Paranormalen im mittelalterlichen Norden untersucht.
Nach der Christianisierung lebten die Trolle in einer neuen Rolle weiter. In den Sagen Norwegens und Schwedens, die über Jahrhunderte mündlich weitergegeben und ab dem 19. Jahrhundert systematisch gesammelt wurden, sind sie Bewohner der Berge, Wälder und Steinhalden. Sie sind alt, stark, oft riesenhaft, manchmal mehrköpfig, und sie haben ein Problem mit dem Christentum.
Ein Erzähltyp ist in ganz Skandinavien verbreitet: Ein Troll ärgert sich über eine neue Kirche und wirft Felsbrocken nach ihr. Er verfehlt sie immer – Trolle sind schlechte Werfer, und Gott schützt das Haus. Der Felsblock liegt dann noch heute auf irgendeinem Acker und beweist die Geschichte. Ein anderer Typ erzählt, wie die Trolle eine Gegend verlassen, weil sie das ewige Läuten der Kirchenglocken nicht ertragen. Auch der Donner gilt in manchen Überlieferungen als Trollschreck, was Forscher wie John Lindow als ferne Erinnerung an Thor, den Riesentöter, deuten.
Gefährlich bleiben die Trolle trotzdem. Sie stehlen Kinder und legen dafür Wechselbälger in die Wiege, und sie holen Menschen in den Berg. Diese Bergentrückung (norwegisch bergtatt, schwedisch bergtagen) ist eines der stärksten Motive der Überlieferung: Wer in den Berg geholt wurde, kam verwirrt oder gar nicht zurück. Schutz versprachen Stahl, Feuer, das Kreuzzeichen und der Name Gottes.
Und das Sonnenlicht? Im Volksglauben vieler Gegenden müssen Trolle vor Tagesanbruch in ihren Berg zurück, sonst erstarren oder zerplatzen sie. Auffällige Felsformationen wurden so erklärt: Hier steht ein Troll, den die Sonne erwischt hat. Diese Landschaftssagen haben eine lange Ahnenreihe – von Hrímgerðr als Hafenmarke über die Felsgestalt im Bárðardalur bis zu den Felsnasen, die Wanderführer heute auf Norwegens Wegen zeigen.
Die Volksüberlieferung trennt nicht immer sauber, und das macht sie lebendig. Neben den großen Bergtrollen stehen die huldrefolk, das „verborgene Volk“, das unter der Erde lebt, Vieh hält und den Menschen ähnelt. Die bekannteste Gestalt daraus ist die Huldra: eine schöne Frau im Wald, die sich von hinten verrät – durch einen Kuhschwanz oder einen hohlen Rücken wie ein morscher Baum. In Schweden entspricht ihr die skogsrå, die Waldfrau.
Auch zwischen Troll und Hauswicht verlaufen die Grenzen fließend. Der Nisse oder Tomte lebt auf dem Hof statt im Berg, gehört aber zur selben Welt der Wesen, die man bewirtet und nicht reizt. Nach dem Store norske leksikon wirken die schwedischen Trolle insgesamt menschenähnlicher und weniger furchterregend als die norwegischen. Auf Island wiederum heißen die Weihnachtsunholde Grýla und die Jólasveinar, und auch sie werden in den Quellen als tröll bezeichnet.
Dass wir heute ein ziemlich festes Bild vom norwegischen Troll haben, verdanken wir zwei Männern: dem Naturforscher Peter Christen Asbjørnsen und dem Theologen Jørgen Moe. Angeregt durch die Brüder Grimm sammelten sie Volkserzählungen und gaben ab Dezember 1841 ihre Norske Folkeeventyr in Heften heraus. Es folgten die Norske Huldre-Eventyr og Folkesagn in den Jahren 1845 bis 1848.
In diesen Märchen ist der Troll riesig, grausam, hässlich, gesellig wie ein Felsblock – und dümmer als der Mensch. Besiegt wird er vom Klügsten: dem Askeladden, dem jüngsten Bruder aus der Asche. Im Märchen vom Askeladden, der mit dem Troll um die Wette aß, schiebt er sich heimlich einen Ranzen unter das Hemd, schneidet ihn auf und überredet den gierigen Troll, es ihm gleichzutun. Der Troll stirbt an seiner eigenen Dummheit. Und die drei Ziegenböcke Bruse überlisten den Troll unter der Brücke, indem sie ihn immer auf den nächsten, größeren Bock vertrösten. Beide Märchen erschienen nach dem Store norske leksikon im Jahr 1843.
Hier verliert der Troll seinen Schrecken: Aus der Macht der Wildnis wird ein Gegner, den man auslachen kann. Im Norwegen der Nationalromantik, das nach der Trennung von Dänemark 1814 seine eigene Kultur suchte, wurde er zur Nationalfigur.
Ab 1879 erschienen illustrierte Ausgaben; für das Eventyrbog for Børn (1883–1887) zeichneten Erik Werenskiold und Theodor Kittelsen (1857–1914). Kittelsen gab dem norwegischen Troll sein Gesicht. Seine Trolle sind keine Monster mit Klauen, sondern Landschaft mit Augen: bemooste Riesen, deren Rücken aus Wald besteht, die über Fjorden brüten, die so groß sind, dass ein Mensch daneben wie ein Käfer wirkt. 1892 erschien sein eigenes Buch Troldskab, „Trollerei“, mit Bildern wie dem Wassergeist Nøkken. Sein Bild vom Askeladden, der mit dem Troll um die Wette isst, schmückt bis heute unzählige Märchenbücher.
In Schweden prägte John Bauer (1882–1918) ein ganz anderes Trollbild. Er illustrierte ab 1907 fast jedes Jahr bis 1915 den Weihnachtsband Bland tomtar och troll, „Unter Wichteln und Trollen“. Bauers Trolle sind schwerfällig, gutmütig-dumpf und oft melancholisch, sie stehen in dunklen Fichtenwäldern neben zarten Prinzessinnen. Bauer selbst starb in der Nacht zum 20. November 1918 mit Frau und Sohn, als der Dampfer Per Brahe im Vättern-See sank. Er wurde nur 36 Jahre alt.
Den literarisch bedeutendsten Troll schrieb Henrik Ibsen. In seinem dramatischen Gedicht Peer Gynt, erschienen 1867, gerät der Titelheld in die Halle des Dovregubben, des Alten vom Dovrefjell, des Trollkönigs. Der will Peer mit seiner Tochter verheiraten und erklärt ihm den Unterschied zwischen Mensch und Troll. Unter Menschen heiße es: Mensch, sei du selbst. Unter Trollen dagegen: Troll, sei dir selbst – genug.
Dieses eine Wort macht den Troll zur Charakterfrage. Der Troll ist bei Ibsen kein Ungeheuer der Berge mehr, sondern der Mensch, der nur sich selbst genügt, selbstzufrieden und blind für alles andere. Damit Peer bleiben kann, soll er sich einen Schwanz anbinden lassen und sein Auge so ritzen lassen, dass er die Welt wie ein Troll sieht. Da streikt Peer. Bei der Uraufführung am 24. Februar 1876 in Christiania erklang Edvard Griegs Bühnenmusik, darunter das Stück „In der Halle des Bergkönigs“, das seitdem in keiner Trolldoku fehlt.
Der Weg des Trolls in die Popkultur führt über Oxford. J. R. R. Tolkien, Professor für Altenglisch und Kenner der Edda, ließ in Der Hobbit (1937) drei Trolle namens Bert, Tom und William auftreten. Gandalf hält sie mit nachgeahmten Stimmen so lange im Streit, bis die Sonne aufgeht – und sie versteinern. Das ist Atli gegen Hrímgerðr und Thor gegen Alvíss, nur mit Cockney-Akzent. Tolkien kannte die Edda-Lieder genau, und Tom Shippey hat darauf hingewiesen, dass Tolkiens Leser 1937 Trolle aus Grimms Märchen und aus Asbjørnsen und Moe kannten.
Daneben stehen die harmlosen Trolle: die Mumins der finnlandschwedischen Autorin Tove Jansson (im Original mumintroll), die dänischen Glückstrolle oder die norwegischen Kinofilme Trolljegeren (2010) und Troll (2022). Und die Landschaft trägt die alten Namen weiter: Trollstigen, Trolltunga, Trollveggen, Trollheimen.
Wir bei Glanz & Gravur lieben am Troll, dass er Landschaft ist. Naturschiefer passt dazu wie kaum ein anderes Material: dunkel, geschichtet, mit Bruchkanten, die selbst wie Fels aussehen. Eine Trollsilhouette im Stil der Felsentrolle, deren Rücken in einen Bergkamm übergeht, wirkt auf Schiefer, als sei sie schon immer dort gewesen. Wer es literarisch mag, nimmt die Frage der Trollfrau als Inschrift: Hvat er troll nema þat? – „Was ist ein Troll, wenn nicht das?“ Über einer Haustür ist das ein augenzwinkernder Gruß an jeden Besuch.
Wer es lieber schützend als spöttisch mag, greift zum Trollkreuz – mit dem Wissen, dass es ein modernes Zeichen ist. Wir beraten dich gern, welches Motiv zu deinem Schiefer, Holz oder Glas passt.

Woher kommen Trolle ursprünglich? Das Wort troll ist altnordisch und bezeichnete Riesen, Zauberwesen und Unholde allgemein. Die heutige Gestalt des Bergtrolls entstand in der skandinavischen Volksüberlieferung und wurde im 19. Jahrhundert durch Märchensammlungen und Illustratoren festgelegt.
Sind Trolle und Riesen dasselbe? In den mittelalterlichen Quellen überschneiden sich die Begriffe stark; troll kann einen Riesen meinen, aber auch Zauberer oder Gespenster. Ob es getrennte Wesensklassen gab, ist in der Forschung umstritten.
Warum werden Trolle im Sonnenlicht zu Stein? Das Motiv geht mindestens auf die Edda zurück: Die Riesin Hrímgerðr wird in der Helgakviða Hjörvarðssonar bei Tagesanbruch zu Stein. In der Volksüberlieferung erklärte es auffällige Felsformationen in der Landschaft.
Warum sind Trolle typisch für Norwegen? Die Sammlungen von Asbjørnsen und Moe ab 1841 und die Bilder Theodor Kittelsens machten den Troll im Zeitalter der Nationalromantik zur norwegischen Symbolfigur. Ortsnamen wie Trollstigen und Trolltunga halten das bis heute lebendig.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.
Die Huldra · Nisse & Tomte · Der Draugr – der wandelnde Tote · Das Troll-Kreuz · Seiðr – die Zauberkunst.
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