Makoto Yukimuras „Vinland Saga“ beginnt mit dem dänischen Angriff auf London im Jahr 1013 und endet an einer Küste in Nordamerika. Dazwischen stehen Könige, die es gab, ein Heerführer, dessen Seitenwechsel die englische Chronik festhält, und ein Söldnerhauptmann, den der Autor erfunden hat. Dieser Beitrag legt die Figuren und Ereignisse neben die Quellen: die Angelsächsische Chronik, die Lobschrift für Königin Emma, die beiden isländischen Vinland-Sagas und die Ausgrabung von L'Anse aux Meadows. Er zeigt, wo der Manga erstaunlich genau ist, wo er bewusst erfindet und wo die Quellen selbst schweigen.
„Vinland Saga“ erschien ab April 2005 zunächst im Wochenmagazin Weekly Shōnen Magazine des Verlags Kodansha. Ende 2005 wechselte die Serie in das Monatsmagazin Monthly Afternoon für ein erwachseneres Publikum und lief dort fast zwanzig Jahre. Das letzte Kapitel, Nummer 220, erschien am 25. Juli 2025; der 29. und letzte Sammelband kam im September 2025 in Japan heraus.
Die Anime-Fassung hat zwei Staffeln mit je 24 Folgen. Die erste stammt von Wit Studio und lief von Juli bis Dezember 2019 im japanischen Fernsehen (NHK). Die zweite übernahm das Studio MAPPA; sie lief von Januar bis Juni 2023. Eine dritte Staffel, die den Rest der Handlung bis Vinland erzählen würde, war bei meiner Recherche nicht offiziell angekündigt. Aussagen des Autors dazu widersprechen sich; ich lasse das offen.
Die erste Staffel erzählt Thorfinns Jugend in Askeladds Söldnertruppe bis zum Tod König Svens 1014, die zweite seine Zeit als Unfreier auf einem Bauernhof. Die späteren Bände führen über Island und Grönland nach Vinland, dem Land, das Nordleute um 1000 an der Küste Nordamerikas fanden.
Bei „Vinland Saga“ hilft es, Gerüst und Füllung zu trennen. Das Gerüst ist historisch: die dänische Eroberung Englands 1013, der plötzliche Tod Sven Gabelbarts, der Aufstieg seines Sohnes Knut, die Grönländer und ihre Fahrten nach Westen. Die Füllung ist Erfindung: Thors, Askeladd und seine Truppe, Ketils Hof, fast alle Gespräche und Kämpfe. Dazwischen stehen Figuren mit historischem Kern und erfundenem Leben, allen voran der Titelheld.
Die Quellen, an denen sich das messen lässt, sind sehr unterschiedlich. Die Angelsächsische Chronik ist eine Sammlung jahrweise geführter Aufzeichnungen auf Altenglisch; für die Jahre um 1013 schrieb ein Zeitgenosse. Das Encomium Emmae Reginae, eine lateinische Lobschrift auf Königin Emma, entstand 1041 oder 1042 in Flandern und stellt Knut so günstig wie möglich dar. Die beiden Vinland-Sagas, die „Grænlendinga saga“ (Saga von den Grönländern) und die „Eiríks saga rauða“ (Saga von Erik dem Roten), wurden erst im 13. Jahrhundert aufgeschrieben, rund 200 Jahre nach den Ereignissen, und widersprechen sich oft. Dazu kommt die Archäologie, vor allem die Ausgrabung von L'Anse aux Meadows auf Neufundland.
Der Manga-Thorfinn ist ein isländischer Junge, der den Mord an seinem Vater rächen will, jahrelang als Kämpfer in Askeladds Truppe mitzieht, nach dessen Tod als Sklave verkauft wird und schließlich den Krieg ganz ablehnt. Mit dem historischen Vorbild teilt er vor allem den Namen und das Ziel. Thorfinn Karlsefni war nach beiden Vinland-Sagas ein wohlhabender Kaufmann aus Nordisland. Die „Eiríks saga rauða“ nennt ihn den Sohn des Thord Hesthöfði (Pferdekopf), der im Skagafjord in Nordisland lebte. Der Beiname Karlsefni bedeutet etwa „der das Zeug zu einem Mann hat“, ein Lob, keine Berufsbezeichnung.
Die Sagas erzählen nichts von einer Jugend als Söldner, nichts von einer Gefangenschaft und nichts von einer Racheschuld. Karlsefni kommt als Handelsmann nach Grönland, überwintert bei Erik dem Roten, heiratet die Witwe Gudrid Thorbjarnardóttir und bricht mit ihr nach Vinland auf. Die Lebensdaten lassen sich nur schätzen: Geburt um 980, die Fahrt nach Westen nach heutiger Rechnung um 1010. Yukimuras Thorfinn ist 1013 noch keine zwanzig; der historische Karlsefni dürfte zu dieser Zeit seine Vinland-Fahrt schon hinter sich gehabt haben.
Übernommen hat Yukimura dagegen Gudrid als Ehefrau, die Fahrt über Grönland und den Wunsch, im Westen zu siedeln. Auch ein Detail des Mangaendes hat eine Entsprechung in den Sagas: Dort bringt Gudrid in Vinland einen Sohn zur Welt, Snorri Thorfinnsson, den man oft das erste europäische Kind Amerikas nennt. Der pazifistische Wandel des Helden ist dagegen ganz die Idee des Autors. Die Sagas zeigen Karlsefni als praktischen Anführer, der handelt, kämpft und die Siedlung aufgibt, als die Gefahr zu groß wird.
Thorfinns Vater Thors, im Manga „der Troll von Jom“ genannt, ist erfunden. Eine historische Person dieses Namens mit dieser Geschichte ist mir nicht bekannt. Der Manga macht ihn zu einem früheren Heerführer der Jomswikinger, der seinen Tod in der Seeschlacht von Hjörungavágr vortäuscht, in Island als Bauer lebt und schließlich von Askeladd im Auftrag der Jomswikinger getötet wird.
Die Jomswikinger sind selbst ein Problem für jeden Faktencheck. Die „Jómsvíkinga saga“ beschreibt sie als Bruderschaft von Berufskriegern mit strengen Gesetzen und einer Seefestung namens Jomsburg an der südlichen Ostseeküste; sie wurde um 1200 aufgeschrieben. Die Schlacht von Hjörungavágr in Westnorwegen, in der Hákon Jarl die Jomswikinger schlug, ist auch durch Skaldengedichte belegt und wird meist um 986 datiert, wobei die Angaben schwanken. Ob es eine Bruderschaft mit Ordensregeln gab, ist dagegen umstritten. Für die Lage der Jomsburg wird häufig Wolin an der Odermündung vorgeschlagen; eindeutig belegen lässt sich das nicht.
Der Manga übernimmt die Saga-Version und spinnt sie weiter, mit Intrigen um die Führung und Kämpfen um die Festung. Die Manga-Jomsburg ist Literatur, kein archäologischer Befund.
Askeladd ist die vielleicht beliebteste Figur der Serie, und er ist vollständig erfunden. In der Geschichte ist er der Sohn eines dänischen Wikingers namens Olaf und einer walisischen Sklavin, Lydia, die ihren Sohn nach einem angeblichen Ahnherrn Lucius Artorius Castus nennt. Den Spottnamen Askeladd, „der Aschenjunge“, bekommt er, weil er als Kind ständig in Asche und Dreck arbeitet.
Der Name hat zwei Wurzeln, die beide außerhalb der Wikingerzeit liegen. Askeladden ist eine Märchenfigur aus Norwegen: der jüngste, unterschätzte Bruder, der am Herdfeuer sitzt und am Ende durch Witz und List gewinnt, wo die älteren Brüder scheitern. Bekannt wurde er durch die Sammlung von Asbjørnsen und Moe im 19. Jahrhundert; die Form Askeladden setzte sich dort erst 1852 durch. Als Name eines Wikingers ist das ein Anachronismus, als Anspielung passt es: Auch Yukimuras Askeladd siegt durch List.
Lucius Artorius Castus wiederum war ein realer römischer Offizier, bekannt aus Inschriften, die im kroatischen Podstrana gefunden wurden. Er lebte im späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert und war unter anderem Präfekt der Legio VI Victrix, einer Legion, die in Britannien stand. 1924 schlug der Philologe Kemp Malone vor, dieser Mann könnte das Vorbild für König Artus gewesen sein. Die Artus-Forschung lehnt das überwiegend ab, weil Castus Jahrhunderte vor den angelsächsischen Einwanderungen lebte, aus denen die Artus-Erzählungen hervorgehen. Der Manga greift diese Außenseiterthese auf, lässt aber offen, wie viel an Askeladds Familienerbe wahr ist.
Ein drittes Vorbild ist weniger bekannt. Yukimura hat Askeladds Herkunft nach Angaben zur Entstehung der Figur an Olaf Pfau (Óláfr pái) aus der „Laxdæla saga“ angelehnt. Dieser isländische Häuptling war der Sohn des Höskuld und einer Unfreien namens Melkorka, die laut Saga eine irische Königstochter war. Das Muster ist dasselbe, nur ersetzt der Manga Irland durch Wales.
Ausgerechnet der riesenhafte, kampfbesessene Thorkell, der im Manga wie eine Übertreibung wirkt, ist die am besten belegte Nebenfigur. Thorkell der Hohe (altnordisch Þorkell inn hávi) taucht 1009 in der Angelsächsischen Chronik auf, als ein großes dänisches Heer bei Sandwich landet, das die Chronik nach ihm benennt. In den folgenden drei Jahren verwüstet dieses Heer weite Teile Südenglands. 1011 nimmt es Canterbury ein und den Erzbischof Ælfheah gefangen. Im April 1012 erschlagen betrunkene Krieger den Erzbischof in Greenwich, weil er sich weigert, ein Lösegeld zahlen zu lassen.
Danach geschieht das, was der Manga zum Ausgangspunkt nimmt: Nach Zahlung eines gewaltigen Tributs von 48.000 Pfund Silber tritt Thorkell mit 45 Schiffen in den Dienst König Æthelreds. Als Sven Gabelbart 1013 angreift, steht Thorkell also auf der englischen Seite. Die Chronik nennt ausdrücklich ihn als einen der Gründe, warum London sich zunächst nicht ergab. Der Manga stellt Thorkell genau dort auf, als Verteidiger Londons gegen die Dänen.
Wie der Wechsel zurück zu den Dänen ablief, ist weniger klar. Fest steht: Im Krieg von 1015 und 1016 kämpft Thorkell an Knuts Seite, und 1017 macht ihn Knut zum Earl von Ostanglien. 1021 wird er geächtet, 1023 versöhnen sich beide wieder; danach verliert sich seine Spur. Ob Thorkell, wie die Sagas behaupten, ein Jomswikinger und Bruder des Jomswikinger-Anführers Sigvaldi war, ist nicht gesichert. Yukimura nimmt die Saga-Tradition beim Wort und macht Thorkell zum Onkel von Thorfinns Mutter Helga, was ebenfalls Erfindung ist.
Der Manga beginnt seine englische Handlung mit einer Schlacht um die London Bridge. Dänische Schiffe greifen an, Thorkell hält die Brücke, und Askeladds Truppe nutzt die Lage für eigene Pläne. Wie sah es wirklich aus? Die Angelsächsische Chronik beschreibt Svens Feldzug von 1013 in knappen Sätzen. Sven landet im Spätsommer bei Sandwich, segelt dann in den Humber und den Trent hinauf „bis er nach Gainsborough kam“. Dort unterwerfen sich ihm Northumbrien und die Landschaften östlich von Watling Street, der alten Römerstraße, die das dänisch geprägte Gebiet im Nordosten vom Rest Englands trennte. Knut bleibt mit den Schiffen und den Geiseln zurück.
Sven zieht nach Süden. Oxford und Winchester ergeben sich. Vor London scheitert er. Die Chronik, in der Übersetzung von James Ingram aus dem Jahr 1823, sagt, die Bewohner hätten sich nicht ergeben, weil König Æthelred in der Stadt gewesen sei „und Thurkill mit ihm“. Auf dem Weg dorthin, so die Chronik weiter, seien viele von Svens Leuten in der Themse ertrunken, „weil sie sich an keine Brücke hielten“. Von einer Schlacht auf der Brücke selbst ist dort nicht die Rede.
Sven nimmt in Bath die Unterwerfung des Westens entgegen; danach ergibt sich auch London. Æthelred geht um die Jahreswende auf die Isle of Wight und dann zu Herzog Richard von der Normandie, dem Bruder seiner Frau Emma. Ende 1013 gilt Sven als König von ganz England.
Die bekannte Geschichte, wie Krieger die London Bridge mit Seilen einreißen, gehört übrigens nicht hierher. Sie steht in Snorri Sturlusons Saga über Olaf den Heiligen aus dem 13. Jahrhundert und spielt 1014, als Olaf Haraldsson angeblich Æthelred bei der Rückeroberung half. Die Chronik kennt diese Episode nicht, und die Forschung hält sie für zweifelhaft. Der Manga verdichtet also mehrere Jahre und Überlieferungen zu einer Schlacht.
Im Manga stirbt Sven Gabelbart Anfang 1014 vor versammeltem Hof. Askeladd, der um die Pläne des Königs gegen Wales weiß, spielt den Wahnsinnigen, nennt sich den wiedergeborenen Artorius und enthauptet Sven; Knut tötet daraufhin Askeladd und übernimmt das Heer. Historisch ist an dieser Szene fast nur das Datum.
Die Angelsächsische Chronik meldet zu 1014 lediglich, König Sven habe „an Lichtmess“ seine Tage beendet; gemeint ist der 3. Februar, auch wenn das Fest Mariä Lichtmess eigentlich auf den 2. Februar fällt. Eine Todesursache nennt sie nicht, und auch keinen Sterbeort. Dass Sven in Gainsborough starb, ergibt sich daraus, dass Knut mit dem Heer dort bis Ostern blieb. Die heutige Forschung übernimmt diese Angabe meist; ganz sicher ist sie nicht, denn Symeon von Durham berichtet im 12. Jahrhundert von einer Bestattung in York. Später wurde der Leichnam nach Dänemark überführt.
Ein gewaltsamer Tod taucht erst in späteren Texten auf, und dort ist der Täter kein Söldner, sondern ein Heiliger. Johannes von Worcester und Wilhelm von Malmesbury erzählen im 12. Jahrhundert, der heilige Edmund, 869 von Wikingern getöteter König von Ostanglien, sei Sven erschienen und habe ihn niedergestreckt. Snorri Sturluson wiederum lässt Sven im 13. Jahrhundert schlicht nachts im Bett sterben. Einen Mord am Hof kennt keine Quelle.
Die Folgen des Todes zeigt der Manga dagegen im Kern richtig. Nach der Chronik wählte die dänische Flotte Knut zum König, während die englischen Großen Æthelred zurückriefen. Knut konnte sich 1014 nicht halten, ließ in Sandwich Geiseln verstümmeln und segelte nach Dänemark.
Yukimuras Knut beginnt als scheuer, fast stummer Jüngling und wird nach einer inneren Wende zu einem kühlen Machtpolitiker, der seinen Vater beseitigen lässt und Gott herausfordert, ein Paradies auf Erden zu errichten. Yukimura hat die Persönlichkeit nach eigenen Angaben selbst entworfen. Über Knuts Jugend ist fast nichts bekannt; selbst sein Geburtsjahr lässt sich nur auf die Zeit um 990 bis 995 eingrenzen.
Die äußeren Stationen passen dagegen zum historischen Verlauf. Knut kehrte 1015 mit einer großen Flotte nach England zurück, unterstützt von Thorkell und Jarl Erik Hákonarson. 1016 starben Æthelred und kurz darauf sein Sohn Edmund Eisenseite, nachdem Knut ihn bei Assandun geschlagen hatte. Knut wurde König von England, wenig später auch von Dänemark, wo sein Bruder Harald um 1018 starb. Dass Knut seinen Bruder vergiften ließ, wie der Manga andeutet, ist durch nichts belegt; die Todesursache Haralds ist unbekannt.
Die Szene, in der Knut den Gezeiten trotzt, greift eine Anekdote auf, die Heinrich von Huntingdon im 12. Jahrhundert überliefert. Dort will Knut seinen Höflingen zeigen, dass auch ein König der Flut nicht befehlen kann, und demütigt sich vor Gott. Der Manga macht daraus eine Herausforderung Gottes. Auch die Geldnot des Königs hat einen realen Hintergrund: Nach der Chronik erhob Knut 1018 einen Tribut von 72.000 Pfund in England, dazu 10.500 Pfund von London, um seine Flotte zu bezahlen. Die Idee, er habe deshalb dänische Höfe beschlagnahmt, ist dagegen erfunden.
Die zweite Anime-Staffel spielt fast ganz auf einem großen Hof im Süden Jütlands, den ein freier Bauer namens Ketil bewirtschaftet. Thorfinn und der Engländer Einar roden dort Wald, legen Felder an und hoffen, sich freikaufen zu können. Ketil, sein Hof, seine Familie und seine Unfreien sind erfunden. Der Rahmen ist es nicht.
Sklaverei gehörte zur Welt der Wikingerzeit. Die Unfreien hießen altnordisch þrælar, Einzahl þræll, wovon das englische „thrall“ kommt. Sie wurden auf Raubzügen gefangen, auf Märkten wie Dublin oder Haithabu gehandelt und auf Höfen als Arbeitskräfte eingesetzt. Einars Schicksal, verschleppt und in Dänemark verkauft, ist daher plausibel. Erzbischof Wulfstan von York klagte 1014 in einer berühmten Predigt, der „Sermo Lupi“, darüber, dass Engländer außer Landes verkauft würden.
Erfunden ist das Innenleben: Wie Unfreie selbst ihr Leben sahen, sagen die Quellen kaum, weil sie fast nie zu Wort kommen.
Leif Eriksson, im Manga ein gutmütiger Seemann und Freund von Thors, ist eine historische Gestalt, wenn auch nur aus den Sagas bekannt. Er war der Sohn Eriks des Roten, der um 985 die Besiedlung Grönlands anführte. Nach der „Grænlendinga saga“ segelte Leif um das Jahr 1000 gezielt nach Westen, nachdem ein anderer Seefahrer unbekanntes Land gesichtet hatte. Die „Eiríks saga rauða“ lässt ihn dagegen auf der Rückfahrt aus Norwegen zufällig abgetrieben werden; dort hatte ihn König Olaf Tryggvason zum Christentum bekehrt. Eine Freundschaft mit einem isländischen Jomswikinger kennt keine Quelle. Yukimura hat nach eigenen Worten Leifs kriegerische Seite abgeschwächt und ihn zum reinen Abenteurer gemacht.
Gudrid Thorbjarnardóttir ist eine der eindrucksvollsten Frauen der Sagas. Sie war nach der „Grænlendinga saga“ zuerst mit einem Norweger namens Thorir verheiratet, dann mit Leifs Bruder Thorstein, und nach dessen Tod mit Karlsefni. Später soll sie als Witwe nach Rom gepilgert sein und in Island als Nonne oder Klausnerin gelebt haben. Der Manga ändert die Vorgeschichte, behält aber den Kern: eine Frau, die aufs Meer will und mit Thorfinn nach Westen fährt. Leifs Schwester Freydis, in den Sagas Kämpferin oder Anstifterin eines Massakers, spielt im Manga keine tragende Rolle.
Beide Sagas berichten, dass Karlsefni mit Schiffen, Vieh und Siedlern nach Vinland aufbrach, um dort dauerhaft zu leben. Die „Grænlendinga saga“ nennt 60 Männer und fünf Frauen, die „Eiríks saga rauða“ drei Schiffe und weit über hundert Menschen. Die Siedler treffen auf Einheimische, die die Sagas Skrælingar nennen, ein abwertendes Wort unklarer Herkunft. Es kommt zu Tauschhandel, dann zu Kämpfen. Nach wenigen Jahren geben die Isländer auf. Die Saga von Erik dem Roten fasst den Grund in einem Satz: Das Land sei zwar gut, aber man werde dort wegen der Einheimischen immer in Furcht leben.
Der Manga erzählt dieses Scheitern mit eigenen Figuren und eigener Moral. Er gibt den Einheimischen Namen, eine Sprache und eine Geschichte und kennzeichnet sie als Mi'kmaq, ein Volk, das bis heute im Osten Kanadas lebt. Welche Gruppen die Nordleute tatsächlich trafen, lässt sich nicht bestimmen; die Sagas erlauben keine Zuordnung zu heutigen Völkern.
„Snorri, Karlsefni's son, was born the first autumn, and he was three winters old when they began their journey home.“
(„Snorri, Karlsefnis Sohn, wurde im ersten Herbst geboren, und er war drei Winter alt, als sie die Heimreise antraten.“)Eiríks saga rauða, Abschnitt 13, in der Übersetzung von J. Sephton, „Eirik the Red's Saga“, Liverpool 1880; deutsche Übertragung von mir
Lange galt Vinland als Sagaland. Das änderte sich 1960, als der Norweger Helge Ingstad mit Hilfe eines Ortskundigen an der Nordspitze Neufundlands auf Erdwälle stieß. Er und die Archäologin Anne Stine Ingstad gruben dort bis 1968. Sie fanden die Reste von acht Gebäuden in nordischer Bauweise, eine Schmiede mit Eisenschlacke, eine Werkstatt. 1978 wurde der Fundplatz UNESCO-Welterbe. Es ist bis heute der einzige allgemein anerkannte Platz nordischer Besiedlung in Nordamerika.
Im Oktober 2021 veröffentlichte ein Team um Margot Kuitems in der Zeitschrift „Nature“ eine neue Datierung. Ein Strahlungsereignis im Jahr 993 hinterließ in Baumringen weltweit einen messbaren Anstieg von C-14; von diesem Ring aus lassen sich die Jahresringe bis zur Rinde abzählen. Drei mit Metallwerkzeug bearbeitete Holzstücke aus L'Anse aux Meadows wurden auf diese Weise auf das Jahr 1021 datiert. In diesem Jahr waren also Nordleute dort und fällten Bäume.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens beweist 1021 ein Jahr der Anwesenheit, nicht den Beginn oder das Ende der Nutzung. Zweitens ist offen, ob der Platz einem Ort der Sagas entspricht, etwa Leifs Hütten (Leifsbúðir) oder Straumfjord, oder eher ein Reparaturplatz für Schiffe war. Funde von Butternüssen, die nördlich von New Brunswick nicht wachsen, zeigen, dass die Besucher weiter nach Süden fuhren. Mehr dazu steht im Beitrag über Vinland.
Die Reihenfolge der englischen Ereignisse stimmt: Svens Feldzug 1013, Londons Widerstand mit Thorkell, Svens Tod Anfang 1014, Knuts Aufstieg. Erfunden oder verdichtet sind die Brückenschlacht, Svens Ermordung und der Hof in Jütland. Am stärksten verschoben ist der Vinland-Teil: Nach Saga-Rechnung fuhr Karlsefni im ersten Jahrzehnt nach 1000, im Manga bricht Thorfinn erst Jahre nach 1014 auf. Damit liegt er näher am Befund von 1021 als an den Sagas, deren Chronologie ihrerseits nur aus Generationenangaben rekonstruiert ist.
Ist „Vinland Saga“ abgeschlossen? Ja. Das letzte Kapitel 220 erschien am 25. Juli 2025 in „Monthly Afternoon“, der 29. Sammelband im September 2025. Der Anime hat bisher zwei Staffeln (2019, 2023).
Wie historisch ist „Vinland Saga“? Der Rahmen ist historisch: Svens Eroberung Englands, Thorkells Seitenwechsel, Svens Tod 1014, Knuts Aufstieg und die Fahrten nach Vinland. Thorfinns Lebensweg und Askeladd sind dagegen erfunden.
Gab es Thorfinn Karlsefni wirklich? Er ist aus zwei isländischen Sagas bekannt, die etwa 200 Jahre nach seinem Leben aufgeschrieben wurden. Zeitgenössische Zeugnisse gibt es nicht; die Einzelheiten seines Lebens sind unsicher.
Wer tötete Sven Gabelbart? Nach der zeitgenössischen Chronik niemand; sie meldet nur seinen Tod am 3. Februar 1014. Mittelalterliche Legenden machen den heiligen Edmund zum Täter, der Manga Askeladd. Beides ist nicht belegt.
Waren Wikinger wirklich in Amerika? Ja. Die Siedlung von L'Anse aux Meadows auf Neufundland belegt das, und Holz von dort wurde nachweislich im Jahr 1021 gefällt.
Thorfinn Karlsefni · Knut der Große · Sven Gabelbart · Die Jomswikinger · Vinland · Leif Eriksson · Sklaverei in der Wikingerzeit · Wikinger in England · Die Grönländer · „Vikings“ im Faktencheck

Thorfinn Karlsefni · Knut der Große · Sven Gabelbart · Die Jomswikinger · Vinland.
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