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Haakon der Gute: der Ziehsohn des englischen Königs, die Gesetze der Sagas und das Lied von der Ankunft in Walhall

Geschichte & Funde Haakon der Gute: der Ziehsohn des englischen Königs, die Gesetze der Sagas und das Lied von der Ankunft in Walhall

Haakon Haraldsson, der jüngste Sohn Harald Schönhaars, soll als Kind an den Hof des englischen Königs Æthelstan gekommen sein, nach dem Tod des Vaters Norwegen zurückerobert, Gesetze gegeben, ein Flottenaufgebot eingerichtet und die Eriksöhne mehrfach geschlagen haben, bis ihn bei Fitjar um 960/961 ein Pfeil traf. Fast alles davon steht in Sagas des 12. und 13. Jahrhunderts. Das Einzige, was aus seiner eigenen Zeit stammt, ist ein Totenlied seines Hofdichters. Dieser Beitrag trennt, was Skaldik und Nachbarquellen stützen, von dem, was Snorri und andere erzählen, und von dem, was die Nachwelt daraus gemacht hat.

Einordnung: ein Königssohn, zwei Beinamen und ein früher Tod

Hákon Haraldsson wurde nach der gängigen Angabe um 920 in Hordaland an der norwegischen Westküste geboren, auf einer Landzunge, die in den Sagas Hákonarhella heißt, „Hákons Felsplatte“. Sein Vater war Harald Schönhaar, seine Mutter, in den Sagas, Tora mit dem Beinamen Mosterstang; das Store norske leksikon nennt sie eine Magd. Geburts- wie Todesjahr gelten als ungefähre Werte. Gestorben ist er nach der verbreiteten Angabe 961, andere Darstellungen sagen 960; dazu unten mehr.

Zwei Namenszusätze begleiten ihn. Aðalsteinsfóstri heißt „Ziehsohn Æthelstans“ (altnordisch fóstri, Pflegesohn), und dieser Beiname ist schon in der Dichtung des 11. Jahrhunderts bezeugt. „Der Gute“ (inn góði) tritt ebenfalls früh auf. Das Store norske leksikon vermerkt, der Beiname sei schon in Skaldenversen zu finden, ohne dass ich die Stelle prüfen konnte. Snorri erklärt ihn mit Hákons Verhältnis zu den Bauern, und seine Saga fasst zusammen, der König habe sich bei seinen Leuten den Namen „der Gute“ erworben. Woher der Beiname wirklich stammt, ist nicht abschließend zu klären; ein Zusammenhang mit der Gesetzgebung, wie ihn die Sagas herstellen, ist eine Möglichkeit, keine Gewissheit.

Hákon regierte, so die Sagas, von etwa 934 bis zu seinem Tod, also mehr als ein Vierteljahrhundert, und das fast ohne Gegner im Inneren. Sein Machtbereich war vor allem Westnorwegen; die Vorstellung eines Norwegens in heutigen Grenzen gehört einer späteren Zeit. Theodoricus Monachus, der um 1177 bis 1187 schrieb, nennt 25 Regierungsjahre, davon 19 in Frieden. Hákon hatte, so übereinstimmend die Sagas, eine Tochter und keine Söhne. Den Vater Harald Schönhaar und den Halbbruder Erik behandeln die Beiträge zu Harald Schönhaar und Erik Blutaxt. Hier geht es um den Mann dazwischen und danach.

Die Quellenlage: wer schreibt wann

Gleichzeitige Erzählquellen gibt es nicht. In keiner angelsächsischen Chronik kommt Hákon vor, auch nicht bei Wilhelm von Malmesbury, der im 12. Jahrhundert ausführlich über Æthelstan schrieb. Für die Fosterung in England haben wir also nur nordische Texte, die den Vorgang mehr als zweihundert Jahre später erzählen. Das Store norske leksikon hält fest, dass keine zeitgenössische Quelle, auch keine Skaldendichtung, die Vorgänge um seine Machtübernahme beleuchtet.

Das Hákonarmál. Das älteste und zugleich nächste Zeugnis ist ein Gedicht des Eyvindr skáldaspillir („Dichtungsverderber“, der Beiname ist ungeklärt), das Hákonarmál. Es hat 21 Strophen im Versmaß ljóðaháttr und entstand nach Hákons Tod, vermutlich kurz danach. Es ist vollständig erhalten, in der Fagrskinna und der Heimskringla. Eyvindr war Hákons Hofdichter und diente nach dessen Tod, so die Sagas, zuerst Harald Graumantel und später dem Jarl Hákon Sigurdsson von Lade. Das Gedicht ahmt, so die Forschung, das ältere Eiríksmál auf Erik Blutaxt nach, das rund sieben Jahre früher entstand; mehr zu Dichter und Werk im Beitrag zu Eyvindr skáldaspillir. Ein Preislied ist kein Bericht. Dichter und Auftraggeber haben ein Interesse, und was ein Gedicht auslässt, wird dadurch nicht widerlegt. Aber es stammt aus Hákons eigener Zeit.

Die Skalden danach. Das Store norske leksikon erwähnt Strophen des Sigvatr Þórðarson aus der Mitte der 1030er Jahre. Auf dieser Website heißt es im Beitrag zu Rastarkalv und Fitjar, Sigvatr nenne Hákon dort Ziehsohn Æthelstans und einen Mann, der „Gesetze“ gegeben habe; diese Zeilen habe ich selbst nicht gelesen und die Seite zu Sigvatrs Bersöglisvísur, die ich abrief, erwähnt Hákon nicht. Das Leksikon deutet das Wort „Gesetze“ als Hinweis auf Hákons Zusammenarbeit mit den Bauern, nicht auf eine Gesetzgebung im engen Sinn.

Historia Norwegiae, Theodoricus, Ágrip. Die Historia Norwegiae ist eine anonyme lateinische Geschichte Norwegens, meist auf etwa 1170 bis 1220 datiert; sie ist in einer einzigen Handschrift von etwa 1500 bis 1510 erhalten. Sie nennt Hákon, wie die bei Wikipedia und auf dieser Website zitierte Wendung lautet, einen Abtrünnigen, der „heidnische wie christliche Riten“ beachtete. Den Text selbst habe ich nicht gelesen. Theodoricus Monachus, wohl ein norwegischer Benediktiner aus dem Kloster Nidarholm, widmete sein lateinisches Werk dem Erzbischof Eysteinn Erlendsson. In der Übersetzung der Viking Society (McDougall, Foote), die ich in Auszügen sehen konnte, ist Hákon „hübsch anzusehen“ und bei allen Leuten sehr beliebt, die Nordmänner hätten ihn wegen der Grausamkeit Eriks und besonders Gunnhilds zurückgerufen. Das ist eine andere Begründung als bei Snorri. Der Ágrip, um 1190, ist die erste Königsgeschichte in der Volkssprache und reicht von Halfdan dem Schwarzen bis 1136; seine Passagen zu Hákon habe ich nicht gelesen.

Fagrskinna und Heimskringla. Die Fagrskinna („Schöne Haut“, nach der Handschrift) entstand um 1220, ihr Verfasser ist unbekannt, und sie diente Snorri als unmittelbare Vorlage. Snorri Sturluson schrieb die Hákonar saga góða als Teil der Heimskringla um 1230, also rund 270 Jahre nach den Ereignissen (siehe Snorri Sturluson). Er stützt sich auf Skaldenverse, ältere Königsgeschichten und mündliche Erzählung und ordnet sie zu einem lesbaren Verlauf. Wo Fagrskinna und Heimskringla übereinstimmen, ist das Bild am tragfähigsten; was nur Snorri erzählt, wie Gespräche vor der Schlacht oder Hákons letzte Worte, gehört zur Erzählkunst.

Morkinskinna und Adam von Bremen. Zwei Namen, die man in der Reihe der Quellen erwartet, fehlen hier aus sachlichen Gründen. Die Morkinskinna, um 1220 in Island geschrieben und in einer Handschrift von etwa 1275 erhalten, setzt in ihrer erhaltenen Gestalt erst um 1025/26 ein; Hákon kommt darin nicht vor. Adam von Bremen schrieb seine Hamburger Kirchengeschichte zwischen 1073 und 1076 (siehe Adam von Bremen). Er kennt für das 10. Jahrhundert einen norwegischen Machthaber „Haccon“; nach einer Studie des Österreichischen Akademie der Wissenschaften meint er damit aber Hákon Sigurdsson, den Jarl von Lade, nicht den König Hákon den Guten. Einen Eintrag Adams zu Hákon dem Guten habe ich nicht gefunden; ich habe Adam aber nicht im Volltext gelesen.

Chronologie des Gesicherten

Auch hier braucht es zwei Spalten. Zuerst das, was außerhalb der Sagas oder in nahe liegenden Quellen zu fassen ist:

Und die Abfolge, wie die Sagas sie erzählen (Jahreszahlen sind hier meist moderne Zuordnungen, nicht Angaben der Texte): Um 920 geboren; als Kind nach England gebracht; Tod des Vaters, im Handbuch meist 934 angesetzt; Rückkehr, Wahl zum König; Auseinandersetzungen um Opferfeste um 950; Kampf bei Ogvaldsnes, nach Wikipedia 953; Rastarkalv um 954/955; Fitjar um 960/961; Harald Graumantel als Nachfolger; sein Tod um 970 am Limfjord. Wie wenig fest diese Reihe ist, zeigt schon der Anfang. Die Länge der Herrschaft Eriks wird mit 931 bis 933 oder 932 bis 934 angegeben, und wann Harald Schönhaar starb, ist unsicher.

Herrschaft: Rückkehr, Recht, Aufgebot, Glaube und Krieg

Die Rückkehr. Nach der Heimskringla ließ Harald seinen Sohn durch den Boten Hauk Håbrok nach England bringen. Hauk setzte das Kind dem König auf die Knie, nach altem Brauch, der knésetja, und nahm es damit als Pflegekind an. Das hatte auch einen Haken, denn der Pflegevater stand danach in einer Art Unterordnung unter den leiblichen Vater. Æthelstan soll das erst bemerkt haben, als es zu spät war. In Laings Übersetzung (Haralds saga, nicht Hákons Saga) lässt Æthelstan Hákon taufen und im rechten Glauben erziehen. Ob das stimmt, wissen wir nicht. Englische Quellen sagen nichts dazu, und der Zug klingt nach einer Ursprungserzählung, die Hákons Christentum erklärt.

Nach Harald Schönhaars Tod fuhr Hákon, so die Sagas, mit Schiffen und Männern, die ihm Æthelstan gegeben haben soll, nach Norwegen. In der Heimskringla spielt Sigurd, der Jarl von Lade, die Schlüsselrolle; er soll dem Neugeborenen bei der Namengebung Wasser übergegossen haben und ist Hákons politischer Rückhalt, und auf einer Versammlung in Trondheim wird Hákon zum König ausgerufen, mit fünfzehn Jahren, wie Snorri meint; andere Sagas sprechen von zwanzig. Um die Bauern zu gewinnen, soll Hákon ihnen ihr óðal zurückgegeben haben, das ererbte Familienland, auf dem die Abgaben lasteten, die Harald eingeführt hatte. Theodoricus erzählt es anders: Die Großen hätten ihn gerufen, weil sie Erik und Gunnhild fürchteten. Beide Versionen sind plausibel, beide stehen erst in Texten des 12. und 13. Jahrhunderts. Erik floh nach den Sagas über die Orkneys nach England, wo er in York Fuß fasste. Zu den Lade-Jarlen siehe Die Trønder und die Jarle von Lade.

Gesetze und Thing. Die Heimskringla sagt, Hákon habe das Gulathing-Recht mit dem Rat Thorleifs des Weisen und das Frostathing-Recht mit Jarl Sigurd und anderen klugen Männern aus Trondheim aufgestellt. Das Thing ist die Rechtsversammlung freier Männer; das Gulathing, benannt nach dem Ort Gulen nördlich von Bergen, tagte seit dem frühen 10. Jahrhundert. Die Forschung sieht die Rolle des Königs vorsichtiger. Die vollständigste Handschrift des älteren Gulathing-Rechts stammt von etwa 1260, der Ursprung des Textes wird teils in die Zeit Olafs des Friedfertigen (1066 bis 1093) gesetzt, und Teile könnten ältere mündliche Überlieferung bewahren. Der Satz, Hákon habe das Frostathing-Recht mit Sigurd gegeben, gilt in der Literatur als Ursprungserzählung und nicht als Protokoll. Was sich glaubhaft behaupten lässt: Hákon arbeitete mit den Bauern zusammen und mit dem Thing als Ort der Absprache, das Store norske leksikon hebt sie hervor, und sie unterscheidet seine Herrschaft von der seines Vaters, der sich auf Zwang stützte.

Das Aufgebot. Das leiðangr, das Flottenaufgebot, in dem Küstenbezirke je ein bemanntes Schiff stellten, schreibt Snorri Hákon zu: Er habe das Küstenland in Schiffsbezirke (skipreiða) eingeteilt, die Zahl und Größe der zu stellenden Schiffe festgelegt und Signalfeuer auf den Höhen errichten lassen, so dass eine Warnung in sieben Tagen von der südlichsten bis zur nördlichsten Thingstätte laufen konnte. Dass es Feuerwachen gab, bestätigen die Kampfberichte ungewollt: Nach der Saga unterblieben die Feuer bei der Landung der Eriksöhne, und die Wachen vor Fitjar zögerten, Alarm zu geben, weil Hákon Fehlalarme bestrafte. Das früheste Zeugnis für ein norwegisches Aufgebot stammt aus Skaldenversen auf die Lade-Jarle von 985. Die festen Bezirke und Zahlen des 13. Jahrhunderts gelten als Rückprojektion. Mehr dazu bei Lið, Félag, Hird, Leiðangr.

Der Glaube. Nach Snorri ließ Hákon aus England Priester kommen und wollte Sonntag und christliche Feste einführen, versuchte aber keine allgemeine Taufe. Die Szenen, die dann folgen, zählen zu den berühmtesten der Saga. Auf dem Frostathing hält ihm Ásbjörn von Medalhus vor, die Bauern würden ihm folgen, aber nur, wenn er sie nicht zum Glaubenswechsel zwinge; Jarl Sigurd vermittelt. Beim Herbstfest in Hlaðir sollen die Bauern von ihm verlangt haben, Pferdefleisch zu essen; er weigerte sich, und Sigurd rettete die Lage, indem Hákon nur so tat, als koste er den Dampf über dem Kessel. Zu Julfest in Mære aber, so die Saga, zwangen ihn Bauernführer, ein Stück Pferdeleber zu essen und die Becher ohne Kreuzzeichen zu trinken; drei Priester wurden erschlagen, drei Kirchen verbrannt, und Hákon verließ Trondheim im Zorn. Das sind erzählerisch dichte Szenen aus Snorris Feder, deren Vorlagen ich nicht kenne. Das Store norske leksikon nimmt an, dass Hákon keine allgemeine Bekehrung durchsetzen wollte, weil das Streit gebracht hätte. Für eine Missionstätigkeit spricht eine spätere englische Liste, die einen „Bischof Sigfrid“ als norwegensis episcopus nennt, wobei seine Rolle umstritten ist; dass heidnische Bestattungen an der Küste um die Mitte des 10. Jahrhunderts seltener werden, passt zeitlich dazu. Die Historia Norwegiae spricht von einem Abtrünnigen, der beide Riten pflegte. Zu der Frage im größeren Rahmen: Christianisierung der Germanen.

Kämpfe gegen Dänen und Eriksöhne. Die Heimskringla lässt Hákon schon früh dänische Räuber bis nach Jütland verfolgen und Seeland, Schonen und Götaland brandschatzen; ein Blogbeitrag des Autors Eric Schumacher setzt diese Züge irgendwann zwischen 950 und 960 an, die Saga selbst nennt keine Jahre. Ernster wurde es, nachdem Gunnhild und ihre Söhne nach Eriks Tod in Dänemark Zuflucht gefunden hatten. König Harald Blauzahn gab ihnen, so die Saga, Lehen, und sie fuhren jahrelang gegen Hákon (siehe Harald Blauzahn). Bei Ogvaldsnes (Avaldsnes), nach moderner Einordnung um 953, fiel Guthorm Eriksson. Bei Rastarkalv, um 954/955, soll ein Täuschungsmanöver mit zehn Bannern die Lage entschieden haben; in der Heimskringla stammt der Einfall von Egill Ullserk, der in der Schlacht fiel, nicht von Hákon. Eine ausführliche Darstellung bietet der Beitrag zu Rastarkalv und Fitjar.

Fitjar. Der letzte Akt beginnt bei einem Gelage auf Stord. Wachen sehen viele Schiffe von Süden herankommen und zögern, den König zu wecken. Sie holen Eyvindr Finnsson, der ihn drängt, zu kämpfen und nicht zu fliehen. Hákon entscheidet sich für den Kampf. Die Gegner sollen ihm etwa sechsfach überlegen gewesen sein; die Zahl steht nur in der Saga. Hákon trug einen goldglänzenden Helm, der Hieb auf Hieb anzog, und in der Heimskringla legt Eyvindr einen Hut darüber, um ihn zu verbergen. Hákon erschlug Eyvind den Schreier (skreyja), den Onkel der Eriksöhne; er selbst wurde von einem Pfeil in den Arm getroffen. Den Sagas zufolge ließ sich die Blutung nicht stillen, und er starb auf dem Rückweg am Hügel Hákonarhella, wo er geboren war. Er soll noch angeordnet haben, das Reich den Eriksöhnen anzubieten, und gesagt haben, er hätte Buße getan, wenn er länger gelebt hätte. Das sind Details der Saga; ob sie so gesprochen wurden, lässt sich nicht prüfen. Im Hákonarmál stirbt er als Krieger.

Nach seinem Tod folgte Harald Graumantel, ein Sohn Eriks. Seine und seiner Brüder Herrschaft reichte nach Wikipedia kaum über Westnorwegen hinaus. Um 970 wurde Harald nach Dänemark gelockt und bei Hals am Limfjord erschlagen; den Plan soll Hákon Sigurdsson ausgeheckt haben, der mit Harald Blauzahn verbündet war. Mit Hákon dem Guten endete eine Ordnung, die auf der Zusammenarbeit mit den Bauern und den Jarlen beruhte; was darauf folgte, erzählt der Beitrag zu Olaf Tryggvason.

Archäologie, Münzen, Ortsnamen: wenig Greifbares

Hákons Grab soll in einem Hügel bei Seim in Nordhordaland liegen, dem heutigen Håkonshaugen in der Gemeinde Alver. Die Heimskringla lässt ihn dort mit seinen Waffen, aber ohne weitere Beigaben bestatten. Nach dem Store norske leksikon haben Grabungen in dem sogenannten Königshügel nichts erbracht, das die Überlieferung stützt; ob das Grab anderswo liegt oder gar nicht mehr zu finden ist, bleibt offen. Münzen aus Hákons Zeit mit seinem Namen sind mir nicht begegnet. Eine eigene norwegische Prägung beginnt nach dem Münzkabinett der Universität Oslo mit Olaf Tryggvason nach seinem Herrschaftsantritt im Sommer 995, also eine Generation nach Hákon. Ortsnamen wie Hákonarhella („Håkonshella“) und Fitjar tragen die Erinnerung an die Sagas, belegen aber kein Ereignis. Im Fitjar-Wappen steht ein goldener Helm; er geht auf die Erzählung vom Helm des Königs zurück. Eine Statue von Anne Grimdalen, 1961 zum tausendjährigen Gedenken aufgestellt, erinnert in Fitjar an die Schlacht.

Regionaler Bezug: kein belegter Weg an den Rhein

Ein Bezug Hákons zum Rheinland, zu Aachen oder zu Norddeutschland ist in den Quellen, die ich las, nicht belegt. Weder die Sagas noch die Nachbarquellen erwähnen, dass er oder sein Gefolge jemals in diese Gegend kamen. Adam von Bremen, der Chronist der Hamburger Kirche, beansprucht Norwegen kirchlich für Hamburg-Bremen, nennt für das 10. Jahrhundert aber, soweit ich sehe, Hákon den Jarl und nicht den König Hákon. Ein Bremer Missionar an Hákons Hof ist mir nicht begegnet; seine Priester kamen, so Snorri, aus England.

Ein indirekter Hintergrund lässt sich nennen, mehr nicht. Æthelstans Hof, an dem Hákon aufgewachsen sein soll, war ein Knotenpunkt europäischer Politik. Eine Halbschwester heiratete 929 oder 930 Otto, den Sohn Heinrichs des Voglers und späteren Kaiser, eine andere Hugo den Großen, Herzog der Franken; Æthelstan schickte Flotten, um Alan II. von der Bretagne und Ludwig IV. von Westfranken zu helfen. Dass Hákon davon etwas mitbekam, ist denkbar, aber nirgends gesagt. Die Wikinger, die den Rhein befuhren, gehören einer früheren Zeit an; ein Beispiel ist der Beitrag zu Wikingern in Aachen 881, und mit Hákon hat das nichts zu tun. Das ist der Befund und keine Auslassung.

Nachleben und Legende: das Lied, der Beiname, das Grab

Das Hákonarmál. Das Gedicht beginnt auf dem Schlachtfeld. Odin schickt Walküren aus, um unter den Königen zu wählen; Hákons Heer fällt. Dann wechselt die Szene: Der König wird in die Halle der Götter geleitet, wo ihn nach dem Gedicht Hermóðr und Bragi empfangen. Hákon fürchtet Odins Absichten, Bragi beruhigt ihn, er stehe bei den Göttern in gutem Ansehen. Hákon sagt, er wolle die Rüstung anbehalten, denn ein Krieger müsse stets bereit sein. Die Götter danken ihm, dass er ihre Heiligtümer geachtet habe. Die vorletzte Strophe lässt eher den Fenriswolf frei durch die Siedlungen laufen, als dass ein so guter König in Hákons Spuren trete. Wer das liest, bekommt eine Szene, die man im Beitrag zu Walhall wiederfindet. Das Gedicht nennt Hákon nicht Christ und spricht von Taufe oder Kirche nicht; dass er Christ war, steht in Historia Norwegiae und Heimskringla. Die Lesart, der christliche König sei von den alten Göttern heimgeholt worden, ist eine Deutung der Nacherzähler, nicht des Dichters. Der Dichter schrieb ein Preislied auf den Schützer heidnischer Heiligtümer.

Das Begräbnis. Nach der Heimskringla wurde Hákon in Rüstung beigesetzt, und seine Gefährten sprachen über dem Hügel nach heidnischem Brauch. Das passt zum Bild des Gedichts, ist aber Saga; ein Grabbefund, der den Brauch bestätigte, fehlt. Siehe auch den Beitrag zur Bestattung.

„… he was lamented both by friends and enemies; and they said that never again would Norway see such a king.“
„… er wurde von Freunden und Feinden beklagt, und sie sagten, nie wieder werde Norwegen einen solchen König sehen.“Thomas Carlyle, The Early Kings of Norway (1875), Kap. 3 „Hakon the Good“, nach Snorris Heimskringla; über ein Abrufwerkzeug gelesen, das die Seite zusammenfasste und diese Zeile als Wortlaut wiedergab; ob Carlyle hier Laings Übersetzung zitiert oder selbst nacherzählt, ist unklar; deutsche Fassung eigene Übersetzung

Der Name. Dass der Beiname „der Gute“ den Christen meint, ist eine Annahme. Er bezeichnet in den Sagas einen Herrscher, der sich mit den Bauern gut stellte. Der „Ziehsohn Æthelstans“ ist schon in der Dichtung des 11. Jahrhunderts üblich. Nach Wikipedia kannte man auch Æthelstan in Norwegen als „den Guten“; die Seite stützt sich dabei auf spätere skandinavische Texte, die ich nicht prüfen konnte. Moderne Erzählungen machen aus der Gestalt gern einen christlichen Reformer. Die Quellen zeigen einen König, der sich mit dem Thing und mit den Lade-Jarlen arrangierte.

Was gesichert ist

  • Hákon Haraldsson war ein Sohn Harald Schönhaars und König in Westnorwegen; er fiel oder starb an den Folgen der Schlacht bei Fitjar gegen die Söhne Erik Blutaxts, nach üblicher Angabe 961, nach anderer 960.
  • Das Hákonarmál des Eyvindr skáldaspillir (21 Strophen) entstand nach der Schlacht und ist das nächste Zeugnis; die erzählenden Quellen stammen aus dem späten 12. und 13. Jahrhundert (Historia Norwegiae, Theodoricus, Ágrip, Fagrskinna, Heimskringla).
  • Weder angelsächsische Chroniken noch Wilhelm von Malmesbury erwähnen Hákon; der Aufenthalt bei Æthelstan ist nur nordisch überliefert, der Beiname Aðalsteinsfóstri aber seit dem 11. Jahrhundert belegt.
  • Die Eriksöhne, später unter dänischer Rückendeckung, waren seine Gegner; Harald Graumantel wurde nach ihm König und um 970 in Dänemark ermordet.
  • Die Gesetzgebung und das Flottenaufgebot Hákons stehen erst bei Snorri; das früheste Zeugnis für ein norwegisches Aufgebot stammt von 985.
  • Eine norwegische Münzprägung beginnt erst um 995 unter Olaf Tryggvason.

Mythos-Check

  • „Hákon schrieb Norwegens erste Gesetze.“ Snorris Zuschreibung; die Forschung sieht Zusammenarbeit mit den Bauern, nicht ein Gesetzbuch, und die Handschriften der Landschaftsrechte sind Jahrhunderte jünger.
  • „Er führte das Leidang ein.“ Behauptung der Heimskringla; die festen Bezirke gelten als Rückprojektion, ein Aufgebot ist erst 985 durch Skaldenverse belegt.
  • „Æthelstan ließ ihn taufen und erzog ihn zum Christen.“ Saga-Überlieferung; englische Quellen schweigen.
  • „Hákon führte Norwegen ins Christentum.“ Er versuchte es nach Snorri nur vorsichtig und gab nach; die Bekehrung gilt als gradueller Vorgang, den erst Olaf Tryggvason und Olaf Haraldsson vorantreiben.
  • „Zehn Banner machten aus einem kleinen Heer ein großes.“ Bei Snorri die List des alten Egill Ullserk; populäre Texte schreiben sie Hákon zu.
  • „Odin holte den christlichen König persönlich nach Walhall.“ Das Gedicht lässt Walküren wählen und die Götter ihn empfangen; die Christen-Pointe fügen Nacherzähler hinzu.
  • „Er starb an einem harmlosen Pfeil.“ Die Saga spricht von einer Pfeilwunde im Arm, die sich nicht stillen ließ; „harmlos“ ist ein Zusatz späterer Nacherzählungen.

Was offen bleibt

Offen sind Hákons Geburts- und Todesjahr (960 oder 961), sein Alter bei der Machtübernahme (fünfzehn oder zwanzig), die Dauer von Eriks Herrschaft und das Jahr von Haralds Tod. Offen ist, ob die Fosterung bei Æthelstan wie erzählt stattfand, ob er in England getauft wurde und wie er zum Thron kam: durch die Bauern, durch den Jarl von Lade, durch einen Ruf der Großen, durch englische Schiffe. Offen ist, wie weit das Leidang schon zu seiner Zeit bestand, was hinter den Szenen von Hlaðir und Mære steckt und wo er liegt. Ein Fund aus seiner Zeit, eine englische Urkunde oder eine datierte Grabung am Seimhügel könnten einiges klären. Bisher fehlt beides.

Häufige Fragen

Wer war Haakon der Gute? Hákon Haraldsson, um 920 geboren und um 960/961 bei Fitjar gestorben, jüngster Sohn Harald Schönhaars und nach den Sagas bei König Æthelstan aufgewachsen. Er war seit den 930er Jahren König, vor allem in Westnorwegen.

Warum heißt er „der Gute“? Die Sagas verbinden den Beinamen mit seinem guten Auskommen mit den Bauern und mit der Gesetzgebung. Er ist früh bezeugt, über seinen Ursprung herrscht keine Gewissheit.

War er Christ? Nach der Überlieferung wurde er in England getauft oder christlich erzogen. Die Historia Norwegiae nennt ihn einen Abtrünnigen, der beide Riten beachtete, und das Hákonarmál zeigt ihn als Schützer der alten Heiligtümer.

Wie starb Haakon der Gute? Nach Heimskringla und Fagrskinna traf ihn bei Fitjar auf der Insel Stord ein Pfeil in den Arm; er starb auf dem Rückweg und wurde bei Seim beigesetzt. Das Jahr ist 960 oder 961.

Gibt es einen Bezug zu Aachen oder dem Rheinland? Nein, keinen belegten. Es gibt nur den Hintergrund von Æthelstans Hof, dessen Familie bis zu Otto dem Großen und zum Frankenherzog reichte.

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