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Die Ostgoten: Von Pannonien nach Ravenna

Geschichte & Funde Die Ostgoten: Von Pannonien nach Ravenna

Der Name „Ostgoten“ klingt nach einem uralten Volk, das sich am Schwarzen Meer von den Westgoten getrennt hat. Die Quellen zeigen ein anderes Bild: einen Verband, der im fünften Jahrhundert unter hunnischer Herrschaft und im Dienst Roms zusammenwuchs, einen König, Theoderich, der in Pannonien geboren wurde und Italien eroberte, und einen Chronisten, Jordanes, der aus einem verlorenen Werk Cassiodors auszog. Dieser Beitrag legt die Zeugnisse nebeneinander, trennt Beleg, Deutung und Legende und sagt, wo etwas offen bleibt.

Ein Volk, das wir vor allem aus der Rückschau kennen

Die Ostgoten regierten Italien von 493 bis in die Mitte des sechsten Jahrhunderts, mit Ravenna als Hauptstadt und Theoderich dem Großen als berühmtestem König. Der Name „Ostgoten“ im Sinne eines festen Verbandes ist nach verbreiteter Deutung ein Ergebnis des fünften Jahrhunderts, geformt unter hunnischer Oberherrschaft und im Dienst des römischen Reiches. Die Schulbuchformel, die Goten hätten sich am Schwarzen Meer sauber in West- und Ostgoten geteilt, geht vor allem auf einen einzigen Autor des sechsten Jahrhunderts zurück. Den Rahmen gibt der Überblick zu den Goten; die Gruppen des vierten Jahrhunderts beschreiben die Beiträge zu den Greutungen und den Terwingen. Diese Seite setzt dort ein, wo der Name „Ostgoten“ selbst zum Problem wird, und führt über Pannonien und Italien bis zum Ende. Ich trenne dabei Schriftquelle, Archäologie, spätere Deutung und Legende und sage, wo etwas nur eine Deutung ist.

Wer erzählt: Die Quellenlage

Die Überlieferung ist reich, aber fast durchweg fremd gefiltert. Jordanes schrieb um 551 die Getica, eine Geschichte der Goten. In der Vorrede sagt er selbst, wie er arbeitete: Er sollte die zwölf Bücher des „Senators“ über Ursprung und Taten der Goten in einem kleinen Buch zusammenfassen, und das Original habe er nur einmal für drei Tage über dessen Verwalter geliehen bekommen (so die englische Übersetzung von Mierow). Der Senator ist Cassiodor, Minister Theoderichs; seine gotische Geschichte, etwa 526 bis 533 entstanden, ist verloren. Die Getica sind also ein Auszug aus einem verlorenen Werk, aus dem Gedächtnis und mit eigenen Zusätzen. Wie treu er ist, lässt sich nicht prüfen.

Cassiodor ist zugleich selbst Quelle, mit den Variae: zwölf Bücher Amtsbriefe und Formulare, um 537 veröffentlicht. Buch I bis V geben Schreiben im Namen Theoderichs, VI und VII Musterformulare für Ämter, VIII und IX Briefe im Namen Athalarichs, X solche Amalasunthas, Theodahads und Witigis', XI und XII Briefe aus Cassiodors eigener Amtszeit (Gliederung nach Hodgkins Inhaltsübersicht von 1886; die Briefe selbst habe ich nicht gelesen). Die Forschung betont, dass die Sammlung Unangenehmes auslässt. Es ist ein Briefbuch, das einen Regierungsstil zeigen soll.

Für den Krieg ist Prokop von Caesarea der Hauptzeuge, ein byzantinischer Autor, dessen Gotenkrieg bis 552/553 reicht; Agathias setzt ihn fort. Der Anonymus Valesianus (zweiter Teil), eine knappe lateinische Chronik von Zeno bis Theoderichs Tod, entstand wohl zwischen 540 und 550, der Verfasser ist unbekannt, die Sicht gilt als katholisch und aus der Gegend von Ravenna. Hinzu kommen das Edictum Theoderici und Bruchstücke des Malchos.

Zur Methode: Von den Primärtexten habe ich nur Ausschnitte gelesen, nämlich einzelne Sätze aus Mierows Getica-Vorrede und den Abschnitten 79 bis 82 sowie Hodgkins Inhaltsübersicht. Prokop, Agathias, Anonymus Valesianus, Ammian und die Historia Augusta kenne ich nur aus Zusammenfassungen, vor allem der deutschen und englischen Wikipedia. Die Quellenliste trennt beides.

Name und Herkunft: Ostrogothae, Greutungen und die Gleichsetzung

Die früheste sichere Form ist Austrogoti in der Historia Augusta (Vita Claudii 6,2), einer spätantiken Sammlung von Kaiserbiographien. Nach der deutschen Wikipedia geht sie auf gotisch Austra-gutans zurück; ob der Name „glänzend“ oder „östlich“ meinte, ist nicht beweisbar. Herwig Wolfram sieht darin vielleicht eine anfangs prahlerische Selbstbezeichnung (englische Wikipedia). Jordanes liest den Namen nach dem Kompass: „östliche Goten“, die Westgoten „Goten des westlichen Landes“ (Getica 82).

Daneben steht Greutungi (auch Greuthungi), der Name, den Ammianus Marcellinus im späten vierten Jahrhundert für Goten nördlich des Schwarzen Meeres gebraucht, im Gegensatz zu den Tervingi. Jordanes setzt Greutungen und Ostrogoten gleich und macht Ermanarich zum Ahnherrn der Ostgotenkönige. Die Forschung hält das für zu glatt. Terwingen waren nicht einfach die späteren Westgoten, Greutungen nicht einfach die späteren Ostgoten (deutsche Wikipedia). Wolfram behandelt beide Namen als ein Volk, Peter Heather lässt die Ostgoten später aus mehreren Gruppen hervorgehen. Teile der Greutungen schlossen sich 376 den Terwingen an, andere blieben unter den Hunnen, wieder andere wurden als Soldaten im Reich verteilt. Der Verband, den Theoderich 488 nach Italien führte, wäre danach ein im fünften Jahrhundert neu zusammengewachsener, eher politischer als genealogischer Zusammenschluss. Die Gleichung Greutungen gleich Ostgoten ist also eine Deutung aus Jordanes' Rückblick, kein Beleg für ungebrochene Kontinuität. Die Archäologie entscheidet das nicht: Ob der Übergang von der Wielbark- zur Tschernjachow-Kultur eine Wanderung war, ist umstritten, und Jordanes' Herkunft aus „Scandza“ gilt als literarischer Topos.

Cassiodor, Jordanes und die Amaler

Die Königsfamilie heißt Amaler (Amali). Ihre Ahnenreihe steht in den Getica und zeigt, wie viel an dieser Überlieferung gemacht ist. Sie beginnt mit Gapt, der Hulmul zeugte; Hulmul zeugte Augis, und Augis den, der Amal hieß, nach dem die Amaler benannt sind (Getica 79). Über viele Generationen, in denen auch Ermanarich vorkommt, führt sie zu Vandalarius und seinen drei Söhnen Thiudimer, Valamir und Vidimer und von dort zu Theoderich, Amalasuntha und deren Kindern (Getica 80, nach einer Zusammenfassung des Abschnitts).

Die Reihe gibt einem König, der in Pannonien geboren wurde und seine Macht dem Kriegsglück verdankte, eine Herkunft aus Heldenzeit. Die Forschung hält sie überwiegend für eine Konstruktion zur Legitimation; ob schon Cassiodor sie im Auftrag des Hofes so ordnete oder erst Jordanes, kann ich nicht sagen. Auch die frühe gotische Königsherrschaft selbst ist umstritten (deutsche Wikipedia). Zu Ermanarich siehe die Greutungen.

„Now the first of these heroes, as they themselves relate in their legends, was Gapt, who begat Hulmul.“
„Der erste dieser Helden war, wie sie selbst in ihren Sagen erzählen, Gapt, der Hulmul zeugte.“Jordanes, Getica 79 (Mierow 1915, englische Übersetzung, in den USA gemeinfrei, hier als Kurzzitat). Den Satz habe ich über eine abfragende Auswertung der Seite gelesen, nicht im Volltext; die deutsche Fassung ist meine eigene Übersetzung. Jordanes gibt hier die Überlieferung der Goten wieder, nicht eine geprüfte Genealogie.

Hunnenzeit und Pannonien: Valamir, Theodemir, Widimir

Nach 375 stand ein großer Teil der Goten nördlich der Donau unter hunnischer Herrschaft; nach der deutschen Wikipedia war Gotisch eine wichtige Verkehrssprache im Reich Attilas. Für das fünfte Jahrhundert sind wir bei den Goten fast ganz auf Jordanes angewiesen. Danach dienten die drei Brüder Valamir, Theodemir (gotisch Thiudimer) und Widimir Attila als Gefolgsleute. Die englische Wikipedia nennt Valamir einen verlässlichen Vasallen, der 447 an Raubzügen in den Donauprovinzen teilnahm und 451 auf den Katalaunischen Feldern einen gotischen Verband führte, und merkt an, dass die Quellen die gotische Rolle dort übertreiben.

Attila starb 453. Die Herrschaft seiner Söhne brach zusammen; die Entscheidung fiel nach Jordanes am Fluss Nedao in Pannonien, wo die Gepiden unter Ardarich die Hunnen schlugen und Attilas ältester Sohn Ellak fiel. Das Datum ist 454; István Bóna und andere sagen 455. Zwischen 454 und 455 ist die ehrliche Angabe. Strittiger ist, ob die Goten dabei waren: Jordanes lässt sie am Sieg teilhaben, Wolfram bestreitet das, Hyun Jin Kim hält die Erzählung für erfunden und Valamir für einen Verbündeten der Hunnen, Martindale und Altheim halten die Teilnahme auf Seiten der Sieger für möglich, Maenchen-Helfen glaubt an Nichtbeteiligung (alles nach der englischen Wikipedia zur Schlacht). Sicher ist das Ende der hunnischen Großmacht in diesen Jahren, nicht der gotische Anteil.

Fest steht, dass Gruppen unter Valamir und seinen Brüdern danach in Pannonien saßen, südlich und westlich der mittleren Donau, als Verbündete (foederati) des Kaisers mit Jahrgeldern. Die englische Wikipedia berichtet von Kämpfen mit Attilas Söhnen 456/457 und von Einfällen nach Illyricum 459 bis 462, nachdem Zahlungen ausgeblieben waren; Kaiser Leo I. zahlte danach 300 Pfund Gold im Jahr. 468 besiegten die Goten bei Bassianae Hunnen unter Dengizich. Valamir fiel 469 bei einem Überfall der Skiren, kurz vor der Schlacht von Bolia gegen einen Bund unter dem Sueben Hunimund. Ihm folgte Theodemir, Theoderichs Vater. Zu den Nachbarn gibt es Seiten über Gepiden, Skiren, Heruler und Rugier.

Um 473/474 zog Theodemirs Verband auf oströmisches Gebiet auf dem Balkan. Theoderich wurde zwischen 451 und 456 in Pannonien geboren (das Jahr ist unter Forschern strittig) und wuchs wohl von 459 bis 469 als Geisel in Konstantinopel auf, wo er römische Verwaltung kennengelernt haben dürfte. 474 folgte er dem Vater als rex, wurde 481 magister militum und 484 Konsul, nachdem der Thrakergote Theoderich Strabo und dessen Sohn aus dem Weg waren.

Theoderich: Italien 488 bis 526

488 beauftragte Kaiser Zeno Theoderich, Odoaker, den Herrscher Italiens seit 476, zu verdrängen. Ob es Theoderichs eigener Plan war oder kaiserlicher Druck, ist umstritten. Mitgezogen sein sollen rund 100.000 Menschen, darunter etwa 20.000 Krieger; das ist eine Schätzung. Die Goten erreichten Italien 489, siegten bei Verona und an der Adda (490) und belagerten Odoaker dann etwa zwei Jahre in Ravenna. Man einigte sich, und wenige Tage später war Odoaker tot, nach der verbreiteten Darstellung bei einem Gastmahl und nach der deutschen Wikipedia von Theoderich selbst erschlagen; als Tag nennt die Seite zu den Ostgoten den 5. März 493. Der offizielle Grund, die Rache für das Rugierkönigshaus, gilt als unglaubwürdig.

Wie Theoderich seine Stellung verstand, bleibt Debatte. Er blieb formal Stellvertreter des Kaisers und behielt den Titel rex; Kaiser Anastasius erkannte ihn um 497/498 an, aber persönlich, nicht notwendig für Nachfolger. Er knüpfte Ehe- und Bündnisbande zu anderen Königshäusern, darunter mit Audofleda aus dem Merowingerhaus, was ihn zum Schwager Chlodwigs machte, und wurde 507 nach der Niederlage Alarichs II. Vormund der Westgoten. Er starb am 30. August 526 in Ravenna ohne Sohn; seine Tochter Amalasuntha regierte für Athalarich. Boethius und Symmachus wurden in den Jahren um 524 bis 526 von einem Senatsgericht hingerichtet; Anonymus Valesianus und Prokop machen Theoderich zum Vorwurf, dass er es nicht verhinderte.

Herrschaft, Gesellschaft, Krieg

Theoderichs Italien war ein Doppelstaat. Römer führten die Zivilverwaltung mit Senat und Präfektur, Goten stellten das Heer und standen unter eigenem Recht; Römer durften keine Waffen tragen, Goten siedelten vor allem im Norden. Als Untergebener des Kaisers konnte Theoderich Edikte erlassen, aber keine vollen Gesetze (englische Wikipedia). Wie die Ansiedlung aussah, ist offen: Walter Goffart meint, die Goten hätten Steueranteile und ungenutztes Land bekommen statt enteigneter Güter, die deutsche Wikipedia nennt die Frage ungelöst.

Wie das Reich verwaltet wurde, zeigen die Variae. Cassiodor war Quästor um 507 bis 511, Konsul 514, um 523 Magister officiorum und später Prätorianerpräfekt. Zwei Brieftitel aus Hodgkins Inhaltsübersicht, „Mosaike für Ravenna“ (I.6) und „Marmor für Ravenna“ (III.9), verraten, was gefördert wurde; die Texte selbst kenne ich nicht. Hodgkin fasst das Programm als Bemühen um civilitas, römisch-bürgerliche Ordnung, zusammen. Das ist die Selbstdarstellung des Hofes.

Zur Religion: Die Goten waren überwiegend Arianer, also Christen, die das Bekenntnis von Nicäa nicht teilten, die Römer Katholiken. Theoderich duldete beide, schrieb sinngemäß an die Juden, Glaube lasse sich nicht erzwingen, und ließ arianische Kirchen bauen; erhalten ist in Ravenna Sant'Apollinare Nuovo. Der Codex Argenteus, die Prachthandschrift der gotischen Bibel in Silber auf Purpurpergament, entstand nach der deutschen Wikipedia in Italien; er liegt heute in Uppsala. Zur Kriegführung vor Italien sagt meine Überlieferung wenig; für den Gotenkrieg schildert Prokop Reiter und Fußvolk, die Reiterei unterlag bei Taginae den oströmischen Bogenschützen.

Archäologie: Fibeln, Gräber, Mausoleum

Die Archäologie kann „Ostgoten“ nur schwer von anderen Gruppen trennen. Ein Fund trägt kein Volksetikett; Grabbeigaben und Tracht gelten heute eher als Hinweis auf Schicht und Milieu, und dass Gräber ohne Waffen früher als „gotisch“ galten, ist laut deutscher Wikipedia inzwischen umstritten.

Das bekannteste Beispiel ist der Schatz von Domagnano in San Marino, 1892/93 entdeckt: Goldschmuck des späten fünften oder frühen sechsten Jahrhunderts mit Fibeln, Ohrringen, Halsanhängern, Ring, Haarnadel und Beschlägen. Das meiste liegt im British Museum, dazu Stücke in Nürnberg, im Louvre Abu Dhabi, im Metropolitan Museum und in San Marino. Berühmt sind die Adlerfibeln, vogelförmige Gewandspangen mit Steineinlagen, die Nürnberger etwa zwölf Zentimeter lang. Man nimmt an, es sei der Schmuck einer vornehmen Frau im Umkreis des ostgotischen Hofes; ein Kreuz auf einer Fibel gilt als Hinweis auf christlichen, vielleicht arianischen Glauben. Beides ist Deutung: Der Fundzusammenhang ist unklar, vermutlich stammt der Schatz aus einem oder mehreren Gräbern, und die Gestaltung mischt christliche, byzantinische und gotenzeitliche Moden. Der Fund zeigt einen Stil der Zeit, keinen Ausweis.

Die gleichen Grenzen zeigt Miren in Westslowenien: Dort wurden 2009 bis 2013 neun Gräber an der Straße zwischen Aquileia und Emona untersucht, spätes fünftes und frühes sechstes Jahrhundert, mit ostgermanischen Trachtelementen und künstlich verformten Schädeln. Die Autoren halten eine ostgotische Präsenz für die wahrscheinlichste Lesart (Tratnik und Karo 2023; ich habe nur das Abstract gelesen).

Das Mausoleum Theoderichs in Ravenna entstand um 520 aus istrischem Kalkstein in zwei zehneckigen Geschossen, mit einem Dach aus einem einzigen Block von rund zehn Metern Durchmesser (das oft genannte Gewicht von etwa 230 Tonnen ist in meiner Quelle unbelegt). Eine römische Porphyrwanne im Obergeschoss diente wohl als Sarkophag. Gebaut ist es im römischen Quaderverband (opus quadratum); das Urteil der UNESCO-Gutachter, die Form sei weder römisch noch byzantinisch, ist eine Fachmeinung, keine abgeschlossene Debatte. Die Gebeine wurden unter byzantinischer Herrschaft entfernt, wann und wohin, sagt meine Quelle nicht. Seit 1996 gehört das Bauwerk zum UNESCO-Welterbe.

Der Gotenkrieg 535 bis 553 nach Prokop

Nach Theoderichs Tod geriet das Reich in Nachfolgestreit. Athalarich starb 534, Theodahad ließ Amalasuntha festsetzen, sie wurde Anfang 535 getötet; Prokop schreibt, Justinian sei in den Krieg eingetreten, als er davon erfuhr. Die folgende Darstellung gibt Prokop in der Wiedergabe von Wikipedia-Seiten wieder, die Texte selbst habe ich nicht gelesen.

535 bis 540. Belisar landete 535 mit rund 7.500 Mann auf Sizilien. 536 fielen Neapel und Rom, Theodahad wurde abgesetzt, Witigis König. Die erste Belagerung Roms (537/538) scheiterte für die Goten, 539 wurde Mailand zerstört. Im Mai 540 ergab sich Ravenna, Witigis kam nach Konstantinopel.

541 bis 552: Totila. Ende 541 (manche Quellen: Anfang 542) wurde Totila König. Er profitierte von der Pest ab 542, vom Perserkrieg und vom Streit der oströmischen Feldherren, nahm 543 Neapel und schonte die Einwohner. Am 17. Dezember 546 fiel Rom durch Verrat isaurischer Wachen, 547 holte Belisar es zurück, am 16. Januar 550 nahm Totila es wieder. Er bildete einen gemischten Senat und ließ Münzen mit seinem Bild prägen; Justinian erkannte ihn nicht an. Prokop lobt ihn als klug und maßvoll, vermerkt aber ein Massaker in Tivoli. 552 zog Narses mit 20.000 bis 25.000 Mann heran. Im Juli fiel bei Taginae (auch Busta Gallorum) die Entscheidung: Totilas Reiterei scheiterte an den Bogenschützen, rund 6.000 Goten sollen gefallen sein. Für Totilas Tod gibt Prokop zwei Fassungen, einen Pfeil früh in der Schlacht oder einen Lanzenstoß eines Gepiden auf der Flucht.

Teja und der Mons Lactarius. Die Überlebenden wählten Teja (Teia) zum König, nach der englischen Wikipedia in Pavia. Er zog mit dem Schatz nach Süden, um Cumae zu entsetzen, wo Totilas Kriegskasse unter seinem Bruder Aligern lag. Narses stellte ihn am Vesuv; zwei Monate standen die Heere sich über den Sarno hinweg gegenüber. Als der gotische Admiral die Flotte den Byzantinern übergab und die Versorgung abriss, wich Teja auf den Mons Lactarius aus. Beide Seiten kämpften zu Fuß in dichten Reihen. Teja fiel, von einem Wurfspeer getroffen, sein Kopf wurde auf einen Pfahl gesteckt, die Goten kämpften noch zwei Tage. Prokop soll geschrieben haben, die Tapferkeit des einen Mannes stehe hinter der keines Sagenhelden zurück (in Dewings Übersetzung; ich kenne den Satz nur aus der englischen Wikipedia). Dann handelten die Überlebenden freien Abzug aus; nach Prokop mussten sie Italien verlassen, nach Agathias sollten sie als Untertanen bleiben. Welche Fassung stimmt, ist offen.

Auch das Datum schwankt: 552 nach der deutschen Seite zu den Ostgoten und der Seite zur Schlacht (1. oder 30. Oktober; Agnellus nenne den 1., Bury halte das für falsch), Oktober 553 nach der englischen Seite zum Gotenkrieg. Der Ort liegt am Vesuv oder in den Monti Lattari. Danach hielt Aligern noch Cumae, Verona und Brescia fielen erst 561/562, Compsa kapitulierte nach der englischen Wikipedia 555. Ein fränkisch-alemannisches Heer wurde um 553/554 am Volturnus aufgerieben. 554 ordnete Justinian Italien mit der Pragmatischen Sanktion neu.

Das Ende

Italien war verwüstet; die englische Wikipedia nennt den Krieg einen Pyrrhussieg. 568 fielen die Langobarden ein. Die Ostgoten verschwanden nicht in einem Akt, sie gingen in der italischen Bevölkerung auf, vielleicht zum Teil bei den Langobarden. Gotische Sprache und gotische Eigenständigkeit überlebten nicht; das Gotische bleibt in den Bibelhandschriften greifbar.

Regionalbezug: Rheinland, Aachen, Alsdorf

Ein Bezug der Ostgoten zu Alsdorf ist nicht belegt. Zum Rheinland führen drei Fäden von unterschiedlicher Festigkeit.

Erstens der Brief an Chlodwig. Nach der englischen Wikipedia zu Tolbiac ist ein Schreiben Theoderichs von 506/507, in den Variae überliefert, das wichtigste indirekte Zeugnis für Kämpfe der Franken mit den Alemannen: Er bittet seinen Schwager, den Zorn zu mäßigen und nur die Treulosen zu strafen; Alemannen waren nach Rätien geflohen und baten um seinen Schutz. Tolbiac wird üblicherweise mit Zülpich gleichgesetzt, doch das ist Konvention, und das Datum schwankt zwischen 496 und 506.

Zweitens Aachen, und hier ist die Lage dünn. Karl der Große ließ nach der englischen Wikipedia zum Aachener Dom Spolien, also wiederverwendete Bauteile, aus Rom und Ravenna bringen; die Seite belegt den Satz nicht und nennt Einhard nicht, die Oktogon-Säulen leitet sie auch aus Trier und Köln her. Einhard habe ich nicht gelesen. Für die Reiterstatue Theoderichs stütze ich mich auf eine Rezension von Matthias Tischler zu Tino Lichts Ausgabe (2020) von Walahfrid Strabos Gedicht De imagine Tetrici: Danach ließ Karl nach der Kaiserkrönung, wohl im April 801, eine spätantike Reiterstatue Theoderichs von Ravenna nach Aachen bringen, und sie stand noch unter Ludwig dem Frommen vor der Pfalz, als Walahfrid sie im Frühjahr 829 beschrieb. Eine ältere Ansicht (Dehio 1873) lässt sie nur bis Pavia kommen. Was Agnellus von Ravenna dazu schreibt, konnte ich nicht feststellen. Die Statue ist verloren. Die Verbindung ist also in einem Gedicht von 829 greifbar, im Einzelnen aber von mir nicht geprüft.

Drittens eine Randnotiz: Ein Blatt des Codex Argenteus wurde 1970 in Speyer gefunden (deutsche Wikipedia zu den Goten, ungeprüft). Mehr zur Region unter Germanen im Rheinland.

Nachleben: Dietrich von Bern

Theoderich lebte als Dietrich von Bern weiter, und die Sage hat mit der Geschichte wenig gemein. „Bern“ ist der deutsche Name Veronas, wo Theoderich 489/490 gegen Odoaker siegte; Dietrichs Vater heißt Dietmar, Theoderichs Thiudimir, die „Amelungen“ der Sage werden mit den Amalern gleichgesetzt. Sonst überwiegen die Unterschiede: Theoderich wurde nicht in Verona geboren, ging nie ins Exil und hatte keine Zwölferschar; Attila starb vor seiner Geburt, Ermanarich lange davor, doch die Sage macht sie zu Zeitgenossen. Frühe Zeugen sind das Hildebrandslied (9. Jahrhundert), der Stein von Rök (frühes 9. Jahrhundert), „Deors Klage“ und „Waldere“, die Quedlinburger Annalen (um 1000), später das Nibelungenlied (um 1200), die Dietrichepik und die Thidrekssaga (alle Daten ungefähr, nach der deutschen Wikipedia zu Dietrich von Bern). Frutolf von Michelsberg bemerkte um 1100 den Zeitfehler, Otto von Freising wies die Sagenchronologie zurück, die Kaiserchronik nennt die Sage eine Lüge.

Daneben läuft ein dunkles Nachleben: Gregor der Große schreibt (593/594), Theoderichs Seele sei in den Vulkan von Lipari gestürzt worden, am Portal von San Zeno in Verona (um 1140) folgt ein „törichter König“ einem Hirsch zum Höllentor. Wie Theoderich und Dietrich zusammenkamen, ist umstritten: Walter Haug dachte an ein wiederkehrendes Situationsmuster, Norbert Wagner an eine langobardische Überarbeitung, Joachim Heinzle und Elisabeth Lienert an kollektives Gedächtnis. Eine Mehrheitsmeinung gibt es nicht.

Was offen bleibt

Ungeklärt ist, ob die Ostgoten Italiens ein vom Schwarzen Meer durchgehaltenes Volk waren oder ein im fünften Jahrhundert entstandener Verband, der sich eine Geschichte gab. Offen sind die gotische Rolle am Nedao und das Jahr 454 oder 455, Alter und Urheber der Amalerreihe, der Weg der Reiterstatue nach Aachen, Ort und Datum des Mons Lactarius, die Bedingungen der letzten Kapitulation, die Zahl der Goten, und was Gräber ethnisch bedeuten.

Was gesichert ist

  • Die Getica des Jordanes (um 551) sind ein Auszug aus Cassiodors verlorener Gotengeschichte; Jordanes sagt selbst, er habe das Original nur drei Tage gelesen.
  • Theoderich erhielt 488 den Auftrag gegen Odoaker, beherrschte seit 493 Italien und starb am 30. August 526 in Ravenna.
  • Das Mausoleum in Ravenna entstand um 520 und steht noch, die Gebeine sind nicht mehr darin.
  • Der Gotenkrieg begann 535 mit Belisars Landung auf Sizilien; Totila fiel 552 bei Taginae.
  • Quelle für Kämpfe und Tejas Tod ist der Gegner Prokop; die Schlacht am Mons Lactarius fällt in den Herbst 552 oder 553.

Mythos-Check

  • „Greutungen sind einfach die Ostgoten.“ Die Gleichung stammt von Jordanes; ob der Verband in Italien aus den Greutungen hervorging, ist Deutung.
  • „Die Amaler-Genealogie ist alte gotische Überlieferung.“ Sie ist literarisch überformt und diente der Legitimation.
  • „Die Ostgoten besiegten die Hunnen am Nedao.“ Sicher ist das Ende der hunnischen Macht, die gotische Beteiligung ist umstritten.
  • „Eine Adlerfibel beweist Ostgoten.“ Sie zeigt einen Stil der Zeit; die ethnische Zuweisung ist eine Deutung.
  • „Dietrich von Bern ist Theoderich.“ Es gibt Anknüpfungen, aber die Sage vertauscht Zeiten und Gegner.
  • „Karl der Große holte Theoderichs Statue nach Aachen.“ Gestützt auf Walahfrids Gedicht von 829 über eine Rezension; Einzelheiten ungeprüft.

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