Westgoten, das klingt nach einem Volk, das 376 über die Donau kam und 335 Jahre später in Spanien unterging. Die Quellen erzählen es anders: Den Namen „Visigothae“ benutzt ein römischer Gelehrter erst um 507, die Gruppe selbst formte sich im Reichsgebiet aus Flüchtlingen, Söldnern und Bündnispartnern, und ihr Reich hatte erst in Toulouse, dann in Toledo seine Mitte. Dieser Beitrag geht die Zeugnisse der Reihe nach durch, trennt Beleg von Deutung und Legende von Befund und sagt offen, was ich im Wortlaut gelesen habe und was nur über Zusammenfassungen.
Im Schulbuch stehen die Westgoten zwischen Hunnensturm und Frankenreich: Sie zogen 376 an die Donau, plünderten 410 Rom, siedelten sich in Südwestgallien an, verloren 507 gegen Chlodwig den größten Teil davon und gingen nach Spanien, wo sie 711 den Arabern erlagen. Das stimmt als Gerüst. Aber jeder dieser Punkte hat eine Quellenlage, die man einzeln prüfen muss, und der Name, unter dem wir die Menschen führen, ist jünger als die meisten Ereignisse.
Zur Abgrenzung auf dieser Seite: Wer die Goten insgesamt, ihre Ursprungssage und die Wulfila-Bibel sucht, findet das im Beitrag Die Goten. Die Terwingen am Dnjestr und die Donauüberquerung von 376 behandelt der Beitrag über die Terwingen, die Gegenseite der über die Greutungen, und das italische Gotenreich Theoderichs steht bei den Ostgoten. Hier beginnt die Erzählung dort, wo die Terwingen als Name verschwinden: im Reichsgebiet nach 382, und sie endet mit dem Zusammenbruch des Toledanischen Reichs 711.
Von den Westgoten selbst ist aus der Frühzeit kein Wort überliefert. Alles, was wir über die Jahrzehnte bis etwa 500 wissen, stammt von römischen oder romanisierten Autoren, die über die Goten schrieben, oft mit einer Absicht.
Orosius, ein Presbyter aus Hispanien, schrieb um 417/418 sieben Bücher „Gegen die Heiden“, um zu zeigen, dass die Katastrophen der Zeit nicht dem Christentum anzulasten seien. Von ihm stammt die Szene mit Athaulf (unten); Orosius sagt selbst, er habe sie nur über Gewährsleute.
Hydatius, vermutlich Bischof von Aquae Flaviae (Chaves, Portugal), setzte die Chronik des Hieronymus fort (379 bis um 468; ab 427 als Zeitgenosse). Für das Spanien des 5. Jahrhunderts ist er die Hauptquelle, aber ein düsterer Zeuge, dessen Datierungen in mehreren Zeitsystemen nebeneinander laufen.
Jordanes verfasste um 551 die Getica, nach eigener Angabe gestützt auf das verlorene Werk Cassiodors, vermutlich in Konstantinopel und aus der Rückschau. Er liefert die westgotische Königsreihe von Alarich an und erzählt Alarichs Begräbnis im Busento (§ 158), das sich nicht überprüfen lässt.
Prokop von Caesarea berichtet im „Vandalenkrieg“ (III,2) über Rom 410 und nennt selbst zwei Erzählungen, wie die Goten durch das Tor kamen.
Gregor von Tours (gestorben 594) schreibt als katholischer Bischof im Frankenreich; die Westgoten sind bei ihm arianische Gegner Chlodwigs. Vouillé (II,37) und Hermenegild sind seine Beiträge, beide aus fränkischer Sicht.
Isidor von Sevilla (um 560 bis 636) schrieb um 619, in längerer Fassung um 624, die Historia de regibus Gothorum, Vandalorum et Suevorum, für die Zeit nach 590 unsere Hauptquelle. Im Vorwort („Laus Spaniae“) preist er Spanien und die Goten; die Forschung sieht darin die Verteidigung eines gotisch geführten, einigen Spaniens. Dazu kommen die Chronik des Johannes von Biclaro (bis 589) und, für das Ende, die Chronik von 754, deren Herkunft umstritten ist (Toledo, Córdoba oder Syrien).
Dazu kommen die Konzilsakten von Toledo (für 589 als Synodus Toletana tertia erhalten), die Gesetze, die Schiefertafeln mit Steuer- und Pachtvermerken, die zeigen, dass die römische Verwaltung weiterlief, und die Archäologie. Keine dieser Gruppen trägt Volksnamen. Gelesen habe ich die Texte nur in Ausschnitten und über abfragende Auswertung der Seiten; die Aufschlüsselung steht am Ende.
Der Satz „die Westgoten sind die Terwingen“ steht in vielen Büchern. Er ist eine Deutung, kein Befund. Die Quellen zeigen drei Dinge nebeneinander.
Erstens: Der Name Vesi ist älter als das 6. Jahrhundert. Sidonius Apollinaris, gallischer Bischof des 5. Jahrhunderts, kennt ihn; die Notitia Dignitatum, ein spätrömisches Verzeichnis von Ämtern und Truppen, führt „Vesi“ und „Tervingi“ auf. Herwig Wolfram liest das als Gleichsetzung, Christensen hat auf getrennte Einheiten gedeutet. Peter Heather nennt Wolframs Lesung „entirely arguable, but so is the opposite“.
Zweitens: Das Wort „Visigothae“ stammt nach der Zusammenfassung, die ich sah, von Cassiodor und aus der Zeit um 507, gebildet nach dem Muster der „Ostrogothae“. Jordanes übernimmt die Teilung: „Die übrigen aber hießen Westgoten, also die Goten des westlichen Landes“ (Getica XIV, 82, nach Mierows englischer Übersetzung von 1915 sinngemäß übertragen). Wolfram hält die Zweiteilung für eine literarische Vereinfachung.
Drittens: Die Gruppe, die 410 Rom einnahm, war nicht mehr die der Donauüberquerung. Heather und andere sehen die westgotische Identität im Römischen Reich entstehen; Roger Collins verbindet sie mit dem Gotenkrieg 376 bis 382, in dem sich Terwingen, Greutungen und weitere Gruppen als Föderaten zusammenfanden. Wolfram betont dagegen einen Traditionskern, der über die Donau mitkam. Das ist die Heather-Wolfram-Debatte; ich entscheide sie nicht.
Für diese Seite gilt: Bis etwa 418 sage ich „die Goten Alarichs“, danach „Westgoten“ als Sammelname für das Reich von Toulouse und Toledo. Das Etikett ist modern, nicht die Sache.
Die Goten, die 376 um Aufnahme baten, wurden schlecht behandelt; es kam zum Aufstand, und am 9. August 378 starb bei Adrianopel das Ostheer unter Kaiser Valens. Ob Valens auf dem Schlachtfeld fiel, ist ungeklärt. Den Ablauf bis zum Frieden vom 3. Oktober 382 behandelt der Beitrag über die Terwingen. Für die westgotische Geschichte zählt das Ergebnis: Die Goten blieben im Reich, als Föderaten mit eigenen Anführern, weder aufgelöst noch besiegt. Land und Sold gegen Dienst bleiben der Rahmen für alles Folgende; ob 382 ein Vertrag oder eine Unterwerfung war, lassen die Quellen offen.
Alarich tritt im Dienst des Theodosius auf: 394 kämpfen Goten am Frigidus, Tausende fallen, der Lohn bleibt gering. Nach dem Tod des Kaisers im Januar 395 sehen moderne Darstellungen in Alarich den „König der Westgoten“; wann seine Führerschaft begann, sagen die Quellen nicht. 397 macht ihn der Osten zum Heermeister für Illyrien (magister militum per Illyricum), 399 verliert er das Amt. 401/402 dringt er in Italien ein und wird von Stilicho bei Pollentia und Verona gestoppt. Nach Stilichos Sturz 408 zieht er vor Rom, lässt sich auszahlen, scheitert 409 mit den Verhandlungen und setzt den Gegenkaiser Priscus Attalus ein und wieder ab.
Am 24. August 410 betreten seine Truppen Rom durch die Porta Salaria. Prokop erzählt zwei Versionen: In der einen schenkt Alarich den Senatoren etwa dreihundert junge Männer gotischer Herkunft, die sich als Sklaven ausgeben und am Mittag das Tor öffnen; in der anderen lässt die Adlige Proba ihre Dienerschaft die Tore öffnen. Er schreibt um 550, rund 140 Jahre danach, und entscheidet nicht. Drei Tage dauert die Plünderung; die Grabmäler des Augustus und Hadrian wurden ausgeraubt, die Basiliken von Petrus und Paulus verschont. Die Plünderung gilt für ihre Zeit als verhältnismäßig maßvoll, die Wirkung war es nicht: Hieronymus soll geschrieben haben, wenn Rom untergehen könne, wo sei dann Sicherheit, und Augustinus verfasste als Antwort „Vom Gottesstaat“.
Die Goten zogen nach Süden. Ein Sturm vernichtete die Schiffe, die Alarich bei Messina für die Überfahrt nach Sizilien und Afrika gesammelt hatte; noch 410 starb er bei Consentia (Cosenza), vermutlich an Fieber. Seine Ziele sind umstritten: Land, Sold und ein römisches Amt gelten als wahrscheinlich, Patrick Geary hält auch Nordafrika als Siedlungsplan für möglich.
Auf Alarich folgte nach Jordanes ein Verwandter, Athaulf; die moderne Literatur setzt seine Herrschaft meist ab 411. 412 führte er die Goten nach Gallien, im Gepäck Galla Placidia, die Halbschwester des Kaisers Honorius, die 410 in Rom in ihre Hand gefallen war. Im Januar 414 heiratete er sie in Narbo (Narbonne). Jordanes verlegt die Hochzeit nach Italien: In Mierows Übersetzung steht „Forum Julii, a city of Aemilia“, gemeint ist wohl Forlì. Der gemeinsame Sohn Theodosius starb als Kind und wurde in Hispanien bestattet. 415 fiel Athaulf in Barcelona einem Mord zum Opfer; sein Nachfolger Sigerich regierte etwa eine Woche, dann folgte Wallia.
Orosius legt Athaulf eine Rede in den Mund: Er habe zuerst gewollt, dass aus „Romania“ „Gothia“ werde, dann aber eingesehen, dass die Goten sich dem Gesetz nicht fügten, und sich entschlossen, Roms Namen mit gotischer Kraft zu erneuern. Die Kette der Gewährsleute (ein Mann aus Narbonne, ein Soldat des Theodosius, Hieronymus in Bethlehem) ist lang, und Orosius schrieb mit Absicht; ob die Worte von Athaulf stammen, bleibt offen. Marchetta hält sie für echt, die Heirat aber für nüchterne Politik.
Wallia wurde gewählt, weil man von ihm erwartete, die Friedensgespräche abzubrechen. Stattdessen kämpfte er als Föderat in Hispanien gegen Alanen und Vandalen; Hydatius vermerkt, er habe die „Barbaren“ im Namen Roms niedergemacht. Placidia ging nach Ravenna zurück und heiratete 417 den Heermeister Constantius. 418 wurden die Goten in Aquitanien angesiedelt, mit Toulouse als Mittelpunkt; Halsall datiert das unter Berufung auf Prosper eher auf 419.
Was die Ansiedlung bedeutete, ist umstritten. Das ältere Bild sah Landabtretungen römischer Besitzer; die spätere Lex Visigothorum kennt eine Teilung von zwei Dritteln für Goten und einem Drittel für Römer, deren Geltung im Spanien nach 507 Javier Arce bezweifelt. Neuere Deutungen rechnen eher mit Steueranteilen als mit Gutsflächen. Fest steht, dass die Goten weiter als Föderaten galten: 451 kämpften sie mit Aëtius auf den Katalaunischen Feldern gegen Attila, König Theoderid I. fiel dort. 456 zog Theoderich II. im Einvernehmen mit Kaiser Avitus nach Hispanien, schlug am Órbigo den Sueben Rechiar und plünderte Braga; Hydatius war Zeuge.
Mit Eurich (466 bis 484) wird aus dem Foederatenreich ein faktisch unabhängiges Königreich. Nach den Darstellungen, die ich sah, eroberte er Mérida 469 und die Tarraconensis 472 und hielt bis 476 den größten Teil Südgalliens; 475 erkannte Kaiser Julius Nepos seine gallischen Gebiete an. Wie weit seine Macht in Hispanien reichte, ist strittig: Arce hält die Vorstellung einer Herrschaft über ganz Spanien für übertrieben.
Unter Eurich entstand das erste schriftliche Gotenrecht, der Codex Euricianus („vor 480“, Toulouse oder Arles, als Berater wird der römische Jurist Leo genannt). Isidor hält fest, dass die Goten unter Eurich begannen, ihre Satzungen schriftlich zu führen (Wortlaut unten). Erhalten ist der Codex nur in Bruchstücken; er ist stark vom römischen Recht geprägt (Paulussentenzen, ein Auszug aus Gaius, kaiserliche Konstitutionen). Wie viel Gewohnheitsrecht darin steckt, ist umstritten. Er nennt Herren (domini, patroni), Gefolgsleute (buccellarii) und Gerichtsdiener (saiones).
Eurichs Sohn Alarich II. (484 bis 507) ließ für seine römischen Untertanen das Breviarium Alarici zusammenstellen, einen Auszug aus dem Codex Theodosianus und weiteren Rechtstexten, geleitet vom Referendar Anianus (die Datierung auf 506 ist nicht allgemein). 506 erlaubte er den Katholiken das Konzil von Agde. Um 502 trafen sich Alarich und Chlodwig nach Gregor auf einer Loire-Insel bei Amboise und schlossen Frieden; Chlodwig brach ihn, trotz der Vermittlung Theoderichs des Großen.
507 kam es bei Vouillé nahe Poitiers (campus Vogladensis) zur Schlacht. Gregor lässt Chlodwig vorher sagen, es sei ihm unangenehm, dass Arianer einen Teil Galliens hielten, und berichtet, die Goten seien geflohen und ihr König gefallen; die Zusammenfassungen machen Chlodwig zum Töter Alarichs, was ich nicht prüfen konnte. Das Jahr steht fest, die Jahreszeit schwankt zwischen Frühjahr und Sommer, der Ort ist bestritten. Das Reich verlor Aquitanien und den Schatz von Toulouse, behielt aber Septimanien. Alarichs unehelicher Sohn Gesalech scheiterte in Narbonne; für den Enkel Amalarich führte Theoderich der Große bis 526 die Vormundschaft, Amalarich starb 531.
Nach 507 verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Iberische Halbinsel; der Hof ging nach Barcelona, später nach Toledo (eine Fußnote datiert Toledos Rolle als Hauptstadt auf das Ende der Regierung Athanagilds). Um 552 rief Athanagild im Bürgerkrieg gegen Agila Kaiser Justinian zu Hilfe; die byzantinischen Truppen blieben und bildeten im Süden die Provinz Spania. Große Teile der Halbinsel, etwa der Nordwesten, standen lange nicht unter gotischer Kontrolle.
Leovigild (568/569 bis 586) holte nach: Er eroberte Córdoba und Málaga zurück, unterwarf Kantabrien, schlug Aufstände nieder und löschte 585 das Suebenreich aus. Er trat im Purpurmantel auf dem Thron auf, führte den Titel Flavius und ließ Goldmünzen in eigenem Namen prägen, was die Forschung als Anlehnung an byzantinische Vorbilder deutet. Reccopolis, benannt nach seinem Sohn Rekkared, ließ er nach 577 gründen (die Datierungen schwanken); Arce hält sie eher für einen Fiskal- oder Gedenkort als für eine Hauptstadt. Isidor nennt Leovigild „irreligiosus“ und im Krieg sehr entschlossen.
In der Religion scheiterte er: Sein Versuch, Arianer und Katholiken anzunähern (Taufe nach katholischem Ritus, Duldung von Heiligenverehrung), blieb ohne Erfolg. Sein Sohn Hermenegild, mit der fränkischen Prinzessin Ingund verheiratet, wurde katholisch und erhob sich 579 in der Baetica; Leovigild nahm Sevilla, verbannte ihn nach Valencia, und 585 wurde Hermenegild ermordet. Gregor von Tours und Isidor zeigen wenig Sympathie für den Rebellen; Papst Gregor der Große hielt Leovigild für verantwortlich. Dass Leovigild auf dem Sterbebett katholisch wurde, steht nur bei Gregor von Tours.
Rekkared folgte seinem Vater am 21. April 586. Im Januar 587 sagte er sich nach der Darstellung, der ich folge, vom Arianismus los; öffentlich wurde der Schritt auf dem dritten Konzil von Toledo, das am 4. Mai 589 zusammentrat. Leander von Sevilla, Hermenegilds Bekehrer, aus dem Exil zurück, organisierte es und hielt die Schlusspredigt. Rekkareds Bekenntnis erkannte die Konzile von Nizäa, Konstantinopel, Ephesus und Chalcedon an; das Konzil sprach 23 Anathemata gegen Arius aus, acht arianische Bischöfe samt Klerus und gotischem Adel schworen ab. Der zweite Kanon fügte dem Glaubensbekenntnis das filioque bei, das die Ostkirche nie annahm. Der 14. Kanon schränkte die Rechte der Juden ein: keine christlichen Frauen, Nebenfrauen oder Sklaven, kein Amt mit Strafgewalt über Christen.
Die Bekehrung hatte Gegner. In Septimanien erhoben sich arianische Anführer, darunter Bischof Athaloc, und riefen König Guntram von Burgund zu Hilfe; Rekkareds Heer schlug sie. In der Lusitania erhob sich Sunna von Mérida, und 588 deckte man eine Verschwörung der Königinwitwe Goiswintha und des Bischofs Uldila auf. Rekkared starb im Dezember 601 eines natürlichen Todes in Toledo.
Suintila hielt als erster die ganze Halbinsel, nachdem die Byzantiner um 624/625 vertrieben waren. Das Konzil von 633 gab den Bischöfen eine Rolle bei der Königswahl. Chindaswinth (642 bis 653) und sein Sohn Rekkeswinth (653 bis 672) gaben dem Reich ein einheitliches Gesetz. Wamba (672 bis 680) schlug in Septimanien die Erhebung des Paulus nieder und musste 680 zurücktreten; wie, ist unklar: Die Chronik Alfons' III. spricht von Gift, die Königsgeschichte des Julian von Toledo schildert alles aus Wambas Sicht. Unter Egica (687 bis 702) wurden die Maßnahmen gegen Juden verschärft; ob die behauptete Verschwörung mit Muslimen und Byzanz je bestand, ist offen. Nach dem Tod Wittizas ergriff Roderich Toledo.
711 landete ein arabisch-berberisches Heer unter Tarik ibn Ziyad. Roderich fiel in der Schlacht, traditionell am Guadalete, die Hauptquelle ist die Chronik von 754. Der Ort ist unbekannt, es werden Medina Sidonia, die Laguna de la Janda, Jerez und andere vorgeschlagen; auch das Jahr ist unsicher, denn die Chronik scheint 712 zu meinen. Die Heeresgrößen schwanken: Collins rechnet mit etwa 2.500 Goten gegen 1.900 Muslime, Lewis mit 33.000 gegen 12.000; die arabische Angabe von 100.000 Goten gilt als unglaubwürdig. Die „Söhne Wittizas“ als Verräter tauchen erst in späteren christlichen Quellen auf, die Geschichte von Graf Julian und seiner Tochter Florinda (La Cava) gilt als Legende. Die ältere Erklärung der „Dekadenz“ wird von der heutigen Forschung nicht mehr getragen. Arce deutet die Niederlage als militärische Fehleinschätzung; der Zusammenbruch folgte, weil König, Erbe und der Bischof von Toledo wegfielen, auf dem die Legitimität ruhte.
Drei Rechtstexte rahmen die Geschichte: der Codex Euricianus (vor 480), das Breviarium Alarici für die Römer (um 506) und der Liber Iudiciorum. Chindaswinth begann ihn in seinem zweiten Jahr (642/643), sein Sohn Rekkeswinth veröffentlichte ihn erweitert 654. Er ist in zwölf Bücher gegliedert, vom Recht überhaupt bis zur Bekämpfung von Missbrauch und Häresie. Er hob nach der Darstellung, der ich folge, die getrennten Rechte für Goten und Römer auf, die Untertanen hießen nun hispani, und verband römisches Recht mit Kirchenrecht. Frauen konnten Besitz erben und verwalten. Spätere Könige, Wamba, Erwig und Egica, setzten Gesetze dazu; auf dem 12. Konzil von Toledo 681 ließ Erwig den Text überarbeiten, mit 28 neuen Gesetzen über Juden. Die Namen wechseln: Liber Iudiciorum, Forum Iudicum, Lex Visigothorum; die spanische Fassung heißt Fuero Juzgo. Ob und wann das Heiratsverbot zwischen Goten und Römern fiel, ist nicht einheitlich überliefert; die Zusammenfassung zu Leovigild schreibt es ihm zu, andere Darstellungen Rekkeswinth.
„Sub hoc rege Gothi legum statuta in scriptis habere coeperunt.“
„Unter diesem König begannen die Goten, ihre gesetzlichen Satzungen schriftlich zu führen.“Isidor von Sevilla, Historia de regibus Gothorum, Kap. 35 (über Eurich), lateinischer Text nach Migne, Patrologia Latina 83, Sp. 1057 (Paris 1844 bis 1855), in der Digitalisierung des Corpus CIRP (corpus.cirp.es). Der Text ist gemeinfrei, die deutsche Übersetzung stammt von mir. Gelesen über eine Seitenabfrage, die den Satz als Wortlaut ausgab; den Rest des Kapitels habe ich nicht eingesehen, eine Prüfung gegen Mommsens Edition steht aus.
Zur Religion: „Arianer“ ist die Bezeichnung der Gegner. Die Goten folgten dem homöischen Bekenntnis, das Wulfila vermittelt hatte, und für das gilt dasselbe wie bei den Vandalen: Wir kennen es fast nur aus der Sicht katholischer Autoren. Der Übertritt 589 band die gotische Oberschicht an die romanische Bevölkerung und machte die Bischöfe zu Trägern des Reichs. Arce schreibt, ohne die Kirche sei das Reich nicht denkbar gewesen. Die Judenpolitik der Könige wurde im 7. Jahrhundert zunehmend härter; wie weit Zwangstaufen tatsächlich durchgesetzt wurden und wem die Initiative gehörte, wird unterschiedlich gewertet, Bachrach sieht lange Duldung, andere sehen ab Sisebut ein Programm. Die Schiefertafeln zeigen eine gemischte Bevölkerung und eine Verwaltung nach spätrömischem Muster.
Die Westgoten kämpften selten als Volk gegen Rom, öfter als Heer im Dienst oder in Verhandlung mit Rom. Alarich setzte Belagerung und Blockade ein (Rom 408 und 409), kaufte sich auszahlen und verhandelte; das Heer, das er führte, bestand nach Wikipedia unter anderem aus übergelaufenen Föderaten. Wallia kämpfte 416 bis 418 als Föderat gegen Alanen und Vandalen. 456 zog Theoderich II. mit einem Heer aus Westgoten, burgundischen und fränkischen Hilfstruppen sowie römischen Verbänden nach Spanien. Bei Vouillé standen Auvergner unter Apollinaris neben den Goten. Euric kannte bewaffnete Gefolgschaften (buccellarii). Im 7. Jahrhundert schrieb Wambas Gesetz vor, dass alle, einschließlich Geistlicher, das Reich gegen Invasion verteidigen müssen, und es sieht vor, Sklaven zu befreien, um das Heer aufzufüllen; Arce liest das als Routine-Vorsorge, nicht als Zeichen des Verfalls. Über Bewaffnung und Taktik der Westgoten geben die Quellen, die ich gesehen habe, wenig her; Waffenbeigaben sind in Spanien selten, weniger als zwanzig sind bekannt.
Der berühmteste Fund ist der Schatz von Guarrazar bei Guadamur nahe Toledo, zwischen 1858 und 1861 entdeckt. Er umfasste nach den Darstellungen, die ich sah, 26 Weihekronen und Goldkreuze aus dem 7. Jahrhundert, besetzt mit Saphiren, Perlen und anderen Steinen. Die wertvollste Krone trägt den Namen Rekkeswinths, die zweite königliche den Suintilas; sie wurde 1921 gestohlen und ist verschollen. Die Stücke waren Weihegaben, die über dem Altar hingen, nicht Herrschaftszeichen zum Tragen. Heute liegen sie im Nationalen Archäologischen Museum in Madrid, im Musée de Cluny in Paris und im Königspalast von Madrid. Warum sie vergraben wurden, ist offen; die Annahme, man habe sie vor der arabischen Eroberung versteckt, ist nicht bewiesen.
Frauen der Meseta trugen nach den Gräbern der Duero-Ebene zwei Fibeln an den Schultern, die das Gewand hielten; Adlerfibeln aus Duratón, Madrona und Castiltierra bei Segovia gelten als Hinweis auf gotische Anwesenheit. Waffen sind selten (weniger als zwanzig bekannt). Seit den 1930er Jahren gelten die Gräberfelder als „westgotisch“. Carlos Tejerizo García fasst in einem Aufsatz von 2011 die Kritik: Die Datierung beruht auf Typologie und politischen Ereignissen, über 2.000 Bestattungen haben keine verlässliche Radiokarbondatierung; Gisela Ripoll verteidigt das Etikett, Collins, Halsall, Brather und andere widersprechen. Funde tragen keine Volksnamen. Arce hält die Nekropolen der Meseta nicht für verlässlich gotisch. Eine genetische Studie (Olalde 2019) fand bei Individuen des 6. Jahrhunderts aus Pla de l'Horta überwiegend lokale, zum Teil mittel- und nordeuropäische Abstammung; ich kenne sie nur aus einer Zusammenfassung. Bauten wie San Juan de Baños (661) zeigen, dass im 7. Jahrhundert gebaut und gestiftet wurde.
Ein direkter Bezug der Westgoten zu Aachen ist nicht belegt, und ich konstruiere keinen. Die Pfalz entsteht Jahrhunderte nach dem Ende des Toledanischen Reichs. Die Statue Theoderichs, die Karl der Große 801 nach Aachen geholt haben soll, betrifft die Ostgoten und steht im Beitrag über sie. Eine Verbindung gibt es über Brunichild (Brunhild): Die Tochter des Westgotenkönigs Athanagild heiratete 567 Sigibert I. von Austrasien, zog nach Metz und wurde nach Gregor von Tours (IV,27) katholisch; ihre Schwester Galswintha heiratete dessen Bruder Chilperich und wurde 568 erdrosselt. Austrasien reichte bis ans Rheinland. Dass Brunichild je in Aachen war, ist nicht belegt; die Zusammenfassung nennt als Residenz nur Metz. Über Chlodwig, der 507 die Westgoten schlug und nach Gregor bei Zülpich gegen die Alamannen kämpfte, führt eine zweite Linie ins Rheinland: Zülpich.
Die bekannteste Legende ist Alarichs Grab. Jordanes erzählt (Getica XXX, 157–158), nach Alarichs Tod sei bei Consentia der Fluss Busentus umgeleitet, der König mit vielen Schätzen im Flussbett beigesetzt und der Fluss zurückgeleitet worden; die Gefangenen, die das Grab gruben, habe man getötet. Gefunden wurde nichts. August von Platen machte daraus 1820 das Gedicht „Das Grab im Busento“. Auch der Schatz von Toulouse, von dem Gregor spricht, und ein „Alarichschatz“ in den Höhlen bei Carcassonne gehören zur Folklore, nicht zum Befund.
Wichtiger für die Wirkung war das spanische Selbstbild. Isidor entwarf das Bild eines gotisch geführten Spaniens; nach 711 sammelte sich der Widerstand in Asturien (Pelayo, Covadonga 718), das als Beginn der Reconquista gilt. Der Liber Iudiciorum wurde im 13. Jahrhundert unter Ferdinand III. als Fuero Juzgo ins Spanische übersetzt. Belegt ist die Rechtstradition, nicht eine ungebrochene gotische Kontinuität. Im Namen „Gotik“ lebt der Gotenname als Stilbegriff weiter, wie der Beitrag Die Goten erklärt.
Der Name. Ob die Terwingen der Kern waren, ob der Name „Vesi“ ein Eigenname oder eine Zuschreibung war, ist ungeklärt.
Die Ansiedlung 418/419. Land oder Steuerrecht, Jahr, Umfang: nicht sicher.
Der Codex Euricianus. Datum, Ort, Umfang des Germanischen: strittig.
Die Gräber. Wer in den Nekropolen der Meseta liegt, kann die Archäologie nicht sagen.
711. Jahr, Ort, Heeresgrößen und Anlass sind offen.
Verwandte Beiträge: Goten, Terwingen, Greutungen, Ostgoten, Vandalen, Sueben, Burgunder, Franken, Langobarden, Christianisierung der Germanen, Germanische Stammesrechte, Legendenkunde, Germanen im Rheinland und Zülpich.

Die Goten · Die Terwingen · Die Ostgoten · Die Franken · Schlacht von Zülpich.
Alle Geschichte & Funde-Artikel →
Ein Name, der drei Jahrzehnte Krieg überdauerte: Widukind war der bekannteste Anführer des sächsischen Widerstands …
Weiterlesen →Ja, die Wikinger waren in Aachen: Im Spätherbst 881 überfiel ein dänisches Heer unter den Königen Gottfried und Sigfred …
Weiterlesen →Die Axt ist das ehrlichste Werkzeug der Wikingerzeit. Sie spaltete Holz, zimmerte Schiffe, schlug Wege durch den Wald …
Weiterlesen →Die wichtigsten Bräuche der Wikingerzeit waren Gemeinschaftsrituale: das Opfermahl Blót, das Trinken auf Götter und …
Weiterlesen →