Wikinger waren im Schnitt etwas kleiner als wir heute, häufig, aber längst nicht immer blond, gepflegter als ihr Ruf und farbenfroh gekleidet. Zwei Meter groß, zotteliger Bart, Fell über den Schultern: Dieses Bild stammt aus Film und Fernsehen. Wir haben zusammengetragen, was die Forschung heute über das Aussehen der Menschen der Wikingerzeit weiß, von der Körpergröße über Haarfarbe, Bart und Kleidung bis zu zwei Moden, die selbst Fachleute überrascht haben: gefeilte Zähne und verformte Schädel.

Die kurze Antwort: etwas kleiner als wir heute, aber für ihre Zeit nicht klein. Die lange Antwort liefern Skelette aus Gräbern. Anthropologen schätzen die Körpergröße aus der Länge der Oberschenkel- und Schienbeinknochen.
Für Männer der Wikingerzeit in Skandinavien ergeben sich so Werte um 170 bis 176 Zentimeter, für Frauen um 157 bis 161 Zentimeter. Der Wirtschaftshistoriker Richard Steckel kam in einer vielzitierten Auswertung für Nordeuropa im 9. bis 11. Jahrhundert auf einen Durchschnitt von gut 173 Zentimetern bei Männern. Die Stichproben dahinter sind allerdings klein: Für Island stützte er sich auf ein paar Dutzend Skelette, für Schweden auf ganze acht.
Zum Vergleich: Heute sind Männer in Dänemark, Norwegen und Schweden im Schnitt gut 180 Zentimeter groß. Steckels Daten zeigen außerdem etwas Überraschendes: Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Menschen in Nordeuropa im Schnitt deutlich kleiner als in der Wikingerzeit. Ein Wikinger stand also nicht am Anfang eines stetigen Wachstums. Riesen waren sie nicht. Wenn Ibn Faḍlān die Rus an der Wolga als „groß wie Palmen“ beschreibt, sagt das vor allem etwas über die Menschen, mit denen er sie verglich.
Ein Skelett erzählt mehr als seine Länge. Muskelansätze, Abnutzung der Gelenke, verheilte Brüche und Zähne zeigen, wie ein Mensch gelebt hat. Ein gut untersuchtes Beispiel liegt nicht in Skandinavien, sondern in England: In Repton in Derbyshire überwinterte das sogenannte Große Heer der Wikinger 873/874. Bei Ausgrabungen zwischen 1980 und 1986 kamen dort unter einem flachen Hügel die durcheinanderliegenden Knochen von mindestens 264 Menschen zum Vorschein, ein sogenanntes Beinhaus (Charnel, also eine Sammelbestattung umgelagerter Knochen).
Wo sich das Geschlecht bestimmen ließ, waren rund vier Fünftel Männer und ein Fünftel Frauen, die meisten zwischen etwa 18 und 45 Jahre alt. Lange passten einige Radiokarbondaten nicht zur Wikingerzeit. Catrine Jarman und ihr Team zeigten 2018, dass der hohe Fischanteil in der Ernährung die Daten verfälscht hatte; korrigiert passen alle Proben ins späte 9. Jahrhundert. Strontium-Isotope im Zahnschmelz verraten zudem, dass nur wenige dieser Menschen vor Ort aufgewachsen waren, viele passen zu einer Herkunft aus Skandinavien.
Ganz in der Nähe lag ein Doppelgrab. Der ältere der beiden Männer, mindestens 35 bis 45 Jahre alt, trug ein Thorshammer-Amulett und ein Schwert und hatte schwere Verletzungen: Stichwunden am Kopf und einen tiefen Hieb in den linken Oberschenkel. Das ist das Aussehen der Wikingerzeit, über das man selten spricht: Narben, schiefe Knochen, abgenutzte Gelenke. Das Dänische Nationalmuseum hält fest, dass manche Männerskelette schwere Schnittspuren zeigen und Gewalt eine bedeutende Todesursache für Männer war.
Nein. Aber viele.
Die bislang größte genetische Studie zur Wikingerzeit hat 2020 die Erbanlagen von 442 Menschen aus Gräbern in ganz Europa untersucht. Ein Ergebnis betraf die Pigmentierung, also Haar-, Haut- und Augenfarbe. Unter den Menschen der Wikingerzeit gab es mehr dunkelhaarige als im heutigen Skandinavien. Der Leiter der Studie, Eske Willerslev, sagte dazu, das moderne Bild vom blonden Wikinger sei damit widerlegt, denn viele hätten braunes Haar gehabt. Sein Ko-Autor Ashot Margaryan formulierte vorsichtiger: Die Mehrheit sei durchaus blond gewesen, aber eben nicht alle.
Ein Blick in die Studie selbst lohnt sich, denn die Schlagzeilen sind zugespitzter als der Fachtext. In der Zusammenfassung im Fachjournal Nature steht nur, dass sich die mit der Pigmentierung verbundenen Genorte im letzten Jahrtausend stark verändert haben. Die Pressemitteilung der Universität Aarhus wurde deutlicher und schrieb, die meisten Wikinger hätten braunes Haar gehabt. Aus alten Genen lässt sich Haarfarbe nur als Wahrscheinlichkeit ablesen, nicht wie auf einem Foto. Dazu kommt: Viele Kinder werden blond geboren und dunkeln später nach.
Beides stimmt also: Blond war häufig, aber nicht die Regel ohne Ausnahme. Und rothaarige Wikinger gab es ebenso, wie schon Beinamen wie Erik „der Rote“ zeigen. Was die Studie sonst über Herkunft und Vermischung verrät und was ein moderner DNA-Test davon überhaupt messen kann, erklären wir im Beitrag Bin ich ein Nachfahre der Wikinger?. Eine besondere genetische Spur verfolgt der Artikel über DNA und Vinland.
Gesichter aus der Wikingerzeit sind selten, aber es gibt sie. Das bekannteste ist die kleine Bronzefigur von Rällinge in Södermanland, knapp sieben Zentimeter hoch und um das Jahr 1000 entstanden. Sie zeigt einen sitzenden Mann mit spitzer Mütze oder Helm, großem, nach oben gezwirbeltem Schnurrbart und einem spitzen, geflochtenen Kinnbart. Ob sie den Gott Freyr darstellt, wie oft gesagt wird, ist nicht sicher. Den Bart aber sieht man deutlich, ebenso einen Armreif an jedem Handgelenk.
Ganz ähnlich wirkt eine kleine Figur aus Walrosszahn aus Fløgstad in Norwegen: Schnurrbart, geflochtener Spitzbart, Mittelscheitel. Der Kurator Peter Pentz vom Dänischen Nationalmuseum nannte sie so nah, wie wir einem Porträt eines Wikingers kommen. Die nur etwa drei Zentimeter große Figur stammt vermutlich aus einem 1796 geöffneten Reitergrab und lag über 200 Jahre unbeachtet im Magazin. Wer genau hinsieht, erkennt mehr als den Bart: welliges Haar, einen kurz geschorenen Hinterkopf, eine kleine Locke über dem Ohr und kräftige Koteletten. Pentz hält sie für eine Spielfigur.
Interessant ist ein Vergleich, auf den die Textilforscherin Marianne Vedeler hinweist: Auf dem Oseberg-Teppich, der 834 mit zwei Frauen im Oseberg-Schiff begraben wurde, tragen die Männer keine erkennbaren Bärte. Die Fløgstad-Figur ist wohl ein bis zwei Jahrhunderte jünger. Auch Bartmoden haben sich also gewandelt, und „der“ Wikingerbart ist eine Vereinfachung. Der berühmte Kopf aus Elchgeweih aus Sigtuna zeigt einen Mann mit spitzem Helm und Nasenschutz, mit kurzem Bart. Er stammt allerdings schon aus dem späten 11. Jahrhundert.
Frauen sehen wir vor allem auf Bildsteinen von Gotland und auf kleinen Anhängern, die meist als Walküren gedeutet werden. Sie tragen das lange Haar am Hinterkopf zu einem Knoten oder Zopf gebunden. Die 2012 auf Fünen gefundene, nur 3,4 Zentimeter hohe Silberfigur von Hårby zeigt genau das: eine Frau mit Schwert und Schild, das Haar im Nacken zusammengefasst. Ob Walküre, Göttin oder Kämpferin, ist offen. Die Frisur aber ist eindeutig.
Was die Figuren zeigen, bestätigen die Funde: Kämme gehören zu den häufigsten Gegenständen in Gräbern und Siedlungen der Wikingerzeit, von Männern wie von Frauen. Wer einen Kamm ins Grab mitnahm, legte Wert auf sein Haar. Ein Zeitzeuge aus England bestätigt das unfreiwillig. Der Abt Ælfric von Eynsham (gestorben um 1010) tadelte in einem Brief einen Landsmann, der sich „nach dänischer Art“ herrichte, mit entblößtem Nacken und verdeckten Augen. Gemeint ist wohl ein ausrasierter Nacken mit langem Haar vorn, das ins Gesicht fiel. Welche Frisuren die Quellen sonst belegen, haben wir im Beitrag über Wikinger-Frisuren ausführlich gesammelt, und wie man Kämme aus Geweih herstellte, zeigt der Artikel über die Kammmacher.
Ein englischer Chronist des 13. Jahrhunderts, lange als „Johannes von Wallingford“ bekannt, schrieb über die Dänen in England, sie hätten nach ihrer Gewohnheit täglich ihr Haar gekämmt und samstags gebadet und damit die Frauen verführt. Diese Stelle wird heute gerne als Beleg für die Reinlichkeit der Wikinger zitiert. Zwei Vorbehalte gehören dazu. Der Text entstand rund zweihundert Jahre nach den Ereignissen, und er ist alles andere als freundlich gemeint: Die gepflegten Dänen werden als Gefahr für die Ehre der englischen Frauen dargestellt.
Dass der Samstag im Altnordischen laugardagr hieß, „Waschtag“, und bis heute in den skandinavischen Sprachen so heißt (lørdag, lördag), passt dazu. Pinzetten, Ohrlöffel und Nagelreiniger aus Gräbern zeigen dasselbe. Den Rest erzählen wir im Beitrag über Hygiene in der Wikingerzeit. Ibn Faḍlān hielt die Rus an der Wolga übrigens für „die schmutzigsten Geschöpfe Gottes“. Er meinte damit aber vor allem, dass sie sich nach Toilette und Mahlzeit nicht so wuschen, wie es seine eigenen religiösen Regeln vorschrieben.
Ein zweiter arabischer Autor, der Geograph Ibn Rusta, schrieb wenige Jahre vor Ibn Faḍlān über die Rus. In der verbreiteten Übersetzung heißt es, sie trügen saubere Kleidung und die Männer schmückten sich mit Armreifen und Gold. Hier ist Vorsicht geboten: Das Wort „sauber“ geht auf eine russische Übersetzung des 19. Jahrhunderts zurück, und spätere Herausgeber merken an, dass das arabische Original eher das Gegenteil bedeuten könnte. Die Stelle eignet sich also nicht als Kronzeuge, weder für saubere noch für schmutzige Wikinger. Sicher ist nur die Beobachtung mit dem Gold.
Jetzt wird es überraschend. In den 2000er-Jahren fiel der schwedischen Osteologin Caroline Arcini bei der Untersuchung von Skeletten etwas auf: Bei manchen Männern der Wikingerzeit waren in die oberen Schneidezähne waagrechte Rillen gefeilt. Nicht zufällig abgenutzt, sondern sauber, gleichmäßig und offenbar von geschickter Hand, vermutlich nicht vom Träger selbst.
Arcini veröffentlichte ihre Ergebnisse 2005. Inzwischen kennt man mehr als 130 solcher Fälle. Rund vier Fünftel stammen von Gotland, die übrigen vor allem aus anderen Teilen Schwedens, dazu ein paar aus Dänemark und einer aus einem Massengrab in Dorset in England, wo Wikinger hingerichtet wurden. Bei Frauen wurde die Mode bisher nicht gefunden.
Was bedeuteten die Rillen? Kalkablagerungen in den Furchen zeigen, dass sie lange vor dem Tod angelegt wurden. Die Männer waren nach den Grabbeigaben weder auffällig reich noch eindeutig Krieger, und als Mannbarkeitsritual sieht Arcini die Rillen eher nicht. Vielleicht kennzeichneten sie eine Gruppe, einen Beruf oder eine Herkunft, etwa Händler, die viel unterwegs waren. Arcini hat auch vermutet, die Rillen könnten eingefärbt gewesen sein. Das ist aber nicht belegt. Sicher ist nur: Wer lächelte, zeigte etwas her.
Eine neuere Deutung stammt von Matthias Toplak, dem Leiter des Wikinger Museums Haithabu, und Lukas Kerk von der Universität Münster. In ihrer 2024 erschienenen Studie in Current Swedish Archaeology schlagen sie vor, die Rillen als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer geschlossenen Gruppe von Händlern zu lesen. Alle Männer mit Rillen waren mindestens 20 Jahre alt, was eher für eine freiwillige Veränderung im Erwachsenenalter spricht. Bewiesen ist auch diese Deutung nicht, aber sie passt gut zur Handelsinsel Gotland.
In derselben Studie geht es um eine zweite, noch seltenere Veränderung des Körpers. Auf Gotland wurden drei Frauen aus dem späten 11. Jahrhundert gefunden, deren Schädel künstlich in die Länge geformt waren. Das geht nur im Säuglingsalter, wenn der Kopf über Monate eng gebunden wird. Die Gräber liegen in Havor, Ire und Kvie. Die älteste der Frauen, aus Havor, wurde 55 bis 60 Jahre alt und mit reichem Schmuck in typisch gotländischer Tracht bestattet, darunter vier Tierkopffibeln.
In Skandinavien ist diese Sitte sonst unbekannt. Toplak und Kerk sehen die nächsten Parallelen in Südosteuropa, etwa im Gebiet des heutigen Bulgarien des 9. bis 11. Jahrhunderts. Ob die Frauen dort geboren wurden oder die Sitte auf Gotland übernommen wurde, ist offen. Wichtig für uns: Das sind drei Einzelfälle. Ein „Schönheitsideal der Wikingerinnen“ lässt sich daraus nicht machen, wohl aber ein Hinweis darauf, wie weit die Verbindungen Gotlands reichten.
Ibn Faḍlān schreibt über die Rus an der Wolga, jeder Mann sei von den Zehen bis zum Hals mit dunkelgrünen Linien bedeckt gewesen. Das ist die einzige zeitgenössische Quelle dieser Art, und sie wirft Fragen auf: Meinte er Tätowierungen, Bemalung oder etwas ganz anderes? Haut ist aus der Wikingerzeit nicht erhalten, einen archäologischen Beweis gibt es also nicht. Wir haben die Frage im Beitrag über Wikinger-Tätowierungen ausführlich durchleuchtet.
Auch das Bild vom Wikinger in grauem Sack und Fell hält den Funden nicht stand. Die Menschen der Wikingerzeit trugen Wolle und Leinen, oft gefärbt in Rot, Blau, Gelb und Grün, dazu Borten mit Brettchenweberei, bei Wohlhabenden auch Seide aus dem Osten. Frauen schlossen ihr Trägerkleid mit zwei großen Schalenfibeln auf den Schultern, Männer ihren Mantel mit einer Fibel an der rechten Schulter, damit der Schwertarm frei blieb. Ibn Faḍlān beschreibt genau das: Der Mann trage einen Umhang, der eine Körperhälfte bedeckt und einen Arm frei lässt.
Woher wissen wir das, wenn Stoff doch verrottet? Aus drei Arten von Funden. Erstens aus Gräbern, in denen Textilreste an Metall kleben blieben: Unter den Fibeln haben Korrosionsprodukte winzige Gewebestücke konserviert. So hat die Textilforscherin Agnes Geijer schon 1938 die Stoffe aus den über tausend Gräbern von Birka ausgewertet, die Hjalmar Stolpe im späten 19. Jahrhundert ausgegraben hatte, darunter Seide und Borten mit eingewebten Silberfäden.
Zweitens aus dem Hafen von Haithabu bei Schleswig. Dort fanden Archäologen zahlreiche Stoffreste aus dem 10. Jahrhundert, die als zerrissene Altkleider in Teer getränkt zum Abdichten von Schiffen gedient hatten. Der Teer hat sie erstaunlich gut erhalten. Inga Hägg erkannte darin Hemden, Hosen, Kittel und möglicherweise Teile eines Trägerkleids, viele davon mit schrägen und gerundeten Teilen auf Figur geschnitten. Das ist Alltagskleidung, keine Grabpracht.
Drittens aus Prunkgräbern wie dem von Mammen in Jütland. Das Holz der Grabkammer im Hügel Bjerringhøj wurde im Winter 970/971 gefällt. Der Tote trug einen Wollmantel mit Murmeltierfell gefüttert, bestickt mit Leoparden und anderen Vierbeinern, Tiermasken und Akanthusranken in Rot, Blau und Gelb, dazu lila Seidenborten mit Gold- und Silberfaden. Nach neueren Untersuchungen des Nationalmuseums trug er außerdem lange Hosen mit fein verzierten, gepolsterten Bündchen. Mehr dazu in unseren Beiträgen über Wikinger-Kleidung und Farben der Wikingerzeit.
Wer sich einen Menschen der Wikingerzeit vorstellt, sollte Metall und Glas mitdenken. Ibn Faḍlān beobachtete bei den Frauen der Rus auf der Brust je eine kleine Scheibe aus Eisen, Silber, Kupfer oder Gold, je nach Vermögen des Mannes, und daran ein Messer. Das passt gut zu den Schalenfibeln aus den Gräbern, zwischen denen oft Perlenketten hingen. Um den Hals trugen die Frauen nach seinem Bericht Reifen aus Gold und Silber: Für jeweils zehntausend Dirham Vermögen lasse ein Mann seiner Frau einen solchen Reif machen. Am meisten schätzten sie dunkelgrüne Perlen, die oft als Glasperlen gedeutet werden.
Bei Männern gehören Armringe dazu, wie die Rällinge-Figur und Ibn Rusta zeigen. Ringe aus Silber waren Schmuck und Bargeld zugleich, man konnte sie bei Bedarf in Stücke hacken und abwiegen. Schmuck zeigte also nicht nur Geschmack, sondern auch Rang, Familie und Herkunft. Wie das im Einzelnen aussah, steht in unserem Beitrag über Wikinger-Schmuck.
„Der Wikinger“ sah nicht überall gleich aus. Zwischen dem Mann im Mammen-Grab mit Seide und Pelz und einem Unfreien auf einem Hof lagen Welten, auch wenn uns die Kleidung der Ärmsten kaum erhalten ist. Und es gab regionale Trachten. Die Frauen auf Gotland etwa trugen statt der sonst üblichen Schalenfibeln eigene Tierkopffibeln, wie bei der Frau aus Havor. Funde aus Schweden, Dänemark, Norwegen, England und Russland zeigen dieselbe Grundform der Frauentracht mit Trägerkleid und Fibelpaar, aber unterschiedliche Fibeltypen und Schmuckvorlieben.
Auch die Frage, ob man eine Kriegerin am Aussehen erkannt hätte, gehört hierher. Das Grab Bj 581 in Birka, lange als Musterbeispiel eines Kriegergrabs gezeigt, gehörte nach einer DNA-Analyse von 2017 einer Frau. Was das bedeutet und was nicht, haben wir im Beitrag über die Kriegerin von Birka nachgezeichnet.
Wie ein Wikinger wirklich ausgesehen hat, kann am Ende nur ein Gesicht zeigen. Moderne Gesichtsrekonstruktionen versuchen das: Auf einen Abguss des Schädels werden nach Tabellen für die Gewebedicke Muskeln und Haut modelliert. Ein bekanntes Beispiel ist die Frau aus Solør in Norwegen. Sie wurde um das Jahr 900 bestattet, war bei ihrem Tod etwa 18 oder 19 Jahre alt und lag mit Schwert, Speer, Axt, Pfeilen und einem Pferd im Grab, das schon 1900 ausgegraben wurde. Ihr Schädel zeigt eine tiefe, teilweise verheilte Verletzung, die zu einem Schwerthieb passt. Forscher der Universität Dundee rekonstruierten 2019 ihr Gesicht für eine Fernsehdokumentation.
Solche Rekonstruktionen sind wertvoll, aber man sollte wissen, wo die Wissenschaft aufhört. Knochenform, Nasenansatz und Kieferlinie lassen sich ziemlich gut erschließen. Haarfarbe, Augenfarbe, Frisur und Gesichtsausdruck sind dagegen Ergänzungen, ohne DNA-Analyse reine Annahme. Auch die Frage, ob die Frau aus Solør wirklich eine Kämpferin oder gar Anführerin war, ist offen.
Hier wird das Bild ernst. Das Dänische Nationalmuseum fasst den Stand der Forschung so zusammen: Die Kindersterblichkeit war hoch, und die meisten Menschen wurden nicht älter als 35 bis 40 Jahre. Nur wenige erreichten ein Alter über 50. Frauen lebten im Schnitt etwas länger als Männer, wenn sie die gefährlichen Jahre der Geburten überstanden.
Das heißt nicht, dass ein Mensch mit 40 schon alt aussah. Durchschnittswerte werden von der hohen Sterblichkeit in den ersten Lebensjahren stark nach unten gezogen. Wer die Kindheit überlebte, hatte deutlich bessere Chancen. Trotzdem waren die Körper hart gefordert: Mehr als ein Viertel der Menschen hatte Karies, Arthrose war weit verbreitet, und die Zähne waren durch Steinchen im Mehl oft stark abgenutzt. Viele hatten schon zu Lebzeiten mehrere Zähne verloren. Ein strahlendes Gebiss wie im Film darfst du dir also eher nicht vorstellen. Was Heilkundige dagegen tun konnten, steht im Beitrag über Medizin in der Wikingerzeit.
Kam nicht vor. Kein einziger Helm der Wikingerzeit hatte Hörner. Der einzige weitgehend erhaltene Helm, der Helm von Gjermundbu, ist eine schlichte Eisenkappe mit Augenschutz. Woher das Bild stammt, erklärt unser Mythos-Check zum Hörnerhelm.
Wie groß war ein durchschnittlicher Wikinger? Männer waren nach Skelettfunden etwa 170 bis 176 Zentimeter groß, Frauen etwa 157 bis 161 Zentimeter. Das ist etwas kleiner als heute, aber größer als die Menschen in Nordeuropa im 17. und 18. Jahrhundert.
Hatten Wikinger blonde Haare und blaue Augen? Viele ja, aber längst nicht alle. Die große DNA-Studie von 2020 zeigt, dass dunkles Haar in der Wikingerzeit häufiger war als im heutigen Skandinavien.
Trugen Wikinger lange Bärte? Bildwerke wie die Figuren von Rällinge und Fløgstad zeigen gepflegte, teils geflochtene Spitzbärte mit Schnurrbart. Auf dem älteren Oseberg-Teppich sind die Männer dagegen bartlos, die Mode wandelte sich also.
Warum hatten Wikinger gefeilte Zähne? Das weiß niemand sicher. Bei über 130 Männern, die meisten von Gotland, sind Rillen in den Schneidezähnen belegt. Diskutiert wird ein Zeichen für eine Gruppe, etwa Händler.
Wie alt wurden Wikinger? Die meisten starben vor 35 bis 40 Jahren, auch wegen der hohen Kindersterblichkeit. Wer die Kindheit überlebte, konnte durchaus 50 oder 60 werden.
Trugen Wikinger Fell und Hörnerhelme? Hörnerhelme nicht, das ist ein Bild des 19. Jahrhunderts. Pelz kam vor, etwa als Mantelfutter im Mammen-Grab, aber die Grundkleidung bestand aus Wolle und Leinen.
Für Mut. Für Erinnerung. Für Legenden, die weiterleben.

Wikinger-Frisuren & Bärte · Wikinger-Kleidung & Mode · Koerperpflege der Wikinger · Wikinger-Tätowierungen · Heilkunde der Wikinger · Der Hörnerhelm-Mythos.
Alle Alltag & Handwerk-Artikel →
Wenn wir "Wikinger" hören, denken wir an Krieger auf Langschiffen. Doch die allermeisten Menschen im Norden zogen nie …
Weiterlesen →Wenn wir an das Trinken im Norden denken, tauchen sofort volle Methörner und Trinkhallen auf. Doch das Getränk, das die …
Weiterlesen →Ein Eintopf hinterlässt nichts. Kein Rezept, keine Mengenangabe, keine Garzeit. Was er hinterlässt, sind verkohlte …
Weiterlesen →