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„The Last Kingdom“ im Faktencheck: Uhtred, Alfred und die Entstehung Englands zwischen Chronik und Drehbuch

Geschichte & Funde „The Last Kingdom“ im Faktencheck: Uhtred, Alfred und die Entstehung Englands zwischen Chronik und Drehbuch

Ein in Northumbrien geborener Sachse, von Dänen aufgezogen, kämpft für Alfred von Wessex und dessen Erben, bis aus vielen Königreichen eines wird: So erzählt es „The Last Kingdom“, fünf Staffeln von 2015 bis 2022 und ein Film, „Seven Kings Must Die“, von 2023. Die Hauptfigur ist erfunden, ihre Welt nicht. Alfred, Guthrum, Æthelflæd, Edward und Æthelstan haben gelebt, Edington, Tettenhall und Brunanburh sind wirkliche Schlachten. Dieser Beitrag legt Serie und Film neben die Angelsächsische Chronik, Asser, Æthelweard und die Grabungen in Repton und Torksey. Er zeigt, wo die Drehbücher den Quellen erstaunlich nah bleiben, wo sie Jahrzehnte zusammenschieben und wo sie frei erfinden.

Serie, Film, Romane: die Eckdaten

„The Last Kingdom“ beruht auf den Romanen von Bernard Cornwell, im Englischen „The Saxon Stories“, auf Deutsch bei Rowohlt erschienen, beginnend mit „Das letzte Königreich“. Die Reihe umfasst dreizehn Bände; der erste kam 2004 heraus, der letzte, „War Lord“, 2020. Die ersten beiden Staffeln liefen bei BBC Two; Netflix war ab der zweiten Staffel Koproduzent und ab der dritten allein zuständig. Die Ausstrahlung verteilt sich so: Staffel 1 im Herbst 2015, Staffel 2 im Frühjahr 2017, Staffel 3 im November 2018, Staffel 4 im April 2020, Staffel 5 im März 2022. Zusammen sind es 46 Folgen, produziert von Carnival Films. Gedreht wurde größtenteils in Ungarn.

Der Film „The Last Kingdom: Seven Kings Must Die“ erschien am 14. April 2023 bei Netflix. Er folgt dem letzten Roman „War Lord“ und endet mit der Schlacht von Brunanburh 937. Die ersten beiden Staffeln halten sich eng an je zwei Romane, ab der dritten Staffel weichen die Drehbücher deutlich von der Vorlage ab. Gemessen wird hier aber nicht an Cornwell, sondern an den Quellen des 9. und 10. Jahrhunderts.

Als historischer Berater wird Ryan Lavelle genannt, Historiker an der Universität Winchester; seine Aussagen kenne ich nur aus Presseberichten.

Uhtred von Bebbanburg: erfunden, aber nicht aus dem Nichts

Die Hauptfigur Uhtred, Sohn des Uhtred, hat es so nie gegeben. Keine Chronik kennt einen Sachsen dieses Namens, der als Kind von Dänen geraubt wurde und Alfred diente. Ein historischer Uhtred tritt erst im frühen 11. Jahrhundert auf.

Gemeint ist Uhtred, genannt „der Kühne“ (englisch „the Bold“). Er war Sohn eines Waltheof aus der Familie, die von Bamburgh aus den Norden Northumbriens beherrschte. Von etwa 1006 bis 1016 war er Ealdorman von ganz Northumbrien; ein Ealdorman verwaltete im Auftrag des Königs eine Region. Der Titel „Earl“ setzte sich erst unter Knut durch. Nachdem Uhtred sich Knut unterworfen hatte, wurde er 1016 auf dem Weg zu einem Treffen mit seinem Gefolge getötet, ausgeführt von Thurbrand, mit Billigung Knuts; eine Blutfehde über Generationen folgte. Siehe auch Knut der Große.

Cornwell selbst hat erzählt, dass er als Erwachsener seinen leiblichen Vater kennenlernte, der Oughtred hieß, und dabei von einer Familienüberlieferung erfuhr, die die Linie bis zu den Herren von Bamburgh zurückführt. Daraus wurde die Idee für die Romanfigur. Ob diese Abstammung genealogisch belastbar ist, kann ich nicht prüfen. Für die Serie heißt das: Ihr Held lebt rund ein Jahrhundert vor seinem Namensvorbild, und einzelne Motive, etwa eine schottische Belagerung von Bebbanburg, sind aus dem Leben des späteren Uhtred entlehnt.

Bebbanburg ist Bamburgh

Der Burgname der Serie ist die altenglische Form des heutigen Bamburgh an der Küste von Northumberland. Die Angelsächsische Chronik verbindet den Ort mit Ida, der 547 König geworden sein soll und die Burg zuerst mit einem Zaun, später mit einer Mauer umgeben habe. Beda, der um 731 schrieb, leitet den Namen von einer Königin Bebba ab. Beides ist spätere Herkunftserzählung.

Sicher ist, dass Bamburgh im frühen Mittelalter ein Königssitz und später Machtzentrum jener Familie war, aus der Uhtred der Kühne stammte. Die heutige Burg ist in ihren sichtbaren Teilen ein Werk des hohen Mittelalters, später stark restauriert. Die Holzfestung der Serie ist eine Kulissenidee, kein Abbild eines Grabungsplans.

Die Herren von Bamburgh sind im 10. Jahrhundert greifbar. Die Chronik nennt in Handschrift D (unter dem Jahr 926, gemeint ist wohl 927) einen Ealdred, Sohn des Eadwulf, „von Bamburgh“, der sich Æthelstan unterwarf. Davor bleibt die Familiengeschichte dünn – eine Lücke, die der Roman nutzt.

Die Quellen hinter der Serie

Fast alles, was wir über Alfred und seine Erben wissen, stammt aus wenigen Texten. Die wichtigste ist die Angelsächsische Chronik, eine Sammlung jahrweiser Einträge in altenglischer Sprache, deren älterer Kern um 890, also noch unter Alfred, zusammengestellt wurde. Sie liegt in mehreren Handschriften vor. Für das frühe 10. Jahrhundert wichtig ist das „Mercian Register“, kurze Einträge aus Mercien zu Æthelflæds Taten, die die westsächsische Hauptfassung eher übergeht.

Asser, ein walisischer Geistlicher an Alfreds Hof, schrieb 893 eine Lebensbeschreibung des Königs, die „Vita Ælfredi“. Sie bringt Einzelheiten, etwa zu Alfreds Krankheiten, und ist zugleich eine Lobschrift; die Handschrift verbrannte 1731. Æthelweard schließlich, ein Ealdorman und Nachfahre des westsächsischen Königshauses, übertrug im späten 10. Jahrhundert eine Fassung der Chronik ins Lateinische und ergänzte sie stellenweise, etwa um die Namen gefallener Dänenkönige bei Tettenhall. Hinzu kommen spätere Werke wie Abbos von Fleury Legende über König Edmund (um 985).

Diese Quellen erzählen aus der Sicht von Wessex und nennen die Anführer der Gegner selten. Eine Serie, die auch die Dänen zeigt, füllt zwangsläufig Lücken.

„This year about mid-winter, after twelfth-night, the Danish army stole out to Chippenham, and rode over the land of the West-Saxons; where they settled, and drove many of the people over sea; and of the rest the greatest part they rode down, and subdued to their will;—ALL BUT ALFRED THE KING. He, with a little band, uneasily sought the woods and fastnesses of the moors.“
„In diesem Jahr, um Mittwinter, nach dem zwölften Tag nach Weihnachten, schlich sich das dänische Heer nach Chippenham davon, ritt über das Land der Westsachsen, ließ sich dort nieder und trieb viele aus dem Volk über das Meer; den größten Teil der Übrigen ritten sie nieder und unterwarfen ihn ihrem Willen – ALLE AUSSER KÖNIG ALFRED. Er suchte mit einer kleinen Schar unter Mühen die Wälder und die Zufluchten der Moore auf.“Angelsächsische Chronik, zum Jahr 878; englische Übersetzung von James Ingram (1823), Wortlaut über eine Zitatwiedergabe gelesen; deutsche Übertragung für diesen Beitrag

Staffel 1 und 2: Alfred, Ubba, Guthrum und Edington

Die erste Staffel setzt in den späten 860er Jahren ein, als das Große Heer nach England kommt – so nennt die Forschung den Verband, den die Chronik ab 865 als „micel here“, „großes Heer“, bezeichnet. York fällt, East Anglia wird unterworfen; bis hierhin folgt die Serie der Chronik. Der Tod König Edmunds von East Anglia (869, in der Chronik unter 870) zeigt die Serie in einer Kirche. Die bekannte Erzählung, nach der Edmund an einen Baum gebunden und mit Pfeilen beschossen wurde, stammt aus Abbos Heiligenlegende, mehr als hundert Jahre nach dem Ereignis. Die Chronik sagt nur, dass er fiel.

Alfred wird 871 König, nach dem Tod seines Bruders Æthelred I. Die Serie zeigt ihn als kränklichen, frommen Taktiker mit dem Traum eines geeinten Englands. Krankheit und Frömmigkeit sind bei Asser belegt; dass Alfred die Idee eines „Angelcynn“, eines Volkes der Engländer, förderte, zeigen seine Schriften und Verträge. Ein Königreich England hat er aber nicht geschaffen. Das gelang erst seinem Enkel Æthelstan. Mehr dazu im Beitrag über Alfred den Großen.

Der Überfall auf Chippenham im Januar 878, Alfreds Rückzug in die Sümpfe von Athelney und der Sieg bei Edington im Mai 878 sind die stärksten Stücke der ersten Staffel, und hier bleibt die Serie nah an den Quellen. Alfred sammelte die Aufgebote von Somerset, Wiltshire und Teilen Hampshires am „Egbert-Stein“, schlug das Heer bei Edington, belagerte die Flüchtenden und zwang Guthrum zum Frieden. Guthrum ließ sich taufen, Alfred war sein Pate und gab ihm den Taufnamen Æthelstan. Das steht so in der Chronik. Erfunden ist Uhtreds Anteil am Sieg. Die Geschichte von den angebrannten Broten steht weder in der Chronik noch bei Asser; sie ist eine spätere Legende.

Ubba ist ein eigener Fall. In der Serie fällt er im Zweikampf gegen Uhtred bei Cynwit, einem befestigten Ort in Devon. Die Chronik berichtet zu 878, dass in Devon „der Bruder Ivars und Halfdans“ mit 23 Schiffen gelandet und mit vielen seiner Männer erschlagen worden war; dabei wurde ein Rabenbanner erbeutet. Ein Name fällt dort nicht. Erst spätere Werke setzen diesen Bruder mit Ubba gleich. Asser schreibt den Sieg Gefolgsleuten des Königs zu, die sich in einer Festung namens Cynuit verschanzt hatten; als ihr Anführer gilt nach Æthelweard ein Odda, was ich nur aus der Sekundärliteratur kenne. Von einem Zweikampf ist nirgends die Rede. Die Serie macht aus einer namenlosen Notiz eine Hauptszene.

Ragnars Söhne, das Große Heer und was die Archäologie zeigt

Die Serie ruft immer wieder die Namen der Ragnarssöhne auf. Die Chronik nennt Halfdan mehrfach als Anführer und erwähnt zu 878 den „Bruder Ivars und Halfdans“; Ivar selbst tritt in ihr kaum hervor, erst Æthelweard und Abbo stellen ihn als Führer der Anfangsjahre heraus. Einen Vater Ragnar nennt keiner dieser Texte. Die Verbindung zu Ragnar Lodbrok entsteht erst in Texten des späten 10. bis 13. Jahrhunderts. Ivar und Halfdan sind als Heerführer gut belegt; die Brüderschaft mit Ubba und die gemeinsame Abstammung bleiben späte Konstruktion. Die Serie „Vikings“ erzählt dieselben Namen ganz anders, siehe „Vikings“ im Faktencheck.

Wo die Schriftquellen schweigen, hilft der Boden. In Torksey in Lincolnshire, wo das Heer laut Chronik 872 überwinterte, haben Metallsucher und ein Forschungsprojekt der Universitäten Sheffield und York (Dawn Hadley, Julian Richards) über 1.500 Fundstücke erfasst. Darunter sind mehr als 300 Spielsteine aus Blei, über 100 Gewichte, über 100 arabische Silbermünzen, sogenannte Dirhams, die zerschnitten und als Rohsilber gewogen wurden, dazu Hacksilber, Schmiedewerkzeug und Spinnwirtel. Das Lager war ein Ort von Handwerk und Handel. Schätzungen von 300 bis 500 Mann halten die Ausgräber für zu niedrig; genaue Zahlen gibt es nicht.

In Repton in Derbyshire, Winterlager 873/874, fanden Martin Biddle und Birthe Kjølbye-Biddle in den 1980er Jahren ein Massengrab mit den Gebeinen von mindestens 264 Menschen. Eine Studie von 2018 in der Zeitschrift „Antiquity“ berücksichtigt den Einfluss von Meeresnahrung auf die Daten und kommt zum Schluss, dass alle datierten Reste mit einem einzigen Ereignis im späten 9. Jahrhundert vereinbar sind. Die Serie zeigt solche Lager kaum; ihr Heer ist eine Horde, die Burgen stürmt. Torksey und Repton zeigen ein bewegliches, wohlhabendes Heer, das handelte und monatelang an einem Ort lebte.

Æthelflæd und Æthelred: die Herrin der Mercier

Æthelflæd, Alfreds älteste Tochter, steht in der Serie zu Recht im Mittelpunkt. Sie wurde in den 880er Jahren mit Æthelred verheiratet, dem Herrn der Mercier, der Alfreds Oberhoheit anerkannte. Nach Æthelreds Tod 911 regierte sie Mercien allein. Das „Mercian Register“ nennt sie „Myrcna hlæfdige“, „Herrin der Mercier“, und verzeichnet befestigte Orte (Burhs) unter anderem in Bridgnorth, Tamworth, Stafford, Warwick und Runcorn. 917 nahm sie Derby ein, 918 Leicester. Kurz vor ihrem Tod im Juni 918 boten ihr die Leute von York die Unterwerfung an. Hier übertreibt die Serie nicht.

Ihr Ehemann kommt dagegen schlecht weg. Die Serie zeichnet Æthelred als eifersüchtigen, gewalttätigen und untreuen Mann, der seine Frau loswerden will. Belege dafür gibt es nicht. Die Quellen zeigen eher ein Paar, das gemeinsam Urkunden ausstellte und baute. Dass er von einem Mann aus seinem Umfeld getötet wurde, wie die Serie es zeigt, ist erfunden; er starb 911, offenbar nach längerer Krankheit.

Auch einzelne Episoden sind umgedreht. In der Serie gerät Æthelflæd bei Benfleet in dänische Gefangenschaft. Die Chronik berichtet zu 893 das Gegenteil: Die Engländer stürmten Hæstens Lager bei Benfleet und nahmen dessen Frau und zwei Söhne gefangen. Alfred gab sie zurück, einer der Söhne war sein Patenkind, der andere das Patenkind Æthelreds. Hæsten selbst ist eine historische Person, ein Heerführer der Jahre 892 bis 896. Seine Rolle in der Serie ist frei gestaltet.

Edward, Tettenhall 910 und die Erben Alfreds

Edward, später „der Ältere“ genannt, folgte Alfred 899. Die Serie zeigt ihn als unsicheren Sohn im Schatten des Vaters, der mit der Zeit hart und misstrauisch wird. Zwischen 912 und 920 eroberte er, bis 918 im Zusammenspiel mit seiner Schwester, das dänisch beherrschte Gebiet südlich des Humber zurück – den Süden des Danelag. Morde an mercischen Großen oder eine gewaltsame Übernahme Merciens, wie sie die fünfte Staffel zeigt, sind nicht überliefert.

Gleich nach Alfreds Tod forderte Edwards Vetter Æthelwold den Thron. Er fand Unterstützung bei den Dänen und fiel 902 in East Anglia in der Schlacht, die die Chronik „Holme“ nennt. Die Serie lässt ihn schon kurz nach Alfreds Tod sterben.

Die Schlacht bei Tettenhall, auch Wednesfield genannt, fand am 5. August 910 in Staffordshire statt. Ein plünderndes Heer aus Northumbrien wurde auf dem Rückweg von Westsachsen und Merciern gestellt. Æthelweard nennt drei gefallene Dänenkönige: Eowils, Halfdan und Ingwær. Dieser Halfdan ist nicht der Halfdan des Großen Heeres, der rund dreißig Jahre früher verschwindet. In der Serie entscheidet Æthelflæd die Schlacht. Ob Æthelflæd selbst bei Tettenhall befehligte, lässt sich nicht belegen. Die Quellen sprechen von einem Heer, das Edward und die Mercier schickten; Edward selbst war laut Chronik zu Beginn des Feldzugs in Kent.

Sigtryggr hat ein Vorbild in Sihtric, genannt Cáech, einem Enkel eines Ivar aus dem Dubliner Herrscherhaus (irisch „ua Ímair“, „Enkel des Ivar“), der um 920 von Irland nach York kam und dort bis 927 König war. Rögnvaldr erinnert an Ragnall, der 919 York einnahm. In der Serie landet Sigtryggr in Wales und nimmt sogar Winchester ein. Das ist die richtige Familie zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Beitrag über Jorvik erzählt die Geschichte Yorks unter diesen Königen.

Der Film: Æthelstan und der Weg nach Brunanburh

„Seven Kings Must Die“ setzt mit Edwards Tod ein. Edward starb im Juli 924. Sein Sohn Ælfweard, der in Wessex anerkannt worden war, starb nur gut zwei Wochen später in Oxford. Æthelstan, Edwards ältester Sohn aus erster Verbindung, war in Mercien aufgewachsen und wurde dort zum König gewählt. Gekrönt wurde er im September 925 in Kingston. Seine Legitimität war umstritten, weil der Status seiner Mutter Ecgwynn unklar ist. Ob Æthelstan beim Tod seines Halbbruders nachhalf, ist unbekannt. Der Film lässt Ælfweard nach einer Belagerung töten; belegt ist das nicht.

Ingilmundr, im Film Æthelstans engster Berater und Geliebter, trägt den Namen eines Norwegers, der laut irischen und walisischen Quellen um 902 nach der Vertreibung der Wikinger aus Dublin auf die Halbinsel Wirral kam. Mit Æthelstan ist er nicht verbunden; die Filmfigur stammt aus Cornwells Roman. Für eine Liebesbeziehung Æthelstans zu einem Mann gibt es keinen Beleg. Belegt ist nur, dass er unverheiratet und kinderlos blieb.

927 nahm Æthelstan York ein, nachdem König Sihtric gestorben war. Am 12. Juli 927 trafen sich bei Eamont nahe Penrith mehrere Herrscher mit ihm. Handschrift D der Chronik nennt Hywel, Konstantin von Schottland, einen Owain von Gwent und Ealdred von Bamburgh; William von Malmesbury nennt im 12. Jahrhundert stattdessen Owain von Strathclyde. Sie erkannten Æthelstan als Oberherrn an. Viele Historiker setzen hier den Beginn Englands an. Im Film verweigert Uhtred als Herr von Bebbanburg die Unterwerfung – historisch war es Ealdred, und er unterwarf sich.

Brunanburh 937 ist die Schlacht, die Æthelstans Herrschaft bestätigte. Gegen ihn standen Olaf Guthfrithsson von Dublin aus dem Ivar-Haus, der Ansprüche auf York hatte, Konstantin von Schottland und nach späteren Quellen Owain von Strathclyde. Die Chronik feiert den Sieg mit einem altenglischen Preisgedicht, der einzigen zeitnahen Schilderung. Es nennt fünf junge Könige und sieben Jarle Olafs als Gefallene und lässt Konstantin einen Sohn verlieren. An seiner Seite kämpfte sein Halbbruder Edmund, etwa sechzehn Jahre alt. Wo Brunanburh lag, ist bis heute umstritten. Viele Fachleute bevorzugen Bromborough auf der Halbinsel Wirral, andere Orte in Yorkshire oder weiter nördlich; ein endgültiger Beweis fehlt.

Hier weicht der Film mehrfach ab. Er schickt Hywel in die Schlacht, der nach heutigem Wissen neutral blieb, und erfindet einen Reiterhinterhalt; im Gedicht jagen Reiter nur die Fliehenden. Und er macht Uhtred zum Kopf des Sieges; die Quellen nennen nur Æthelstan und Edmund. Æthelstan starb im Oktober 939. Danach nahm Olaf Guthfrithsson York, und erst in den 950er Jahren, nach dem Ende von Erik Blutaxt in York, war der Norden dauerhaft gewonnen.

Was gesichert ist

  • Alfred, Guthrum, Æthelflæd, Æthelred von Mercien, Edward, Æthelwold, Hæsten, Æthelstan, Konstantin und Olaf Guthfrithsson sind historisch.
  • Chippenham, Athelney und Edington 878 sowie Guthrums Taufe mit Alfred als Paten stehen in der Angelsächsischen Chronik.
  • 878 fiel in Devon ein namenloser „Bruder Ivars und Halfdans“; die Gleichsetzung mit Ubba ist später.
  • Æthelflæd regierte Mercien von 911 bis 918 und ließ zahlreiche Burhs anlegen; das Mercian Register nennt sie „Herrin der Mercier“.
  • Tettenhall (5. August 910) endete mit dem Tod dreier Dänenkönige; wer das englische Heer führte, bleibt offen.
  • Brunanburh 937 ist durch ein zeitgenössisches Preisgedicht in der Chronik bezeugt; der Ort ist ungeklärt.
  • Uhtred von Bebbanburg ist erfunden; Uhtred der Kühne war Ealdorman von Northumbrien und wurde 1016 ermordet.

Dänen, Sachsen, „Wikinger“: wer kämpft hier gegen wen?

Die Serie spricht fast nie von „Wikingern“, sondern von „Dänen“ und „Sachsen“. Damit liegt sie näher an den Quellen als viele Filme. Die Chronik nennt die Gegner meist „Dene“ (Dänen), „hæðene“ (Heiden) oder einfach „here“ (Heer). Das altenglische Wort „wīcing“ kommt vor, aber selten. „Dänen“ ist in diesen Texten ein Sammelbegriff für Leute aus Skandinavien, nicht ein Staatsangehörigkeitsnachweis. Die Heere kamen wohl aus Jütland, von den dänischen Inseln, aus Südschweden und anderen Regionen. Altnordisch „víkingr“ meinte den, der auf Raubfahrt ging. Siehe auch die Begriffskunde.

Ebenso grob ist „Sachsen“. Die Menschen nannten sich nach ihren Königreichen: Westsachsen, Mercier, Northumbrier. Alfred führte den Titel „König der Angelsachsen“. Mit den Sachsen auf dem Festland, gegen die Karl der Große kämpfte, hat das nur die ferne Herkunft gemein; der Beitrag über die Sachsen erklärt diesen älteren Zusammenhang.

Die Serie zieht zwischen beiden Gruppen eine scharfe Linie: Dänen sind heidnisch, frei und rau, Sachsen fromm, bürokratisch und verschlagen. Das trägt die Handlung, trifft die Zeit aber nur teilweise. Viele Dänen in England wurden früh Christen; die Könige von York prägten um 900 Münzen mit christlichen Aufschriften. Es gab Überläufer, Mischehen und Bündnisse quer zur Herkunft. Æthelwold verbündete sich mit Dänen gegen Edward. Der Konflikt war dynastisch, keine Front zweier Völker. Einen Überblick über diese Jahrhunderte bietet der Beitrag Die Wikinger in England.

Kleidung, Waffen, Schildwall: das Bild auf dem Schirm

Die Dänen tragen auffällige Frisuren, Zöpfe, Tätowierungen und dunkles Leder, die Sachsen Kettenhemden, Umhänge und Kreuze. Das ist Bildsprache. Funde zeigen für beide Seiten ähnliche Grundformen: einen knielangen Kittel aus Wolle oder Leinen, Hosen, Gürtel, einen Mantel mit Fibel, Schuhe aus Leder. Tätowierungen bei Skandinaviern sind archäologisch nicht nachgewiesen; die oft zitierte Beschreibung des arabischen Reisenden Ibn Fadlan bezieht sich auf die Rus an der Wolga und ist in der Deutung umstritten. Mehr dazu im Beitrag über Wikinger-Kleidung.

Wohltuend ist, dass die Serie auf Hörnerhelme verzichtet. Helme mit Hörnern hat es im Kampf der Wikingerzeit nicht gegeben; der Mythos stammt aus dem 19. Jahrhundert, wie der Beitrag zum Hörnerhelm-Mythos zeigt. Kettenhemden dagegen sind zu zahlreich. Ein Ringpanzer war teuer; die Serie gibt ihn auch einfachen Kriegern. Der Beitrag zum Kettenhemd nennt die wenigen Originalfunde.

Der Schildwall ist das Markenzeichen der Kampfszenen. Dass Kämpfer in dichten Reihen mit sich überlappenden Schilden standen, legen altenglische und altnordische Dichtung nahe; der Ausdruck „bordweal“ (Schildwall) steht sogar im Brunanburh-Gedicht. Wie die Formation genau aussah, verraten die Texte nicht; Lavelle bezweifelt etwa über Kopf gehaltene Schilde. Das Ringen auf engstem Raum, das die Serie zeigt, ist plausibel, die Einzelheiten bleiben Rekonstruktion. Mehr dazu im Beitrag über den Schildwall.

Mythos-Check

  • „Uhtred von Bebbanburg hat wirklich gelebt.“ Nein. Die Figur ist erfunden. Vorbild ist Uhtred der Kühne, ermordet 1016.
  • „Ubba starb im Zweikampf.“ Die Chronik kennt nur einen namenlosen Bruder Ivars und Halfdans, der 878 in Devon fiel; von einem Zweikampf ist nichts überliefert.
  • „Æthelflæd führte bei Tettenhall persönlich.“ Das ist eine moderne Lesart. Die Quellen nennen ein gemeinsames Heer der Westsachsen und Mercier, aber keinen Befehlshaber.
  • „Mit Brunanburh entstand England.“ Die Anerkennung von Eamont 927 gilt vielen als Beginn; Brunanburh bestätigte die Herrschaft, und kurz nach 939 ging York zeitweise wieder verloren.
  • „Dänen waren Heiden, Sachsen Christen.“ Viele Dänen in England wurden früh Christen; die Könige von York prägten um 900 Münzen mit christlichen Aufschriften.

Häufige Fragen

Wie viele Staffeln hat „The Last Kingdom“? Fünf Staffeln mit zusammen 46 Folgen, ausgestrahlt von 2015 bis 2022, dazu der Film „Seven Kings Must Die“ von 2023. Die ersten beiden Staffeln liefen bei der BBC, ab der dritten Staffel nur noch bei Netflix.

Gab es Uhtred wirklich? Nicht als Figur des 9. Jahrhunderts. Vorbild ist Uhtred der Kühne, Ealdorman von Northumbrien von etwa 1006 bis 1016. Bernard Cornwell sieht ihn über die Familie seines leiblichen Vaters als Vorfahren.

Ist Bebbanburg ein realer Ort? Ja. Bebbanburg ist der altenglische Name von Bamburgh in Northumberland. Die heutige Burg stammt in ihren sichtbaren Teilen aus dem hohen Mittelalter und späteren Restaurierungen.

Wie genau ist die Serie insgesamt? Herrscher, Schlachten und Jahreszahlen folgen weitgehend der Chronik. Charaktere, Motive und viele Wendungen sind erfunden, vor allem ab der dritten Staffel, und Zeiträume von Jahren werden oft auf wenige Folgen verdichtet.

Wo fand die Schlacht von Brunanburh statt? Das ist nicht geklärt. Viele Forscher halten Bromborough auf der Halbinsel Wirral für wahrscheinlich; andere Vorschläge liegen in Yorkshire und weiter nördlich.

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